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ehemalige Userin 24092013
21.01.2003, 17:05
Hallo,


mich würde mal eure Meinung zum Thema Drogenmissbrauch bei Ärzten und Pflegepersonal interessieren.
Ich selbst habe in meiner Ausbildung einige Ärzte und Pfleger kennengelernt, die jahrelang ein Alkohol- oder Drogenproblem hatten...............und nach erfolgreichem Entzug...........innerhalb der Klinik "öffentliche Beratung und Hilfe" für weiteres betroffenes Personal leisteten.

Im Deutschen Ärzteblatt (Auflage Jan. 2000)...........habe ich folgenden Text gefunden:

Schätzungen zufolge sind in Deutschland 6% der Ärzte einmal im Leben als Alkoholabhängige zu diagnostizieren, 7%-8% gelten generell als suchtkrank. Bei den "Durchschnittsbürgern" in Deutschland liegt die Pävalenzrate bei etwa 3%. Nach Ansicht der deutschen Bundesärztekammer liegt das hohe Suchtrisiko im Beruf begründet, da Ärzte zu hohe Anforderungen an sich stellen würden. Überbelastung, zu hohe Ideale, emotionaler Druck und wirtschaftliche Belastung stellen wichtige Risikofaktoren dar. Alkohol, oft mit Medikamenten kombiniert, werden in ihrem Suchtpotential gerade von Ärzten häufig unterschätzt. Laut BÄK haben Ärzte einen häufig um 10 Jahre längeren Suchtmittelmissbrauch, bevor eine Behandlung beginnt. Wie in anderen Berufen mit hohem Sozialprestige ende die Erkrankung häufig mit dem Selbstmord der Betroffenen.


Allerdings möchte ich nochmal sagen, dass es mir in diesem Thread nicht nur um Ärzte geht, sondern, wie oben schon erwähnt auch um Pflegepersonal.
Auch geht es nicht nur um Alkohol, sondern auch um Opiate..........Benzodiazepine.............und so weiter.

Bin gespannt auf diese Diskusion.............

Liebe Grüsse Kaddel

Captain Cosmotic
21.01.2003, 17:22
Interessante Frage. Obwohl ich schon seit Jahren im Bereich Anästhesie tätig bin ist mir kein Fall von Opiat- oder Benzomissbrauch bekannt. Naja, man hört halt mal hier&da, nach dem Motto "Früher gab es mal Pfleger/Arzt XY, der hat immer..." aber nie was Konkretes!
Ich selbst trinke äusserst mäßig Alkohol, mal ein Glas Rotwein oder im Winter Baileys im Kaffee. Naja, und halt die obligatorischen Party-Biere. Aber soweit im Rahmen. Grundsätzlich muss ja immer nach den Motiven von Alkoholkonsum gefragt werden; Und wer Drogen (Alkohol, Medikamente etc.) konsumiert um "stabil" zu bleiben oder Streß zu ertragen oder leistungsfähiger zu bleiben oder persönliche Defizite zu kompensieren, der hat eben ein Problem.

So sehe ich das jedenfalls...
Gruss, Der Captain.

DoktorW
21.01.2003, 18:22
der W hat sich schon einen bestellt.... :-blush :-blush :-D :-blush

Pünktchen
21.01.2003, 19:41
hallo kaddel :-)

Ich finde, daß Alkohol und Drogen im Krankenhaus nix zu suchen haben. Aber die Realität sieht wohl anders aus :-(

Ich kenne selber eine Krankenschwester, die in Ihrer ausbildung!!! schon auf Station täglich ihre Valium brauchte. :-((
Wie kann man denn da noch arbeiten???

Klar macht einen die Arbeit manchmal fertig und man will alles vergessen. Wenn man der Mutter eines kleinen aufgeweckten Mädchens sagen muss, daß ihr Kind wohl bald sterben wird. Wieviele nächte liegt man wach, wenn man sich selbst eingestehen muss, jetzt muss ich aufhören zu therapieren, weil es nichts mehr bringt???
Wie steht man eine 24-stunden-schicht durch ohne Schlaf???
Man hat alle Möglichkeiten um an nette Mittelschen ran zu kommen, doch sollte man als Arzt verantwortungsbewusst handeln und betrunken zum Dienst zu erscheinen ist bestimmt nicht verantwortungsbewusst weder seinem Patienten noch seinen Mitmenschen gegenüber....


gruß
vom wenig Alkohol trinkenden pünktchen :-)

PS. Wie war das mit den Alkohol/Drogentests???

ehemalige Userin 24092013
21.01.2003, 19:50
Original geschrieben von Pünktchen


Ich kenne selber eine Krankenschwester, die in Ihrer ausbildung!!! schon auf Station täglich ihre Valium brauchte.




.....du sprichst jetzt aber nicht von mir oder???????...............*sfg* :-)) :-)) :-)) :-)) :-D


Aber Deine Aussagen...................sind leider in der Tat die Gründe dafür, es zu tun..................denn man ist "nur Mensch"................und gerät leider schnell an seine Grenzen, die man aber nicht zeigen darf................und dann kommt eben anderes dabei raus.

Grundsätzlich finde ich auch, es ist verantwortungslos...............genauso verantwortungslos, wie jemand, der schon ein Alkproblem hat z.B................plötzlich meint einen Entzug ohne Hilfe ect. zu machen und sich dann mit ner Entzugssymptomatik innen Op stellt oder pflegerisch auf einen Pat. los geht...... :-((



Liebe Grüsse Kaddel

21.01.2003, 21:05
Kann Captain´s Posting nur unterschreiben! So wirklich einen Fall von irgendwelchen Drogen- oder Medikamtenabusus ist mir selber nicht bekannt! Bei Alk sieht es schon anders aus!

Wenn ich jeden Tag ne Flasche Metaxa konsumiere und dann auf ND ziehe, mh, bedenklich *gleub*! ;-)

chata

Pünktchen
21.01.2003, 21:27
@kaddel
nein du bist nicht gemeint...

Aber Deine Aussagen...................sind leider in der Tat die Gründe dafür, es zu tun..................denn man ist "nur Mensch"................und gerät leider schnell an seine Grenzen, die man aber nicht zeigen darf................und dann kommt eben anderes dabei raus.
:-? Ja, aber warum denn? Gibts keine anderen Wege? Daß der Job anstrengend ist und man psychisch belastbar sein muss, weiß jeder...aber es muss auch andere Wege geben, mit Stress um zu gehen.

Fragt sich doch, wo das ganze anfängt....wie war da mit dem Glühwein in der Weihnachtszeit auf Station???
Oder, wie meine letzte Mitbewohnerin während ihres PJ-Tertials auf der Hämatologie, jeden abend eine halbe flasche Wein trank um einschlafen zu können?

Meint ihr Ärzte sind verführbarer zu drogen und medikamenten?

gruß
ein kleines pünktchen

21.01.2003, 22:59
Meint ihr Ärzte sind verführbarer zu drogen und medikamenten?

Ja mein ich! Ich denke, sie glauben aufgrund ihres "Wissens" das Risiko besser abschätzen zu können! Leider bleibt es oft beim "Glauben"!

Kenne 2 Chirurgen, die im Präpsaal als Tischassis landeten, und das ist noch die glückliche Variante!

chata

frerehugi
22.01.2003, 00:16
Wie dem auch sei...was die Leutchens so in ihrer Freizeit machen kann ohnehin keiner kontrollieren und geht uns ja auch strenggenommen nichts an :-))

Der Spaß hört allerdings genau vor der Kliniktür auf! Wer als Arzt, Schwester, Pfleger, MTA oder auch nur als Zivi bedröhnt im Dienst erscheint, der handelt nicht nur unverantwortlich, sondern beweist auch Unreife und mangelden Realitätssinn.
Ich habe als Zivi so einige Zivikollegen kennengelernt, die morgens vorm Dienst und dann nochmal in der Frühstückspause ne Blub geraucht haben und dann ihren Dienst aufem KTW geschoben haben...und auf RTWs solls so manchen dauerdichten Rettungsassi geben....keine schöne Vorstellung: mit 90 und Blaulicht durch die Innenstadt mit nem Bekifften am Steuer. :-(
vlg, frerehugi


- das Leben ist kein Ponyhof

ehemalige Userin 24092013
22.01.2003, 15:40
...............warum es keine anderen Wege für manche gibt, dem Stress zu entfliehen????................
Die gibt es, keine Frage...........nur manche finden sie nicht, weil sie zu "schwach" sind.....................oder die Gefahr zu spät erkannt haben.............weil sie in der Anfangsphase und später sowieso keine anderen Möglichkeiten für sich sehen.

Jemand, der z.B. ne Line Koks zieht................findet es geil.............und dann, wenn die Wirkung vorbei ist, kann er sich überlegen, ob er`s nochmal tut.........oder lässt.
Wenn er weiss, woher das "geile Gefühl" kam.............und was es für Folgen mit sich bring, dann lässt er es, ist er aber labil (aus welchen Gründen auch immer)...........und kann mit der Wirkung während des Konsums und der danach nicht umgehen, tut er`s immer wieder.



Ich hab nix dagen, wenn man im KH...............mal aus nem "besonderen" Anlass n Gläschen Sekt oder so trinkt, das passiert in anderen Firmen auch...............allerdings habe ich da meine persönliche Grenze............ein Glas nur viertel voll...............und das wars dann.
Und das es sowas nicht jeden Tag gibt, versteht sich von selbst denke ich.



Liebe Grüsse Kaddel

hobbes
22.01.2003, 23:21
Bei den Suchtkranken Ärzten schwingen die Chirurgen mit 18% gefolgt von Allgemeinmediziner 13%, Praktische Ärzte 13%, Arzte ohne Facharzt 10%, Internisten 10%, Gynäkologen 9%, Ärzten in Weiterbildung 8%, Anästhesisten 8% obenaus. Zahnmediziner machen 11% der suchtkranken Ärzte aus.

Das Suchtmittel ist in 43% Alkohol, in 34% die Kombination von Alkohol und Medikament, in 11% ein Medikament, in 10% Drogen.

Quelle: www.aerztegesundheit.de

Sebastian1
22.01.2003, 23:39
Hm,

vielleicht hat es nicht unmittelbar damit zu tun, aber ich muss sagen, daß ich unter Medizinstudenten manchmal schon erschrocken bin, wie schnell auch zu verschreibungspflichgtigen Medikamenten gegriffen wird. Das ist ein subjektiver Eindruck, also kann ich das nicht anhand von Zahlen belegen, aber ich habe das Gefühl, daß die Hemmschwelle aufgrund der Kontrollüberzeugung deutlich geringer liegt. Und man könnte mutmaßen, das dem auch so bei der Suchtschwelle sein könnte. Oder aber, daß die Sucht verleugnet wird, weil ja die Kontrollüberzeugung immer noch da ist. (Wobei das auch zum Krankheitsbild eines jeden nichtmedizinischen Alkoholikers gehören dürfte...).
Und Dienst unter Drogen, sei es Alkohol, Medikamente oder anderes, halte ich eh für völlig unverantwortlich, aber da wird wohl jeder mit mir d'accord gehen...

Gruß,
Sebastian

luckyblue
22.01.2003, 23:40
is manchmal auch mein Eindruck

Bastian
23.01.2003, 00:10
Ein Grund für die Flucht in die Drogen (incl. Alkohol) dürfte auch ein unrealistisches Selbstbild vieler Ärzte sein. Niemand mag vor Kollegen und v.a. Vorgesetzten zugeben, dass er durch 24h Dienste und endlose Überstunden überfordert ist. Man arbeitet ständig über seinem Limit.

Arbetismedizinische Studien ergaben z.B. dass die Psychomotorik nach 24 h ohne Schlaf einer Alkoholintoxikation von ca. 1 Promille entspricht. Das entspricht etwa 3 Flaschen Bier. Ich kenne Chirurgen, die dann noch operieren. So gesehen sind schon die "normalen" Arbeitsumstände schlicht verantwortungslos sowohl gegenüber Patienten wie auch gegenüber medizinischen Mitarbeitern.

Aus meiner Sicht laufen solche Arbeitsbedingungen auf fahrlässige Körperverletzung hinaus (zu mindest moralisch auch wenn leider nicht juristisch). 25000 durch ärztliche Fehler getötete Patienten pro Jahr sind u.a. die Folge solcher Umstände.

Kein Wunder, dass dann mancher zur Flasche greift.

frerehugi
23.01.2003, 22:43
Naja, das mit den verschreibungspflichtigen Drogen ist so eine Sache...mich wunderts nicht wirklich, denn abgesehen von der Tatsache, dass man als medizinisches Personal viel leichteren Zugang hat als Otto-Normalverbraucher, kennt das Gros der Leute die meisten Medikamente ja überhaupt nicht. Sie wüssten also gar nicht, was sie sich reinpfeifen sollten. Die einzige, wie ich finde, wirklich interessante Vergleichsgruppe zu den Medizinern, wären die Pharmazeuten und ich kann mir nicht vorstellen, dass bei denen höhere Hemmschwellen vorhanden sind, als bei uns.
:-meinung vlg, frerehugi


- Das Leben ist kein Ponyhof!

Froschkönig
23.01.2003, 22:56
Original geschrieben von frerehugi
Die einzige, wie ich finde, wirklich interessante Vergleichsgruppe zu den Medizinern, wären die Pharmazeuten und ich kann mir nicht vorstellen, dass bei denen höhere Hemmschwellen vorhanden sind, als bei uns.

Das stimmt meiner Meinung nach so nicht ganz, zwar wissen die Pharmazeuten besser darüber Bescheid, was man sich am besten "reinpfeifen" kann, aber es geht hier ja nicht nur um Hemmschwellen....das implizierte ja, daß wir alle latente Junkies sind, nur langt unsere Hemmschwelle halt noch, es ist vor allem auch die Motivation, die einen dazu treibt. Wer in seinem Leben gefestig ist, einen Beruf hat und einen vernünftigen Bekanntenkreis hat, greift im allgemeinen nicht so schnell zur Droge/zu Medikamenten, es sei denn er ist durch überfordernden Schichtdienst und Patientenverluste verzweifelt/zerrüttet/überfordert.
:-meinung


Der Frosch (der jetzt das Bier wegstellt, um Kippen zu holen und die Opiumampullen zu beseitigen :-D)

P.S. OK, eigentlich ist das Thema wirklich nicht komisch !

hobbes
23.01.2003, 23:03
Das würde jetzt aber heissen, dass Ärzte weniger gefestigt sind in ihrem Beruf und weniger Bekannte haben als Angehörige anderer Berufsgruppen. Das stimmt doch so auch wieder nicht.

Froschkönig
23.01.2003, 23:09
Nein so meinte ich das nicht, ich sprach von einem direkten vergleich zu den Pharmazeuten (war ja vielleicht auch nicht so deutlich).
Und in dem vergleich können ja beide abstrakt gleich abschneiden, was die charakterlichen und persönlichen Umstände angeht. Und an dieser Stelle oben hinter dem "es sei denn" weiterlesen....

Jetzt klar ?

frerehugi
23.01.2003, 23:52
Das es einer gewissen Motivation bedarf, drogen in welcher Form auch immer zu konsumieren, steht glaub ich ausser frage und dass mit sich und ihrer Umwelt zufriedene Menschen nicht so schnell dazu neigen, ist denk ich auch klar. Es ging ja in Sebastians statement gerade um verschreibungspflichtige Medikamente und ich denke, dass allein die Kenntnis und der Zugang zu den entsprechenden Mitteln bei latent suchtgefährdeten Medizinern diesen hohen Prozentsatz an Medikamentenkonsumenten ausmacht. Hätten sie keinen Zugang zu Barbs und Benzos, wären sie vermutlich Sprittis. Mich würde aber halt interessieren, wie das so unter Pharmazeuten aussieht...ob die (im Schnitt) geausoviel Medikamentenmißbrauch betreiben, oder ob das tatsächlich eine (evtl. stress- und frustrationsbedingte) Ärztekrankheit ist. vlg frerehugi

Froschkönig
23.01.2003, 23:55
Ich will jetzt nicht behaupten, daß Pharmazeuten keinen Medikamentenmißbrauch betreiben, aber alleine aus dem Bauch heraus würde ich behaupten, daß er bei Ärzten auf Grund des Druckes prozentual größer ist !