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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pneumonie: BGA und medikamentöse Therapie



med-voices
11.01.2008, 09:38
Hallo :-winky
Ich bin im Rahmen meiner Prüfungsvorbereitung (ich mache die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin) auf Fragen zu dem Thema Pneumonie gestoßen.

Zum einen muss ich wissen, wie eine BGA, also Blutgasanalyse, bei einer Pneumonie aussehen würde.
Da habe ich mir überlegt, dass man mit Sicherheit einen respiratorische Azidose und eine Hypoxämie (Hypoxie) vorfinden könnte. Ist das richtig?
Kann man in der BGA auch noch andere Veränderungen feststellen? (Ich habe auch mal gelesen, dass man evtl. eine Hypokapnie vorfindet, aber das erschien mir nicht so logisch, wenn man schon eine Hypoxämie vorfindet!?)

Zum anderen muss ich wissen, wie die medikamentöse Therapie bei Pneumonie aussieht. Da haben wir durchgenommen, dass man ein Antiinfektivum nimmt, je nach Erreger. Aber gibt es eine Antiinfektiva-Gruppe die man bei Pneumonie besonders häufig verwendet?
Außerdem würde man doch sicherlich auch noch je nach "Hustenlage" ein Antitussivum oder Sekretolytikum verwenden, oder?
Verabreicht man auch noch andere Medikamente?

Wenn ihr mir ein paar Antworten geben könntet, wäre ich euch sehr dankbar :-stud

Eilika
11.01.2008, 09:52
Also, ich schreib mal, was mir einfällt, ohne Garantie für Richtigkeit oder Vollständigkeit!

Zum einen muss ich wissen, wie eine BGA, also Blutgasanalyse, bei einer Pneumonie aussehen würde.
Da habe ich mir überlegt, dass man mit Sicherheit einen respiratorische Azidose und eine Hypoxämie (Hypoxie) vorfinden könnte. Ist das richtig?
Kann man in der BGA auch noch andere Veränderungen feststellen? (Ich habe auch mal gelesen, dass man evtl. eine Hypokapnie vorfindet, aber das erschien mir nicht so logisch, wenn man schon eine Hypoxämie vorfindet!?)
Also, durch die Entzündung kommt es zu einem Ödem des Lungeninterstitiums. Dadurch kommt es dann zu einer Verlängerung der Diffussionsstrecke für den Sauerstoff aus den Alveolen in die Lungenkapillaren. Folge hiervon ist die Hypoxämie.
Nun ist es aber so, dass das Kohlendioxid wesentlich leichter diffundiert. Wenn der Körper also versucht, den erniedrigten O2-Partialdruck im Blut durch Hyperventilation zu korrigieren, sinkt dadurch der CO2-Partialdruck im Blut und es resultiert eine Hypokapnie. Erst bei fortgeschrittener Erkrankung oder wenn dieser Kompensationsmechanismus versagt kommt es zu einer Hyperkapnie, also zu einer respiratorischen Globalinsuffizienz, die meist auf einen schweren Verlauf hindeutet, möglicherweise sogar eine Beatmungsindikation darstellt, da sie wie ja schon geschrieben auf eine respiratorische Erschöpfung hinweisen kann.


Zum anderen muss ich wissen, wie die medikamentöse Therapie bei Pneumonie aussieht. Da haben wir durchgenommen, dass man ein Antiinfektivum nimmt, je nach Erreger. Aber gibt es eine Antiinfektiva-Gruppe die man bei Pneumonie besonders häufig verwendet?
Also, die meisten behandelten Pneumonien sind ja bakterielle Pneumonien. Wie nehmen also ein Antibiotikum! Und das nehmen wir zunächst mal kalkuliert nach dem vermuteten Erreger. Dafür gibt es schöne Tabellen, je nachdem ob die Pneumonie ambulant oder nosokomial erworben ist und ob sie typisch oder atypisch ist. Vor Beginnn dieser Therapie sollte man Material für eine mikrobiologische Untersuchung gewinnen (Blutkultur, evtl BAL), um die Antiobiose ggf. nach Erreger und Resistenzlage umstellen zu können.


Außerdem würde man doch sicherlich auch noch je nach "Hustenlage" ein Antitussivum oder Sekretolytikum verwenden, oder?
Verabreicht man auch noch andere Medikamente?
Wichtig ist eine ausreichende (parenterale) Flüssigkeitszufuhr. Bei Fieber physikalische Maßnahmen (Wadenwickel) oder Antipyretika (Paracetamol). Dazu Inhalationen und Sekretolytika (meist ACC), das ist aber zum Teil auch Haus-/Arztphilosophie. Atemgymnastik ist auch noch ne feine Sache!
Ansonsten noch O2 bei Hypoxie (BGA-Kontrollen), notfalls Intubation und Beatmung...

So, hoffe, ich konnte Dir damit helfen...
Liebe Grüße
Eilika

Hoppla-Daisy
11.01.2008, 11:35
Also, die meisten behandelten Pneumonien sind ja bakterielle Pneumonien. Wie nehmen also ein Antibiotikum! Und das nehmen wir zunächst mal kalkuliert nach dem vermuteten Erreger. Dafür gibt es schöne Tabellen, je nachdem ob die Pneumonie ambulant oder nosokomial erworben ist und ob sie typisch oder atypisch ist. Vor Beginnn dieser Therapie sollte man Material für eine mikrobiologische Untersuchung gewinnen (Blutkultur, evtl BAL), um die Antiobiose ggf. nach Erreger und Resistenzlage umstellen zu können.
Hm, ich bin ja quasi Mibi-Frischling, daher kann ich hier auch ein wenig Senf hinzugeben :-)).

Wichtig ist auf jeden Fall, UMGEHEND mit einer Antibiose überhaupt zu beginnen. Die mikrobiologische Untersuchung braucht ja einige Tage, und bis dahin sollte der Patient schon mal antibiotisch (Breitband!) versorgt sein (Prämisse hier: "hit hard and early"). Sobald der Erreger dann bekannt ist, stellt man auf ein spezifisch gegen diesen Erreger wirksames Antibiotikum um.

In der Regel reicht eine Behandlungsdauer von ca. 8 Tagen aus. Studien belegen, dass eine längere Behandlungsdauer keinen Benefit liefert, außer dass Resistenzen gezüchtet werden. Bisherige Beobachtungen aus neuen, noch nicht abgelaufenen Studien weisen wohl schon jetzt darauf hin, dass sogar eine 5tägige Behandlungsdauer ausreicht.

Hach, es macht Spaß, auch mal was in der Fachsimpelei beitragen zu können :-).

die chondropathia
11.01.2008, 11:48
Aber gibt es eine Antiinfektiva-Gruppe die man bei Pneumonie besonders häufig verwendet?

Außerdem würde man doch sicherlich auch noch je nach "Hustenlage" ein Antitussivum oder Sekretolytikum verwenden, oder?

Verabreicht man auch noch andere Medikamente?



Bei nosokomialer Pneumonie gern genommen: Ceftriaxon 1-0-0
Adjuvantien sind selten erforderlich, mit einem Antitussivum wäre man eher zögerlich - schließlich hat der Husten auch einen Sinn...
Bei Fieber: Flüssigkeitsbilanzierung, auf gute Hydrierung achten. Ansonsten Bettruhe...

Logo
11.01.2008, 13:41
Bei nosokomialer Pneumonie gern genommen: Ceftriaxon 1-0-0


Frage: Warum Ceftriaxon? Das ist doch Gruppe 3a da habe ich nach meinen Unterlagen dann eine Pseudomonas-Lücke, welcher bei ner HAP auch mal gerne rumhuscht. Wäre da nicht eher initial Grp. 3b (Ceftazidim) evtl. sogar 4 (Cefpirom) um Staph. aureus noch mitzunehmen sinnvoll? Second-Line evtl. Imipenem...

Gruß LOGO

test
11.01.2008, 13:54
Frage: Warum Ceftriaxon? Das ist doch Gruppe 3a da habe ich nach meinen Unterlagen dann eine Pseudomonas-Lücke, welcher bei ner HAP auch mal gerne rumhuscht. Wäre da nicht eher initial Grp. 3b (Ceftazidim) evtl. sogar 4 (Cefpirom) um Staph. aureus noch mitzunehmen sinnvoll? Second-Line evtl. Imipenem...

Gruß LOGO

Wenn du es genau wissen willst:

http://www.thoracic.org/sections/publications/statements/pages/mtpi/guide1-29.html

Für eine HAP ohne RIsikofaktoren ist Ceftriaxon erstmal in Ordnung.

Logo
11.01.2008, 13:59
Wenn du es genau wissen willst:
http://www.thoracic.org/sections/publications/statements/pages/mtpi/guide1-29.html
Für eine HAP ohne RIsikofaktoren ist Ceftriaxon erstmal in Ordnung.

Klasse, danke!
Warum lernen wir immer so einen Kram, wenn es dann doch wieder anders gehandhabt wird?! GNARF :-nix

Persephone
11.01.2008, 17:10
Unsere Pat. werden, wenn Pneumonie amb. erworben ist, erstmal mit Cefuroxim i.v. anbehandelt, bei schweren Infektionen (gerade bei Alten, die evtl aspiriert haben) kommt Metronidazol (Anaerobier) hinzu. Hilft nix, wird auf Tavanic oder Ciprobay umgestellt. Bei Jungen Pat. langt manchmal auch ein Makrolid. Wie das im ambulanten Bereich aussieht weiß ich nicht genau. Viele Pat. kommen anbehandelt mit Makroliden oder Ciprobay zur stat. Aufnahme.
Inhalation, Atemgymnastik und Vibrax stehen auch ganz oben. Antitussiva geben wir nur zur Nacht, wenn der Husten unproduktiv ist und wenns sonst gar nicht anders geht.

LG, P.