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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitsbedingungen/Anforderungen wirklich so hart? Erfahrungen praktizierender Ärzte!



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Picknicker
29.03.2006, 14:03
Deshalb geh ich unter gar keinen Umständen an eine Uniklinik! Auch wenn´s mit der Stellensuche noch länger dauert. Auf Forschen hab ich keine Lust (Doktorarbeit lieber während des Studiums machen), Professor will ich keiner werden, Freizeit will ich auch ein bißchen haben usw. Aber jeder nach seiner Facon...

Werwolf
29.03.2006, 18:21
Hier ist übrigens ein recht umfassender Artikel: klick (http://www.paediatrie-links.de/streik.htm)

FataMorgana
29.03.2006, 21:25
Ich kann mich den Beschreibungen der anderen Jungärzte nur anschließen. Ich habe die gleichen Erfahrungen gemacht, die Klinik verlassen und arbeite jetzt im Labor. Dort muss man auch viel arbeiten, aber es ist nicht ganz so stressig. Man ist auch nicht Einflüssen von ganz so vielen Seiten ausgesetzt (weniger Patienten, keine Angehörigen, etwas flachere Hierarchie, keine mauligen Schwestern, keine ätzende Verwaltung, etwas weniger Bürokratie). Insgesamt habe ich eine für mich erträgliche Nische gefunden, die Arbeit macht mir im Prinzip Spaß, obwohl auch hier die Bedingungen nicht so sind, wie man sich das wünscht.

Gwendoline
30.03.2006, 09:50
Hier ist übrigens ein recht umfassender Artikel: klick (http://www.paediatrie-links.de/streik.htm)

Ich glaub, ich hab ein déjà-vu!
:-))

Werwolf
30.03.2006, 16:39
Ich glaub, ich hab ein déjà-vu!
:-))


Huch! Sorry, hatte da nicht draufgeklickt... :-blush

Dedi
30.03.2006, 20:11
Ich kann mich den Beschreibungen der anderen Jungärzte nur anschließen. Ich habe die gleichen Erfahrungen gemacht, die Klinik verlassen und arbeite jetzt im Labor.

Wo denn? Für welchen FA? Labormedizin?

MatzeXXL
31.03.2006, 18:01
Was macht man denn in Labormedizin und Mikrobiologie als Facharzt so den ganzen Tag über?

FataMorgana
02.04.2006, 07:20
Wo denn? Für welchen FA? Labormedizin?

In einer Laborarztpraxis in Süddeutschland. Als Fachärzte werde ich Labormedizin und Mikrobiologie machen.

FataMorgana
02.04.2006, 07:21
Was macht man denn in Labormedizin und Mikrobiologie als Facharzt so den ganzen Tag über?

Wenn Du die Frage schon so stellst, habe ich fast keine Lust, darauf zu antworten. Klingt irgendwie nach dem Klischee, dass man rumsitzt und Däumchen dreht. Dem ist nicht so, und wenn es Dich wirklich interessiert, kann ich bei Gelegenheit mal was dazu schreiben.

FrederikMD
02.04.2006, 07:47
Ich komme mir bei diesen Themen immer etwas komisch vor, ich höre hier so oft, dass das Ausland die Rettung darstellen würde. In meiner Klinik in den USA arbeiten die Assistenten bis zu 100 h die Woche, sind völlig übermüdet und teilweise wie Gespenster unterwegs. Das sind zusätzliche 6-8 Jahre investiert, in denen man sicher nicht besser bezahlt ist als in Deutschland-und dass mit dem kontinuierlichen Lernen, naja, ich kenne Leute, die vor sleep deprivation kaum den Geburtstag ihrer Frau wiedererkennen, geschweige denn einnem wissenschaftlichen Vortrag o ä lauschen würden ohne sich innerlich auszuruhen. Ich weiss nicht, wieviel die Pharmabranche einem Jungarzt abverlangt, trotzdem ist der Kampf um die Verbesserung der Arbeitszeit extrem wichtig, da doch mehr als die Hälfte der Jungärzte ins Krankenhaus geht.

Evil
02.04.2006, 09:38
Klingt irgendwie nach dem Klischee, dass man rumsitzt und Däumchen dreht. Dem ist nicht so, und wenn es Dich wirklich interessiert, kann ich bei Gelegenheit mal was dazu schreiben. Genau, sonst würden die Mibis und Laborleute ja ständig uns Gasleute auf 'n Kaffee besuchen kommen ;-)

Altruist
02.04.2006, 11:08
Ich komme mir bei diesen Themen immer etwas komisch vor, ich höre hier so oft, dass das Ausland die Rettung darstellen würde. In meiner Klinik in den USA arbeiten die Assistenten bis zu 100 h die Woche, sind völlig übermüdet und teilweise wie Gespenster unterwegs. Das sind zusätzliche 6-8 Jahre investiert, in denen man sicher nicht besser bezahlt ist als in Deutschland-und dass mit dem kontinuierlichen Lernen, naja, ich kenne Leute, die vor sleep deprivation kaum den Geburtstag ihrer Frau wiedererkennen, geschweige denn einnem wissenschaftlichen Vortrag o ä lauschen würden ohne sich innerlich auszuruhen. Ich weiss nicht, wieviel die Pharmabranche einem Jungarzt abverlangt, trotzdem ist der Kampf um die Verbesserung der Arbeitszeit extrem wichtig, da doch mehr als die Hälfte der Jungärzte ins Krankenhaus geht.

Ohne jeden Zweifel, gibt es kein Land in dem Milch und Honig fliessen.
Unzweifelhaft ist auch, dass gerade die Facharztweiterbildungszeit nicht nur in D. arg verbesserungsbedürftig ist. Dabei ist es egal ob nun UK, USA, oder Australien.
Klar ist auch, dass ein solcher Sprung in solch' neue Gefilde zusätzliche Kosten, Mühen und Zeit bedingen, die es aufzuwenden und zu investieren gilt.

Doch besteht letztlich ein Unterschied zu der Option des Verbleibens und des Arbeitens als Arzt in D.:
Hierzulande has' de als Facharzt (FA) vielleicht 500,-€ mehr/ Monat (wenn überhaupt) bei mindestens gleicher Arbeitszeit (wie zu Assizeiten, wobei es nicht schwer nachzuvollziehen sein dürfte, dass Belastung + Verantwortung im Vergleich zum Assi-status deutlich höher sind!).
Tja, bliebe ja letztlich die tolle Möglichkeit sich als fertiger FA in D. niederzulassen. Meiner Ansicht nach und natürlich überspitzt formuliert = Russisch-Roulett, eine Art Glücksspiel halt, da man schliesslich nicht wahrsagen kann und überhaupt nicht abzuschätzen vermag, an welchen Schrauben und wie stark in nächster Zukunft noch an diesen gedreht werden wird.
So grenzt es doch schon beinahe an Fatalismus dieses Wagnis der Selbstständigkeit einzugehen.

Nun, der finanzielle Aspekt macht doch die USA (ebenso Australien) gerade so interessant.
Wie schaut's denn nach der residency + fellow aus mit dem $.
Ich würde meinen - deutlich besser als hierzulande. Klar bleibt allerdings auch, dass die Arbeitszeiten nicht geringer sind als hier!

Binn gespannt!

Gruß von dem, der jeglichen Idealismus verloren hat

Flagellant
02.04.2006, 12:22
Doch besteht letztlich ein Unterschied zu der Option des Verbleibens und des Arbeitens als Arzt in D.:
Hierzulande has' de als Facharzt (FA) vielleicht 500,-€ mehr/ Monat (wenn überhaupt) bei mindestens gleicher Arbeitszeit (wie zu Assizeiten, wobei es nicht schwer nachzuvollziehen sein dürfte, dass Belastung + Verantwortung im Vergleich zum Assi-status deutlich höher sind!).

Der für das Gros eher unwahrscheinliche "Aufstieg" zum Oberarzt ist u.U. sogar mit Gehaltseinbussen verbunden, da keine Nachtdienste mehr !



Tja, bliebe ja letztlich die tolle Möglichkeit sich als fertiger FA in D. niederzulassen. Meiner Ansicht nach und natürlich überspitzt formuliert = Russisch-Roulett, eine Art Glücksspiel halt, da man schliesslich nicht wahrsagen kann und überhaupt nicht abzuschätzen vermag, an welchen Schrauben und wie stark in nächster Zukunft noch an diesen gedreht werden wird.
So grenzt es doch schon beinahe an Fatalismus dieses Wagnis der Selbstständigkeit einzugehen.

Hier liegt meiner Meinung nach das eigentliche Problem. Die Bedingungen in den Kliniken waren doch noch nie besonders berauschend. Trotzdem haben es die Ärzte immer akzeptiert, weil die Zeit irgendwann überstanden war und man sich selbständig machen konnte.
Genau das ist aber für die meisten heutzutage keine Option mehr. Das KH wird zwangsläufig zum Lebensarbeitsplatz...




Nun, der finanzielle Aspekt macht doch die USA (ebenso Australien) gerade so interessant.
Wie schaut's denn nach der residency + fellow aus mit dem $.
Ich würde meinen - deutlich besser als hierzulande. Klar bleibt allerdings auch, dass die Arbeitszeiten nicht geringer sind als hier!

Binn gespannt!

Gruß von dem, der jeglichen Idealismus verloren hat

Hm, die Amis haben ja ein Verhältnis zur Arbeit, das meiner Meinung nach nicht ganz gesund ist. Da machen dann auch die Dollars nicht froh, wenn man psychisch bei dem Stress dekompensiert und die Familien zerbrechen...genau das habe ich in den Staaten leider immer wieder beobachten müssen... Da scheinen mir die Aussies und Engländer noch etwas zivilisierter zu sein.

Letztlich muß sich aber die Situation in Deutschland verbessern, so einfach ist das mit dem Auswandern ja nun auch nicht...ich will jedenfalls nicht ewig als Jobnomade und Dauersingle leben, und das muß ich ja wohl zwangsläufig, wenn ich meine Auslandspläne nach dem Studium konsequent durchziehen will. :-(

Porschefahrer
06.04.2006, 07:15
@FredMD,

Hier in den USA hat sich eine Menge verändert in Sachen FA, insbesondere mit der Zahl der Arbeitswochenstunden. Die sind jetzt nämlich auf max 80 die Woche begrenzt, keiner darf länger als 36 Stunden am Stück arbeiten, ein Tag die Woche muss frei bleiben. Selbst die Chirurgen haben jetzt ein ganz verträgliches Leben.

Das Rotationsprinzip ist hier absolute Pflicht und wird immer eingehalten. Verstoesse werden mit Schliessung der FA-Programme seitens des ACGME geahndet. Gleiches trifft fuer alle Weiterbildungsmaßnahmen für Assistenten zu.

Und die Bezahlung ist während der FA ist auch ganz in Ordnung. Der Witz am US System ist, dass man mit dem FA-Titel automatisch Oberarzt wird bzw. sich niederlaesst. Das Gehalt liegt dann nach Disziplin und Subspezialisierung zwischen $150,000 und $500,000 im Schnitt. Kein FA wuerde weiterhin fuer ein Assistengehaelt arbeiten. In Deutschland hingegen habe ich PDs mit Assisgehalt getroffen, die waren 40 und älter.

Ich kann nur allen raten: GEHT INS AUSLAND! Lasst Euch gut ausbilden. Zurückkommen kann man dann immer noch.

Porschefahrer
06.04.2006, 07:22
ach ja, und die Lebenserhaltungskosten sind für singles in den USA mancherorts niedriger als in Deutschland. Sollte man tatsaechlich Städten wie Boston, NYC oder San Fran arbeiten, liegt das Gehalt entsprechend höher.

Das einzige, was mir manchmal fehlt, ist die "Heimat", also mein Familie, die Sprache, die vertraute Umgebung. Klingt vielleicht bescheuert, ist aber so.

FrederikMD
06.04.2006, 11:03
@FredMD,

Hier in den USA hat sich eine Menge verändert in Sachen FA, insbesondere mit der Zahl der Arbeitswochenstunden. Die sind jetzt nämlich auf max 80 die Woche begrenzt, keiner darf länger als 36 Stunden am Stück arbeiten, ein Tag die Woche muss frei bleiben. Selbst die Chirurgen haben jetzt ein ganz verträgliches Leben. Ich weiß nicht, woher Du diese Information hast. Die Realität sieht anders aus, wie ich jeden Tag am eigenen Leib erlebe. Keiner würde hier gegen sein Programm vorgehen, das geht gegen den Kodex und verbaut einem die Karriere. Wissenschaftliches Engagement über die Karriere hinaus ist in guten Programmen erwünscht und dann kannst Du es mit den 80 Stunden sowieso knicken. Dass die Einhaltung des Rotationssystems funktioniert, ist sicher für alle Programme richtig.

Du wirst feststellen, dass viele Einrichtungen die "Oberärzte" doch nach Hierarchie trennen mit Assistant Internist / Surgeon etc. Die Gehälter staffeln sich dementsprechend.

Zum Thema Mehrgehalt: Boston wird insgesamt recht mager bezahlt, der Südwesten und die weniger gefragten Regionen stehen besser da. Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass Residents in NY, San Francisco oder Boston wirklich leben wie arme Studenten. Ich finde ja selbst gewissen Gefallen an der klaren Staffelung zwischen Assistent und Attending, trotzdem ist das nicht so schwarz-weiss, wie Du das zeichnest.

Porschefahrer
06.04.2006, 14:24
Die Information sind die offiziellen "Vorschriften" des ACGME... und wenn Dein Programm bescheisst, dann ist das halt illegal. Bei uns passiert das jedenfalls nicht.

test
06.04.2006, 15:35
In welchem Fach und welchem Jahr der Residency bist du denn Porschefahrer?
Also ich habe in der Inneren in USA auch Interns gesehen, die ca.100 Stunden die Woche gearbeitet haben. Aber das waren besonders harte Wochen und nicht die Regel.

Porschefahrer
06.04.2006, 19:38
Ist voellig egal welches Fach Du machst, die Regeln des American Council for Grad Med Education sind fuer alle Faecher verbindlich. Wer dagegen verstoesst, bekommt die Zulassung zur Ausbildung von Residents entzogen. Es gibt naturlich Unterschiede in der Behandlung von Residents abhaengig von der alma mater. Hopkins zum Beispiel ist traditionell absolut unter aller Sau, Mayo Rochester sensationell gut. Chirurgie ist immer noch haerter als Dermatologie, logisch, aber es gilt auch hier: nicht mehr als 80 Stunden die Woche, ein Tag frei muss sein und keine Dienste laenger als 36 Stunden. Nach 36 Stundendiensten muss mehr als 12 Stunden Ruhepause gegeben werden.

MatzeXXL
16.04.2006, 07:40
FataMorgana, die Frage war ernst gemeint.
Mich interessiert wirklich, was man in deiner Fachrichtung für einen sagen wir mal "Standard-Tagesablauf" hat.