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He-Man
23.01.2005, 18:47
Also vielem von dem, was ihr geschrieben habt, stimme ich zu und ich würde niemals eine Therapie ablehnen, weil der Wirkungsmechanismus nicht geklärt ist.
Ich würde auch das Pieksen mit Nadeln oder das Schröpfen nicht einfach deswegen ablehnen, weil das ganze unter TCM oder so abläuft. Wie gesagt, die Frage, ob esoterische Maßnahmen wirkungsvoll sind oder nicht, ist eine Frage für sich und als solche durch gut designte Studien auch klärbar.
Die andere Frage, auf die ich abzielte, war die nach dem kulturgeschichtlichen und wissenschaftstheoretischen Hintergrund einer Theorie. Es lassen sich ganz zwanglos die Quellen aufweisen, die Hahnemann zu seiner Homöopathie inspiriert haben (Aristoteles, Simile-Prinzip). Wir können das Werden einer Theorie nachvollziehen und sehen ihren Kunstcharakter. Für Kulturwissenschaftler ist das alles ganz wunderbar, wie z.B. auch Goethes Farbenlehre. Nun halte jemand aber mal eine Vorlesung im physikalischen Institut und behaupte Goethes Ansichten: er wird einfach nur ausgelacht werden. Die Medizin ist doch keine isolierte Wissenschaft, sie speist sich aus den Erkenntnissen der Physik und Chemie. Hätte aber die Homöopathie mit ihren Theorien recht, müßten 400 Jahre Physik umgeschrieben werden, und das, bloß um einen fragwürdigen Effekt zu erklären?
In jedem technischen Gebiet überläßt man Experten das Wort, wieso glauben manche Leute, das Wort einer Hausfrau wiege im Falle der Medizin schwerer als im Falle der Luftfahrttechnik z.B.? Seit wann bauen Hausfrauen A380-Airbusflieger?
Noch mal zur Klarstellung: pragmatisch würde ich genau wie ihr auch handeln! Aber den ganzen theoretischen Überbau der Esoterik ganz man getrost als Humbug abtun. :-meinung

Werwolf
23.01.2005, 19:10
"...den theoretischen Überbau der Esoterik ganz man getrost als Humbug abtun."
Klar kannst Du das. Und ich erlaube mir das (für mich persönlich!) auch. Aber wenn einem Patienten damit geholfen wird, daß irgendein Esoterikfuzzi sämtliche Register zieht und ihm erklärt, daß er sich zunächst in seine eigene Mitte und dann zu sich selbst tanzen muß, etc., das Ganze natürlich bei Neumond und mit dem Fell einer toten Katze im Nacken, dann werde ich einen Teufel tun und dem Patienten sagen: Das ist alles Humbug und Scharlatanerie! Wenn´s hilft- prima! :-top
Und was den wissenschaftlichen Unterbau der Schulmedizin angeht, gibt es da auch ´ne Menge Sachen, die fragwürdig sind. :-?
Und dann war da ja auch in der Schulmedizin noch der Placebo-Effekt... (Auf die Gefahr hin, daß mir alle Homöopathiker auf´s Dach steigen- mit "Placebo-Effekt" erkläre ich mir, daß irgendwelche D 445 hastdunichgesehen-Globuli wirken :-)) Hat man das eigentlich mal doppelblind randomisiert getestet? D6453564 vs Placebo? (Wobei ich mittlerweile auch Zweifel an derlei Studien habe :-(( )

synosoph
23.01.2005, 19:19
Aber den ganzen theoretischen Überbau der Esoterik ganz man getrost als Humbug abtun. :-meinung

Mit diesem Satz outest Du Dich leider auch als Dogmatiker. Was, bitte schön, ist denn der theoretische Überbau der "Esoterik"? Der Deckel über dem Suppentopf? Es gibt überhaupt nicht die Esoterik.

Und das auch die Naturwissenschaften nicht ohne Paradigmen und erkenntistheoretischen Grundlagen auskommt, ist hoffentlich auch klar.

Damit mich hier keiner falsch versteht: Ich bin auch dagegen Kinder nicht gegen Tetanus oder Polio zu impfen, aber manchmal habe ich den Eindruck, daß die, die am lautesten gegen alternative Ansichten anplärren, die wenigste Ahnung haben. Wer von Euch hat denn schon mal die Arbeiten von Impfgegnern durchgelesen und sich mit den Argumenten auseinandergesetzt?

Das sind ja nicht alles Spinner oder Blender (die gibt es natürlich auch - aber überall), die reinen Hirngespinsten anhängen, sondern u.a. auch Wissenschaftler, die eben eine andere Sicht vertreten. Und ich finde damit solllte man sich argumentativ auseinandersetzen und nicht den gleichen Pauschalisierungstendenzen und Plakatparolen verfallen, die man im Halbsatz vorher noch der anderen Seite vorgeworfen hat.

Brücken baut man so bestimmt nicht. :-meinung

Scrotum
23.01.2005, 20:26
Auch ein interessantes Thema wäre "Placebo in der ärztlichen Praxis".

Ist ein absolutes Tabuthema, weil ethisch nicht ganz unbedenklich. Aber nicht wenige Ärzte benutzen Placebos in Praxis.

luckyblue
23.01.2005, 20:35
Ich hab's regelmäßig auf einer Station erlebt, dass NaCl statt Schmerzmittel verabreicht wurde.

Neujahrsrakete
23.01.2005, 20:46
Wer von Euch hat denn schon mal die Arbeiten von Impfgegnern durchgelesen und sich mit den Argumenten auseinandergesetzt?
Das sind ja nicht alles Spinner oder Blender

Erstens sind die Argumente der Impfgegner gar nicht immer und alle doof und zweitens mit dem Wissen, was wir so an der Uni mitbekommen, gar nicht leicht zu widerlegen.
Da müßte man sich wirklich intensivst mit dem Thema auseinandersetzen, um einem hauptberuflich und eingefleischten Impfgegner auf hohem Niveau Kontra geben zu können.
Und inzwischen habe ich auch einige durchaus viel denkende Schulmediziner kennengelernt, die ihren Patienten zwar jegliche gewünschte Impfung angedeihen lassen, sich selbst aber nur noch gegen wesentliche Dinge impfen lassen, weil ihnen die Zunahme an Autoimmunkrankheiten nicht geheuer ist.

milz
23.01.2005, 21:57
Um das hier als Müll zu erkennen muß man nicht mal studiert haben, mbMn:
http://www.neue-medizin.com/impftab.htm

Und Antworten auf verbreitete Vorurteile sollte man auf jeden Fall haben, wie will man denn sonst jemanden von der Notwendigkeit wichtiger Impfungen zB. bei Kindern überzeugen?

http://www.impfinformationen.de/

ehec
23.01.2005, 22:55
wow, der erste link ist wirklich allererste sahne. gehoert schon einiges dazu, solchem duennschiss soviel muehe und zeit zu widmen und damit anscheinend auch noch irgendwie geld zu verdienen.


kopfschuettelnd,


ehec.

He-Man
23.01.2005, 23:14
Wer von Euch hat denn schon mal die Arbeiten von Impfgegnern durchgelesen und sich mit den Argumenten auseinandergesetzt?Na, gerade die Argumente der Impfgegner sind ein Paradebeispiel für fehlgeleitetes Denken in diesem Bereich. Da mag sich jemand sehr intensiv in die Immunologie und Allergologie eingearbeitet haben und mit einem ganzen Arsenal von Klein-Klein-Widersprüchen aufwarten, er übersieht (?) ganz einfach das Argument, daß ein Sistieren von Impfungen eine solche Zahl von Infektionskrankheiten mit sich ziehen würde, daß der Vorteil etwaiger wegfallender Impfschäden dagegen wahrscheinlich nicht einmal meßbar wäre. Man kann sich hier nur noch an den Kopf fassen.


Das sind ja nicht alles Spinner oder Blender (die gibt es natürlich auch - aber überall), die reinen Hirngespinsten anhängen, sondern u.a. auch Wissenschaftler, die eben eine andere Sicht vertreten. Und ich finde damit solllte man sich argumentativ auseinandersetzen und nicht den gleichen Pauschalisierungstendenzen und Plakatparolen verfallen, die man im Halbsatz vorher noch der anderen Seite vorgeworfen hat. Deiner Tendenz, das Kreative, Noch-Nicht-Etablierte, Neue vor dem institutionalisiertem Etablierten zu bewahren und ihm eine Chance zu geben, kann ich mich nur anschließen, aber ich fürchte, Du führst Deinen Krieg auf dem falschen Schlachtfeld (um es mal ein wenig pathetisch auszudrücken). New Age ist ja nicht neu, das alles hat in den 60ern begonnen und läßt sich kulturgeschichtlich sehr deutlich orten. Diese Theorien sollte man mehr unter psychologischen und politischen Aspekten betrachten.

milz
02.12.2006, 12:48
Auch die Hausärzte igeln hier fleissig mit, man kann es nicht einmal verdenken, mit Evidenz-basierter Medizin kann man heute wirtschaftlich auch nichts mehr reißen (man vergleiche die Vergütung für den Hausarztbesuch, mit dem was ein Klemptner schon für die Anfahrt verlangt). Kenne selbst welche, die "Aufbauinfusionen", Ozontherapie, Bioresonanz und weiteren Unsinn anbieten, von der Homöopathie will ich gar nicht erst anfangen, die gehört ja schon zum Standardrepertoire im modernen Schamanentum.

http://www.stern.de/wirtschaft/versicherung/versicherungstipps/index.html?id=526834&nv=ct_cb

Zudem muß man auf einem "Markt" auch die Patienten bei der Stange halten, und dazu gehört auch die Verdummung (vgl. Werbung in anderen Bereichen für völlig unnütze Produkte), aber schön finde ich es nicht. Wenn man zum nachfragenden Patienten sagt, Homöopathie bringt nichts, aber wenn Sie es möchten verschreibe ich es Ihnen, dann wärs ja in Ordnung. Aber hier geht es ja gerade ums Verkaufen zweifelhafter Produkte.

HA werde ich wohl nicht, wenn man dafür so die Kunden über den Tisch ziehen muß. :-meinung (*noch idealistisch bin*)

Gichin_Funakoshi
03.12.2006, 22:32
Wer heilt, hat recht.
Ich habe schon mit so vielen Alternativmedizinern diskutiert und in 100% aller Diskussionen kommt dieses Argument vor.
Prinzipiell ist der Inhalt dieses Arguments schon sinnvoll. Aber die Frage ist eben, wer denn heilt?! Ich kann doch nur Zahlen zu rate ziehen, um die Frage zu beantworten. Und diese sind sehr widersprüchlich.
Homöopathie muss heutzutage schlicht und ergreifend als Glaube bezeichnet werden. Man muss sich mal vorstellen, dass wenn man eine chronische Erkrankung hat, die die Wissenschaftsmedizin (Schulmedizin impliziert eine gewisse Abwertung) nur mit Schmerzmittel behandeln kann, die logische Konsequenz eine Flucht vor dieser ist. Aber das macht die Homöopathie nur subjektiv betrachtet sinnvoll. Das homöopathische System ist nicht in sich geschlossen. Warum gibt es denn keine hochpotenzierten Mittelchen in der Notfallmedizin? Genau in dem Bereich, wo eine Wirkung besonders gut zu beurteilen wäre. Aber dort hält sich die Homöopathie ja fein raus...

milz
03.12.2006, 23:53
Warum gibt es denn keine hochpotenzierten Mittelchen in der Notfallmedizin? Genau in dem Bereich, wo eine Wirkung besonders gut zu beurteilen wäre. Aber dort hält sich die Homöopathie ja fein raus...
Sag das nicht, manche sind da durchaus konsequent: Homöopathische Behandlung von Notfällen - Anaphylaktischer Schock (http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/ahz/doi/10.1055/s-2004-822416) (Volltext in einem Forum (http://www.kidmed.de/forum/showtopic.php?threadid=5524))

Foreman
28.02.2008, 15:56
Ich habe bald einen Vortrag zum Thema zu halten und wollte mal fragen, ob jemand Kommunikationstipps(Links oder Buchtipps) parat hat.

Wie spricht man mit Patienten, deren Weltbild "esoterisch" ist und vergrämt sie nicht gleich mit dem ersten Satz?
Wie kommuniziert man mit z. B. fanatischen Impfgegnern, die ihr Kind nicht impfen lassen wollen und bleibt dabei wertschätzend?

Für Tipps und Anregungen schon mal besten Dank im Voraus.

synosoph
29.02.2008, 21:37
Ich habe bald einen Vortrag zum Thema zu halten und wollte mal fragen, ob jemand Kommunikationstipps(Links oder Buchtipps) parat hat.

Wie spricht man mit Patienten, deren Weltbild "esoterisch" ist und vergrämt sie nicht gleich mit dem ersten Satz?
Wie kommuniziert man mit z. B. fanatischen Impfgegnern, die ihr Kind nicht impfen lassen wollen und bleibt dabei wertschätzend?

Für Tipps und Anregungen schon mal besten Dank im Voraus.

Das sind interessante Fragen. Eigentlich berühren sie ja sehr grundsätzliche Themen des Arzt-Patient-Verhältnisses.

Wie schafft es der Arzt eine gute Verständigung zum Patienten aufzubauen? Oder wie geht der Arzt mit Vorstellungen seitens des Patienten um, die in sein Weltbild oder sein medizinisches Denken auf den ersten Blick nicht reinpassen?

Ich glaube, dass es wichtig ist authentisch zu bleiben. Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, dann sollten sie nicht einer falschen Harmonie geopfert werden. Mit Höflichkeit und Respekt den eigenen Standpunkt vertreten und mit nachvollziehbaren und ausgewogenen Fakten belegen - halte ich für den besten Weg. Im Idealfall ist man dann auch bereit, sich mit den Argumenten der anderen Seite fair auseinanderzusetzen.

Ein bekannter Internist pflegt die Offenheit zu seinen Patienten so, dass diese keine Hemmungen haben, ihm über Heilpraktikerbesuche oder andere komplementäre Therapieversuche zu berichten. Wenn der Patient vom Arzt das Gefühl vermittelt bekommt, in einem Aspekt seiner Persönlichkeit geringgeschätzt zu werden, würde dies nur eine viel schädlichere Wirkung entfalten. Oberste Priorität für den Arzt sollte meiner Ansicht nach seine Vertrauenswürdigkeit für den Patienten haben.

Foreman
01.03.2008, 13:25
Authentisch zu sein, finde ich auch angebracht. Kompliment an den Internisten, nicht viele strahlen solch eine angenehme Art auf Patienten aus.