Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frust: Schweden hoffnungslos überlegen
alley_cat75
12.02.2007, 09:19
Wenn man gut ausgebildet werden will, muss man es auch fordern.
Oder man jammert ewig herum, dass man keine gute Ausbildung bekommen hat. ;-)
@chondropathia: schiebst Du Frust? :-sleppy Mich kann man nicht stänkern, wie Du sicher schon bemerkt hast.
Kackbratze
12.02.2007, 10:08
Sagen wirs mal so:
Besser gehts immer.... ;-)
Aber ich denke, ich habe das Beste draus gemacht... :-D
hypnotel
12.02.2007, 12:05
Hab auch oft genug ein "Nein" zu hören bekommen, aber das hat mich dann nicht abgeschreckt.
Wenn man gut ausgebildet werden will, muss man es auch fordern.
Da muss ich echt mal zustimmen. Hätte ich mich nicht freundlich aber bestimmt zu bestimmten invasiven Tätigkeiten gemeldet, wäre der Lerneffekt deutlich geringer gewesen.
Irgendwann hieß es: 'mach was Du willst solange es kein 'L' oder ASA3+ ist'
Schätze jedoch insgesamt, gerade in großen Häusern bekommt man wenig auf dem Silbertablett serviert (fachlich wohlgemerkt)
Ein weiterer Vorteil, je mehr du am Patienten frickelst, desto weniger kannst du als Fachsekretär(in) mißbraucht werden. ;-)
/ot
Kackbratze
12.02.2007, 13:45
Ich denke, dass es vollkommen egal ist, ob das Haus groß oder klein ist.
Es kommt auf die Chefs und Ärzte an.
Was nützt einem das große Haus, wo alles möglich ist, man aber nix darf.
Genausowenig wie das kleine Haus, wo man die Routine zählt und man auch nix darf. :-nix
Jeder muss das Beste daraus machen, so sehe ich das. Insbesondere jetzt, wo bei mir der Teil erledigt ist! :-))
alley_cat75
12.02.2007, 14:15
Hätte ich mich nicht freundlich aber bestimmt zu bestimmten invasiven Tätigkeiten gemeldet, wäre der Lerneffekt deutlich geringer gewesen.
[...] Ein weiterer Vorteil, je mehr du am Patienten frickelst, desto weniger kannst du als Fachsekretär(in) mißbraucht werden.
:-top :-top :-top
Ich habe z. Zt. eine PJlerin auf Station, die am liebsten bei der Hand genommen werden möchte, um alles erklärt zu bekommen. Meist sitzt oder steht sie nur da, sagt keinen Pieps. Ja, was soll ich da tun? :-nix Bin doch keine Animateurin. Man muß schon wissen, was die Leute interessiert oder ob sie eventuell schon alles können und wissen.
die chondropathia
12.02.2007, 14:30
1. Warum kann ich hier (unter Überwachung) Patienten selber behandeln mit allem drum und dran (sogar selber operieren ist hier drin!!!), warum lässt man uns zu Hause nicht richtig an die Patienten ran? Wie soll man Arzt werden wenn man nie das machen darf was man lernen soll?? Hier geht das doch auch verdammt.
2. Warum haben wir in D immernoch eine ständige Stress- und Angstpädagogik an den Hochschulen, was schon in der Vorklinik anfängt? Viele werden jetzt sagen: "Bei uns nicht!" oder "Das gehört dazu!" (wie häufig habe ich letzteres schon gehört.... :-nix
back to topic:
Als einer, der auf Norwegisch in Norwegen studiert und in Stavanger, Bergen und Trondheim im KKH gearbeitet hat, kann ich mir ein Bild zu den skandinavischen Verhältnissen machen.
Und ich danke dem Seewolf für seine Beiträge, da sie exakt die beiden wichtigsten und zugleich entgegen gesetzen Aspekte des Medizinertums in Skandinavien beleuchten:
1. Ja, in Skandinavien denken die Menschen anders in Sachen Medizin und Mediziner:
Der Arzt hat ein höheres Ansehen, man vertraut dem Arzt, Studenten werden von den Patienten(!) GERN gefördert, erfahrene Ärzte teilen ihr Wissen gern und spielerisch mit den Studenten, Medizinstudenten sind hochmotiviert und gern fleißig....
2. Nein, in Skandinavien ist nicht alles besser: Als Ausländer, der der Muttersprache mächtig ist, fühlt man sich irgendwann gequält von einer sublimen Zurückweisung durch die Einheimischen, als echter "Ausländer" merkt man es nicht, weil man nichts versteht, man merkt als Deutscher selten, wenn man sich gegen Konventionen verhält, weil es sich um ein sensibles soziales System handelt, das von der Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit der Leute lebt (das liegt Deutschen GAR nicht), etc. pp
Es handelt sich also nur um eine scheinbare Freiheit, die hart erkauft werden muß. Ein anderes Beispiel wäre die Missgunst und der Hass der einheimischen Medizinstudenten auf die "Rückkehrer", also jener, die "zu schlecht" waren für einen skandinavischen Studienplatz und posthum zurückkehren und den "Guten" die Arbeitsplätze stehlen. Tatsächlich wird man als Gast in Skandinavien -oberflächlich- gut behandelt. Jedes Anzeichen einer mangelnden Systemgläubigkeit bzw. Devianz wird jedoch versteckt geahndet...
Insgesamt ist es so, dass sich die Kultur der Skandinavier sehr von unserer unterscheidet, jedenfalls deutlicher als die gemeinsame Religionszugehörigkeit und germanischer Sprachstamm erwarten lassen.
Dies ist jedenfalls meine Erkenntnis, für die ich in Norwegen über ein halbes Jahr gebraucht habe...
Und dennoch: Ich werde in naher Zukunft dorthin zurückkehren - just for the taste of it, maybe longer :-D
Kackbratze
12.02.2007, 15:06
Insgesamt ist es so, dass sich die Kultur der Skandinavier sehr von unserer unterscheidet, jedenfalls deutlicher als die gemeinsame Religionszugehörigkeit und germanischer Sprachstamm erwarten lassen.
Ich wusste garnicht, dass Finnland nichtmehr zu den skandinavischen Ländern zählt..... :-((
Andererseits, wer geht schon nach Finnland zum studieren....
Jedes Land hat seine spezifischen Umgangsmethoden mit Lehre, Studenten, etc, aber ich würde nicht sagen, dass das skandinavische System uns sosher überlegen ist.
Es ist anders.
Wie das amerikanische Studium.
Oder sogar das russische Studium.
Aber wir sind so norwego-schwedophil, dass wir nur dahin schauen und denken, dass da alles besser ist.
Insbesondere weil dort alle Frauen blond sind und Zwillinge sind und Lagerfeuer mit Mücken so tierisch romantisch sind.
Da passt es doch, dass die Unis und die Ausbildung da ja auch sooviel besser ist.
Warum beschweren sich so viele dann in den Ärzteforen (also die, die dort arbeiten und nicht zur Ausbildung sind) darüber, dass sie es dort zwar von den Arbeitsbedinungen her besser finden, aber vom Umgang her schlimmer?
Warum ist deren Gesundheitssytem dann nicht auch besser als unseres?
Was wollen wir eigentlich?
Wir wollen:
zuerst in Norwegen studieren,
danach die Arbeitsbedingungen wie in Schweden haben
aber so bezahlt werden wie in Amerika.
Hmm, dann macht das doch! Immer alles fordern wie es woanders ist, aber kaum was dafür tun.
Wie schon gesagt, es gibt eine Anteil an PJlern die DINGE mit Patienten machen durften hier in Deutschland.
Glaubt hier jemand wirklich ERNSTHAFT, dass es in Schweden im PJ nicht langweilige Stunden mit stupiden Aufgaben auf Station gibt?
Oder das Alle auf Station NUR um den PJler rumtanzen und ihm alles erklären, ob er will oder nicht?
Die Leute, die zum PJ ins Ausland gehen, haben auch genug Schneid zu jemanden zu sagen, was sie wollen.
Das sie das Gleiche auch hier haben könnten, ist denjenigen vielleicht klar.
Aber die, die sowieso nicht den Mund aufmachen (und dann gelangweilt im Stationszimmer sitzen) hören nur, wie toll es überall woanders ist und wollen das auch.
Aber wenn möglich doch bitte ohne Aufwand.
Und nach dem Studium kommt die berufliche Tretmühle.
Und warum kommt die?!?
Weil keine eigene Initiative zur Veränderung der Verhältnisse da ist!
Das sollten doch bitte andere erledigen.
Das rumnölen ist viel einfacher!
:-meinung
die chondropathia
12.02.2007, 15:40
Weil keine eigene Initiative zur Veränderung der Verhältnisse da ist!
Das sollten doch bitte andere erledigen.
Das rumnölen ist viel einfacher!
Da magst du im Großen und Ganzen Recht haben, jedoch ist das in meinem Fall z.B. nicht so: ich bin berufspolitisch aktiv, versuche Änderungen zu bewirken. Zugegenbenermaßen bin ich kein Fantast, sondern überlegter Realist: Ich werde vieles tun, um die Dinge zu ändern - und werde wenig erreichen, fürchte ich. Wenn dem so sein sollte, dann kann ich mit allem Recht meine Sachen packen und die Landesgrenzen für immer verlassen:
wenn das System sich nicht ändert, muß man sich selbst verändern.
:-meinung
Ehemaliger-User-13092010
12.02.2007, 16:07
die mentalität lässt sich aber kaum ändern und das ist bei mir zumindest das Hauptproblem. Also mir sind noch keine so humorvolle und offenherzige Menschen in D begegnet wie in best. anderen Ländern.
Lifendhil
12.02.2007, 16:15
Ich wusste garnicht, dass Finnland nichtmehr zu den skandinavischen Ländern zählt..... :-((
Andererseits, wer geht schon nach Finnland zum studieren....
Finnland zählt eigentlich nicht zu Skandinavien. Siehe Wikipedia:
"Geographisch ist Skandinavien die europäische Halbinsel, auf der sich Norwegen und Schweden befinden. In etymologischer und kultureller Hinsicht umfasst es zudem Dänemark, da sich dieses wie Norwegen und Schweden durch ähnliche Sprachen von den benachbarten, durch die Geschichte verbundenen heutigen Staaten Nordeuropas unterscheidet, mit Ausnahme von Island und den Färöern. Häufig wird im deutschen Sprachgebrauch auch Finnland durch seine geografische und politische Verwandtschaft zu Skandinavien gezählt."
Nach Finnland gehen die, die diese schöne Sprache beherrschen. Der Rest hat da nicht wirklich die Wahl.
die chondropathia
12.02.2007, 16:16
Vor allem rechnen die Skandinavier Finnland nicht zum "inner circle"... (selbsterklärende Formulierung, *lach*)
hypnotel
12.02.2007, 16:17
Kackbratze, bitte nicht mehr solche Beiträge wie den letzten. Beginne sonst Dich ernsthaft gern zu haben :-D
/ot!
alley_cat75
12.02.2007, 18:34
[...] in Skandinavien denken die Menschen anders in Sachen Medizin und Mediziner:
Der Arzt hat ein höheres Ansehen, man vertraut dem Arzt, Studenten werden von den Patienten(!) GERN gefördert, erfahrene Ärzte teilen ihr Wissen gern und spielerisch mit den Studenten, Medizinstudenten sind hochmotiviert und gern fleißig...
Menschen "ticken" in jedem Land einfach anders. Skandinavier haben nicht nur zu Medizinern eine andere (ich nenne das mal gesunde) Einstellung. Ein Bekannter von mir arbeitet als Ingenieur in Trondheim und ist ebenso angetan von der Arbeitseinstellung und dem Miteinander der Leute. Jeder, der schon einmal längere Zeit im Ausland gelebt und gearbeitet hat, weiß davon zu berichten. Bleibt zu hoffen, dass diese Leute versuchen, ihre neuen Erfahrungen peu à peu an deutsche Kollegen weiterzureichen. :-dafür
Flemingulus
12.02.2007, 18:39
die mentalität lässt sich aber kaum ändern und das ist bei mir zumindest das Hauptproblem. Also mir sind noch keine so humorvolle und offenherzige Menschen in D begegnet wie in best. anderen Ländern.
Noch ist Deutschland nicht verloren. [-::-]
alley_cat75
12.02.2007, 18:40
@kackbratze: ich liebe Deinen Beitrag, denn Du sprichst mir aus der Seele! Im Ausland ist eben nicht alles besser, ich könnte Bände schreiben über Mißstände in der kanadischen, amerikanischen, französischen Medizinerausbildung. Aber das würde niemand glauben, denn derartiges gibt es ja nur in Deutschland. Und die unfreundlichen Menschen - auch nur hier. *kopfschüttel*
Sackbauer
12.02.2007, 18:41
Noch ist Deutschland nicht verloren. [-::-]
Also ich wuerd den guten Mann mal zum Drogentest einladen..... :-D
Flemingulus
12.02.2007, 19:22
Also ich wuerd den guten Mann mal zum Drogentest einladen..... :-D
Pass nur auf! Wenn Du mir die Drogen wegnimmst, mutier ich zum Österreicher! :-D
(nichts für ungut, ich trink nicht nur Eure Weine gerne, sonst seid Ihr auch ganz ok - außer natürlich im Fußball)
Aber mich beschäftigt die ganze Zeit noch Seewolfs Punkt 2
2. Warum haben wir in D immernoch eine ständige Stress- und Angstpädagogik an den Hochschulen, was schon in der Vorklinik anfängt?
Da könnte schon was dran sein, fürchte ich.
Ich habe auch manchmal das Gefühl, das Studenten aus der Dozentenperspektive eher als ziemlich lästige "Kunden" betrachtet werden und nicht als die zukünftigen Kollegen, die ein paar Jährchen später dann hoffentlich die mittlerweile störrisch gewordene Pofessorenprostata zurechtstutzen.
Umgekehrt scheinen auch die Lehrkörper eher als Studienhindernis wahrgenommen zu werden und nicht als hilfreiches Element auf dem Weg zum Arzt (naja im Einzelfall ist da wahrscheinlich was dran :-)) ).
Ich frage mich jetzt, ob das wirklich in Deutschland exzeptionell schlimm ist - wenn schon in Skandinavien eh alles besser ist, dann eben im Vergleich mit anderen Ländern. Und was man verbessern könnte. :-nix Ist die Einführung benoteter Scheine da nicht eher ein Schritt in die falsche Richtung gewesen, weils den Druck im System noch erhöht?
Und ich frage mich auch, wie sich das durch Studiengebühren ändert. Wirds besser, weil der Student jetzt einen "berechtigteren" Anspruch auf gscheite Betreuung hat oder wirds schlimmer, weil erst recht ein asymmetrisches Dienstleister - Kundenverhältnis etabliert wird?
Sackbauer
12.02.2007, 19:29
Pass nur auf! Wenn Du mir die Drogen wegnimmst, mutier ich zum Österreicher! :-D
He!, ne, ich meinte eigentlich ihn:
Zitat von gracjanski:
...Also mir sind noch keine so humorvolle und offenherzige Menschen in D begegnet wie in best. anderen Ländern.
Kackbratze
12.02.2007, 19:33
2. Warum haben wir in D immernoch eine ständige Stress- und Angstpädagogik an den Hochschulen, was schon in der Vorklinik anfängt?
Jaja, im Ausland ist alles Besser.
Da besteht jeder alles und keiner hat Angst durchzufallen.
Jeder kann solange studieren, bis er alles verstanden hat. Das Studium ist umsonst und die Professoren machen Hausbesuche, wenn ein Student etwas nicht verstanden hat.
Und wenn er es trotzdem nicht versteht, kein Problem, dann wird das in der klinischen Ausbildung eben nachgeholt.
Im Zweifelsfall auch mit Hausbesuchen.
Und die Sonne ist der Mond... :-meinung
Flemingulus
12.02.2007, 19:35
He!, ne, ich meinte eigentlich ihn:
Ach mist. Na dann da einen Honifogl drauf! (obwohl der Mundl wahrscheinlich eher auf Bier steht?) Na auf alle Fälle :-party
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