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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : BAT oder was verdienen wir eigentlich einmal! (zusammengeführt aus 2 Foren)



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Lion
03.06.2002, 18:14
Hi Janine,

in Bezug auf Britney gebe ich Dir 100% Recht. Das klassische Beispiel vom Mauerblümchen zum Popsternchen. Wobei man sagen muß, daß sie schon im Kleinkindalter vor der Kamera stand (dann Walt Disney mit Christina Aguilera). Trotzdem finde ich sie pott häßlich, trotz Op's an Nase, Wange und Busen.

Ganz davon abgesehen ist das wohl ein sehr weites Gebiet mit vielen unterschiedlichen Meinungen worüber man sehr lange diskutieren kann und sich doch nicht einigt.

Aber Du hast nicht ganz recht. Es gibt schon einige Sportler, Schauspieler, die das vermutlich ähnlich sehen und (nicht unbedingt zur Steigerung der eigenen Popularität) Hilfsorganisationen gründen.

Deine Ansichten zu den einigen wenigen die etwas aus ihrem Talent machen können teile ich überhaupt nicht. Denn bei den meisten, die es geschafft haben, hätte man es vorher auch nicht für möglich gehalten und die haben verdammt viel für ihre Karriere riskiert. Ein Brad Pitt könnte jetzt genauso in der Gosse sitzen. Klar kommen auf jeden der es schafft 1000 die es nicht schaffen. Aber da denke ich nunmal Pech gehabt, that's life.

Vermutlich haben wir in diesem Bereich sehr verschiedene Ansichten. Das finde ich zumindest aber überhaupt nicht schlimm. Wahrscheinlich werden wir uns dabei wohl nicht einig.
Aber mal ehrlich gesagt, gehört das hier hin? (Naja so eine nette Nebendiskussion ist doch ab und zu ganz ok)

Schöne Grüße,

P.S.: Ich heiße Maximilian

Thomas24
03.06.2002, 23:36
Wieso meint seit einigen Monaten eigentlich jeder, das Deutschland die Ärzte ausgingen ??

Bilden wir etwa seit neuestem in unserem ach so glorreichen System etwa nicht mehr permanent zu viele Studis zu viel zu miesen Bedingungen aus ...?

Sind die Arbeitsbedingungen in den Kliniken und die pekuniäre Anreize etwa plötzlich so gut geworden, das niemand mehr im Studium abspringt, das Land verlässt, oder nicht ärztlich tätig sein möchte...?

Sind die dramatischen Einbrüche in den AiP´ler Quoten (Bremen -15%, Mc Pomm -8 % etc.) tatsächlich darauf zurückzuführen, das wir zuwenig Ärzte haben... ?

Ich denke über 325.000 approbierte Kollegen sprechen eine andere Sprache...

Pascal
04.06.2002, 14:52
Der Ärztemangel ist ein Fakt. Fakt ist nämlich:

Die AiPler gehen aus.
Der Berufstand ist überaltert. Die alten gehen in Rente.
Viele gehen ins Ausland
Viele arbeiten artfremd (nicht als Praktiker)
Viele arbeiten gar nicht (Kindererziehung etc.)

hobbes
04.06.2002, 19:27
Fakt ist dass der "Ärztemangel" vielleicht noch nicht Realität ist und auch nicht unmittelbar vor der Türe steht. Aber er ist sicherlich unterwegs. Im Moment hält er sich noch, in dem für einen jungen Arzt nicht so attraktiven, neuen Bundesländern auf. Dort gibt es Probleme insbosondere AA-Stellen in der Psychiatrie, aber auch in der Chirurgie zu besetzen.
Später wird dieser Mangel sicherlich auf ganz Deutschland überschlagen. Ob dieser Ärztemangel dann durch den Import von "billigen" Ausländer-Ärzten ausgefüllt wird, muss sich weisen. Ich hoffe es nicht.

Thomas24
05.06.2002, 21:25
Original geschrieben von Pascal
Der Ärztemangel ist ein Fakt. Fakt ist nämlich:

Die AiPler gehen aus.
Der Berufstand ist überaltert. Die alten gehen in Rente.
Viele gehen ins Ausland
Viele arbeiten artfremd (nicht als Praktiker)
Viele arbeiten gar nicht (Kindererziehung etc.)


D´accord. Doch daraus resultiert meines Erachtens kein
Ärztemangel. Es herrscht allenfalls ein Mangel an Kollegen, die bereits sind, sich weiter unter allen Umständen zu prostituieren.
Und falls sich die Arbeistbedingungen wider Erwarten innerhalb der nächsten Jahre bessern sollten, dann kommen viele wieder zurück.

Nur zwei Beispiele: viele der "Legionäre", die ins Ausland gegangen sind, wollen nicht auf ewig der Heimat adieu sagen. Ach die mit der Kindererziehung befassten Kolleginnen, sind nicht für immer dem ärztlichen Arbeitsmarkt verloren.

Es herrscht, wie allen bekannt sein dürfte, ein Mangel an tragfähigen Strukturen im Weiterbildungswesen, ein Mangel an Perspektiven in vielen Fächern, ein Mangel an wertschätzung ärztlicher Arbeitskraft- doch kein Mangel an Ärzten selbst. Noch immer haben wie auch im europ. Vergleich eine der höchsten Arztdichten der Welt (nur noch getoppt von Italien).

Pascal
06.06.2002, 11:15
Das ist schon richtig. Aber alleine die in Rente gehenden Kollegen sind schon ausreichend. Letztes Jahr gab es keinen Fachbereich mehr in dem das Durchschnittsalter under 50 Jahren lag.

lmu
06.06.2002, 11:34
man könnte das problem doch mal an der basis angehen und seinen unmut und aktuelle fragen an die verantwortlichen richten, wie dies vor kurzem in einer mailing-aktion der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) gelaufen ist.
in dieser aktion wurden fundierte fragen zur aktuellen und künftigen gesundheitspolitik an die bundestagsparteien gestellt (nachzulesen unter http://www.facharzt.de).
auch ich habe mich daran beteiligt und einige eigene fragen zum drohenden ärztemangel und der situation des aip gestellt (auszugsweise unten).
um so verwunderter war ich über die antworten auf meine mail (eigentlich hatte ich mit null response gerechnet).
von ulla schmidt kam eine abwesenheitsnotiz weil im urlaub. cdu/csu und fdp schickten ihr wahlprogramm per anhang. von den grünen kam gar nix. von Dana Bernhardt i.A. von Gerd und seiner spd kam jedoch eine detaillierte und konkrete antwort auf alle meiner fragen ([email protected]).
warum also nicht ein paar brennende fragen an die verantwortlichen richten?

CDU/CSU:
[email protected]
[email protected]
[email protected]

FDP:
[email protected]
[email protected]
[email protected]

Gruene:
[email protected]
[email protected]
[email protected]

PDS
[email protected]
[email protected]


SPD
[email protected]
[email protected]


> Sehr geehrte Damen und Herren ,
>
> Zu den Fragen, die sie in ihrer E-Mail vom 15.05.2002 aufgeworfen haben, nehme ich wie folgt Stellung:
>
> Die fachärztliche Versorgung ist und bleibt integraler Bestandteil der vertrags-ärztli-chen Versorgung.
> Die SPD steht ohne Wenn und Aber zum Grundsatz der freien Arztwahl. Sie hält die freie Arztwahl für Gut, das es zu bewahren gilt.
> Um die Effizienz der medizinischen Vers-orgung zu steigern, wird sie die Funktion des Hausarztes als Lotsen im Gesundheits-wesen verstärken und ausbauen. Dies wird jedoch nicht zu Lasten der freien Arztwahl gehen. Patienten, die sich in ein "Haus-arzt-modell" einschreiben, verzichten freiwillig darauf, sich in fachärztliche Behand-lung zu begeben, bevor sie ihren Hausarzt konsultiert haben.
> Bestimmte Fachärzte - wie zum Beispiel Gynäkologen und Augen- und Kinderärzte - können jedoch auch die Pa-tienten unmittelbar aufsuchen, die für ein "Hausarztmodell" optiert haben.
> Die SPD beabsichtigt nicht, ein Primärarztsystem einzuführen, bei dem der Weg zum Fach-arzt zwingend über den Hausarzt führt.
> Es wird jedem Patienten auch in Zukunft frei stehen, sich bei einer Erkrankung sofort in fachärztliche Behandlung zu begeben.
> Die Doppelstruktur in der fachärztlichen Versorgung wird beibehalten. Die Bevöl-ke-rung wird also weiterhin der Praxis niedergelassener Ärzte und im Krankenhaus fach-ärztlich versorgt. Die SPD erwartet allerdings, dass die bislang vielfach unzu-rei-chende Kooperation zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten durch integrative Versorgungsformen spürbar und nachhaltig verbessert wird.
> Die gesetzlichen Regelungen über die institutionelle bzw. persönliche Ermächtigung zur Teil-nah-me an der vertragsärztlichen Versorgung haben sich prinzipiell bewährt. Än-de-run-gen dieser Vorschriften sind nicht vorgesehen.
> Die SPD lehnt die Rückkehr zur Einzelleistungsvergütung mit festen Punktwerten ab. Die Anbieterdominanz auf dem Gesundheitsmarkt ("angebotsinduzierte Nachfrage nach Gesundheitsleistungen") würde zu Fehlanreizen (Mengenausweitungen) führen und die finanzielle Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung über-for-dern. Die Regierung Kohl hat Mitte der Achtziger Jahre nicht von ungefähr
> mit der Ho--norarbudgetierung die Notbremse gezogen, um die auf der Basis der Einzel-leis-tungs-vergütung aus dem Ruder laufenden Ausgaben für die vertragsärztliche Ver-sorgung wieder in den Griff zu bekommen.
> Die SPD wird die noch vorhandenen Budgetierungen jedoch aufheben, wenn und so-weit intelligentere Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen. Für die fachärztliche Versorgung könnten dies diagnosebasierten Fallpauschalen und für die hausärztliche Ver-sorgung morbiditätsorientierte Kopfpauschalen sein.
> Die SPD wird sich dafür einsetzen, die GOÄ in der nächsten Legislaturperiode zu über-prüfen und gegebenenfalls anzupassen.
> Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung soll auch in Zukunft nur die medizinisch notwendigen Leistungen umfassen. Dem aktuellen Gutachten des Sach-verständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen zufolge rei-chen die zur Verfügung stehenden Mittel (2001: 143 Milliarden ? bzw. 280 Milliarden DM) aus, um die Versicherten mit den medizinisch notwendigen Leistungen zu ver-sor-gen.
> Die Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsdefizite im Gesundheitswesen, die der Sach-verständigenrat aufgezeigt hat, müssen Schritt für Schritt angegangen und be-seitigt werden. Es kommt in den nächsten Jahren vor allem darauf an, das Preis-Leistungs-Verhältnis unseres Gesundheitswesens auszutarieren. Die SPD will, dass die Ver-sorgung das Qualitätsniveau erreicht, für das die Versicherten und
> Arbeitgeber schon lange bezahlen. Der Schlachtruf "mehr Geld ins System" war und ist falsch. Er lenkt nur von den eigentlichen Problemen unseres Gesundheitswesens ab.
> Soweit es um medizinisch notwendige Leistungen geht, lehnt die SPD jede Diffe-ren-zie-rung des einheitlichen Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenversicherung in weiterhin solidarisch finanzierende Grund- und privat zu bezahlende Wahl-leistun-gen kategorisch ab. Wahltarife sollen es erlauben, den konfektionierten Schutz der ge-setzlichen Krankenversicherung durch eine maßgeschneiderte
> individuelle Risiko-vor-sorge abzulösen. Die Zeche für die neuen Freiheiten hätten die Kranken, zumal aber die chronisch kranken Menschen zu zahlen. Nur Junge und Gesunde können es wagen, Wahloptionen auszuüben. Sie werden dafür mit Beitragsnachlässen be-lohnt. Dadurch kommt weniger Geld ins System. Die Gesundheitskosten sinken je-doch nicht. Ende vom Lied: Die Kranken müssen eine größere Last
> schultern. Wahl-tarife sind zudem frauen- und familienfeindlich.
> Mit Wahltarifen, deren Gegenstand medizinisch notwendige Leistungen sind, wäre der Marsch in die Zwei-Klassen-Medizin vorgezeichnet. Diesen Irrweg will und wird die SPD nicht mitgehen.
> Zur Zeit praktizieren ca. 120.000 Vertragsärzte. Ihre Anzahl ist vom Jahr 1992 bis zum Jahr 2000 um 25 Prozent gestiegen. Im internationalen Vergleich weist Deutsch-land eine sehr hohe Arztdichte auf. Daher kann von einer generellen Unter-versor-gung keine Rede sein. In einigen ländlichen Regionen - zumal in den neuen Ländern - zeichnen sich jedoch Versorgungsprobleme ab.
> Besorgnis erregend ist auch der Umstand, dass im Moment lediglich die Hälfte der frisch approbierten Mediziner eine ärztliche Tätigkeit aufnimmt. Mittel- und langfristig wird diese Entwicklung zu gra-vieren-den Versorgungsdefiziten führen. Politik und Ärz-te-schaft stehen daher in der Pflicht, beizeiten Abhilfe zu schaffen.
> Es gilt, die Attraktivität des Arztberufes zu stei-gern. Dazu gehört nicht zuletzt die Ver-besserung der Arbeitsbedingungen der Krankenhausärzte. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die SPD mit der soeben verabschiedeten Reform der Approba-tions-ordnung gemacht. Der Status "Arzt im Praktikum" wird wieder abgeschafft und damit ein "Ausbeutungstatbestand" beseitigt.
> Die Attraktivität des Arztberufes hängt aber auch davon ab, dass die jungen Kran-kenhausärzte als vollwertige und gleichberechtigte Teammitglieder behandelt wer-den. Der eine oder andere Chefarzt muss sich von seiner Rolle als "Halbgott in Weiss" erst noch verabschieden.
> Im ambulanten Sektor können Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Si-tuation der Vertragsärzte nur die Kassenärzt-li-chen Vereinigungen treffen. Ihnen ob-liegt es, die Vergütung für vertragsärztliche Lei-s-tungen mit Hilfe des Honorar-vertei-lungs-maßstabes an die Ärzte auszuschütten. Bei der Honorargestaltung bestehen je-doch erhebliche Schieflagen. Aus der Sicht der SPD ist zum
> Beispiel nicht nach-voll-ziehbar, warum Nervenärzte im Jahr ein durch-schnittliches Kassenhonorar von ledig-lich 42.000 ? erhalten, während Orthopäden im Durch-schnitt jährliche Einnahmen aus vertragsärztlicher Tätigkeit von 200.000 ? er-zie-len. Sie kann nur zu gut verste-hen, dass die Arztgruppen sich benachteiligt fühlen, die der Honorarverteilungs-maß-stab stiefmütterlich behandelt. Rein
> rechnerisch ist je-den-falls genügend Geld vor-handen, um allen Vertragsärzten eine angemessene und leistungsgerechte Ver-gü-tung zu zahlen. Sie hätte im Jahr 2001 bei Ge--samtausgaben für die ambulante ärztli-che Versorgung von 21,935 Milliarden ? (42,901 Milliarden DM) für jeden Vertrags-arzt etwa 182.792 ? oder 357.509 DM betragen.
> Die SPD wird in der nächsten Legislaturperiode einen Gesetzentwurf einbringen, nach dem Bereitschaftsdienstzeiten im vollen Umfang auf die Arbeitszeit an-zurech-nen sind. Sie meint, dass damit den Interessen sowohl der Patienten als auch der Be--schäftigten am besten gedient ist. Die Mehrkosten, die durch diese Neuregelung ent--stehen, kann niemand seriös und valide quantifizieren. Sicher ist
> aber, dass Qua-li-tät ihren Preis hat. Die in Rede stehenden zusätzlichen Kosten werden über die Fall-pauschalen bzw. die Pflegesätze zu finanzieren sein. Unabhängig vom Thema "Be-reit-schaftsdienst" hat die SPD im Fallpauschalengesetz für die Jahre 2002 und 2003 jeweils 100 Millionen ? bereit gestellt, um die Anpassung betrieblicher Arbeitszeitre-gu--larien an das deutsche Arbeitszeitrecht zu unterstützen und zu fördern.
>
> Mit freundlichen Grüßen
>
> i. A. Dana Bernhardt

18.06.2002, 21:34
dann werde ich mal auch noch ein paar Sätze loswerden:

1. Die Diskussion, ob ein Gehalt "angemessen" ist, macht so keinen Sinn. Es gibt für keinen einzigen Beruf das angemessene Gehalt, denn "angemessen" ist keine messbare Größe. Es ist absolut von den persönlichen Umständen, Werten, Motivationen usw. abhängig, daher kann man keine allgemeinen Aussagen treffen. Um auf die VWL zurückzugreifen: Ein Gehalt ist ein gewisser Nuten. Und dieser ist interpersonell nicht vergleichbar und kardinal nicht messbar!! Die einzige Aussage, die man treffen kann, ist "ICH EMPFINDE dieses Gehalt als angemessen / nicht angemessen". Mehr nicht.

2. Sicher ist es eine wichtige Frage, ob sich der Arztberuf bzw. das Medizinstudium "lohnt". Aber auch hier sträube ich mich vehement gegen verallgemeinernde Aussage. Dafür ist die Angelegenheit zu vielschichtig. Hier wird z.B. immer wieder der Vergleich zu BWL Studenten bemüht. Ganz klar: BWL studieren, mit 100.000 Euro einsteigen, mit 40 Chef. Ganz klar falsch. Der große Anteil der BWL-Studenten erzielt Anfangsgehälter von unter 3000 Euro, fast mit einem AA vergeleichbar (zähle das AiP zur Ausbildung). Und in keinem großen Unternehmen gibt es real die 35 Stunden Woche. Ich kenne sehr viele, die IMMER vor acht im Büro sind, NIE vor sieben Uhr gehen und dann ihren Laptop mit nach Hause nehmen... und ich kenne genauso viele bei uns in der Firma, die als Sachbearbeiter angefangen sind und als solcher in Rente gehen. Es gibt überall Leute, die Karriere mache und richtig dick verdienen und es gibt überall Leute, die das nicht tun. Entscheident ist, wo die persönlichen Ambitionen liegen!! Es ist alles machbar. Studiert nebenher ein bisschen BWL mit, geht in die Pharmaindustrie und haut voll rein, um einen Führungsposten +dickes Geld zu kriegen. Oder seid als AA zufrieden. Oder macht, dass ihr an die Uni kommt. Oder was auch immer. Alles hat Vorteile, alles hat Nachteile. Aber auch die sind wieder PERSÖNLICHER Natur und nicht vegleichbar. Wichtig ist, dass ihr euch klar macht, in welche Richtung ihr maschieren wollt!

Heiko

19.06.2002, 01:08
Hallo Leute, habe auf einem anderen Forum (aerzteblatt.de) folgende Ausführungen eines Komilitonen gefunden- und finde das ich dem Beitrag in den wesentlichen Punkten zustimmen kann...


>>hi there,

ich habe mir gerade den BAT angeschaut. die überstundenvergütung nach BAT IIa beträgt 22,32 Euro/Std ab der 38,5. Std.

habt ihr euch mal überlegt, um welch´ gigantische summe ein "assistenz"arzt in seiner 6 jährigen "ausbildung", die keine ist, durch unbezahlte überstunden betrogen wird?

wenn man mal von einer 70 std. woche ausgeht (was dem durchschnitt in den akutfächern entsprechen dürfte) so sind das in 6 jahren ca 200 000 euro brutto !!! (in worten: ca zweihunderttausend euro brutto in 6 jahren !)

für fachfremde: der hintergrund ist, dass

- die allermeisten überstunden in den krankenhäusern nicht bezahlt oder durch freizeit abgegolten werden

- irgendeine "ausbildung" während dieser durschnitttlich 70 std. wochen praktisch nicht stattfindet

- man fortbildungen (die für das krankenhaus relevant sind!) in der regel selbst bezahlen und dafür urlaub nehmen muss.

ich habe sicher nicht wegen des geldes medizin studiert. als ich anfing, war schon klar, dass mit dem job kein geld mehr zu vedienen sein würde. aber: der monetäre aspekt ist ein sehr guter surrogatparameter für andere dinge, die nicht so ohne weiteres messbar sind!

ich beneide meine kumpels, die mit dem gleichen engagement, mit dem ich medizin studiert habe (unter den 10% besten im examen, auslandsjahr in den usa, forschungserfahrung), wirtschaftsrecht oder maschinenbau studiert haben.

ich beneide sie nicht um ihr einstiegsgehalt von 100 000 euro, nicht um ihr schickes büro mit schnuckeliger sekretärin und auch nicht um den 3er bmw cabrio als dienstwagen. das wäre mir alles egal. egal deshalb, weil es mir 1000mal mehr spass macht, zu lernen, wie man eine oma im lungenödem therapiert und die swan ganz kathether-messwerte interpretiert, als vor irgendwelchen bussinessmuschis gestylte powerpointvorträge mit worten wie "proaktiv" zu halten.

worum ich aber die wirtschaftsjuristen und die maschinenbauer beneide ist, dass sie in einem mikrokosmos arbeiten, indem klar ist, dass fähige köpfe das entscheidende und eigentlich einzige kapital eines erfolgreichen unternehmens sind.

stellt euch mal vor, ein "chef"arzt schmeisst den ultraschallkopf des brandneuen sonos regelmässig auf den boden und trampelt drauf rum. er würde natürlich sofort vom krankenhausträger abgemahnt werden.

wer in der industrie seine mitarbeiter so behandeln würde, wie die kliniker ihre sog. "assistenten", der würde die gleichen reaktionen ernten wie der ultraschallkopfzerstörer im beispiel und wäre niemals in eine leitende position gekommen.

schaut euch doch mal in den kliniken um. mein (subjektiver, natürlich nicht falsifizierbarer und damit unwissenschaftlicher) eindruck ist, dass nur noch intellektuelle nichtschwimmer mit helfersyndrom eine rein klinische stelle in deutschland annehmen. ich habe in meinem jahr in boston und durch etwas wissenschaft viele komilitonen kennegelernt, die ich subjektiv für sehr gut und engagiert halte.

aber keiner, auch nicht ein einziger, würde je eine rein klinische stelle in deutschland annehmen !!! 2 gehen als interns nach usa (u penn und mayo), 1 zu accenture (unternehmnsberatung), 1 als trainee zu aventis (50 000 euro anfangsgehalt, "sie sind ja promoviert"), 1 macht mba in usa, 2 sind nach uk gegangen (oxford, der eine als house officer der andere als phd student). ich würde mich nicht in diese reihe stellen wollen, gehe aber trotzdem für das aip mit einem postdoc stipendium an ein max planck institut.

klinik? niemalsin deutschalnd! für das aip höchstens pro forma ein paar monate, falls die kliniker wegen der bescheinigung rumzicken sollten. wenn ich klinisch was lernen will, nehme ich die house officer stelle in cambridge an, die man mir während des pjs dort angeboten hat.

zum schluss noch viele grüsse an alle willenlosen kriecher, die nur, um von den omas "frau doktor" genannt zu werden, im deutschen kliniksbetrieb für 1300 euro brutto 80 std. pro woche arbeiten erledigen, die man eigentlich an jugendliche straftäter vergeben sollte ....

best regards,

chauvi-pj-studi<<



Naja, ist doch eigentlich kein Wunder, das immer mehr Komilitonen sich nach dem Studium sich nicht mehr um JEDEN PREIS verdingen wollen. Der Brain Drain der Besten ins Ausland/Forschung, und der Abkehr vieler mittelmäßiger Absolventen von den schlichten Klinikstellen wird man ohne umfassende Reformen der Arbeitsbedingungen (nicht nur des Gehaltes) nicht ewig kompensieren können-

If you pay peanuts, you´ll only recruit monkeys-

hobbes
19.06.2002, 14:53
Hallo Heiko

Deine Argumentation tönt nach "Friss oder stirb ". Entweder man ist zufrieden, mit dem was man als AA vorgesetzt bekommt, schliesslich hat man das Studium ja gewählt und seinen Spass an der Arbeit - oder aber man soll sich was anderes suchen (Pharmaindustrie...). Zudem argumentierst du auf der volkswirtschaftlichen Ebene: Löhne sind also nie angemessen, sondern sind das Ergebnis von Angebot und Nachfrage.

Ich muss dir widersprechen.
1. kann man durchaus eine befriedigende Arbeit als AA finden und trotzdem - meinetwegen subjektiv - zuwenig Lohn für den hohen Aufwand erhalten. Es ist eine Legitimation jedes Arbeitnehmers (im Sinne der Markwirtschaft) für seine Ansprüche einzusetzen und zu wehren. Und weshalb sollen sich die Mediziner nicht noch vermehrt gemeinsam für ihre Arbeitsbedingungen wehren und Druck aufsetzen?

2. Der Arbeitsmarkt für Ärzte ist kein eigentlich freier Arbeitsmarkt! Die Entlöhnung und die Arbeitsbedingungen werden vom Staat festgesetzt. Die Zulassung zum Medizinstudium ist limitiert. Eine Praxiseröffnung braucht eine staatliche Zustimmung. Es kann keine Rede sein von wegen Marktlöhnen.

3. If you pay peanuts, you´ll only recruit monkeys. Dieser Satz meines Vorrederns in diesem Forum stimmt doch vollumfänglich. Mit den immer schlechteren Arbeitsbedingungen steigt die Anzahl ausländischer Ärzte. Ich behaupte nicht, diese seien schlechter. Aber eines ist sicher: Wenn wir ausländische Ärzte einstellen hat Deutschland keinen Einfluss auf die Bestimmung der Ausbildungsziele dieser Ärzte. Damit geht der wesentlichste Anteil der Qualitätskontrolle im Gesundheitswesen verloren. Dies ist der Qualität sicherlich abträglich.

4. Es ist eine Tatsache, dass junge Leute, welche ein Studium auf sich nehmen, einen langen und beschwerlichen Ausbildungsweg betreten. Die Motivation dazu liegt sicherlich auch in der Aussicht auf ein gutes Leben und einen befriedigenden Beruf. Dies auch als Kompensation für die Entbehrungen in der Ausbildung. Damit konkurriert das Medizinstudium mit allen anderen Studiengängen. Mit der Verschlechterung der Zustände im Arztberuf sinkt die Motivation Medizin zu studieren. Immer mehr Medizinstudenten werden somit wohl andere Motivationen aufweisen, wie das Helfen wollen, das Arbeiten mit Menschen, u.s.w. Dies ist selbstverständlich gut und recht, reicht aber für die Gewährleistung einer guten Medizin nicht aus. Diese oft illusorischen Motivationen werden nach kurzem Klinikalltag mit der Desillusion gestraft. Viele werden ihren Beruf nie klinisch ausüben. Das finde ich schade.
Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Die sog. social skills (Sozialkompetenz, Empathie, Kommunikationstalent, etc.) sind für einen Arzt das A und O. Doch diese Fähigkeiten werden auch im Recht, in der Wirtschaft und sogar in der Politik erwartet. Es sind nicht Eigenschaften, die speziell für das Medizinstudium prädisponieren.
Ich höre recht oft das Argument "was bringt ein summa cum laude, wenn der Arzt dafür ein sozialer Krüppel ist". Das ist zwar richtig, die Assoziation von gutem Abschluss und schlechter Sozialkompetenz ist jedoch falsch und zeugt von Frustration der Aussagenden. Ich stelle hier die Frage, was bringt Sozialkompentenz ohne Fachkompetenz?

5. Wohl arbeiten auf BWL und Juristen hart und haben lange Arbeitszeiten, wenn sie Karriere machen wollen. Doch sie werden dafür honoriert. Nicht jeder BWL oder Jurist schiebt eine 70-Std Woche, nicht jeder von ihnen mach die gleich steile Karriere. Aber praktisch jeder AA schiebt eine 70-Std Woche, das ist selbstverständlich, es ist seine PFLICHT - und diese wird weder lohnmässig noch moralisch gutiert.

6. Der Druck auf die Gehälter bei Medizinern hat mit dem starken Anstieg der Gesundheitskosten begonnen. Die Logik, das Gesundheitswesen werde billiger, wenn die Ärzte bloss nicht so unverschämt viel verdienen, ist ganz offensichtlich falsch! Stoppt die Polemik!

:-meinung

hobbes
19.06.2002, 14:57
und gleich noch was.
Was ist es eigentlich für eine Unart den jungen Medizinanfängern Wartesemester aufzuerlegen?? Jeder einigermassen zielstrebige Student mit Ambitionen wird sich doch spätestens hier für ein anderes Studium entscheiden!
Soll die Selektion der Mediziner sich jetzt daran richten, wie lange jemand bereit ist auf sein Studium zu warten und damit älter zu werden?

Thomas24
23.06.2002, 10:05
Original geschrieben von hobbes
und gleich noch was.
Was ist es eigentlich für eine Unart den jungen Medizinanfängern Wartesemester aufzuerlegen?? Jeder einigermassen zielstrebige Student mit Ambitionen wird sich doch spätestens hier für ein anderes Studium entscheiden!
Soll die Selektion der Mediziner sich jetzt daran richten, wie lange jemand bereit ist auf sein Studium zu warten und damit älter zu werden?

Jeder "einigermassen zielstrebige Student mit Ambitionen" dürfte in Deutschland keine Probleme haben, einen Studienplatz zu bekommen. Im Gegenteil: es ist sogar kein Problem für eine erkleckliche Anzahl von Leuten, "ohne Ambition"- man braucht nur Sitzfleisch...

Selektion? Selektion findet vielleicht in der freien Natur statt- aber nicht an deutschen Universitäten. Wir haben in der Medizin das Prinzip der Selektion schon lange verlassen und ersetzt durch ein merkwürdiges System von "Schiffe- versenken- Examina", Quotenregelungen, "Gefälligkeitsfamulaturen", usw...

28.06.2002, 23:25
möchte Euch bzgl.Einnahmesituation etwas beruhigen
->werdet Hausarzt im Pott!! nicht in München!!
->mit etwas überdurchschnittlicher Allg.praxis(1300 -
1500 Scheine + ca 150 PP`s/Quartal) im Jahre 2001
590000 Umsatz/290000 Einkommen vor St.(leider DM)
45-50 Std/Woche(je nach Jahreszeit)/dank kollegialem
Nachtdienstzirkel ein Nachtdienst alle 6 Wochen//
Wochenenddienste machen die "notleidenden" KH-Kollegen
(durchschnittlich 600 Euro/12 Std.Schicht)
(war natürlich nicht immer so:vor 15 J.begonnen mit
300 Scheinen /immer rufbereit=7X24Std/Woche und
so viele Notdienste,wie ich kriegen konnte)