man könnte das problem doch mal an der basis angehen und seinen unmut und aktuelle fragen an die verantwortlichen richten, wie dies vor kurzem in einer mailing-aktion der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) gelaufen ist.
in dieser aktion wurden fundierte fragen zur aktuellen und künftigen gesundheitspolitik an die bundestagsparteien gestellt (nachzulesen unter http://www.facharzt.de).
auch ich habe mich daran beteiligt und einige eigene fragen zum drohenden ärztemangel und der situation des aip gestellt (auszugsweise unten).
um so verwunderter war ich über die antworten auf meine mail (eigentlich hatte ich mit null response gerechnet).
von ulla schmidt kam eine abwesenheitsnotiz weil im urlaub. cdu/csu und fdp schickten ihr wahlprogramm per anhang. von den grünen kam gar nix. von Dana Bernhardt i.A. von Gerd und seiner spd kam jedoch eine detaillierte und konkrete antwort auf alle meiner fragen (
[email protected]).
warum also nicht ein paar brennende fragen an die verantwortlichen richten?
CDU/CSU:
[email protected]
[email protected]
[email protected]
FDP:
[email protected]
[email protected]
[email protected]
Gruene:
[email protected]
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[email protected]
PDS
[email protected]
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SPD
[email protected]
[email protected]
> Sehr geehrte Damen und Herren ,
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> Zu den Fragen, die sie in ihrer E-Mail vom 15.05.2002 aufgeworfen haben, nehme ich wie folgt Stellung:
>
> Die fachärztliche Versorgung ist und bleibt integraler Bestandteil der vertrags-ärztli-chen Versorgung.
> Die SPD steht ohne Wenn und Aber zum Grundsatz der freien Arztwahl. Sie hält die freie Arztwahl für Gut, das es zu bewahren gilt.
> Um die Effizienz der medizinischen Vers-orgung zu steigern, wird sie die Funktion des Hausarztes als Lotsen im Gesundheits-wesen verstärken und ausbauen. Dies wird jedoch nicht zu Lasten der freien Arztwahl gehen. Patienten, die sich in ein "Haus-arzt-modell" einschreiben, verzichten freiwillig darauf, sich in fachärztliche Behand-lung zu begeben, bevor sie ihren Hausarzt konsultiert haben.
> Bestimmte Fachärzte - wie zum Beispiel Gynäkologen und Augen- und Kinderärzte - können jedoch auch die Pa-tienten unmittelbar aufsuchen, die für ein "Hausarztmodell" optiert haben.
> Die SPD beabsichtigt nicht, ein Primärarztsystem einzuführen, bei dem der Weg zum Fach-arzt zwingend über den Hausarzt führt.
> Es wird jedem Patienten auch in Zukunft frei stehen, sich bei einer Erkrankung sofort in fachärztliche Behandlung zu begeben.
> Die Doppelstruktur in der fachärztlichen Versorgung wird beibehalten. Die Bevöl-ke-rung wird also weiterhin der Praxis niedergelassener Ärzte und im Krankenhaus fach-ärztlich versorgt. Die SPD erwartet allerdings, dass die bislang vielfach unzu-rei-chende Kooperation zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten durch integrative Versorgungsformen spürbar und nachhaltig verbessert wird.
> Die gesetzlichen Regelungen über die institutionelle bzw. persönliche Ermächtigung zur Teil-nah-me an der vertragsärztlichen Versorgung haben sich prinzipiell bewährt. Än-de-run-gen dieser Vorschriften sind nicht vorgesehen.
> Die SPD lehnt die Rückkehr zur Einzelleistungsvergütung mit festen Punktwerten ab. Die Anbieterdominanz auf dem Gesundheitsmarkt ("angebotsinduzierte Nachfrage nach Gesundheitsleistungen") würde zu Fehlanreizen (Mengenausweitungen) führen und die finanzielle Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung über-for-dern. Die Regierung Kohl hat Mitte der Achtziger Jahre nicht von ungefähr
> mit der Ho--norarbudgetierung die Notbremse gezogen, um die auf der Basis der Einzel-leis-tungs-vergütung aus dem Ruder laufenden Ausgaben für die vertragsärztliche Ver-sorgung wieder in den Griff zu bekommen.
> Die SPD wird die noch vorhandenen Budgetierungen jedoch aufheben, wenn und so-weit intelligentere Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen. Für die fachärztliche Versorgung könnten dies diagnosebasierten Fallpauschalen und für die hausärztliche Ver-sorgung morbiditätsorientierte Kopfpauschalen sein.
> Die SPD wird sich dafür einsetzen, die GOÄ in der nächsten Legislaturperiode zu über-prüfen und gegebenenfalls anzupassen.
> Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung soll auch in Zukunft nur die medizinisch notwendigen Leistungen umfassen. Dem aktuellen Gutachten des Sach-verständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen zufolge rei-chen die zur Verfügung stehenden Mittel (2001: 143 Milliarden ? bzw. 280 Milliarden DM) aus, um die Versicherten mit den medizinisch notwendigen Leistungen zu ver-sor-gen.
> Die Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsdefizite im Gesundheitswesen, die der Sach-verständigenrat aufgezeigt hat, müssen Schritt für Schritt angegangen und be-seitigt werden. Es kommt in den nächsten Jahren vor allem darauf an, das Preis-Leistungs-Verhältnis unseres Gesundheitswesens auszutarieren. Die SPD will, dass die Ver-sorgung das Qualitätsniveau erreicht, für das die Versicherten und
> Arbeitgeber schon lange bezahlen. Der Schlachtruf "mehr Geld ins System" war und ist falsch. Er lenkt nur von den eigentlichen Problemen unseres Gesundheitswesens ab.
> Soweit es um medizinisch notwendige Leistungen geht, lehnt die SPD jede Diffe-ren-zie-rung des einheitlichen Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenversicherung in weiterhin solidarisch finanzierende Grund- und privat zu bezahlende Wahl-leistun-gen kategorisch ab. Wahltarife sollen es erlauben, den konfektionierten Schutz der ge-setzlichen Krankenversicherung durch eine maßgeschneiderte
> individuelle Risiko-vor-sorge abzulösen. Die Zeche für die neuen Freiheiten hätten die Kranken, zumal aber die chronisch kranken Menschen zu zahlen. Nur Junge und Gesunde können es wagen, Wahloptionen auszuüben. Sie werden dafür mit Beitragsnachlässen be-lohnt. Dadurch kommt weniger Geld ins System. Die Gesundheitskosten sinken je-doch nicht. Ende vom Lied: Die Kranken müssen eine größere Last
> schultern. Wahl-tarife sind zudem frauen- und familienfeindlich.
> Mit Wahltarifen, deren Gegenstand medizinisch notwendige Leistungen sind, wäre der Marsch in die Zwei-Klassen-Medizin vorgezeichnet. Diesen Irrweg will und wird die SPD nicht mitgehen.
> Zur Zeit praktizieren ca. 120.000 Vertragsärzte. Ihre Anzahl ist vom Jahr 1992 bis zum Jahr 2000 um 25 Prozent gestiegen. Im internationalen Vergleich weist Deutsch-land eine sehr hohe Arztdichte auf. Daher kann von einer generellen Unter-versor-gung keine Rede sein. In einigen ländlichen Regionen - zumal in den neuen Ländern - zeichnen sich jedoch Versorgungsprobleme ab.
> Besorgnis erregend ist auch der Umstand, dass im Moment lediglich die Hälfte der frisch approbierten Mediziner eine ärztliche Tätigkeit aufnimmt. Mittel- und langfristig wird diese Entwicklung zu gra-vieren-den Versorgungsdefiziten führen. Politik und Ärz-te-schaft stehen daher in der Pflicht, beizeiten Abhilfe zu schaffen.
> Es gilt, die Attraktivität des Arztberufes zu stei-gern. Dazu gehört nicht zuletzt die Ver-besserung der Arbeitsbedingungen der Krankenhausärzte. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die SPD mit der soeben verabschiedeten Reform der Approba-tions-ordnung gemacht. Der Status "Arzt im Praktikum" wird wieder abgeschafft und damit ein "Ausbeutungstatbestand" beseitigt.
> Die Attraktivität des Arztberufes hängt aber auch davon ab, dass die jungen Kran-kenhausärzte als vollwertige und gleichberechtigte Teammitglieder behandelt wer-den. Der eine oder andere Chefarzt muss sich von seiner Rolle als "Halbgott in Weiss" erst noch verabschieden.
> Im ambulanten Sektor können Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Si-tuation der Vertragsärzte nur die Kassenärzt-li-chen Vereinigungen treffen. Ihnen ob-liegt es, die Vergütung für vertragsärztliche Lei-s-tungen mit Hilfe des Honorar-vertei-lungs-maßstabes an die Ärzte auszuschütten. Bei der Honorargestaltung bestehen je-doch erhebliche Schieflagen. Aus der Sicht der SPD ist zum
> Beispiel nicht nach-voll-ziehbar, warum Nervenärzte im Jahr ein durch-schnittliches Kassenhonorar von ledig-lich 42.000 ? erhalten, während Orthopäden im Durch-schnitt jährliche Einnahmen aus vertragsärztlicher Tätigkeit von 200.000 ? er-zie-len. Sie kann nur zu gut verste-hen, dass die Arztgruppen sich benachteiligt fühlen, die der Honorarverteilungs-maß-stab stiefmütterlich behandelt. Rein
> rechnerisch ist je-den-falls genügend Geld vor-handen, um allen Vertragsärzten eine angemessene und leistungsgerechte Ver-gü-tung zu zahlen. Sie hätte im Jahr 2001 bei Ge--samtausgaben für die ambulante ärztli-che Versorgung von 21,935 Milliarden ? (42,901 Milliarden DM) für jeden Vertrags-arzt etwa 182.792 ? oder 357.509 DM betragen.
> Die SPD wird in der nächsten Legislaturperiode einen Gesetzentwurf einbringen, nach dem Bereitschaftsdienstzeiten im vollen Umfang auf die Arbeitszeit an-zurech-nen sind. Sie meint, dass damit den Interessen sowohl der Patienten als auch der Be--schäftigten am besten gedient ist. Die Mehrkosten, die durch diese Neuregelung ent--stehen, kann niemand seriös und valide quantifizieren. Sicher ist
> aber, dass Qua-li-tät ihren Preis hat. Die in Rede stehenden zusätzlichen Kosten werden über die Fall-pauschalen bzw. die Pflegesätze zu finanzieren sein. Unabhängig vom Thema "Be-reit-schaftsdienst" hat die SPD im Fallpauschalengesetz für die Jahre 2002 und 2003 jeweils 100 Millionen ? bereit gestellt, um die Anpassung betrieblicher Arbeitszeitre-gu--larien an das deutsche Arbeitszeitrecht zu unterstützen und zu fördern.
>
> Mit freundlichen Grüßen
>
> i. A. Dana Bernhardt