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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rheumatoide Arthritis



züri
26.01.2008, 20:51
1. Ich habe gelesen, dass häufige Todesursachen RA Patienten der Herzinfarkt (3x mal erhöhtes Risiko) und Infekte sind.
Weiss jemand welcher pathophysiologischen Ursache dies zugrunde liegt??

2. Sind bakt. superinfektionen befallener RA Gelenke möglich bzw. häufig oder ist das ganz ausgeschlossen??

Lava
27.01.2008, 11:13
Zum Herzinfarkt weiß ich nichts. Wo hast du das denn gelesen? Infekte würde ich mir einerseits dadurch erklären, dass RA eine Immunerkrankung ist mit einem fehlfunktionierendem Immunsystem. Wesentlich mehr ins Gewicht fallen dürften jedoch die Medikamente. Insbesondere Glucocorticoide und TNF alpha Hemmer erhöhen die Infektanfälligkeit.

Zu Punkt zwei: wäre mir jetzt auch nicht bekannt, dass das ein besonderes Problem darstellt. Sofern keine Verletzung vorliegt, müsste die Infektion ja hämatogen erfolgen. In meinen 4 Monaten auf der Rheumatologie hatten wir jedenfalls niemanden mit einer bakteriellen Arthritis. Nur mal einen mit einer wahnsinnig heftigen Gichtattacke - da hätte man leicht meinen können, das sei bakteriell. Das Punktat sprach aber "nur" für Gicht.

test
27.01.2008, 11:57
Es gibt ja Belege dass chronische schwelende Entzündungen das Koronare Risiko erhöhen. Beispielsweise sind leicht erhöhte CRP Werte (in einem ganz anderen viel niedrigeren Bereich als im klinishen Alltag bei akuter Entzündung) wohl relativ gute Indikatoren dafür.
Für Psoriasis (chronische Entzündung) wurde ja auch ein erhöhtes koronares Risiko festgestellt.
Der proinflammatorische Zustand scheint sich negativ auf die Gefäße sprich Atherosklerose auszuwirken. Ob man das aber konkret für RA so auch belegt hat, weiß ich nicht.

Avalanche
27.01.2008, 15:17
1. Ich habe gelesen, dass häufige Todesursachen RA Patienten der Herzinfarkt (3x mal erhöhtes Risiko) und Infekte sind.
Weiss jemand welcher pathophysiologischen Ursache dies zugrunde liegt??

In der Tat. Schauen Sie auch mal diesen Link mit vor allem weiterführenden Infos wer zZ in .de daran forscht.
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/112580/

Diese unholy Alliance zw Kollagenose und Herz ist ja schon lange beim Lupus bekannt. Ich erinnere mich aber noch an mein erstes Assistenzarzt Jahr (mitte der 70er), wo auf der Intensivstation meines Hauses eine ca 30j Frau innerhalb weniger Tage an einer rapid dilatativen Kardiomyopathie verstarb: Sie hatte überwiegend Zeichen einer RA und nur ganz diskrete Lupus Zeichen, auch Laborchemisch (soweit man die damals überhaupt hatte).
Sie wurde sektioniert und neben Zeichen einer Myokarditis fanden sich multiple vor allem periphere Coronarverschlüsse mit massiven disseminierten Gefässwandschäden, vor allem natürlich Endothel.

Der int Oberarzt stufte das Ganze schliesslich als Sharp Syndrom ein, ein Begriff der weit bis in die 80er in der Literatur umhergeisterte und der später durch den Term "mixed connective Tissue disease" ersezt wurde - der nichts anderes bedeutete als: "nix genaues weiss man nicht, aber das gibts" ;)

Inzwischen ist man etwas schlauer: Ra scheint - darauf deuten alle möglichen Ergebnisse hin - eine Systemerkrankung zu sein, die sich keinesfalls nur an den Gelenken "abarbeitet".

Zu berücksichtigen ist aber auch, dass so ca um 2005 Forscher aus Schweden über eine Genvariante eines Steuer Gens berichteten die mit einer erhöhten Inzidenz von RA, Herzinfarkt und Multipler Sklerose einhergehen soll.
Leider ist der Artikel auf der Site vom Karolinksa Institut nicht mehr zu finden (oder ich bin zu blöd, ihn zu finden - mein Bookmark ist jedenfalls "tot").

gruss, Avalanche