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Dr. Hyde
06.11.2006, 11:49
achja, mal ne andere rechnung zu den kosten:

25€ im monat mehrkosten, aber eine prävalenz (typ 2) zwischen 3 und 6% der gesamtbevölkerung (vorsichtig geschätzt, manche studien sprechen von bis zu 8% link (http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/057-003.pdf) ) mitte wäre 4,5 eine betroffenenzahl von 3,6 mio.

angenommen, die hälfte bekommt insulin (war zu faul, das nachzuschlagen... ;-) ) entstehen durch insulinanaloga (1cent je einheit mehr....) im vergleich zu normalinsulin jährliche gesamtkosten von 540 millionen euro... für nen cent ne ganz beachtliche zahl...

actin
06.11.2006, 12:30
Zitat:
Zitat von Rabe

Und was ist mit schlanken und sportlichen Typ-2-Diabetiker? Auch die gibt es, zwar nicht sehr häufig, aber sie gibt es.

Zitat:
Zitat von Dr. Hyde
hmm...soll ich ehrlich sein? ich hab noch keinen gesehen und noch von keinem gehört... .

Ich habe auch noch keinen gesehen, aber es gibt, wie Rabe schon gesagt hat, auch Medikamente, die ein metabolisches Syndrom auslösen können. Rabe hat Corticoide genannt; meines Wissens gehören z.B. einige atypische Neuroleptika (und einige Antidepressiva??) auch dazu.

@Rabe: Nochmal zum Begriff 'Schuld': Ich meine das nicht ethisch wertend, sondern im Sinne von "man hat es zumindest in vielen Fällen selbst in der Hand, ob es zum Diabetes-II kommt". Ich sehe das ähnlich wie beim Rauchen: Wer raucht, weiß welches Risiko er eingeht.


Zitat:
Zitat von Rabe
Und was ist bei denen, die es einfach nicht schaffen abzunehmen? Die sich wirklich bemühen und es einfach nicht schaffen.

Ich weiß aus meinem Freundeskreis, wie schwer das sein kann, aber es ist nicht unmöglich.
Bei einigen (oder sogar vielen?) könnte evtl. eine Umstellung der Gewohnheiten in einer Kurklinik helfen. Ich habe vor einigen Jahren eine sehr beeindruckende TV-Reportage aus einer Kurklinik im Schwarzwald gesehen, die auf Diabetes und andere durch suboptimale Lebensweise bedingte Stoffwechselerkrankungen spezialisiert ist.
In der Sendung wurde ein Patient (übergewichtiger Typ-II-Diabetiker) exemplarisch während des ganzen Kuraufenthalts begleitet und die Redaktion ist auch später noch mit ihm in Kontakt geblieben. Der Mann hat während der Kur mit dem Abnehmen begonnen, sich auch danach zuhause anders ernährt und Sport getrieben, so dass er weiter abgenommen hat und vom Insulin ganz weggekommen ist. Der Erfolg dieser Kur hat zumindest währedn des Beobachtungszeitraums (etwa ein Jahr) angehalten.

Meiner Meinung nach sollte man so etwas bei allen Typ-II-Diabetikern versuchen, die eine Umstellung der Lebensweise allein nicht schaffen und bei denen als Ursache das Übergewicht vermutet wird. Das wäre eine sinnvolle Kur, die - bei Erfolg - dem Patientien und der Versichertengemeinschaft langfristig zugute käme.

Dr. Hyde
06.11.2006, 14:24
Ich habe auch noch keinen gesehen, aber es gibt, wie Rabe schon gesagt hat, auch Medikamente, die ein metabolisches Syndrom auslösen können. Rabe hat Corticoide genannt; meines Wissens gehören z.B. einige atypische Neuroleptika (und einige Antidepressiva??) auch dazu.

ja, klar, medikamentenbedingter (sozusagen iatrogener) diabetes, das stellt natürlich eine ausnahme dar, die bei den therapierichtlinien berücksichtigt werden muss.

aber ein typ-II-diabetiker der einen idiopathischen dm hat, den hab ich noch nie schlank und sportlich gesehen...

actin
06.11.2006, 15:28
Zitat:
Zitat von Dr. Hyde
j
aber ein typ-II-diabetiker der einen idiopathischen dm hat, den hab ich noch nie schlank und sportlich gesehen...

Ich kenne solche auch nicht, aber kenne eben einige Leute, die durch Neuroleptika stark zugenommen haben, also ihr Übergewicht nicht selbst zu vertreten hatten. (Sozusagen iatrogenes Übergewicht :-)) )

Zwei Beispiele aus meiner Umgebung: Ein 18jähries Mädchen, das vor der Behandlung mit Olanzapin eine ganz normale Figur gehabt hatte und innerhalb weniger Monate trotz normaler Ernährung 20-30 kg zugenommen hat. Nach Absetzen des Medikaments hat sie ihr Ausgangsgewicht bald wieder erreicht.
Eine Kollegin wurde längere Zeit mit Psychopharmaka stationär behandelt und kam danach mit einer weinfassartigen Figur wieder zur Arbeit; ich schätze sie brauchte Größe 48 oder so. Nachdem sie diese Medikamente nicht mehr brauchte, nahm sie im Laufe eines Jahres so ab, dass ihr Größe 38 wieder passte.

Aber diese Fälle machen nur einen kleinen Anteil der Übergewichtigen und Diabetes-II-gefährdeten aus, und um solche Ausnahmefälle geht es in diesem Thread nicht.

Noch zwei Links zum Thema Übergewicht und Diabetesrisiko durch Psychopharmaka: Link 1 (http://www.akdae.de/20/20/Archiv/2002/200203151.pdf), Link2 (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=47888).

Rabe
06.11.2006, 17:45
sicher weißt du, dass sich die restriktion der insulinanaloga ausschließlich auf typ II diabetiker beschränkt ;-)
Sicher weißt du, dass sich die Restriktionen bald nicht mehr nur auf Typ-2-Diabetiker beschränken werden ;-) Wie ich im letzten Beitrag schon erwähnte, ist es bereits im Gespräch auch den Typ-1-Diabetikern die Insulinanaloga zu streichen. Der Vorbericht des IQWiG ist bereits fertig: http://www.iqwig.de/vorbericht.download.718f54daf023dedf3f6cbdeff35b65 7b.pdf
Zitat: „Der Nutzen von Insulin Aspart im Vergleich mit Humaninsulin bei erwachsenen Patienten ist
auf Grund fehlender und mangelhafter Daten unklar. Für Kinder und Jugendliche gibt es auf
Grund fehlender Daten keinen Beleg eines Zusatznutzens.“

Hier hat das IQWiG mal wieder kräftig die Studien aussortiert. Aus Hunderten von Literaturstellen hat er diesmal sogar ganze 9 verwendet. Richtig wäre somit der obige Satz in folgender Version: „Die Studien, die das IQWiG zur Bewertung zugelassen hat, lassen keine Vorteile erkennen.“
Es ist also zu erwarten, dass dieses Insulin demnächst auch für Typ-1-Diabetiker gestrichen wird. Es ist leider auch zu erwarten, dass es auch für Kinder, Kleinkinder und Babys gestrichen wird!






hmm...soll ich ehrlich sein? ich hab noch keinen gesehen und noch von keinem gehört... und wenn es sie gibt, dann rechtfertigt gesundheitsökonomisch 0,1% anteil nicht eine behandlung des ganzen kollektivs.
Hier habe ich vor allem an den MODY gedacht. Soweit ich weiß, wird er in Deutschland zu Typ-2-Diabetes gezählt und wird auch genauso behandelt. Er tritt häufig schon im Kindesalter auf und ist anfangs nicht insulinpflichtig, es kann aber zu einem Sekundärversagen der Bauchspeicheldrüse kommen. Diese Form trifft eben auch normalgewichtige und sportliche Menschen, da es eine genetische Erkrankung ist. Diese Form tritt übrigens deutlich häufiger auf als 0,1%, so etwa bei 1-5%. Es sind also mehr oder weniger genauso viele Fälle wie Diabetes Typ-1.




im vergleich zu normalinsulin jährliche gesamtkosten von 540 millionen euro...

Die Zahl ist lächerlich klein, wenn man sich die allgemeinen Kosten anschaut:
Die schätzungsweise 5,8 Millionen Diabetiker kosten in Deutschland pro Jahr 22,3 Milliarden Euro. Von diesen 22,3 Milliarden Euro pro Jahr werden nur *1,4 Milliarden Euro für Antidiabetika* ausgegeben. Die restlichen *20,9 Milliarden Euro fallen auf die Behandlung der Folgekrankheiten* des Diabetes!

Ich habe eben nachgesehen, eine Dialyse kostet pro Jahr pro Diabetiker stolze 50.000 Euro. Wenn man mit Insulinanaloga eine Dialysebehandlung auch um nur 1 Jahr hinauszögern kann, spart man schon mindestens 25.000 Euro. Dabei habe ich folgendes gerechnet: Mehrkosten von Insulinanaloga pro Monat = 25 Euro, mal 12 Monate im Jahr, mal druchschnittliche 80 Jahre Lebenserwartung (bei Behandlung von Geburt an), ergibt 24.000 Euro Mehrkosten bei Behandlung mit Insulinanaloga im ganzen Leben. Und, wie gesagt, 1 Jahr Dialyse kostet 50.000 Euro.


Natürlich wäre es sinnvoll und dringend notwendig, dass die Entstehung von Typ-2 Diabetes möglichst verhindert wird. Das steht doch gar nicht zur Debatte. Die Sache ist doch die, dass jetzt jedem Diabetiker, egal ob er seine Krankheit hätte verhindern können oder nicht, die bessere Insulinbehandlung weggenommen werden soll, und die meisten finden das auch noch gut.

Ich frage jetzt noch einmal alle:
Warum soll man nun einem Diabetiker, egal welchen Typs, das bessere Insulin vorenthalten?

Glaubt ihr wirklich, dass die Compliance eines Patienten steigt, indem man ihm eine schlechtere Therapie gibt? Glaubt ihr wirklich, dass sich die meisten Diabetiker ganz streng an den Spritz-Ess-Abstand und an den befohlenen Sport halten werden? Ich würde meinen, dass sie eher auf eine gute Blutzuckereinstellung verzichten werden, ein hoher Blutzucker tut ja nicht weh.

okulix
06.11.2006, 18:52
Die schätzungsweise 5,8 Millionen Diabetiker kosten in Deutschland pro Jahr 22,3 Milliarden Euro.22,3 Milliarden Euro pro Jahr (das sind etwa 13 Prozent der gesamten Ausgaben von GKV und PKV) für eine Krankheit, die häufig durch suboptimale Lebensweise verursacht wird und in vielen Fällen durch Umstellung der Lebensweise reversibel wäre oder bei rechtzeitiger Umstellung der Lebensweise gar nicht erst entstünde.


Glaubt ihr wirklich, dass sich die meisten Diabetiker ganz streng an den Spritz-Ess-Abstand und an den befohlenen Sport halten werden? Ich würde meinen, dass sie eher auf eine gute Blutzuckereinstellung verzichten werden, ein hoher Blutzucker tut ja nicht weh.Super Argument! Den weiteren Kommentar verkneife ich mir lieber....

okulix
06.11.2006, 22:33
Nachtrag:


Natürlich wäre es sinnvoll und dringend notwendig, dass die Entstehung von Typ-2 Diabetes möglichst verhindert wird. Das steht doch gar nicht zur Debatte. Ich finde, das steht im Zusammenhang mit den Diskussionen zur Gesundheitsreform sehr wohl zur Debatte.




Die Sache ist doch die, dass jetzt jedem Diabetiker, egal ob er seine Krankheit hätte verhindern können oder nicht, die bessere Insulinbehandlung weggenommen werden soll, und die meisten finden das auch noch gut.

Ich frage jetzt noch einmal alle:
Warum soll man nun einem Diabetiker, egal welchen Typs, das bessere Insulin vorenthalten? Patienten mit einem Diabetes, der durch eine andere Lebensweise nicht zu bessern wäre, sollten einen Anspruch auf das für sie optimale Medikament haben.

Bei Diabetikern, deren Insulinbedarf durch Änderungs der Lebensweise sinken würde, könnte durch ein 'bequemeres' Insulin eine Motivation zur Änderung der Lebensweise wegfallen. Wenn diese Patienten durch die Zuzahlungen zu den Analog-Insulinen zu einer Änderung ihrer Lebensweise motiviert würden, wäre ihnen langfristig sogar mehr geholfen als durch 'bequemere' Insuline auf Kosten der GKV.

actin
07.11.2006, 08:26
Zitat:
Zitat von Rabe

Natürlich wäre es sinnvoll und dringend notwendig, dass die Entstehung von Typ-2 Diabetes möglichst verhindert wird.

Dann sind wir uns ja im wichtigsten Punkt einig.:peace:

Zitat:
Zitat von Rabe
Das steht doch gar nicht zur Debatte.

Aber genau das sollte im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte stehen: Prävention ernährungsbedingter Erkrankungen (nicht nur Diabetes-II) und größere Bedeutung von Umstellungen der Lebensweise in der Therapie ernährungsbedingter Erkrankungen.:-blush

p.s.: Das Gleiche gilt übrigens auch für das Rauchen!

Rabe
07.11.2006, 17:44
Patienten mit einem Diabetes, der durch eine andere Lebensweise nicht zu bessern wäre, sollten einen Anspruch auf das für sie optimale Medikament haben.

Leider ist Prof. Sawicki vom IQWiG anderer Meinung. Trotzdem kann man doch nicht einfach sagen, dass fast alle Typ-2er was für ihre Krankheit können, die paar, die nix dafür können, sind eben Kollateralschaden. Da gibt es doch viel zu viele Ausnahmen, wie ich versucht habe zu zeigen.





Bei Diabetikern, deren Insulinbedarf durch Änderungs der Lebensweise sinken würde, könnte durch ein 'bequemeres' Insulin eine Motivation zur Änderung der Lebensweise wegfallen.


Verstehe ich dich richtig? Bist du der Meinung, dass man Diabetiker mit einer zweitklassigen Medizin und möglichst vielen Steinen in den Weg (bis hin zur Berufsunfähigkeit) dazu bewegen kann, sich ganz brav an die Anweisungen des Arztes zu halten? Du glaubst also nicht, dass die Diabetiker einen anderen Weg finden werden, die Einschränkungen im Leben zu umgehen?

Ich denke, es ist wirklich ein Problem, dass ein hoher Blutzucker nicht weh tut. Ich habe es Jahre lang bei meinem Opa beobachtet (anfangs gab es noch keine Insulinanaloga), er hat halt eben nicht den lästigen Spritz-Ess-Abstand eingehalten, seine Mahlzeiten nicht auf jeweils 2 Portionen verteilt, nach dem Motto: wozu denn, geht doch auch ohne, mir geht es blendend! Die Rechnung hat er dann einige Jahre später bekommen, aber da war es zu spät. Leider glaube ich, dass die Compliance bei so extremen Einschränkungen im Leben auch bei anderen Diabetikern nicht vorhanden sein wird. Jedenfalls glaube ich nicht ernsthaft, dass Gängelungen durch ihren Arzt, die man ganz leicht umgehen kann, für Diabetiker eine Motivation zur Verhaltensänderung darstellen. Da müsste meiner Meinung nach viel früher angesetzt werden, schon im Kindergarten und Schule. Für diejenigen, die heute insulinpflichtig sind, also deren Diabetes schon sehr weit fortgeschritten ist, ist es meiner Meinung nach schon fast zu spät, viel daran zu ändern. Die werden nie vom Insulin wegkommen, sonst würde man sie ja auch nicht insulinpflichtig nennen.

Ich befürchte nur, dass die Sache zu einem gigantischen Eigentor wird: Ärzte geben Diabetikern das schlechtere Insulin, weils billiger ist und damit die Patienten möglichst große Einschränkungen in seinem Leben haben; Diabetiker tun nicht was Arzt sagt, leben weiter so wie mit Insulinanalog (kein Spritz-Ess-Abstand, keine Zwischenmahlzeiten) und bekommen in 10/20/30 Jahren massenhaft Folgeschäden -> es muss noch viel mehr Geld für die Behandlung von Folgeschäden ausgegeben werden -> vielleicht geht es dann so weiter: bei den horrenden Kosten schreien wieder alle: die bösen Diabetiker, sollen doch endlich ihren Lebensstil ändern, streichen wir ihnen doch als Motivation gleich ganz das Insulin -> Diabetiker machen weiter wie bisher, tut ja nicht weh, geht doch auch so -> Kosten durch Folgeschäden explodieren ->…






Wenn diese Patienten durch die Zuzahlungen zu den Analog-Insulinen zu einer Änderung ihrer Lebensweise motiviert würden, wäre ihnen langfristig sogar mehr geholfen als durch 'bequemere' Insuline auf Kosten der GKV.

Hier bist du leider nicht ganz auf dem Laufenden. Eine Zuzahlung (außer die Zuzahlungen, die für jedes Medikament anfallen) zu Insulinanaloga ist nicht möglich. Entweder übernimmt die Kasse zu 100% die Kosten, oder zu 100% gar nicht. Das heißt, Diabetiker, die bereit wären die Mehrkosten der Insulinanaloga zu bezahlen, dürfen das nicht. Sie müssen die komplette Insulintherapie mit Analoga selber bezahlen oder Normalinsulin nehmen.






Ich finde, das steht im Zusammenhang mit den Diskussionen zur Gesundheitsreform sehr wohl zur Debatte.

Sorry, da haben wir ein wenig an einander vorbei geredet: ich bin darauf eingegangen, dass einige gesagt haben, es sei gut Diabetikern das bessere Insulin vorzuenthalten.
Dass die Entstehung von Krankheiten (egal welche) möglichst verhindert werden muss, sollte doch allgemein klar sein.
Mein Kritikpunkt ist nur, dass man Kranken doch nicht einfach eine bessere Behandlung vorenthalten kann, weil das auf den ersten Blick billiger wäre.

okulix
07.11.2006, 20:11
Verstehe ich dich richtig? Bist du der Meinung, dass man Diabetiker mit einer zweitklassigen Medizin und möglichst vielen Steinen in den Weg (bis hin zur Berufsunfähigkeit) dazu bewegen kann, sich ganz brav an die Anweisungen des Arztes zu halten? Ich glaube, Du hast mich schon ganz richtig verstanden ;-)



Trotzdem kann man doch nicht einfach sagen, dass fast alle Typ-2er was für ihre Krankheit können, die paar, die nix dafür können, sind eben Kollateralschaden. Ich bestreite nicht, dass es auch Typ-II-Diabetiker gibt, die "für ihre Krankheit nix können".

Ich unterscheide nicht nach Diabetikern, die "für ihre Krankheit etwas können" und solchen, die "für ihre Krankheit nix können", wie Du es ausgedrückt hast, sondern
a) nach Diabetikern, deren Insulinbedarf durch eine Änderung der Lebensweise reduziert werden oder sogar auf Null sinken könnte und
b) solchen, deren Insulindedarf durch eine andere Lebensweise nicht zu verbessern wäre.

Für Gruppe a) gibt es IMHO folgende Alternativen:

- Reduzieren des Insulindedarfs evtl. bis auf Null und Vermeiden von Diabetes-Folgeschäden durch konsequente Änderung der Lebensweise

- disziplinierte Anwendung des von der GKV bezahlten Insulins (vulgo: gute Compliance)

- Beschaffen eines komfortableren Insulins auf eigene Kosten

Rabe
07.11.2006, 21:33
Verstehe ich dich richtig? Bist du der Meinung, dass man Diabetiker mit einer zweitklassigen Medizin und möglichst vielen Steinen in den Weg (bis hin zur Berufsunfähigkeit) dazu bewegen kann, sich ganz brav an die Anweisungen des Arztes zu halten?

Ich glaube, Du hast mich schon ganz richtig verstanden ;-)

Und du glaubst wirklich daran? Du glaubst nicht, dass die meisten den einfachen Weg wählen werden? Warum nicht?




- disziplinierte Anwendung des von der GKV bezahlten Insulins (vulgo: gute Compliance)

Und wie willst du eine gute Compliance erreichen?



- Beschaffen eines komfortableren Insulins auf eigene Kosten

Das werden die aller wenigsten tun. Wie gesagt, bequem leben geht auch ohne Insulinanaloga.
Den Spritz-Ess-Abstand weglassen und keine Zwischenmahlzeiten essen, kann man auch mit Normalinsulin (zu den (Kosten der) Folgen, siehe oben). Wozu also jeden Monat 100€ aus dem Fenster schmeißen?

okulix
07.11.2006, 21:49
Und du glaubst wirklich daran? Du glaubst nicht, dass die meisten den einfachen Weg wählen werden? Warum nicht?

Und wie willst du eine gute Compliance erreichen?

Wie gesagt, bequem leben geht auch ohne Insulinanaloga.

Wozu also jeden Monat 100€ aus dem Fenster schmeißen?Wir reden von erwachsenen, voll geschäftsfähigen Menschen ...........................

Rabe
07.11.2006, 22:33
Wir reden von erwachsenen, voll geschäftsfähigen Menschen ...........................
Das finde ich doch ein wenig naiv.

Eine Meldung im Ärzteblatt vom September:
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=25689
Zitat: “Nur rund 30 Prozent aller Diabetes-Patienten halten sich strikt an die Verordnungen ihres Arztes. Die Kosten, die den europäischen Gesundheitssystemen aufgrund der schlechten Compliance vor allem chronisch Kranker entstehen, beziffert die European Health Care Foundation (EHCF) auf rund 70 Milliarden Euro jährlich.“

Und hier kannst du in einer Grafik sehen, dass die Ursachen für ein Therapieversagen bei Typ-2-Diabetes in knapp 60% der Fälle an einer Non-Compliance liegt:
http://www.diabetes-world.net/sixcms_upload/media_fast/3/AM_2212.39811.swf

Es ist traurig, aber es ist so. :-(

Und woher, meinst du, kommt die große Zahl an Folgeschäden? So viele, dass wir 4mal mehr Geld für deren Behandlung ausgeben, wie für die Behandlung des Diabetes selbst?

Und ich kann auch verstehen, dass man nicht aufgrund einer Medikamenteneinnahme (nicht aufgrund einer Krankheit!) in die Arbeitslosigkeit abrutschen will.

okulix
07.11.2006, 22:47
Wir reden von erwachsenen, voll geschäftsfähigen Menschen ...........................


Das finde ich doch ein wenig naiv.
Tja, so bin ich eben...... :-)

Rabe
07.11.2006, 23:16
Tja, so bin ich eben...... :-)
:-) :-) :-)

okulix
08.11.2006, 07:39
Zitat von okulix
Tja, so bin ich eben...... :-)


:-) :-) :-):-?:-?:-?:-?:-?

Rabe
08.11.2006, 14:19
:-?:-?:-?:-?:-?
Antwort auf deinen Grinse-Smiley, war nicht bös gemeint. :-blush

okulix
08.11.2006, 14:53
Antwort auf deinen Grinse-Smiley, war nicht bös gemeint. :-blushDas war auch nicht so angekommen :-) Ich hatte diesen :-? nur verwendet, weil ich ihn so hübsch finde ;-) und gerade ein bisschen in Spam-Laune war. :-angel

Zum Abschluss des Themas noch etwas Ernsthaftes:


..... Motivation zur Verhaltensänderung...... Da müsste meiner Meinung nach viel früher angesetzt werden, schon im Kindergarten und Schule. :-dafür Sehr wichtiger Aspekt :-top, nur ist es für Kindergärten und Schulen vermutlich schwer, etwas zu bewirken, wenn die Eltern mit schlechtem Beispiel vorangehen.

Rabe
08.11.2006, 22:49
nur ist es für Kindergärten und Schulen vermutlich schwer, etwas zu bewirken, wenn die Eltern mit schlechtem Beispiel vorangehen.
Das ist leider richtig. Kann man dann nur hoffen, dass die Kids sich wenigstens ein bisschen was davon merken und später an ihre Kinder weitergeben. Es wird vermutlich Generationen dauern, bis sich merklich etwas im allgemeinen Lebensstil und der Ernährung ändern wird. Deswegen wird es Zeit, dass die Politiker *jetzt* entsprechende Lehrpläne erstellen! Aber die finden Englischunterricht im Kindergarten anscheinend wichtiger… :-(

anba
13.11.2006, 16:09
Ich habe gerade einen Artikel gefunden, der auch unter dem Gesichtspunkt "Basisleistungen der Krankenversicherung" interessant ist.
Es geht darin um alternative bzw. komplementäre Methoden. In den Niederlanden muss man solche Behandlungen selbst bezahlen oder eine Zusatzversicherung abschließen. Meiner Meinung nach ist das richtig, aber ich will jetzt keine Grundsatzdiskussion über Homöopathie auslösen. (Dazu gibts ja bereits einen anderen Fred ;-))

Ich finde es nicht gut, dass hierzulande immer mehr gesetzliche Kassen dazu übergehen, zwecks Kundenbindung und Kundengewinnung Homöopathie auf Kosten aller Zwangsmitglieder der Kasse anzubieten.

Der Satz:

"...... erhalten Ärzte mit Zusatzbezeichnung Homöopathie Geld für Erst- und Folgeanamnese, der Patient spart."

stimmt ja nur teilweise. Der Patient, der an alternative Verfahren glaubt, spart zwar, aber die große Anzahl an Kassenmitgliedern, die nicht daran glauben, bezahlt diese umstrittenen Behandlungen zwangsweise mit.




Zitat aus http://newsletter.doccheck.com/generator/553/2745/xhtml:

Die Frage der Wirksamkeit stellt sich für die Gmünder Ersatzkasse (GEK) nicht. Wichtig, so Michael Hübner, Leiter des Bereichs Produktentwicklung und Vertragsgestaltung bei der Krankenkasse, sei das Interesse der Versicherten an alternativen und komplementären Verfahren.
.....
Seit Oktober erhalten Ärzte mit Zusatzbezeichnung Homöopathie Geld für Erst- und Folgeanamnese, der Patient spart.

Der wachsenden Nachfrage nach CAM werden auch zunehmend Betriebskrankenkassen gerecht: seit Mitte 2005 haben insgesamt 75 der knapp 200 BKK mit dem DZVhÄ und dem Deutschen Apothekerverband Integrationsverträge (IV) abgeschlossen. Auch hierbei werden die Erst- und Folgeanamnese besonders vergütet. "Wir wollen die sprechende Medizin fördern", sagt BKK-Bundesverband Sprecherin Lydia Krüger.

Wenn einzelne BKK Integrationsverträge mit klassischer Homöopathie nutzen, um sich von anderen Kassen abzugrenzen, spreche nichts dagegen. Das Fördern der sprechenden Medizin halte ich zwar grundsätzlich für wünschenswert, aber man sollte dies imho nicht selektiv in Form der Förderung homöopathischer Anamnesen tun.