Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einstiegsgehalt Facharzt/ärztin für Allgemeinmedizin
Wobei Arbeitnehmer in Deutschland formal tatsächlich nur einen durchschnittlichen Arbeitseinsatz und durchschnittliche Arbeitsqualität schulden.
Genau dafür ist Tarifgehalt da.
DrSkywalker
04.04.2023, 20:36
Ich würde als (noch) selbstständiger Vertragsarzt sagen:
- Verhandlungsgrundlage ist Marburger Tarif-Oberarzt-Gehalt
Begründung: Hiernach plant auch die KV das Arztgehalt des Honorars.
zu klären wäre:
- Liqidation von Privatpatienten: innen
- Hausbesuch: bringt außerhalb des HZV circa 22 Euro + Wegegeld = meine Meinung: 1:1 für den ausführenden verhandeln oder Praxisinhaber macht die selber
- wenn man weitere Qualifikationen hat, die sich in der Abrechnung niederschlagen, wäre das auch ein Grund für mehr
- unterversorgtes Gebiet? Dann wäre ein "Happen" von der zusätzlichen Prämie fair
- HVZ Vertrag: bringt ca 20 € / Quartal / Patient mehr - das sollte man auch oben drauf bekommen
m.E. Angebot und Nachfrage - wenn du in einer beliebten Metropole bist, dann "isses das" eben auch - auf dem Land...warum nicht mit 120k reingehen?
Vorsicht! Wer dreist ist, wird evtl. zwar trotzdem angestellt, aber glücklich wird man so nicht. Du willst das Hausbesuchshonorar kassieren der verweigerst sonst Hausbesuche? Du willst pro HZV-Patient 20 Euro? Die Gesichter der Arbeitgeber will ich sehen, wenn du deine Forderung formulierst. Ich müssgte mich zusammenreißen, dich nicht auszulachen. :-)
zu eigentlichen Frage: Wer als frischer Facharzt einfach nur 35 Stunden die Woche kommt, um im ruhigen setting Sprechstunde & Hausbesuche zu machen ohne weitere Aufgaben zu übernehmen, der kann mit ca. 75tsd. zum Einstieg rechnen. Wer 40 Stunden die Woche richtig Gas gibt und auch schon ein paar Jahre Erfahrung als Facharzt hat, kann mit 120tsd rechnen, aber da muss schon sehr viel passen.
Autolyse
04.04.2023, 21:16
Wobei Arbeitnehmer in Deutschland formal tatsächlich nur einen durchschnittlichen Arbeitseinsatz und durchschnittliche Arbeitsqualität schulden. Klingt komisch, ist aber so :-oopss
Das stimmt nicht, denn das ist hochgradig strittig und für die Praxis schon durchentschieden. Arbeit ist schließlich höchstpersönlich und keine Gattungsschuld (=mittlere Art und Güte), weshalb die Rechtsprechung die individuelle Normalleistung fordert. Eine Meinung verdichtet das zu der dynamischen Leistungspflicht, was im Klartext heißt: Wer viel kann, der muss auch viel bringen. Die Ablehnung des objektiven Leistungsmaßstabes wird auf das Fehlen von Gewährleistungsregeln im Dienstvertragsrecht gestützt.
Wer in Verhandlungen mit genau der Forderung reingeht, was er als Minimalbetrag oder durchschnittlich angemessen betrachtet, hat den Sinn von Verhandlungen nicht begriffen. Es geht darum den für dich besten Deal zu machen. Runtergehandelt wirst du schon noch, da musst du dir keine Sorgen machen.
das stimmt natürlich. als unerfahrener drängt sich nur die frage auf, ob 25-30% über tarif zu fordern ggf. unverschämt sei. scheint ja nicht so zu sein. ;)
das stimmt natürlich. als unerfahrener drängt sich nur die frage auf, ob 25-30% über tarif zu fordern ggf. unverschämt sei. scheint ja nicht so zu sein. ;)
Vielleicht ist ja auch der Tarif unverschämt oder wird schlichtweg der Marktsituation nicht gerecht
Locutus001
05.04.2023, 11:27
In einer Praxis ist das Problem natürlich auch - wie ja woanders auch - wohin die Reise denn noch gehen soll.
Die Praxiseigentümer können ja dann auch keinen Anreiz mehr nach oben liefern, wenn alles Pulver schon verschossen ist.
Nicht jede Praxis wirtschaftet gleich gut - was ja auch durchaus Lagebedingt sein mag.
Letztendlich ist ein "gutes Gehalt" für jeden unterschiedlich und da spielen die Arbeitsbedingungen m.M.n. stark mit rein.
Deutlich unterhalb bezahlen lassen, ohne Optionen nach oben ist aber sicherlich auch nicht zielführend.
Schweres Thema. Aber daher sagte ich ja eingangs: Orientieren an der TVÄrzte-Tabelle, eher in Richtung Oberarzt, als in Richtung Facharzt.
Eine Praxis die für mich persönlich sehr gut wäre, sowohl von den Bedingungen, Absprachen, Sympathie, als auch Arbeitszeiten und Arbeitsstrecke, würde ich mit deutlich weniger Gehalt einer anderen, die hier überall miserabel abschneidet z.B. bevorzugen.
Für Eltern ja nochmal wichtiger! (Stichwort Kindkrank/Betreuung... ab erstem Tag Krankmeldung (für Betreuung gibts keine Ansprüche!) selbst über Krankenkasse... 90% vom Gehalt... da ist eine kulante Arbeitgeberlösung x Tage im Jahr Ausfall wegen Kind oder entsprechend äquivalent wie eigene Krankheit, ohne Krankschreibung.... hilfreicher)).
Wenn ich eine Stunde hinfahren muss mit meinem Auto und Parkplatz suchen muss evtl. etc. ... dann ist das weniger günstig, als wenn ich 10 Minuten hinbrauche. Für einen selbst ist das ja auch Zeit- und Nerven-Aufwand sowie Unkosten.
Und wenn es die allererste Stelle ist, dann dient das ja häufig auch zum Erfahrung sammeln. Und man kann dann nach einem Jahr nachverhandeln bzw. sich was neues suchen. Das sollte man auch nie aus den Augen verlieren.
vosd_franziska
05.04.2023, 13:06
Ich danke euch schon mal allen für die vielen Antworten und den ganzen Input :-)
um den thread mal zu missbrauchen… welche gehälter sind denn für nicht-einsteiger drin? einfach, damit man sich realistische vorstellungen von seiner zukunft machen kann.
Ganz im Ernst. Ständig die gleichen Fragen - tausend Mal in anderen Threads beantwortet. Du willst wissen, was DU fordern kannst und verpackst es in einer allgemeinen Frage. das kann dir niemand sagen. Die eigentliche Währung ist nämlich (Lebens-)Zeit und nicht Euro, Dollar oder Gold. Das gilt für alle Fachrichtungen. Sitz du 30 Sprechstunden ab und hast dich dich irgendwie durch die Weiterbildung tragen lassen, darfst du dich über unteres FA-Niveau, wenig Stress und viel Freizeit freuen. Hast du etwas in deine Ausbildung investiert und bist auch bereit etwas zu leisten gibt es keine Grenzen. Zwei Bekannte haben ein MVZ mit mehreren Hausarztsitzen und verdienen jeweils ca. 40.000€ Brutto pro Monat für etwas mehr als 50 Wochenstunden.
Medierror123
11.04.2023, 13:57
Kannst du hier mal schreiben, was du letztendlich zum Einstieg bekommen hast? Also das Gehalt/Anzahl Wochenstunden.
Ich interessiere mich auch für Allgemeinmedizin in Bawü!
Wäre super cool!
vosd_franziska
25.07.2023, 10:28
Also hochgerechnet auf 100%, 40 Stunden Woche haben wir uns jetzt auf 7500€ pro Monat, also 90.000€ Jahresgehalt geeinigt, ich arbeite allerdings nur anteilig in Teilzeit. Bin zufrieden, da ich mich in der Praxis sehr wohl fühle. Mal gucken wie es sich entwickelt.
Danke an alle für den Input!
Immerweiter90
25.07.2023, 15:37
Das finde ich in Ordnung. Aktuell verdiene ich als Quereinsteiger 8500 € im Monat. Wenig Hausbesuche.
Worauf beziehen sich die Angaben "Oberarztgehalt"? Oberarztgehalt pro Stunde oder Oberarztgehalt pro Monat bei geringerer Wochenarbeitszeit, da die meisten Praxen zwischen 25-30h Sprechzeiten haben plus ein paar Stunden Hausbesuche? Ersteres finde ich doch etwas wenig, im ÄBD kommt man (Theoritisch schon als Assi im 2. Jahr, mehr Erfahrung wird nicht voraus gesetzt) doch schon auf einen Schnitt von 80€/h.
Wie kommt man eigentlich als angestellter Arzt in ne Allgemeinmedpraxis auf 40h Arbeitszeit? 25h Sprechzeiten, 5 Hausbesuche/Woche (5h?), Dokumentationszeit? (Briefe schreibt man ja nicht so richtig...) Verwaltungsaufgaben bleiben doch am Chef oder an der Praxismanagerin hängen.....
Es gibt Hausarztpraxen(-MVZ) die deutlich mehr als 40h Sprechzeiten anbieten. Ich glaube aber hier sind die 40h zur Vergleichbarkeit angegeben.
ÄBD kann man nicht mit einer Praxis vergleichen. Entweder wird pro Stunde bezahlt, dann kenne ich als Richtgröße 50€/h, oder man rechnet nach Scheinen ab. Aber ich glaube da kommt man auch nicht auf 80€/h - außer man hat eben ein extrem hohes Patiebtebaufkommen - und das als Bereitschaftsdienst.
Es gibt die Möglichkeit als Privatärztlicher Notdienst zu arbeiten. Bspw FFM und Zürich. An letzterem Ort hatte ich mal ein Gespräch mit dem ärztlichen Leiter über die Arbeitsbedingungen - würde ich für kein Geld der Welt machen.
ehem-user-19-05-2025-1430
26.07.2023, 11:05
Also hochgerechnet auf 100%, 40 Stunden Woche haben wir uns jetzt auf 7500€ pro Monat, also 90.000€ Jahresgehalt geeinigt, ich arbeite allerdings nur anteilig in Teilzeit. Bin zufrieden, da ich mich in der Praxis sehr wohl fühle. Mal gucken wie es sich entwickelt.
Danke an alle für den Input!
Wenn das aktuell gut passt auch evtl mit Kindern etc pp alles gut. Auf Dauer fände ich das zu wenig.
Unter Oberarzttarif würde ich lieber durchgehend notarzt und kv Dienste machen...da kommt man auf wesentlich mehr als Oberarzttarif...
90k pro Jahr...so läuft bei uns im Süden jefer Bachelor ingenieur nach 5 Jahren im Beruf raus... wobei bestimmt auch Süddeutschland-Bias...
Viele Grüße
… Unter Oberarzttarif würde ich lieber durchgehend notarzt und kv Dienste machen...da kommt man auf wesentlich mehr als Oberarzttarif...
Als hauptamtlich angestellter Notarzt wirst du in der Regel auch kein Oberarztgehalt bekommen.
Und zu bedenken ist, dass der Stundenlohn als Notarzt in Nebenbeschäftigung und als KV-Arzt in Brutto angegeben ist. Du wirst mit 40 Wochenstunden bei beiden Tätigkeiten kein Oberarztgehalt bekommen.
Als frischer FA liegt der Bruttosstundenlohn ohne Dienste wahrscheinlich bei etwa 40€.
Und wie immer gilt: Augen auf bei der Berufswahl
ehem-user-19-05-2025-1430
26.07.2023, 18:55
In unserer Region gibt es für eine Notarztschicht 50 Euro die Stunde bei chilliger Arbeitsdichte. Bei KV-Diensten kommt man schon auf 70 Euro die Stunde.
Bei 5 x 24h Notarztschicht pro Monat und 6 x 10h KV-Dienst kommt man da auf 120.000 pro Jahr. Ist jetzt kein Lifestyle den ich mein Leben lang machen wöllte aber bevor man sich verscherbelt... :)
Das ist leider nicht realistisch. Um die 50€ brutto zu erhalten, benötigst du eine Anstellung im Umfang von mindestens 20h/Woche. Und als hauptberuflich angestellter Notarzt bekommst du kein Oberarztgehalt - in der Regel.
Bei meinen Notarzteinkünften von ~10.000-12.000€/Jahr zahle ich etwa 3300€ Lohnsteuer (Steuerklasse 3, 2 Kinder). Das ergibt einen „Gewinn“ von etwa 31€/h (optimistisch gerechnet). Ich bekomme meist brutto 45€ + Einsatzpauschale.
Die KV-Dienste sind voll sozialversicherungspflichtig. Bei einem Stundenlohnbezahlung habe ich 70€ noch nicht angeboten bekommen - außer mit Handgeld für kurzfristige Übernahmen. Aber es kann schon sein, dass in deinem KV-Bezirk der stundensatz bei 70€ liegt.
90k pro Jahr...so läuft bei uns im Süden jefer Bachelor ingenieur nach 5 Jahren im Beruf raus... wobei bestimmt auch Süddeutschland-Bias...
im norden in der industrie etwa 75k für bachelor an ner FH für ne 35h woche. :D zahlen wurden mir die letzten tage noch genau berichtet
Die Diskussion scheint doch nicht unwesentlich durch Beiträge von Praxisinhabern geprägt. Anders kann man sich die Zahlen nicht erklären. Die 90k und mehr sind im Übrigen je nach Region - zugegeben auch dank Förderung - bereits in der Weiterbildungszeit drin.
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