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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was darf man von Berufsanfängern erwarten, was müssen Altassis machen? (Meckerei)



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LoveDoctor
12.07.2023, 00:01
Wir haben in unserer Abteilung (Neuro) wie so viele einen hohen Durchlauf an Personal. Ich bin nun eine der wenigen, die es schon länger aushält und 2 Jahre dort ist. Wir haben seit Jahresbeginn insgesamt 6 neue Kollegen, von denen 5 Berufsanfänger sind, 2 mit mehr oder weniger ausgeprägter Sprachbarriere. Neben der für uns „Altassistenten“ (hüstel) höheren Dienstbelastung zwischendrin sind die Dienste für mein Empfinden auch qualitativ oft anstrengender geworden: Die neuen Kolleg:innen schaffen es zum Großteil nicht gut, in der Notaufnahme parallel zu arbeiten, wenn man zum Nachtdienst das Diensttelefon übernehmen will sind da teils Patienten, die schon stundenlang dort liegen, kein Bett organisiert, kein richtiges Konzept obwohl schon dreimal mit dem OA telefoniert wurde. Eine der neuen Kolleginnen (ohne Sprachbarriere) schießt den Vogel ab und arbeitet teils wirklich patientengefährdend. Sie vergisst bei mehr als der Hälfte ihrer Aufnahmen überhaupt die Medikationskurve anzusetzen, sichtet die Labore nicht etc. Bei anderen neuen Kollegen fehlen die m.M.n. absoluten Basics (Lagerungsschwindel, PNP) und ich finde es schwer, in der Einarbeitung neben dem Computersystem und allgemeinen Tipps zur Arztorganisation noch die körperliche neurologische Untersuchung, Zugänge legen (mussten sie im Ausland halt nicht) und basale neurologische Krankheitsbilder zu erklären. (Falls jemand fragt: ich habe mir das meiste vorher in Famulatur und PJ angeeignet, weil ich schon immer Neuro machen wollte).

Unsere Oberärzte sind sehr nett und immer ansprechbar, das bedeutet aber auch, dass z.B. mit o.g. Kollegin eigentlich soweit ich weiß noch nie Klartext geredet wurde. Implizit wird eher verlangt, dass wir „Älteren“ das dann irgendwie geradebiegen. Ich bin mittlerweile echt demotiviert, weil ich gefühlt nur noch Scheiß-Dienste (Spät und Nacht) bekomme, weil die „Kleinen“ sonst dekompensieren. Das einzige, was noch halbwegs läuft, sind Untersuchungen für die Weiterbildung. Was würdet ihr machen? Kündigen, bleiben, Gespräch mit Chef? *mecker mecker*

Kackbratze
12.07.2023, 08:50
Der Gesprächsteil fehlt noch. Erstmal genau die Probleme aufschreiben, damit man nicht mit gefühlten Zahlen beim Chef/zuständigen OA sitzt und dann das Gespräch suchen.
Wenn sich danach nix ändert, kann man immernoch gehen.

Frisko
12.07.2023, 11:30
Kann man das auf der Stufe der Stationsärzte erstmal kritisch diskutieren? Vielleicht die Kolleg*innen auch mal speziell fragen, woran es hapert?

Generell ist das bei uns genauso. Monatelang keine Hilfe im Dienstgeschehen, reduzierte Zuständigkeit auf Station, Briefe schreiben die Oberärzte.

Immerweiter90
12.07.2023, 12:26
Als ausländischer Arzt, der erst nach dem Studium nach Deutschland kam merkt ich direkt das Problem, das du hier beschreibst. Zusammengefasst "Deutsche gut, Ausländer schlecht". Statt mit deinen Kollegen zu sprechen, möchtest du direkt zum Chef gehen. Viele der Anfänger (egal ob deutsche oder nicht) sind unsicher aber gleichzeitig motiviert. Was in Deutschland häufig fehlt ist eine struktuierte Weiterbildung. Wie wäre es mit 1 Tag Fortbildung oder 1/Monat Fortbildung für die neuen Kollegen, wo sie die neurologische Untersuchung 1 Stunde nochmal gezeigt bekommen. Oder bei auffälligen Befunden, dass sie einen Anruf bekommen und dies gezeigt bekommen.

Ich weiß ganz genau, dass die Aubildung viel besser ist, wenn man kein Ausländer ist, sonst macht man nur die Dreckarbeit. Zum Glück bin ich jetzt Facharzt und arbeite in der Praxis mit nur Ausländern. Aber du bist noch AA und ihr seid ein Team und zum Chef zu gehen und über Ausländer zu meckern nervt mittlerweile sehr.

Frisko
12.07.2023, 13:16
Als ausländischer Arzt, der erst nach dem Studium nach Deutschland kam merkt ich direkt das Problem, das du hier beschreibst. Zusammengefasst "Deutsche gut, Ausländer schlecht". Statt mit deinen Kollegen zu sprechen, möchtest du direkt zum Chef gehen. Viele der Anfänger (egal ob deutsche oder nicht) sind unsicher aber gleichzeitig motiviert. Was in Deutschland häufig fehlt ist eine struktuierte Weiterbildung. Wie wäre es mit 1 Tag Fortbildung oder 1/Monat Fortbildung für die neuen Kollegen, wo sie die neurologische Untersuchung 1 Stunde nochmal gezeigt bekommen. Oder bei auffälligen Befunden, dass sie einen Anruf bekommen und dies gezeigt bekommen.

Ich weiß ganz genau, dass die Aubildung viel besser ist, wenn man kein Ausländer ist, sonst macht man nur die Dreckarbeit. Zum Glück bin ich jetzt Facharzt und arbeite in der Praxis mit nur Ausländern. Aber du bist noch AA und ihr seid ein Team und zum Chef zu gehen und über Ausländer zu meckern nervt mittlerweile sehr.


Hast du den Post gelesen?

"6 Neue, davon zwei mit Sprachbarriere."

Und patientengefährdend arbeitet eine OHNE Sprachbarriere.

JAK1
12.07.2023, 14:19
Als ausländischer Arzt, der erst nach dem Studium nach Deutschland kam merkt ich direkt das Problem, das du hier beschreibst. Zusammengefasst "Deutsche gut, Ausländer schlecht". Statt mit deinen Kollegen zu sprechen, möchtest du direkt zum Chef gehen. Viele der Anfänger (egal ob deutsche oder nicht) sind unsicher aber gleichzeitig motiviert. Was in Deutschland häufig fehlt ist eine struktuierte Weiterbildung. Wie wäre es mit 1 Tag Fortbildung oder 1/Monat Fortbildung für die neuen Kollegen, wo sie die neurologische Untersuchung 1 Stunde nochmal gezeigt bekommen. Oder bei auffälligen Befunden, dass sie einen Anruf bekommen und dies gezeigt bekommen.

Ich weiß ganz genau, dass die Aubildung viel besser ist, wenn man kein Ausländer ist, sonst macht man nur die Dreckarbeit. Zum Glück bin ich jetzt Facharzt und arbeite in der Praxis mit nur Ausländern. Aber du bist noch AA und ihr seid ein Team und zum Chef zu gehen und über Ausländer zu meckern nervt mittlerweile sehr.

Wenn fachliche und sprachliche Probleme zusammenkommen dann ist das eben katastrophal. Da muss man nicht gleich die Rassismuskeule schwingen.

Lightyagami
12.07.2023, 14:48
Als ausländischer Arzt, der erst nach dem Studium nach Deutschland kam merkt ich direkt das Problem, das du hier beschreibst. Zusammengefasst "Deutsche gut, Ausländer schlecht". Statt mit deinen Kollegen zu sprechen, möchtest du direkt zum Chef gehen. Viele der Anfänger (egal ob deutsche oder nicht) sind unsicher aber gleichzeitig motiviert. Was in Deutschland häufig fehlt ist eine struktuierte Weiterbildung. Wie wäre es mit 1 Tag Fortbildung oder 1/Monat Fortbildung für die neuen Kollegen, wo sie die neurologische Untersuchung 1 Stunde nochmal gezeigt bekommen. Oder bei auffälligen Befunden, dass sie einen Anruf bekommen und dies gezeigt bekommen.

Ich weiß ganz genau, dass die Aubildung viel besser ist, wenn man kein Ausländer ist, sonst macht man nur die Dreckarbeit. Zum Glück bin ich jetzt Facharzt und arbeite in der Praxis mit nur Ausländern. Aber du bist noch AA und ihr seid ein Team und zum Chef zu gehen und über Ausländer zu meckern nervt mittlerweile sehr.


Das ist doch hoffentlich nicht ernst gemeint, oder?

Stuntman Mike
12.07.2023, 14:53
Das ist doch hoffentlich nicht ernst gemeint, oder?

Naja, ich kann mir schon vorstellen, was der Kollege meint. Auf Ebene der Ärzte habe ich es noch nicht so erlebt, aber bei einem Teil der Pflege zumindest haben es die Kollegen schwer. Oft wird da tatsächlich mit zweierlei Maß gemessen. Und nein, ich arbeite nicht in Ostdeutschland…

Frisko
12.07.2023, 15:19
Ach, come on. Darum ging es doch dieses Mal aber wirklich nicht. Auch wenn du sicherlich Recht hast.

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2023, 16:00
Damit eine Ausbildung für Inländer viel besser sein kann, müsste erstmal überhaupt irgendein AiW so etwas wie Ausbildung bekommen.

Davon ab: Das hat doch auch wenig mit Pflege oder Arztsein zu tun. Wenn Kollegen mit voller Arbeitskraft eingeplant werden, aber diese z.B. auf Grund von Sprachbarrieren nicht leisten können und man selbst deshalb Mehrarbeit ohne Gegenwert oben drauf auf eine ohnehin auf maximale Überlastung aufgebaute Tätigkeit hat, steigt halt die Unmut.

Meine Güte ...

Stuntman Mike
12.07.2023, 16:07
Davon ab: Das hat doch auch wenig mit Pflege oder Arztsein zu tun. Wenn Kollegen mit voller Arbeitskraft eingeplant werden, aber diese z.B. auf Grund von Sprachbarrieren nicht leisten können und man selbst deshalb Mehrarbeit ohne Gegenwert oben drauf auf eine ohnehin auf maximale Überlastung aufgebaute Tätigkeit hat, steigt halt die Unmut.

Meine Güte ...

Ist ja klar… meine Bemerkung bezog sich allein auf die meines Erachtens etwas übertriebene Reaktion von lightyagami…

DieCaro
12.07.2023, 18:07
Als internistische Altassistentin kann ich dazu sagen: Ich würde ja gerne meinen jungen Kollegen - ungeachtet ihrer Herkunft etwas beibringen - ich schaffe es aber nicht.
Ich bin de facto für 40 Patienten zuständig, muss schauen, dass die Liegedauer kurz bleibt und dass nichts übersehen wird.
Da bleibt für Lehre und Erklären leider keine Zeit.
Und, das finde ich am traurigsten: Mir fehlt inzwischen auch die Lust. Die Halbwertszeit von AiWs ist bei uns inzwischen ein halbes Jahr. Natürlich auch, weil sie ins kalte Wasser geworfen werden und ihnen dann auch noch vorgeworfen wird, warum sie ertrinken.
Aber wenn du alle sehs Monate wieder mit einem neuen Gesicht bei Adam und Eva anfangen musst, schleicht sich irgendwann die verdammte Einstellung "ach, bevor ich dir's eine Stunde erkläre mach ich's in zehn Minuten selber" ein.
Und meine Oberärztin ist noch beschissener dran: Aufgrund Urlaub/Krankheit/unbesetzter OA-Stellen ist sie meistens für zwei Stationen zuständig plus Funktion plus Konsiliardienst plus Ambulanz plus Hintergrund.

Lightyagami
12.07.2023, 19:22
Ist ja klar… meine Bemerkung bezog sich allein auf die meines Erachtens etwas übertriebene Reaktion von lightyagami…

Wo ist mein Kommentar denn bitte "übertrieben", wenn ich den User "Immerweiter90" frage, ob er das, was er geschrieben hat, wirklich ernst meint?
Zu behaupten, dass die ärztliche Weiterbildung als "Deutsche/r" per se immer besser ist, als für ausländische ÄrztInnen ist schon sehr weit hergeholt und hat btw überhaupt nichts damit zu tun, was der/die TE bemängelt hat bzw. erfragen wollte.

rafiki
12.07.2023, 19:27
Da ich Weiterbildung für fundamental halte (allein schon im Eigeninteresse), nehme ich mir die Zeit dafür, auch in unbezahlten Überstunden. Voraussetzung: echtes Interesse bei den Assistenten, Lernbereitschaft und sichtbare Fortschritte in angemessener Zeit sowohl im Fachlichen als auch in der Sprache. Auch Inländer haben übrigens erschreckende Sprachdefizite, was Grammatik, differenzierten Wortschatz und Ausdrucksweise betrifft.

Stuntman Mike
12.07.2023, 19:53
Wo ist mein Kommentar denn bitte "übertrieben", wenn ich den User "Immerweiter90" frage, ob er das, was er geschrieben hat, wirklich ernst meint?

Doch, den Satz “hoffentlich nicht ernst gemeint” finde ich übertrieben bzw. unpassend, weil er suggeriert, dass die Erfahrungen des Kollegen völlig absurd seien. Natürlich hat immer alles zwei Seiten und der Beitrag war sicherlich nicht wirklich relevant für das Ausgangsthema, aber inhaltlich ist es nach meiner Erfahrung nicht völlig abwegig.
Jetzt aber zurück zum Thema ;-)

nie
12.07.2023, 20:34
Für mich klingt das wie Berufsanfänger, die ohne richtige Einarbeitung in die ZNA gestellt werden und von denen erwartet wird, dass sie die Leistung eines erfahrenen Assistenten bringen. Das funktioniert natürlich nicht, woher sollen die das denn können? Hat sich den mal jemand mit den jungen Kollegen hingesetzt und geschaut, wo es hakt und was sie besser machen können?

Ich bin selbst internistische Altassistentin und je mehr Erfahrung ich habe, desto nachsichtiger bin ich mit unerfahrenen Kollegen, von denen oft selbstverständlich erwartet wird, dass sie vom ersten Tag an arbeiten wie jemand mit mehrjähriger Erfahrung, Weil der Laden laufen muss und niemand Bock auf Lehre hat. Ich versuche auch, den jungen Kollegen so viel wie möglich beizubringen und sie zu unterstützen, da merkt man dann schon recht schnell ob sie wirklich nur überfordert weil unerfahren sind oder wirklich faul und uninteressiert. Wir haben auch Leute, mit denen man sich abmühen kann, wie man will und die auch nach 6 Monaten keinerlei Lernkurve haben. Denen räume ich dann auch nicht mehr hinterher und kommuniziere das dann auch so, dass ich erwarte, dass sie in der Lage sind, X und Y selbst zu regeln. Vor allem wenn ich’s selbst mit ihnen besprochen/geübt habe. Und wenn das nicht funktioniert, kommuniziere das ich auch an die Oberärzte.

Aber allgemein ist das eben auch einfach das „Schicksal“ der fortgeschrittenen Assistenten, den Anfängern hinterher zu räumen. Denn die können und wissen es nicht besser und können nur besser werden, wenn ihnen jemand was beibringt. Mir ist auch erst viel später klargeworden, dass meine erfahrenen Kollegen auch damals hinter mir hergeräumt haben obwohl ich dachte, ich hätte den Laden im Griff.

LoveDoctor
12.07.2023, 21:28
Ich würde sagen, unser Team war eigentlich immer sehr kollegial, wir helfen uns, wo es geht. Kurz nach mir haben noch zwei andere Kolleg:innen angefangen, die beide auch noch da sind, und ich würde behaupten, wir drei haben uns alle recht schnell reingefuchst. Klar, auch ich merke im Nachhinein, dass ich am Anfang Sachen vergessen habe oder sehr langsam war. Logisch.
Daher haben wir ja auch versucht bzw. versuchen, den "Neuen" in der Einarbeitung viel Kleinkram abzunehmen, verteidigen sie vor fiesen Schwestern, wenn mal etwas nicht so gut läuft etc.
Aber wie schon gesagt. Bei ein paar von denen gibt es keine richtige Lernkurve und ich habe den Eindruck, diese verlassen sich darauf, dass es dann schon jemand anderes macht.
Da bleibt dann einfach Arbeit liegen, an vorbereitete Briefe, vernünftige Doku, gepflegte Übergabelisten etc. (gerade für Verlegungen zwischen Stroke und Peripherie wichtig) braucht man gar nicht erst denken.
Wir haben das natürlich schon unter vier Augen angesprochen, was so erwartet wird und Tipps gegeben, wie man sich besser organisieren kann etc. Aber bei manchen ändert sich nix.
Die Oberärzte darauf angesprochen sagen oft einfach "Ja ich weiß, das ist für uns auch anstrengend" oder aber indirekt wird von uns Älteren erwartet, dass es trotzdem läuft, z.B. hieß dann "Kannst du XY das nicht nochmal auf assistenzärztlicher Ebene erklären, dass das so nicht geht" - und wenn man dann beteuert, dass man es wirklich schon mehrfach eingehend erklärt und gemeinsam gemacht hat, ändert sich trotzdem nichts.

Wegen der ersten Antwort: In der Einarbeitung raucht einem schon als Muttersprachler, der das deutsche Gesundheitssystem einigermaßen kennt, permanent der Kopf. Wenn man dann noch anfängt, Krankheitsbilder und jede einzelne Abkürzung und Zuständigkeiten im deutschen Gesundheitswesen zu erklären, ist das in der Akutversorgung halt sowohl für den Berufsanfänger als auch für den Einarbeitenden anstrengend... Aber das ist ja auch bei jeder Person total individuell. Deswegen habe ich auch bewusst von einer "Sprachbarriere" gesprochen, in unserer Abteilung sind je nach Definiton mehr als die Hälfte der Assis "Ausländer", aber nicht alle haben Sprachprobleme. Und wiederum haben wir auch muttersprachliche offiziell diagnostizierte Legastheniker dazwischen, die sich entsprechend schwertun.

davo
12.07.2023, 22:26
Das sind ja mehrere ziemlich unterschiedliche Probleme.

Erstens werden Patienten bis zur Dienstübergabe nicht abgearbeitet. Das kann man ja mit den betreffenden Kollegen besprechen - sie gehen erst dann, wenn diese Patienten ordentlich aufgenommen wurden, inklusive allem was dazugehört.

Zweitens gibt es die Kollegin, die Sachen vergisst und/oder nicht macht - das muss man mit dieser Kollegin besprechen und, falls das nach mehreren Mahnungen nichts bringt, als potenzielle Gefährdung nach oben weiterleiten.

Drittens geht es um die Lehre per se. Die ist im deutschen Sprachraum halt leider meist völlig unstrukturiert, was wirklich eine Schande ist. Trotzdem kann man auch hier kleine Interventionen starten, z.B. kurz nachbesprechen, dass bestimmte Aspekte (wie z.B. Lagerungsschwindel oder PNP) nicht ordentlich untersucht wurden, woran das liegt, auf einsteigerfreundliche Quellen hinweisen, wo man sich in diese Themen einlesen kann. Oder darauf hinweisen, welche YouTube-Videos, Lehrbücher oder sonstige Quellen es gibt, um die neurologische Untersuchung zu erlernen, oder um sich einen Überblick über die wichtigsten neurologischen Krankheitsbilder zu verschaffen. Und vielleicht auch, noch besser, eine wöchentliche Fortbildung ins Leben rufen, natürlich auch mit oberärztlicher Beteiligung, die sich diese beiden Themen zum Inhalt macht. Und ganz allgemein in Sachen Lehre auch die Oberärzte in die Pflicht nehmen.

alphamethyldopa
12.07.2023, 22:39
Habt ihr ein Zettel wo alles steht?

ZB Checkliste für jeden Pat nach Aufnahme, Ablauf der Untersuchung, Uhrzeiten der Visiten, Abteilungsinterne Kürzel, Bettenkoordination, wer fährt wann den Patienten zum CT, was sind die "can't miss" Diagnosen...

Ich würde an die Oberärzte gehen mit der expliziten Bitte sich darum zu bemühen dass jedem Assistenzarzt so ein Einarbeitungsbogen ausgehändigt wird. Wenn du daran interessiert bist, in dem Krankenhaus zu bleiben, und eventuell die OA Funktion in Paar Jahre zu übernehmen, kannst du dich an dem Entwurf (umsonst, klaro) beteiligen, ansonsten sollst du die Oberärzte unterstützen was zu ändern.

Mit so einem Zettel (15-30 Seiten kommen da schon zusammen) haben die schlauen Zeit, daheim sich auf den Dienst vorzubereiten, und die faulen haben keine Ausrede, von Dingen nicht gewusst zu haben.

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2023, 23:15
Erstens werden Patienten bis zur Dienstübergabe nicht abgearbeitet. Das kann man ja mit den betreffenden Kollegen besprechen - sie gehen erst dann, wenn diese Patienten ordentlich aufgenommen wurden, inklusive allem was dazugehört.


Mit so einem Zettel (15-30 Seiten kommen da schon zusammen) haben die schlauen Zeit, daheim sich auf den Dienst vorzubereiten, und die faulen haben keine Ausrede, von Dingen nicht gewusst zu haben.

Verrückt. Ich dachte mich zu erinnern, der Tenor hier im Forum sei, dass man heutzutage pünktlich geht und als Anfänger unbedingt schnell lernen muss, sich diesbezüglich abzugrenzen. Jetzt bleibt man plötzlich doch wieder selbstverständlich so lange, bis auch der letzte Patient abgefertigt ist, und arbeitet bitteschön zuhause in der Freizeit noch Einarbeitungshefte durch?

Ich finde es bei solchen Diskusisonen oft schwierig abzugrenzen, was strukturelles und was individuelles Problem ist. Gerade Altassis kriegen ggf. gar nicht mit, was bei den Neuen den Tag über so abgeht. Hier wurde ja hauptsächlich beschrieben, was die Oberärzte antworten, und dass sich nach Vieraugengesprächen nichts ändert. Aber was sagen denn die Betroffenen selbst dazu? Warum klappt es in deren Augen nicht? Das würde mich erstmal interessieren, bevor diskutiert wird, wie man Arbeitsergebnisse forciert, die den Altassis gefällig sind. Dass die Anfänger aktuell Auslöser für Unmut sind, ist ja unstrittig. Das heißt aber nicht, dass sie auch die Ursache sein müssen.