Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fragmente, Gedanken, ???
Flemingulus
30.03.2009, 17:12
... ist ziemlich Celanesk geraten. Ich hab mir sogar mal hinterher gegoogelt, ob ich da nicht unbewusst-dreist plagiiere, hab aber nix Handfestes gefunden... außer einer Grenzstein-Metapher von Yvan Goll - in einer Abhandlung über Plagiatsvorwürfe von Claire Goll an Celan :-oopss
Äquinoktium
Ich träume Dir nach:
Hinter Mauern aus Schlaf,
den geschlossenen Augen,
bist Du die Schönste
im ganzen Land.
Ich schweige von Dir
mit nachtblauen Worten:
In der dunkelsten Sprache
glimmt der verbliebene Stern.
Geschlossenen Auges,
von innen, von außen,
führ ich den Tag hinters Licht.
Die Stunden zählen uns aus.
Kein Traum
hält länger
als der Schlaf,
doch am Grenzstein gemeinsamer Zeit
sind Tag und Nacht
einander endlich gleich.
Flemingulus
16.04.2009, 18:32
Neulich beim Grillen
Möchte der Herr vielleicht noch
einen Schluck Rinds-Schorle zur Grillwurst?
Nein? Lieber flüssig Brot?
Ach verzeihung, ich wusste nicht,
dass sie streng vegetarisch trinken!
LaTraviata
31.05.2009, 13:42
Frag' mich, was ich denn fühle
in dieser wechselnden Kühle,
wie eine wandernde Röhre
bis oben gefüllt von Leere.
Tausend Echos die ich hörend
widersinnig, aufreibend, falsch,
weinend, lautstark betörend.
So schreite ich weiter,
äußerlich taubstumm,
innerliches Zwiegespräch führend;
dem Ende entgegen
als Membran der Existenz
gefüllt von Inexistenz.
Flemingulus
07.06.2009, 16:22
Weil ich dank einschlägiger Urlaubsfotos grad gut gelaunt bin, gibts jetzt nochmal was Stimmungsentsprechendes:
Schöpfungs-Hymnus
Wir sind die Schöpfer.
In wechselndem Wirken,
in kreisendem, stoischen
aufwärts und nieder
sind wir die Schöpfer
und schöpfen und schöpfen
aus irdenen Schüsseln
Tomatensuppe.
Verdammt! Es fehlt Salz!
... hab aber hier auch wieder den Verdacht, dass ich das Wortspiel vom Gernhardt geklaut haben könnte... wenn dem so ist... sorry, Robert... war nicht so gemeint!
Flemingulus
07.06.2009, 19:09
Einen hab ich noch.... :-)
Abendsonnengedanken
Am Strand ein Pärchen, verliebt,
Hand in Hand, in der Betrachtung
der untergehenden Sonne, die sich gerade
die dunkle Decke, das Meer,
über'n Kopf zieht:
Schön, wenn abends die Menschen
so friedlich und golden
am Horizont verschwinden.
papiertiger
07.06.2009, 19:32
hab auch mal wieder was :)
sprachlich undicht
was sagt das gericht -
und was sagt es nicht?
erstlich frag ich mich
wem zu es denn spricht
und dann erst im licht
bricht die erste schicht.
(erstere bricht, zweitere nicht)
alles auf sicht.
Flemingulus
08.06.2009, 12:26
:-)) :-winky
dichgedicht
dich dicht ich nicht
bricht sich licht
richt mich nicht
pflichtverzicht
spricht wicht schlicht
kurzgedicht
ficht mich nicht: strich!
papiertiger
08.06.2009, 13:00
und spricht zum gedicht:
nein.
dich dicht ich nicht.
dichtetest mich doch
sprach es da noch
(das gedicht,
verweisend schlicht
auf den bericht.)
:-winky
Flemingulus
16.06.2009, 21:01
:-winky
ohne dich
die anderen das ist
was übrig bleibt
alltag das ist
was zu laut ist für dich
die zeit läuft im kreis
ohne dich
geht die welt
ihren gang
Flemingulus
28.06.2009, 15:00
Beziehungsweise
Schade, dass unsere Liebsten
gar so klein sind.
Doch wie könnten Sie uns sonst auch
zu Herzen gehen?
Als ich Dir aber gesagt habe,
such Dir gefälligst einen anderen,
hast Du mich wohl leider
irgendwie missverstanden.
Erinnerung als Übung im Alleinsein:
Nur was man verliert,
taugt als sinnvolles Maß
für erlittenes Glück.
Flemingulus
10.09.2009, 17:53
Sulpicia: Tandem venit amor
Tandem venit amor, qualem texisse pudori
quam nudasse alicui sit mihi fama magis.
exorata meis illum Cytherea Camenis
attulit in nostrum deposuitque sinum.
exsolvit promissa Venus: mea gaudia narret,
dicetur si quis non habuisse sua.
non ego signatis quicquam mandare tabellis,
ne legat id nemo quam meus ante, velim,
sed peccasse iuvat, voltus componere famae
taedet: cum digno digna fuisse ferar.
***
Na endlich kommt mein Liebesgott, den zu verbergen hier
mir größ're Scham bescherte, als der Ruf, ihn jedermann enthüllt zu haben.
Es führte Venus von Cythera, in meinen Liedern tief beschwor'n,
mir jenen zu und übergab ihn meinem Schoß.
Gehalten hat so Venus die Versprechen; es trete meine Freude breit,
von wem gesagt sein kann, der hatte keine eig'ne.
Ich will nicht etwas anvertrau'n versiegelten Notizen,
dass ja dies niemand liest vor mir als nur der Meine,
erfreu mich bester Fehlbarkeit, dem Ruf geschuldetes Gehabe
kotzt mich nur an: als würdig einem Würdigen werd ich gewürdigt werden.
-------------------
Sulpicia, die Ältere. Römische Dichterin zur Zeit von Kaiser Augustus. Im dichterischen Dunstkreis von Ovid und Tibull. Im Corpus Tibullianum gibt es sechs kürzere Liebesgedichte, die allgemein der Sulpicia zugeordnet werden.
LaTraviata
13.09.2009, 19:11
Wolken ziehen stets vorbei
selbst wenn ich es nicht glaube
auf Regentage folgend
geben sie das schönste Blau frei.
Dann ziehen weite Bänder
Die von Freiheit erzählen
An diesem Himmelszelt
Zäune um grauer Tage Ränder
Und ich stehe staunend da
Ob der Schönheit, die sich zeigt
Der große Hunger auf das Leben
Macht sich polternd in mir breit.
Flemingulus
14.09.2009, 20:21
Rondineau
Der Sommer ist verreist
er ging dahin mit dem Wind
und die Sonne macht jetzt Urlaub
seit die Schwalben geflogen sind.
Warum gibt es graues Wetter?
Das weiß man nicht wirklich, mein Kind,
man sagt, der Himmel muss weinen
und wird davon farbenblind.
Der Himmel ist vereist,
der Sommer ging mit dem Wind,
und ich träume von ihr und vom Süden,
seit die Schwalben geflogen sind.
Die Niere
14.09.2009, 21:06
Skyscraper
Licht
Laut
Neu
Toll
Berge
Grau
Arbeit
Melatonin
...wieder da!
Flemingulus
29.09.2009, 20:43
K.O. Reime: Pest Morber Menge
im nebel ruhet noch die welt
noch träumen wald und wiesen
bald siehst Du wenn der schleier fällt
den blauen himmel unverstellt
herbstkräftig die gedämpfte welt
in warmem golde
im warmen gold
im armen gold
im nebel huret noch die welt
im nebel noch soll man die wellen
soll man die schleier feiern wie sie fällen
die fäller schleiern wie sie fallen
es ist nicht alles gold
es glänzt nicht alles gold
es glonzt nicht gäld
nächt glinzt die feier schällt
waldwiesenfeld
ist alles nichts
es ist nicht alles gold der welt
wie Du so blau gestellt
so unterm blauen schleierzelt
im himmelsgold
in herbsteskält
die leier fällt
zur ruhe
graue
nebel
welt.
Flemingulus
02.10.2009, 19:47
Angeregt durch die weiter oben stattgehabte Herbstdepressionsleugnung hier:
Herbsthaikus
Das Jahr blättert ab:
Dilatierte Gefühle,
Herbstinsuffizienz.
***
Sauwetter! Jetzt wird
was den Sommer verschönte
in Pullis gepackt.
***
Acht durch. Sonne aus.
Die Nacht zieht Regenfäden
im Laternenlicht.
***
Altes Jahr, das heißt
für mich natürlich erstmal:
endlich neuer Wein!
***
Draußen ist jetzt Herbst.
Macht mir aber gar nix aus.
Drinnen läuft Fußball.
Flemingulus
05.10.2009, 17:42
So.... einen (drei) hab ich noch (Z. n. wochenendlichem Herbstspaziergang)... dann geb ich noch mal ein bisschen Ruhe... ;-)
Blindenschule
Als ich einmal
an einem strahlenden Sommertag
mit verkniffenen Augen
in den Himmel starrte,
empfahl mir einer
mit drei Punkten am Arm
etwas mitleidig,
die Sonne lieber
weiter unten zu suchen.
***
Herbstsonne
Blattgold:
Die dünne Schicht Herbst
auf den Bäumen,
verzweigtes Licht,
bis der lange Regen
kahl wäscht unsere Wälder.
Auch wir, farbige Tiere,
sind nur auf Zeit bemalt,
aber die Namen,
die wir für einander hatten
im letzten Sommer,
bleiben verzeichnet
auf alten Karten
tief im Süden.
***
Comeback
Mein liebes Schrebergärtchen
fiel dem Frühfrost zum Opfer.
Aber an einem richtig ekelhaften
Nebelmorgen äußerte sich
der Sommer noch einmal
machtvoll und wirksam
bei starkem Kaffee
als Holundergelee.
LaTraviata
27.10.2009, 02:08
Resumée
Leben heißt ab und an zu sterben,
Ideale zu verlieren,
am Boden liegend
in den Himmel zu stieren
- auf der Frage nach dem Warum
Und sei es drum, endlich
mit feuchten Augen
die Vergangenheit zu betrachten
wütend zu schlachten
- keine Pläne, sondern den Lebenswahn.
Plötzlich mit der Achterbahn
Die Talfahrt in Rasanz
Wie ein Höllentanz,
nur ohne Wärme
Der Opferaltar,
traurig, kalt und leer
Sinn?
Den gibt es nicht mehr...
LaTraviata
27.10.2009, 02:14
Blindflug
Grenzen stecken sich manchmal
- ganz von selbst ohne Frage.
Ob man will, oder nicht:
Das Ende der Tage
des Verkleidens ist in Sicht.
Würde es Euch sehend machen?
Mir mehr Glück verschaffen?
Ich glaube kaum.
Der Lebensplan war geschrieben
zwar zögerlich
mit Bleistiftstrich
aber ernstgemeint.
Ein Blatt Papier nur noch
- zerknüllt, verweint
Abziehbild des Schicksals
Vereint und verwoben
Mit meiner einer
in einem Kellerloch
das sich mal Leben nannte.
Flemingulus
27.10.2009, 09:47
:-winky
Da schick ich dann doch mal zur Aufhellung einen Profi - zumindest auszugsweise - in den Ring:
Auf was nur einmal ist
Manchmal fragt man sich: ist das das Leben?
Manchmal weiß man nicht ist dies das Wesen?
Wenn man aufwacht, ist die Klappe zu.
Nichts eratmet, alles angelesen,
siehe, das bist du.
[...]
Aber dann, aufeinmalso, beim Schlendern,
lockert sich die Dichtung, bricht die Schale,
fliegen Funken zwischen Hut und Schuh:
Dieser ganz bestimmte Schlenker aus der Richtung,
dieser Stich ins Unnormale,
was nur einmal ist und auch nicht umzuändern.
siehe, das bist du.
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