Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was haltet ihr von der Kombination: Schulmedizin & Naturheilverfahren ?
Gute dann denke ich sind wir uns insoweit einig, dass es wirksame Therapien gibt, die evtl. in Vergessenheit geraten sind, oder wie du sagst als obsolet eingestuft wurden, aber in manch einem Fall "genügen", um das eine oder andere zu behandeln und evtl. weniger Nebenwirkungen besitzt.
Ich denke man findet überall ob in der Schulmedizin oder in der alternativen Medizin Dinge, die sinnig , unsinnig, moralisch und ethisch Vertretbar oder völlig am Ziel vorbei führen. Wichtig bei all unserer Arbeit ist es doch seine Werkzeuge und Möglichkeiten sinnvoll und für den Patienten zufriedenstellend einzusetzen.
Alternativen mit Bedacht und Sorgfalt eingesetzt bzw. in Abwägung mit den zu erwartenden Wirkungen und Nebenwirkungen anderer "Verfahren" sollte es möglich sein (um wieder zum Ursprung zu gelangen), eine Koexistenz zu bilden.
Nichts wäre schlimmer als seinen Horizont durch die eigenen Gedanken zu begrenzen ;)
Gute dann denke ich sind wir uns insoweit einig, dass es wirksame Therapien gibt, die evtl. in Vergessenheit geraten sind, oder wie du sagst als obsolet eingestuft wurden
Zwischen den Beiden ist schon ein großer Unterschied. Eine Therapie, die gute Ergebnisse liefert und den anderen Therapieansätzen ebenbürtig oder überlegen ist, gerät nicht einfach "in Vergessenheit". Wenn eine Therapieform abgelöst wurde, dann idR aus gutem Grund. Viele tauchen nur aus dem Grunde wieder auf, weil sie sich im heutigen Zeitgeist nun mal gut verkaufen lassen und so mancher damit gut Kasse gemacht hat. Patient von heute möchte eben zu gerne am sanften, natürlichen, nebenwirkungsfreien Medikament glauben.
Beispiele hat John Silver ja schon genügend genannt.
hennessy
19.12.2009, 10:51
@Jugtail
@John Silver
Der einzige von Euch angeführte Grund, der für den Gebrauch von obsoleten, wieder auferstandenen, abgelösten etc. Therapieformen dargestellt wird, ist die gute Verkaufbarkeit.
Mit Verlaub, diese Argumentation ist mir einfach zu dünn. Natürlich gibt es viele Menschen, die daran glauben oder daran glauben wollen. Und von Scharlatanen wird dies schamlos ausgenutzt. So weit, so gut. Aber unter den von Euch "verdammten" Therapieformen haben auch einige Wirkung gezeigt, z.B. die Akupunktur. Und dies sogar ohne Nebenwirkungen. Es ist noch nicht lange her, da wurde auch die Akupunktur von der Schulmedizin als Scharlatanerie bezeichnet. Inzwischen hat sich dies gottseidank geändert. Und wenn Ihr mal die Geschichte der Medizin verfolgt, dann werdet Ihr feststellen, dass vormals "alternative" oder nicht akzeptierte Therapieformen durchaus den Weg in die Schulmedizin gefunden haben.
Es ist ja heute beispielsweise in der Pharmakologie ein probates Vorgehen, Wirkstoffe aus der Natur chemisch nachzubauen. Warum in aller Welt wird dann jedoch der ursprüngliche, natürliche Wirkstoff als obsolet betrachtet? Vielleicht, weil die Pharmaindustrie und deren Fan-Gemeinde eine bessere Lobby hat? Oder weil die Pharmaindustrie befürchtet, weniger Geld zu machen? Also könnte ich doch jetzt genauso gut als Argument vorbringen, dass mit den chemisch erzeugten Medikamenten auch nur Geld verdient werden soll. Und dieses Argument wäre genauso zu dünn. So what?
Warum kann man nicht beides koexistieren lassen und je nach Fall individuell entscheiden, welche Therapieform man zur Anwendung bringt?
Ein verantwortungsvoller Arzt wird sicherlich nicht (überspitzt formuliert) einen frischen Herzinfarkt mit Homöopathie behandeln. Und ich als verantwortungsbewusster Zahnarzt werde wohl kaum eine Karies heraus pendeln. Aber wo es funktioniert sollten auch alternative Therapieformen bzw. Medikationen zum Einsatz kommen dürfen. Ich behandle z.B. einen Würgereiz gerne mit Akupunktur. Was soll daran bitteschön falsch sein, wenns funktioniert?
@anba: [...] Dabei verstehe ich mich jedoch keinesfalls als Arzt für naturheilkundliche Verfahren oder als alternativer Heiler, ....
@Hennessy: Sorry, falls Du Dich angegriffen haben solltest. Mir ist schon klar, dass Du kein alternativer Heiler, sondern ein solider Handwerker bist.
Ich finde, Du hast mit "ut aliquid fiat" eine in vielen Fällen zutreffende Indikation für den Einsatz alternativer Verfahren sehr schön umschrieben. Allerdings ist das UAF sicher nicht auf alternative Verfahren beschränkt, sondern auch in der Schulmedizin zu finden. [Beispiele aus dem Bereich der Pharmakotherapie: Antidepressiva bei bestimmten Indikationen und manche palliative Chemotherapien, falls man den Studien darüber trauen darf.)]
hennessy
19.12.2009, 11:04
@Hennessy: Sorry, falls Du Dich angegriffen haben solltest.
keine Sorge, ich fühlte mich nicht angegriffen. :peace:
Spezielle Fälle erfordern halt auch spezielle Vorgehensweisen. Ein unsensibler Arzt könnte ja auch sagen: "Haben Sie keinen Friseur, weil Sie mir diesen Schotter her kotzen?" :-)) Da praktiziere ich lieber ein Hand auflegen oder ne Salbe.
Kommt ja eh nicht so häufig vor.
Beim Googlen nach "ut aliquid fiat" bin ich gerade auf diesen Beitrag im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt gestoßen:
http://www.aeksh.de/download/SHAE_20080563_Medizin_und_Wissenschaft_Ut_aliquid_ fiat_Buddenbrooks.pdf
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 5/2008
Ut aliquid fiat
Die Hausärzte der Buddenbrooks und ihre
therapeutischen Möglichkeiten
Frank P. Meyer
Da wird anhand der Ärzte der Buddenbbrooks die Medizin dieser Zeit beschrieben, darunter auch die Gründe für die Einführung alternativer Methoden ohne wissenschaftlichen Hintergrund, die heute ein Revival feiern.
Zu UAF und zum Placeboeffekt steht dort:
[Zitat aus dem Ärzteblatt der AEKSH]:
Ut aliquid fiat
Traditionell rührte die Macht der Ärzte daher,
dass sie ihre Patienten durch die Krankheit begleitet
haben - bis hin zum Tod oder zur Gesundheit.
Diese Leitidee verschwand, als in der
Medizin die Idee der Heilung Fuß fasste.
Gleichzeitig
machte sich ein fataler Aktivismus bemerkbar
- im Sinne eines schon durch den Kirchenschriftsteller
Lactantius (250-317) beschriebenen
„ut aliqiud fieri videatur“ (= damit
wenigstens irgend etwas geschieht), verkürzt
weitbekannt geworden als „ut aliquid fiat“ (Bastian:
Psychologie heute 1995: 56-61).
Bei Thomas Mann liest man dazu im Jahr 1901
in seinen „Buddenbrooks“: ...
Alle diese Mittel
aber gebraucht er (Dr. Langhals) durchaus aufs
Geratewohl, für den Fall gleichsam nur, dass sie
überhaupt von irgendeiner Wirkung sein können, unwissend
darüber, ob ihre Anwendung nicht jedes
Wertes, Sinnes und Zweckes entbehrt.
Und wie sieht der Patient eine solche Situation?
Christian Buddenbrook klagend zu seinem Bruder
Thomas:
„ ... Grabow hat mir eine Salbe für
die Halsmuskeln verordnet ... gut! Gebrauche ich
sie nicht, unterlasse ich es, sie zu gebrauchen, so
komme ich mir ganz verloren und hilflos vor, bin
unruhig und unsicher und ängstlich und in Unordnung
und kann nicht schlucken. Habe ich sie aber
gebraucht, so fühle ich, dass ich meine Pflicht getan
habe und in Ordnung bin; dann habe ich ein gutes
Gewissen, bin still und zufrieden, und das Schlucken
geht herrlich. Die Salbe tut es, glaube ich,
nicht, weißt du ...“
[Ende des Zitats]
Kann man den Placeboeffekt schöner beschreiben? :-))
Ich glaube, ich muss über Weihnachten mal wieder die Buddenbrooks lesen.
Ich denke Hennessy hat das gesunde Mittelmaß gefunden und integriert alternative Methoden mit Schulmedizin, was angesichts dieses Beispiels auch sinnig erscheint.
Andere würden wohl ihren Patienten anfeuern zu atmen bevor sie eine alternative vorschlagen und benutzen.
Genauso denke ich,dass man nicht Engstirnig sein sollte was das "alte" Wissen betrifft und bin der festen Überzeugung, dass jeder hier in seiner täglichen Praxis irgendwann Therapien anwendet, die er in seiner Jahrzehnte langer Erfahrung als wirksam erachtet hat, die aber irgendwann als "obsolet" abgetan wurden.
Unterstützend anwenden ist wohl hier eines der Schlüsselwörter und macht somit einen Schulmediziner nicht gleich zu einem Scharlatan, der sein wissenschaftliches Wissen verraten hat.
RICHTIG eingesetzt können also gewisse Verfahren schon Nutzen bringen und somit sollte es wohl auch Ausnahmen unter den Heilpraktikern geben, die mit ihrem Wissen genau das erreichen möchten.
Hier und da gibt es auf der einen oder anderen Seite Vertreter, die engstirnig reagieren und die das Vorgehen der "Gegenseite" nicht zulassen.
Meiner Meinung nach würde wohl eine engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien dazu führen das ganze sinnvoller zu machen und die eine oder andere Hokuspokus Therapie verdrängen.
Bei meinen Ausführungen denke ich immer auch an festgefahrene Kollegen, die wirklich nach Schema "F" verfahren und nach dem Prinzip Versuch und Irrtum in ihrer Therapie vorgehen, was wohl dem Ansehen des ganzen Berufsstandes schadet.
Mal ganz abgesehen von den Beispielen die ich zuvor schon brachte.
Für mich ist Verantwortung gegenüber dem Patienten auch, dass ich über den Tellerrand hinausschaue.
Wie Hennessy schon ähnlich bemerkte hätte man noch vor 10 Jahren einen Schulmediziner öffentlich hingerichtet, wenn er Teile der TCM verherrlicht.
Und wenn hier der Einwandt kommt, dass solch Ärzte einfach nur Profit machen wollen, dann müsste man wiederum sagen, dass diese wohl dann auch auf die Seite der Scharlatane gehören und das geht dann wohl doch etwas zu weit.
Sei es WHO oder die Bundesärztekammer, beide geben Indikationen für Akupunktur vor bzw. gibt es für Ärzte Ausbildungsrichtlinien, die Ärzte erfüllen müssen, um Akupunktur anwenden und abrechnen zu dürfen... ist dies nun Geld mache der Ärztekammern oder scheint es gerechtfertigt?
Auch der Indikationskatalog für Akupunktur wurde von einer Kommission von Ärzten festgelegt... sind diese Institutionen nun auch besetzt von lauter Scharlatanen und Lügnern?
Der eine oder andere Satz mag provokativ klingen, aber dies soll nur mal zum Nachdenken anregen und vielleicht beim einen oder anderen das Denken anregen, um danach festzustellen, dass es vielleicht das eine oder andere mehr gibt, dass ich in meine Therapie miteinbeziehen kann, um das bestmöglichste Ergebnis zu erzielen und mir Abend sagen zu können.. " Ja ich gab dem Patienten jede Möglichkeit, die mir bekannt und sinnig war"
Sei es WHO oder die Bundesärztekammer, beide geben Indikationen für Akupunktur vor bzw. gibt es für Ärzte Ausbildungsrichtlinien, die Ärzte erfüllen müssen, um Akupunktur anwenden und abrechnen zu dürfen... ist dies nun Geld mache der Ärztekammern oder scheint es gerechtfertigt?
Auch der Indikationskatalog für Akupunktur wurde von einer Kommission von Ärzten festgelegt... sind diese Institutionen nun auch besetzt von lauter Scharlatanen und Lügnern?
Das Thema Akupunktur ist ein sehr weites Feld ;-), deshalb hier nur dieser Hinweis:
Über Akupunktur ist bei ML schon oft diskutiert worden, auch unter Bezug auf pubmed-Links und Links zu den gerac-Studien.
Ein Beispiel: Thread mit einer Diskussion zwischen den üblichen Verdächtigen (Evil, hennessy, John Silver, anba):
http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=664761&postcount=17
Nunja... Gerac Studien usw. widerlegen zumindest das schon zuvor gepostete, dass es von Verfechtern der alternativen Medizin nicht gewollt ist einen wissenschaftlichen Nachweis zu führen.
Zudem wird in diesen Veröffentlichungen nicht klar welche Punkte willkürlich gestochen wurden und wo diese gelegen haben, sprich hier wurde nicht dargelegt, dass der "wirksame" Punkt auf der Nasenspitze liegt und in der Vergleichsgruppe willkürlich auf der Großzehe.
Aber komischerweise gibt es in der TCM viele Punkte (Leitbahnen), die in ihrer Lage bzw. Wirkung Dermatome, Headzone entsprechen.
Ich denke eines der großen Probleme der alternativen Medizin ist es, dass z.B. in der Akupunktur andere Erklärungsmodelle oder Namen verwendet werden, die schon in ihrer Übersetzung schwer zu greifen sind.
Und entschuldigt, sagte ja , dass ich nicht überblicken kann inwiefern hier schon solch Themen diskutiert wurden.
Werde mir aber diesen genannten Thread zu Gemüte führen, auch wenn ich denke, dass, wie bei den meisten solcher Diskussionen, es zu keinem wirklichen Ergebnis führte.
Und ich als verantwortungsbewusster Zahnarzt werde wohl kaum eine Karies heraus pendeln.
Das wär mal cool, wenn das funktionieren würde ... :-)) Würd ich glatt mal vorbeikommen ... :-D
Für mich zählt all das zur Schulmedizin, was einen nachgewiesen, relevanten Nutzen bringt. Von daher halte ich diese ganze Diskussion für überflüssig.
Solange es keine Studien gibt, die belegen dass Globuli (hier kann auch jede beliebige andere, alternative Heilmethode eingesetzt werden) bei einer bestimmten Indikation besser/ schneller/ nebenwirkungsärmer wirken als eine etablierte Therapie, gibt es meiner Meinung nach keinen Grund auf diese alternative Heilmethode zurückzugreifen. Eine Ausnahme stellen dabei allenfalls Erkrankungen dar, für die überhaupt keine wirksame Therapie existiert - aber dann auch eher mit dem Hintergedanken der psychologischen Wirksamkeit.
Ein verantwortungsvoller Arzt wird sicherlich nicht (überspitzt formuliert) einen frischen Herzinfarkt mit Homöopathie behandeln.
Nichts ist unmöglich ;-): http://www.youtube.com/watch?v=HMGIbOGu8q0
Es geht nicht um bedauerliche Einzelfälle, sondern um die Sache an sich. Das Verschreiben einer Placebo-Therapie ist aus ethischer Sicht an sich fragwürdig und kann nur im Einzelfall gerechtfertigt sein;
Mit einer wichtigen Einschränkung, die gerade bei chronisch Kranken häufig zutrifft und damit kein Einzelfall mehr ist: Placebo ist nur dann fragwürdig, solang es eine effizientere Therapie gibt. Wenn Du keine Alternative hast und dem Patienten mit Placebo helfen kannst, solltest Du das tun.
Was die Akupunktur betrifft, so gilt hier Ähnliches. Zwar ist ein bestimmter Effekt nachweisbar; es gibt aber keine glaubwürdige Studie, die einen klinischen Nutzen belegt.
Was aber weniger an der Akupunktur liegt, sondern eher daran, daß bislang noch kein geeignetes Studiendesign gefunden werden konnte. Doppelblinde Studien sind in diesem Bereich schlicht nicht möglich.
Heilpraktiker werden auf Gebieten unterstützend tätig, auf denen die Menschen eigentlich keine Unterstützung brauchen
Interessantes Postulat, um nicht zu sagen Vorurteil; kannst Du das begründen?
Alle Therapien, die als "alternativ" bezeichnet werden, setzen sich zusammen aus 3 Gruppen:
1. Therapien, die nachweislich unwirksam sind.
2. Therapien, die zwar eine bestimmte Wirksamkeit haben, aber durch effektivere/nebenwirkungsärmere/besser steuerbare etc. Therapien abgelöst und für obsolet erklärt wurden.
3. Therapien, die überhaupt nicht wissenschaftlich evaluiert sind, und sehr wahrscheinlich entweder der ersten oder der zweiten Gruppe angehören.
Prinzipiell zutreffend, aber was die 3. Gruppe angeht eine gleichwohl etwas arrogante Einschätzung; solang die Therapien nicht evaluiert sind, wäre ich mit Wahrscheinlichkeitsangaben zurückhaltend.
Wissenschaftliches Arbeiten impliziert eine gewisse Aufgeschlossenheit und Neugierde, die ich in Deinem Fall vermisse.
Für mich zählt all das zur Schulmedizin, was einen nachgewiesen, relevanten Nutzen bringt. Von daher halte ich diese ganze Diskussion für überflüssig.
Solange es keine Studien gibt, die belegen dass Globuli (hier kann auch jede beliebige andere, alternative Heilmethode eingesetzt werden) bei einer bestimmten Indikation besser/ schneller/ nebenwirkungsärmer wirken als eine etablierte Therapie, gibt es meiner Meinung nach keinen Grund auf diese alternative Heilmethode zurückzugreifen. Eine Ausnahme stellen dabei allenfalls Erkrankungen dar, für die überhaupt keine wirksame Therapie existiert - aber dann auch eher mit dem Hintergedanken der psychologischen Wirksamkeit.
Du setzt voraus, daß es für jede Therapieform ein Studiendesign gibt, die die Wirksamkeit eindeutig belegen oder widerlegen kann, und fällst damit wie viele EBM-Hörige auf die Statistikgläubigkeit herein.
Jedem, der auch nur ein bißchen was von Statistik versteht, stehen bei einem Großteil der Studien die Haare zu Berge ob der methodischen Fehler (ich verweise an dieser Stelle immer gerne auf die beliebten Spielereien mit dem Signifikanzniveau). Und anhand ebensolcher Studien soll eine abschließende Beurteilung einer Therapieform erfolgen?
Beispiele für solche Luftnummer gibt es zuhauf, der geneigte Leser möge sich an Vioxx oder auch Lipobay erinnern; von diversen sündhaft teueren palliativen Chemotherapieprotokollen mit statistisch signifikanter Wirkungsverbesserung (= Lebenszeitverlängerung um 6 Wochen unter Bedingungen, die man nur noch als "Vita minima" bezeichnen kann) rede ich noch nicht einmal.
Mein Fazit: bevor man irgendeine Therapieform akzeptiert oder ablehnt, möge man sich höchstselbst damit befassen. Andernfalls sollte man dem Ratschlag Dieter Nuhrs folgen und weder unqualifizierte Vorurteile noch kritiklose Begeisterung äußern.
Für mich zählt all das zur Schulmedizin, was einen nachgewiesen, relevanten Nutzen bringt.
Das klingt etwas nach - und wenn es nachgewiesen wird, dann gehört es der Schulmedizin an - oder - .. dann beschneiden wir die alternativen Methoden, erklären es zur Schulmedizin und rechnen es als solche ab und hoffen, dass Heilpraktiker & Co neue Bereiche, Therapien finden bzw. ausgraben, die wir bei Nachweis und Sinnigkeit abgreifen können.
Und wenn ein nachweisbarer Effekt vorhanden ist, warum betitelt man Heilpraktiker mit Zusatz Akupunktur dann als Scharlatane? Vor allem wenn deren Ausbildung 3 Jahre oder länger dauerte im Gegensatz zu den 120 + 80, die bei Ärzten gefordert werden.
Weshalb erkennt die Bundesärztekammer Akupunktur in Bezug auf Rücken- und Knieproblemen an? Wenn es hier wirklich, wie oft vertreten, keinen nachweislichen Effekt geben würde (mal ganz von den Patientenmeinungen abgesehen), dann müsste ich doch schon soweit gehen und der Ärztekammer bzw. den mit in diesen Prozess eingeschlossene Institutionen, Profitgier, Scharlatanerie und sonstiges genauso Vorwerfen wie denen, die diese Therapien täglich und ausschließlich gebrauchen.
Nur weil ein Arzt eine Therapie anwendet wird diese Therapie nicht gleich Sinnig oder umgekehrt unsinnig bzw. moralisch und ethisch vertretbar!
Im Grunde sollten wir das Dasein des Heilpraktikers nicht verallgemeinern, sondern individuell sehen wie er welche Arbeit tut, denn ich bin ebenso froh, wenn ein Patient nicht alle Ärzte über einen Kamm schert.
John Silver
19.12.2009, 17:21
Meine Einschätzung der dritten Gruppe ist mitnichten arrogant. Nur weil ich eine durchaus plausible Einschätzung abgebe, bedeutet es noch lange nicht, dass ich nicht aufgeschlossen bin. Man möge mir einen Beweis zeigen, dass ich mich irre, und ich werde meine Meinung sofort revidieren, darauf hast Du mein Wort.
Wer eine Therapie anwendet, dem obliegt es auch, nachzuweisen, dass diese Therapie erstens wirksam ist, und zweitens eine Wirksamkeit im Bereich des klinisch Relevanten aufweist. Und wie ich mal anmerken möchte, bist Du, lieber ach so weiser und erfahrener Evil, der immer nur über andere milde von oben herab lächelt, jetzt als Erster persönlich geworden, anstatt Argumente anzubringen. Soviel zu Deinem ewigen "Silver ist nur für Polemik gut"-Gefasel. :-top
Nehmen wir als Beispiel die Akupunktur. Okay, es ist ein "komplexes Thema", bla bla, aber ich bin halt mal stur. Ich habe schon von sehr vielen Menschen gehört, die Akupunktur sei "wirksam", und das auch noch "ohne Nebenwirkungen" (mal nebenbei gesagt, wenn es keine Nebenwirkungen gibt, gibt es auch keine Hauptwirkung, so funktioniert der menschliche Körper nun mal). Mag ja sein, aber das ist nur leeres Gerede. Jeder Depp kann den Mund aufmachen und irgendetwas behaupten, aber es bedarf eben eines Beweises. Doch sobald man nach einem Beweis fragt, kommt einem gleich noch mehr bla-bla entgegen, man könne angeblich keine Studie gut designen, bestimmte Parameter ließen sich nicht erfassen etc. Sorry, Leute, aber das ist unglaubwürdig. Doch sobald man sagt, dass es unglaubwürdig ist, wird man von oben herab behandelt, und es kommen Hinweise auf die angeblich mangelnde Erfahrung seitens des Fragenden, auf Dinge, die man ablehne, weil man sie nicht verstehe oder weil sie angeblich nicht ins eigene Weltbild passen und bla bla. Immer nur bla-bla. Genau das ist das Problem. Wenn es um wissenschaftliche Sachverhalte geht, ist bla-bla irrelevant. Es zählen nur Fakten. Anstatt aber solche zu schaffen, wird nur weiter bla-bla produziert. Und irgendwann mal wird es langweilig. So geht ihr immer vor. Ihr überzeugt nicht, ihr könnt höchstens überreden. Ist ein riesiger Unterschied.
Also jetzt mal Butter bei die Fische. Ich will kein Gelaber darüber hören, man könne kein geeignetes Studiendesign für eine glaubwürdige Evaluation der Akupunktur hören - ich will Vorschläge sehen, über die man diskutieren kann. Wenn jetzt wieder nur bla-bla kommt, werde ich mich vollauf bestätigt sehen.
hennessy
19.12.2009, 18:33
wenn man alles mit bla-bla abtut, wird man nie diskussionswürdiges finden. Allein aus Deiner Verweigerungshaltung liest man sehr deutlich, dass Du Dich gar nicht damit befassen willst. Du machst es Dir leicht und schiebst den Schwarzen Peter einfach den anderen zu, anstatt selbst mal aktiv zu werden und Dich intensiver mit der Thematik zu befassen oder Dich zumindest mal der Argumentation zu öffnen.
Noch was kleines zum Schluss: Auch die Wissenschaft und die evidenzbasierte Medizin kann nicht alles erklären. Es gab und gibt vieles, das wissenschaftlich als unmöglich abgetan wurde und wird, aber trotzdem existiert.
Ich denke man sollte trotz aller Skepsis oder Einstellung offen bleiben für neues bzw. "altes".
Wie ich schon schrieb: Man würde seinen Horizont nur begrenzen und auf dem Stand von heute bleiben.
Oder besser gesagt und auch hier haben alte Lehren wohl Recht:
"Nur der Dümmste und der Weiseste ändern sich nie!"
Das klingt etwas nach - und wenn es nachgewiesen wird, dann gehört es der Schulmedizin an - oder - .. dann beschneiden wir die alternativen Methoden, erklären es zur Schulmedizin und rechnen es als solche ab und hoffen, dass Heilpraktiker & Co neue Bereiche, Therapien finden bzw. ausgraben, die wir bei Nachweis und Sinnigkeit abgreifen können.
Gegenfrage: Möchtest du alles, was natürliche Wirkstoffe enthält oder in ähnlicher Form seit über 50 Jahre angewandt wird, per se für die "Alternativheilkunde" in anspruch nehmen?
Dass viele Heilpraktiker es mit der erwiesenen klinischen Wirksamkeit einer Methode bzw. genaue Wirkungsweise nicht so eng sehen, ist nun mal Tatsache. Da hört man immer wieder das Sprüchlein "Wer heilt, hat recht" (was nichts anderes bedeutet, als dass derjenige in dem Moment nicht weiß, was genau geholfen hat). Ich würde sehr gerne an Akupunktur und Homöopathie glauben (ernsthaft), aber je mehr ich mich in die entsprechenden Studien vertiefe, desto mehr kommen mir Zweifel. Und die wenigsten Heilpraktiker bieten nur Akupunktur an, sondern bieten ja meistens eine Palette von Behandlungsmethoden an.
Und mit Verlaub - "Heilpraktiker & Co." sind nur selten diejenigen, die "neue Therapien finden", sprich forschen. Es sind auch meistens nicht die Heilpraktiker, die ihre eigenen Methoden kritisch unter die Lupe nehmen und entsprechende Studien durchführen - das sind meistens die (forschenden) Ärzte.
Hellequin
19.12.2009, 22:07
So weit, so gut. Aber unter den von Euch "verdammten" Therapieformen haben auch einige Wirkung gezeigt, z.B. die Akupunktur. Und dies sogar ohne Nebenwirkungen.
Bei der Akupunktur kann es schon zu NW kommen. Im Rahmen der Gerac-Studie sind immerhin bei etwa 8% der Probanden NW dokumentiert worden.
Es ist ja heute beispielsweise in der Pharmakologie ein probates Vorgehen, Wirkstoffe aus der Natur chemisch nachzubauen. Warum in aller Welt wird dann jedoch der ursprüngliche, natürliche Wirkstoff als obsolet betrachtet? Vielleicht, weil die Pharmaindustrie und deren Fan-Gemeinde eine bessere Lobby hat? Oder weil die Pharmaindustrie befürchtet, weniger Geld zu machen? Also könnte ich doch jetzt genauso gut als Argument vorbringen, dass mit den chemisch erzeugten Medikamenten auch nur Geld verdient werden soll. Und dieses Argument wäre genauso zu dünn. So what?
Der Vorteil von industriell gefertigten Medikamenten ist halt die genaue Dosierung. Die kann man halt bei pflanzlichen Präparaten oft nicht sicherstellen. Dazu kommt noch die Problematik mit weiteren Wirkstoffen etc.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.