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Bille11
29.01.2008, 20:12
4 monate etwa

John Silver
29.01.2008, 20:44
Aber genau das kannst du an einer Uni ja auch machen...

Halte ich für ein Gerücht :-D

Im Ernst, prinzipiell ginge das schon, allerdings befreit es einen nicht davon, auch während der Klinikzeit ständig mit irgendwelchen Forschungsprojekten beschäftigt zu sein, wobei es meistens bedeutet, daß man sich für eine bestimmte Gruppe entscheidet, und anschließend die ganze Durchführung und den Papierkram klinischer Studien am Hals hat. Und das nervt ganz gewaltig, selbst wenn Forschung einem Spaß macht.

test
29.01.2008, 21:12
Halte ich für ein Gerücht :-D

Im Ernst, prinzipiell ginge das schon, allerdings befreit es einen nicht davon, auch während der Klinikzeit ständig mit irgendwelchen Forschungsprojekten beschäftigt zu sein, wobei es meistens bedeutet, daß man sich für eine bestimmte Gruppe entscheidet, und anschließend die ganze Durchführung und den Papierkram klinischer Studien am Hals hat. Und das nervt ganz gewaltig, selbst wenn Forschung einem Spaß macht.

Das kommt schon sehr darauf an, was man möchte und was man mit seinem Chef ausmacht.
Wer natürlich nur klinische Studien macht, wird es schwer haben dafür freigestellt zu werden. Aber bei Laborforschung ist das auf jeden Fall keine Seltenheit, aber so viele sind es ja auch nicht, die so ernsthaft an Forschung interessiert sind, dass sie das streckenweise in Vollzeit machen wollen.

anba
29.01.2008, 21:44
Du liebe Güte....wenn ich das hier so lesen, erwäge ich am Freitag nicht zu meinem ersten Tag zu erscheinen

Bin sehr gespannt, wann ich mich hier einreihen werde.... Na so 6 Monate wird es hoffentlich zumindest dauern.... Mit hat's damals schon nach zwei Tagen gereicht und nach einer Woche hab ich gekündigt. Wozu gibts denn schließlich die Probezeit?



Was sollen wir denn mit Tarifverhandlungen? Arbeitszeitverhandlungen sind viel angebrachter Nein, es geht auch diesmal, genau wie beim letzten Mal, nur ums Geld.

Der einzige Teil des TV-Ä, der zur Zeit neu verhandelt wird, ist die Gehaltstabelle. Alle anderen Teile,speziell die zu den Arbeitszeiten, haben längere Laufzeiten und können frühestens in ein paar Jahren gekündigt werden.

Aber wenn die Arbeitsbedingungen schon so beschixxen sind, dass die meisten den Krempel am liebsten schon nach wenigen Tagen hinschmeißen würden, können doch die paar Leute, die in diesem Scheißjob überhaupt noch durchhalten,
als Schmerzensgeld wenigstens ein anständiges Gehalt verlangen, oder etwa nicht?

die chondropathia
29.01.2008, 21:56
Schei$$job hin oder her - wer soll es richten, wenn nicht wir, die leistungsfähigen, belastbaren, ekelbefreiten aus der helfenden Zunft?

Kackbratze
29.01.2008, 22:01
Naja, ich schau auf meine Gehaltsabrechnung und denk mir, dass das vielleicht doch schon eine Menge ist, die ich da bekomme, aber dann merke ich wieder, wieviele Kübel scheiXXe über mir ausgekippt werden und wie oft ich der Ar$ch für alle bin.
Da verdiene ich vielleicht lieber n bischen weniger, bin dafür wie die ganzen Verwaltungsar$chgeigen pünktlich um 16.oo zu Hause und scheiXXe auf die ganzen Probleme, die an mich rangetragen werden, weil die Leute einfach zu blöd sind, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

Ich bin es leid, mich schlecht zu fühlen, wenn ich Leuten nach der OP sagen darf, dass der Tumor inoperabel war. Insbesondere wenn das Ding schon durch die Bauchdecke durchgewachsen war und schon seit Monaten "rumgetragen" wird.
Oder die Fetten, die nach dem Gastric-banding weiterfressen und dann in der Ambulanz rumheulen und erzählen, dass nach dem gastric-sleeve ALLES anders wird in Ihrem Leben.

Oder vielleicht doch die vernachlässigte Ehefrau, die ihre gesamten Probleme auf ihr eigenes Ar$chl0ch projeziert und einfach mal richtig kacken muss, damit sie glücklich ist...und auch meint, dass nach der OP ALLES in ihrem Leben besser wird.

Das Problem ist, dass diese Vollkasko-Arschlöch3r den Blick auf die echten Schicksale und Probleme von Patienten ruinieren und einen selber manchmal so stumpf machen, dass man einfach keinen Bock mehr auf Endkundenkontakt hat.
Das was ich mache, macht mich eigentlich glücklich und es macht mir Spass. Aber wie bei Allem macht die Menge das Gift, und unser System ist zur Zeit total vergiftet.

Justmy2cents

Doktor_No
29.01.2008, 22:24
jetzt haben wir uns aber auch genug gegenseitig runtergezogen. gibt ja auch andere beispiele. und ätz-anteile hat jeder job.

ich persönlich hatte bisher ne gute ausbildung, und das in deutschland in häusern der max-versorgung, keine uniklinik. in der chirurgie fing es, wie hier auch schon genannt, mit den kleinen und kleineren sachen an, ich fand das auch sehr okay, und wer gut ports kann ist auch beliebt (ich sach nur schweineeingriff oder "schei§§e, arterie!":-)) ). dann kamen die hernien, lipome,würmer, offene gallen etc, dann die strumen und am ende dünndarmteilresektionen und auch eine hemicolectomie, in der GCH varizen, OS- und US-amputationen und zu guter letzt ne leisten-TEA. dazu die ganzen assistenzen usw. usf.. dies alles in EINEM jahr, und ich war nicht der handwerker vor gottes gnaden, das kann ich wirklich sagen! allerdings muss ich auch sagen, dass ich vor der unterschrift in einigen kliniken hospitiert habe und mich über die erwählte klinik schlau gemacht habe. und mir war es in weiten teilen egal, wie viele stunden ich gekloppt habe, und das sehe ich immer noch so: in grossen operativen fächern ist man froh über jede sekunde am tisch, ob als operateur, 1.assistent, 2.assistent oder was auch immer. mein chef hat da immer gesagt: "wir sind chirurgen, wir können alles und immer!". nein, er hat es nicht total ernst gemeint, aber er wusste wie er seine leute motivieren muss ("ich verlange viel,aber ich gebe auch viel!"). abgesehen davon dass der auch als chef und operateur echt weltklasse ist (whipple in 2,5 stunden, resektionszeit bei hemihepatectomie nach pringle 18 (!!!) minuten, ach ich komme ins schwärmen... entschuldigung;-)). und wenn ich die inkarzerierte hernie dann eben nach 22 stunden dienst morgens um 5 operieren darf, sag ich doch nicht nein! natürlich wäre es mir auch lieber, einen adäquat bezahlten 8-stunden-tag zu haben, das wird nur hier in absehbarer zeit nicht der fall sein, von der fehlenden weiterbildung mal ganz abgesehen. aber auch in den USA ist das in der residency/im internship so: knüppeln ohne ende. ich möchte mal den arzt sehen, der da sagt "sorry, ich geh nach haus, bis morgen!". natürlich schön, dass der resident weiss dass er später reich werden wird wenn er will.

andererseits bin ich auch froh, eben keinen büro-job zu haben (auch wenn man oft denkt, dass es genau das ist...).

tja, was soll ich sagen, jetzt in der uro ist es sogar noch besser: super team, super chef, gute ausbildung, umsetzung AZG (wenn auch mit damit verbundenem verdienstausfall), aber auch ein grenzwertiger umgang des arbeitgebers mit den angestellten aufgrund der hier bereits in extenso angesprochenen insuffizienzen vielerorts... ich war allerdings vorher bei einem kirchlichen haus, daher weiss man auch kleine verbesserungen zu schätzen (und schlimmer als im namen der kirche zu knechten ist es nirgendwo, bezogen auf verwaltung und verlogenheit etc.,ich nehme das fachliche wie o.g. da komplett raus, da gab es nix zu meckern!).

unsere perspektiven sind doch insgesamt glänzend: stellen ohne ende, wenn wir bis zum facharzt durchhalten nimmt uns die halbe welt mit kusshand, und wenn man alternative berufsfelder gezielt sucht hat man auch gute karten. gibt schlechtere situationen. nokia in bochum...

Ehemaliger User 20130505
29.01.2008, 22:33
Irgendwie läuft das einerseits mal wieder auf ein Verwaltungsbashing, aber andererseits auch wieder auf ein Patientenbashing hinaus.

Ich greife jetzt mal die Unmutsäußerungen über Fehlverhalten von Patienten heraus:


Was hieltet ihr von einer TV-Diskussion über Fehlverhalten von Patienten, etwa unter dem Titel:

"Treiben (Kassen)-Patienten durch überzogene Ansprüche unser
Gesundheitssystem in den finanziellen Ruin?"

oder

"Treiben Patienten durch überzogene Ansprüche und Fehlverhalten unsere Ärzte in andere Berufe oder ins Ausland?"


Da kommt man halt mal nachts um 3 zum "Durchckecken" oder "mal ein paar Tage aufpäppeln". [....]

Oder meine Lieblings-Angehörigen, die eine Woche lang nicht zu erreichen sind, und dann um 19 Uhr "endlich mal einen Arzt sprechen wollen". Sicher, ich bin da. Die gehören dann zu meinen Lieblingspatienten, die irgendwas schon 4 Wochen haben, und dann mitten in der Nacht dringend den Notarzt rufen müssen, der sie dann auch noch ins KH zwingt.
Ich bin es leid, mich schlecht zu fühlen, wenn ich Leuten nach der OP sagen darf, dass der Tumor inoperabel war. Insbesondere wenn das Ding schon durch die Bauchdecke durchgewachsen war und schon seit Monaten "rumgetragen" wird.
Oder die Fetten, die nach dem Gastric-banding weiterfressen und dann in der Ambulanz rumheulen und erzählen, dass nach dem gastric-sleeve ALLES anders wird in Ihrem Leben. Disharmonic und Bratze, wärt Ihr z. B. bereit, Eure Meinung auch in einer TV-Diskussion über dieses Thema zu vertreten und durch überprüfbare Beispiele zu belegen?

John Silver
29.01.2008, 23:23
Im Prinzip bin ich bereit, auch öffentlich für meine Meinung einzustehen. Es ist jedoch so, daß öffentliche Diskussionen zum :-kotz sind. Da sitzen dann "Patientenvertreter", die breiter als hoch sind, und werfen einem vor, gegenüber "leicht bis mäßig übergewichtigen" Menschen intolerant zu sein; dann sitzen da noch Politiker, die nur auf ihre Chance warten, um Ärzten (!!!) mit der Moral- und Ethikkeule zu kommen; und weitere Demagogen, bei deren bloßem Anblick man das bereits erwähnte :-kotz kriegt. Solche Diskussionen finden regelmäßig statt, und regelmäßig sind die für den Popo.

Das Problem sehr vieler Menschen hierzulande ist m.E. ihre infantile Lebenseinstellung. Sie sind es gewohnt, vor den "unangenehmen" Seiten des Lebens beschützt zu werden. Wenn sie zum Arzt gehen, dann müssen sie keine Rechnungen bezahlen, von den lächerlichen 10 € Praxisgebühr mal abgesehen; sie müssen noch nicht mal Rechnungen, die durch die Behandlung ihrer Krankheiten entstehen, lesen; sie brauchen bloß der Schwester bzw. Arzthelferin die Karte zu geben, und schon ist alles "bezahlt", aber dann doch irgendwie auch "kostenlos". Und es ist dann egal, wie ungesund man lebt, wie risikoreich das eigene Verhalten für die Gesundheit ist, und wieviel man sich und vor allem der Solidargemeinschaft ersparen könnte, wenn man denn diese Risiken zumindest reduzierte, ja auch nur es versuchte; wenn etwas ist, dann wird schon "alles" getan, denn es ist ja für "alles gezahlt". Es ist ein äußerst seltener Anblick in Deutschland, daß ein Mensch mit den Konsequenzen dieser Einstellung konfrontiert wird - nicht mal am Krankenbett ist es angebracht, den Patienten auf die eigene Mitschuld an der Erkrankung hinzuweisen, selbst wenn diese Mitschuld klar ist wie Kloßbrühe - nein-nein, darf man nicht, ist ja soo schlimm unethisch. Es ist aber ein praktisch unbekannter Anblick, daß in Deutschland mal ein Patient nicht bloß mit den gesundheitlichen, sondern auch mit den finanziellen und sozialen Folgen seiner Ignoranz konfrontiert wird; noch seltener muß er die Konsequenzen selbst stemmen. Und es ist, so meine ich, nur zu verständlich, daß Menschen, die seltenst die Konsequenzen für ihr Handeln übernehmen müssen, sich wie verzogene Kinder benehmen, kein Maß für ihre Forderungen kennen.

Die beste Möglichkeit zur Behebung dieses Problems ist die Beseitigung des Auslösers. Die Solidargemeinschaft möchte ich auf keinen Fall abschaffen; jedoch muss das System für die Menschen transparenter werden, und zwar bis zum von mir vielzitierten :-kotz transparent. Die Menschen müssen so viele Einblicke bekommen, daß sie endlich kapieren, daß die gute Versorgung, die sie genießen, keineswegs so selbstverständlich ist, wie sie glauben - daß sie eben kein Grundrecht o.ä. ist.

Das wird aber nicht geschehen, weil es den Politikern aus strategischen Gründen nicht in den Kram paßt. Und da helfen keine Diskussionen :-)

Disharmonic
29.01.2008, 23:27
Hm, interessante Frage.
Ich möchte niemanden "bashen", zumal ich mit solchen Anglizismen ohnehin wenig anfangen kann.

Ich wünsche mir bzgl. Verwaltung und Patienten nur etwas mehr Sensibilität, da beides letztlich immer auf den Schultern des Arztes lastet.

Das Grundübel, was Verwaltung o.ä. angeht, sehe ich allein darin, daß alle glauben, im Gesungheitssystem müßte Geld verdient sein. Deswegen tricksen wir doch mit Liegedauern und Diagnosen und deswegen gibts den MDK.

Nein, Gesundheit ist für alle da und kostet soviel wie sie halt kostet.

Und diese Leute erheben ihre Daseinsberechtigung allein aus der Tasache, daß wenn ich mehr ausgebe als ich einnehme, ja dann mach ich Miese.
Echt jetzt? Wie kann das sein? Unser Geschäftsführer hat vor zig Leuten in zig Veranstaltungen und zig Versammlungen letztlich noch nie etwas Anderes erzählt.

In letzter Konsequenz hieße das, ich bräuchte keine KK, Verwaltungen, Abrechnungszeugs und alle, die daran verdienen.
Nein, wir machen unsere Arbeit: helfen (kranken) Menschen, aber bereichern uns nicht daran. Punkt.

Fehlverhalten möchte ich diesen Menschen auch nicht unterstellen. Vielleicht ist es nur diese Selbstverständlichkeit, von der immer ausgegangen wird.
Daß sich die Welt immer nur um sie dreht. Daß sie immer nur das Beste bekommen. Verdient sowieso. Und daß ausgerechnet in einem so komplexen System wie "Medizin" jeder immer alles besser weiß - solange er die Verantwortung oder die Konsequenzen immer schön brav abwälzen kann.
Liebend gerne hätte ich solche Menschen im Bereich ihrer Kompetenzen, z.B. als FACHverkäufer um mich herum. Nur leider hab ich sie nie kennengelernt.

Und zu allem Überfluß bin ich tatsächlich der Meinung, daß das Verhältnis eines Arztes zu einem ihm eigentlich völlig fremden Menschen etwas ganz Besonderes und auch Einzigartiges ist - weil man uns uneingeschränkt vertrauen können muß.

Deswegen kann ich nicht ins Fernsehen, wenngleich ich genug Beispiele hätte.
Ich verweise da nur auf meine rhetorisch ausgefeilten Briefe über "links-thorakale Schmerzen" ohne echte Aussage....

Fino
29.01.2008, 23:28
überprüfbare Beispiele
Geht schon allein wegen der aerztlichen Schweigepflicht nicht. Und man sollte auch diskutieren, wie Privatpatienten meinen, Aerzte fuer sich beanspruchen zu zu koennen auch wenn ein Kassenpatient die Betreuung noetiger haette.

Ehemaliger User 20130505
29.01.2008, 23:31
Im Prinzip bin ich bereit, auch öffentlich für meine Meinung einzustehen. Es ist jedoch so, daß öffentliche Diskussionen zum :-kotz sind.
Und deshalb :-kotz man lieber anonym das Internet voll.

Alles klar!


:-kotz

Ehemaliger User 20130505
29.01.2008, 23:39
Und man sollte auch diskutieren, wie Privatpatienten meinen, Aerzte fuer sich beanspruchen zu zu koennen auch wenn ein Kassenpatient die Betreuung noetiger haette.Klar. Das gehört natürlich auch zum Thema "Patienten mit überzogenen Ansprüchen."


Geht schon allein wegen der aerztlichen Schweigepflicht nicht. Da dürften natürlich keine Patientendaten genannt werden. Aber z. B. die Behauptung, es sei jemand nachts um drei zum Durchchecken gekommen, könnte man auch überprüfen, ohne Patientendaten zu veröffentlichen.

Relaxometrie
29.01.2008, 23:42
Diese Diskussion hier führt zu nichts, weil fast niemand bereit ist, kurzfristige finanzielle Nachteile oder sogar den Rausschmiß aus der Klinik in Kauf zu nehmen, um die Situation mittels Streik und/oder Boykott der Bürokratie wirklich grundlegend zu ändern.
Wenn ich die Assistenten in meiner Klinik und die direkten Kollegen meiner Abteilung sehe, merke ich, daß sich in deutschen Kliniken nie etwas ändern wird. Es wird "gekämpft", "durchgehalten" & gemotzt. Das war 's dann aber auch.
Eine kollektive Verweigerung z.B. von einigen bürokratischen Extremsinnlosigkeiten? Fehlanzeige.
Es gäbe noch genug andere Ziele zu erreichen, für die ein kollektiver Aufstand gut wäre.
Aber die Zeit, das hier zu verhackstücken, ist mir zu schade.

Ehemaliger User 20130505
29.01.2008, 23:43
Deswegen kann ich nicht ins Fernsehen, wenngleich ich genug Beispiele hätte.
Schade, aber so läuft das immer, wenn man Assistenzärzte sucht, die bereit wären, aus der Anonymität des Internets herauszutreten.

Ehemaliger User 20130505
29.01.2008, 23:46
Aber die Zeit, das hier zu verhackstücken, ist mir zu schade. :-meinung

Doctöse
29.01.2008, 23:47
Und man sollte auch diskutieren, wie Privatpatienten meinen, Aerzte fuer sich beanspruchen zu zu koennen auch wenn ein Kassenpatient die Betreuung noetiger haette.
Das ist so eine der Situationen, wo man als Student echte Vorteile hat. Da kann man schön Verbaleinläufe verpassen, weil die Patienten einem schlichtweg nichts anhaben können (man ist ja schließlich nicht bei der Klinik abgestellt). Besonders bei der Hotelmentalität geht mir gern mal die Hutschnur hoch. Solche Patienten machen Ärzten und Pflegepersonal einfach das Arbeitsleben unnötig schwer.
Ist es eigentlich wirklich so unethisch, z.B. einem adipösen zu sagen, dass er selber Schuld an seinem Diabetes Typ II/seinen Gefäßgeschichten/etc. ist? Es kommt sicher niemand weiter (weder Patienten, noch System), wenn der Patient immer nur in Watte gepackt wird, Dienstleistung hin oder her.
Bei meinen ehemals fetten Nachbarn hat es übrigens erst gefruchtet, als ein niedergelassener Kardiologe denen ins Gesicht sagte, dass fett = unglaublich nah am Tod für sie bedeutet. Und nein, er nannte sie nicht übergewichtig, adipös oder was auch immer, sondern fett. Jetzt haben beide einen normalen BMI und bei dem Kardiologen sind sie noch immer :-D

Doktor_No
30.01.2008, 01:03
vieles hier in diesem thread kann ich verstehen, manches nicht.

spätestens in der ersten famulatur sollte man doch mitbekommen, dass viele patienten ein wenig, um es mal vorsichtig zu formulieren, "schlichter" strukturiert sind. dass ebensolche einem dann ein paar jahre später die nachtstunden versüssen werden ist dann auch ab ebenjenem zeitpunkt zu erwarten. überanspruchsvolle private oder GKVler lernt man auch noch zu studi-zeiten kennen, bei nicht wenigen von "uns" ärzten gehören wir selbst als patienten oder unsere direkten angehörigen in diese gruppe ;-)

überbordene verwaltungsaufgaben und ein höchstmass an verwaltungs-gängelei werden einem im PJ täglich vorgeführt, von dem irrsinn an den unis mal ganz abgesehen, dafür bekommt man dann ein stück papier, kann man hier im forum auch einen schönen thread über eine approbationsurkunde lesen... http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=15752&highlight=approbationsurkunde

mir kann keiner erzählen, er sei als jungassi total von all diesem kram überrascht worden, und wenn doch: dann ist derjenige eher ein bisschen bräsig an die sache rangegangen...

zum umgang mit den hier mannigfaltig angemerkten "nervpatienten", deren existenz ich in meiner ersten reaktion auf die threaderöffnung sofort unterschrieben habe möchte ich auch etwas sagen: professionalität!!! es ist nicht unsere ärztliche aufgabe, den leuten vorzuschreiben wie sie zu leben haben, wir können nur empfehlungen geben. die pat sollten dann allerdings die konsequenzen kenne, da kann ich mich der kritik an der vollversorgungsmentalität hier nur voll und ganz anschließen. aber keine sorge, die deutschen pat werden es kennenlernen, und zwar ziemlich schmerzlich...
in der akutsituation beheben wir das problem soweit möglich, wenn der pat keine hilfe will weil uneinsichtig wird er aufgeklärt, unterschreibt und geht. soll ich das bewerten? kostet doch nur zeit und schlaf, mehr als denkanstösse geben kann ich nicht. warum soll ich nicht offen sagen "sie sind viel zu dick!"??
wenn ich der meinung bin es besteht ein akuter notstand, dessen folgen der pat aufgrund seiner laiensituation nicht abschätzen kann, er will aber keine behandlung, bespreche ich das mit meinem OA (ober sticht unter) und dann regeln wir das, hat bisher noch immer geklappt.

gleichzeitig ist es aber ebensowenig unsere aufgabe, für alles und jeden kleinkram zu jeder tages- und nachtzeit parat zu stehen. ich persönlich sage das meinen pat auch so: wenn sie mit kinkerlitzchen kommen bin ich sehr offen was meine bewertung der krankheitsschwere angeht, dabei kommt mir meine gute erziehung und auf knopfdruck einschaltbarer standesdünkel, gepaart mit arroganz, sehr zugegen. und aufnehmen zum "durchchecken" nachts um drei ist bei mir auch nicht drin, bei privaten denke ich nen moment länger drüber nach, weil ich ja über den pool indirekt selber dafür belohnt werde (hey, ich hab 2 kinder, ich MUSS so agieren :-))!) . bei unsinnigen konsilen belästige ich den veranlassenden kollegen ebenfalls gern, aber immer höflich!

so, flasche wein ist alle, ich hör mal besser auf :-))

Ehemaliger User 20130505
30.01.2008, 01:36
Das Problem sehr vieler Menschen hierzulande ist m.E. ihre infantile Lebenseinstellung. Sie sind es gewohnt, vor den "unangenehmen" Seiten des Lebens beschützt zu werden.
(...........)Und es ist dann egal, wie ungesund man lebt, wie risikoreich das eigene Verhalten für die Gesundheit ist, und wieviel man sich und vor allem der Solidargemeinschaft ersparen könnte, wenn man denn diese Risiken zumindest reduzierte, ..........
Es ist ein äußerst seltener Anblick in Deutschland, daß ein Mensch mit den Konsequenzen dieser Einstellung konfrontiert wird - nicht mal am Krankenbett ist es angebracht, den Patienten auf die eigene Mitschuld an der Erkrankung hinzuweisen, selbst wenn diese Mitschuld klar ist wie Kloßbrühe - nein-nein, darf man nicht, ist ja soo schlimm unethisch. Es ist aber ein praktisch unbekannter Anblick, daß in Deutschland mal ein Patient nicht bloß mit den gesundheitlichen, sondern auch mit den finanziellen und sozialen Folgen seiner Ignoranz konfrontiert wird; noch seltener muß er die Konsequenzen selbst stemmen. Und es ist, so meine ich, nur zu verständlich, daß Menschen, die seltenst die Konsequenzen für ihr Handeln übernehmen müssen, sich wie verzogene Kinder benehmen, kein Maß für ihre Forderungen kennen.[....]Zusammengefasst geht es Dir um die Vollkaskomentalität eines mehr oder weniger großen Anteils der (Kassen)patienten.
Beim Nennen des Problems sind wir uns also einig, aber nicht bei den Vorschlägen zum Beheben des Problems.
Mir ist schon klar, auf welchen Lösungsvorschlag Du hinaus willst, aber ich gehe bewusst nicht darauf ein, sondern mache mochmal meinen Vorschlag:

Ich bin sehr wohl der Meinung, dass man auch mal in der Öffentlichkeit darüber diskutieren sollte, wie weit Patienten bzw. bestimmte Patientengruppen zu vermeidbaren Kosten im Gesundheitswesen beitragen, um bei diesen Leuten wenigstens ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

Doctöse hat als Beispiel die Adipositas und ihre Folgen für die betroffenen Individuen und die Solidargemeinschaft angesprochen.

Ehemaliger User 20130505
30.01.2008, 01:52
spätestens in der ersten famulatur sollte man doch mitbekommen, dass viele patienten ein wenig, um es mal vorsichtig zu formulieren, "schlichter" strukturiert sind. dass ebensolche einem dann ein paar jahre später die nachtstunden versüssen werden ist dann auch ab ebenjenem zeitpunkt zu erwarten. überanspruchsvolle private oder GKVler lernt man auch noch zu studi-zeiten kennen, Eigentlich sollte man das schon im Krankenpflegepraktikum mitbekommen und dann die richtigen Konsequenzen ziehen. Genau deshalb kann ich Leute nicht erst nehmen, die das angeblich erst im ersten Job als Assistenzarzt merken.


überbordene verwaltungsaufgaben und ein höchstmass an verwaltungs-gängelei werden einem im PJ täglich vorgeführt, von dem irrsinn an den unis mal ganz abgesehen, dafür bekommt man dann ein stück papier, kann man hier im forum auch einen schönen thread über eine approbationsurkunde lesen... http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=15752&highlight=approbationsurkunde

mir kann keiner erzählen, er sei als jungassi total von all diesem kram überrascht worden, und wenn doch: dann ist derjenige eher ein bisschen bräsig an die sache rangegangen...:-meinung

Deshalb sind solche Jammerbeiträge für mich unglaubwürdig und dienen m.E. nur Propagandazwecken.


zum umgang mit den hier mannigfaltig angemerkten "nervpatienten", deren existenz ich in meiner ersten reaktion auf die threaderöffnung sofort unterschrieben habe möchte ich auch etwas sagen: professionalität!!! es ist nicht unsere ärztliche aufgabe, den leuten vorzuschreiben wie sie zu leben haben, wir können nur empfehlungen geben. die pat sollten dann allerdings die konsequenzen kenne, da kann ich mich der kritik an der vollversorgungsmentalität hier nur voll und ganz anschließen. aber keine sorge, die deutschen pat werden es kennenlernen, und zwar ziemlich schmerzlich...Siehe dazu meinen vorherigen Post. Man sollte diese Dinge zwar durchaus mal öffentlich, z.B.in einer TV-Sendung, ansprechen und den Leuten die individuellen gesundheitlichen Konsequenzen und die finanziellen Konsequenzen für die Solidargemeinschaft drastisch klarmachen, aber den Lebensstil kann man trotzdem keinem vorschreiben.


so, flasche wein ist alle, ich hör mal besser auf :-))Schade, ich hätte jetzt auch Lust auf ein Gläschen Riesling oderTrollinger, aber leider nichts im Haus.