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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kreml - Volksverhöhnung wie gehabt



hobbes
30.08.2004, 20:37
In Russland explodieren innerhalb von Stunden zwei Passagiermaschinen. Kurze Zeit später vermeldet der Kreml, es sei ausgeschlossen, dass es sich hier um eine terroristische Tat handelt. Auf massiven internationalen Druck hin und dem (nicht ganz schmeichelhaften) Angebot der USA forensische Hilfe zu leisten, gibt der Kreml zu in einem der Maschinen Spuren von Sprengstoff sichergestellt zu haben. Aber auf jeden Fall beim anderen Flugzeug gäbe es nicht den geringsten Hinweis auf einen Terrorakt..........

Es liegt wohl auf der Hand. Wiederum wurden 80 Menschen Opfer einer Gewalttat der jüngsten Terroristenwelle. Ganz gleich, ob es sich um tschetschenische "Freiheitskämpfer" oder um eine Splittergruppe von Al Quaida handelt.

Weshalb diese Verschleierungspolitik? Reflex aus der Sowjetzeit? Angst vor dem Volkszorn bei eigenem Versagen in der Tschetschenienpolitik? Angst vor der Einräumung der Tatsache, dass auch Russland eine Zielscheibe des islamischen Fundamentalismus ist? Oder ist es gar eine geniale Strategie, der Terrortat die mediale Aufmerksamkeit und somit die Wirkung zu nehmen - sie sozusagen zum Flop werden zu lassen?

Interessant und zeitgleich auch erschreckend ist die mediale wie auch politische Gleichgültigkeit in Europa gegenüber dieser (und vielen vorhergegangen) Terrortat in Russland.

Alslang der Terror internationaler und globalisierter agiert, als sich die angegriffene Völkergemeinschaft zu wehren vermag - so lange droht Gefahr. Der gifte Pfeil des Terrors dividiert die Völkergemeinschaft in verletztliche Fragmente.

Letztlich ist eines klar: die offensichtliche und beinahe kindlich-naive Desinformation des Kreml ist eine knallharte Volksverhöhung. Hier haben über zehn Jahre Demokratie (oder besser Oligarchie) nichts geändert.

luckyblue
30.08.2004, 23:18
Gezielte Desinformation der Bevölkerung - kommt mir irgendwie bekannt vor. Woher nur. Scheint wohl ein Fehler im System der Demokratie an sich zu sein, dass Politiker-Parvenus korumpieren und das Volk für dumm verkaufen. Nicht dass ich hier der Monarchie das Wort reden möchte (es sei denn, ich werd' König;-)), aber irgendwo vermisse ich bei den großen Zampanos in Wirtschaft und Politik heute ein gewisses Maß an Standesbewusstsein. Höchste Priorität wird offenbar nicht der sozialen Verantwortung als Funktionsträger eingeräumt, sondern der Strategie, die eigenen Schäfchen möglichst schnell ins Trockene zu bringen. Das ist Hofschranzentum aller erster Güte.