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statuscuriosus
29.08.2004, 14:10
Hallo zusammen, mich würde mal interessieren, in wie weit bei euch mittlerweile das Arbeitszeitgesetz verwirklicht worden ist. Bei uns hat sich noch nichts verändert und nachdem die Krankenhäuser ja jetzt noch bis Ende 2005 sogenannte Übergangsregelungen haben dürfen, wird sich sicher auch in den nächsten 1 1/2 Jahren nichts ändern.
Wie ist es bei euch, wenn ihr Dienst habt? Kommt ihr ganz normal morgens zur Arbeit oder erst mittags? Und könnt ihr am Morgen nach dem Nachtdienst gehen? Oder müsst ihr auch ganz normal den Tag durcharbeiten?
Und wieviele Dienste habt ihr pro Monat, und wie ist eure Wochenarbeitszeit?

Ich kenne so einige Häuser, in denen man erst mittags zum Dienst kommt und am nächsten Morgen nach seiner Visite gehen darf, und das schon seit Jahren!!! (klingt fast zu schön um wahr zu sein!)


LG status

condorito
29.08.2004, 14:29
Bei uns soweit nichts,was in Richtung Arbeitszeitgesetz geht...
Vollzeit vorausgesetzt,fängst du morgens an und bleibst bis zum nächsten Morgen nach der Frühbebrechung,dann is Sense....

lala
29.08.2004, 17:16
Keine Änderung durchs Arbeitszeitgesetz...

Kommst zum Dienst 1 1/2 Stunden später als normal und darfst am Folgetag (theoretisch) mittags gehen (= 26 h arbeiten) - klappt aber nie, da Stationsalltag das kaum zulässt....also faktisch eher so 28h....

Dazu regelmäßige (unbezahlte und wohl nie in freizeitauszugleichende) Überstunden (bei mir zZ 2-3 /Tag ) und das bei 6-7 Diensten/Monat (D-Dienste - viel Arbeit und wenig Schlaf)...

Christoph_A
30.08.2004, 08:27
Bei meinem letzten PJ Haus war es wenigstens schon etwas besser-der Diensthabende kam mittags um 12 und ging am nächsten Morgen meist gegen 10, so daß es wenigstens in Ansätzen der neuen Regelung entspricht,aber das ist wirklich eine Ausnahme,auch hier in Süddeutschland.

Vystup
30.08.2004, 11:43
sieht so aus, als muesste ich doch auswandern...

Mini-Doc
30.08.2004, 20:32
NA ja hier ist das ähnlich ..... du machst nen normalen Tagdienst und wenn du Glück hast gehst du am nächsten Tag um 12 offiziell natürlich um 9 nach der Visite .... offiziell deshalb weil ja hier wie überall auf Befehl von oben die Statistik gefälscht wird.... du schreibst max ein Drittel deiner Überstunden auf was im Monat so im Schnitt 20 offizielle max pro Monat sind statt der wirklich geleisteten minimum 10-15 pro Woche .... da du sonst keine Vertragsverlängerung bekommst, da du ja inkompetent bist da du deine Arbeit nicht in der Zeit schaffst in der es alle anderen können rofl . :-( ....

xMarvinx
23.10.2004, 19:47
Hey. Ich hab inzwischen auch gehört, dass es da ein Gesetz geben soll - was mich bei der Erinnerung an mein Pflegepraktikum doch etwas zu denken gab.
Die haben dort auf der Neuro nämlich so gut wie zwei Tagdienste hintereinander gemacht und zwischendurch eben Nachtdienst. Gingen zwar meist früher, also mittags rum und nicht nachmittags, aber 26 Stunden haben sie schon überschritten. An einem Tag war es sogar so extrem, dass der eine nur kurz vor fünf nach Hause gefahren ist, also ingesamt so 30 Stunden da war. War das illegal oder ist es in psychiatrischen Krankenhäusern anders geregelt oder was?

statuscuriosus
25.10.2004, 08:45
normalerweise ist sowas soweit ich weiß in den AVR bzw. BAT geregelt. Aber auch AVR und BAT müssen sich an die geltenden Arbeitszeitgesetze anpassen.
Aber da es immernoch die Übergangszeit zur Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes gibt (und diese ist mittlerweile ja wieder verlängert worden bis Ende 2005) können die Krankenhäuser unter dem Deckmäntelchen der "Übergangslösung" immernoch schön weiter ihre Arbeitszeiten aufrechterhalten. In dieser Übergangszeit sollen eigentlich die Kliniken Lösungen finden, um ihre Arbeitszeiten den neuen Gesetzen anzupassen.
Aber viele Kliniken nehmen diese Übergangszeit leider als Freibrief, einfach so weiterzumachen, wie bisher, und ändern überhaupt garnichts. :-(

bernard
26.10.2004, 14:30
Also, ich hab während des PJ in allen drei Tertialen nur folgende Regelung erlebt: Der Dientshabende arbeitet am Tag vor dem Dienst ganz normal, dann die Nacht, und der nächste Tag ist frei, und zwar ab nach der Morgenbesprechung und nicht erst nach der Visite. Das war in allen drei Häusern so und wurde auch tatsächlich so eingehalten, nur einmal musste eine Assistenzärztin nach dem Dients bis ca. 13.00 Uhr bleiben, weil wegen ungünstiger Urlaubsplanung + plötzlicher Krankheit ein Engpass aufgetreten war (ich wäre sonst als PJ den ganzen Tag alleine auf Station gewesen).

Ich dachte, dass wäre überall so, aber anscheinend habe ich mich da getäuscht.

Ionamaria
21.11.2004, 17:33
:-wow

Aktarus
28.11.2004, 22:00
Also ich arbeite zur Zeit als neurologischer Assistenzarzt in einem städtischen Krankenhaus und die haben das Urteil schon umgesetzt. Und ich kann nur eins sagen, viel schlimmer hätte es nicht werden können, ein absoluter Albtraum. Aber eins nach dem anderen. Es war natürlich klar, daß die finanziellen Mittel fehlen, um in jeder Fachrichtung neue Ärzte einzustellen, um einen Schichtdienst einzuführen. Also wurden kurzerhand mehrere Internisten neu eingestellt, damit diese einen "fachübergreifenden" Schichtdienst bestreiten. Und finanziert wird das auf folgende Weise, wir Neurologen zum Beispiel arbeiten jetzt neuerdings wochentags nur noch bis 22 Uhr und am Wochenende bzw. an Feiertagen bis 17.30 Uhr. Danach ist kein Neurologe mehr im Haus, Pat. die also in der neurologenfreien Zeit in die Rettungsstelle kommen, werden also zunächst nur vom Internisten gesehen, der erst einmal versuchen muß den Fall selber aufzunehmen. Fühlt er sich aber damit überfordert, so muß er den Hintergrund anrufen ( im Falle eines neurologischen Pat. Chefarzt bzw 2 Oberärzte ), die dann den Pat. gemeinsam besprechen. Wenn der Kasus aber unklar bleibt bzw. der Internist keine Zeit hat den Pat. zu behandeln, muß der Hintergrund in Person auf der Rettungsstelle erscheinen. So entstehen dann halt so skurrile Situationen, daß unser Chefarzt nachts wegen eines banalen Rückenschmerzes in die Klinik muß, während wir Assistenzärzte pieperfrei zu Hause durchschlafen können. Die Hintergründe kriegen dafür dann eine Pauschale, was jedoch nur ein schlechter Trost ist. Die sind natürlich völlig unzufrieden ( und das ist noch untertrieben ), weil die ja am nächsten Tag natürlich arbeiten müssen. Dadurch spart das Krankenhaus Geld ein, weil ja kein neurologischer Vordergrund bezahlt werden muß, aber naiv zu glauben, daß das alles ohne deutliche Qualitätseinbussen geschieht. Die Krankenhausleitung wird zwar nicht müde das immer wieder zu propagieren, aber die Realität sieht anders aus. Letzendlich wird die ganze Arbeit auf nur einen Internisten abgewälzt, der ab 22 Uhr alle internistischen, neurologischen und psychiatrischen Fälle mitsamt den dazugehörigen Stationen betreuen muß. Das heißt, daß wenn zum Beispiel eine Flexüle irgendwo auf einer der psychiatrischen Kliniken para gelaufen ist dieser einsame Internist, der die ganze Rettungsstelle für oben genannte Fachrichtungen schmeißt, zu der Station laufen und diese Flexüle legen muß. Wenn er aber aufgrund eines Notfalls diese nicht legen kann, dann muß halt der entsprechende Hintergrund rein, es ist zwar de facto noch nicht vorgekommen, daß unser Chef bzw. einer unserer beiden Oberärzte deswegen in die Klinik musste, aber zumindestens ist es im Notfall so vorgesehen. Das Beste an der Sache ist aber doch, daß dieser völlig überlastete Internist mit neurologischen sowie psychiatrischen Notfällen völlig überfordert ist. Ich meine, wir alle kennen den beliebten Satz "grob neurologisch unauffällig", aber leider reicht diese Kenntnis in vielen Notfällen nicht aus. Da werden Hemiparesen, Hemianopsien und Vigilanzminderungen übersehen, bitte mich nicht falsch verstehen, ich würde wahrscheinlich auch jedes Herzgeräusch überhören, daß mir nicht mit 6/6 ins Stethoskop faucht, aber diese Tatsache führt einfach dazu, daß der entsprechende Hintergrund falsche Informationen erhält und dementsprechend nicht darauf reagieren kann, an Lyse ist also in diesem Zeitraum gar nicht zu denken, zumal es mindestens 20-30 min dauert, bis der Hintergrund vor Ort wäre. Aber die Krankenhausleitung ist ja auch nicht dumm, mit dem gesparten Geld hat man sich einfach noch besser versichert, für den Fall einer Patientenklage.... Ich für meinen Teil bin natürlich auch mehr als unzufrieden mit dieser Regelung, ich kann zwar jetzt jede Nacht durchschlafen ( auch nicht zu verachten), aber ich verdiene jetzt anstatt vorher 2100 Euro nur noch 1650 Euro. Das ist echt hart, aber uns Assistenzärzten wurde ein sehr edeles Angebot unterbreitet, wir können in der besagten Zeit von 22 Uhr bis 7 Uhr eine Rufbereitschaft machen, die dann pauschal mit ungefähr 90 Euro Brutto vergütet wird. Und am nächsten Tag darf man zur Belohnung dann ganz normal arbeiten. Das heisst im Klartext, ich arbeite mehr als vorher und kriege dafür weniger Geld, durch den einfachen Trick den Bereitschaftsdienst formal in eine Rufbereitschaft umzubenennen. De facto ist das aber natürich das Gleiche, denn man wird natürlich gandenlos vom Internisten angepiept, sobald auch nur der Hauch von Neurologie in Sicht ist, allein um sich etwas zu entlasten. Und Rufbereitschaft heißt bei uns, daß man innerhalb von 20 min in der Klinik sein muß, sich dort aber wohl aus formalen Gründen nicht aufhalten darf. Darum hat man ein Hotel ganz in der Nähe aufgekauft, wo die in Rufbereitschaft befindlichen Ärzte nächtigen dürfen. Man hat halt eben an alles gedacht. Und das Schlimmste an der ganzen Sache ist, daß meine Miete leider erhöht wurde und ich deswegen auf dieses Angebot eingehen werde. Traurig aber wahr, vorher ging es uns besser.

Rugger
29.11.2004, 06:39
Und Rufbereitschaft heißt bei uns, daß man innerhalb von 20 min in der Klinik sein muß, sich dort aber wohl aus formalen Gründen nicht aufhalten darf. Darum hat man ein Hotel ganz in der Nähe aufgekauft, wo die in Rufbereitschaft befindlichen Ärzte nächtigen dürfen. Man hat halt eben an alles gedacht. Perfider gehts kaum noch... Ich könnt' Kotzen!
Aber ganz ehrlich: wenn man sich da zusammen tut und die Gewerkschaft mit an Bord nimmt, kann es doch eigentlich nicht sein, daß die damit durch kommen, oder?! Notfalls muß man halt an die Presse gehen...

R.

statuscuriosus
29.11.2004, 11:26
@Aktarus
während ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich die ganze Zeit drauf gewartet, daß irgendwann der Satz kommt: "kennen sie die Sendung: "VerstehenSie Spaß" ?" So abstrakt hört sich das alles an mit den Zuständen bei euch.
Aber mal im Ernst, wehren sich denn eigentlich die Ober- und Chefärzte nicht gegen solche Zustände? Kommen sie bereitwillig zum Zugang legen o.ä. nachts oder am WE ins Krankenhaus? Oder haben die mittlerweile auch nichts mehr zu sagen? Scheint so, als würden die Krankenhäuser tatsächlich bald nur noch von den sesselpupsenden Verwaltungs-Fuzzies regiert, die nun wirklich keine Ahnung von Patientenversorgung haben! *kopfschüttel*
Traurig, traurig.... :-???

Man soll ja keinem was Böses wünschen, aber es hätte vielleicht einen gewissen "heilenden" Effekt, wenn solche Verwaltungsleute mal notfallmäßig in der Ambulanz "ihres" Krankenhauses landen würden.

Cassy
29.11.2004, 11:51
Also all diese Probleme kenne ich aus dem Haus, in dem ich meine Ausbildung mache, nicht. :-nix Unsere Ärzte arbeiten von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr an normalen Tagen. Haben sie Bereitschaftsdienst, so sind sie ab 7.30 Uhr im Haus und gehen am Tag danach nach der Besprechung, also spätestens um 9 Uhr. Am Wochenende sind die Arbeitszeiten ebenso wie beim Bereitschaftsdienst.
Wie es aber in anderen Häusern geregelt ist, ist erschreckend!!!!!! :-???

Rugger
29.11.2004, 15:17
Man soll ja keinem was Böses wünschen, aber es hätte vielleicht einen gewissen "heilenden" Effekt, wenn solche Verwaltungsleute mal notfallmäßig in der Ambulanz "ihres" Krankenhauses landen würden.Es mag ja vielleicht naiv klingen, aber ich frage mich immer, wie solche Verwaltungsmenschen oben genannte oder ähnliche Dienstzeitverordnungen mit ihrem Gewissen vereinbaren können?!
(Oder gibt man sowas mit einem BWL Studium ab, ähnlich wie wir Mediziner anscheinend unseren Widerstandswillen gegen solche Umstände?) :-???

R.

lala
29.11.2004, 16:30
Sag mal Aktarus - was passiert denn wenn mal so ein "richtiger" neurologischer Notfall kommt???
Ich meine ins CT fahren kann jeder - klar.
Aber ich stell mir gerade vor wie meine internistischen Kollegen lysieren oder einen Status epilepticus behandeln würden.
Aus eigener Erfahrung kommt das oft gerne mal nach 22.00 vor und wenn die schon beim leisesten Verdacht einer Lyse den OA rufen wäre das ja noch gut - oft ist es so, dass die das gar nicht einschätzen können (geschweige denn das Management mit Doppler ect. regeln können). Und da es dann doch auf Zeit ankommt....übel übel für eure Patienten....
Und was Kollegen anderer Fachrichtungen so an "Anfällen" plötzlich ziemlich voreilig schon mit Benzos abgeschossen haben....
Schreib doch mal wo Du arbeitest (gerne auch als PM) - will ja wissen wohin man sich nicht bewerben sollte ;-)

Gruß,
lala

Francamour
29.11.2004, 17:45
Ich will ja nichts sagen, die Zustände, die Du da schilderst, Aktarus, sind wirklich grauenvoll! Aber einig sind wir uns doch trotzdem alle, daß es auch nicht Sinn der Sache sein kann, 32 Stunden am Stück zu arbeiten.
Mehr Leute sollten eingestellt werden und Nacht- und Wochenendarbeit richtig gut vergütet werden. Aber ich kann viel erzählen...

Was ich aber zu Dir und Doclala noch anmerken wollte:
Ihr mögt jetzt in großen Krankenhäusern arbeiten, die eine psychiatrische und neurologische Fachabteilung haben, zusätzlich zur normalen inneren, aber das ist in vielen ländlichen Gegenden oder Kleinstädten oft nicht der Fall! Was glaubt ihr wohl, in welcher Abteilung solche Leute dann zuerst aufschlagen?
Genau, in einer kleinen Kreisklinik mit 250 Betten in der Inneren! Nix Neurologie oder gar Psychiatrie! Da muß dann auch erst mal der Internist schauen, was er mit den Leuten macht. Oft werden, wie in dem Krankenhaus, wo ich Innere gemacht habe, Stroke Units eröffnet, wo dann tagsüber eine fachärztliche neurologische Betreuung vom Niedergelassenen stattfand. Aber nachts mußt Du als Internist erstmal das nehmen und behandeln, was kommt! Und wir kannten uns beileibe auch nicht mit Epilepsieformen aus. Psychiatrische Fälle wurden nach Erstbehandlung sofort in die nächste "Klapse" geschickt, war dann aber auch 45 Min. Fahrt.

Aber ich denke, von einem großen städtischen Krankenhaus mit vielen verschiedenen Fachabteilungen kann man schon erwarten, daß relativ rasch eine fachärztliche Behandlung erfolgen sollte, wenn dann aber auch vernünftig arbeitszeitgesetzeskonform, da sind wir uns doch wohl einig, oder?

Salut, Francamour

condorito
29.11.2004, 18:22
Wie schön,dass es noch andere gibt,die zu solch exzellenten und der Ausbildung würdigen Bedingungen arbeiten dürfen:-D

Rugger
29.11.2004, 20:24
Oft werden, wie in dem Krankenhaus, wo ich Innere gemacht habe, Stroke Units eröffnet, wo dann tagsüber eine fachärztliche neurologische Betreuung vom Niedergelassenen stattfand. Aber nachts mußt Du als Internist erstmal das nehmen und behandeln, was kommt! Und wir kannten uns beileibe auch nicht mit Epilepsieformen aus. Ist das überhaupt zulässig??? Immerhin werden die "Units" (welcher Art auch immer!) doch besonders bezuschusst (sollten ja quasi auch "Centers of Excellence" sein!), und da sollte eine durchgehende, erfahrene Betreuung durch einen entsprechenden Facharzt doch gewährleistet sein. Nichts gegen die Internisten, aber das jene eine Stroke- Unit mitversorgen kann doch auch nicht im Sinne des Erfinders sein - kann mir auch nicht vorstellen, das die KHs sonderlich begeistert davon sind...

R.

Ionamaria
29.11.2004, 23:11
:-nix