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ibologe
01.11.2009, 18:46
Selamat datang ke Malaysia !!!
(Herzlich Willkommen in Malaysia)

Nach 12 Stunden Flugzeit kam ich mit einem Kommilitonen in Penang/Malaysia an, wo wir unsere ersten Auslandsfamulaturen (9 Wochen) absolvieren wollten.

Einstieg
Als wir am mit Löwenstatuen und Blumen gesäumten Eingang des Lam Wah Ee Hospitals (LWEH) ankamen, fielen uns zunächst die Mitarbeiter in Uniformen auf, die mit Rollstühlen auf hilfsbedürftige Patienten warteten. In der großen Eingangshalle schlug uns die eiskalte klimatisierte Luft entgegen, die uns aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit durchgeschwitzten armen Studenten ziemlich erfreute. Das Erste, was uns auffiel, war die enorme Anzahl der Mitarbeiter; überall liefen Angestellte mit verschiedenfarbigen Uniformen umher. Als wir unseren Weg in den ersten Stock (administration office) schafften, wurden wir von Ms. Mary Silva begrüßt, die unsere Bewerbungen bearbeitet hatte und in einem Raum mit ungefähr 20 anderen Sekretärinnen arbeitete. Sie teilte uns mit, dass wir in unsere Wunschabteilung Gastroenterologie aufgrund der Schweinegrippe nicht gehen könnten, da die Ärzte zu beschäftigt wären (wir erfuhren später, dass in Malaysia die Gastroenterologen auch die Funktion eines „deutschen Hausarztes“ übernahmen und deshalb mit H1N1-Fällen zu tun hatten). So entschied ich mich kurzerhand für die Kardiologie, während mein Kommilitone in die HNO ging. Nachdem wir je 50 RM (entspricht etwa 10 €) Pfand für unsere Namensschilder hinterlegt hatten, wurden wir unseren consultants (Oberärzten) zugeteilt.

Klinikalltag
Mein Oberarzt war Dr. Liew Chee Tat (Anrede: Dr. Liew), der eine Gesichtsmaske trug, um sich vor der Schweinegrippe (H1N1) zu schützen. Generell wurde überall mit Plakaten und Infomaterial auf die Schweinegrippe aufmerksam gemacht. Außerdem gab es eine Isolationsstation für H1N1-positive Patienten. Zu dieser Zeit verzeichnete Malaysia 67 H1N1-Tote. In Dr. Liews Praxis (clinic) arbeiteten zwei, manchmal auch drei Arzthelferinnen (nurses). Morgens stand die Visite auf der Station an, gefolgt von der Sprechstunde und den möglichen Angiographien. Das chinesisch akzentuierte Englisch war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, doch nach einer Weile legte sich das und ich unterhielt mich mit Dr. Liew ausgelassen über die Ausbildung der Mediziner in Deutschland und Malaysia. Hier erfuhr ich auch, dass die meisten Ärzte im LWEH mindestens einen Teil ihrer Ausbildung in Großbritannien oder Australien absolvierten. Den Hauptteil unserer kardiologischen Patienten bildeten die Chinesen, die meistens „hokkien“ oder „mandarin“ mit Dr. Liew sprachen, so dass er für mich übersetzen musste. Es wurde bei jedem Patienten Blutdruck gemessen sowie bei Bedarf ein EKG abgeleitet. Die Erkrankungen waren die gleichen wie in Deutschland. So kamen viele Personen mit Hypertonie, Hypercholesterinämie oder Rhythmusstörungen zum Arzt. Erstaunlich war für mich, wie viel wir bei der Auskultation hören und neu diagnostizieren konnten. Reihenweise wurden Vorhofflimmern, fortgeschrittene Mitralstenosen und Herzfehler auch im hohen Alter diagnostiziert. Insbesondere indonesische Patienten, die aufgrund der schlechten (begründeten) Reputation der dortigen Ärzte zur Untersuchung eher nach Malaysia kamen, wiesen diese Problematik auf. Da sie nicht früh und regelmäßig zum Arzt gingen, gab es teilweise nur noch eine symptomatische Therapie als Ausweg, denn die sehr teuren Interventionen (z.B. Valvuloplastien) konnten sie sich nicht leisten. Auffallend war auch die Tatsache, dass die Patienten niemals allein kamen. Immer war der Großvater, der Sohn oder der Enkel dabei, manch einer brachte seine halbe Großfamilie mit. Die Untersuchungszimmer waren daher sehr voll. Die Wartebereiche erinnerten eher an einen Flughafen als an ein Krankenhaus. Trotzdem war es sehr ruhig und das Innere sehr gepflegt. Ich bekam mit der Zeit ein gutes Bild von den Arbeitsbedingungen eines malaysischen Arztes. Mein Kardiologe fing seinen Tag um 9.00 Uhr mit der Visite an und machte „offiziell“ gegen 17.30 Uhr Schluss, wobei auch hier Überstunden an der Tagesordnung waren. Das lästige Ausfüllen der Versicherungspapiere der Patienten verschlang enorm viel Zeit, sodass die Patienten manchmal lange auf den Arzt warten mussten. Insgesamt jedoch war der Umgang miteinander sehr höflich und ich hatte den Eindruck, dass der Arztberuf hier immer noch sehr hoch angesehen wird und die Ärzte mehr respektiert werden als bei uns. Die Sprechzimmer von vielen Ärzten waren voller Geschenke der Patienten.
Nach drei Wochen in der Kardiologie wechselte ich in die Pädiatrie zu Dr. Chua. Dieser 63 jährige, aber immer noch dynamischer Arzt, hatte eine lange Erfahrung mit Studenten und präsentierte mir stolz ein Deutsch-Englisches Medizinwörterbuch, welches er von einem früheren deutschen Studenten geschenkt bekommen hatte. Der Alltag in der Pädiatrie bestand hauptsächlich aus Impfungen und Untersuchungen der Neugeborenen. Dr. Chua gab sich Mühe, mir soviel wie möglich zu zeigen. So schickte er mich auch auf andere Stationen, damit ich interessante Fälle wie z.B. ein Kawasaki-Syndrom sowie Normalgeburten und Kaiserschnitte sehen konnte. Er ließ mich auch körperliche Untersuchungen durchführen und erklärte stets sehr ausführlich die diagnostischen und therapeutischen Schritte.
Schließlich verbrachte ich die letzten 3 Wochen in der HNO bzw. ENT bei Dr.Gopalan. Auch hier wurde ich sehr herzlich willkommen geheißen. Der ENT-Arzt war sehr nett und lud meinen Mitstudenten und mich sogar zu einem Abendessen mit seiner Familie nach Hause ein (vorher hatte er uns schon unzählige Male zum Mittagessen zu indischen Restaurants gefahren). Diese offene herzliche Art der hiesigen Menschen beeindruckte uns am meisten. Nach kurzer Zeit kannte uns fast jeder im Krankenhaus. Wir wurden von fremden Mitarbeitern mit Namen angesprochen und eingeladen, sie in ihren Abteilungen zu besuchen. Die Mitarbeiter waren hauptsächlich Chinesen, aber auch Malaien und Inder arbeiteten im LWEH, sodass die ethnische Vielfalt dieses Landes spürbar war.