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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Operation geglückt, Patient tot



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calippo
10.07.2006, 19:30
@ turnusknecht: wenn ich jetzt mal im nachhinein überlege, hätte ich erstens selber vieles anders gemacht und zweitens wundere ich mich immer wieder, wieso ich denen nicht mal auf den tisch kacken konnte (lag wohl am schlechten postoperativen allgemeinzustand) :-)

das einzige war riopan!!! was mir die schwester immer gegeben hat ohne bescheid zu sagen!
hinterher hat der chef dann doch kapiert, dass protonenpumpenhemmer angebracht wären... dann aber mit dem tilidin zusammen! war aber auch die beste kombi, aber erst nach laaaaangem ausprobieren.

haemoglobinchen
13.10.2006, 17:40
Also, ich hab zwar noch nicht so viel klinisch Erfahrung wie ihr und (zum Glück) in solchen Sachen auch noch keine Entscheidung zu treffen, aber man kriegt ja trotzdem so einiges mit (Pflegepraktikum, BlockP Hämotonkologie ... miese Schicksale), deswegen fand ich den Thread hier auch sehr interessant.
Was mich nachdenklich gemacht hat ist: Irgendwer hat hier gesagt, man sollte sich "die Frage "was, wenn ich/ meine Mama/ mein Opa..." " mal stellen, wenn man was entscheiden muss.
Ich kann nur so viel sagen, dass ich mir die wahrscheinlich besser nie stellen sollte ... denn wenn ich so das ein oder andere mitkriege, dann mache ich mir da doch so meine Gedanken, dass ich das selber vielleicht alles gar nicht so lange mitmachen wollen würde. Mit dem Unterschied, dass ich besser als irgendein Patient halt auch für mich beurteilen könnte, wann es vielleicht nicht mehr so viel Sinn macht. Dass ich vielleicht aber auch jemand bin, der halt lieber in Anstand gehen würde als zu leiden, was ja auch nicht bei allen so ist.
Insofern denke ich, dass ich wohl eher drauf achten muss, so einen Fall medizinisch distanziert (also naja, im nötigen Maße meine ich) zu betrachten und weniger nach dem zu entscheiden, was ICH wollen würde ...

Turnusknecht
14.10.2006, 10:28
ich glaube, man sollte sowieso nie entscheiden, was man selbst für richtig hält (oder vermeintlich richtig, wenn es die eigene verwandtschaft wäre)....sondern immer in dem sinne, was der Patient wünscht!

Lava
14.10.2006, 11:37
Schon, aber da kommt man auch an seine Grenzen. Als medizinischer Laie weiß der Patient/die Angehörigen vielleicht gar nicht, was die Entscheidung nach sich zieht, die man da trifft. Natürlich sollte man den Patienten soweit aufklären, dass er auf einer soliden Grundlage seine Entscheidung treffen kann, aber in Notsituationen fehlt wahrscheinlich so gut wie jedem der Weitblick... operiert man die 85jährige Oma noch, probiert man nochmal eine andere Chemotherapie, macht man die Maximaltherapie bei einer SAB Hunt&Hess °4, reanimiert man jemanden mit dem Risiko, dass er hinterher einen hypoxischen Hirnschaden hat? Die moderne Maedizin kann viel mehr als manchmal gut ist.

haemoglobinchen
14.10.2006, 16:04
Das Problem ist, denke ich, dass man als Arzt ja für jede Entscheidung des Patienten letztendlich der Berater ist, da man dem Patienten ja die Möglichkeiten erklären muss. Gerade deshalb ist es wohl schwierig, die eigene Meinung dann da rauszuhalten und den Patienten nicht doch irgendwie zu beeinflussen durch die eigene Sichtweise ...

Lava
14.10.2006, 18:39
Richtig. Ich erlebe es nicht selten, wie der Chef oder einer der OÄs den Assis einimpft, in welche Richtung sie den Patienten schieben sollen. Wenn z.B. die Möglichkeit einer Bestrahlung, einer endovaskulären Embolisation oder einer OP besteht, wird ein Chirurg immer die Vorzüge der OP besonders hervorheben, wenn er dem Pat seine Optionen darstlegt. :-D

Lian
20.10.2006, 20:16
Es gab weiter vorne die Frage nach aktiver Sterbehilfe und ein Fall wurde angeführt, bei dem man wirklich anfängt über aktive Sterbehilfe nachzudenken. Allerdings sind das genau die Fälle, in denen man sagen muß, die Lösung ist nicht aktive Sterbehilfe, sondern verantwortungsvoller Umgang mit Medizin. Bei uns in Erlangen gibt es ein Seminar über Palliativmedizin, wo viele Ärzte, Pfleger und auch Pfarrer ihre Erfahrungen austauschen und etwas lernen können. Auch über Schmerztherapie. Und eines wurde immer wieder klar: aktive Sterbehilfe wird nur von Menschen gewünscht, die Angst haben (müssen), beim Streben nicht gut betreut zu werden. Oder eine PEG oder sowas geschoben zu bekommen, obwohl man ihnen dadurch noch Jahre des Leidens oder Dahin-Dämmerns garantiert.
Dagegen gibt es einiges zu tun:
1.) Patientenverfügung schreiben, und zwar, wenn man noch kann. Es ist schwierig, sich mit seinem Tod auseinander zu setzen, wenn man noch keinen Grund dazu hat, aber vielleicht erleichtert es einem später dann doch einiges. (Und auch den Angehörigen und Ärzten, die im Sinne des Patienten entscheiden müssen.)
2.) Es ist erlaubt, die Therapie zu begrenzen. Man darf den Patienten nicht leiden lassen und verdursten, aber alles andere darf man abschalten. Auch Perfusor, ohne die beispielsweise "das Herz stehen bleibt" oder ähnliches. Natürlich darf man sowas nicht "einfach so", ohne Rücksprache mit Angehörigen oder sonstwas. Aber viele Angehörige wissen noch nicht einmal, daß "die Geräte" auch abgeschaltet werden dürfen. Daß man nicht reanimieren _muß_ , wenn jemand stirbt.
Wenn man einen verantwortungsbewußten Palliativmediziner hat, dann kann er verhindern, daß man glaubt ersticken zu müssen. Und man braucht keine Schmerzen zu haben. Und man kann schnell und würdig sterben, wenn es nach aller Dafürhalten (denn wirklich _sicher_ ist das ja eh nie) so weit ist. Dafür braucht man keine aktive Sterbehilfe. Aktive Sterbehilfe brauchen wir dann, wenn die Medizin versagt und ihre Verantwortung vergißt. Und wenn das Geld so knapp wird, daß eine gute Palliativmedizin als zu teuer erachtet wird, weil man kann die Leute ja auch töten, das kostet weniger. Und ist das echt ein gutes Argument für aktive Sterbehilfe?

anba
20.10.2006, 20:31
Patientenverfügung schreiben, und zwar, wenn man noch kann.
Kleine Ergänzung zu diesem sehr guten Beitrag: Eine Vorsorgevollmacht ist mindestens ebenso wichtig wie die Patientenverfügung; eher noch wichtiger.

McBeal
21.10.2006, 08:20
zur Patientenverfügung: Problematisch ist, dass diese Verfügungen ein Jahr lang gelten, man, wenn es ein bisschen länger her ist, dass der Patient sie geschrieben hat, sich auch noch nach ihr richten darf, sie aber dann verfallen. Soviel zum Thema: schreiben, wenn man noch kann. Manche Menschen schreiben ihre Patientenverfügungen nämlich auch zu früh bzw. vergessen, nach einiger Zeit wieder eine neue zu schreiben. Daran sollte man sie unbedingt erinnern!! :-meinung

LG,
Ally

anba
21.10.2006, 08:30
zur Patientenverfügung: Problematisch ist, dass diese Verfügungen ein Jahr lang gelten,
AllyÜber gesetzlich vorgegebene Verfallsdaten von Patientenverfügungen ist mir nichts bekannt, aber gerade deshalb ist es wichtig, jemanden zu haben, der im Fall des Falles meinen in der Patientenverfügung geäußerten Willen durchsetzen kann.

Grüße, anba

McBeal
21.10.2006, 08:39
Über gesetzlich vorgegebene Verfallsdaten von Patientenverfügungen ist mir nichts bekannt, aber gerade deshalb ist es wichtig, jemanden zu haben, der im Fall des Falles meinen in der Patientenverfügung geäußerten Willen durchsetzen kann.

Das mit dem Verfallen kam bei uns in Ethik-, Anästhesie- und Geriatrievorlesung dran... Keine Ahnung, wie das GENAU geregelt ist. Aber jemanden zu haben, ist auf jeden Fall das Beste, nur leider heutzutage nicht mehr selbstverständlich...

LG,
Ally

anba
21.10.2006, 08:46
Keine Ahnung, wie das GENAU geregelt ist.Leider noch gar nicht.


Aber jemanden zu haben, ist auf jeden Fall das Beste, nur leider heutzutage nicht mehr selbstverständlich...Ja, es hat sehr lang gedauert, bis ich die ichtigen Leute gefunden habe. Aber es ist wichtig, weil man sonst vom Gericht einen Betreuer bekäme.