Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arztfamilien
@hez
ich glaub nicht dass sich jemand auf den schlips getreten gefühlt hat. mir kam es einfach so vor als würde dich das interessieren und wer lust hatte zu antworten der hat das getan und wer nicht der hat das bleiben lassen. ich glaub da brauchst du dir keine gedanken zu machen.
ganz genau, wer nicht mag, muß ja auch nicht antworten :-meinung hier muß niemand erzählen, wenn er nicht will.
Und ich fands sehr interessant :-top
lemonsoda
23.02.2006, 13:05
Den "Aufstieg" aus dem "Proletariat" in (zumindest halb-) akademische Gefilde haben meine Eltern schon vollzogen.
Mein Vater, Sohn eines Musikers (Unterhaltungsmusik) und einer Lebenskünstlerin (die aber immer einen Job hatte) ist Grund-, Haupt-, und Realschullehrer (Musik und Bio als Hauptfach) geworden, weil das damals nur 3 Jahre gedauert hat und es noch kein Referendariat gab. Für meine Oma war es nie eine Frage, dass ihre Jungs auf Gymnasium gehen.
Meine Mutter, ihr Vater Schlosser, ihre Mutter Hausfrau, musste sich den Gang aufs Gymnasium hart erkämpfen - im Ruhrgebiet der 60er Jahre kam gar niemand auf die Idee, dass ein Arbeiterkind aufs Gymnasium gehen könnte. Sie hätte wohl gerne Medizin studiert - was aber finanziell nicht möglich war - und ist Sek II - Lehrerin für Mathe und Bio geworden.
Meine eine Schwester studiert Jura, die andere bastelt grade ihr Abi.
Von meinen Eltern aus hätten wir noch nicht mal Abitur machen müssen...
Das einzige, was von uns erwartet wird, ist, dass wir das was wir tun auch durchziehen und dass ein Ziel erkennbar ist (wobei ich der Beweis dafür bin, dass sie einem einen kurvenreicheren Weg auch verzeihen und sogar finanzieren...).
Die Leute, mit denen ich an der Uni so zu tun hab haben fast alle ein nicht-akademisches Elternhaus. Ein Lehrerskind ist dabei, ein Chemikerkind und zwei Arztkinder. Aber bei denen waren es auch alle die Eltern, die den "Aufstieg" vollzogen haben. Vielleicht ist da doch ein Unterschied, dass man sich erkennt. Dass es einen Unterschied macht, von Menschen erzogen zu werden, die eine (materiell) entbehrungsreiche Kindheit hatten, und deren Eltern sich Schulbücher für die Kinder (vor der Lehrmittelfreiheit) teilweise vom Mund abgespart haben...
Vielleicht ist es aber auch nur Zufall, dass ich noch nie mit jemandem enger befreundet war, dessen Familie seit mehreren Generationen zum "Akademikerclub" gehört...
Im übrigen ist es mir ein großes Rätsel, wie man auf Umstände stolz sein kann... Ich bin stolz (oder eher froh), die Enkelin meines Großvaters zu sein, weil er ein wahnsinnig toller und integrer Mensch ist - aber doch nicht wegen des Berufs, den er ausgeübt hat :-nix.
LG
Soda
Hoppla-Daisy
23.02.2006, 14:24
Arbeiterkind und ebenfalls stolz drauf :-))
Das einzige akademische Wesen in unserer Familie ist mein Bruder, der sich die Rechtsverdrehereien der Herren Linksanwälte anhören muss. Er ist damals nicht direkt die Promotion angegangen, und heute findet er irgendwie keine Zeit mehr dafür. Würde ich also "auf meinen alten Tag" nun auch noch auf den Trichter kommen zu promovieren, würde ihn das glaube ich ein klitzebißchen fuchsen ;-). Aber da das nicht zur Debatte steht... Brüderlein, kannst dich entspannt zurücklehnen.
OFF-TOPIC: Was mir allerdings eher Nach- als Vorteile bringt, ist die Namensgleichheit mit einem bekannten Physiologen. Jedesmal, wenn ich irgendwo meinen Namen nennen muss, werde ich sofort gefragt, ob wir verwandt seien. Und das sind dann die Momente, wo ich mir zähneknirschend denke: "Na toll, jetzt hat der Name auch noch ein Gesicht". Vielleicht liegt es ja daran, dass Physio mein Angstfach geworden ist *Erklärung such*.
netfinder
23.02.2006, 15:03
Im übrigen ist es mir ein großes Rätsel, wie man auf Umstände stolz sein kann... :-dafür :-dafür
Im übrigen ist es mir ein großes Rätsel, wie man auf Umstände stolz sein kann... Ich bin stolz (oder eher froh), die Enkelin meines Großvaters zu sein, weil er ein wahnsinnig toller und integrer Mensch ist - aber doch nicht wegen des Berufs, den er ausgeübt hat :-nix.
Um den Ausdruck "Stolz" am Beispiel meines Vaters festzumachen:
Meine Grossmutter hatte 4 Brüder, zwei sind gefallen, 2 sind (kath.) Pfarrer geworden. Weil mein Vater quasi bei den beiden aufgewachsen ist, war schon recht früh klar, daß er auch Theologie studiert. Das hat er auch gemacht inklusive Priesterseminar, dann wurde es ihm zu blöd, und er hat in der kürzest möglichen Zeit Psychologie studiert, promoviert und habilitiert. Auf die Leistung bin ich stolz.
1.) Hätte er Theologie abgeschlossen und wär Pfarrer geworden: Würd es mich nicht geben.
2.) Da er aus der echten Arbeiterklasse stammt, waren in seiner Familie nie finanzielle Sprünge möglich. Nur weil er sich den Arsch bis zum Anschlag aufgerissen hat wohnen wir heute in einer ETW und ich kann ohne finazielle Sorgen studieren.
Versteht mich nicht falsch, es liegt mir fern mit dem Status oder Namen meiner Eltern hausieren zu gehen, ich möchte das auch nicht an die große Glocke hängen. Um genau zu sein kann ich Titelversessenheit, wie es sie in Bayern od. Österreich gibt, nicht ausstehen. Meinem Vater ist es unangenehm, wenn er mit "Herr Professor" angesprochen wird.
Darum geht's auch nicht, aber erbrachte Leistungen zu schätzen und zu respektieren kann ja nicht falsch sein, oder?
Außerdem liebe ich meine Eltern über alles, wenn da ein wenig subjektive Emotion rein kommt, darf man das auch nicht soooo bierernst nehmen.
Ich bin auch stolz auf meine ganze Familie...mit all ihren Fehlern sind sie, also v.a. meine Eltern und beide Großeltern, einfach total (frei nach meinem Opa) "feine Kerle" :-dafür :-) :-) :-) :-)
Daughter_Of_Hell
23.02.2006, 20:33
in meiner Familie bin ich die erste und einzige Studierende..
Eltern und Großeltern-komplett Handwerker..Und ich kann nur dagen:geschadet hats mir auf keinen Fall...
Um genau zu sein kann ich Titelversessenheit, wie es sie in Bayern od. Österreich gibt, nicht ausstehen. Meinem Vater ist es unangenehm, wenn er mit "Herr Professor" angesprochen wird.
Ähm, seit wann ist man denn in Bayern titelversessen??
Austria verstehe ich ja, mit Frau Magister XY oder Hr Hofrat XX - aber diesseits der Grenze sind wir eigentlich ganz normal (denke ich zumindest ;-) ) !! Kann natürlich sein, dass ein paar "eingewanderte Preußen" :-)) ;-) titelversessen sind .... :-music !!
Dr. Pschy
24.02.2006, 08:20
Dem stimme ich zu, eine Titelversessenheit kann ich hier in Bayern (ganz im Gegensatz zu den Austrianern, kenn ja mittlerweile beide Seiten sehr gut) nicht ausmachen.
A) Bin kein Saupreis, hab bayrisches Blut in meinen Adern...
B) Zugegeben, ich war erst in einem bayrischen KH, *räusper*, in einem fränkischen, und da heisst es nicht "Hallo, Herr soundso" sondern "Guten Morgen, Herr Oberarzt", bitte um Verzeihung für meine Verallgemeinerung.
Salmonella
24.02.2006, 10:32
... ich war erst in einem bayrischen KH, *räusper*, in einem fränkischen...
franken sind doch gar keine richtigen bayern....hehe
*indeckunggeh*
:-D
Sidewinder
24.02.2006, 11:07
Also Mediziner gibt's in meiner Familie erst in jüngster Zeit, meine Schwester hat Medizin studiert und ist jetzt Ärztin in Nürnberg, und mein Cousin ist Allgemeinarzt in Ergolding bei Landshut.
Ich habe noch eine weitere Schwester, zu der ich allerdings keinen so guten Kontakt habe, die ist in Nürnberg bei der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration, ich weiß aber nicht so genau, was die da macht. Außerdem habe ich noch einen Bruder, der ist im Management/Vorstand von Fujitsu Siemens in München, daher sehr viel im In- und Ausland unterwegs!
Beide haben also relativ wenig mit der Medizin zu tun, haben aber beide studiert!
Unter meinen Großeltern und Eltern gab's gar keine Akademiker:
Mein Großvater mütterlicherseits war Zimmermeister, meine Oma war Angestellte auf der Post. Meine Großeltern väterlicherseits waren Kaufmann/Expedent in einer Firma und Köchin.
So und dann zu guter letzt noch meine Eltern: mein Vater war gelernter Porzellanmodelleur und meine Mutter war Porzellandruckerin (mittlerweilen in Rente!).
Was ich eigentlich immer gut fand, das war, daß es uns Kindern schon immer frei gestellt war, was wir machen wollten. Auf uns wurde nie Druck ausgeübt, daß wir in der Schule besonders gut sein müssten oder daß wir unbedingt studieren müssen. Das soll jetzt nicht heißen, daß das in Akademikerfamilien ander ist, nicht daß sich noch jemand auf den Schlips getreten fühlt, ich will eigentlich nur feststellen, daß es eben bei uns niemals "Pläne" dafür gab, was wir Kinder zu machen hätten!
Aber irgendwie haben wir doch alle studiert bzw. tun es noch, wie in meinem Fall! Ich darf mal behaupten, daß unsere Kinder dann wahrscheinlich schon sagen werden, sie stammen aus einer Akademikerfamilie...da wären wir jetzt ja quasi die erste Generation!
...
franken sind doch gar keine richtigen bayern....hehe
*indeckunggeh*
:-D
und wir wollen auch gar keine sein! so! :-))
:-winky ich bin ein Akademikerkind.
Gruselig:
In meiner Familie gibts ne Akademikerinflation.
1. Generation (Oma, Opa, Großtanten...) = 0 Akademiker
2. Generation (meine Eltern und ihre vielen Geschwister/Cousins) = 4
3. Generation (meine Geschwister, unzähligens Cousins und ich) = deutlich weniger als die hälfte aber doch einige
4. Generation (die Kinder meiner Cousins) = fast alle
Oh nein! Bald wird sich keiner mehr auf seine tolle Arbeiter (oder besser: Landwirtschafts)herkunft berufen können. Ärzte oder Medizinstudenten gabs allerdings noch nie, die sind bei uns mehr so im Ingenieurs/Naturwissenschaftlichen Bereich.
Ich glaube schon, dass ich Vorteile hatte.
Weil meine Eltern Schule wichtig fanden, in den kleinen Klassen mit mir gelernt haben, weil wir viele Bücher zu Hause hatten, weil sie genug Geld hatten damit ich im Sportverein sein konnte und Musik machen konnte und ein Auto hatten, mit dem sie mich wenn nötig durch die Gegend fahren konnten, weil sie mit mir kluge Fernsehsendungen geschaut haben und ganz als Kind schon Spiele angeboten haben, wo man denken musste, weil sie nie meinen Wissensdurst bebremst hätten, weil sie oft eine Antwort auf meine Fragen hatten, weil sie mir nie gesagt hätten ich soll was Gescheites lernen und meine Nase nicht so in die Bücher stecken, weil sie es toll finden, dass ich studiere..... usw usw.
Das ist alles überhaupt nicht selbstverständlich, in vielen Familien ist das anders.
Warum sollte man einen Hehl daraus machen? Ich bin dankbar dafür.
lemonsoda
25.02.2006, 12:53
@ GOMER
das ist das, was ich sagen wollte:
Auf Leistung - eigene, oder die nahestehender Menschen - kann man stolz sein.
Aber wo liegt die Leistung, einfach irgendwo hineingeboren zu werden?
In eine Familie, eine gesellschaftliche Schicht, eine Nation, eine Hautfarbe...?
Das ist meiner Meinung nach ein irriges Konzept.
LG
Soda
Nun, der Begriff Stolz ist halt doch irgendwie ein hartes Wort:
z.b.: "Ich bin stolz Deutscher zu sein" oder "Ich bin stolz Arztkind zu sein", sind zwei Aussagen die mich eher abstoßen würden, aber "Ich bin stolz darauf, was meine Familie erreicht hat" klingt nicht schlecht, oder man kann auch sagen "Der Bub trägt das Fußballtrikot, das er von seiner Oma bekommen hat mit Stolz".
Is halt doch ein sehr subjektiver Ausdruck, sollten wir villeicht in diesem Thread nicht mehr benutzen, zu schnell fühlt sich so mancher auf den Schlips getreten.
suzi1609
27.02.2006, 18:43
So, mein Senf kommt auch nocht dazu :-))
Meine Mutter: Dr. habil. oec, oder so. Sie war und ist aus ihrer Familie die einzige die studiert hat. Oma hatte immer nur Aushilfsjobs, Opa war Fahrschullehrer und die Geschwister sind Hebamme und Kfz-Mechaniker. Mein Vater ist auch Dr. oec. Seine Mutter war wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kreisverwaltung und sein Vater Direktor der Volkshochschule, weiß aber nicht genau, was er studiert hat. Der Bruder von meinem Vater ist Physiker, auch ein Doktor ;-) Meine Schwester ist Oberstufenlehrerin für Deutsch und Englisch. Sie unterichtet jetz aber in London auch Französisch, obwohl sie das nie studiert hat und wahrscheinlich weniger kann als ich :-wow
Mein kleiner Cousin will jetzt Rettungssanitäter werden, dann ist unsere Familie zusammen mit der Tante als Hebamme zumindest von medizinischen Berufen durchsetzt :-D
Meine 3 engsten Freundinnen, noch aus der Schulzeit machen übrigens Medizin, Pharmazie und Ergotherapie :-top
luckyscrub
27.02.2006, 19:57
väterlicherseits: Großvater ev. Pfarrer, Großmutter Hausfrau
Vater: Bankkaufmann
mütterlicherseits: Opa: Bergmann, Oma: Hausfrau
Mutter: Großhandelskaufmann, Personalkauffrau,
Bankkauffrau
Schwester: Geisteswissenschaftlerin (Germanistik, Latein)
bin die einzige in der engeren Verwandtschaft, die in den med. Bereich gegangen ist. Gut mein Onkel und Tante sind Krankenpfleger und deren Söhne Physiker und Arzt, aber ich habe nicht viel mit denen zu tun...
Sonst habe ich noch eine Cousine, die Ärztin ist, aber die gehört definitiv einer anderen Generation an!
Meine besten Freundinnen sind allerdings genauso wie ich Krankenschwestern (die eine wird allerdings noch Lehrerin...)
Meine Mum hätte sicher das Gymi geschafftt, hatte aber leider nicht die Möglichkeit. Nach dem Tod meines Vaters hat sie sich aber noch sehr weitergebildet, um ihrem Töchtern ein Studium (mit-)finanzieren zu können. Dafür bin ich ihr sehr, sehr dankbar.
Denke, dass Arztkinder ggf. einen Vorteil haben, weil sie mit der nahen Verwandtschaft über fachliche Angelegenheiten sprechen können....das kann aber auch ein hemmender Faktor sein
hallohaldol
02.03.2006, 13:05
bin bei uns in der familie der erste mit abi.
mutter bürokauffrau
vater leitender op fachpfleger
...also doch schon ne med. vorgeschichte...
halb/pflegebruder offsetdrucker
nur 1 student im freundeskreis,alle andren ohne abi
verlobte lehramtsstudentin....wenns gut geht pünktlich zu meinem studienbeginn referendarin...
ende des sozial-striptease :-D
grüsse,dominik
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