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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Star-OP



NSTEMI
22.07.2008, 12:37
Hallo,
ich habe da mal eine Frage:
Es geht um einen Verwandten, der einseitig einen OP-bedürftigen grauen Star hat. Er ist Brillenträger (-6bzw.-7 dpt) und ihm wurde in der Augenklinik gesagt, dass man mit einer Speziallinse (die sehr teuer ist) den Visus so gut korrigieren könnte, dass er nach der OP dann nur noch eine Lesebrille bräuchte. Ich frage mich nun, ob das tatsächlich funktionieren kann, denn dann hätte er ja auf dem nicht operierten Auge immer noch seine starke Myopie :-nix
Würde diese nicht letztendlich dazu führen, dass er auch weiterhin eine Brille für die Ferne bräuchte und er letztendlich nur sinnlos viel Geld ausgibt, für ein Ziel, das er nicht erreichen wird?
Wäre sehr dankbar für eure Antworten!
MfG NSTEMI

Muriel
22.07.2008, 14:33
Speziallinse, um Emmetropie, sprich eine Refraktion von 0 in der Sphäre zu erreichen, ist völliger Quatsch. Jeder normale Linsentyp, der standardmäßig bei Cat-OPs verwendet wird, kann das. Man muss nur eben die richtige Stärke verwenden. Das wird aber vorher ausgemessen. Ander sieht es aus, wenn evtl. ein größerer Astigmatismus ausgeglichen werden soll. Dafür brauchte man tatsächlich "Speziallinsen" sogenannte torische Linsen. Die sind dann eben in einer Achse besonders geschliffen und müssen auch passgenau eingesetzt werden, also in der richtigen Achse. Diese Linsen sind relativ teuer (genaue Preise habe ich nicht im Kopf). Das Dumme an der Sache ist v.a., dass die Kasse, zumindest GKV, dann gar nichts mehr bezahlt, der Patient also auch die kompletten OP-Kosten tragen muss. Die GKVs haben sozusagen Komplettangebote, die man nicht verändern kann, man kann also nicht unter Zuzahlung gewisse Dinge, hier im Beispiel eine spezielle Linse, extra privat bezahlen und den Rest der Kosten normal erstattet bekommen.
Deine Befürchtung, dass weiterhin eine Brillenpflicht für Deinen Verwandten aufgrund des anderen myopen Auges besteht, ist richtig. Zudem sollte man zwei Sachen bedenken:
1) Eine Anisommetropie (Unterschied in den Refraktionswerten beider Augen) von mehr als 3 Dioptrien wird fast nie toleriert. Das hängt damit zusammen, dass die Bildgröße beider Augen völlig unterschiedlich ist und das Gehirn das nicht überein bringen kann und es zu asthenopischen Beschwerden, also z.B. Kopfschmerzen und Schwindel, führen kann/wird.
2) Zudem wird es von Myopen, die es ein Leben lang gewohnt sind, für die Ferne eine Brille zu tragen und im Alter eher in der Nähe die Brille abzusetzen zum Lesen, für Handarbeit etc (gut, bei 6dpt wahrscheinlich auch nicht mehr), eher nicht als angenehm empfunden wird, emmetrop zu sein und in der Nähe für alles eine Brille zu benötigen. Dazu kommt eben die Gewühnung an die Brille, was von vielen, inkl. mir, auch als eine Art "Schutz" angesehen wird.
Daher klären wir unsere Patienten dahingehend auf, dass wir, unter Erklärung all dessen, was ich eben geschrieben habe, eher empfehlen, eine leichtere Myopie von 2-3dpt zu belassen, so dass für die Ferne weiterhin eine Brille benötigt wird aber für die Nähe nicht, da die meisten ewiglang schon Myopen, mit dieser Lösung am besten klar kommen. Sollte jemand einen anderen Wunsch haben, ist das natürlich möglich.
Für Deinen Verwandet gilt jedenfalls, dass er, sollten alle Werte, die Du gerade überrmittelt hast stimmen und sich auf die Sphäre beziehen, aller Wahrscheinlichkeit nach nach einer einseitigen Cat-OP mit der Zielrefraktion von 0 Probleme bekommen wird. Also entweder beidseitige Cat-OP, andere Zielrefra oder, was auch noch eine Möglichkeit wäre, aber nicht von jedem gut toleriert wird, eine einseitige KL-Versorgung, da dann die eben erwähnten Größenunterschiede nicht so sehr ins Gewicht fallen.

NSTEMI
22.07.2008, 22:05
Hallo Muriel,
vielen Dank für die Informationen, du hast mir wirklich sehr geholfen!
LG

Muriel
23.07.2008, 09:40
Immer gerne :-)