Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Probleme bei Interruptiones
Dies bedingt ein IMHO eingeschränktes Recht des ungeborenen Lebens, da dieses, bis es geboren und gar selbstständig und unabhängig lebt, auf der - in jeder Hinsicht - Substanz eines anderen, verantwortlichen Lebens gedeiht...und diese Substanz ist in jedweder desolaten Lebenssituation nicht gegeben.Ich glaube, da hast du das, was ich meinte, sehr gut formuliert.
Das sind gerade die Fälle, die mich ein wenig aufregen, wenn die Menschen sich so ihre eigene Religion zusammenbasteln. Ich persönlich sehe es gleich wie die katholische Kirche, ein 5 Tage alter Embryo hat für mich den gleichen Stellenwert wie ein 11 wochen alter Fötus - nur ziehe ich andere Konsequenzen daraus. Somit sehe ich eine interruptio moralisch gesehen gleichwertig an, wie eine bewusste "Tötung" eines Embryos im Frühstadium durch hormonelle Mittel oder die Spirale.
Ich glaube eine solche Gleichsetzung wird dem Entwicklungskontinuum vom Einzeller zum fertigen Kind nicht gerecht. Die Hemmung der Nidation eines Zellklumpens am 3. Tag ist etwas anderes als das Abtöten eines kleinen Menschen, der bereits Arme und Beine hat (ich durfte dieses Wunder kürzlich beim eigenen Kind erleben) und der hat wiederum eine andere Individualität und Qualität als ein 25 Wochen alter Fetus oder ein Neugeborenes. Auch wenn es aus praktischen Gründen notwendig ist rechtliche Grenzen festzusetzen, so werden diese doch der Natur künstlich übergestülpt, oder wo will ich nun sagen, hier und nirgends anders ist die Grenze zwischen Zellklumpen und Kind. Ich würde mich daher auch nicht auf die Potentialität versteifen, die z.B. die Stammzellforschung, die Erfolgsaussichten der künstlichen Befruchtung in Deutschland (Anzahl vom Embryonen, die herangezüchtet werden dürfen) oder die PID behindert, sondern schauen was tatsächlich zum Zeitpunkt X der Intervention an "Mensch" da ist, wenn ich dessen "Wert" bemesse.
Simone_th
06.12.2006, 14:12
Meine Gyn beispielsweise verschreibt die Pille, weigert sich aber strikt, ihren Patientinnen eine Spirale einzusetzen, da eben die Nidation eines sich entwickelnden Lebens verhindert wird. Sie hat kein Problem damit, den korrekten Sitz regelmäßig zu kontrollieren. Aber wenn ich mir vorstelle, dass die Pille ja auch Ovulationen nicht vollständig verhindert, ist das im Grunde inkonsequent. Werde sie bezeiten mal darauf ansprechen, wenn es sich ergibt.
Interessanterweise hat gerade die neuste Forschung gezeigt, dass bei der Spirale der nidationshemmende Effekt überbewertet worden ist. Selbst bei der klassischen Kupferspirale ist davon auszugehen, dass in der Mehrzahl der Zyklen das Eintreten der Schwangerschaft durch die spermizide Wirkung verhindert wird, und nur zum kleineren Teil es zu einer Befruchtung kommt. Ob die Spirale aber tatsächlich häufiger als die Pille nidationshemmend wirkt, kann ich nicht beurteilen, weiss nicht, ob es dazu Untersuchungen gibt.
Denn bei der Pille ist die Lage so, dass je stärker das Präparat dosiert ist (im Verhältnis zum Körpergewicht der Frau), desto zuverlässiger ein Eisprung verhindert wird. Auch wird er zuverlässiger verhindert, wenn die Frau die Pille sehr regelmässig nimmt (und nicht innerhalb der erlaubten 12 Stunden hin und her schwankt). Demnach sind moderne Mikropillen viel häufiger nidationshemmend als Pillen der ersten und zweiten Generation.
Die klassische Minipille verhindert den Eisprung nur in wenigen Fällen, wirkt vor allem nidationshemmend, während neue Minipillen wie Cerazette auch den Eisprung verhindern - jedoch weniger zuverlässig als Kombipräparate.
Für die Entscheidung fürs richtige Verhütungsmittel mag die Häufigkeit eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn eine Frau per se ehtische Probleme mit dieser Form der "Frühabtreibung" hat, spielt es für sie wohl kaum eine Rolle, ob 4mal im Jahr oder alle 2 Jahre einmal es zur Befruchtung und anschliessenden Nidationshemmung gekommen ist.
tadeus_t
06.12.2006, 16:20
Aber ich komme nochmal auf das andere, praktische Thema zurück:
Dem Philosophieren über das Verhindern des Entstehen von Lebens steht für mich der Umgang mit tatsächlich entstandenem Leben gegenüber: Damit meine ich Kinder, um die man sich zu wenig kümmert.
Ein Fetus in der frühesten Phase besitzt vielleicht schon eine geringe Wahrnehmungsfähigkeit, aber bewusst leiden wird er noch nicht.
Ein vernachlässigtes oder misshandeltes Kind dagegen leidet ganz sicher (physisch und psychisch).
Die 'Potenzialität', von der du gesprochen hast, gilt imho für bereits geborene Kinder noch viel mehr als für Embryonen. Da philosophiert man (bzw. kath. Theologen) darüber, welche Chancen ein Kind gehabt haben könnte, wenn es gezeugt worden wäre.
Aber welche Chancen verweigert man einem vernachlässigten oder misshandelten Kind? Da müsste man imho ansetzen: Bei der Frühförderung von Kindern aus den bildungsfernen Schichten, damit die eine Perspektive hätten.
Ein vernachlässigtes Kind wiegt für mich schwerer als ein Embryo, den man an der Nidation gehindert hat.
Ganz genau! Das ist, was mir zumThema Abtreibung auch immer durch den Kopf schwirrt. Ich möchte mich an dieser Stelle gar nicht für oder gegen die ABtreibung aussprechen. Das ist ein viel zu komplexes und sensibles Thema und ich billige da jedem (fast) jede wie auch immer motivierte Meinung zu.
Was Actin sagt, sollte aber sicher nicht aus den AUgen gelassen werden. Gerade hier im Osten (Entschuldigung, ich mag selbst keine Vorurteile, aber das ist mit wirklich erst hier so deutlich aufgefallen) und besonders in den "Neubaugebieten" sehe ich oft sehr junge Mütter mit Kindern/Kinderwagen. Es ist schwer die Optik dieser Mütter zu beschreiben ohne hier gleich als oberflächlich- spießbürgerliches Ars**loch verschrien zu werden, aber ich wage zu behaupten, dass man daran erkennen kann, was so den ALltag dieser Frauen ausfüllt und was für Chancen sie den Kleinen bieten können. Mann möge einwenden: "Was kannst du schon am Aussehen erkennen?" Richtig! Bei weitem nicht alles. Richtig unangenehm wird es, wenn ich mitbekomme wie diese jungen Damen und die zugehörigen Väter ihre Kleinkinder anschreien, grob Anfassen, in ihrer Gegenwart saufen und rauchen. Und dann sehe ich abends, was aus diesen Kindern wird. Mit 12/13 stehen die lässig ein Kippchen rauchend an der Haltestelle, schreien "Ey, Kunde!" und trinken ihr Sternburger zusammen mit den 18/19-jährigen deren Leben eigentlich genauso aussieht. Es tut mir einfach primär sehr für die Kinder leid, die ja nunmal nichts dafür können, dass sie in diese Familie/sozialen Verhältnisse hereingeboren wurden. Es ist sicher hart zu sagen, dass es besser ist ein Leben auszulöschen, bevor es eigentlich begonen hat [Bitte keine Diskussion um Definitionen], als ein perspektivloses und für den betroffenen fürchterlich belastendes Dasein, welches er/sie dann auch BEWUSST wahrnimmt, in Kauf zu nehmen. Ich möchte nochmals betonen, dass es mir nicht um "Rassenhygiene", sondern schlicht und ergreifend um Kinder bzw. die zukünftigen Erwachsenen die aus ihnen entstehen werden und um die Frage, was das kleinere Übel ist, geht.
Entschuldigt die Länge, aber ich konnte mich leider nicht kürzer fassen.
Gruß TT
@tadeus_t:
Ich bin mir nicht sicher, ob Du mich ganz richtig verstanden hast, und deshalb
nochmal:
Es geht mir darum, Abbrüche möglichst zu vermeiden.
Ich plädiere für die Schaffung besserer Bedingungen bei der Kinderbetreuung usw., damit sich evtl. weniger Frauen für einen Abbruch entscheiden.
Mir gehts um die Bekämpfung von Kinderarmut und das Schaffen besserer Perspektiven für Kinder, z. B. durch mehr Förderung im Kindergartenalter, mehr Angebote für Ganztagesbetreuung in Schulen, kleinere Schulklassen, gezielten Förderunterricht u.s.w. u.s.f....
Ich halte es für wichtiger, sich mit dem Thema Kinderförderung zu befassen, als akademische Diskussionen darüber zu führen, ob das Verhindern einer Nidation oder gar das Verhindern einer Befruchtung durch Anwenden eines Kondoms ein "Mord" ist (zumindest im moralischen Sinn).
Es gab zum Thema Kinderarmut in Europa vor einigen Monaten mal auf Arte einen sehr guten Themenabend, in dem die Situation von Kindern in Deutschland, Dänemark und Großbritannien verglichen wurde. Bei manchen Szenen sind mir die Tränen gekommen.
http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/kinderarmut/1055326.html
Es ist sicher hart zu sagen, dass es besser ist ein Leben auszulöschen, bevor es eigentlich begonen hat [Bitte keine Diskussion um Definitionen], als ein perspektivloses und für den betroffenen fürchterlich belastendes Dasein, welches er/sie dann auch BEWUSST wahrnimmt, in Kauf zu nehmen. Vielleicht verstehe ich Dich falsch, aber das klingt nach: Lieber mehr Abbrüche und dadurch weniger Kinder mit perspektivlosem Leben??:-???
Das wären die falschen Konsequenzen! Ich meinte genau das Gegenteil: Verbesserung der Perspektiven, damit es zu weniger Abbrüchen kommt.
surfsmurf
07.12.2006, 09:13
Es tut mir einfach primär sehr für die Kinder leid, die ja nunmal nichts dafür können, dass sie in diese Familie/sozialen Verhältnisse hereingeboren wurden. Es ist sicher hart zu sagen, dass es besser ist ein Leben auszulöschen, bevor es eigentlich begonen hat [Bitte keine Diskussion um Definitionen], als ein perspektivloses und für den betroffenen fürchterlich belastendes Dasein, welches er/sie dann auch BEWUSST wahrnimmt, in Kauf zu nehmen. Ich möchte nochmals betonen, dass es mir nicht um "Rassenhygiene", sondern schlicht und ergreifend um Kinder bzw. die zukünftigen Erwachsenen die aus ihnen entstehen werden und um die Frage, was das kleinere Übel ist, geht.
@tadeus_t: Auch wenn Du betonst, dass es Dir nicht um Rassenhygiene geht, finde ich solche Kommentare absolut deplatziert. Du musst schon auch den unteren Schichten gestatten sich fortzupflanzen, auch wenn Dir deren Lebensmodell anscheindend ein großer Dorn im Auge ist.
Ich plädiere für die Schaffung besserer Bedingungen bei der Kinderbetreuung usw., damit sich evtl. weniger Frauen für einen Abbruch entscheiden.
Du hast sicherlich recht, dass in diesem Land einiges mehr für Kinder und ein kinderfreundliches Klima getan werden müsste. Ich bezweifle allerdings, dass es so einen direkten Zusammenhang gibt zwischen Zahl der Abbrüche und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Vielmehr vermute ich, dass die meisten Abbrüche wohl eher aus der Angst entstehen, dass die eigene Lebensplanung unter die Räder gerät. Wenn eine Frau mit 23 kein Kind will, dann glaube ich nicht, dass sie ihre Meinung ändert, wenn sie weiß, dass es wenigstens einen Krippenplatz hätte.
Ich sehe den Ansatzpunkt eher vorher: Wie kann es sein, dass bei allgemeiner und eingermaßen kostengünstiger Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln jeglicher Art so viele Frauen ungewollt schwanger werden? Der Ansatz, unnötige Abbrüche zu vermeiden, besteht in meinen Augen also nicht darin, den Frauen Möglichkeiten zu zeigen, wie sie mit ihrem Kind umgehen können, wenn es denn schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist, sondern gesellschaftlich besser über Verhütung aufzuklären.
Vergleiche beispielsweise hier (http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,404892,00.html) oder hier (http://www.dgk.de/web/dgk_content/de/sondermeldung_juli-2006_teenager-schwangerschaften.htm)
Hallo surfsmurf,
ich habe heute nicht viel Zeit zum Antworten, deshalb nur ganz kurz etwas zu diesem Punkt:
Wie kann es sein, dass bei allgemeiner und eingermaßen kostengünstiger Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln jeglicher Art so viele Frauen ungewollt schwanger werden?
Darüber habe ich mit Simone zu Beginn der Diskussion per PN diskutiert. Man muss dabei berücksichtigen, dass keine Methode -selbst bei richtiger Anwendung- 100prozentig sicher ist. Wenn man das 'Restrisiko' der einzelnen Methoden auf die Anzahl der verhütenden Frauen hochrechnet, kommt man auf eine erstaunlich hohe Anzahl an trotz Verhütung eingetretener Schwangerschaften.
@Simone: Vielleicht kannst die Zahlen hier noch posten?
Simone_th
07.12.2006, 13:42
Wenn man von einer normalen Anwendung der Pille ausgeht, ist der PI etwa 1, d.h. von den 6 Millionen Pillenanwenderinnen in D werden somit jährlich 60 000 schwanger (in der Praxis sieht die normale Pilleneinnahme noch schlechter aus, da bewegen sich die Zahlen so zwischen 2 und 6)
eatpigsbarf
07.12.2006, 14:03
Ne, sorry, aber der PI ist viel (!) zu hoch. Bei der Pille ist der PI 0,1 -0,9 (grob über alle Pillensorten überschlagen - bei eingen noch geringer, nämlich z. B. 0,2-0,5) bei richtiger Anwendung. Das heißt auf 1.000.000 Schwangerschaft werden so ca. 1000-9000 TROTZ Pille schwanger. Und damit von allen Verhütungsmethoden immer noch ein Präparat mit sehr geringem Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.
Simone_th
07.12.2006, 14:09
Bei richtiger Anwendung (da wäre der PI sogar bei unter 0,1). Aber "richtig" wenden nur maximal 10% der Frauen die Pille an. Die Mehrheit vergisst sie gelegentlich, verhütetet bei Verdauungsschwierigkeiten, Antibiotika und andern Medikamenten, die die Zuverlässigkeit senken, nicht zusätzlich (deshalb bin ich auch so für die Spirale - die ist weniger fehleranfällig)
Simone_th
07.12.2006, 14:12
trussel, contraception 70, 2004 geht von 8% der Frauen aus, die im ersten Anwendungsjahr der Pille bei "normaler" Anwendung schwanger werden (ist erschreckend hoch....)
Ich hab grad mal beim Bundesamt für Statistik ein paar Zahlen zur Anzahl der gemeldeten Abbrüche (http://www.destatis.de/basis/d/gesu/gesutab17.php) rausgesucht (Werte gerundet):
"Werte für 2005: vorläufige Berechnungen"
Jahr/ (gemeldete) Abbrüche insgesamt
2000/ 135 000
2001/ 135 000
2002/ 130 000
2003/ 128 000
2004/ 130 000
2005/ 124 000
<15Jahre/ 15-18Jahre
2000: 574 / 6000
2001: 696 / 7000
2002: 761/ 7000
2003: 715 /7000
2004: 779 / 7000
2005: 659 / 7000
Quote je 10 000 Frauen: => weniger als 1 Prozent der Frauen
2000/ 80
2001/ 80
2002/ 78
2003/ 76
2004/ 78
2005/ 74
@tadeus_t: Du musst schon auch den unteren Schichten gestatten sich fortzupflanzen, auch wenn Dir deren Lebensmodell anscheindend ein großer Dorn im Auge ist. Aber Eltern haben nicht nur Rechte, sondern auch Erziehungs-Pflichten gegenüber ihren Kindern, und in Fällen, wie sie tadeus_t sehr drastisch geschildert hat, vernachlässigen sie diese ganz gewaltig. Da darf man nicht wegsehen und die Kinder ihrem Schicksal überlassen, sondern muss dafür sorgen, dass sie durch eine optimale Erziehung und Förderung eine Chance haben, aus ihrer Schicht herauszukommen.
Man müsste IMHO unbedingt dafür sorgen, dass alle Kinder im Vorschulalter an allen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, die man braucht, um Entwicklungsdefizite rechtzeitig zu erkennen und die Kinder gezielt fördern zu können.
Ob man dazu Pflichtuntersuchungen einführt oder den Eltern nur dringend empfiehlt, das Kind untersuchen zu lassen, wird ja zur Zeit diskutiert. Man könnte den Eltern z. B. einmal im Jahr eine Einladung zu einer Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt ihrer Wahl innerhalb eines bestimmten Zeitraums schicken, und wenn sie das Kind nicht zur Untersuchung brächten, könnte z. B.jemand vom Jugendamt einen Hausbesuch machen, sich einen Eindruck von dem Kind verschaffen und die Eltern bei Bedarf beraten bzw. ihnen (und natürlich auch dem Kind) Hilfe anbieten. Diese Dinge werden ja zur Zeit diskutiert, und ich meine, man sollte bald zu einer Entscheidung kommen.
surfsmurf
07.12.2006, 21:23
Aber Eltern haben nicht nur Rechte, sondern auch Erziehungs-Pflichten gegenüber ihren Kindern, und in Fällen, wie sie tadeus_t sehr drastisch geschildert hat, vernachlässigen sie diese ganz gewaltig. Da darf man nicht wegsehen und die Kinder ihrem Schicksal überlassen, sondern muss dafür sorgen, dass sie durch eine optimale Erziehung und Förderung eine Chance haben, aus ihrer Schicht herauszukommen.
Da hast Du sicherlich recht, davon sprach aber tadeus_t nicht. Er vertrat vielmehr die Meinung, dass es u.U. besser sein könnte, wenn solche Kinder gar nicht erst geboren wären:
....dass es besser ist ein Leben auszulöschen, bevor es eigentlich begonen hat ...., als ein perspektivloses und für den betroffenen fürchterlich belastendes Dasein, welches er/sie dann auch BEWUSST wahrnimmt, in Kauf zu nehmen. So eine Meinung ist, so sehr ich sonstige Posts von tadeus_t schätze, imho intolerabel.
Bei richtiger Anwendung (da wäre der PI sogar bei unter 0,1). Aber "richtig" wenden nur maximal 10% der Frauen die Pille an. Ja, nur habt ihr damit leider euer eigenes Argument widerlegt, mangelnde Zuverlässigkeit der Verhütungsmittel seien in großem Maße ausschlaggebend für die Zahl der ungewollten Schwangerschaften. Es wäre ja vielmehr die Frage zu stellen, warum so wenig Frauen die Pille "richtig" anwenden, womit wir wieder bei der von mir erwähnten Aufklärung wären.
@actin: Du redest oft davon, Perspektiven zu schaffen und eine bessere Versorgung für Kinder sicherzustellen. Leider hast Du noch nicht dazu Stellung genommen, aus was für Gründen du glaubst, dass in einem solchen Falle weniger Frauen abtrieben oder in welchem sonstigen Verhältnis dies zum Thema Abtreibung passt. Wie schon in einem meiner letzten Posts erwähnt, glaube ich nämlich nicht, dass Kinderkrippenplätze und vorgeschriebene Vorsorgeuntersuchungen (so sinnvoll beides auch sein mag) viele Frauen umstimmen werden, sich bei einer ungeplanten Schwangerschaft gegen einen Abbruch zu entscheiden.
Wie schon in einem meiner letzten Posts erwähnt, glaube ich nämlich nicht, dass Kinderkrippenplätze .....viele Frauen umstimmen werden, sich bei einer ungeplanten Schwangerschaft gegen einen Abbruch zu entscheiden.
Ob das viele Frauen wären, weiß ich nicht. Aber Du hast doch selbst vermutet, viele Frauen würden die Schwangerschaft abbrechen, weil ein Kind einfach (noch) nicht in den Lebensplan passte. Ich denke schon, dass es manchen Frauen leichter fiele, Beruf oder Berufsausbildung und Kind zu vereinbaren, wenn sie ihr Kind so gut versorgt wüssten. Und selbst wenn nur wenige Frauen dadurch von einem Abbruch abgehalten würden, wäre es doch ein Erfolg, denn es zählt schließlich jedes einzelne gerettete Leben.
...Perspektiven zu schaffen und eine bessere Versorgung für Kinder sicherzustellen. .......in welchem sonstigen Verhältnis dies zum Thema Abtreibung passt. Zum Zusammenhang zwischen Diskussionen über Abtreibung und meiner Fordrung nach besserem Schutz von Kindern:
Der besteht für mich darin, dass ich bei Diskussionen über Abtreibungen, speziell darüber, ob man das Verhindern der Nidation eines Embryos als "Mord" betrachten muss, manchmal den Eindruck gewinne, dem Schutz des ungeborenen Lebens in Form eines Embryos würde mehr Bedeutung zugemessen als dem Schutz des bereits geborenen Lebens in Form eines Kindes.
Und weil mich das stört, weise ich dann gern darauf hin, dass man sich mehr um den Schutz von Kindern kümmern müsste.
tadeus_t
08.12.2006, 16:08
@actin: Ich bin vollends d'accord, halte aber die Umsetzung deiner Forderungen in Bezug auf Kinderbetreuung für völlig utopisch in Deutschland. Zum einen fehlt das Geld, und zwar zunehmend. Zum anderen hat der Staat rechtlich gar nicht die Befugnisse Einfluss irgendeiner Art auf die Erziehungsmethoden von Eltern zu nehmen bzw. ihnen dahingehend etwas vorzuschreiben. Beim zweiten Punkt erinnere ich nur an mehrere Fälle von Kindesvernachlässigung/Mißbrauch, zum Teil mit tödlichem Ausgang, bei denen das Jugendamt zwar einen Verdacht hatte, aber keine Möglichkeit einzugreifen und die Kinder zu retten. Bei solchen Geschichten dreht sich mir der Magen um und ich komme zu der These, die ich in den Raum gestellt habe und die sursmurf als inakzeptabel bezeichnet...
@sursmurf: Ich wollte ganz sicher nicht vorschlagen Kinder mit einer schlechten "sozialen Prognose" auszuselektieren und sie gar nicht auf die Welt kommen zu lassen. Es geht mir nur darum verantwortungslosen jungen Müttern und Vätern eine (noch) leichtere Möglichkeit zu geben eine Abtreibung vorzunehmen, wenn ihnen gar nicht nach Kindern ist und sie lediglich aufgrund der Momentanen Gesetzgebung das Kind auf die Welt bringen. Das entscheiden also die natürlich die Eltern selbst und keine staatlichen Stellen. Das es immer noch Eltern geben wird die für den Bezug von Kindergeld/Sozialhilfe Kinder in die Welt setzen ist mir auch klar, aber hier müsste, wie von actin geschrieben, die staatliche Kontrolle viel massiver greifen. Solange der gesetzliche Handlungsspielraum der Jugendämter aber nicht genauer abgesteckt ist und das Augenmerk der Gesellschaft nicht stärker auf diesen Problemen liegt, halte ich die Umsetzung einer solchen staatlichen Kontrolle, wie oben bereits beschrieben, für wenig wahrscheinlich.
In der Hoffnung die Konfusion aufgrund meiner etwas drastisch formulierten und zugegebenermaßen missverständlichen Aussage gemildert zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
TT
Zum anderen hat der Staat rechtlich gar nicht die Befugnisse Einfluss irgendeiner Art auf die Erziehungsmethoden von Eltern zu nehmen bzw. ihnen dahingehend etwas vorzuschreiben. Beim zweiten Punkt erinnere ich nur an mehrere Fälle von Kindesvernachlässigung/Mißbrauch, zum Teil mit tödlichem Ausgang, bei denen das Jugendamt zwar einen Verdacht hatte, aber keine Möglichkeit einzugreifen und die Kinder zu retten. @tadeus_t:
Es wird aber zur Zeit in den Parteien darüber diskutiert, dem Staat bzw. den Jugendämtern größere Befugnisse zum Schutz vernachlässiger Kinder zu verschaffen.
Da muss sich etwas ändern. Die Eltern haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten, und der Staat muss dafür sorgen, dass die Kinder zu ihrem Recht kommen:
Ich hab mal schnell ein paar Links zusammengestellt:
5.12.06: Länder uneins über Kinderschutz
(http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/politik/609542.html)
In Bayern greifen die Konsequenzen schon für Kinder, die vom 1. Januar 2007 an geboren werden. Für sie wird die Auszahlung des bayerischen Landeserziehungsgelds an den Nachweis der Vorsorgeuntersuchungen gekoppeltI.
Das Saarland und Hessen haben Haushaltsgelder für ein verbindliches Einladungssystem reserviert. In beiden Ländern lädt eine zentrale Stelle Eltern ein, ihr Kind vom Arzt untersuchen zu lassen. Reagieren diese nicht, kommen Vertreter des Jugend-oder Gesundheitsamtes in die Familien.
"Es besteht damit die Möglichkeit einer nachgelagerten Zwangsuntersuchung", so der saarländische Sozial-und Justizminister Josef Hecken (CDU). Er sei soweit gegangen, wie es seine Landesgesetze zulassen. "Mehr geht nicht", sagte Hecken.
Der Minister hofft nun, dass eine Pflicht zu Vorsorgeuntersuchungen bundesweit Gesetz wird. Hessen und Saarland wollen die Rechtspflicht nun mit Hilfe des Bundesrates einführen. Mitte Dezember wollen die Bundesländer darüber abstimmen.
11. November 2006:
Zypries will Kinder per Gesetz besser vor Missbrauch schützen (http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=103381)"
29. November 2006:
Pflichtuntersuchungen für Kinder bleiben umstritten (http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?p=kinder&src=suche&id=26596)
24. November 2006:
Bundesländer weiter uneins über Pflichtuntersuchungen für Kinder (http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?p=kinder&src=suche&id=26543)
Gruß, actin
Simone_th
09.12.2006, 12:45
@actin: Ich bin vollends d'accord, halte aber die Umsetzung deiner Forderungen in Bezug auf Kinderbetreuung für völlig utopisch in Deutschland. Zum einen fehlt das Geld, und zwar zunehmend. Zum anderen hat der Staat rechtlich gar nicht die Befugnisse Einfluss irgendeiner Art auf die Erziehungsmethoden von Eltern zu nehmen bzw. ihnen dahingehend etwas vorzuschreiben. Beim zweiten Punkt erinnere ich nur an mehrere Fälle von Kindesvernachlässigung/Mißbrauch, zum Teil mit tödlichem Ausgang, bei denen das Jugendamt zwar einen Verdacht hatte, aber keine Möglichkeit einzugreifen und die Kinder zu retten. Bei solchen Geschichten dreht sich mir der Magen um und ich komme zu der These, die ich in den Raum gestellt habe und die sursmurf als inakzeptabel bezeichnet...
@sursmurf: Ich wollte ganz sicher nicht vorschlagen Kinder mit einer schlechten "sozialen Prognose" auszuselektieren und sie gar nicht auf die Welt kommen zu lassen. Es geht mir nur darum verantwortungslosen jungen Müttern und Vätern eine (noch) leichtere Möglichkeit zu geben eine Abtreibung vorzunehmen, wenn ihnen gar nicht nach Kindern ist und sie lediglich aufgrund der Momentanen Gesetzgebung das Kind auf die Welt bringen. Das entscheiden also die natürlich die Eltern selbst und keine staatlichen Stellen. Das es immer noch Eltern geben wird die für den Bezug von Kindergeld/Sozialhilfe Kinder in die Welt setzen ist mir auch klar, aber hier müsste, wie von actin geschrieben, die staatliche Kontrolle viel massiver greifen. Solange der gesetzliche Handlungsspielraum der Jugendämter aber nicht genauer abgesteckt ist und das Augenmerk der Gesellschaft nicht stärker auf diesen Problemen liegt, halte ich die Umsetzung einer solchen staatlichen Kontrolle, wie oben bereits beschrieben, für wenig wahrscheinlich.
In der Hoffnung die Konfusion aufgrund meiner etwas drastisch formulierten und zugegebenermaßen missverständlichen Aussage gemildert zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
TT
Das hast du gerade schön gesagt. Beim Einstehen für den möglichst freien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, muss man sich häufig den Vorwurf gefallen lassen, man will Menschen -u.a. sozial - ausselektieren.
Es war in der Vergangenheit nunmal so, dass finanziell und auch intellektuell besser stehende eher die Möglichkeit hatten, über das Austragen, bzw. Nichtaustragen ihrer Schwangerschaft zu entscheiden (finanzielle Mittel für eine Reise nach Holland oder GB, wissen über die Abtreibungsregelungen hier und anderswo und "connections" zu entsprechenden Ärzten), während es gerade für die sozial schlechter gestellten schwierig war, eine Abtreibung durchführen zu lassen (früher noch viel schwieriger, weil ohne Internet kaum Zugang zu relevanten Informationen).
Daher finde ich es sehr gut, wenn in Deutschland einerseits Abtreibung nach der Beratungsregelung strafffrei gestellt worden ist, andererseits gerade schlecht verdienende Frauen die Kosten dafür vom Staat erstattet bekommen. Denn kein Kind verdient es, wenn ihm mal vorgeworfen wird, es sei nur auf die Welt gekommen, weil die Eltern gereade die 400 Euro für einen Abbruch nicht aufbringen konnten.
Natürlich hat die Regelung in Deutschland auch seine Tücken - damit meine ich u.a. die ziemlich tief gesetzte Frist, verbunden mit der Zwangsberatung und darauf folgender "Bedenkzeit".
Heute kommen alle mit der demografischen Keule. Und ich beobachte, dass zunehmend weniger Frauen bereit sind, über einen (eigenen) Schwangerschaftsabbruch öffentlich zu reden. Gerade hier beisst sich aber die Katze in den Schwanz: eine 18jährige, die von ihrer Affäre schwanger geworden ist, wird in der Regel gesamthaft weniger Kinder in die Welt setzen, wenn sie sich für ein Austragen entscheidet, als wenn sie sie abbrechen lässt und Jahre später, in einer gefestigten Beziehung, sich für mehrere Kinder entscheidet.
Es war in der Vergangenheit nunmal so, dass finanziell und auch intellektuell besser stehende eher die Möglichkeit hatten, über das Austragen, bzw. Nichtaustragen ihrer Schwangerschaft zu entscheiden (finanzielle Mittel für eine Reise nach Holland oder GB, wissen über die Abtreibungsregelungen hier und anderswo.....
Daher finde ich es sehr gut, wenn in Deutschland einerseits Abtreibung nach der Beratungsregelung strafffrei gestellt worden ist.... .
Dass Abbrüche nach Beratung unter bestimmten Bedingungen heute straffrei sind, halte ich auch für richtig.
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