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vosd_franziska
28.03.2023, 19:40
Hallo,

ich bin WBA für Allgemeinmedizin und gerade im Endspurt kurz vor der Prüfung. Demnächst werde ich mit meinen Chefs ein Gespräch haben bzgl. Anstellung als Fachärztin nach der Prüfung. Die Praxis befindet sich in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg.
Nun meine Frage an euch. Was ist ein angemessenes Gehalt für einen Facharzt für Allgemeinmedizin in Anstellung? Wonach kann man sich da richten, was als Orientierung nehmen?

Ich danke euch sehr und viele Grüße
Franzi

Locutus001
29.03.2023, 12:08
Hallo,

ich bin WBA für Allgemeinmedizin und gerade im Endspurt kurz vor der Prüfung. Demnächst werde ich mit meinen Chefs ein Gespräch haben bzgl. Anstellung als Fachärztin nach der Prüfung. Die Praxis befindet sich in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg.
Nun meine Frage an euch. Was ist ein angemessenes Gehalt für einen Facharzt für Allgemeinmedizin in Anstellung? Wonach kann man sich da richten, was als Orientierung nehmen?

Ich danke euch sehr und viele Grüße
Franzi

Hallo,

für die Allg.-Med. kann ich es Dir leider nicht ganz gut beantworten.
Da ist die Streuung ja auch extrem hoch und mein persönliches Motto ist: Wenn Praxis, Ort, Team und alles stimmt, ggf. auch schon die Perspektiven entsprechend zufriedenstellend besprochen sind, dann ist das Geld etwas weniger wichtig.

Aber der ein oder andere Kollege wird hier sicherlich expliziter antworten können.

Generell würde ich mich orientieren an der TV Ärzte Entgelttabelle:

https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/aerzte/uniklinik?id=tv-aerzte-2023&matrix=1

Ich halte das Einstiegsgehalt für die Oberarztposition für angemessen. Das wären hier ca. 100.000 Euro / Jahr.

Vermutlich gibt es auch Praxen die nicht mehr als 80.000 Euro / Jahr zahlen können oder wollen.

Ein realistisches Streumaß dürfte daher 80.000 - 120.000 Euro / Jahr sein. Wobei man schon eher in Richtung 90.000 Euro / Jahr als Minimum gehen sollte m.M.n.

Was ich so rauslese aus anderen Threads kristallisiert sich eher 100-120.000 raus in der Praxis.

Möglichen Zuverdienst, Dienste, Vergünstigungen, etc. sowie inbesondere die vorgesehene Arbeitsbelastung bzw. Anforderungen und auch die eigenen Qualifikationen muss man hier zusätzlich zum Grundgehalt natürlich auch berücksichtigen.

Error123
29.03.2023, 20:47
Ich kann dir leider keine Zahlen nennen aus eigener Erfahrung, aber mir scheint 100.000 Euro direkt nach der Weiterbildung für etwas viel.
Wenn du mal googelst gibt es 1, 2 Beiträge von Arzt und Wirtschaft oder dem Ärzte Blatt und da ist eher so zwischen 75.000 und 80.000 die Rede.
Wenn man so "einfach" 100-120k verdienen könnte, warum sollte man sich dann in der Klinik plagen mit den ganzen Diensten.
Ein Oberarzt bekommt vielleicht als Einstieg so viel und Oberarzt wird man nicht gerade so schnell.
Ich würde mit 90.000 in die Verhandlung gehen, aber nicht enttäuscht sein, wenn es vielleicht was wird zwischen 75-85k

Haffi
29.03.2023, 21:30
Mind. 6,5 Jahre Studium plus mind. 5 Jahre Weiterbildung und "75 000-85 000". Tut mir leid, jeder ist ja seines eigenes Glückes Schmied aber da würd ich Zuhause bleiben.

dissection
29.03.2023, 21:43
Mind. 6,5 Jahre Studium plus mind. 5 Jahre Weiterbildung und "75 000-85 000". Tut mir leid, jeder ist ja seines eigenes Glückes Schmied aber da würd ich Zuhause bleiben.

Kann man so stehen lassen. Als Quereinsteiger (ohne formale Qualifikation) bei Capgemini Invent gibt's als SC mit 2 Jahren Berufserfahrung 75k all in. Und das ist in diesem Bereich des Consulting eher low end. Jeder ist seines Glückes Schmied, indeed.

freak1
29.03.2023, 21:46
Als deutscher Muttersprachler, FA und schon eingearbeitet? Naja, wer sich billig verkaufen möchte kann das für den Preis natürlich tun.

Und warum manche nicht sofort in die Praxis mit Mi/Fr Nachmittag frei flüchten? Manchen von uns macht Klinik halt Spaß. Mich würden aktuell keine 10 Pferde in die Praxis bekommen, damit ich dort dann den ganzen Tag MRT Knie und Schulter befunde...

][truba][
30.03.2023, 07:10
Hab als frischer FA in der Klinik (dabei nur 4 Jahre in meinem aktuellen Fach) 80k ohne Dienste. Wenn man gern und „viel“ = normale Vollzeit) arbeitet würde ich darunter sicher nicht arbeiten. Und wenn man da ne ordentliche Patientenzahl durchschleust, die Chefin/Chef jetzt offiziell nicht mehr da sein muss, wenn du da bist, fände ich alles unter 90k nicht ausreichend.

MNP79
30.03.2023, 10:07
FA Allgemeinmedizin im MVZ direkt nach der Prüfung 90k ohne Dienste. In der Praxis wo ich die Weiterbildung gemacht habe, hatte Angebot 78k mit Dienste :( Eine andere Praxis hat 85k ohne Dienste angeboten.

TaraTamm
30.03.2023, 22:37
Kann man so stehen lassen. Als Quereinsteiger (ohne formale Qualifikation) bei Capgemini Invent gibt's als SC mit 2 Jahren Berufserfahrung 75k all in. Und das ist in diesem Bereich des Consulting eher low end. Jeder ist seines Glückes Schmied, indeed.

Ich kenne zwei Hausarztpraxen und eine Unternehmensberatung aus Praktika. Hat mir als Einblick gereicht um sagen zu können: Bevor ich für 75k in einer großen Unternehmensberatung arbeiten würde, würde ich lieber für 40k in der Hausarztpraxis arbeiten.

Haffi
31.03.2023, 06:49
Unternehmensberatungen sind sicher ein Extrem-Beispiel und für viele ein Sprungbrett.

Für 75 000 braucht man jedoch nicht in die Unternehmensberatung zu gehen. Der Standard-Akademiker-Bürojob in der freien Wirtschaft mit 40h, Zeiterfassung, 2 Tagen Home Office und angenehmer Arbeitsdichte bietet dieses Gehalt ebenso.

vosd_franziska
31.03.2023, 07:27
Ich danke euch schon mal für eure ganzen Antworten und würde mich freuen, wenn der eine oder andere Allgemeinmediziner vielleicht noch von seinen Erfahrungen bzgl. Einstiegsgehalt berichten könnte.
Was sollte man (abgesehen vom Gehalt) auch noch als angestellter Facharzt bedenken/mitverhandeln?
Wie habt ihr es bei euch in den Praxen mit Hausbesuchen und Nutzung von eigenem Auto geregelt?
Vielen Dank!!!

zad22
31.03.2023, 20:13
Der Inhaber einer Praxiskette in Hessen gab mir 2019 noch an 100k für angestellte Fachärzte für Allgemeinmedizin für eine echte 40h-Woche zu zahlen. Nur mal als weiteren Datenpunkt.

stukkadentchen
01.04.2023, 11:38
Es ist natürlich ein Unterschied, ob dich ein MVZ (gewinnorientiert) bezahlt oder eine "normale" (inhabergeführte) Hausarztpraxis.

Ich war während Corona ziemlich verzweifelt, zeitnah einen Job zu finden und hab als frische FÄ mit (umgerechnet) 7500/Monat (für Vollzeit, ich hab aber etwas weniger Stunden) angefangen.

Mir war anderes wichtiger: KEINE Dienste (Muss für mich, man lernt zwar viel, aber ist wahnsinnig ätzend!)
Was mir auch noch wichtig ist und was ich total unterschätzt habe und was durch höheres Gehalt (für mich persönlich) nicht kompensiert werden kann: vernünftige IT (also v.a. was PVS angeht + den Support) und wie viel du als "nur" angestellter Arzty in Richtung Abrechnung/ Ziffern/ Kontrollen/ "Führungskraft sein" investieren musst

Was HB angeht: wir bekommen 40 Tacken Tankgutschein... nud es gibt auch die Möglichkeit eines Jobrades. Solange das dort nicht elend ländlich ist, würde ich ein Rad (wenn etwas ländlicher auch mit etwas Antrieb) für HB benutzen... sonst sieht man je nachdem ja nie das Tageslicht...

Ach ja, und Überstunden. Was damit passiert. Ich kann sie abfeiern oder ausbezahlen lassen... das ist für mich optimal. "Überstunden gibt es nicht" und ähnliches aus Klinikzeiten sollte ein No-Go sein. Es muss nur jemand krank/ im Urlaub sein und man hat Vertretung oder es sind einfach viele krank, dann machst du selbst ohne Bürokram einfach Überstunden.

Viel Erfolg

med_in_1
03.04.2023, 19:34
Ich würde als (noch) selbstständiger Vertragsarzt sagen:
- Verhandlungsgrundlage ist Marburger Tarif-Oberarzt-Gehalt

Begründung: Hiernach plant auch die KV das Arztgehalt des Honorars.

zu klären wäre:
- Liqidation von Privatpatienten: innen
- Hausbesuch: bringt außerhalb des HZV circa 22 Euro + Wegegeld = meine Meinung: 1:1 für den ausführenden verhandeln oder Praxisinhaber macht die selber
- wenn man weitere Qualifikationen hat, die sich in der Abrechnung niederschlagen, wäre das auch ein Grund für mehr
- unterversorgtes Gebiet? Dann wäre ein "Happen" von der zusätzlichen Prämie fair
- HVZ Vertrag: bringt ca 20 € / Quartal / Patient mehr - das sollte man auch oben drauf bekommen

m.E. Angebot und Nachfrage - wenn du in einer beliebten Metropole bist, dann "isses das" eben auch - auf dem Land...warum nicht mit 120k reingehen?

dmtec
03.04.2023, 20:06
Ich kann dir leider keine Zahlen nennen aus eigener Erfahrung, aber mir scheint 100.000 Euro direkt nach der Weiterbildung für etwas viel.
Wenn du mal googelst gibt es 1, 2 Beiträge von Arzt und Wirtschaft oder dem Ärzte Blatt und da ist eher so zwischen 75.000 und 80.000 die Rede.
Wenn man so "einfach" 100-120k verdienen könnte, warum sollte man sich dann in der Klinik plagen mit den ganzen Diensten.
Ein Oberarzt bekommt vielleicht als Einstieg so viel und Oberarzt wird man nicht gerade so schnell.
Ich würde mit 90.000 in die Verhandlung gehen, aber nicht enttäuscht sein, wenn es vielleicht was wird zwischen 75-85k

Finde deine Informationen sind veraltet. Von Fach zu Fach unterschiedlich aber ne OA Stelle ist nicht mehr so schwer zu bekommen und gerade in der Inneren oft direkt im Ersten Jahr nach FA besetzt.

Ich würde defintiv 10000 brutto/m verlangen, es geht ja auch ums verhandeln. Dann zB Teilzeit auch anbieten.
Runtergehen kann man ja immernoch.

Grombühlerin
03.04.2023, 20:20
Aktivier mal deine PN!

klump3n
04.04.2023, 10:01
m.E. Angebot und Nachfrage - wenn du in einer beliebten Metropole bist, dann "isses das" eben auch - auf dem Land...warum nicht mit 120k reingehen?

nach tarif zur orientierung als einstieg 96k - ist da nicht 120k (auch auf dem land) etwas zu viel verlangt?
naive frage als student mit berufsziel hausarzt

Cor_magna
04.04.2023, 12:54
nach tarif zur orientierung als einstieg 96k - ist da nicht 120k (auch auf dem land) etwas zu viel verlangt?
naive frage als student mit berufsziel hausarzt

Wer in Verhandlungen mit genau der Forderung reingeht, was er als Minimalbetrag oder durchschnittlich angemessen betrachtet, hat den Sinn von Verhandlungen nicht begriffen. Es geht darum den für dich besten Deal zu machen. Runtergehandelt wirst du schon noch, da musst du dir keine Sorgen machen.

Ein befreundetet Chefarzt meinte mal zu mir: Wenn Ihnen jemand nur durchschnittliches Gehalt anbietet, dann muss Ihre Antwort sein: "Ja, aber sie wollen doch überdurchschnittliche Leistung und Einsatz, und nicht nur den Durchschnitt oder?"

Thomas24
04.04.2023, 13:15
Ein befreundetet Chefarzt meinte mal zu mir: Wenn Ihnen jemand nur durchschnittliches Gehalt anbietet, dann muss Ihre Antwort sein: "Ja, aber sie wollen doch überdurchschnittliche Leistung und Einsatz, und nicht nur den Durchschnitt oder?"

Wobei Arbeitnehmer in Deutschland formal tatsächlich nur einen durchschnittlichen Arbeitseinsatz und durchschnittliche Arbeitsqualität schulden. Klingt komisch, ist aber so :-oopss

Cor_magna
04.04.2023, 14:07
Wobei Arbeitnehmer in Deutschland formal tatsächlich nur einen durchschnittlichen Arbeitseinsatz und durchschnittliche Arbeitsqualität schulden. Klingt komisch, ist aber so :-oopss

Möglich, aber wer so denkt, wäre vielleicht besser beraten dann auch nur durchschnittlichen Verdienst zu erwarten, alles andere fände ich schon vermessen :-))