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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : BVG schafft Studiengebührenverbot ab!



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Mephistopheles
27.01.2005, 00:25
Dass diese Diskussion sehr schnell einen politischen Bezug bekommen hat wundert mich in diesem Land nicht wirklich! Immer wird über Politik, die Gesellschaft und die Wirtschaft geklagt, egal was gemacht und entschieden wird!
Aber mal ehrlich: Das Land ist pleite, und noch viel mehr als alle die sich nicht direkt mit den Haushaltszahlen befassen...
Es kann nicht mehr angehen, wie auch die Dikussion in diesem Forum zeigt, dass jeder auf seinen eigenen Vorteil aus ist. Klar wurden viele Fehler politischer Art in den letzten Jahren gemacht (seit 30 Jahren sind z.B. die Probleme in der Alterversorgung bekannt) und die Wiedervereinigung hat viel Geld gekostet - dafür leben wir hier heute in Frieden, der kalte Krieg ist beendet - und ich bin froh darüber, Geld hin oder her. Aber was soll und kann das für die Zukunft bedeuten?
Wenn ich heute eine qualitativ hochwertige Ausbildung machen will muß ich dafür auch aufkommen!!! Ich glaube, hier wird natürlich nur über das Medizinstudium gesprochen, aber wegen diesem Studiengang werden doch nicht alleine die Gebüren eingeführt! In meinem Abijahrgang haben gut 20% ihr Studienfach gewechselt, dass kostet den Staat, also uns alle, richtig Geld (günstigere Krankenkassenbeitäge, späterer Einstieg in Berufsleben usw.) Diese Quote ist bei Medizin geringer.
Wenn die Studiengebühr dazu führen sollte, dass weniger Leute abbrechen, nicht aus Spaß anfangen irgendetwas zu studieren, ihr Studium schneller durchführen, die Qualität an den Unis steigt (bessere Betreuung, Ausstattung usw)), dann kann ich die Einführung nicht ablehnen. Auch wenns mich persönlich finanziell mehr belastet!!!
Gut dann kauf ich mir eben nicht beim Berufseinstieg nen neues Auto oder andere Luxusprodukte! Ich denke, dass es günstige Kredite (ich meine auch wirklich günstig - wie z.B. in unserem Nachbarland den Niederlanden) für jeden Student geben wird. Also von sozialer Benachteiligung kann für mich daher kaum eine Rede sein, wenn ich nach meinem Studium ca. 7000 Euro Schulden haben sollte. Ich kanns nicht verstehen wenn sich alle über die Politiker beschweren, dass sie viel zu hohe Ansprüche in ihrer Versorgungmentalität geltend machen (ich finde das auch eine enorme Sauerei!!!) - und im gleichen Zug will ich alles um Umme haben. Als fertiger Mediziner verdiene ich deutlich mehr als der Durchschnitt der Gesellschaft, zumindest habe ich bei guter Leistung die Möglichkeiten! Jeder junge Mensch in diesem Land trägt auch ein Stück Verantwortung für die Zukunft!!!
Und die Diskussion - welche Patei die Beste sei kann ich nicht nachvollziehen... Ich will ne möglichst gute Ausbildung und was ich daraus mache liegt in meiner Hand!! Diese Verantwortung will ich nicht auf die Gesellschft oder die Politik anwälzen - wer dies versucht, bitte! Ich bin trotz möglicher Studiengebühren immernoch ein freier Mensch und will es auch bleiben!!!
Und wem die Zukunft in Sachen Bildung und anderer gesellschaftlicher Probleme wirklich am Herzen liegt, der sollte sich selber politisch engagieren. Eine reine Protestaktion über wenige Tage bringt dieses Land des Jammerns nicht wirklich weiter und ist für mich persönlich auch nicht nachzuvollziehen, wenn man einmal seinen Mund öffnet und sich dann als "politischen" Kämpfer für die Gerechtigkeit sieht - da gehört doch noch ein wenig mehr dazu - Stich Egoismus!
Gründet neue Parteien und bewegt was, aber endet bitte dann nicht so wie die Grünen nach 25 Jahren!!!

luckyblue
27.01.2005, 01:26
Ich denke, dass es günstige Kredite (ich meine auch wirklich günstig - wie z.B. in unserem Nachbarland den Niederlanden) für jeden Student geben wird.
Das denke ich nicht. Rürup hat schon angekündigt, dass er in jedem Fall herkömmlich verzinste Darlehen befürworten wird, um das Ganze auch für private Kreditinstitute lukrativ zu gestalten. Von "wirklich günstigen" Krediten wird daher wohl kaum die Rede sein können.
Ich habe heute auch irgendeinen CDU-Experten im Interview gesehen, der allen Ernstes davon ausging, dass man sein Studium ja "dann das ganze Leben lang" abzahlen könne. Dahinter zeichnet sich auch schon die Kontur des eigentlichen Horrorszenarios ab: Dass nämlich die Gebührenhöhe langfristig unlimited ist. (CSU-Goppel hat ja es ja auch schon angedeutet: "Wir werden voraussichtlich zum Wintersemester mit einer zunächst relativ geringen, sozial verträglichen Gebühr einsteigen.")



Also von sozialer Benachteiligung kann für mich daher kaum eine Rede sein, wenn ich nach meinem Studium ca. 7000 Euro Schulden haben sollte.
Die soziale Benachteiligung resultiert gerade daraus, dass Absolventen aus finanzkräftigerem Background diese Bürde nicht tragen müssen. Damit haben sie eklatant günstigere Voraussetzungen beim Start in die berufliche Selbstständigkeit, ergo bessere Verdienstmöglichkeiten. Wer 10000 Euro Bafög plus 10000 Euro Studiengebühr rückzahlen muss - wie soll der denn bitte schön einer Bank seine Kreditwürdigkeit glaubhaft machen können? Selbstständigkeit adé, angestellter Lohnsklave bis zur Rente (falls es sowas dann noch gibt.)

Putze zahlt Studium (nicht)
1) 68 % der Einkommenssteuern werden von 28 % Prozent der Steuerpflichtigen aufgewendet, nämlich von denjenigen, die über ein Jahresgehalt von größer 51XXX Euro (durchschnittliches Akademiker-GEhalt) verfügen. Putzfrauen und Krankenschwestern gehören regelmäßig nicht dazu. Insofern ist das oft bemühte Totschlag-Argument wenig stichhaltig.
2) Zudem ist das Argument hinfällig, weil Steuern - im Gegensatz zu Gebühren - nicht zu einem vorher bestimmten Zweck entrichtet werden.

Studi-Maut bei Ortswechsel
Zur Vermeidung von Migrationsbewegungen in gebührenfreie Bundesländer werden selbige die Nicht-Landeskinder wohl dennoch zur Kasse bitten. Einzelne Politiker haben das schon angekündigt.

Grünes Licht für Gebührenverbot
Es ist noch nicht aller Tage Abend. Bei allem Magengrimmen angesichts drohender Studiengebühren sollte man nicht übersehen, dass das BVG lediglich die Zuständigkeit des Bundes für das Verbot von Studiengebühren für verfassungswidrig erklärt hat. Dies ist kein Präjudiz für die Verfassungsmäßigkeit von Studiengebühren. Diesbezüglich bleibt abzuwarten, wie das BVG im Falle einer Verfassungsbeschwerde vonseiten betroffener Studenten entscheiden wird. Selbige steht dann an, wenn Studiengebühren tatsächlich erhoben werden. (In dieser Hinsicht kann ich als Gebührengegner das Urteil sogar begrüßen, weil es prinzipiell die Möglichkeit eröffnet, Studiengebühren zu gegebener Zeit exemplarisch für verfassungswidrig zu erklären.)
Die Würfel sind noch nicht gefallen, der Rubicon noch nicht überschritten - und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Rico
27.01.2005, 07:23
Studiengebühren von rund 500 Euro pro Semester seien auch für ärmere Studenten problemlos ohne Kredite zu finanzieren, sagt Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Sie müssten lediglich "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben".Hand hoch, wer von Euch 50€ für eine Nachhilfestunde nimmt! :-???

Hätt ich gewußt, daß man da 50€ auf die Stunde kriegt, wozu hab ich überhaupt studiert?
So gut kann später ich gar nicht als Arzt verdienen, daß sich die Aufgabe meiner "Nebentätigkeit" als Aushilfslehrer rechnet.
Ausgehend von der 40-Stunden-Woche verdiene ich ja 2000€ in der Woche und 8000€ brutto im Monat.

Tägliche neue Skandale rund um Politiker und jeden Tag wird deutlicher, dass sie alles, aber auch wirklich alles tun um es sich besser gehe zulassen. Aber anständige Reformen oder sonst etwas bringen sie nicht auf die Reihe. Allein daher rührt meine Entscheidung von sonst garnix. Wer mich deshalb dumm und ungebildet nennen will, kann das gern tun. Ich frag mich dabei nur, ob man da den Blick für die Realität verloren hat oder einfach nur die Augen verschließt.Die Beobachtung mag ja (zumndest teilweise) richtig sein, aber wieso der denkende und gebildete Mensch dadurch zu dem Schluß kommt, daß der "friedliche Weg" nicht funktioniere und es mal wieder an der Zeit sei, Politikern Gewalt anzutun, das versteht hier glaub ich keiner. Haben die Politiker etwa eine bessere Politik gemacht, als die von der SA zusammenge-, bzw. erschlagen wurden oder von der RAF gesprengt wurden?


Meine Meinung ist einfach, dass ich durch meine Wahl, mehr ändern. Nämlich zumindest dafür sorgen, dass das Ausland mit dem Finger auf uns zeigt und frag, was denn bei uns falsch läuft!Und dann wird alles besser. Das Ausland sagt: "Pfui, Deutschland" und schon wird alles gut. Da frag ich mich doch, wer hier den Blick für die Realität verloren hat.
Außerdem hat das ja noch Nebenwirkungen wie, daß sich der entsprechende Landtag da 4-5 Jahre dann mit dieser Partei rumärgern muß - was ja dem politischen Tagesgeschäft wohl überhaupt nicht zugute kommt.

Und das letzte das ich will, ist die NPD an der Macht. Wirklich!Dann darfst Du sie nicht wählen.
Denn niemand unterschiedet ja, ob das eine Proteststimme ist oder eine Stimme eines überzeugten Anhängers.

Hellequin
27.01.2005, 08:11
Studiengebühren von rund 500 Euro pro Semester seien auch für ärmere Studenten problemlos ohne Kredite zu finanzieren, sagte Goppel. Die Betroffenen müssten lediglich "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben".
Klar wenn man 1000€ im Monat hat, dann kann man ohne Probleme 10% im Monat zurücklegen. Für alle anderen, siehts dann halt etwas weniger gut aus.. Aber ich finds toll, wie rosig die finanzielle Lage der Studenten, von der Spitze des Elfenbeinturmes aus gesehen, ausschaut. Und richtig klasse finde ich den Kommentar vom DIW-Chef das die 500€ nur der Einstieg sind und wir mittelfristig bei 2500€ landen werden. Das ist dann für mich dann aber wirklich eine Motivation, davor mit dem Studium fertig zu werden. :-?

bayernfront
27.01.2005, 08:33
[
500 Euro pro Semester sind vielleicht irgendwie zu finanzieren, aber wie zum Geier soll man denn bitte 5000 Euro im Jahr auftreiben ?!
Und der Vergleich mit Harvard, Yale, Princeton und Co hinkt doch auf allen 4 Füßen.[/QUOTE]

... und wenn man dann hier 5000€ pro Jahr zahlen darf, dann kann man ja auch gleich nach Harvard gehen, das hat wenigstens einen weltweiten guten Ruf!

test
27.01.2005, 08:44
[
500 Euro pro Semester sind vielleicht irgendwie zu finanzieren, aber wie zum Geier soll man denn bitte 5000 Euro im Jahr auftreiben ?!
Und der Vergleich mit Harvard, Yale, Princeton und Co hinkt doch auf allen 4 Füßen.

... und wenn man dann hier 5000€ pro Jahr zahlen darf, dann kann man ja auch gleich nach Harvard gehen, das hat wenigstens einen weltweiten guten Ruf!


Naja in Harvard zahlste halt ca 35 000$ pro Jahr, schon noch was anderes. :-))

surfsmurf
27.01.2005, 09:08
1) 68 % der Einkommenssteuern werden von 28 % Prozent der Steuerpflichtigen aufgewendet, nämlich von denjenigen, die über ein Jahresgehalt von größer 51XXX Euro (durchschnittliches Akademiker-GEhalt) verfügen. Putzfrauen und Krankenschwestern gehören regelmäßig nicht dazu. Insofern ist das oft bemühte Totschlag-Argument wenig stichhaltig.
Wenn die Zahlen stimmen (Quelle?), scheint das für mich eher ein Indikator zu sein, dass die Schere zwischen arm und reich gewaltig klafft. Die Ungerechtigkeit dabei ist, dass auch die Putzfrau für unser Studium bezahlt. Und 100.000 Euro geschenkt zu bekommen, um dann noch ein paar Semester zu vertrödeln, geht auch nicht in Ordnung. Ich sehe das Studium auf jeden Fall als Privileg, das vielen in unserem Land verwehrt ist, aus welchen Gründen auch immer.



Zudem ist das Argument hinfällig, weil Steuern - im Gegensatz zu Gebühren - nicht zu einem vorher bestimmten Zweck entrichtet werden.
Macht ja nichts. Aber die Unis werden doch indirekt über Steuern bezahlt? Oder wie sonst?


Da wäre ich mir gar nicht mal so sicher, als Assistenzarzt verdient man nicht so extrem viel mehr, als eine Schwester. Dazu muss man die Kosten für das Studium und den " Verdienstausfall " mit einrechnen. Schließlich bekommt man ja min. 6,5 - 7 Jahre keinen Lohn ( PP eingerechnet ) .... und dazu noch die von Hellequin erwähnten Überstunden.
Dass man mit Medizin nicht reich werden kann, ist mir auch klar. Aber versucht das doch mal, nicht aus persönlicher / subjektiver Sichtweise zu sehen, sondern aus gesamtgeselllschaftlicher: Dein "Verdienstausfall" heißt konkret, dass du in dieser Zeit auch keine Steuern und Sozialabgaben bezahlst und dem Staat somit auf der Tasche liegt. Die Kosten für das Studium bestreitest du doch über Bafög und/oder Unterhalt, wo ist da der Nachteil für dich? Die Überstunden sind ein Problem, aber kein Argument gegen Studiengebühren. Die Putzfrauen können doch nichts dafür, dass bei uns Ärzten arbeitsrechtlich einiges im argen ist.

Insgesamt möchte ich ins gleiche Horn stoßen (tuuuut) wie Mephistoteles:

Es kann nicht mehr angehen, wie auch die Dikussion in diesem Forum zeigt, dass jeder auf seinen eigenen Vorteil aus ist

Ich will ne möglichst gute Ausbildung und was ich daraus mache liegt in meiner Hand!! Diese Verantwortung will ich nicht auf die Gesellschft oder die Politik anwälzen - wer dies versucht, bitte
Wir sind einfach nicht in der Situation, um fröhlich Geschenke zu verteilen, auch nicht an Studenten. Wer das nicht erkennt, verkennt die politische Realität.

Rico
27.01.2005, 09:39
Wenn die Zahlen stimmen (Quelle?), scheint das für mich eher ein Indikator zu sein, dass die Schere zwischen arm und reich gewaltig klafft.Oder sie zeigen einfach, daß wir eine progressive Einkommenssteuer haben. :-notify
Ein Gutverdienender zahlt ja nicht bloß auf sein höheres Gehalt den gleichen Steuersatz, sondern einen noch höheren.
Das ist Teil unserer Solidargemeinschaft und auch gut so.

Die Ungerechtigkeit dabei ist, dass auch die Putzfrau für unser Studium bezahlt. Als Akademiker zahlst Du ja später auch für Berufsschulen, obwohl Du nie auf einer gewesen bist.
Auch als Radfahrer wirst Du Steuern für Autobahnen zahlen.
Diese Liste läßt sich ewig fortsetzen.

Außerdem, wenn luckyblues Zahlen stimmen (wovon ich ausgehe), dann kannst Du aus den 68% Gesamtsteueraufkommen, das (größtenteils) durch die Uniabsolventen erbracht wird locker das gesamte Uniwesen finanzieren.

Solara
27.01.2005, 09:45
Woher willst du das wissen? Ich denke, dass all dieses Gerede über das Stopfen von Haushaltslöchern usw. ziemlich sinnlos ist, solange nichts konkretes feststeht. DAsteigert man sich nur in etwas hinein und vielleicht voellig umsonst.



Hey,

hier gab's 'ne Erhöhung des Studentenwerkbeitrags um 50 EUR (ist jetzt nicht die Welt/allerdings ist da nicht mal Semesterticket o.ä. dabei, selbst die Studentenwerks-Bib. will noch extra Geld) - und genau um diesen Betrag hat sich der Staat aus der Finanzierung zurückgezogen ...

Da ist es nicht utopisch zu glauben, das damit eher Haushaltslöcher gestopft werden, als dass die Bedingungen an der Uni verbessert werden!

Wobei ja unser lieber Wissenschaftsminister Goppel (BY) gestern in der Tagesschau meint, zumindest bis 2008 gehen die Einahmen 100% an die Uni -länger könnten sie das nicht garantieren, dann sei ja die Legislaturperiode vorbei - wer weiß, ob sie auch anschließend an der Macht sind! - Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, das Bayern seit gut 50 Jahren CSU-regiert ist - momentan sogar mit absoluter Mehrheit??
Da ist klar, das Hr Goppel das nicht weiter garantieren kann - es droht ja eine große Gefahr, dass ein Regierungswechsel stattfindet :-music !

Wobei mir der Herr nicht eindeutig erklärt hat, dass sich der Staat nicht um den entsprechenden Betrag aus der Uni-Finanzierung zurückzieht, den die Studiengebühren bringen ....!

@ harlekyn

Es gibt nicht nur die von dir genannte Partei - such dir halt jemand anderen kleinen, wenn du kritisieren willst - PBC (Partei bibeltreuer Christen) etc. - eine rechtsradikale Partei ist untragbar!!
Nicht nur du, sondern wir alle müssen damit leben - das Ausland kuckt mal kurz, äußert Unmut & Kritik ... - aber wir leiden unter der ganzen Sache - besser wird damit gar nix!

Engagiere dich lieber selbst - nur so kann man Veränderung bewirken!! Und werde erwachsen ... deine Aussage weist mich auf eine gewisse Unreife hin!!

synosoph
27.01.2005, 10:11
Manchmal habe ich das Gefühl, daß viele hier im "nationalen Glashaus" sitzen. :-sleppy

Was wollt Ihr eigentlich durch ein Verbot von Studiengebühren verteidigen? Im internationalen Vergleich sticht Deutschland schon jetzt nicht gerade durch eine ausgeprägte Schichtmobilität hervor - und das, obwohl wir keine Studiengebühren nehmen. In anderen Ländern wollten mir die Menschen gar nicht glauben, daß hier in Deutschland ein Studium gebührenfrei sein soll!

Außerdem ist es nun einmal Fakt, daß hier in Deutschland zu viele junge Menschen ein Studium (oft halbherzig) anfangen, es schleifen lassen und dann irgendwann abbrechen. Aus dem Stehgreif könnte ich Dutzende von Beispielen aufzählen. Das gilt vielleicht nicht unbedingt für die Medizin, aber was glaubt ihr, was in anderen Studiengängen los ist! Ich kann das aus eigener Erfahrung berichten, da ich selber auch zu den Studienwechslern gehöre.

Ich glaube auch, daß das Meinungsbild unter den Studenten zu diesem Thema wesentlich differenzierter ist, als es die ASTA-Avangardisten dem Land verklickern wollen.

Und jede Wette, daß die meisten von Euch hier mit ein bißchen Phantasie ohne Weiteres 1000 EUR im Jahr sparen können.

Auto, Notebook, Urlaub, Klamotten, Konzerte... habt Ihr alle nichts mit zu tun, stimmts?! ;-)

Ich habe 2 Jahre von rund 350 EUR im Monat gelebt und überlebt und war auch nicht weniger glücklich!

*Pingu*
27.01.2005, 10:11
Moin,

ein paar Gedanken noch zu der "Verbesserung des Studiums" durch Gebühren!


Bisher hat sich gezeigt, dass überall dort, wo Studiengebühren eingeführt wurden, also zum Beispiel in Australien, USA oder in Großbritannien, die staatlichen Mittel für Hochschulen im Gegenzug gestrichen wurden. Das Geld kommt zwar an die Unis, aber dieselbe Summe wird dann vom Staat auf der anderen Seite wieder abgezogen. Den Unis bleibt also nicht mehr Geld.

und


Ein Beispiel: Wir haben an der TU Darmstadt ca. 17.000 Studierende. Wenn wir 500 Euro pro Semester kassierten, kämen wir nach zwei Semestern auf 17 Millionen Euro. Wir haben im letzten Jahr eine Kürzung der seitens des Landes Hessen zugesagten Mittel von ungefähr 20 Millionen hinnehmen müssen. Das heißt, wir könnten mit den Studiengebühren nicht einmal das wettmachen, was uns genommen wurde.

Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4004324_REF1,00.html

Es ist schön, dass einige die Gebühren begrüssen, weil sie denken, dass sie eine bessere Qualität bekommen, aber glaubwürdig ist das nicht...

Punkt 2: Die 500Euro sind sicher erst der Anfang,...


rechnet mittelfristig mit Studiengebühren in Höhe von 2500 Euro pro Semester. "Klar ist, dass die 500 Euro pro Semester, die derzeit diskutiert werden, nur ein Einstieg sein können",

Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4005392_REF1,00.html

Vielleicht noch ein kleiner Lichtblick in Hessen:


Und zwar in der Gestalt des Artikel 59 der hessischen Landesverfassung, der bestimmt, dass der Unterricht in allen öffentlichen Hochschulen unentgeltlich ist. Die Erhebung eines "angemessenen Schulgeldes" setzt nach der Verfassung ein ausreichendes Einkommen der Eltern voraus.

Im grossen und ganzen eine sehr traurige Entwicklung, mit Studiengebühren hätte ich sicher nicht angefangen zu studieren, und ich kann jetzt nur hoffen, dass meine Kinder eine vernünftige Lehre machen werden wollen ;-)

Gleichberechtigung gibt es woanders, wenn man heute die 40-50 jährigen fragt, warum sie nicht studiert haben, obwohl sie evtl ein Bombenabi hatten, dann wird die einhellige Meinung sein, weil nicht genug Geld da war...

In diesem traurigen Sinne,

Pingu :peace:

@synosoph:


Im internationalen Vergleich sticht Deutschland schon jetzt nicht gerade durch eine ausgeprägte Schichtmobilität hervor - und das, obwohl wir keine Studiengebühren nehmen.

Und als Antwort darauf die Studiengebühren einführen,...Ja, das macht Sinn :-top

synosoph
27.01.2005, 10:19
@synosoph:

Und als Antwort darauf die Studiengebühren einführen,...Ja, das macht Sinn :-top

Wer hat von Antwort geredet? Ich sage nur, es gibt keinen Grund mit dem Verweis auf soziale Kriterien Studiengebühren kategorisch abzulehnen.

*Pingu*
27.01.2005, 10:21
Den gibt es in der Hinsicht, dass es nur NOCH schlimmer werden kann... aber egal, ich verstehe was du meinst und akzeptiere deine meinung.

Gruss Pingu

Rugger
27.01.2005, 10:25
Mal eine ganz kleine Nebenbemerkung:
ich finds ja geil, wenn Bayerns Wissenschaftsminister sagt:

Studiengebühren von rund 500 Euro pro Semester seien auch für ärmere Studenten problemlos ohne Kredite zu finanzieren, sagte Goppel. Die Betroffenen müssten lediglich "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben". (Quelle hier. (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,338746,00.html))
Mann, bei Goppels Kindern würde ich gerne mal Nachhilfe geben...
Zeigt mir, wie weltfremd die Politiker teilweise sind, die diese Diskussionen führen (und in letzter Konsequenz, daß Studiengebühren doch nur ein Mittel sind, weitere Gelder einzutreiben. Gerechtigkeit etc.: "blablabla!").
Das muß man sich mal vor Augen halten: ich muß für 100€ momentan knapp 20 Stunden Leben retten; gehe mal davon aus, daß 100€ etwa 20% (oder mehr) des verfügbaren Geldes des durchschnittlichen Studenten pro Monat darstellt.

Und nochwas: wenn ihr schon Protest wählen wollt: macht doch einfach eure Stimmzettel ungültig, anstatt so eine Quatsch wie PBC oder schlimmeres zu wählen!

Rugger,
dem polemische Aussagen wie obige (oder Kauders von vorgestern) mal wieder zeigen, warum er trotz aller Unzulänglichkeiten von Rot- Grün niemals rechts von der SPD wählen würde!

harlekyn
27.01.2005, 10:26
Engagiere dich lieber selbst - nur so kann man Veränderung bewirken!! Und werde erwachsen ... deine Aussage weist mich auf eine gewisse Unreife hin!!

Ich engagier mich! Bin nämlich Mitglied in der Gewerkschaft und wenn ihr mir unreife vorwerft, muss ich euch wohl vorwerfen, dass ihr noch keine Lebenserfahrung gesammelt habt. Und wer glaubt, dass meine Meinung und mein "verzerrtes Weltbild" von ungefähr kommen, hat wohl noch nicht all zuviel in dieser Richtung erlebt.
Man kann definitv nichts ändern. Aus dem einfachen Grund, weil man kein Druckmittel hat. Das einzige, was man dem Staat und damit dem, der uns Studiengebühren, Hartz IV etc. antut, androhen kann ist, auszuwandern. Durch wahlen erreicht man nix! Egal wen man wählt kann man sich sicher sein, dass sie in die eigene Tasche wirtschaften. Sei es Parteien, Gewerkschaften oder Wirtschaftsverbände.

Back to topic:

Es wäre einmal interesant zu wissen, wieviel man in anderen Ländern für sein Studium bezahlen muss. Irgendwie kann es ja nicht sein, dass "alle" andren Länder es hin bekommen, ein einigermassen ordentliches System einzuführen, nur wir nicht. (Überraschen würde es mich aber nicht :-D )

luckyblue
27.01.2005, 11:35
Die Betroffenen müssten lediglich "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben"Also, ich bin ja wirklich ein friedliebender Mensch. Aber für so was muss es doch ein UNO-Mandat geben.

Rund 30 % der Studenten verfügen offiziellen Angaben zufolge über ein geringeres Monatseinkommen als 600 Euro. (Meiner unmaßgeblichen Meinung nach dürfte die "Dunkelziffer" deutlich höher sein.) Damit wären mehr als 16, 67 Prozent monatlich abzuzweigen. Reduziert man das Einkommen mal um ca. 250 für laufende Kosten, landet man schnell bei 30 %. Nicht der Rede wert;-)

Notdoc
27.01.2005, 12:17
Bevor man kategorisch ein Studium für unmöglich finanzierbar erklärt, sollte man mal abwarten, was die Länder und Unis (oder auch Banken) an Finanzierungsmodellen auf die Beine stellen.

So gibt es schon Modelle (z.B. Witten-Herdecke) bei denen nach dem Studium über einen bestimmten Zeitraum ein festgelegter Prozentsatz des Einkommens zurückgezahlt wird. Was dann Job-abhängig auch nicht 1:1 mit dem vorgeschossenen Geld übereinstimmt.

=> - Keine Schuldenfalle bei Arbeitslosigkeit und schlechtem Job
- Zeitlich klar abgegrenzt


Um auf den Vergleich mit dem Ausland einzugehen, die ja auch mit Studiengebühren zurechtkommen.
Dort gibt es aber meistens auch ein ganz anderes Stipendiensystem (einfacher eins zu bekommen; viel mehr), da muss sich in Deutschland dann noch kräftig was verändern.

Leelaacoo
27.01.2005, 13:44
Also, ich freue mich ja wirklich :-top
Im PJ wird das dann folgendermaßen aussehen:
102€ Semesterbeitrag, 500€ Studiengebühr (...wenns gut kommt), jeden Monat ca. 130€ Monatsticket für die DB, damit ich überhaupt ind KH komme (Stuttgarter Gegend ist teuer), macht in einem Jahr PJ OHNE ESSEN in der Kantine schlappe 2764 €...ergo 230 € im Monat, OHNE die Möglichkeit, etwas dazuzuverdienen, weil ich am Wochenende eh schon arbeite, um überhaupt bisher über die Runden zu kommen, weil meine Mama leider kein Krösus ist.
Wenn das nicht hinderlich ist....
Wie wäre es z.B. gewesen, wenn erst mal ALLE Länder Langzeitstudiengebühren eingeführt hätten, wie hier in Ba-Wü...das kann ich mit gutem Gewissen noch verteidigen, schließlich muß man ja keine 23 Semester studieren.
Auch die Argumente der besseren Lehre sind hier bereits mehrmals zerpflückt worden, zu Recht, wie ich finde, schließlich brachten uns die Zuzahlungen zu den Medis auch keine Senkung der GKV-Beiträge, ebenso wie die Erhöhung der Kfz-Steuer keine freieren Autobahnen oder die GEZ- Gebührenerhöhung keine tolleren Filme in der ARD bescherte.
Mich würde auch brennend interessieren, WIE stark denn die Ausgaben der universitären Bildung in den letzten Jahren und Jahrzehnten gestiegen sind...glaubt ihr wirklich, wir sind so furchtbar viel teurer gewesen, als die Generationen vor uns... nur die anderen Haushaltslöcher sind eben tiefer geworden, was aber garantiert nicht durch die Studenten verbrochen wurde...
Auf der einen Seite wird geschrien, es gäbe zu wenig qualifizierte Leute in Deutschland..."Unser Kapital ist Wissen"...buhu...und das soll die Lösung sein?
Schließlich tun es andere Länder ja auch....ja, genauso wie andere Länder die Todesstrafe verhängen oder Präventivschläge durchführen oder eine noch größere Schere zwischen Reich und Arm haben...DAS sollten wir unbedingt auch nachmachen....und wenn die aus dem Fenster springen...ihr wißt schon. :-dance
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in den USA zu studieren, gerade weil ich das System in D bewundere und den (relativ) freien Zugang zur Lehre für eine große demokratische Errungenschaft halte...natürlich können auch hier nicht alle studieren, aber das macht man nicht besser, in dem man die Hürden noch höher hängt.
Und zahlen dann Germanistikstudenten weniger Studiengebühr, weil sie weniger "Kosten" verursachen? Oder mehr, weil ihr Gebiet nicht gerade furchtbar wichtig für die Wirtschaft ist. Bekommen Altphilologen überhaupt Kredite, wenn die bank denkt, das sie mit dem Studium später eher wenig verdienen werden und die Rückzahlung auf der Kippe steht. Dürfen nur noch Fächer studiert werden, die sich "lohnen" und dann womöglich ZU VIELE Absolventen produzieren? Bekommen wirklich ALLE eine Kredit, oder fragt man vorher die Schufa (oder ähnliche lustige Punktesysteme, aufgeteilt nach Wohnort, Alter, nationalität, Geschlecht etc???).
Kann ich mich dann bei unseren Chirurgen beschweren gehen, weil die uns nichts beigebracht haben und Rückzahlung fordern???
AAAAaaaalso ich weiß nicht....
Es hätte sicher noch die eine oder andere Möglichkeit gegeben, Geld zu sparen (z.B. könnte doch jeder Politiker seiner Alma Mater 7% seiner Diät abgeben...das wär doch mal lustig...da würden die aber schreien...soviel zum Patriotismus).

LG Lee (die wohl bald das Internet abklemmen muß...)

Leelaacoo
27.01.2005, 13:46
Bevor man kategorisch ein Studium für unmöglich finanzierbar erklärt, sollte man mal abwarten, was die Länder und Unis (oder auch Banken) an Finanzierungsmodellen auf die Beine stellen.

So gibt es schon Modelle (z.B. Witten-Herdecke) bei denen nach dem Studium über einen bestimmten Zeitraum ein festgelegter Prozentsatz des Einkommens zurückgezahlt wird. Was dann Job-abhängig auch nicht 1:1 mit dem vorgeschossenen Geld übereinstimmt.

=> - Keine Schuldenfalle bei Arbeitslosigkeit und schlechtem Job
- Zeitlich klar abgegrenzt



nachtrag: In Witten-Herdecke studieren ja fast nur medis und wiwis, oder? Klar, daß da die Banken mitmachen bei den Krediten...kann sich ja nur lohnen.

LG Lee

eatpigsbarf
27.01.2005, 16:59
Mal eine andere Ideenrichtung: wie kann es sein, dass Studierende ab demnaechst Geld fuer ihre Ausbildung zahlen muessen und, gerade in der Medizin ja auch bis zur 1. Assistenzarztstelle oft nichts verdienen (ich rede nicht ueber moegl. Nebenjobs :-blush ), aber andere, ganz normale Auszubildene in den Lehrjahren Geld verdienen?? Denn, da ist ja der ausbilder genauso vom eigentl. Arbeitsalltag und Geldverdienen abgehalten, wie an den Unis die Dozenten (wobei die ja oft sogar noch den Lehrauftrag haben)
Da passt dann die Aufforderung vom Hartmannbund, wenigstens waehrend des PJ's was dazuzugeben.
Aber, wie gesagt, soweit mir das bekannt ist, zahlt der normale Azubi and einer staatl. Schule auch nichts und kriegt Geld waehrend der Lehre.

Und das Problem mit den Finanzierungskrediten koennte ja auch sein, dass -ob zinslos oder nicht- der Student mit Schulden ins Arbeitsleben gehen muesste. Da gibt es dann aber, wenn er zur Selbstaendigkeitsverwirklichung einen Kredit aufnehmen wollen wird, Probleme mit den Banken, da besagter Student ja schon durchs Studium angesammelte Schulden hat. Jaja, aber das Land braucht Akademiker :-party .