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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was darf man von Berufsanfängern erwarten, was müssen Altassis machen? (Meckerei)



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Frisko
19.07.2023, 08:28
bei uns in der Abteilung beobachte ich eher das Umgekehrte: da wird gar nicht mehr gefragt. Und wir haben wirklich nette, zugängliche Kolleg*innen, sowohl auf Stations- als auch auf Oberarztebene.
Und da kommt wieder ein Schlenker in Richtung des Ausgangspost:
wir haben gerade einen fertigen Viszeralchirurgen aus Afghanistan bei uns. Der hat in Kabul einfach die Granatsplitter aus den Leuten rausgeholt. Super netter Typ. Funktioniert hier auf Station aber leider gar nicht, weil die Basics nicht klappen (im Krieg ist ein PC mit Windows völlig egal, d.h. er benutzt mit Mite 50 das erste Mal in seinem Leben einen Computer für die Arbeit) und leider auch die Patient*innen und Angehörigen häufig mit der Sprache nicht mitkommen.
Und da stehe ich dann auch vor der Frage: wie behandle ich den denn? Was kann ich von ihm erwarten, was nicht? Fragen tut er schon, aber sehr selten. Den klinischen Untersuchungbefund hat er sich aufgeschrieben und diktiert den bei jedem Brief ab. Als Arzt ist er erfahrener als ich. Umgehen muss ich mit ihm aber wie mit einem Anfänger im ersten WBJ. Mega schwierig.
Aber diese Kolleg*innen bewerben sich halt. Und der Chef ist dankbar, dass er die Stellen besetzen kann. Klappt manchmal, klappt manchmal nicht.

Endoplasmatisches Reticulum
19.07.2023, 08:34
.....

davo
19.07.2023, 08:41
Es ist es doch völlig logisch, dass man nicht ständig wegen jedem Kleinkram fragt. Ein Jung-Assi, der so arbeitet, muss natürlich erst mal strukturiert werden. Man muss lernen zu differenzieren zwischen dringenden und nicht dringenden Dingen, und man muss lernen, seine Fragen auch mal ein paar Stunden sammeln zu können statt wie ein Kleinkind am Rock der Mama zu hängen und alle paar Minuten wegen Kleinkram nachzufragen. Eigentlich ja völlig selbstverständlich, und hat mit dem Modewort toxisch (das meist eher als Totschlagargument verwendet wird) überhaupt nichts zu tun.

Wenn man von seiner Sicht der Welt so radikal überzeugt ist, dass man für Argumente nicht mehr zugänglich ist, ist jede Diskussion eigentlich unsinnig.

Feuerblick
19.07.2023, 08:56
Vor allem wird man es dann in jeglicher Arbeitswelt sehr, sehr schwer haben. Erwachsene Menschen sollten schon in der Lage sein, ein „Bitte stell mir die Frage später nochmal“ zu akzeptieren - vor allem, wenn es sich nicht um akut wichtige Dinge handelt. Wer sich dann alleingelassen fühlt, der sollte dringend mal an seinen eigenen Ansprüchen arbeiten und erwachsen werden.
Es kann übrigens auch nicht das Ziel sein, Helikoptermami-like jeden emotionalen Anspruch eines Newbies zu erfüllen. Berechtigte und dringende Fragen jederzeit gerne. Sachen, die warten können, später. Hilft auch beim Priorisieren der Arbeit - das muss so ein Newbie auch lernen. Jeder Meister in einem Handwerksbetrieb würde bei solchen Ansprüchen schallend lachen. Jeder Ausbilder in anderen Gewerben auch. Da springt niemand, wenn du irrelevante Fragen in stressigen Momenten stellst. Musste ich in meiner ersten Ausbildung auch lernen. Schadet nicht.

Endoplasmatisches Reticulum
19.07.2023, 09:59
.....

Christoph_A
19.07.2023, 10:05
Naja, die Kollegen haben hier schon recht. Das, was Du forderst ist halt nun mal in der Realität nicht erreichbar. Man kann schon von einem jungen Kollegen erwarten, daß er ein bisschen strukturieren und priorisieren lernt und nicht immer auf jede aufploppende Frage eine sofortige Antwort erhält. Ist ja auch eines der ersten Ziele in der stationären Ausbildung, daß der Assi es hinkriegt, seinen Stationsalltag zu bewältigen.
Wie Feuerblick schon schön sagte, in anderen Berufen gibt es auch keine allwissende Müllhalde a la Fraggles (die Älteren werden sich erinnern), die auf jede Frage eine sofortige Antwort ausspuckt. Und etwas priorisieren kann man von einem studierten Akademiker auch zu Beginn seiner Berufstätigkeit erwarten. Da ist nix "toxisch" dran.

Feuerblick
19.07.2023, 10:56
ER sieht immer nur die Extreme. Entweder schwarz („NIE gebt ihr dem armen Assistenten Antwort!!!“) oder weiß („JEDERZEIT müsst ihr dem Assistenten Antwort geben - ob relevant oder nicht, das kann der nicht wissen!!!“ -> genau, deswegen sagt man es ihm ja). :-nix So zumindest kommen ERs Beiträge rüber, in denen immer der Altassistent/Oberarzt schuld ist, wenn der Jungassistent nichts geregelt bekommt.

Dass man als Altassistent selbstverständlich wichtige, den Arbeitsablauf ansonsten behindernde Fragen sofort beantwortet - das muss man wohl kaum extra erwähnen. Aber Fragen, die eben nicht akut den Arbeitsablauf stören (außer den des Befragten), nicht für die aktuelle Situation relevant sind und damit auch nicht sofort beantwortet werden müssen (und den jungen Kollegen im schlimmsten Fall nur mehr verwirren würden!), können warten. Ein freundliches: „Machen wir später“ sollte wohl kein Problem sein. Das ist nicht „toxisch“, das ist in allen menschlichen Belangen (Familie, Schule, Studium, Ausbildung) völlig normal.

Ich habe das immer so gehalten und ich glaube nicht, dass sich irgendeiner, ob PJ oder Jungassistent, darüber beschweren konnte. Eine Antwort hat jeder auf seine Fragen bekommen. Aber halt nicht immer sofort.

Endoplasmatisches Reticulum
19.07.2023, 11:25
.....

Feuerblick
19.07.2023, 16:19
Hatte ich eigentlich schon zu Anfang geschrieben.
Ich zitiere mich mal selbst:

Ich sehe das weniger schwarz-weiß. Es gibt natürlich Fragen, die sofort geklärt werden müssen, weil man sonst nicht weiterarbeiten kann. Es gibt aber durchaus auch generelle Fragen („Wie geht das mit dem Sozialdienst“, „Wie melde ich XY an“, „Wie fülle ich Formular ABC aus?“), die nicht den direkten Arbeitsablauf betreffen und nicht sofort geklärt werden müssen. Da ist es durchaus legitim zu sagen „Du, das ist gerade nicht so dringend und ich muss hier grad meine eigene Arbeit fertigmachen. Schreib dir die Frage mal auf und komm in zwei Stunden nochmal (oder wann auch immer) dann erkläre ich dir das gerne“.

Aber nun ja... Lesekompetenz, diesdas...

hmp24
19.07.2023, 16:22
Mal ne blöde Frage, aber fragen die neuen Kollegen belangloses Zeug oder was wichtiges? Gibt es eine Art Wiki wo das wichtigste drin steht? (bauen wir bei uns gerade auf, weil man nicht immer alle SOPs und was man so braucht sofort findet). Schreiben sich die Leute auf, was man machen muss?(habe ich in meinen ersten Wochen ganz viel gemacht, dann fragt man nur einmal). Gibt es Fortbildungen zum Computersystem?

Sind ja leider alles so strukturelle Sachen am denen es gerne am Anfang scheitert.

nie
19.07.2023, 18:43
Mir ist es grundsätzlich auch lieber wenn die neue Kollegen viel fragen und nicht einfach schweigend vor sich hin werkeln. Oder noch schlimmer, Dinge einfach nicht machen weil sie nicht wissen wie es geht. Und man muss halt tatsächlich auch damit leben, dass man als Altassistent der Ansprechpartner für die jungen Kollegen ist, gerade wenn es um kleinere bzw. organisatorische Fragen geht. Zumal da oft die Hemmschwelle für Fragen noch geringer ist als wenn man direkt den Oberarzt fragen muss.
Wenn ich gerade selbst nicht den Kopf dafür habe, sage ich das aber auch den jungen Kollegen so. Meistens sage ich ihnen auch, dass ich auf sie zukomme wenn ich Zeit für ihre Fragen habe. Und wenn sie so lange nicht warten können, dann sollen sie jemand anderen fragen. Erfahrungsgemäß sind die meisten Fragen auch nicht so wichtig, dass sie innerhalb von wenigen Minuten beantwortet werden müssten.

Aber man merkt halt schon Unterschiede bei den Anfängern. Ich habe jetzt schon einige Anfänger mitbekommen und es liegt nicht immer alles am System sondern auch mal an den Personen selbst. Es gibt halt auch Leute, die fragen jeden Tag dasselbe und machen aber auch keine Anstalten, sich das mal irgendwo zu notieren. Und hören nicht einmal richtig zu wenn man ihnen dann was erklärt. Oder sie machen so gar keine eigenen Gedanken und erwarten, dass man ihnen alles vorkaut. Die Leute bekommen dann von mir auch meist keine Antworten sondern Gegenfragen.

Wir haben z.B. gerade zwei Personen in der Abteilung, die einen ähnlichen Ausbildungsstand haben und von denselben Leuten eingearbeitet wurden. Und während man bei der einen Person einen Lernkurve bemerkt, sie gut mitdenkt und immer selbstständiger wird, sitzt die andere Person auch nach über einen halben Jahr immer noch in den Gegend rum, wartet auf Anweisungen, setzt dann selbst die Anweisungen nicht zeitnah um und braucht immer drei Aufforderungen bis sie mal was macht. Die Person gehört auch zu den Leuten, die nie irgendwas fragen sondern einfach alles, was sie nicht kann/weiß stillschweigend liegen lässt in der Hoffnung, jemand anderes würde das für sie erledigen. Das ist auch keine Lernkurve vorhanden und man merkt in den Visiten bzw. bei der Briefkorrektur, dass einfach die grundlegenden Dinge des Fachbereichs immer noch nicht verstanden wurden. Und das trotz intensiver und sehr netter oberärztlicher Betreuung und Unterstützung durch die Altassistenten. Da hab ich dann halt auch kein Bock mehr, mich um irgendwas zu kümmern und nett zum xten Mal zu erklären wie man denn jetzt ein Röntgen anmeldet oder wo man die Mibi-Befunde einsehen kann.

Feuerblick
19.07.2023, 19:26
Am liebsten waren mir immer die, die zwar gefragt haben, aber grundsätzlich nicht das gemacht haben, was man ihnen lang und breit erklärt hat. Träumchen.

Christoph_A
20.07.2023, 10:08
Getoppt nur von denen, die das beschriebene Verhalten dann auch noch vehement verteidigen und mit dem nächsten Satz gleich mehr Ausbildung in der Funktion fordern.:-blush

Feuerblick
20.07.2023, 10:12
Oder die Ausbildung im OP in meinem Fach… (aber nicht mal unfallfrei ein Kontaktglas aufsetzen können)

Thomas24
20.07.2023, 11:32
Oder die Ausbildung im OP in meinem Fach… (aber nicht mal unfallfrei ein Kontaktglas aufsetzen können)

Die kreisrunde Erosio war vorher schon da...

Feuerblick
20.07.2023, 11:49
Gaaaaaaanz sicher! Absolut!

Anne1970
20.07.2023, 20:00
oh- direkt aufs Auge?

Thomas24
20.07.2023, 20:12
oh- direkt aufs Auge?

Na, dewesgen heißt es ja "Kontaktglas"...
Man kann aber optionale Extras* dazubuchen: tropische Betäubung vorab und - als Premium Plus Variante- ein Gel zwischen Hornhaut und Kontaktglas :)

*Ryanair Style

Feuerblick
20.07.2023, 21:58
Gut, früher gabs das als Standard, aber hey, früher war alles besser!

Anne1970
21.07.2023, 06:59
Ja, ich dacht, dass da Gel dazwischen - daher nicht „direkt“ - kommt und das dann atraumatisch wäre :grins: .
Übrigens: unsere Augenklinik in Fd ist ein echter Gewinn! Freundliche Mitarbeiter, fleißige Ärztinnen und Ärzte, meist mit dem Impetus, alles systemischer DD im Konsil zu erwähnen. Richtig gut!