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Zahnsteinkratzer
08.07.2007, 12:19
Liebe Kollegen,

ich möchte einige meiner Gedanken bezüglich unseres Berufsstandes im Allgemeinen und der Ausbildung im Speziellen mit euch teilen...

Das ZM-Studium gehört meiner Meinung nach an die Fachhochschule.
Es qualifiziert weder zum "Arzt" noch zum Zahntechniker. Ist in etwa genauso eine "Missgeburt" wie die (Zahn-)Arzthelferin (weder gescheite Krankenschwester noch Bürokauffrau/Sekretärin).

Absurd finde ich, dass im klinischen Studienabschnitt, der insgesamt lediglich zweieinhalb Jahre dauert, die komplette (zahn-)medizinische Ausbildung stattfinden soll.

Ich frage mich, was denn die humanmedizinischen Kollegen im klinischen Abschnitt (4 Jahre) und der anschließenden Weiterbildung (5-6 Jahre) so alles lernen müssen... Kaffee kochen? Blindschreiben? Steriles Anziehen?
Wenn man die Fachkompetenz eines Zahnarztes mit der eines Facharztes aus der Humanmedizin gleichstellt (was von Zahnärzten gern getan wird),müsste man es ja annehmen...

Meiner Meinung nach sollte für die Niederlassung auch bei Zahnmedizinern (analog zu Humanmedizin) eine Fach(zahn)arztweiterbildung Pflicht sein.
Ich empfinde es als fahrlässig, dass man "Halbgebildete" auf die Patienten loslässt und dann abwartet, was passiert... Halte ich in dieser Form für einmalig in Deutschland.

Des Weiteren halte ich die Lehrinhalte einer universitären Ausbildung nicht würdig. Es gibt wahrscheinlich keinen weiteren Studiengang, in dem die "Hausmeinung" eine derart wichtige Rolle spielt und bei dem der Anteil der Studenten mit "Auslandssemestern" so gering ist.

Unsinnig ist ebenfalls der gesamte zahntechnische Kram (dafür gibt`s Zahntechniker). HNO´ler und Ophthalmologen machen ihren Job sicherlich auch sehr gut, ohne eine Schmalspurausbildung zum Hörgeräteakustiker oder Augenoptiker durchlaufen zu haben.

Als Produkt dieser "akademischen Katastrophe" resultiert ein "Homunkulus", der sich "ZahnArzt" nennt und in Wirklichkeit jemandem ähnelt, der nach abgebrochenem Humanmedizinstudium eine ebenfalls abgebrochene Zahntechnikerlehre hinter sich hat und nun überlegt, ob er eher einen Psychologen oder Psychiater aufsuchen sollte, um das Erlebte zu verarbeiten...

Doch aufgrund der gesellschaftlichen Anerkennung inkorporiert der frischgebackene "Halbgott" schnell die neue Rolle als "Heilsbringer" und lehnt sich selbstgefällig zurück. "Richtiger Arzt" wollte er schließlich eh nicht werden, denn sonst hätte er ja auch Medizin studiert...

Lediglich manchmal, abends, vom Golfplatz kommend und im Vorbeigehen eine "Anwaltsserie" verfolgend, kommt unser Star ins Grübeln...
So im schicken Designer-Anzug vor lauschendem Publikum (statt vorgebückt über Zahnruinen), das wär´doch was...

Na ja, vielleicht im nächsten Leben...




Einer der es wissen muss

michaels
08.07.2007, 13:00
moment mal, ich bin zwar erst im 4. sem., kann deine auffassung auch teilen, aber ist es nicht trotzdem so, dass unser studiumsaufbau sinn ergibt? in österreich macht man bis zur 2. sip die gleichen sachen wie die humanis....ist das nicht noch schlechter? hier werden wir durch die zahntechnischen kurse direkt auf die zahnmedizin losgelassen, wir lernen einzuschätzen, ob sie uns spaß macht und uns liegt...natürlich ist es schwachsinnn, brücken aufzuwachsen, 28er aufzustellen und kronen zu verblenden, aber das präppen in phantom 1 und im tpk lassen einen schon in die klinik reinschnuppern, oder?

mein vater ist arzt und meine schwester ist in einem jahr fertig mit human, ich weiß was sie inzwischen wissen muss und denke, dass man das als zahni nicht wissen muss. ob man das überhaupt wissen möchte ist eine andere frage... ich denke, dass zahnmediziner weder "halbmediziner" noch "halbgötter" sind, sie sind einfach spezialisierte ärzte, wie labormediziner oder gyns auch.

als laborarzt muss man sich übrigends auch mit den geräten auskennen, da hilft auch kein rumjammern... und wenn du keine lust auf zahnruinen hast, dann mach doch ne weiterbildung zum mkg oder schick die "ekligen" patienten einfach weg, werd kinderzahnarzt oder studier jura.

ich freu mich auf jedenfall auch endlich vom gips wegzukommen und in der klinik odentlich am menschen präppen zu dürfen...

lg

ESEL
08.07.2007, 13:14
.....

McZahnAG
08.07.2007, 13:18
Aber dann bitte nicht mehr Zahnarzt sondern schön wieder Dentist !

sVeRiGe
08.07.2007, 13:58
Genau!
... und die Ausbildung gehört an eine Fachoberschule.


man sollte doch schon wissen, dass die Fachoberschule keine Uni ist sondern nur das Fachabitur ermöglicht -sonst nix. Ich habe keine Meinung, weil ich die auch nicht haben "darf"... aber wenn man keine Ahnung hat, ist man lieber ganz ruhig anstatt Vorchläge zu verbreiten,oder? :-meinung

vlsime
08.07.2007, 14:00
Hallo!


ich denke, dass zahnmediziner weder "halbmediziner" noch "halbgötter" sind, sie sind einfach spezialisierte ärzte, wie labormediziner oder gyns auch.

Das würde ich bezweifeln. Ein Facharzt für Labormedizin oder für Gynäkologie und Geburtshilfe ist durch sein Studium zunächst Arzt geworden, hat sich also der Medizin in ihrer gesamten Breite gewidmet und ist dann durch seine Facharzt-Weiterbildung zum Spezialisten für ein Gebiet geworden - im Gegensatz zum Zahnmediziner, der eben nicht Arzt mit zusätzlichem Schwerpunkt ist, sondern von vornherein auf einen klar definierten Bereich festgelegt war.

Grüße!

Stromer
08.07.2007, 17:45
Na dann ist die Lösung doch janz leichte:

Zahnmedizin wird eine Fachrichtung der Humanmedizin und es wird dann ebenso lange dauern. Dann gibt es auch keine Streitereien mehr, wer jetzt wie wertvoll für die Gesellschaft ist. :-peng

mc300
08.07.2007, 18:41
Sonst habt ihr keine Probleme ja?!

flopipop
08.07.2007, 20:59
@zahnsteinkratzer

also ich finde deine ausführungen vom ansatz her eigentlich richtig, wenn auch viel zu philosophisch und ohne lösungsvorschläge. du klagst über das berufsbild des zahnarztes, aber die diskussion ist ebenso sinnlos, wie über das schlechte wetter zu jammern.

ich finde auch, dass man im zahnmedizinstudium denkmäßig zu wenig gefordert wird, handwerklich jedoch schon recht viel. zahnmedizin ist handwerk.akademisches handwerk.und das ist die ganze schwierigkeit, das kann nicht jeder, weder ein reiner handwerker noch reiner akademiker und deswegen sind zahnärzte auch gesellschaftlich anerkannt und uneresetzbar.





Unsinnig ist ebenfalls der gesamte zahntechnische Kram (dafür gibt`s Zahntechniker). HNO´ler und Ophthalmologen machen ihren Job sicherlich auch sehr gut, ohne eine Schmalspurausbildung zum Hörgeräteakustiker oder Augenoptiker durchlaufen zu haben.



ich hasse es auch zahntechnische arbeiten herzustellen. jedoch macht das schon sinn, weil man dadurch besser die arbeit des zahntechnikers in der praxis einschätzen kann.

Knockout_Mouse
08.07.2007, 22:06
...ähnlich dem ideal, das aussenstehende (und zahnmedizinstudenten im 4.semster) von der (ärztlichen) qualifikation und den meriten des zahnarztberufes haben, will offenbar niemand wahrhaben, dass der kaiser (zahnarzt) für teures geld belogen und (universitär) betrogen, sich völlig nackt der lächerlichkeit preisgibt, die meisten aussenstehenden aber voll des lobes und der anerkennung für das vermeintlich prunkvoll gekleidete individium, sich nicht der "dummheit" preisgeben wollen, das erschreckend offensichtliche anzuerkennen: der kaiser ist nackt! im märchen lässt andersen ein kind mit diesem ausruf den schwindel auffliegen - in der realität, kann ignoranz kosmische ausmaße annehmen, und zu hartnäckigen verschönredungen führen: "na ja, ein bisschen luftig vielleicht - aber nichts desto trotz: hübsche kleider !"

das studium wird den meisten erwartungen schlichtweg nicht gerecht und jeder, der daraus mit geschwollener brust hervorgeht, ist in meinen augen nur ein weiterer "kaiser".

die selbsterkenntnis, dass unseren berufsstand ein wenig mehr demut und bescheidenheit gut kleiden würden, obliegt ihm allerdings selbst; das schliesst solche dünnbrettbohrer wie teilnehmer "esel", die sich in der vergangenheit mit dilettantischen äusserungen die rote karte er-foult haben und andere, chronische bedenkenträger und vorkliniker, per se aus.

diese leidige diskussion, ob zm nun aufgewertet (humanmedizinischer facharzt) oder abgewertet (volkshochschulabendkurs) werden sollte, ist - wie ich meine - keine akademische, sondern eine gesundheitspolitische.

persönlich zufrieden mit meiner wahl, verbindet mich mit dem beruf eine hassliebe und die suche nach einer selbstdefinition, ohne der hybris vieler meiner werten kollegen zu verfallen. geläutert von der illusion, "etwas besseres" als der physiotherapeut von gegenüber zu sein, haben wir - so wie wir sind und im rahmen unserer möglichkeiten - sehr wohl eine daseinsberechtigung. und ich zweifle nicht daran, dass die meisten dennoch einen guten job machen - unabhängig davon, ob man sich den euphemismus "zahnARZT" zu kopf steigen lässt oder eben darauf verzichtet...


prof. dr.dr.dr.h.c. MOUSE

Knockout_Mouse
08.07.2007, 22:12
@zahnsteinkratzer

also ich finde deine ausführungen vom ansatz her eigentlich richtig, wenn auch ohne lösungsvorschläge. du klagst über das berufsbild des zahnarztes, aber die diskussion ist ebenso sinnlos, wie über das schlechte wetter zu jammern.

ich finde auch, dass man im zahnmedizinstudium denkmäßig zu wenig gefordert wird, handwerklich jedoch schon recht viel. zahnmedizin ist handwerk.akademisches handwerk.und das ist die ganze schwierigkeit, das kann nicht jeder, weder ein reiner handwerker noch reiner akademiker und deswegen sind zahnärzte auch gesellschaftlich anerkannt.

ich hasse es auch zahntechnische arbeiten herzustellen. jedoch macht das schon sinn, weil man dadurch besser die arbeit des zahntechnikers in der praxis einschätzen kann.

ein advokat des teufels, aber du hast die positiven aspekte der ausbildung auf den punkt gebracht...

MOUSE

jabba666
09.07.2007, 05:46
wenn ihr im studium zuwenig allgemeinmedizinisches gelernt habt,liegt das an euch,möglichkeiten gab es reichlich.ich hab alles mitgenommen was ging und sehe mich deshalb zurecht als "arzt für oralmedizin",wenn ich es mal so nennen darf.
ich kann nur davon abraten unseren beruf auf die FH zu "degradieren",gerade in diesen wirtschaftlich schweren zeiten können wir vieles brauchen,aber keinen image verlust!wir sind ärzte und keine dentisten.

hennessy
09.07.2007, 15:27
ich fände es absolut in Ordnung, erst Humanmedizin studieren zu müssen und dann eine Facharztausbildung zum beispielsweise Facharzt für Zahn-Mund-Kieferkrankheiten oder wie auch immer man diese Richtung nennen möchte, anzuschließen. Wenn man bedenkt, welche verheerende Folgen eine "simple" Kieferfehlstellung haben kann, dann wäre das Studium der Humanmedizin völlig zurecht angebracht.

gruß
hennessy

Knockout_Mouse
09.07.2007, 22:27
noch einer stellt die fachliche kompetenz der zahnärzte in frage...

http://i10.tinypic.com/6gd81fm.jpg

MOUSE

Smibo
09.07.2007, 22:51
Ich frage mich wieso die Chirurgen sich nicht dauernd als Metzger bezeichnen? Ihr Job ist ja nichts anderes als in Fleisch oder Knochen rumzustochernd und am Ende zuzunähen.

Auch wenn unser Beruf hauptsächlich handwerklich ist so sehe ich mich als ZahnÄrztin, die die Gesundheit eines Patienten erhalten und wiederherstellen möchte. Ich finde sogar, dass das Studium viel zu kurz ist, da man zwar genug von der zahntechnischen Seite mitbekommt jedoch zu wenig Allgemeinmedizinisches geboten wird. Ich hätte mir mehr Psychologie, Pharma, ZMK und praktisches Arztwissen gewünscht.

jabba666
09.07.2007, 22:51
fragt sich nur wie man das abrechnet,vielleicht eine inz 2000?!?

Smibo
09.07.2007, 22:55
Ne, das ist eine x4:
Entfernen eines mehrwurzeligen Zahnes mit Verbindung zum Urogenitalsystem einschließlich Wundversorgung :-))

nnlglmpp
10.07.2007, 00:26
Also ich finde, man kann als Albsolvent sich schon brüsten, da man echt 5 Jahre lang die Assistenten ertragen hat.
Und wegen Image oder nicht Image. Ich glaub, es ist alles eine Frage des Geldes. Machen wir uns doch nichts vor. Viele studieren ZM des Geldes wegen, oder?!

milz
10.07.2007, 11:23
Als Gynäkologie, Neurologe, Psychiater, egal, immer hat man viele Dinge, die den ganzen Körper betreffen können, seien es Erkrankungen/Symptome oder die Medikamente. Die Zähne machen soweit ich weiß meist nur lokale Probleme und mit Medikamenten macht der ZA auch nicht viel. Mir fallen da jetzt ein: Endokarditis-Problematik bei Herzfehlern/Zahnruinen, Nebenwirkungen von Lokalanästhetika, Probleme des Kiefergelenks mit Kopfschmerzen bei schlechtem Biss, "Amalagamvergiftung"/Psychosomatik. Daher muss man als ZA vielleicht auch nicht so viel darüber wissen, was außerhalb des Kiefers los ist, wie ein Humanmediziner.

PS: Dass man als Zahni gut verdient habe ich auch schon gehört, aber da verdiene ich lieber etwas weniger und mache, was mir Spaß macht.

hennessy
10.07.2007, 13:43
Als Gynäkologie, Neurologe, Psychiater, egal, immer hat man viele Dinge, die den ganzen Körper betreffen können, seien es Erkrankungen/Symptome oder die Medikamente. Die Zähne machen soweit ich weiß meist nur lokale Probleme und mit Medikamenten macht der ZA auch nicht viel. Mir fallen da jetzt ein: Endokarditis-Problematik bei Herzfehlern/Zahnruinen, Nebenwirkungen von Lokalanästhetika, Probleme des Kiefergelenks mit Kopfschmerzen bei schlechtem Biss, "Amalagamvergiftung"/Psychosomatik. Daher muss man als ZA vielleicht auch nicht so viel darüber wissen, was außerhalb des Kiefers los ist, wie ein Humanmediziner.

PS: Dass man als Zahni gut verdient habe ich auch schon gehört, aber da verdiene ich lieber etwas weniger und mache, was mir Spaß macht.

Ein Zahnarzt hat genauso viel oder genauso wenig mit dem ganzen Körper zu tun wie z.B. ein Augenarzt oder ein Gynäkologe, um nur zwei Fachrichtungen zu nennen, ohne diese jedoch in irgendeiner Weise zu diskreditieren! Ich finde auch, dass ein Arzt, der sich auf z.B. Proktologie spezialisiert hat, den Bezug zur Gesamtheit der Humanmedizin mehr und mehr verlieren kann. Ich habe auch durchaus schon Radiologen erlebt, die Schwierigkeiten hatten, Masern zu diagnostizieren. Und wer schon mal einen simplen submucösen Abszess im Unterkiefer erlebt hat, der sich dann ins Mediastinum verabschiedet hat und einen lebensbedrohlichen Zustand generiert hat, der merkt zwangsläufig, wie sehr die Mundhöhle mit dem Körper in Verbindung steht.

Weiterhin stelle ich fest, dass viele Humanmediziner erschreckend wenig Ahnung von Zahn, Mund- und Kiefererkrankungen haben. Man traut sich nicht mal in den Mund zu fassen und dort z.B. die Zunge zu untersuchen, geschweige denn z.B. einen Lichen zu diagnostizieren.

Quintessenz: Im Zuge der immer weiter fortschreitenden Superspezialisierung bleibt der Bezug zum Menschen als Entität leider immer mehr auf der Strecke. Deshalb jedoch einzelne Fachdisziplinen herabzuwürdigen oder andere hochzujubeln finde ich nicht richtig.

Zum Thema Spass: Ich persönlich würde es mit sehr wenig Spass verbinden, z.B. als Proktologe zu arbeiten. Ich bin sehr gerne am anderen Ende, also Zahnarzt! ;-)

gruß
hennessy