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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr eure Fachrichtung nochmal wählen?



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Intubiert
31.05.2023, 18:38
Moin,
ich hab mich gefragt, ob ich ihr eure Fachrichtung nochmal so wählen würdet mit eurem jetzigen Wissen bezüglich Wertschätzung, Klinik-Gebundenheit, Gehalt, Weiterbildungsmöglichkeit, Aufstiegschancen etc.
Was mich aber am meisten interessiert, ob ihr, wenn ihr die finanziellen Möglichkeiten hättet, ihr einen eigenen KV-Sitz bekämt, oder euch anstellen lasst, in die Praxis abzuwandern oder würdet ihr der Klinik treu bleiben (unabhängig ob peripheres Haus, Uni...). Gerne mit Erläuterung, weil ich aktuell mit dem Gedanken spiele, eine Fachrichtung zu wählen, die nicht meine 1. Wahl bezüglich Interessen ist, jedoch nach dem Facharzt-Titel sehr gute Praxisoptionen bietet und ,,eher'' familienfreundlich ist. Unabhängig davon, ob angestellt oder in der Selbstständigkeit, werde ich in der Praxis vermutlich deutlich besser verdienen im Vergleich zur Klinik-Tarifvertrag.
Die andere Fachrichtung (ANÄ), die mich von allen Fachrichtungen am meisten interessiert, ist jedoch sehr Klinik-gebunden. Klar, gibt es auch da Optionen, ambulant oder in einer Praxis zu arbeiten, aber diese Optionen könnte ich mir in diesem Fach nicht vorstellen, weil mir das zu langweilig wäre. Vielleicht noch wichtig, wenn Anästhesie, dann Maximalversorger oder Uni, weil ich in den kleineren bis mittelgroßen Häusern das breite Spektrum an Krankheitsbildern, das Studenten-Teaching und ggf. die Forschung fehlt.
Zusammengefasst: Gehe ich nur nach meinen Interessen und mache Anästhesie in der Klinik mit Tarifvertrag oder denke langfristig an die familienfreundlichere Alternative und wähle ein Fach, was laut meiner Interessen nicht an 1. Stelle ist, sondern eher Platz 3-4, ich jedoch sehr gutes Geld verdienen kann, was mir durchaus wichtig ist. Ich sage nicht, dass Ärzte/Ärztinnen nicht gut bezahlt werden, aber wenn ich mir die Umstände in der Klinik anschaue, denke ich, dass die Arbeit dem Gehalt nicht gerecht wird. Außerdem denke ich nicht, dass sich in den nächsten Jahren viel in unserem Gesundheitssystem ändern wird (Auch nicht durch Lauterbach's Gesundheitsreform).



LG
Intubiert

mbs
31.05.2023, 18:47
Nein. Ich würde auch auf keinen Fall nochmal Medizin studieren. Das war ein Riesenfehler den ich nach wie vor stark bereue.

][truba][
31.05.2023, 19:21
Hä?

Check ich nicht. Du findest Anästhesie geil, überlegst aber wegen der schlechten Arbeitsbedingungen ein Fach zu machen, was dich nicht so sehr interessiert. Aber Anästhesie an nem kleinen-mittleren Haus wird ausgeschlossen weil das nächtlich, gedeckt perforierte BAA fehlt (und die Forschung und die Studenten und alles, was es irgendwann so zeitraubend macht neben der eigentlichen Arbeit).

Passt für mich nicht zusammen. Wenn du Anästhesie magst, mach Anästhesie und wenn du Familie hast und nicht mehr die Nächte durchracken möchtest, gehst du an ein kleineres Haus und machst weiter das, was dich interessiert. Nur vielleicht nicht mehr in der "abgespacten" Uni/Maximalversorgerklinik.

Ich würde mein Fach wieder wählen, möchte jetzt auch noch in der Klinik bleiben, weil ich gerne operiere.
Wenn ich Kinder haben sollte und das für mich zeitlich nicht (mehr) zusammenpasst, kann ich mir auch Praxis vorstellen. Auch wenn das für mich (aktuell) auch eher (ein wenig) öde erscheint.

_calendula_
31.05.2023, 19:26
Spricht etwas dagegen mit Anästhesie anzufangen? 1 Jahr kann man sich oft anrechnen lassen. Und 1 Jahr Asthesieerfahrung ist davon unabhängig recht praktisch.
Vor allem, wenn es dich interessiert. Z.B. Quereinstieg Allgemeinmedizin ist auch als Facharzt für Anästhesie möglich.

Intubiert
31.05.2023, 19:34
Ich denke, dass es naiv ist, sein Fach nur nach meistem Interesse auszuwählen, auch wenn ich mit der Meinung zu der Minderheit gehöre. Meiner Ansicht nach sollte man auch die Zukunftsperspektiven in die Fachwahl miteinbeziehen. In der Klinik ist der Weg nunmal: AA → FA → OA und ggf. CA (werden die wenigsten). In einer Praxis, ob angestellt oder selbstständig, sehe ich bessere Zukunftsperspektiven, weil ich mehr Einfluss auf das Arbeiten und die Praxis habe. Deswegen: Ich kann mich auch mit dem anderen Fach arrangieren, weil es eben andere attraktive Aspekte bietet, wie bessere Work-Life-Balance und Verdienst. Da spielt das große Interesse dann nicht die entscheidende Rolle. Ja, die eierlegende Wollmilch gibt es nicht...

anignu
31.05.2023, 22:47
Bissl verrückt: das Interessenfach (das grundsätzlich schonmal zu den Familienverträglichsten zählt weil ohne Bettenführung) nimmt man nicht, weil das Fach zwar interessant wäre aber nur in der Maximalvariante. Und das andere Fach würde man nehmen weil man in eine Praxis kann... obwohl man beim ersten Fach auch in die Praxis könnte, aber das will man dann wiederum nicht?

Ich mach ganz klar mein Interessensfach. Arbeitsbedingungen manchmal nicht so toll (und deutlich schlechter als Anästhesie!!!) aber die OPs machen mega Spaß, es macht mit Spaß mich einzulesen und reinzudenken und das ist mir schon sehr wichtig. Ich würd kein Fach machen wollen das mich zu wenig interessiert. Da fehlt mir dann komplett die intrinsische Motivation.

[truba][;2261487']nächtlich, gedeckt perforierte BAA
Immer dieses "gedeckt"... hast du schonmal ein "nicht gedeckt" rupturiertes BAA oder "frei" rupturiertes BAA gesehen? Nein? Warum nur. Ach ja, weil die Patienten dann schon tot sind. Also ist JEDES diagnostizierte rupturierte BAA immer ein gedeckt rupturiertes BAA weil ansonsten der Patient tot ist. Und daher nennen wir es einfach nur "rupturiertes BAA" weil das ein absoluter Notfall ist und durch so eine Vorsilbe wie "gedeckt" eine falsche Sicherheit reininterpretiert werden kann, dass es kein absoluter Notfall auf Leben und Tod ist. Vor allem wenn ein Anästhesist kommt mit "das ist ja nur gedeckt rupturiert"... ich denk da muss man noch viel Aufklärungsarbeit leisten.
ICD? Unterscheidet auch nur zwischen intakt und rupturiert.
Und nenn es bitte nicht perforiert. Es ist aufgrund des Drucks zerrissen quasi zerfetzt. Nicht so bissl kleines Loch wie ein Darm bei den Viszeralchirurgen und dann übernäht man das und alles ist gut. Nein, echt zerrissen. Kannst nix mehr zusammennähen. Ist alles im ...Eimer.
truba. kratzt vorsätzlich an der Ehre der Gefäßchirurgie ;-)

Und wenn ich schon dabei bin: eine aortoduodenale Fistel ist zwar ein stehender Begriff aber primär mal nichts mit Fistel zu tun. Es handelt sich dabei um eine durch die Pulsation der Aorta verursachte Schädigung der Darmwand die dann wiederum zu Blutungen führt. Eine echte Blutung aus der Aorta in das Duodenum ist unglaublich selten und quasi immer letal. Die Darminnenwandschädigung mit daraus resultierender Blutung ist "das Normale" und wird eben als aortoduodenale Fistel bezeichnet. Ursache verschieden (Z.n. EVAR mit Endoleak, Z.n. Rohrprothese und dann im Bereich der oberen Nahtreihe, nicht versorgtes BAA etc.), Therapie an Ursache angepasst.

][truba][
01.06.2023, 04:05
Hätte ich nicht das gedeckt geschrieben, hättest du uns erklärt, dass es das nicht gibt weil jeder mit nem frei rupturierten BAA stirbt ;-)

Grundsätzlich sind wir uns hier doch aber im Thema einig :-D

tragezwerg
01.06.2023, 05:15
Ich würde immer danach gehen, was dich am meisten interessiert. Medizin ist ein forderndes, körperlich und mental anstrengendes Metier, für mich wäre es nicht denkbar, ohne Interesse an meinem Fach motiviert zur Arbeit zu gehen.
Familienfreundlichkeit ist häufig massiv vom Arbeitgeber an sich abhängig und nicht vom Fach, genauso die Arbeitsbedingungen (klar gibt es fachbedingte Abstufungen, aber so richtig gut pauschalisieren kann man das nicht).
Ich mache seit 10+ Jahren Anästhesie, würde es jederzeit wieder machen, habe es nie bereut, bin alleinerziehend mit Kids und arbeite an nem Maximalversorger. Habe da meine Nische gefunden mit geringerer Dienstbelastung und bin happy.
Und kleine Anmerkung zum Thema "spannende" Fälle: irgendwann in deiner Berufslaufbahn kommst du an den Punkt, an dem du genügend vital bedrohte Patienten gesehen hast, und bist froh irgendwo zu arbeiten wo du nicht ständig Massivtransfusionen machen musst :D
Und es ist ja nichts davon ne Einbahnstraße. Dann machst du halt n bisschen Anästhesie, dann wechselst du die Klinik oder das Fach, so what? Es sind so viele Stellen frei, du hast Auswahl. Versuch dich nicht in Planungen zu verzetteln.

Endoplasmatisches Reticulum
01.06.2023, 06:39
Das ist eine komplexe Abwägung, in die für mich mit rein spielt:

- Aktuelle und erwartete zukünftige Freude am Fach
- Eigene Fähigkeiten und Talente
- Langfristige Perspektiven und Möglichkeiten des Fachs
- Mobilitätsanforderungen des Fachs
- Work-Life-Balance, ggf. Teilzeitkompatibilität
- Verdienstmöglichkeiten
- Vereinbarkeit mit Lebens- und/oder Familienplanung
- Abseilstrategien bei geänderter Lebenslage

Ich habe bestimmt noch ganz viel vergessen. Es auf nur einen dieser Punkte herunterzubrechen erscheint mir aber etwas kurzsichtig. Letztlich sollte die Fachwahl den erwarteten Gesamtnutzen optimieren. Es kann durchaus sinnvoll sein, die interessenstechnische Zweitwahl vorzuziehen. Das heißt aber ja nicht, dass man ein Fach machen sollte, dem man gar nichts abgewinnen kann.

Minga30
01.06.2023, 13:52
Hey, :-)

was wäre denn deine Zweitwahl, wenn man fragen darf?

Cor_magna
01.06.2023, 14:50
Diese Frage ist in etwa so, als würde man jemanden Fragen: Soll ich Lebenspartner*in 1 oder Lebenspartner*in 2 auswählen, wonach würdet ihr entscheiden?

Du musst selbst abwägen, was dir am Job wichtig ist und daraufhin Entscheidungen treffen. Jeder hat da andere Präferenzen.

Für mich persönlich ist die Tätigkeit selbst zwar schon wichtig und Geld eher zweitrangig, aber die Arbeitsbedinungen müssen stimmen.

In meinem Wertekanon steht meine eigene Gesundheit und entsprechende Selbstfürsorge sowie meine Familie ganz oben. Wenn das gefährdet wird dann werden Konsequenzen gezogen (und ja, da zähle ich bereits wenige Jahre sehr stressige Arbeitsbedinungen und Überarbeitung dazu! Auch wenige Monate an 60h Wochen kann schaden, sowohl der eigenen Gesundheit als auch den sozialen Beziehungen bzw Partnerschaften, und dass diese sehr wichtig für das geistige Wohlbefindne sind muss ich keinem erzählen. Noch dazu der eigene Selbstwert den man mit Füßen tritt, wenn man sich bereit erklärt als Leibeigener und nicht als geschätzter Mitarbeiter zu schuften) . Ich sehe das auch so, wenn man vielleicht eine andere Tätigkeit eigentlich lieber machen würde. Habe diesen Schritt bereits hinter mir und ich bereue nichts. Bin wie gesagt altuell in der Genetik tätig bei traumhaften Arbeitsbedinungen und super Wertschätzung. man hat absolut ausreichend zeit für patienten, Diagnsotik und Briefe. Praktisch nie Überstunden. Nette (da nicht gestresste) Mitarbeiter. Bedingungen ähnlich zu denen von denen mir meine BWL und Informatiker Freunde aus ihren Berufen berichten. Mir wird auch jetzt erst so richtig klar, wie man als Stationsarzt im Akuthaus verheizt wird. Wenn man in der Mühle schuftet, nimmt man das irgendwie hin und überlebt irgendwie.

Ich würde eigentlich lieber Innere machen (v.a. Stoffwechsel und Endokrinologie), also von der Tätigkeit her, hat mir das viel Spaß gemacht. Auch Allgemeinmedizin fand ich in Famulaturen gut und hat Spaß gemacht - Wer weiß vielleicht wechsele ich auch nochmal in eine solche Richtung nach sorgfäliger Evaluation.
In der Inneren war ich schon und wohlgemerkt in einer eher guten Klinik in der viele Assistenten über Jahre geblieben sind, aber selbst das in diesem Haus waren für mich keine akzeptablen Bedingungen. Wenn 30 prozent mehr Assistnten da wären für die Arbeit, dann gerne, aber nicht so. Von 5 Arbeitstagen in der Woche hatte ich vielleicht im Schnitt an einem davon das Gefühl, dass das heute einigermassen angemessen viel Arbeit für eine person war (das war der tag an dem keine akuten Sachen dazwischenkamenund ich zwicshendurch was essen konnte und den Eindruck hatte ich habe meine patienten gut versorgt und bin selbst nicht im Horrordauerstress.) Und so geht das einfach nicht. Vor allem nicht, wenn man jemand wie ich ist der gerne gute Leistung bringt und sich auch reinhängt in die Arbeit, gute Noten im Studium hatte und auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich begehrt ist. Also bin ich gegangen. Außerdem: Es können viele Tätigkeiten Freude bereiten. Und der Job dient nunmal in erster Linie dem Brötchenerwerb, er ist nicht dafür ausgelegt (Systembedingt!! Es geht um Geld!) unsere Wünsche nach Erfüllung und Sinngebung zu befriedigen. Wenn das das Hauptziel ist, ist man gefundenes Fressen für jeden Manager ("Sie müssen aber einspringen!!! Wollen Sie wirklich Ihre Kollegen und Patienten im Stich lassen!!") Solche Leute können mich mal. (Sorry für den Ausdruck) Hab Bekannte/Freunde (wirklich nette Menschen) die im Krankenhaus in der Teppichetage arbeiten, teils im Management. Die können sich überhaupt nicht vorstellen was auf den Stationen so alles abgeht.

Endoplasmatisches Reticulum
01.06.2023, 15:31
Geld ist mir auch völlig unwichtig. Wenn mir das Grundgehalt nicht reicht, kann ich jederzeit weitere Einnahmen generieren. Was mir aber sehr wichtig ist, ist Gratifikation. Wenn ich mich verarscht oder ausgebeutet fühle, gehe ich auf die Barrikden und mein ganzer Körper weigert sich, Freude an der Arbeit zu empfinden. Ich merke das an Unruhe, schlechter Laune und Schlafmangel. Wenn ich den Eindruck habe, meine Fähigkeiten und meine Leistung werden geschätzt, dann geht mir auch Höchstleistung über lange Zeit ohne Probleme von der Hand. Vor der Medizin war das die Regel. Seit der Approbation ... ehrlich gesagt noch nicht erlebt. Und ich rede jetzt nicht von Blümchen und Heiteitei.

Intubiert
01.06.2023, 15:46
Hey, :-)

was wäre denn deine Zweitwahl, wenn man fragen darf?

Ist ein schwieriges Thema hier im Forum. Diese Fachrichtung wird von den Usern eher verspottet, besonders die Ästhetik, weil man ja ,,nur'' ärztlicher Kosmetiker oder Lifestyle-Arzt ist. Die Option wäre 6 Jahre in der Klinik bis zum FA und dann so schnell es geht in eine Praxis, egal ob angestellt oder selbstständig (eh unrealistisch). Ja, ich würde mich dann gerne ,,nur'' auf die Ästhetik konzentrieren, aber nicht nur Botox und Hyaluron wie die Superstars ,,Aesthetify'', sondern auch operieren wollen.

*Duck und weg*

Intubiert
01.06.2023, 15:52
[truba][;2261487']Hä?

Check ich nicht. Du findest Anästhesie geil, überlegst aber wegen der schlechten Arbeitsbedingungen ein Fach zu machen, was dich nicht so sehr interessiert. Aber Anästhesie an nem kleinen-mittleren Haus wird ausgeschlossen weil das nächtlich, gedeckt perforierte BAA fehlt (und die Forschung und die Studenten und alles, was es irgendwann so zeitraubend macht neben der eigentlichen Arbeit).

Passt für mich nicht zusammen. Wenn du Anästhesie magst, mach Anästhesie und wenn du Familie hast und nicht mehr die Nächte durchracken möchtest, gehst du an ein kleineres Haus und machst weiter das, was dich interessiert. Nur vielleicht nicht mehr in der "abgespacten" Uni/Maximalversorgerklinik.

Ich würde mein Fach wieder wählen, möchte jetzt auch noch in der Klinik bleiben, weil ich gerne operiere.
Wenn ich Kinder haben sollte und das für mich zeitlich nicht (mehr) zusammenpasst, kann ich mir auch Praxis vorstellen. Auch wenn das für mich (aktuell) auch eher (ein wenig) öde erscheint.


Warum sollte ich ein Fach machen, was mich zwar interessiert, in diversen Kliniken aber merke, dass Arbeitsbelastung, Wertschätzung... scheiße sind? So lange die Klinik wechseln, bis man eine einigermaßen vereinbare Klinik gefunden hat, mit der man sich arrangieren kann? Dann ist doch der Weg in eine Praxis angenehmer, wo ich mehr Einfluss auf mein Arbeiten und mein Umfeld habe.

Hier ein Auszug aus dem deutschen Ärzteblatt 2023: (Ja, n= 800) spricht nicht für ganz Deutschland

Ob sich Beruf und Privatleben besser vereinbaren lassen, wenn man angestellt in der Klinik arbeitet oder selbstständig in eigener Praxis, darüber gehen die Meinungen unter den Ärztinnen und Ärzten auseinander. Zumindest ergab das eine Umfrage der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Im Auftrag der Bank befragte das Marktforschungsinstitut DocCheck Insights 800 Heilberuflerinnen und Heilberufler aus der Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie. 400 Teilnehmende waren angestellt, 400 selbstständig.

Die Work-Life-Balance hat den Ergebnissen zufolge für alle Befragten eine hohe Relevanz. Für 83 Prozent der Angestellten war es das wichtigste Kriterium, sich für eine Anstellung zu entscheiden. 63 Prozent äußerten, es müsse eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf geben, um in die Selbstständigkeit zu gehen. Demgegenüber betonten unter den selbstständigen Heilberuflerinnen und Heilberuflern insbesondere die Ärztinnen und Ärzte, dass die Selbstständigkeit ihnen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (74 Prozent) ermögliche. Für sie war dies eines der Hauptmotive, sich niederzulassen.
„Dieses ambivalente Ergebnis kann durchaus auf die unterschiedlichen Erfahrungen, die Ärztinnen und Ärzte in ihrem Berufsalltag gemacht haben, zurückgeführt werden“, erläuterte Daniel Zehnich, Bereichsleiter Gesundheitsmarkt und Beteiligungen bei der Apobank. Aus Gesprächen mit Praxis- und Apothekeninhabern wisse man allerdings auch, dass gerade die Flexibilität als eigener Chef oder Chefin sehr gute Möglichkeiten biete für eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Auf der anderen Seite hätten die Ärztinnen und Ärzte schon oft zum Ausdruck gebracht, dass die Arbeit im Krankenhaus häufig mit starker Belastung und Unzufriedenheit einhergehe, sagte Zehnich weiter. Eines der Umfrageergebnisse untermauere dies: „Nur sieben Prozent der befragten Angestellten wollen langfristig in der Klinik arbeiten, die Gemeinschaftspraxis war mit Abstand der Favorit.“

Intubiert
01.06.2023, 16:46
Das ist eine komplexe Abwägung, in die für mich mit rein spielt:

- Aktuelle und erwartete zukünftige Freude am Fach
- Eigene Fähigkeiten und Talente
- Langfristige Perspektiven und Möglichkeiten des Fachs
- Mobilitätsanforderungen des Fachs
- Work-Life-Balance, ggf. Teilzeitkompatibilität
- Verdienstmöglichkeiten
- Vereinbarkeit mit Lebens- und/oder Familienplanung
- Abseilstrategien bei geänderter Lebenslage

Ich habe bestimmt noch ganz viel vergessen. Es auf nur einen dieser Punkte herunterzubrechen erscheint mir aber etwas kurzsichtig. Letztlich sollte die Fachwahl den erwarteten Gesamtnutzen optimieren. Es kann durchaus sinnvoll sein, die interessenstechnische Zweitwahl vorzuziehen. Das heißt aber ja nicht, dass man ein Fach machen sollte, dem man gar nichts abgewinnen kann.

Noch jemand, der gerne im Voraus plant und nicht einfach die schnellst mögliche Stelle annimmt, weil man im Zweifel ja sowieso nochmals Wechseln kann und was angerechnet bekommt. Ich habe ähnliche Aspekte, so wie du sie schriebst, und wenn ich danach gehe, gibt es für mich geeignetere Alternativen als die Anästhesie.

davo
01.06.2023, 17:23
Ja, ich würde mein Fach wieder wählen.

Und nein, langfristig werde ich sicher nicht in der Klinik bleiben. Natürlich ist die Praxis "langweiliger". Aber "langweiliger" ist mittel- und langfristig doch viel angenehmer als der Dauerstress der Klinik ;-)

Die Anästhesiologie auszuschließen, obwohl sie dich am meisten interessiert, kann IMHO nur nach hinten losgehen. Ich sehe das genau wie truba. Außerdem gibt es doch gerade für Anästhesisten außerhalb der Kliniken viele lukrative und auch durchaus abwechslungsreiche Optionen.

Deine Vorstellung, dass die Dermatologie so verschrien sei, kann ich übrigens nicht teilen. Du scheinst dir in der Rolle des Nonkonformisten sehr zu gefallen - du betonst wiederholt, was du alles anders siehst als die Mehrheit. Dann ist natürlich die Frage, warum du deinen Beitrag hier überhaupt geschrieben hast - willst du wirklich Tipps, oder willst du eher bei deiner vorgefassten Meinung bleiben, vielleicht sogar am liebsten der Mehrheit widersprechen, die Rolle der schlaueren Minderheit genießen?

Intubiert
01.06.2023, 17:41
Ja, ich würde mein Fach wieder wählen.

Und nein, langfristig werde ich sicher nicht in der Klinik bleiben. Natürlich ist die Praxis "langweiliger". Aber "langweiliger" ist mittel- und langfristig doch viel angenehmer als der Dauerstress der Klinik ;-)

Die Anästhesiologie auszuschließen, obwohl sie dich am meisten interessiert, kann IMHO nur nach hinten losgehen. Ich sehe das genau wie truba. Außerdem gibt es doch gerade für Anästhesisten außerhalb der Kliniken viele lukrative und auch durchaus abwechslungsreiche Optionen.

Deine Vorstellung, dass die Dermatologie so verschrien sei, kann ich übrigens nicht teilen. Du scheinst dir in der Rolle des Nonkonformisten sehr zu gefallen - du betonst wiederholt, was du alles anders siehst als die Mehrheit. Dann ist natürlich die Frage, warum du deinen Beitrag hier überhaupt geschrieben hast - willst du wirklich Tipps, oder willst du eher bei deiner vorgefassten Meinung bleiben, vielleicht sogar am liebsten der Mehrheit widersprechen, die Rolle der schlaueren Minderheit genießen?

Danke, Davo für deinen Kommentar. Ja, offensichtlich habe ich andere Meinungen als viele der User, aber dennoch habe ich mir erhofft, andere Sichtweisen zu bekommen, als die offensichtlichen (,,Fang einfach mal an, guck wie's ist. Wenn's dir nicht gefällt, wechsel halt'' oder ,,Mach halt das Fach, was dich am meisten interessiert.'') Ich habe einfach keine Lust, schlechte Klinikerfahrungen zu machen um dann zu realisieren, wie scheiße es in den meisten Kliniken abgeht um dann doch das Fach zu wechseln oder dann doch in der Praxis zu landen. Demnach versuche ich im Vorhinein abzuwägen, ob es mir das Interesse an der Anästhesie wert ist dort auch anzufangen.
Außerdem sprach ich nicht von der Derma, sondern der plastischen. Ich dachte, das sei offensichtlich. Derma wird hier ernst genommen, bloß die ,,ästhetische Plastische'' nicht.

Feuerblick
01.06.2023, 18:07
Ich habe meine Facharztausbildung in einem Fach gemacht, das ich unbedingt machen wollte und das sowohl (im Vergleich zu anderen Fächern) brauchbare Klinik-Bedingungen bietet als auch Niederlassungsmöglichkeit.
Nach der Facharztprüfung war ich in einer Praxis angestellt und habe mich, trotz stressiger Bedingungen (60 Pat/Tag), relativ schnell gelangweilt. Da haben all die Vorteile mit freien Wochenenden, wenig Überstunden etc. auch nicht helfen können. Ich fand es öde.

Will sagen: Je nachdem, wie man konfiguriert ist und wie sehr man beim Arbeiten seinen Kopf einsetzen möchte und/oder Routine verabscheut, kann man in Klinik oder in einer Praxis glücklich werden. Die Anästhesie bietet ja inzwischen durchaus auch Möglichkeiten zur Praxistätigkeit ohne Klinik an der Backe. Insofern wäre das nicht das Argument.
Aber ich würde mir an deiner Stelle überlegen, ob du mit der täglichen Praxis-Routine aka Langeweile klarkommst. Ich fand das damals furchtbar. Entweder Sachen, bei denen ich mein Hirn nicht benutzen musste oder spannende Dinge, die ich an die Klinik überweisen musste.
Ich vermute mal, dass die „ästhetische Plastische“ nicht weniger Routinekram ist. Von den Ansprüchen der Patienten wollen wir da noch gar nicht reden.
Die Idee, erst einmal in der Anästhesie anzufangen, finde ich nicht so verkehrt. Was du da lernst, kannst du garantiert auch in anderen Fächern gebrauchen. Und du hättest nicht bei jedem schlechten Tag in der Plastischen den Gedanken „Wäre Anästhesie nicht doch besser gewesen?“ ;-)
Ach ja: Ich habe ein Dreiviertel Jahr Chirurgie gemacht, weil in meinem Fach keine guten Stellen frei waren. Auch wenn die Zeit echt ätzend war, ich habe viel gelernt, was mir später zugute kam.

Minga30
01.06.2023, 19:51
Ist ein schwieriges Thema hier im Forum. Diese Fachrichtung wird von den Usern eher verspottet, besonders die Ästhetik, weil man ja ,,nur'' ärztlicher Kosmetiker oder Lifestyle-Arzt ist. Die Option wäre 6 Jahre in der Klinik bis zum FA und dann so schnell es geht in eine Praxis, egal ob angestellt oder selbstständig (eh unrealistisch). Ja, ich würde mich dann gerne ,,nur'' auf die Ästhetik konzentrieren, aber nicht nur Botox und Hyaluron wie die Superstars ,,Aesthetify'', sondern auch operieren wollen.

*Duck und weg*

Wieso wird es verspottet ? Ich gehe davon aus, dass du plastische Chirurgie meinst ?!
Also ich persönlich schaue hochachtungsvoll auf die Kollegen. Immerhin gehören auch die Versorgung brandverletzter oder auch Handchirurgie etc. dazu. Wenn man sich später auf Ästhetik spezialisieren will kann man das ja auch privat machen und braucht keinen Kassensitz. Wenn dir vieles am Fach Spaß macht Go for it. Aber diese Facharztweiterbildung ist unter meinen ehemaligen Kommilitonen sicherlich mit die Härteste.
Die Zufriedenheit ist denke ich ausgeglichen aber bei bekannten Anästhesisten zumindest aus eigener Erfahrung höher. Besonders die Kollegen, die Notarzt fahren, warum auch immer :-)

][truba][
01.06.2023, 19:59
Rekonstruktive/plastische ist super. Echte Zauberer mMn. Hatte ich auch mal überlegt. Dort allerdings einen Platz zu bekommen, und das als second option, kann eventuell etwas Geduld kosten. Das wollen ja echt viele und auch von Herzen machen.

Früh Kontakte knüpfen, PJ, Diss oder erstmal andere chir. Fachrichtung und immer breit und landesweit bewerben.