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Alles wird gut
17.09.2002, 20:06
Original geschrieben von Rico
Erstaunlich wie einfach Krieg funktioniert, was?
Deshalb funktioniert er auch schon seit 3000 Jahren so gut!

Klar, Krieg ist ist einfach: Man schiesst aufeinander- solange bis entweder keine Munition oder keine Leute mehr da sind... Das Prinzip ist wohlgemerkt einfach, aber die diplomatischen und psychologischen Auswirkungen sind weitaus komplexer als Du versuchst es darzustellen!!!
Gerade bei fundamentalen Regiemen ist damit zu rechnen, dass eine militärische Intervention genau das Gegenteil bewirkt! (siehe auch Israel: Die Anzahl der Panzer wirkt sich nicht gerade mindernd auf die Anzahl der Anschläge aus!)

Rico
17.09.2002, 21:00
Klar, Du mußt natürlich jemanden haben, den Du mit Deinen Aktionen treffen kannst. Ein israelischer Panzer der durch palästinensische Wohnzimmer pflügt, schafft wahrscheinlich wirklich mehr Terroristen als er bekämpft.
Gewalt die ins Leere läuft oder die falschen trifft spielt immer Deinen Gegnern zu (siehe USA in Vietnam) ist aber auch nicht im Sinne des Erfinders.

Aber schau doch mal jüngst in den Irak: Jahrelang geht nix, Sadam schmeist Waffeninspekteure raus wie's im paßt und als ob er nie einen Golfkrieg verloren hätte und alle UN-Mahnungen interessieren ihn nicht.
Solange bis Bush den Vereinten Nationen Dampf macht und sagt, wenn's mit euch nicht geht's dann eben ohne euch und im UN-Sicherheitsrat droht sich eine Mehrheit für Aktionen gegen den Irak zu finden und schon lenkt er ein.
Oder glaubt jemand, daß ohne jegliche Androhung militärischer Maßnahmen Sadam sich am 17. September 2002 spontan wieder dazu entschlossen hätte, die Inspekteure ins Land zu lassen, die er vier Jahre vorher eigenhändig rausgeworfen hat?
Das ist der Effekt der relativen Gewißheit, die sich in Bagdad ausgebreitet hat, daß ein weiteres Beharren darauf sicher zu einem Krieg (den sie natürlich nicht gewinnen würden) führen würde.
Und was fürchtet jemand, der machtversessen ist mehr als den Verlust seiner Macht?

Natürlich weiß ich auch, daß das globale Geschehen ungleich komplizierter ist, als ich es hier in den postings darstellen kann (sonst erreichen wir epische Längen und niemand liest sie mehr).

Wundert mich übrigens, daß Dir das nicht schon beim fraggle-posting aufgefallen ist, daß ja eindeutig eine unikausale Theorie zur Genese des Terrors postuliert...

Fraggle
18.09.2002, 01:35
Terror kann man nicht mit Krieg ausschalten. Krieg bringt immer wieder neuen Hass und Krieg in verschiedenen Formen. Das haben wir an den 250 Kriegen seit 1945 beobachten müssen. Der Ruf nach "Auge um Auge, Zahn um Zahn" im Alten Testament wurde von Mahatma Gandhi in seiner Zeit der großen Konflikte, aber auch für unsere Zeit gültig, so kommentiert: "Auge um Auge macht blind." Unsere Politiker werden zunehmend auf beiden Augen blind, nur ihre auf bestimmte Quellen ausgerichteten Ohren funktionieren bestens. Wenn ihnen gesagt wird "ihr müsst jetzt Solidarität auch im Militärischen beweisen, denn wer nicht auf unserer Seite ist, der ist auf der Seite des Terrors" dann gehorchen sie sofort.

Wir leben in einer Zeit, in der nicht Zivilcourage und ein präventives Engagement für Friedenserhaltung und für das Wohl der Menschheit groß geschrieben sind, sondern in einer Zeit, in der egoistisch nur an das eigene Wohl gedacht wird, in der Hunderte von Milliarden Dollar jährlich für die Waffenentwicklung und den Kauf neuer Waffen ausgegeben werden, in einer Zeit, in der man gefühllos mit ansieht, wie jedes Jahr 20-35 Kriege in Afrika, Asien und Lateinamerika stattfinden, in einer Zeit, in der fast eine Million Menschen in Ruanda umkamen, was mit Blauhelmen der Vereinten Nationen zu verhindern gewesen wäre, oder im Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea mit etwa 200.000 Toten, in einer Zeit, in der alle diese Kriege ein Mordsgeschäft für die Waffenindustrien ist, in einer Zeit, in der man nicht bereit ist, für die Verhütung von Armut, Elend, Hoffnungslosigkeit, und für die Gewährleistung von sauberem Trinkwasser, ausreichend Nahrung, Gesundheit, Bekämpfung von AIDS, Familienplanung, Er-haltung der Umwelt, und somit zur Verhütung von Neid und Hass und Bereitschaft zu Mord und Attentaten aktiv zu sein.

ZB nur ein Bruchteil der Milliarden Dollar hätte das Land Afghanistan nach dem Abzug der sowjetischen Armee mit Krankenhäusern, Schulen, Universitäten, Landwirtschaft und Industrie ausstatten können, und es wäre für die arme afghanische Bevölkerung nicht nötig geworden, mit dem Anbau von Mohn zur Heroinherstellung das Geld zum Leben zu verdienen. Entsprechendes gilt für das leidende Land Tschetschenien. Ein Volk im Wohlstand beginnt keinen Krieg und keinen Terror gegen andere.

luckyblue
18.09.2002, 17:28
Original geschrieben von Fraggle
Terror kann man nicht mit Krieg ausschalten. [...] Ein Volk im Wohlstand beginnt keinen Krieg und keinen Terror gegen andere.

:-top Wohlstand säen, Toleranz ernten. Mein Reden, vgl. auch mein letztes Posting. Im Afghanistan-Krieg ging es aber zunächst darum, die wahrscheinlichen Organisationsstrukturen des Terrors zu zerstören, um gewährleisten zu können, dass eine politische Aufbauarbeit auf fruchtbarem Boden gedeiht. Vor diesem Hintergrund ließ sich eine militärische Intervention gegen Afghanistan nicht vermeiden. Richtungsentscheidung zwischen Pragmatismus und Pazifismus notwendig.

hobbes
18.09.2002, 22:45
Durch die Negierung der Existenz von Terror und Bedrohung schaffen wir auch keinen Frieden. Die Antwort auf 9-11 kann ja nicht sein, einfach mehr Geld in die Entwicklungshilfe zu stecken. Bei Al Kaida und Co fruchtet eine gutgemeinte Hilfe nicht mehr. Dass durch eine bessere Entwicklungspolitik der Nachwuchs für Terrororganisationen gestoppt werden soll, ist ganz klar. Dabei müssen wir uns aber vor Augen halten, dass es sich um eine langfristige Aktion handelt.
Kurzfristig haben wir es mit einer ganz konkreten Bedrohung und benannten Aggressoren zu tun. Diese gilt es nicht zu erziehen, sondern auszumerzen. Die Negation dieser Tatsache ist keine Lösung.

Fraggle
19.09.2002, 01:39
Immer noch stehen wir, zugegeben, hilflos vor dem Wahnsinn menschlicher Geschichte, doch Krieg gegen den Krieg zu setzen, bedeutet nichts weiter als eine Eskalation des Wahnsinns. Solange wir immer noch glauben, mit gutem Gewissen Menschen töten und Kriege gewinnen zu können, sind wir nicht auf dem Wege des Friedens, sondern stets nur dabei, den nächsten Krieg zu provozieren und uns dafür stets noch »besser« zu rüsten. Auf diese Art wird das staatlich organisierte Morden niemals beendet, sondern stets von Stufe zu Stufe noch schlimmer weitergehen. Mahatma Gandhi hat recht: Der Friede ist kein Ergebnis, er ist das einzige Mittel, ihn zu erreichen: und wer nicht mit ihm beginnt, wird niemals mit ihm enden. Der Krieg - ist die ewige Täuschung, dem Guten durch Böses, dem Leben durch Töten und der Gerechtigkeit durch Gewalt dienen zu können; er ist die Anmaßung, daß just wir es wären, die immer schon wüßten, wie andere ihre Konflikte zu lösen hätten: und er ist die Illusion, die Besserung der, Welt gehe hervor aus der Detonation der »richtigen« Bomben zur »richtigen« Zeit. Grausamkeit überwindet man nicht mit Grausamkeit.

Fraggle
19.09.2002, 02:01
Alle Kriegsvorbereitung beginnt mit der propagandistischen Instrumentalisierung positiver Stereotype der eigenen Gruppe und dem Aufbau negativer Stereotype der Gegengruppe. Um skrupellos und mit gutem Gewissen töten zu können, bedarf es einer absoluten Rechtfertigung. Deshalb: Wenn jenseits der Gruppengrenzen keine Menschen mehr leben, nur Unmenschen, Gegenmenschen, Ratten und Bestien, wird alle Unmenschlichkeit förmlich zur Pflicht: Napalmbomben, Kassettenbomben, Atombomben, Wasserstoffbomben, Neutronenbomben, Graphitbomben - wir haben's, wir brauchen's, wir wenden es an. Wir töten in solchem Falle nicht mehr, wir eliminieren, wir neutralisieren, wir machen unschädlich, wir agieren chirurgisch. "Sie haben keine Rechte mehr", erklärt Militärminister Rumsfeld den gefangenen Talibansoldaten in Guantanamo. Jeder Krieg wird geführt in der Pose eines derartigen obersten Gerichtsherrn der Welt, als die internationale Exekution der Todesstrafe, als die Folge einer absoluten Polarisierung der Menschen in mythischen Begriffen - ein vermessenes Hinrichtungs-Tribunal, bei dem die Soldateska auf Erden die Stelle der Heerscharen im Himmel einnimmt. Ob heiliger Krieg, ob gerechter Krieg, ob humanitärer Krieg - es ist immer derselbe Wahn. Im Kampf gegen den Teufel muss man stets noch teuflischer sein als das, was man sich unter ihm vorstellt, und indem man Menschlichkeit mit militärischen Mitteln erzwingen will, nimmt man lediglich die Unmenschlichkeit selbst in die eigene Motivation, die eigene Praxis auf. So besiegt man nicht "das Böse", so wird man sein triumphierender Sklave.

als Erstes ist zu begreifen, dass Krieg selber Terror ist, so wie Terror Krieg ist - dass Terroristengruppen außerstaatlich operieren, ändert an dieser Feststellung rein gar nichts. Im Gegenteil, die schlimmsten Terrorakte im 20. Jh. wurden von Staaten verübt, schon weil sie über eine weit überlegene Kapazität zum Töten verfügen, während der staatlich definierte Terror so gut wie ausnahmslos eine Ersatzsprache von Unterlegenen darstellt, deren Anliegen allzu lange überhört wurden.

Will man Terror wirksam "bekämpfen", so muss man seine Gründe begreifen; man muss ihn in die Sprache zurückübersetzen, als deren Ersatz er sich setzt

Es rechtfertigt nicht den Terror, wer im Namen des Friedens verlangt, darüber nachzudenken, welche Gründe Menschen in den Terror treiben, so wie eine Gesellschaft, in der die Kriminalitätsrate wächst, darüber nachdenken muss, was sie falsch macht.

Rico
19.09.2002, 21:27
Original geschrieben von Fraggle
Ein Volk im Wohlstand beginnt keinen Krieg und keinen Terror gegen andere. Ich sag es immer wieder: Im Prinzip sind die Überlegungen einer kriegsfreien Welt eine super Sache und wenn es so einfach wäre, daß man den Drittweltländern bloß ein paar mal den US-Verteidigungsetat hinwerfen bräuchte und schon würde da unten alles blühen und florieren, dann wäre ich der erste, der das fordern würde.
Aber so funktioniert es einfach nicht:
"Ein Volk im Wohlstand beginnt keinen Krieg" - Osama ist verdammt reich! Verdammtverdammt reich! Und was macht er mit seinem Geld? Terror finanzieren!
Wie paßt das in die These?

Das sind nämlich ideologische Kriege, Religionskriege. Da kannst Du nochsoviel Geld reinpumpen, ein paar Fanatiker findest Du immer. Schau doch Nordirland, das Baskenland oder Deutschland zur RAF-Zeit an.
Haben Baader und Meinhoff am Hungertuch genagt und sind deshalb Terroristen geworden?

Die waren mit dem System unzufrieden, in Nordirland will jeder das Land des jeweils anderen, im Baskenland wollen sie Unabhängigkeit - was soll hier denn wirtschaftliche Hilfe bringen? ZUFÄLLIG entstammen die Attentäter des 11. September einem Konflikt der wirtschaftliche TEIL-Gründe hat und der läßt sich deshalb auf diese Weise nur zum TEIL lösen.
Der religiöse, der politische und der historische Anteil bleiben hierbai völlig unberücksichtigt.

Und die Diplomatie stößt dort an Grenzen, wo unvereinbare Standpunkte aufeinader treffen, wie z.B. im Nahen Osten, wo seit bald 50 Jahren nach einer Lösung gesucht wird.
Ungelöst, z.B. die Frage, wem Jerusalem gehört? Wie soll Wohlstand die klären helfen?

luckyblue
20.09.2002, 16:28
Wohlstand ist ja nicht unbedingt nur als materielle Sorglosigkeit zu verstehen, sondern beinhaltet auch immaterielle Güter wie Bildung, Individualrechte, Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Denk mal ans Maslow-Modell. Insofern basiert auch "Terror gegen das Establishement" (RAF) oder ideologische Verblendung auf der Tristesse beklemmender Lebensumstände, die als Mangel an Wohlstand erlebt werden und via Frustrations-Aggressions-Hypothese das Aufkeimen des Terrorismus begünstigen.

Fraggle
20.09.2002, 19:24
Aus "Chronik der US Aussenpolitik" von Conrad Schuhler:

1980-1990, Afghanistan: Die CIA heuert aus allen arabischen Ländern Aktivisten des islamischen Fundamentalismus an, um sie als "Heilige Krieger" gegen die von den Sowjets gestützte Regierung in Afghanistan einzusetzen. Zu den von der CIA ausgebildeten Terroristen gehört auch Bin Laden, dessen Organisation "AI-Qaida - Die Basis" unter der Ägide der CIA entsteht. Zur Finanzierung der Guerilla organisiert die CIA zusammen mit dem pakistanischen Geheimdienst den Drogenanbau in Pakistan und den "befreiten" Gebieten Afghanistans. Der Drogenhandel in alle Welt wird mit Hilfe der CIA-Logistik bewerkstelligt. Die "arabischen Afghanen" der CIA finden nach der Niederlage der Sowjetunion in den USA ein neues Ziel ihres "Heiligen Krieges

1981/85, Nicaragua: Aus dem Waffengeschäft mit dem Iran finanziert die US-Regierung den Aufbau und Unterhalt einer Söldnertruppe in Nicaragua, die sich vor allem aus Soldaten und Offizieren der Armee des früheren Diktators Somoza zusammensetzt. Dieser Einsatz von mehreren tausend "Contras" widerspricht einer ausdrücklichen Festlegung des US-Kongresses. Neben den Geldern aus dem Waffengeschäft mit dem Iran stehen der CIA weitere Finanzquellen zur Verfügung. Die US-Piloten schaffen über Costa Rica, Honduras und Panama Waffen heran, auf dem Rückflug in die USA nehmen sie Drogen mit, die auf diese Weise in die USA gelangen. Partner der CIA ist das Drogenkartell von Medellin. 1986 stellt der Internationale Gerichtshof in Den Haag fest, daß die paramilitärischen Aktionen der USA das Völkerrecht verletzt haben.

1991, Haiti: Die CIA veranlaßt einen Militärputsch gegen den ersten demokratisch gewählten Präsidenten, Jean-Bertrand Aristide. Die neue Militärjunta stürzt das Land in eine dreijährige Periode schlimmster Menschenrechtsverletzungen

1991 ff., Irak: Nach dem Überfall des Irak auf Kuwait bombardieren die USA mit einigen Verbündeten den Irak und besetzen weite Teile des Landes. In den ersten Angriffen kommen 200.000 Menschen ums Leben. Die weiteren Bombardierungen und das bis heute andauernde Embargo haben zum Tod von möglicherweise zwei Millionen Menschen geführt.

1998, Afghanistan: Angriff mit Cruise Missiles auf frühere CIA- Ausbildungslager in Afghanistan, wo Einheiten von Bin Laden vermutet werden, den die USA für Anschläge auf US-Botschaften verantwortlich machen.

Dies sind nur ein paar Beispiele ausgewaehlter Aussenpolitik der USA.

airmaria
21.09.2002, 01:00
.. und die Frage bleibt offen: wieviele Menschen wären gestorben, wenn die USA keine Außenpolitik betrieben hätten!

Da wir alle wohl höchstens gefährliches Halbwissen bezüglich diverser komplexer und bis ins Detail unzugänglicher außenpolitischer Verstrickungen besitzen, dieses zudem auch noch mit Sicherheit durch medienpolitisch angehauchte Darstellungsweise verfärbt vorliegt, müssen wir die Problematik im Grundsatz angehen!

Es gibt also Vertreter, die meinen, daß alle Menschen gut sind, Gewalt nicht mit Gewalt beantwortet werden darf (besser die andere Wange hinhalten...) und jedweder Krieg zu verurteilen ist...

Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die es für sinnvoll halten, daß in bestimmten Situationen auch mit Gewalt interveniert werden muß...

Ich persönlich glaube immer fest an das Gute im Menschen, wenn ich z.B. jemanden fremden kennenlerne - solange, bis er mich vom Gegenteil überzeugt hat. Leider ist dies tatsächlich schon einigemale vorgekommen...
Wenn es nun aber irgendwo Sojemanden auf dieser Welt gibt, der es zudem schafft, sich eine Unzahl fanatischer Anhänger auf ihn einzuschwören, stellt diese Situation für mich eine Gefahr für andere dar.
Natürlich darf man nur bedingt Menschenleben gegeneinander aufrechnen, aber ich denke jeder von uns wird in der Lage sein, sich in seiner Phantasie eine Extremsituation vorzustellen (notfalls kann er sich ja der Hilfe einiger geschichtlicher Ereignisse bedienen...), in der er selbst zur Gewalt greifen würde!

... und wenn mir irgendeiner hier verkaufen will, daß dem nicht so ist, der versucht mir beizubringen, daß Wasser rosa ist und bergauffließt...

Somit muß es auch Situationen geben, in denen Gewalt sinnvoll ist, auch wenn es noch so sehr gegen meinen Idealismus angeht.
An welcher Stelle diese dann aber tatsächlich einzusetzen ist, kann fast nie mit einer Garantie auf Richtigkeit beantwortet werden!
Diese Entscheidung muß aus den Fakten der Situationsanalyse (Nachrichtendienste, Satellitenüberwachung...) in Verbindung mit der Erfahrung (Geschichte, ähnliche Situationen...) gefällt werden.
Da kann nie jemand sagen: es ist völliger Unsinn oder es ist genau richtig... weil eben niemand weiß, wie es sich ohne diese Entscheidung entwickelt hätte (wie groß wäre z.B. das Geschrei in der Öffentlichkeit gewesen, wenn die Amis am 10.09.01 in Afghanistan eine handvoll Leute eiskalt umgelegt hätten...)!

Derjenige, der solch eine Entscheidung trifft, trägt also eine große Verantwortung, macht bestimmt auch mal einen Fehler... aber er tut etwas, um die Menschheit vor vermeintlich Schlimmeren zu bewahren.
Demgegenüber steht der ziemlich einfältige Weg, auf sein allzureines Gewissen zu pochen und nix zu tun, nach dem Motto: wir haben uns doch alle lieb und es wird schon.

Aber das haben wir ja schon früher gelernt: wer nix tut, kann keine Sünde begehen... :-))

Oh schreck, habe natürlich vergessen, daß wir selbstverständlich drüber reden können... da darf ich an dieser Stelle nochmal an die Phantasie, Realität oder Geschichte verweisen, wo man bestimmt auch Situation erkennt, wo diese Lösung auch ausgeschaltet werden kann!

"Mary" airmaria

Alles wird gut
21.09.2002, 02:02
Original geschrieben von airmaria
...Derjenige, der solch eine Entscheidung trifft, trägt also eine große Verantwortung, macht bestimmt auch mal einen Fehler... aber er tut etwas, um die Menschheit vor vermeintlich Schlimmeren zu bewahren. ...

"Mary" airmaria

An dem Rest habe ich prinzipiell nichts auszusetzen, Gewalt kann hier und da mal der Weisheit letzter Schluss sein. Der Notwehrparagraph hat schon seine Berechtigung.
Allerdings glaube ich nicht, dass die Person, die Du oben beschreibst, George W. Bush sein sollte!!! Da wäre ich mir auch nicht so sicher, ob er das kleinere Übel ist...

Rico
21.09.2002, 23:11
Original geschrieben von Fraggle
Aus "Chronik der US Aussenpolitik" von Conrad Schuhler:. Könnte auch die Bildzeitung sein, wenn man das so liest....
Original geschrieben von Fraggle
1991 ff., Irak: Nach dem Überfall des Irak auf Kuwait bombardieren die USA mit einigen Verbündeten den Irak und besetzen weite Teile des Landes. In den ersten Angriffen kommen 200.000 Menschen ums Leben. Die weiteren Bombardierungen und das bis heute andauernde Embargo haben zum Tod von möglicherweise zwei Millionen Menschen geführt.
Tja, dumm nur, daß das bis heute andauernde Embargo Nahrungsmittel und Medikamente ausschließt.
Wieviel Nahrungsmittel kann man wohl mit dem Öl bezahlen, daß der Irak seit 1991 exportiert hat? Ja wohl mehr als genug, wenn man bedenkt, was Öl kostet und was Essen!
Fragt sich, woran die Leute da gestorben sind...
Könnte es vielleicht an Sadam selbst liegen, der seiner Bevölkerung Nahrungsmittel verweigert, um die anti-amerikanische Stimmung aufrecht zu erhalten? Denn wie mehrfach bemerkt: Armut --> Unzufriedenheit --> Terror

Daß Krieg ultima ratio sein solte finde ich übrigens auch, im Fall des Irak halte ich das aber schon durchaus alle anderen Mittel zur Genüge erschöpft sind und da sich im Moment mal wieder zeigt, was Diplomatie mit dem Irak wert ist: Gestern: "Inspekteure ja und bedingungslos" heute "vielleicht und mit Bedingungen" und was kommt morgen?

hobbes
22.09.2002, 00:21
Airmaria spricht mir aus dem Herzen. Vielen herzlichen Dank für dieses posting.

(es ist tatsächlich eine Sensation dass wir hier gleicher Auffassung sind!)

:-))

Fraggle
22.09.2002, 00:56
Original geschrieben von Rico
Könnte auch die Bildzeitung sein, wenn man das so liest.... Tja, dumm nur, daß das bis heute andauernde Embargo Nahrungsmittel und Medikamente ausschließt.
Wieviel Nahrungsmittel kann man wohl mit dem Öl bezahlen, daß der Irak seit 1991 exportiert hat? Ja wohl mehr als genug, wenn man bedenkt, was Öl kostet und was Essen!
Fragt sich, woran die Leute da gestorben sind...



Ja nun, man kann sich natuerlich auch einfach hinstellen, seine Meinung kundtun (die man aus der Bildzeitung hat - wer weiss ?) , und einfach mal ein bisschen ins Blaue diskutieren, ohne weiter auf Fakten Ruecksicht zu nehmen oder sich zu informieren.

ok, but - who cares? (moralische Diskussionen sind einfach sehr unergiebig, wie ich finde)

Rico
22.09.2002, 10:48
Also erstmal finde, ich, daß es in einer Diskussion in der es darum geht etwas moralisch zu bewerten die eigene Meinung von sehr hohem Stellenwert ist, vor allem wenn es um eine völlig neue Situation geht (wie einen Präventivschlag gegen den Irak), die in der Geschichte bislang ohne Beispiel ist.

Ob zur Klärung der Sachlage ein Buch dienlich ist, das von einem Autor verfaßt ist, der auch schonmal Bücher zusammen mit dem weltweit als Amerikafreund und Liebhaber des CIA bekannten Fidel Castro verfaßt ("Kuba libre - Eine Insel spielt nicht mit"), wage ich hingegen zu bezweifeln.
Denn Herr Schuhler macht weniger authentische und ausgewogende Geschichtsschreibung (wie es ein Titel wie "Chronik der US-Außenpolitik" implizieren will) sondern macht einseite Politik mit Halbwahrheiten.
Man muß sowas auch ein bisschen kritisch sehen: Wenn ich ein Buch schreiben würde, in dem ich die US-Außenpolitik angefangen beim Vietnamkrieg in den siebten Himmel loben würde - würdest Du das dann alles glauben?

Fraggle
22.09.2002, 19:18
ALso,

wenn es hier nur um moralische Bewertung ging, so ist das Thema eigentlich schnell abgehandelt. Wir sind halt einfach unterschiedlicher Meinung, und das ist ja auch ok.

Natuerlich sollte man alles kritisch sehen u nicht nur einseitig einer Informationsquelle vertrauen. Habe nichts dagegen, wenn hier noch andere Sichtweisen praesentiert werden. Ich fand, dass der Schuhler-Ausschnitt nicht allzusehr in einer Richtung ging u eigentlich nur Fakten praesentiert, die ueberall zu lesen sind u selbst hier in USA gibt es eigentlich niemand, der das ernsthaft leugnen wuerde.

Selbst die Bush Regierung stellt sich auf den Standpunkt: OK - I m corrupt - and? You and I, we know it, so , but what will you do? It s allright...

Insofern hatte Daeubler Gmelin schon recht mit dem was sie ueber Bush gesagt hat ("waere eigentlich hinter Gittern nach heutigem Recht"), aber das ist ein anderes Thema. Nur aussprechen haette sie es natuerlich nicht sollen.

Also, ich bin fuer Meinungsfreiheit , insofern
nichts fuer ungut, bis dann

Fraggle

Fraggle
23.09.2002, 03:42
Alle wissen doch dass USA die BESTE Demokratie auf der Welt ist, sich immer für die Menschenrechte überall auf der Welt einsetzt, wenn auch einpaar millionen Menschen dabei getötet werden, das macht aber doch nichts! Das ist der Preis für die Freiheit, und die Toten sind sicherlich frei von allen Sorgen. Die USA unterstützt Diktaturen und Sklaverei nur mit besten Absichten, denn durch Kolonialen Eroberungen, Genozid und Sklaverei kommt man zum Ziel: die allerfeinste USA-typische Demokratie. Der Beweis: Die blutige Geschichte der USA.

Froschkönig
23.09.2002, 06:19
@Fraggle...

simma heut´wieda a bisserl polemisch :-D