Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zukunfsaussichten?
Ich glaube da kommt niemand drum rum , mal was länger zu bleiben, weil die Erfahrung und Routine fehlt. Weiterbildung eben. Man ist zum Lernen da. Trotzdem macht man sich dann irgendwann nach Hause.
Aber das ist doch immer noch was anderes als fortlaufend akute Patienten in der Notaufnahme + ständige Anrufe von Station und das die ganze Nacht.
Und Internisten und Chirurgen gehen nie nach Hause? Die bleiben immer alle
rund um die Uhr im Krankenhaus oder arbeiten ununterbrochen?
An meiner Uni gibts auch in der Derma einen Diensthabenden, der 60 Betten Station mit schwer kranken Melanompatienten, multimorbiden Zoster-Omis usw. betreut. Patienten mit Haut- oder Geschlechtskranheiten werden dort auch direkt an die Dermatologie verwiesen, nix Notaufnahme. Und man betreut konsiliarisch die umliegenden Krankenhäuser mit, die einem dann auch gerne mal zur Unzeit Patienten „zur Mitbeurteilung und ggf. Übernahme“ schicken wollen.
Wenn ich in der Inneren die Ambulanz mache, sehe ich an schlechten Tagen 15 Patienten, bin spätestens um 13:30 Uhr durch mit der Sprechstunde und mache dann noch bisschen Papierkram und gehe danach sowas von pünktlich nach Hause. Und bin dann ja auch nicht der Diensthabende, den irgendwer wegen Notaufnahme, Station oder akuten Notfällen anruft :-nix Das ist doch jetzt kein spezielles Dermaprivileg, das man einfach nach Hause geht wenn die Ambulanz durch ist.
Tramaldol
30.09.2023, 10:44
An meiner Uni gibts auch in der Derma einen Diensthabenden, der 60 Betten Station mit schwer kranken Melanompatienten, multimorbiden Zoster-Omis usw. betreut. Patienten mit Haut- oder Geschlechtskranheiten werden dort auch direkt an die Dermatologie verwiesen, nix Notaufnahme. Und man betreut konsiliarisch die umliegenden Krankenhäuser mit, die einem dann auch gerne mal zur Unzeit Patienten „zur Mitbeurteilung und ggf. Übernahme“ schicken wollen.
Wenn ich in der Inneren die Ambulanz mache, sehe ich an schlechten Tagen 15 Patienten, bin spätestens um 13:30 Uhr durch mit der Sprechstunde und mache dann noch bisschen Papierkram und gehe danach sowas von pünktlich nach Hause. Und bin dann ja auch nicht der Diensthabende, den irgendwer wegen Notaufnahme, Station oder akuten Notfällen anruft :-nix Das ist doch jetzt kein spezielles Dermaprivileg, das man einfach nach Hause geht wenn die Ambulanz durch ist.
Das habe ich so nicht gesagt und das weißt du auch.
60 Betten Derma ist auch sehr groß. Anscheinend eine große Uniklinik in einer Ruhrgebietsmetropole mit Melanomschwerpunkt. Trotzdem überschaubar, in meiner Pampa-Inneren hatten wir >100 Betten + reguläre Notaufnahme. Dass es in der Derma "Notfall" Ambulanz jede Sekunde um Leben und Tod geht, Patienten reanmiert und auf Intensiv müssen. Eher nicht. Und in der Regel sind Derma-Unikliniken auch etwas kleiner mit z.B. 30 Betten. Die Derma-Assis in WB, die ich kannte, hatten regulären Bereitschaftsdienst bis 22 Uhr und dann Rufbereitschaft. Laut ihren Aussagen fiel dann auch Arbeit nur im Ausnahmefall an. Massenhaft Melanompatienten gab's allerdings nicht. Auch weil einige Zentren in Deutschland (z.B. eine große Derma in einer Ruhrgebietsmetropole) ein Schwerpunkt für die Melanompatienten sind. Es war eine Salbendermatologie in einer Uni-Stadt.
Das ist auch kein Geheimnis. Dermatologie gilt weltweit nicht als das "Notfallfach", wo jede Sekunde ein lebensbedrohlich erkrankter Patient reinrauscht. Es sind ruhigere Gefilde. Die Folge bei Greys Anatomy, wo die Chirurgie- Residents sich in die Derma verirren und ihnen die Klappe runterfällt aufgrund der anderen "Arbeit" ist sicherlich überzogen/überspitzt, aber im Kern stimmt es schon. Bestimmt lässt sich irgendwo eine Statistik ausgraben, dass Burnout in der Derma weniger verbreitet ist als in manch anderem Fach.
In meiner Pampa-Inneren machten nur Oberärzte eine sehr "überschaubare" Ambulanz mit ein paar elektiven Gastro, Pneumo und Cardio Patienten (kein Katheter). Assis machten keine Ambulanz mit eingeladenen Patienten. Der absolute Großteil der Patienten (95%) rekrutierte sich über die Notaufnahme und war entsprechend auch anspruchsvoller zu behandeln als elektive stationäre Eingriffe in der Gastro, Cardio oder Pneumo.
Entweder man war als Assi im Tagdienst auf Station oder Notaufnahme, der dann auch mal sehr lang wurde bis 22 Uhr oder man war in den Diensten eingeteilt. Intensivstation 12h Dienste. Oder für das ganze Haus+Notaufnahme ab 16 Uhr bis 8 Uhr morgens (16h). In anderen Häusern auch gerne 24h. Man kommt um 9, macht seine reguläre Arbeit auf Station, übernimmt Notaufnahme ab 16 Uhr und geht am nächsten Tag um 8.
Wenn man Innere toll findet, probierts einfach aus. Man lernt auf jeden Fall was und kann dann immer noch nach 6 Monaten oder einem Jahr wechseln. Der Personalumsatz/Abnutzung ist auf jeden Fall enorm.
NeedyCat
04.10.2023, 19:30
Auf jeden Fall Danke für all die netten Hinweise^^
Ich will dafür kein neues Thema aufmachen, daher frag ich das einfach noch hier, aber wenn ich das richtig verstanden habe, ist das Hauptproblem in den Kliniken ja die vielen Überstunden. Sind Kliniken die Überstunden bezahlen und Teilzeit wie 80% oder so anbieten so selten?
Würde man dann nicht auf ca.45 h kommen und "ungefähr" das verdienen was ein Vollzeitler normalerweise bekommt, ohne Überstunden? Oder ist das in der Praxis so nicht umsetzbar?
Hängt wahrscheinlich von deinem Arbeitgeber und von deinem Verhandlungsgeschick ab. Überstunden bezahlen tut beispielsweise unser Haus sehr gerne, weil dann bist du ja da und nich im Frei. Und das kommt den AG deutlich günstiger zu stehen als das Beschäftigen von Honorarpersonal.
NeedyCat
05.10.2023, 14:16
Hängt wahrscheinlich von deinem Arbeitgeber und von deinem Verhandlungsgeschick ab. Überstunden bezahlen tut beispielsweise unser Haus sehr gerne, weil dann bist du ja da und nich im Frei. Und das kommt den AG deutlich günstiger zu stehen als das Beschäftigen von Honorarpersonal.
Also würde das echt gehen? Das wäre ja super. Wenn ich so nur ca. 45 h die Woche arbeiten würde und ungefähr auf das grundgehalt von einer 42h vollzeitstelle komme wäre das perfekt
Thomas24
05.10.2023, 14:50
Wer hat denn den Böhmermann hier reingelassen? :-keks
NeedyCat
05.10.2023, 21:19
Wer hat denn den Böhmermann hier reingelassen? :-keks
Doch so unrealistisch? Oder verstehe ich was nicht?
Doch so unrealistisch? Oder verstehe ich was nicht?
Ich weiß jetzt nicht, ob ich dich richtig verstanden habe.
Wir haben aktuell zwei Kolleginnen, die Teilzeit arbeiten. Die eine hat kindbedingt bei 60% angefangen, dabei aber regelmäßig 1-2 Überstunden am Tag gemacht. Bei uns gibt es die Regelung, dass Überstunden EIGENTLICH als FZA zeitnah genommen werden müssen, man kann aber auch den Antrag stellen, dass sie ausgezahlt werden. War bisher auch kein Problem.
Ob du dann im Schnitt weniger rauskriegst, als ein Kollege, der die dieselben Stunden als Regelarbeitszeit bezahlt bekommt, weiß ich allerdings nicht.
Und wie gesagt: Teilzeit muss ja auch irgendwie abteilungsintern machbar sein.
NeedyCat
06.10.2023, 10:33
Ich weiß jetzt nicht, ob ich dich richtig verstanden habe.
Wir haben aktuell zwei Kolleginnen, die Teilzeit arbeiten. Die eine hat kindbedingt bei 60% angefangen, dabei aber regelmäßig 1-2 Überstunden am Tag gemacht. Bei uns gibt es die Regelung, dass Überstunden EIGENTLICH als FZA zeitnah genommen werden müssen, man kann aber auch den Antrag stellen, dass sie ausgezahlt werden. War bisher auch kein Problem.
Ob du dann im Schnitt weniger rauskriegst, als ein Kollege, der die dieselben Stunden als Regelarbeitszeit bezahlt bekommt, weiß ich allerdings nicht.
Und wie gesagt: Teilzeit muss ja auch irgendwie abteilungsintern machbar sein.
Mir geht es nur darum, dass ich durchschnittlich nicht viel mehr als 40 bis 45h die Woche auf Arbeit sein will, damit ich Zeit für Familie und Freizeit habe, und diese 40-45 h auch bezahlt kriege. Wenn das sowohl mit einer Vollzeitstelle, die Überstunden abbummeln lässt, als auch mit einer Teilzeitstelle wo man die Überstunden eben nicht abbummelt, sondern ausgezahlt bekommt, möglich ist, wäre das natürlich cool. Das die Dienste dann nicht geregelt sind ist dann zwar trotzdem noch doof, aber ich nehme mal an, dass die nicht so aussehen, dass man keine Freizeit mehr hat, sondern man auch Pausen zwischen drin bekommt und auch mal mehrere Tage Pause hat plus ja Urlaub, so wie in allen Berufen.
Dann wäre Krankenhaus mit all den coolen Fächern nämlich wieder in Aussicht^^
Dann wäre Krankenhaus mit all den coolen Fächern nämlich wieder in Aussicht^^
Reduzierung, so dass man auf seine 40-45h/Woche kommt, geht. Und somit macht Chirurgie tatsächlich Spaß.
Reduzierung, so dass man auf seine 40-45h/Woche kommt, geht. Und somit macht Chirurgie tatsächlich Spaß.
Die Crux: Als AA/Ä verlängert sich dann auch entsprechend die Weiterbildungszeit, wenn als Frau noch Kinderwunsch dazukommt dauert es evtl. noch länger bis zum FA. Irgendwo dann doch ein Karrierekiller. Aber besser als burn out. Oder man verlagert den Luxus auf die Zeit nach dem FA. Es wäre schön wenn die ärztliche Weiterbildung dann doch mal an moderne Erfordernisse angepasst würde.
Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2023, 10:03
Darüber hinaus kann Quiet Cutting ein großes Problem bei Teilzeit werden.
(Hach, ich liebe BWLer-Trendjargon. Kommt gleich nach den patentierten Drei-Buchstaben-Kürzeln.)
NeedyCat
07.10.2023, 11:37
Die Crux: Als AA/Ä verlängert sich dann auch entsprechend die Weiterbildungszeit, wenn als Frau noch Kinderwunsch dazukommt dauert es evtl. noch länger bis zum FA. Irgendwo dann doch ein Karrierekiller. Aber besser als burn out. Oder man verlagert den Luxus auf die Zeit nach dem FA. Es wäre schön wenn die ärztliche Weiterbildung dann doch mal an moderne Erfordernisse angepasst würde.
Von sowas wie von WBA ohne Opt-Out zu träumen ist wohl sinnlos?^^
NeedyCat
07.10.2023, 11:38
Darüber hinaus kann Quiet Cutting ein großes Problem bei Teilzeit werden.
(Hach, ich liebe BWLer-Trendjargon. Kommt gleich nach den patentierten Drei-Buchstaben-Kürzeln.)
Wäre quiet cutting in Deutschland nicht eine Versetzung die zustimmungsbedürftig ist?
Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2023, 11:51
Eher nicht. Da fällt ja auch so etwas wie Benachteiligung bei Rotationen, Aussparen aus Weiterbildungsinhalten (z.B. der Klassiker: OP adé), das Einteilen auf der übelsten Station oder allgemein ein Übergehen im Dienstplan drunter. Kommt aber natürlich drauf an, wie eng man den Begriff fasst.
Nebenbei: Wir haben eine Hand voll Discounterketten in Deutschland, die szukzessive sämtliche Krankenhäuser schlucken. In meinen zwei letzten Arbeitsverträgen stand jedes einzelne Mal drin, dass mein Arbeitgeber mich innerhalb der Häuser des Trägers nach Notwendigkeit versetzen kann.
Autolyse
07.10.2023, 12:09
[...]Nebenbei: Wir haben eine Hand voll Discounterketten in Deutschland, die szukzessive sämtliche Krankenhäuser schlucken. In meinen zwei letzten Arbeitsverträgen stand jedes einzelne Mal drin, dass mein Arbeitgeber mich innerhalb der Häuser des Trägers nach Notwendigkeit versetzen kann.
Mit der Billigkeitskontrolle von Versetzungen könnte man an einem größeren Arbeitsgericht auch problemlos ein Dezernat füllen. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. ;-)
Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2023, 12:33
War mir sofort klar, dass dir der Mundwinkel zuckt, wenn du das liest. ;)
Wenn ein Arbeitgeber jemanden loswerden möchte, findet er Wege, ihm das Leben madig zu machen. Im Zweifel bleibt das alte Dilemma der Ärzte, das Recht haben und Recht durchsetzen nicht das gleiche ist. Gegen den Arbeitgeber klagen kann man immer. Bei einer unrechtmäßigen Kündigung wird man das aber eher tun, als bei einzelnen Übergriffen vor dem Hintergrund eines (noch) bestehenden Arbeitsverhältnisses.
In meinem alten PJ-Haus betrieb der Träger z.B. Häuser in mehreren Städten, alle so etwa 15 km voneinander entfernt. Der hat damals schon seine Pfleger regelmäßig spontan bei Personalmangel in eines der anderen Häuser beordert. Ob man ein Auto hatte war dem sowas von egal. Ob das Scheiße ist, auch. Das reicht schon, so richtig übel zu nerven und eine Eigenkündigung zu triggern. Dafür muss man nicht von Stuttgart nach Hildesheim umgetopft werden. Eins der Häuser ist inzwischen geschlossen, natürlich kurz nach Privatisierung, und die übrigen Häuser haben jetzt in vielen Abteilungen einen einzigen Chefarzt für mehrere Häuser. Wäre mal spannend, wie man das eigentlich der Ärztekammer erklärt, das ein Chef sich auf mehrere Kliniken aufteilt. Weiterbildungsbefugnis undso. Aber Chefs können bekanntlich alles - auch Mitose und Meiose und Knospung. Naja, jedenfalls: Sobald in deinem Umfeld die Hälfte aller Häuser demselben Träger gehören, wird der ganz schnell kreativ.
Autolyse
07.10.2023, 14:17
Ja, klar findet man immer Wege und Oligopole waren schon immer eine gute Idee.
Weiterbildung ist, wie die gesamte Selbstverwaltung, eigentlich eine staatliche Aufgabe, die nur lustig subdelegiert wird. Du kannst das der Kammer sehr gut erklären, weil über die Weiterbildungsbefugnis ein Ausschuss aus anderen Chefärzten und deren niedergelassenen Golf- und Rotarykumpeln befindet, weshalb sie das nicht interessiert. Den Staat auch nicht, denn in der Selbstverwaltung findet nur eine Rechtsaufsicht statt. Ich habe im Studium mal eine Veranstaltung zu außergewöhnlichen Bereichen des besonderen öffentlichen Rechts (Selbstverwaltung, Wehrrecht, Waffenrecht etc.) besucht, da war auch der Justiziar einer Kammer Dozent. Der hat ganz klar gesagt, dass ein erheblicher Teil seines Jobs daraus besteht irgendwelche Gremien von krass rechtswidrigen Entscheidungen abzuhalten, die zu einer Intervention der Aufsichtsbehörde führen müssten. Auf dem Niveau bewegen wir uns.
Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2023, 14:42
Jup. Ist halt eine offene Farce. Wenn Dienste nicht zur Weiterbildung zählen, weil der Weiterbildungsbefugte nicht da ist, der aber ohne Probleme x Tage die Woche in anderen Häusern vagabundieren und sich dafür Dublonen in den Rachen stopfen lassen darf, dass man seine Leber in Karat wiegen könnte.
NeedyCat
07.10.2023, 15:04
In ein paar Jahren werde ich wissen, ob ihr etwas übertreibt oder ob das wirklich so ein Horror ist^^
Aber jetzt erstmal als letzte Frage, wie findet man überhaupt raus wie es in welchem Krankenhaus zugeht? Ich bin jung und naiv, wenn ich in einer Stellenanzeige sowas lese wie "Teilzeit/Flexible Arbeitszeiten möglich", denke ich dann auch dass das wohl so ist. Während ich Stellen, die es einem als "Worklife Balance" verkaufen, dass man die Kinder gut abschieben kann im Hort, als eher fragwürdig betrachte. Sieht das in der Realität denn wirklich so aus oder sind das alles eher Köder bzw. kann man aus diesen Anzeigen nicht viel gewinnen? Wenn ich irgendwann einen Job finden muss, ist es mir egal wenn ich in ein anderes Bundesland umziehen muss oder wenn es eher abgelegener und etwas ländlicher liegt, aber es wäre ja schon nervig, erst mal durch Deutschland zu trampen und in dutzenden Kliniken mal zu hospitieren nur um rauszufinden wo es *wahrscheinlich* humaner zugeht^^
So wie ich gelesen habe, ist Opt Out zum Beispiel fast schon Pflicht an sehr vielen Kliniken, sonst wird man einfach nicht eingestellt. Schließlich ist das nachweisen, dass man deswegen abgelehnt wurde, quasi unmöglich.
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