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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Traurige Berühmtheit



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Lava
10.12.2004, 20:40
Das wird jetzt kein besonders gehaltvoller Thread, aber ich muss mir einfach mal ein paar Dinge von der Seele schreiben, die mir gerade durch den Kopf gehen...

Über tausend Umwege und aus verschiedensten Gründen bin ich heute beim Surfen auf der I-net Seite der Freiburger Antifa gelandet. Da gab's einen Artikel, in dem sich die lokale Antifa darüber aufregt, dass es in FR mittlerweile einen Laden gibt, der die Kleidermarke Thor Steinar verkauft. Das ist angeblich eine Modemarke, die gern von Neonazis getragen wird (die mussten sogar ihr Logo ändern, nachdem es gerichtlich verboten wurde, weil es Ähnlichkeit mit rechtsradikalen Symbolen habe). Und was muss ich da lesen? Der Gründer der Marke kommt aus meinem Heimatort, Königs Wusterhausen (im folgenden "KW" genannt)! Schlimmer noch: er war (oder ist) wohl mal Betreiber eines Klamottengeschäftes in KW. Ich kenne den Laden natürlich!!! Ich hab da nie was drin gekauft.... aber hauptsächlich aus dem Grund, weil der Laden furchtbar teuer ist. Coole Sachen hatten die schon...
Nach ein bisschen googlen über Thor Steinar bin ich dann auf einen Bericht (http://free.pages.at/redkw/diverses/heft/situation_kwh.htm) über die rechte Szene in KW gestoßen. Ich hab ihn gelesen und bin ziemlich erschüttert. Ich meine, in dem Artikel werden Tatsachen erwähnt, die ich in meiner Zeit in KW natürlich auch selbst mitbekommen habe. Der Nazi Aufmarsch in Halbe und der Mord an diesem 60jährigen. Einen der Täter, diesen Jens L., kannte ich persönlich. Als ich so 12 oder 13 war, war ich öfter in einem Jugendclub, in dem Jens auch oft war. Irgendwann bin ich nicht mehr dahin gegangen, eben weil ich mit der rechten Szene nichts zu tun haben wollte. Später hab ich dann gehört, dass er wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Aber das jetzt noch mal zu lesen.... das hat mich einfach erschüttert. Seit über 3 Jahren wohne ich nun in Freiburg und hier begegnet einem Rechtsradikalismus einfach nicht auf der Straße. Jetzt kommt es mir so vor, als wäre ich irgendwie von zuhause geflohen. OK, Rechtsradikalismus war nie ein großes Thema für mich. An meiner Schule konnte man frei seine Meinung äußern, ohne was befürchten zu müssen und ich hab mich einfach immer gut fern gehalten von allem Extremen. Eine Freundin von mir war sehr aktiv in der linken Szene, aber ihr ist nie was Schlimmes passiert. Und wenn ich jetzt so lese, was alles in KW los war....... ich weiß einfach nicht, wie ich das Gefühl beschreiben soll! Mittlerweile verstehe ich selber nicht mehr, wie ich da leben konnte! Dabei ging's mir gut! Mir wurde keine Gewalt angedroht (außer einmal in diesem erwähnten Jugendclub) und in meiner Klasse wurde niemand verprügelt oder sonstwas (außer später jemand in meinem Chemie LK). Aber an den Klammern sieht man schon: Rechtsradikalismus WAR durchaus präsent in meinem Leben. Und jetzt nicht mehr. Ich komme mir so feige vor. Ich hab's damals einfach so hingenommen, ja vielleicht sogar ignoriert. Jetzt hab ich das erste mal in drei Jahren wieder was über das Thema gelesen! Es wird ja auch irgendwie ziemlich totgeschwiegen. Oder ist es nicht so schlimm, wie man nach Lektüre des Artikels vermuten würde?

ehemalige Userin 24092013
10.12.2004, 21:29
Allein die Artikel sorgen für ein erschrockenes Gefühl und Gänsehaut von der unangenehmen Sorte.

Aber warum bezeichnest Du Dich als feige?
Nur weil Du Dich damit nicht weiter auseinander gesetzt hast, keiner Anti - Initiative beigetreten bist, nicht selbst heldenhaft gegen den Rechtradikalismus in KW "gekämpft" hast?
Sich da raus zu halten ist lange kein Grund für Verurteilung.
Dann ist es auch feige, wenn man sich mit allen anderen Formen der Gewalt auch nicht auseinander setzt oder mit all den noch so schrecklichen Sachen, die um einen rum passieren.
Feige ist man erst dann, wenn man sich überhaupt nicht dafür interessiert, solche Dinge nicht wahr nimmt oder sich damit auseinander setzt.
Wobei ignorant es da ehr trifft, aber das eine schliesst das andere ja nicht aus.

OliP
10.12.2004, 21:38
Du musst Dir keine Vorwürfe machen. Im Gegenteil, dass du dass Gefühl hast, etwas nicht getan zu haben oder das Thema damals übersehen zu haben, zeugt doch nur von deinem sozialen Verantwortungsgefühl. Wenn jeder Bürger ein ebensolches hätte, wäre der Extremismus schon lange kein solch immenses Problem mehr.

:-meinung

Lava
10.12.2004, 22:44
Stimmt natürlich, dass man nicht verpflichtet ist, sich in irgendwelchen dubiosen Gruppen zu engagieren (die KWer Antifa war mir nämlich auch nie geheuer...). Aber wenn viele junge Menschen wie ich einfach "abhauen", wird's nie besser werden. Der soziale Abschaum bleibt da und igelt sich ein in den Ghettos. Traurig, aber wahr...

Froschkönig
10.12.2004, 22:47
Ich will jetzt weder ketzterisch sein noch vom eigentlichen Thema ablenken, aber warum glaubt ihr ist eigentlich der ehemals sozialistisch Regierte Osten Deutschlands (ganz gleich, ob die Mitglieder Neonazionalsozialistischer Gruppierungen nun ursprünglich daher kommen oder nur dort "gelandet" sind") heute so eine Vorzeige-Brutstätte für dieses gesocks ????

Lava
10.12.2004, 22:59
Hm..... in dem Artikel wurde ja schon erwähnt, dass es sowas wie Neonazis scheinbar auch im Osten gab. Die haben sich halt irgendwie organisiert. Dass as so großen anklang bei Jugendlichen findet, würde ich mal darauf zurückführen:
In KW befindet sich der rechte Brennpunkt in ganz bestimmten Gebieten der Stadt, nämlich in den Neubaugebieten (das ist in größeren Städten wie Berlin, Greifswald, etc. auch so). Das sind billige Wohnungen in denen nicht gerade wohlhabende Menschen leben. Arbeitslosigkeit, schwierige Familienverhältnisse, sehr viele Menschen wohnen auf engem Raum zusammen und für Jugendliche gibt es so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten. In der DDR gab es die Pioniere und die FDJ, die sich um die Jugend "gekümmert" hat und das ist ja ziemlich plötzlich weggebrochen. Langeweile gepaart mit Wut auf die Politik (in der Regel fühlt man sich im Stich gelassen) führen halt dazu, dass man sich irgendwas sucht, in dem man einen Sinn findet. Ich habe früher oft Begründungen gehört wie "Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg und baggern unsere Frauen an" und von den Mädels, sie würden von den Türken ja nur belästigt. Schon hat man eine ausländerfeindliche Stimmung (obwohl es in KW zum Beispiel wirklich nicht viele Ausländer gibt!). Noch dazu kommt ein enormer Gruppenzwang. Der setzt meistens so mit Ende der Grundschule ein (in Brandenburg ist das nach der 6. Klasse), wenn man auf eine neue Schule kommt. Du bist gerade mal 13 Jahre alt, suchst Anschluss, bist beeinflussbar... wenn auf deiner Schule nun mal alle kurze Haar haben und Bomberjacken tragen, rutscht man da automatisch rein. Außerdem fühlt man sich in einer Gruppe stark und wenn man sich ideologisch auch noch über andere stellt erst recht. :-nix

Tombow
10.12.2004, 23:01
Irgendwie muß ich mein Senf auch dazugeben...

@Janine: deine Situation kann ich sehr gut nachvollziehen und habe Verständnis dafür....aber andererseits...ich denke, du denkst ein wenig zuviel nach. Gewissermaßen kann man das eine nicht vom anderen trennen, doch einfach deswegen etliches in ganz anderem Licht zu sehen....entweder habe ich mich mit den Jahren davon entfernt oder an Erfahrung gewonnen, um das dorthin zu lassen, wo es hingehört - in der Vergangenheit.

Und nun zu meiner Geschichte(die ein wenig ähnlich ist). Aufgewachsen bin ich nicht in Deutschland, insofern geht es nicht um Rechtsradikalismus. Und eigentlich denke ich, in Deutschland wird gerade dieses Thema durch die Medien und Linksradikalen wie die Antifa aufgebauscht und dadurch erlangt sie eine Wichtigkeit, die ihr nicht zusteht.

Gut, in meinem Viertel gab es keine Rechtsradikalen. Dafür aber ziemlich viele Miliz-Beamten(in diversen Ländern im ehemaligen Ostblock wurde von 1945 bis 1990 die Polizei in Miliz umbenannt, um sich von der "faschistischen" Vergangenheit zu distanzieren). Dazu noch sehr viele aus der mittleren Nomenklatura. Ihr könnt euch sicherlich denken, wie ihre Kinder erzogen wurden und wie sie sich benahmen. Die kleinen Jugendsünden wurden "kollegial" unterm Teppich gekehrt, bis sie größer wurden. Man kann es ja kaum brauchen, daß das eigene Kind straffällig wird - man ist ja selbst Beamter in irgendeinem Ministerium oder sogar in Uniform....naja, der nette Kollege aus dem Wohnblock nebenan erledigt das und läßt halt die Akten verschwinden, mein Sohn hat nichts getan, so ein kleiner Dummjungenstreich passiert ja hin und wieder. eine Krähe hakt einer anderen halt kein Auge aus. Schließlich endeten die "Dummjungenstreiche" in ein Mordfall 1988. Die Täter? Fünf an der Zahl, alle Kinder von Milizbeamten(oder Polizeibeamten, je nachdem, wie man es will), Angestellten in der höheren Rängen vom Außenministerium und so weiter.

Nun, der Zerfall des Ostblocks hat das Viertel nicht zum besseren verändert. Waren schon früher nachts die Straßen unsicher, wurden sie nach 1990 erst recht gefährlich. Alkohol, Drogen, Straßengangs, Autoschieberei, Schlägereien.....die ganze Pallette. Mindestens ein Mordfall pro Jahr. Und natürlich, die schwersten Jungs(oder die mit den einflussreichsten Eltern) kamen da gaaaaanz groß raus. So kam ich zu der Ehre, nur zwei Türen entfernt vom berühmtesten Autoschieber Bulgariens zu wohnen(dessen Vater übrigens eine Zeitlang stellvertretender Polizeichef der Hauptstadt war), und zu sonstigen Nettigkeiten. Frag' einfach nicht, über manches will ich nicht reden.

Wie es sich angefühlt hat, in so einem Viertel aufzuwachsen? Mit einem Wort: nicht gut. Garnicht gut. Besonders wenn die ganze Familie einfach nicht dahin gehört. Meine Eltern hatten nur das Glück, eine Wohnung in einem der Plattenbaus zu bekommen. Aber dazugehört haben weder sie noch mein Bruder noch ich nie.

Tja, ich will dir hier kein Lebenslauf von mir präsentieren. Es gibt Sachen, über die will ich nicht nur nicht reden, sondern nicht einmal mich daran erinnern, auch wenn die Erinnerung immer bei mir ist. Ich kann dir nur sagen, sowohl positiv als auch negativ hat mich das Aufwachsen in so einer Gegend für mein Leben gezeichnet. Ob ich mich dafür schäme? NEIN! Ob es mir leid tut? NEIN! Ob es mir was geraubt hat? JA. Ob ich ein schlechtes Gewissen deswegen habe, daß meine Familie es da raus geschafft hat, während andere immer noch dort sind? NEIN! Ob ich mich feige fühle, damals nicht was dagegen getan zu haben? NEIN!

Gerne würde ich mich mit dir weiter darüber unterhalten, aber dann lieber per PM oder Mail. Was ich zu sagen hätte, überspringt schon die Grenzen dessen, was bereit wäre, hier im Forum offenzulegen.

Tom

generellspeziell
11.12.2004, 00:48
Die rechtsextreme Szene baut auf einigen sozialen Merkmalen der ehemaligen DDR-Bevölkerung auf:


1. Autoritäre Werte - Gehorsam, Ordnung, Fleiß, Gruppe statt Individuum usw. - wurden in der DDR gehegt und gepflegt. Seid bereit! - immer bereit!

2. Das nationalsozialistische Gedankengut wendet sich primär an Arbeiter ohne Ausbildung oder mit wenig statusträchtigen Ausbildungen = Globalisierungsverlierer - auch davon gibt es im Osten prozentual mehr als im Westen. In WDeutschland waren die ungelernten Arbeiter vor allem - Einwanderer!

3. Die DDR gehörte zu den wenigen ethnisch homogenen Flächenstaaten auf dieser Erde. Diese "Idylle" ist verlorengegangen. Viele sehen aber die ethnisch homogene Gesellschaft als Norm.

Weitere Gründe für den Erfolg der Rechten sind:

1. Es gibt außer einer zahnlosen PDS keine Ost-Lobby. Die Eliten im vereinten Deutschland sind fast alle aus dem Westen: Richter, Uniprofs, hohe Staatsdiener, Minister usw. Vorstandsmitglieder von großen Industrieunternehmen stammen fast nie aus dem Osten. Generäle auch nicht. Kein einziger Diplomat wurde 1990 übernommen.
- Wer soll denn in diesem Staat ostdeutsche Interessen formulieren? - In dieser Verzweiflung, in diesem Staat nicht angekommen zu sein, phantasieren die Verlierer paradoxerweise ein "besseres" Großdeutschland als das mit der Vereinigung entstande. Und diese den Westen provozierende Ideologie verkauft in Wahlkampfstandhöhe die NPD oder die DVU.

Rechts wählen lässt den Westen zittern. Da wählt Ronny eben rechts.

(Offen ist Ossi-rechtsextrem nicht anti-wessi. Man identifiziert sich mit Deutschland, mit Großdeutschland, Traumdeutschland und kritisiert damit natürlich auch die BR.)

Aber bevor ich mir noch weitere Gründe aus den Fingern sauge - schaut Euch mal um in Europa:

Rechtsextremismus, Nationalismus, Rassismus und White Supremacy haben in unseren Nachbarländern teilweise höheren Zuspruch als in Delitzsch oder Riesa.



p.s.: Die NVA-Uniform hatte den Wehrmachtsschnitt

OliP
11.12.2004, 01:17
@generellspeziell:

HoHo hier hast du aber zwei Dinge miteinander vermengt:

Damit, dass ein Großteil der Ostdeutschen braun gewählt hat, weil Sie sich nicht integriert, verstanden und berücksichtigt fühlt (Denkzetteltheorie) gehe ich durchaus konform. Diese Wähler aber gleich zu den Rechtsextremisten zu zählen geht sicher zu weit.

Die rechtsextreme Szene ist etwas ganz anderes. Dies sind vor allem Jugendliche, welche die DDR mit ihrer Ideologie und Rahmenbedingungen nicht mehr erlebt und erfahren haben. Da kannst du mit Gehorsamsdenken und DDR-Tugenden nicht unbedingt argumentieren. Würde die wirtschaftlich-soziale Lage im Westen momentan ähnlich aussehen wie im Osten, hätten wir auch hier eine ähnlich große rechtsextreme Szene, egal welche politische Geschichte beide Landesteile hinter sich haben, so glaube ich.

ehemalige Userin 24092013
11.12.2004, 08:29
Das es im Osten mehr rechtsextreme Szene und entsprechendes Verhalten gibt, hat Janine ja schon recht einleuchtend in Beitrag # 6 erklärt...es klingt nach vollziehbar und ist sicher Grund genug, warum "Osten + Rechte" recht populäre Begrifflichkeiten sind.
Fest steht aber, es ist deutschlandweit mehr oder weniger verbreitet
( Schlessig-Holstein, Neumünster, Club 88 geriet vor einiger Zeit immer öfter und heftiger in den Medien, die Dinge, die dort vor Ort passierten hab ich hautnah in meiner Strasse erlebt ) - ja sogar weltweit.
Auch wenn man weltweit bezogen nicht ausschliesslich von Rechtsradikalismus reden kann, es gibt Gruppenanfeindungen, - hass und - gewalt und es wird sie immer geben.
Zurück zur eigentlichen Sache ...Gewalt und Morde sind absolut unentschuldbar ( seis von Rechtsradikalen oder wen auch immer) und von den Medien und der weiteren Bevölkerung zu Recht hochgepuscht und debattiert.
Mir stellt sich nur die Frage, provoziert man mit dem Hochpuschen nicht am Ende noch mehr Hass und Aggressionen?
Bevor mich jetzt alle gleich hauen wollen - ich rede hier keinsfalls von Ignorieren oder Hinnehmen, ( meinen Respekt haben solche Leute mit Sicherheit nicht verdient) ich frage mich nur, ob dieses unendliche "Anklagen" immer soooo sinnvoll ist.:-nix

OliP
11.12.2004, 09:11
Da sprichst du etwas interessantes an: Indem man den Gewalttäter immer wieder (laut und stetig) anklagend als Rechtsextremisten bezeichnet, liefert man ihm dann nicht eher seine eigene Rechtfertigung gleich mit? Ich meine er sieht sich doch als politischen Aktivisten und wird so immer wieder in seinem Selbstbild bekräftigt, auch kann er sich seine eigenen Taten damit spielend rechtfertigen. Nach dem Motto: Ich handel zwar unsozial, aber dies tue ich ja nur für einen guten "politischen" Zweck.

Es wäre u.U. besser die meisten einfach als das zu bezeichnen, was sie wirklich sind: asoziale Kriminelle (durch eine solche Ächtung würde diese Rolle vielleicht weniger attraktiv für Jugendliche)

generellspeziell
11.12.2004, 10:05
HoHo hier hast du aber zwei Dinge miteinander vermengt:

Hast recht, Olip, hätte ich besser aufdrieseln sollen.

Nicht jeder Ostwähler, der NPD wählt, ist rechtsextrem, aber er ist wahrscheinlich
1. autoritär,
2. für ethnische Homogenität,
3. (tendenziell und relativ) ein Globalisierungs- oder Bildungsverlierer.

Lava
11.12.2004, 11:39
Man muss sich ja nur mal die Wahlplakate ansehen. Da wird polemisiert ohne Ende mit Schlagworten wie "gegen Hartz VI" etc. Und da das sowohl auf den Plakaten der PDS als auch denen der DVU/NPD steht, hat man sogar die freie Wahl. :-))
Was haltet ihr eigentlich für gefährlicher? Die vielen normalen Bürger, die die Rechten in die Landtage wählen, oder die rechte Jugendszene? Ich sage bewusst nicht organisiert, weil die organisierte szene bestimmt auch gute Verbindungen zu den Parteien hat.

@Kaddel: Ich frage mich nach jedem Bericht über Terrorakte, ob das nicht den Terroristen viel zu sehr in die Hände spielt. Aufmerksamkeit zu erregen und damit Angst zu verbreiten ist doch deren Hauptziel...

ehemalige Userin 24092013
11.12.2004, 14:12
Aufmerksamkeit zu erregen und damit Angst zu verbreiten ist doch deren Hauptziel...


Wenns um grossse Organisierte Gruppe geht, dann schon.
Nehmen wir aber die Fälle KW, kann ich mir das kaum vorstellen, dass es da um Aufmerksamkeit geht, wie´s die "Grossen" gern hätten.

Evil
11.12.2004, 15:41
Also, braunes Gedankengut ist genauso im Westen verbreitet wie im Osten Deutschlands, fahrt mal in ländliche Gebiete wie Südwestfalen oder Oberbayern (das is aber kein Rassismus, die Fremden aus dem Nachbardorf sind nämlich genauso verdächtig wie die Ausländer :-D )
Allerdings ist die Gewaltbereitschaft nicht so hoch, wohl aufgrund der besseren wirtschaftlichen und sozialen Situation.

Im Ruhrgebiet wird die Sache schon vielschichtiger, Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit (zB Herne/ Oberhausen) oder sehr hohem Ausländeranteil (Hagen, "Klein-Istanbul") haben da schon mit mehr Spannungen und höherer Kriminalitätsrate zu kämpfen.

Die Frage ist, was man tun kann;
gewaltbereite AntiFa ist für mich nicht unbedingt eine Lösung, eigentlich kann man bloß versuchen, seine unmittelbare Umgebung zu beeinflussen und gelegentlich mal auf die Straße gehen.

@ Janine: Aus einer "problematischen" Gegend wegzugehen ist keine Flucht, was hättest Du denn durch Dein Bleiben bewirken können?

Hellequin
11.12.2004, 16:20
Also, braunes Gedankengut ist genauso im Westen verbreitet wie im Osten Deutschlands, fahrt mal in ländliche Gebiete wie Südwestfalen oder Oberbayern
Im Unterschied zum Osten sind im Westen rechte Positionen besser in der Gesellschaft integriert, was halt im Osten dazu führt das es halt eine verhältnismäßig große Gruppierung gibt, die Rechts und sonst gar nichts mehr ist. Musterbeispiel dafür ist ja die CSU, die ja zum Teil die selben Untiefen beackert wie manch Neonazipartei, sicherlich auch einer der Gründe warum Reps oder NPD in Bayern nie richtig Fuss gefaßt haben.


Nicht jeder Ostwähler, der NPD wählt, ist rechtsextrem, aber er ist wahrscheinlich
1. autoritär,
2. für ethnische Homogenität,
3. (tendenziell und relativ) ein Globalisierungs- oder Bildungsverlierer.
Dann erklär mal wie die Reps es geschafft haben zwischen 1992 und 2001 mit um die 10% im baden württembergischen Landtag zu sitzen. :-nix

generellspeziell
11.12.2004, 17:54
all diese Merkmale treffen auch mit anderen Schwerpunkten auf BaWü in den 80ern zu. Auf bestimmte Milieus.

Gomer-Schreck
12.12.2004, 00:17
Im Unterschied zum Osten sind im Westen rechte Positionen besser in der Gesellschaft integriert, was halt im Osten dazu führt das es halt eine verhältnismäßig große Gruppierung gibt, die Rechts und sonst gar nichts mehr ist. Musterbeispiel dafür ist ja die CSU, die ja zum Teil die selben Untiefen beackert wie manch Neonazipartei, sicherlich auch einer der Gründe warum Reps oder NPD in Bayern nie richtig Fuss gefaßt haben.Hier wird anscheinend "konservativ" als Synonym für "rechts" oder gar "rechtsextrem" angesehen bzw. geschildert... Denn die CSU in Teilen auf die gleiche Stufe zu stellen wie rechtsEXTREMISTISCHE Parteien oer als "Vordenker für Extremisten" darzustellen halte ich zumindest für recht verwegen.

Man sollte also "rechts" stets deutlich unterscheiden von "rechtsextrem". Ein Unterschied, den gerade die sogenannten Antifa-Gruppierungen gerne ignorieren. Nach dem Motto: wer nicht für uns ist (also die gleiche Meinung hat wie wir), der ist gegen uns und damit automatisch rechts(extrem).

Oder umgekehrt: ist jeder Linke automatisch gleich ein Linksextremer? Also z.B. ein autonomer Steineschmeißer oder "Berufs-Revoluzzer"?

Die Forderung der CSU, daß es für Ausländer zur Pflicht werden sollte die Sprache des Landes zu erlernen, hat z.B. nichts mit Rechtsextremismus zu tun sondern erscheint mir durchaus nachvollziehbar. Denn wie soll ich mich in einem fremden Land integrieren, wenn ich noch nicht mal die Sprache beherrsche? Gesagtes gilt jetzt nicht gerade für Urlauber, sondern wenn ich mich langfristig in einem anderen Land niederlasse. Klar, die meisten Einwanderer tun dies von sich aus, aber es gibt auch genügend, die selbst nach 30 Jahren noch nicht die Sprache beherrschen. Und gerade diese letztgenannte Gruppe war die Zielgruppe dieses Vorschlages der CSU.

Denn ein völliges Fehlen von Sprachkenntnissen führt natürlich zu Problemen im Sinne einer Abkapselung und der sogenannten "Parallelkultur". Ich jedenfalls fühle mich durchaus verpflichtet z.B. Schwedisch zu lernen, wenn ich dort langfristig aufhalten will. Diese "Verpflichtung" entspringt aber einer inneren Überzeugung, nicht staatlichen Vorschriften.

Ich war und bin nie der Meinung, daß alle Ansichten/Entscheidungen der CSU richtig sind. Allerdings hatte ich in Bayern auch noch nie den Eindruck, daß die CSU z.B. zu Ausländerhaß oder Diskriminierung von Minderheiten aufgerufen hätte bzw. sonstige Haßparolen schwingen würde wie es die RechtsEXTREMEN tun.

Auch die häufig gebrauchten Verallgemeinerungen wie die "guten Linken" und die "allesamt schlechten Rechten" (bzw. umgekehrt) sind eher Ausdruck einer gewissen Intoleranz gegenüber Andersdenkenden... und damit ebenfalls eine Art von Extremismus.

Bitte mich nicht falsch zu verstehen: auch ich lehne Extremismus jeglicher Art ab, vor allem wenn sie zur Unterdrückung anderer führt! Ebenso verkehrt finde ich aber das in unserer Gesellschaft weitverbreitete Schwarz-Weiß-Denken: ALLE Vermieter sind schlecht, ALLE Mieter sind gut, ALLE Moslems sind (potentielle) Terroristen, ALLE Unternehmer sind Ausbeuter, ALLE Ärzte sind reiche Abzocker usw.

Wie schon in vorigen Beiträgen angesprochen sollte man also vor allem in seiner eigenen Umgebung tätig werden, sich an Wahlen beteiligen und sich stets auch OFFEN gegenüber anderen Ansichten zeigen, selbst wenn man diese Ansichten nicht immer teilen mag. Aber man sollte halt zumindest die Bereitschaft zeigen, über andere Ansichten zumindest NACHZUDENKEN und seine eigenen Ansichten ggf. zu überdenken.

Ansonsten gerät man leicht in Gefahr dem altbekannten Schema zu folgen
"Verwirrt mich nicht mit Tatsachen, meine Vorurteile stehen schon fest."

Und wenn man andere Ansichten ganz verkehrt findet ist es immer besser zumindest zu versuchen sein Gegenüber zu überzeugen. Denn haben wir nicht alle schon geirrt und später unsere Meinung zu was auch immer gelegentlich geändert?

Auch die Medien verbreiten Informationen schließlich nur gefiltert! Die meist einseitige Berichterstattung über Ärzte ist ein gutes Beispiel dafür. Man kann also nie von sich behaupten die alleinige Wahrheit zu vertreten solange man nicht wirklich alle Fakten kennt... und bekanntlich lernt man nie aus. :-meinung

Hellequin
12.12.2004, 10:26
Hier wird anscheinend "konservativ" als Synonym für "rechts" oder gar "rechtsextrem" angesehen bzw. geschildert... Denn die CSU in Teilen auf die gleiche Stufe zu stellen wie rechtsEXTREMISTISCHE Parteien oer als "Vordenker für Extremisten" darzustellen halte ich zumindest für recht verwegen.
Ich habe nirgendwo geschrieben das die CSU rechtsextrem ist! Eigentlich sind ja auch weder Reps noch NPD rechtsextrem, denn wenn sie es wären, dann wären sie ja verboten ;-). Also sind sie eigentlich, um deiner Argumentation zu folgen, auch nur "äußerst rechts-konservativ". Was die CSU angeht, stelle ich gar nicht in Frage, das sie eine demokratisch-verwurzelte Partei ist, nichtsdestotrotz, hat sie insbesondere in ihren Positionen zur Ausländer- und Asylpolitik eine ziemliche Nähe zu den Stammtischparolen der "äußerst-rechts-konservativen" Parteien NPD und Reps. Was der CSU gelegentlich mal ein dankbares Schulterklopfen für die tolle Steilvorlage bringt. Beste Beispiel ist doch die im Rahmen der Zweitstaatsbürgerschaftdebatte gestartete Unterschriftenaktion, die ja im Lager von Reps und NPD regelrecht orgiastische Jubelschrei ausgelöst hat.

Gomer-Schreck
12.12.2004, 13:28
Beste Beispiel ist doch die im Rahmen der Zweitstaatsbürgerschaftdebatte gestartete Unterschriftenaktion, die ja im Lager von Reps und NPD regelrecht orgiastische Jubelschrei ausgelöst hat.Ooooh ja, ich erinnere mich noch daran! :-(( *grusel*

Bei solchen Gelegenheiten habe auch ich mich oft gefragt, ob "die" eigentlich noch ganz knusper sind. Andererseits bin ich mir gerade nicht sicher, ob diese geplante Unterschriftenaktion damals nicht eine Idee aus Hessen war, von Roland Koch. Oder war das die Unterschriftenaktion gegen den EU-Beitritt der Türkei?

Egal, beides war jedenfalls mehr als peinlich!

Ich wollte Dir also keinesfalls extremistisches Gedankengut unterstellen! :peace:

Ich habe nirgendwo geschrieben das die CSU rechtsextrem ist! Eigentlich sind ja auch weder Reps noch NPD rechtsextrem, denn wenn sie es wären, dann wären sie ja verboten. Da hast Du natürlich recht. Gewundert hatte ich mich in Deiner vorigen Mail nur über die Aussage
die CSU, die ja zum Teil die selben Untiefen beackert wie manch Neonazipartei, sicherlich auch einer der Gründe warum Reps oder NPD in Bayern nie richtig Fuss gefaßt haben.Und wie Du ja selber zugibst, sind die Reps und die NPD zwar "Rechtsaußen"-Parteien aber eben keine Neonazi-Parteien. (Selbst wenn ich persönlich sie trotzdem für nicht wählbar halte.)

Ich hatte mich also vor allem daran gestört, daß heutzutage allzu leichtfertig Ausdrücke wie z.B. "Neonazi" verwendet werden. Und ebenso leichtfertig wird "rechts" als Synonym für "rechtsextrem" verwendet.

Oft wird ja auch "Patriotismus" wird mit "Nationalismus" gleichgesetzt, das jedoch ist nicht korrekt! Richtig ist sicherlich, daß extremistische Parteien gerne z.B. den Begriff Patriotismus mißbrauchen. Denn "richtig verstandener" Patriotismus schließt eine Herabwürdigung anderer Nationen/Kulturen aus, Nationalismus hingegen stellt die Bedeutung des eigenen Landes/der eigenen Kultur über die der anderen Länder. Daher "verkaufen" extremistische Parteien ihren Nationalismus gerne unter dem Deckmäntelchen des Patriotismus.

Der Mißbrauch positiver oder wertneutraler Begriffe durch Extremisten (aber leider auch durch die Medien) hat inzwischen längst so weit geführt, daß oft bereits das Singen der Nationalhymne als nationalistische Äußerung (fehl-)interpretiert wird.

Ich will weder Übergriffe auf Ausländer noch Ausschreitungen von "autonomen" Gruppierungen schön reden oder verharmlosen. Aber man sollte auch vorsichtig sein bei der heutzutage leider inflationären Verwendung negativer Superlative. Denn auch sowas führt schnell zur Radikalisierung von Diskussionen. Und darauf wollte ich hinaus mit meiner vorigen Mail.