Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fachfremdes auf der unfallchirurgischen Station
Infektiologen empfehlen mittlerweile Cephalosporine der 3. Generation als blinde first-line-Therapie.
Man muss ja dafür sorgen, dass bald alle Keime auf alle Antibiotika resistent werden...
John Silver
22.10.2009, 17:47
Ich kenne die genaue Argumentation dieser Empfehlung nicht, deshlab möchte ich mich nicht werternd darüber äußern. Außerdem war meine Aussage nicht ganz richtig, es geht um Cephalosporine der 2. Generation.
Flabella
26.10.2009, 18:30
Wiedermal danke für die angeregte Diskussion.
Fall 3: Pat. mit SHF und Diabetes mellitus. Pat. wurde vor 4 Tagen mit einer H-TEP operativ versorgt. Die Schwester kommt euch nun entgegen, der Blutzucker sei bei 348 und fragt, wieviel Insulin sie nun spritzen soll. Ach ja, und sie bittet euch ein Schema anzulegen, für weitere hohe BZ-Werte, damit man nach Schema spritzen kann.
Was gebt ihr je nach verwendetem Insulin für ein Schema an?
WackenDoc
26.10.2009, 18:49
Internistisches Konsil schreiben. Den Rest aus meinem Klinikleitfaden Innere nehmen :-)):-D
Frage dazu: Ich habe mal gelernt, dass 1 IE Altinsulin den BZ um 30mg/dl senke. Wenn ich mir die Praxis dazu anschaue, sieht es so aus, dass ich eigentlich immer deutlich mehr, fast bis zum doppelten tatsächlich brauche, um diesen Effekt zu erzielen. Wo liegt denn da der Hase im Pfeffer? Und nein, nach deutlich höheren Dosen geht auch nicht irgendwann der BZ dann in den Keller, versteh ich nicht, hat mich aber gelehrt, immer mehr zu geben, und ist noch kein einziges Mal schief gegangen :-nix
dreamchaser
26.10.2009, 18:58
Wir haben gelernt:
-bei schlanken Patienten mit einer Basis von 4-4-4 IE Altinsulin + Korrektur
- bei adipösen Patienten 8-6-4 IE Altinsulin (Actrapid)
Dazu dann zunächst 4 IE Protaphane zur Nacht.
Das gilt, wenn man mit einer Insulintherapie beginnen will.
Sonst reicht auch einfach die Angabe eines Zielwertes (BZ 120 mg/dl) und der Korrekturfaktor (1:30 oder 1:20 oder 1:40), korrigiert wird mit Actrapid. Das ist ok, wenn man eine passagere Blutzuckerentgleisung in den Griff bekommen will.
Frage dazu: Ich habe mal gelernt, dass 1 IE Altinsulin den BZ um 30mg/dl senke. Wenn ich mir die Praxis dazu anschaue, sieht es so aus, dass ich eigentlich immer deutlich mehr, fast bis zum doppelten tatsächlich brauche, um diesen Effekt zu erzielen. Wo liegt denn da der Hase im Pfeffer? Und nein, nach deutlich höheren Dosen geht auch nicht irgendwann der BZ dann in den Keller, versteh ich nicht, hat mich aber gelehrt, immer mehr zu geben, und ist noch kein einziges Mal schief gegangen :-nix
Bei den Typ 2 Diabetikern ist das Problem ja meist kein Insulinmangel, sondern die Insulinresistenz, deswegen gehen die mit dem Bedarf immer weiter rauf.
Ich kenne 2er, die einen Tagesbedarf von über 100 Einheiten haben.
Das passiert bei Typ 1 praktisch kaum.
Kann natürlich sein, dass dieses entscheidene Detail in meinen Erinnerungen verblasst war :-blush Muss ich mir jedenfalls keinen Kopp mehr drum machen, wenn ich aus Erfahrung heraus die Insulindosis angebe und dabei immer denke, dass das ja eigentlich nicht sein könne :-)
Naja nur wie kommts dass die Skandinavischen Länder Novalgin aus dem Verkehr gezogen haben wegen dem Risiko der Agranulozytose ....
Das kommt daher, dass das Agranulozytoserisiko je nach Volk unterschiedlich hoch ist, in Skandinavien relevant hoch, im Mittelmeerraum kaum und dazwischen so mittendrin.
So ungefähr jedenfalls hat man uns das im PJ mal erklärt.
MissGarfield83
17.11.2009, 10:37
Die genetische Komponente der Agranulocytose war mir bisher unbekannt - gibts da irgendwas handfestes zu? Pubmed gab auf die schnelle nichts her.
Antracis
18.11.2009, 20:01
Fall 3: Pat. mit SHF und Diabetes mellitus. Pat. wurde vor 4 Tagen mit einer H-TEP operativ versorgt. Die Schwester kommt euch nun entgegen, der Blutzucker sei bei 348 und fragt, wieviel Insulin sie nun spritzen soll. Ach ja, und sie bittet euch ein Schema anzulegen, für weitere hohe BZ-Werte, damit man nach Schema spritzen kann.
Was gebt ihr je nach verwendetem Insulin für ein Schema an?
*hüstel* ich wollte die Frage dann doch nochmal in Erinnerung rufen, das ist nämlich mein persönlicher (lahmer :D) Kriegsfuß. :-blush
Mit den meisten "kleinen Notfällen" auf Station kann ich mich ja ganz gut engagieren, aber mit den Insulinschemas stand ich immer auf besagtem Kriegsfuß.
Was macht man denn nu am besten ?
Erstmal ein paar schlaue Fragen stellen, warum der Zucker so hoch ist ? Und welche ?
Und dann handeln: Welches Insulin, wieviel und welches Schema ansetzen für die Nacht ? Gibts das irgendwo übersichtlich nachzulesen ? Viele Leute, die ich frage, verweisen dann einfach auf das Actrapidschema, dass irgendwo hinten in Ihrem Notitzbuch klebt.
lg
Anti
Erstmal ein paar schlaue Fragen stellen, warum der Zucker so hoch ist ? Und welche ?Wahrscheinlich ist der Zucker so hoch, weil die Anästhesisten perioperativ das Metformin abgesetzt haben, der OP-Stress tut dann ein Übriges.
Und dann handeln: Welches Insulin, wieviel und welches Schema ansetzen für die Nacht ? Gibts das irgendwo übersichtlich nachzulesen ? Viele Leute, die ich frage, verweisen dann einfach auf das Actrapidschema, dass irgendwo hinten in Ihrem Notitzbuch klebt.Ist wirklich so; besorg Dir ein Nachspritzschema und wende das erstmal an. Reicht das nicht, erhöhst Du vorsichtig die Dosis.
Reicht das dann immer noch nicht, ist das Grund genug, den internen Kollegen aus dem Bett zu klingeln. Ich zumindest hätte dafür Verständnis, denn dann scheint das tatsächlich etwas tricky zu sein.
John Silver
18.11.2009, 22:12
Bei postoperativer Hyperglykämie handelt es sich i.d.R. um ein kurzfristiges Ereignis, also ist eine Einstellung im eigentlichen Sinne nicht das Ziel der Therapie; Ziel ist es lediglich, die Glukose in erträgliche Wertbereiche zu drücken, und das geschieht am besten mit kurzwirksamen Insulinen oder Analoga. Da gibt es Standards, beispielsweise in den Leitlinien nachzulesen. Wir verwenden ein Altinsulin-Schema, es sei denn, der Patient ist bereits auf bestimmte Präparate eingestellt - dann nehme ich die. Es schadet auch nicht, den Patienten zu fragen, was er bei hohen Werten macht - nicht wenige sind da recht differenziert und können einem eine vernünftige Auskunft geben. Und wenn ich nicht weiterkomme, wird der Internist aus dem Bett geklingelt.
Flabella
01.12.2009, 10:35
Fall4: Ihr werdet im Nachtdienst auf eure Station gerufen. Dort hat gerade ein Pat., der vor Tagen eine H-TEP behommen hat, einen Krampfanfall? Was macht ihr in welcher Reihenfolge?
netfinder
01.12.2009, 10:57
Den Krampfanfall sofort unterbrechen,
Diazepam 0,2-0,5 mg/KG i.v. geben.
Gute Frage, das ist auch so ne Horrorvorstellung von mir. Bisher war Gott sei Dank immer ein erfahrener Kollege mit dabei. Ich kenne das aus dem Studium eigentlich auch so, dass Diazepam zum Unterbrechen genommen wird. Bei uns nehmen sie aber gern Rivotril :-nix Mit den Dosierungen kenne ich mich nicht aus, da würd ich ganz schnell einen Blick ins Arzneimittel pocket werfen. Außerdem sofort einen Neurologen anrufen. :-D
Handelt es sich denn um einen bekannten Epileptiker oder ist das ein Erstereignis? BZ würde ich messen, Labor abnehmen... wahrscheinlich auch ein CCT machen. Bei einem Erstereignis lässt sich das Neurokonsil aber nicht umgehen.
netfinder
01.12.2009, 15:09
Zaehlt das eigentlich auch nach Tagen noch als postoperative Epilepsie?
Hellequin
01.12.2009, 16:46
Wir nehmen Lorazepam oder Rivotril. Im Rettungsdienst wird gerne Dormicum genommen. Und ansonsten ist es so wie Lava schreibt. Entscheidend ist ob es eine bekannte Epilepsie ist oder ob es neu aufgetreten ist. Wenn neu aufgetreten initial ein CCT zum Ausschluss einer Blutung. Labor halt Entzündungsparameter, Elyte ggf. bei bereits eingestellter Epilepsie den Medikamentenspiegel. EEG und Neurokonsil. Und bei uns kommen alle erst mal an den Monitor. Wenn er jetzt mehr als einmal krampft, kann man als kurzfristige Krampfprophylaxe Rivotril oder Lorazepam p.o. geben, 0,5-1mg 1-1-1.
Und ansonsten ist es so wie Lava schreibt.
Juhu! Ich bin doch nicht doof! :-love
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