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Mathissen
14.02.2009, 17:30
Hallo, ich bin promovierter Mittelalterarchäologe. Das sagt schon alles... ich muss mir endlich klar werden, wo die berufliche Reise hingehen soll, da sich in der Archäologie keine Perspektive mehr bietet.
Aber ich hätte immer gern Medizin studiert, war schon seit meiner Schulzeit immer an medizinischen Themen interssiert, habe in der Krankenpflege gearbeitet... Mit 41 Jahren ist es möglicherweise aber schon "zu spät" - Bin ich inzwischen für ein Zweitstudium zu alt? Wie stehen die Chancen mit einem summa cum laude-Erststudienabschluss ggf. einen Studienplatz zu erhalten und werden Pflegedienste im Krankenhaus während des Zivildienstes und während meiner Dissertationszeit 2001-2002 als Praktikum anerkannt? Vielleicht kann mich jemand zu den "Basics" eines Zweitstudiums in meinem "hohen Alter" auklären? Tausend Dank!

gogolina1974
14.02.2009, 18:56
hi!

ich kann dir leider nicht viel über chancen für einen zweitstudienplatz sagen, aber hier gibt es jede menge threads darüber. zum zweiten kannst du auch mal bei der zvs anrufen, die helfen dir sicherlich auch.

was dein alter anbetrifft, kann ich dir nur sagen, daß es egal ist, wie alt du bist wichtig ist nur, daß du es wirklich willst! ich selbst bin 35 und bin jetzt im 2. semester, und es war die beste entscheidung der welt!
mein gesellschaftliches leben hat sich auf ein minimum reduziert, und finanziell fällt halt auch ein ganzes gehalt weg, aber es geht!
UND ich hätte mir in den allerwertesten gebissen, wenn ich es nicht versucht hätte. bei und haben wir sogar einige "oldies" (ich zähle mich auch dazu) und die fallen überhaupt nicht auf.
was dein pflegepraktikum anbetrifft kann ich dir sagen, daß es nicht länger als 2 jahre zum studienbeginn sein darf. würde für dich bedeuten, daß du es noch einmal machen müßtest.

hoffe dir einige fragen beantwortet zu haben.

liebe grüße

gogolina

Hoppla-Daisy
14.02.2009, 18:58
Hey Gogolina,

schön, dass du es nicht bereut hast. Ist immer wieder toll, wenn man auch mal was von den Leuten liest, die hier mal um Rat gefragt haben und nicht wussten, was sie machen sollten.

Hoffe, du fühlst dich wohl in Essen! :-winky

gogolina1974
14.02.2009, 19:05
es ist zwar keine besonders schöne uni, aber es ist suuuuuper!!!
das erste semester war richtig hart, hab aber bis auf histo alle scheine. mein kleiner war seit anfang dezember dauerkrank, und der spagat zwischen pflichtvorlesungen, krankem kind und lernen war echt krass. aber, mittlerweile fühle ich mich so richtig als medi-studentin.
jaaa, vor einem jahr hab ich auch noch ganz viele fragen gehabt, und wußte nicht, ob das alles so hinhaut.... aber siehe da, es geht! wie ist es dir denn so in der klinik?

Hoppla-Daisy
14.02.2009, 19:13
[Lüge-Modus ON] In der Klinik wird alles besser :-)) [Lüge-Modus OFF]

Nein, im Ernst... man muss noch immer viel lernen, weiß manchmal nicht, wo einem der Kopf steht, aber es ist deutlich entspannter. Praktika sind nahezu angenehm im Vergleich zu vorher. Klausuren sind besser machbar, sogar mit guten Noten!

Und in Essen kannst du als Mutter in der Klinik auch bei den einzelnen Instituten Wünsche äußern, wenn dir ein Praktikums-/Seminar-/Kurstermin einfach besser passt betreuungstechnisch. Ich hab bisher nie Probleme gehabt dahingehend. :-top

Sorry, wenn wir den Thread hier gerade ein wenig zweckentfremden. Aber wir sind beide "alte" Studenten, und ich hatte so ziemlich die gleichen Sorgen wie der Threadersteller und auch Gogolina, bevor ich angefangen habe. Und auch ich habe es bisher nie bereut, diesen Schritt ins Ungewisse getan zu haben. Klar gibt es Momente, wo ich mich frage, wieso ich mir das alles antu, aber sobald die Klausurenzeit wieder vorbei ist, und ich meine Scheine im Sack habe, bin ich überglücklich :-)

Und immer wieder denke ich: Jo, wie geil, wieder einen großen Schritt weiter... und so langsam rückt das große Ziel auch in Sichtweite.

Wenn man das Finanzielle halbwegs gut geregelt hat und ein finanzielles Polster hat, das einem einfach ein beruhigendes Gefühl gibt (welches ich nur selten hatte), studiert es sich leichter :-)

Mathissen
14.02.2009, 19:41
Hallo, erstmal vielen Dank; es geht mir hier tatsächlich eher um Erfahrungen anderer "Oldies" mit dieser Thematik, denn letztlich muss man bei solch schwer wiegenden (Lebens-)Entscheidungen selbst umhören bei den einschlägigen Stellen... nur persönliche Erfahrungen anderer "Betroffener" sind für mich schwer zu bekommen. Eine Entscheidung für ein Medizinstudium bedeutet in meinem Alter sicher in mancherlei Hinsicht andere, vielleicht schwierige Gemütsprozesse und härtere wirtschaftliche Einschnitte, als mit 20 oder 21 Jahren. Allemal wenn unmittelbar auch familiäre Belange tangiert werden würden.... Andererseits hat man als Geisteswissenschafter in diesem Land gelernt, von nichts zu leben... Ich bin dankbar für jeden Bericht aus Eurem Erfahrungsschatz. Herzliche Grüße von Mathissen

birko
14.02.2009, 19:53
Ich bin zwar ne Ecke jünger und habe noch nicht einmal begonnen zu studieren, aber mit 41 Medizin zu studieren, finde ich ehrlich gesagt nicht sinnvoll.

Man liest hier öfter von Leuten, die fragen, ob sie noch mit X Jahren anfangen sollen und eigentlich gibt es immer wieder die gleiche Antwort nämlich ,,Ja, mach es, wenn es dein Wunsch ist...".

Klar, ich möchte auch Medizin studieren, weil es mein absoluter Wunsch ist, aber irgendwann überwiegen dann auch mal die Dinge, die dagegen sprechen.

Bei meinen Überlegungen hatte ich auch damit zu knappsen, ob das Gehalt später nicht zu gering ist oder Studium und Facharztausbildung nicht zu lang.

Und du musst einfach mal rechnen:
Angenommen du fängst mit 42 an zu studieren, dann bist du bestenfalls mit 48 fertig und hast wiederum mit 54 deine Facharztausbildung fertig. Das sind erstmal 6 Jahre in denen du nichts verdienst und dann weitere 6 Jahre, in denen du, für meine Begriffe, nicht die Welt verdienst. Und ich weiß ja nicht, ob es so toll ist, mit 48 oder 54 nochmal in einem ganz anderen Bereich mit starken Hierachien nochmal Karriere zu machen.

Aber gut, es gibt sicherlich viele Dinge, die gegen Medizin sprechen. Oft ist es aber, dass die Motivation und der Wille diese Dinge egalisieren, nur so kann ich es mir erklären, dass sich viele Ärzte gerne im Krankenhaus ausbeuten lassen.

Muriel
14.02.2009, 19:55
Nun ja, da Gehaltsargument zählt im Falle eines derzeitigen Geisteswissenschaftlers nun wirklich nicht. Das, was ich netto verdiene, haben viele Geisteswissenschaftler nicht mal brutto, und ich spreche hier von der Assistentenzeit (Quelle: z.B. mein Ex-Freund, seines Zeichens Germanist mit eigentlich guter Stelle)

Mathissen
14.02.2009, 20:06
Danke, Muriel, Du ersparst mir eine längere direkte Antwort auf birko. Es geht nicht um (nur) Gehalt und schon gar nicht um Karriere in meinem Alter - es geht um berufliche Anerkennung und persönliche Perspektiven und letztlich - so denke ich bei allen, die hier schreiben, doch auch um einen sinnvollen Beruf der Mitmenschlichkeit...
und es geht mit hier auch nicht darum, mir vorrechnen zu lassen, wie alt ich ggf. in welchem Stadium meines Studiums oder späteren Medizinerlebens sein werden... entschudlige bitte, birko - nichts für ungut.

gogolina1974
14.02.2009, 20:49
ich bin ehrlich gesagt gar nicht so scharf darauf karriere zu machen und das große geld (was es ja nicht mehr gibt) zu verdienen, sondern, einfach die nächsten 25 jahre noch in einem beruf zu arbeiten, der für mich einen sinn macht, und bei dem ich nicht jeden morgen auf dem weg dahin bauchschmerzen habe. ich habe vor 3 jahren bereits wesentlich mehr verdient als ein ass.-arzt heute, und der facharzt wird für mich auch nicht die oberste priorität haben. geld ist für mich persönlich nicht alles.
deshalb mathiessen, hör auf dein bauchgefühl....
drücke dir die daumen

liebe grüße

gogolina

schirel
14.02.2009, 20:51
Hallo Mathiessen,
manche Lebenswege sind eben etwas komplizierter.Ich bin jetzt 42 und habe gerade daran gedacht - mich nicht zu immatrikulieren - das Alter! Alles Quatsch.Ich bin Hebamme, habe drei Kinder und werde im nächsten Jahr - wie es der Zeitplan erlaubt -
in Brasilien (Missionskrankenhaus ) arbeiten. Meine große Liebe ist die Medizin,warum dann nicht etwas später - spielt letztlich keine Rolle wann "man" Menschen hilft.
Ich musste mit 24 Jahren mein Studium stoppen - nun habe ich einen Platz sofort nach der ersten Bewerbung erhalten.Also - nicht aufgeben.
Ich habe einen Bericht über die Unfallklinik in Berlin gesehen.Der Professor legte besonders Wert auf Menschen, die auch mal etwas "Außergewöhnliches" gemacht haben.
Ich drücke Dir die Daumen,dass es mit der ZVS oder dann ... evtl.dem Auswahlgespräch - klappt.
Danke für Deine ehrliche e-mail - hat mir auch Mut gemacht, ins Studium zu gehen.
Lass mal von Dir hören,wenn es klappt
Gruß Dagmar

Hoppla-Daisy
14.02.2009, 21:00
Gogolina, so ähnlich ist es bei mir auch gewesen. Ich denke, als Assi könnte ich davon träumen, mein ehemaliges Gehalt zu bekommen. Geld ist eben nicht alles :-nix

horsedoc
14.02.2009, 21:34
Ich glaube dass man auch als älterer Medizinstudiumsabsolvent Karriere machen kann-eben WEIL man in seinem Leben schon was anderes (und im Fall eines Zweitstudiums auch auf entsprechend hohem Niveau) gemacht hat und seine Schwerpunkte ganz anders setzten kann.
Meine jüngeren Kommis schaffen nicht den Bruchteil meines Pensums (hätte ich in meinem Erststudium auch nicht geschafft), ich bekomm das auch nur geregelt weil ich im Laufe meines Lebens gelernt habe wie ich mich/meine Zeit gut einteilen kann und wieviel möglich ist, ich hab auch vor das nach dem 2. Stex beizubehalten, d.h. in einem grossen Haus die Weiterbildung zu machen und weiter zu forschen.
Insofern ist es nie "zu spät" das zu machen was einem am Herzen liegt.
lg

Relaxometrie
14.02.2009, 21:39
Es geht nicht um (nur) Gehalt und schon gar nicht um Karriere in meinem Alter - es geht um berufliche Anerkennung und persönliche Perspektiven und letztlich - so denke ich bei allen, die hier schreiben, doch auch um einen sinnvollen Beruf der Mitmenschlichkeit...
Du bist offensichtlich in dem Stadium, in dem Du nur noch die Argumente hörst, die Du hören möchtest. Deswegen erspare ich es Dir und mir, Dir vom Medizinstudium abzuraten.
Ich (Studium mit 30 Jahren begonnen, jetzt im zweiten Assistentenjahr) frage mich inzwischen allerdings, ob ich das Geld nicht leichter verdienen könnte. Daß ich das Studium so richtig bereue, kann ich zwar nicht wirklich sagen, da es in anderen Berufen ja auch nicht unbedingt immer ein Zuckerschlecken ist.
Aber von so heheren Gedankengebäuden wie "beruflicher Anerkennung" oder "sinnvollem Beruf der Mitmenschlichkeit" hat mich der Stationsalltag schon längst geheilt.

SuperSonic
14.02.2009, 21:50
Wie stehen die Chancen mit einem summa cum laude-Erststudienabschluss ggf. einen Studienplatz zu erhalten
Deine Promotion (nehme ich an wegen dem "summa cum laude") zählt nicht als Studienabschluss - entscheidend für die Berechnung der Messzahl bei der ZVS-Bewerbung ist die Note auf dem Bachelor-, Master-, Diplom- oder in deinem Fall wohl Magister-Zeugnis. Mit einem "sehr gut" hat man auch gute Chancen auf einem Studienplatz, mit einem "gut" braucht man schon einiges an Glück und mit einer schlechteren Note wird es ohne äußerst gute Begründung nicht klappen.


was dein pflegepraktikum anbetrifft kann ich dir sagen, daß es nicht länger als 2 jahre zum studienbeginn sein darf.
Das ist nicht in allen Bundesländern so. Das "Problem" dabei ist dann aber die Zuständigkeit der LPAs: Wenn man noch keinen Studienplatz hat, ist das LPA des Bundeslandes, in dem man geboren wurde, zuständig. (Bei Geburt im Ausland ist das LPA in NRW zuständig.) Da hilft auch kein Umzug.
@Mathissen: Versuche auf jeden Fall, dir deine Tätigkeiten als KPP anerkennen zu lassen.

Gruß,
SuperSonic,
der auch Medizin als Zweitstudium betreibt.

1up
14.02.2009, 22:41
Wenn man die gelegenheit hat, wenn man es prioritieren kann, und dabei noch am leben bleibt, warum nicht? Ist das leben ein wettbewerb, wo es darum geht, so viel geld wie möglich in den sarg mitzubringen??

Flauta
14.02.2009, 22:46
Wenn man die gelegenheit hat, wenn man es prioritieren kann, und dabei noch am leben bleibt, warum nicht? Ist das leben ein wettbewerb, wo es darum geht, so viel geld wie möglich in den sarg mitzubringen??


1) Schadet es nix, der nachkommenden Generation eine gewisse Hilfe zum Existenzaufbau zu geben

2) ist es erstaunlich, wie schnell sich das Geld, das man verdient selbst ausgibt, sobald man es hat......

Anne1970
15.02.2009, 10:24
Hallo, ich bin promovierter Mittelalterarchäologe. Das sagt schon alles... ich muss mir endlich klar werden, wo die berufliche Reise hingehen soll, da sich in der Archäologie keine Perspektive mehr bietet.
Aber ich hätte immer gern Medizin studiert, war schon seit meiner Schulzeit immer an medizinischen Themen interssiert, habe in der Krankenpflege gearbeitet... Mit 41 Jahren ist es möglicherweise aber schon "zu spät" - Bin ich inzwischen für ein Zweitstudium zu alt? Wie stehen die Chancen mit einem summa cum laude-Erststudienabschluss ggf. einen Studienplatz zu erhalten und werden Pflegedienste im Krankenhaus während des Zivildienstes und während meiner Dissertationszeit 2001-2002 als Praktikum anerkannt? Vielleicht kann mich jemand zu den "Basics" eines Zweitstudiums in meinem "hohen Alter" auklären? Tausend Dank!

Hallo Mathissen, sehe du bist gerade online.
Bin knapp 40 und komme jetzt ins zweite klinische Jahr. Ich kann Dir nur sagen: man bereut immer die Dinge, die man nicht getan hat. Insgesamt gibt es, glaube ich irgendwo gelesen zu haben immer nur 3 % der Medizinstudienplätze für Zweitstudenten... da würd ich mich mal bei der ZVS erkundigen. Was das Geld angeht: Guck mal auf der Homepage des Marburger Bundes, da gibts Tabellen.
Nicht unterschätzen sollte man den Studienbeginn: vor allem Chemie und Physik können einem das Leben zunächst ganz schön schwer machen, wenn der Oberstufenunterricht schon einige Jahre in der Vergangenheit liegt. Und auch der Rollentausch - ich war nach meinem ersten Studium als Soziologin, in der freien Wirtschaft als Marketingleiterin tätig, mit einer eigenen Abteilung und entprechender Stellung...naja nicht so wichtig- ist nicht immer einfach. Vorher weisungsbefugt, jetzt "kleiner Student" ( vorher eigenes nicht zu verachtendes Gehalt, jetzt abhängig vom "gemeinsamen" Konto).
Mit einem geisteswissenschaftlichen Studium ist das zum Teil sehr verschulte Medizinstudium nicht zu vergleichen, Diskussionen auf Augenhöhe finden in der Vorklinik nicht statt.
Aber,wenn man nach und nach mehr Puzzleteile zusammen hat, die Zusammenhänge erkennt, nicht mehr nur einzelnes Faktenwissen paukt, sondern "Geschichten" ( Krankengeschichten, physiologisch-biochemische Zusammenhänge) kennenlernt, dann fängt es an, Spaß zu machen.
Habe gerade ein phantastisches Innere Semester in Marburg hinter mir und bin begeistert.
Was das Alter angeht: Klar, man sollte sich schon überlegen, wie lange man noch braucht, um "was zu werden". Aber zu allererst wird man Arzt. Punkt. Damit ist die Berufsausbildung abgeschlossen.
Du kannst in jedem Krankenhaus arbeiten und während du arbeitest,machst du die Facharztausbildung, das ist bestimmt nicht unbedingt ein Zuckerschlecken, kann ich mir vorstellen, vor allem, wenn der Chef/die Chefin (was witziger Weise immer noch selten ist) viel jünger ist. Aber das gibts in allen Branchen. Und, daß du in deinem Leben wohl nicht weiter kommen wirst, als Oberarzt, muss dir auch klar sein.
Das Alter spielt bei der Fachauswahl, denke ich, schon eine Rolle: ein unerfüllbarer Traum ist in meinem Fall die Neurochirurgie. Ich glaub, um ein guter Chirurg zu werden, muss man entweder vorher schon sehr "geschickt" sein oder noch jung, um "reinzuwachsen". Ich würde ja jetzt auch nicht mehr ein Instrument lernen, um damit meinen Lebensunterhalt bestreiten zu wollen. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Anstrengung: habe von Zeit zu Zeit Gelegenheit einen Tag als Hakenhalterin ( nein, Häkchenhalterin :) ) am OP-Mikroskop zu verbringen. Ich will lieber nicht erzählen, was mein 40jähriger Rücken abends dazu sagt ;).
Aber was spricht dagegen in die Innere Medizin oder ( mein Favorit) in die Anästhesie zu gehen (Augenheilkunde, Dermatologie, HNO usw. böten sich auch an)?
Also, lieber Mathissen:
Wenn du das wirklich willst, kannst du es schaffen. Der Vorteil des "Alters" ist, dass man möglicherweise schneller sieht, was wichtig ist. Aber eines muss klar sein: man musst fitt sein, genau wissen, was man will: seelische Probleme, innere Zweifel, persönliche Krisen löst man mit dem Studium nicht.
Solidarität oder Boni fürs Ältersein sollte man nicht erwarten.
Wenn man einigermaßen offen und kontaktfreudig ist, findet man schon Leute, mit denen man zusammen lernen und leiden kann, aber wirklich "dazugehören" wird man bei den Studenten nicht. Es wäre auch ein wenig albern, " einen auf jung" zu machen. Houseparties und Disco und erste Paarungsversuche sind nun mal nicht mehr unser Thema. Man muss akzeptieren, dass man in einer anderen Lebensphase ist. Trotzdem muss man sich nicht abkapseln. Ich habe ziemlich guten Kontakt zu einigen gewonnen.Es gibt einige wirklich reife Kolleginnen und Kollegen,die ich sehr schätze; die teilweise schon einen pflegerischen Beruf haben, die jeden Monat hart arbeiten, um sich ihr Studium zu ermöglichen, vor dene ich ganz schön Respekt habe. Es gibt aber -zu Anfang des Studiums- auch die kleinen gepiercten, handtäschchenbewehrten Schätzchen, mit denen ich nichts anfangen konnte. Im Laufe der Jahre kann man sehen, wie die auch "erwachsen" werden. Und es ist auch völlig legitim, dass man sich entwickelt, wenn man das erste mal getrennt von den Eltern in einer neuen Stadt auf sich gestellt ist, das sind nun la Erfahrungen, die wir Älteren schon gemacht haben. Am besten fährt man mit Toleranz und mit Sichselbstnichtzuwichtignehmen.
Ein Vorschlag an dich, Mathissen: Besuch doch einfach mal ein paar Vorlesungen an einer Medizinischen Fakultät, geh mal in die Mensa (Vorsicht, die Portionen sind für Leute, die noch im Wachsen sind;), hospitier mal ein/zwei Tage in der Krankenpflege, dann siehst du klarer, ob das alles was für dich ist.
Also, viel Erfolg und gute Entschlüsse!

Gruß
Anne

Mathissen
15.02.2009, 10:41
Habt schon mal jetzt vielen Dank für die teilweise doch recht umfangreichen und konstruktiven Statements! Es ist gut zu wissen, dass
man "nicht allein" ist... Danke!

BWLer
15.02.2009, 12:47
Meine Meinung dazu: Wenn du anfängst bist du 42 Jahre. Studiumsende 48-49 Jahre, Facharzt mit 55 Jahren. Willst Du das wirklich? Ich überlege mir mit 29 Jahren noch anzufangen und kann mich nicht entscheiden. Willst du wirklich Arzt werden oder nur im Krankenhaus arbeiten? Falls das zweite Argument zutrifft, mach eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Du bist über 40. Hast du keine Familie, willst Du wirklich bist 50 lernen? Wie willst du das Studium finanzieren? Wenn Du reich bist, mach es ansonsten lass es! Wirklich denn Du nimmst jüngeren Studenten den Platz weg.

Du bekommst den Studienplatz wenn Du dein Erststudium mit "sehr gut" abgeschlossen hast.

Man weiß doch bevor man studiert, was man verdienen wird und Archäologie ist ja noch brotlosere Kunst als Geschichte. Bist Du Dir sicher, dass du die naturwissenschaftlichen Fächer bestehen wirst?

Gruß

B