Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fragmente, Gedanken, ???



Seiten : 1 2 3 [4] 5 6

Flemingulus
29.10.2009, 21:39
Verwechslung

"Darf ich Ihnen meinen Platz anbieten?",
fragte ich den alten Mann in der U-Bahn.
"Das siehst Du falsch, mein Junge",
meinte der grimmig,
"zu gegebener Zeit werde ich Dir
meinen Platz anbieten."



Blind

"Es muss so schlimm sein",
meinte ich zu dem Blinden,
"sein Leben in völliger Dunkelheit
zu fristen."
Der aber fragte verwirrt:
"Dunkelheit...
was ist das?"



Dialog über Kunst

"Schau mal,
ich hab ein Gedicht
geschrieben!"

"Das sehe ich,
aber für wen?"

"Na... für jeden,
den's interessiert."

"Dann taugt es nichts."

Flemingulus
22.11.2009, 19:14
Neues Fragmentarisches...


Verbleib

"Gebraucht" hieß das Motto der Nacht:
Im Haus des Schlafes zu Gast
hatten wir uns auf dem Herzen
und brachten uns an den Tag.

Deine Spuren markieren jetzt
dieses abgelaufene Glück

und man sagt, Du fehltest mir sehr,
aber bist Du nicht schön wie am ersten Tag
und ist nicht der erste Tag
immer noch schön wie Du?

Flemingulus
01.12.2009, 21:39
*fragmentierfragmentier* :-)



Paarbildung:
Aus Null wird
Minus und Plus.


***

Die Liebe: Ein ganz schöner Sprung
in der Suppenschüssel des Lebens
bis hinunter auf den Grund der Zweisamkeit.

LaTraviata
29.12.2009, 00:41
Lediglich eine Variation, nichts Neues...
********************************

Das ganze Leben bauen wir
an dem, was blässlich,
zögerlich, mit dünnem
Bleistiftstrich
oder entschlossen,
mit dicker,schwarzer Tinte
auf Papier ergossen.

Kein Gedanke an den Unsinn
dieses Zeichnens, Skizzierens
Skalierens eines
unberechenbaren Lebens
verschwendet,
dessen Eigendynamik
stets das Blatt wendet.

Flemingulus
08.01.2010, 18:45
Also da schließ ich mich doch auch mal wieder an:


Du warst gekleidet
in nichts als die funkelnde Nacht
und ich staunte empor
zum leuchtenden Firmament.
Ein Sternenmeer.

Aber dann
ziemlicher Schiffbruch bei der Navigation
fürwahr ich war
doch ein lausiger Astronom.

Flemingulus
10.01.2010, 18:38
Noch ein paar Kritzelsplitter zum lyrischen Generalbassthema :-)


Warum gibt es die Erste Person Plural
eigentlich nicht in der Höflichkeitsform?

***

Sie machten sich beim Sex unsteril.

***

Du A...loch!
Gib mir jetzt irgendwas,
womit ich Dich gern haben kann!

***

Liebe ist nicht käuflich.
Auch nicht mit Liebe.

***

Liebe beweist gar nichts.

***

Und suche uns nicht in Verführung!

Flemingulus
14.02.2010, 20:03
Zwiegespräch

Du bist ganz
in Gedanken
und manchmal
sprichst Du mich an,
um mir etwas
zu bedeuten.

"Seit ich Dich zum letzten Mal sah,
bist Du älter geworden.
Pass schön auf Dich auf,
dass mir ja nichts zustößt
in Deinem Kopf!"

Flemingulus
25.02.2010, 22:59
Schreck bei der Morgentoilette

Als ich heutfrüh
vor den Badespiegel trat
fand ich da nur noch folgende Notiz vor
(natürlich in Blindenschrift):

Lieber Chef!
Ständig Deine Hackfresse
morgens im Spiegel zu sehen,
das hält man ja im Kopf nicht aus.
Wir brauchten dringend Urlaub
und sind deshalb bei Deiner Ex untergeschlüpft,
die bietet einfach mehr fürs Auge!
Aber vielleicht kommen wir ja wieder.
Bis dann,
Deine Optik
P.S.:
Die Ringe haben wir Dir dagelassen.

Mit leeren Höhlen trottete ich also
zurück ins Bett und war
schon ein bisschen neidisch
auf die zwei Bengels.

Flemingulus
25.02.2010, 23:00
Ha... und einen hab ich noch... ;-)

"Viunviu!"

Dein Mund greift blind
nach diesem Lächeln Nummer fünf.
Ein Luftkuss (etwa Halbdistanz)
und hilflos zappeln wir beide
in dem, was noch kommt.

Flemingulus
14.03.2010, 18:01
... wenn hier sonst grad keiner schreibt, fragmentier ich halt alleine... :-D


Rauenthal

Käse, grüne Oliven und dunkles Brot.
Mein Glas wirft einen goldenen Schatten.

Auch die Liebste, mit der ich
die Flasche leeren wollte,
ist jetzt hoffentlich glücklich,
wo immer sie ist.

Am Gaumen noch etwas bitter,
kühle, stahlige Säure,
langer, fruchtiger Abgang.
Schöner Wein.


St. Emilion

Fünfzehn Prozent!
Ein kaugummikauender Wein,
wahrscheinlich ganz gut
zu Erdnussflips.

Neoliberales Gesöff
für Hohlköpfe mit Kohle.

Armes Frankreich.


Chateauneuf-du-Pape

Dicke, weiße Bohnenkerne,
Rüben, Kartoffeln,
ein paar Rosmarinstängel
und ziemlich viel Knoblauch.

Auch ein Papst
mag Eintöpfe gern
und lässt genussvoll einen fahren.


Franciacorta

So eine Flasche
zieht einem das Geld aus der Tasche,
aber als Du mich anlächelst, weiß ich:
Ich hab' mir viel zu viele
Gedanken über die Getränke gemacht.

Flemingulus
19.03.2010, 17:28
*in Überarbeitung*

LaTraviata
21.03.2010, 21:28
himmelgrau

hat das leben dir
das blaue vom himmel
gelogen

dein leichtes dasein
aufgesogen
stehst du da
see vor dir
leere in der tiefe

alles gerade krumm
gebogen

alles was du dir
wünschtest
jetzt so sinnlos,
so falsch, gegensätzlich

siehst du ein
sie glätten sich nicht mehr
die wogen

auf zu neuen ufern?

Flemingulus
22.03.2010, 18:54
Hey! :-) Ziemlich ernste Verse... aber ich freu mich ganz außerordentlich über dieses Lenenszeichen! :-top

Und eigentlich sollt ich hier ja wirklich mal etwas kürzer treten... aber ich kann net anders :-blush Nochmal eine lose ans Thema Wetter angeknüpfte Sonettetüde... nunja...

LaTraviata
24.03.2010, 21:06
betrachtet man diesen baum
so möchte man kaum
den vergleich herleiten
doch es ist nicht zu bestreiten

auch er schüttelt sich
wenn der ballast zu schwer
setzt sich zu wehr
sonst droht er zu zerbrechen

probleme in blattes form
finden am boden
ihr endgültiges grab

nichts ist so vergeblich
wie es scheinen mag
zersetzt, verarbeitet
ist dies des baumes lab

ein jahr später vergessen

man sieht ihn nun
groß, kräftig, mitten drin
verwurzelt, aufs leben versessen

Pheefke
24.03.2010, 21:56
Der Schnupfen



Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse



- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.



Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.


Christian Morgenstern

Flemingulus
29.03.2010, 22:06
Schwer hängt die Farbe des Sommers im Garten,
Blattwerktätig schuftet mein Baum sich krumm,
der Sommer brütet, langsames Warten,
vielfach verästelt das Holz sich, um
über dem Schatten die südlichen Namen
raschelnd zu tragen, die über ihn kamen
mit dem Wind, mit dem Wind, mit der Zeit.
Der November ist weit.

Aber dann verschenkt sich bunter Ballast
des alten Jahres, vom Fallen erfasst
endlich zu Ende die Blättermast,
da schaukelt der Stamm, und Zweigen und Ast
ist der frühe Frost ein fröhlicher Gast,
der Baum trägt in Nebel die Krone gefasst!

Bäume sammeln für die Verwesung,
Jahreslab auf der Krume,
Traum von Schlaf und Blume,
Blätter verstreuend,
Genesung.

Flemingulus
14.04.2010, 22:46
.....

Flemingulus
14.04.2010, 22:55
... und noch ein bisschen was Splittriges zum Thema Amore :-)


Amor hatte echt den Bogen raus.
Zum Glück wars ein glatter Durchschuss.


Dieser Unterschied
zwischen der Liebe zu dir
und dir zu Liebe.


Mit mir ins Bett?
Ich glaube, da liegst Du falsch.


Jetzt hat sichs aber ausgeschmachtet!
Vergiss endlich den Spaten
und fang mit der Schatzsuche an!


Ein zweifach donnerndes Halleluja:
Du darfst die Geküsste jetzt bräuten!


Du machst es Dir zu einfach
mit uns zwei.


Liebe hebt Gruben aus.
Gewohnheit legt das Fundament.

Flemingulus
28.04.2010, 18:57
Vier hab ich noch... :-bee


Nur mehr
ohne einander:
Die exklusivste Form
der Zweisamkeit.

***

Ohne Dich
wäre ich
ohne Dich
kaum weniger
allein.

***

Meine liebe Not
(von wegen
schöne Augen):

Mit herzverzerrtem Gesicht
mag ich Dich so
wie ich bin.

***

Hinter Deinem Lächeln
verbergen sich
die doppelten Punkte
an den verlängerten Enden
meiner Vermutung,
alles werde gut.

Flemingulus
22.05.2010, 15:02
Schöner Tag

Endlich hat sich das Sonnenkind
den Buntstiftekasten geschnappt
und kritzelt farbige
Männchen in die Straßen
und dann kriegt jedes noch
ein lachendes Gesicht verpasst
und oben drüber krakelt die Kleine:
JUHU! DER SOMER IS DAH!