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Feuerblick
28.03.2012, 23:05
Ganz einfach: Als Assistent hast du selbst in der Hand, wieviel Arbeit anfällt. Das ist der große Unterschied zum PJ!Lass alle schwachsinnigen "nur mal kontrollieren"-Blutentnahmen weg und schon hast du viel mehr Zeit. Organisier dich und deine Arbeit, fordere die Mitarbeit der Pflege bei Visite ein und gut ists. Trödel nicht vor dich hin und überdenke nicht jeden Schritt zehnmal sondern MACH einfach. Ich habe Kollegen gesehen, die bei jedem Brief vom Arztzimmer ins Stationszimmer gegangen sind, um eine einzige Kurve zu holen. Beim nächsten Brief zehn Minuten später wieder. Kollegen, die für den Ausdruck eine Aufklärung länger gebraucht haben als ich für die Aufklärung selbst. Kollegen die jede Kurve fünfmal kontrolliert haben, ob auch ja alles richtig angeordnet ist. Vergiss das! Besser man gewöhnt sich an, auf Anhieb exakt zu arbeiten. Spart Zeit und Nerven!

Anne1970
29.03.2012, 05:51
Du hast ja eine Menge gehört und vermutest auch viel. Gibt es auf Fakten dazu?

Schlagfertige Antworten sind übrigens eine Spitzenidee, wenn man die Pflege gegen sich aufbringen will...selbst mit vorherigem Training.


:grins::grins::grins:

Miyu
29.03.2012, 21:00
Wenn früher kommen keine Option ist; was dann? Im Chirurgietertial hätte ich die BAs nie rechtzeitig geschafft, wenn ich nicht viel früher gekommen wäre; klar könnte oder sollte man theoretisch immer schneller und effektiver sein können, aber praktisch funktioniert das leider nicht immer so wie man sich das vorstellt...

Du bist in deinem Chirurgietertial FREIWILLIG frueher gekommen wegen BAs? Dazu faellt mir echt nur eins ein: Selbst schuld.

morgoth
30.03.2012, 05:48
Glaube auch, dass damit nun die Schwelle der Beratungsresistenz (zumindest in einem Online-Forum) überschritten ist ...

antonia123
30.03.2012, 06:24
meine famulantin kommt auch oft früher weil sie blut abnehmen möchte. das liegt aber daran, dass wir diese blutentnahme damen haben und die immer schon vor 8 auf unserer station zugange sind. ich hatte ihr angeboten die röhrchen ins arztzimmer zu stellen damit sie dann ab 8 abnehmen kann aber das hat sie sich nicht zugetraut aus angst dass sie dann an den schwierigen venenverhältnissen meiner patienten verzweifelt :D

netfinder
30.03.2012, 18:18
Also frueher kommen fuer Blutabnahmen haette ich niemals gemacht. Wenn das noetig gewesen wäre, dann haette das gerne mein zustaendiger Assistenzarzt übernehmen dürfen!

LMD
30.03.2012, 18:30
Wir machen i.d.R. "Sitzvisite" am Computer und gehen später rasch durch die Zimmer. Während der Sitzvisite sind sowohl pflegerische Stationsleitung als auch die Zimmerschwester mit anwesend. Leider nicht beim Rundgang, aber trotzdem ist es ein effektives Vorgehen in meinen Augen. Und kein Hexenwerk. Die Schwestern verstehen ja auch, dass sie von einer zügigen und konzentrieren Visite profitieren (sofern sie selber dabei anwesend sein müssen ;-) ).

Eure Sitzvisite kenne ich noch und bei euch in der pädi ist das glaube ich wirklich sehr angebracht, aber bei euch wird ja gleich nach dem ankommen noch vor visite gestatet und der ganze ablauf ist anders. ich glaube, auf einer anderen station (gefäß, pulmo) würde ich auch darüber nachdenken.

es gibt immer noch die übereifrige generation, naja wer will, der darf auch. soll bloß nicht am ehrgeiz scheitern, aber lieber so, als andersrum.

Kackbratze
30.03.2012, 19:29
Im Sitzen können wir leider nicht Visite machen, wir haben nur einen Rechner im Schwesternzimmer.
Dann lieber vor den analogen Medien direkt vor dem Patientenzimmer.
Röntgenbilder werden uns jeden Morgen gezeigt, da sind unsere Radiologen echt klasse, dass das klappt!

snowfairy
31.03.2012, 19:36
Ich kann mich an der Uni erinnern, dass zumindest die großen Fächer eigentlich immer ausreichend Blockstudenten, Famulanten und PJler hatten; selbst Lehrkliniken haben meist zumindest PJler. Allerdings ist das wohl auch nur in den "Pflichtfächern" Innere und Chirurgie so.

Wenn man es allerdings selbst machen muss, kann ich mir vorstellen, dass man sicher schon deutlich früher da sein muss; teilweise haben wir PJler schon bis zum späten vormittag für alle Abnahmen gebraucht, als Assistenzarzt ist so was sicher undenkbar. Wird sicher lustig werden...

Welches Fach machst du übrigens, snowfairy? Dachte immer, dass man an der Uni wohl eher ins kalte Wasser geschmissen würde; aber das klingt ja ganz human.

Kann sein, dass man Frustrationstoleranz braucht, aber noch wichtiger ist wohl das Selbstbewusstsein. Durch zahlreiche Schlagfertigkeitstrainings-Übungen fiel mir schon oft ein passender Spruch ein, allerdings fand ich dann teilweise nicht den Mut ihn tatsächlich auszusprechen. Ob das Frage der Primärpersönlichkeit oder eben auch nur Übungssache ist wird sich dabei zeigen...

Als Student früher in die Klinik zu kommen, nur wegen der Blutabnahmen, find ich echt krass. Musste das zum Glück nicht machen (und wenn, dann hätte ich versucht die Klinik zu wechseln).
Ich bin in der Herzchirurgie:-love gelandet. Gut, mittlerweile muss ich - wie die anderen auch- manchmal eine Station mit 30 Pat. alleine machen, aber wie gesagt, am Anfang durfte ich erstmal mit auf Visite gehen und wurde schrittweise herangeführt. Und mit Diensten werde ich derzeit auch noch verschont (soll ja noch aufgebaut werden, damit ich auch wirklich fit bin).
Hatte also echt Glück mit der Klinik:love:

wjsl
31.03.2012, 22:49
Ich fand das jetzt nicht großartig schlimm; schlimm fände ich eher, wenn man den Druck hat, dass man unbedingt rechtzeitig fertig sein muss, weil man sonst die Station nicht organisiert kriegen würde. Besonders bei OA oder Chef-Visiten merkt man, dass immer was vergessen wurde oder immer irgendwas nicht passt, irgendein Befund nicht da ist und so weiter. Examen hin oder her, aber wenn ich nur dran denke dreht sich mein Magen schon mehrfach um. Und wenn es so einen Thread schonmal gibt, halte ich es auch für legitim hier Beratung zu suchen; wen es nervt, der muss es ja auch nicht lesen, geschweige denn antworten.

Feuerblick
31.03.2012, 22:52
*grins* Perfektionismus ist einfach schwierig zu erreichen. Natürlich fehlt immer mal was. Schon alleine, weil beispielsweise Labor oder Radiologie nicht auf Zuruf springen und manchmal Untersuchungen einfach noch nicht stattgefunden haben, wenn Cheffe auf Station aufschlägt. Ist so, ändert sich auch durch riesigen Organisationsaufwand nicht. Einfach lächeln und winken und gut...

THawk
31.03.2012, 23:38
wjsl, du wirst am Anfang, wenn du Patienten vorstellst, 80% der Fragen des OA / CA nicht beantworten können. Einfach, weil du nicht danach gefragt hast. Erst im Laufe der Zeit wirst du den "Denkalgorithmus" der erfahrenen Ärzte übernehmen und kannst dann entsprechend - ganz natürlich - Rede und Antwort stehen, weil du dir genau die selben Fragen vorher bereits selber gestellt hast.
Am Anfang fehlen immer Sachen - und mal ehrlich, auch ein Facharzt, OA, CA ist nicht perfekt. Es gibt nicht den einen Weg, sondern viele. Das ist doch das tolle (zumindest für mich) und nicht das abschreckende! Dass ein Chef da manchmal andere Vorstellung hat, okay - aber darüber braucht man sich doch keinen Kopf machen.

Und mal ehrlich - mit ein bisschen Routine werden die Blutabnahmen das geringste Problem deiner Stations-Organisation sein!

wjsl
31.03.2012, 23:50
Natürlich ist es positiv, etwas zu lernen; dachte nur, dass man wohl eins auf den Deckel bekommt, wenn man sich als Assistent dumm anstellt, und dass einem das nur im PJ verziehen wird.

THawk
31.03.2012, 23:54
Jeder Jung- (und Alt-)Assistent (und FA, und OA, und CA) hat seine Lücken und stellt sich mal dumm an - die Frage ist höchstens wie häufig, wie groß die Lücken sind und vor allem wie langsam man dazu lernt.

Du wirst definitiv deinen Anranzer bekommen, kannst dich schon mal drauf einstellen. Wichtig ist daraus zu lernen und es nicht zu persönlich zu nehmen. Relax ;)

Kackbratze
01.04.2012, 06:43
dachte nur, dass man wohl eins auf den Deckel bekommt, wenn man sich als Assistent dumm anstellt, und dass einem das nur im PJ verziehen wird.

Wo hast Du denn bisher deine Praktika gemacht? In einer Klinik in der sowas passiert würde ich nicht arbeiten wollen.
Anranzer gibt es für Patientenschädigendes Verhalten oder dem offenen Widersetzen von Anordnungen von oben.
Alles Andere ist Teil des Lernprozesses, damit vernünftige Ärzte ausgebildet werden.

Leelaacoo
01.04.2012, 09:59
Wo hast Du denn bisher deine Praktika gemacht? In einer Klinik in der sowas passiert würde ich nicht arbeiten wollen.
Anranzer gibt es für Patientenschädigendes Verhalten oder dem offenen Widersetzen von Anordnungen von oben.
Alles Andere ist Teil des Lernprozesses, damit vernünftige Ärzte ausgebildet werden.
:-top
Es gibt sicher die Chefs/OAs, die einen grundsätzlich anpatzen, egal, ob man grad nicht die 3te Nachkommastelle der Leukos nicht aus dem Gedächnis weiß oder warum die Reha noch nicht angemldet ist oder warum dir die Schwestern nicht vor der Viste gesagt haben, dass der Pat. einen Deku hat (an dieser Stelle sei an ein gutes Verhältnis zur Pflege verwiesen...) oder sonst was. Ein Chirurgie-Chef in meinem Schweizer PJ-tertial hat seine, ihm mißliebigen, Assistenten damit auflaufen lassen, dass er sie vor der gesamten Riege das gesamte Labor auswendig abgefragt hat...allerdings sind nur diejenigen dieser sinnbefreiten Maßnahme aufgesessen, welche nicht kontern konnten und eigentlich mit viel wichtigeren Sachen nicht zurecht gekommen sind...derjenige, der offen gesat hatte, dass er dies jetzt nicht alles im Kopf habe, aber die wichtigen Sachen über den Pat. wusste, bekam ein mildes Lächeln und einen Schulterklopfer. Viel wichtiger ist es, seine Schwächen, Fehler und Versäumnisse, die auf jeden Fall jedem mal passieren, auf sich zu nehmen und den Kopf oben zu behalten...und einfach zu versuchen, sich zu verbessern...denn mit "Das hat mir aber keiner gesagt, das hat die Pflege verschwiegen, das ist nicht meine Aufgabe, dafür ist der andere Kollege zuständig etc." braucht man im Klinikalltag keinem Chef oder OA zu kommen, außer es sind eklatante Ungerechtigkeiten. Nicken und gut und weitermachen. Neuer Tag, neues Glück.

LG Lee

wjsl
01.04.2012, 23:19
Mir fallen da spontant die OA-Visiten im letzten Tertial ein; einer von denen wusste immer irgendwas, was man nicht wusste, und sei es ein Detail zu einem Schrittmacher, das natürlich jeder Kardioassistent wissen muss. Und wehe die Liegedauer war überschritten, oder es gab zu wenige Entlassungen-die natürlich bei einem teilweisen Durchschnittsalter von weit über 80 nicht immer so leicht zu arrangieren waren. Spätestens seit diesem Tertial weiß ich, dass ich definitiv nie Innere machen will...

Kackbratze
02.04.2012, 05:48
Bei dem Chef, solltest Du noch hinzufügen. Von Einem auf Alle zu schliessen ist zu simpel gedacht.

Meridion
07.04.2012, 20:45
An den Tagen, an denen ich Visite mache, warte, an dem Tag, an dem ich Visite mache (nämlich Freitags), geht die von 9:30 bis 14:30. Die drei Blutabnahmen davor (bei 26 Patienten) machen die Kollegin oder ich heroisch selbst, beim scharfen Blick auf RR, Puls, Temperatur und Labor muss ich den Standardalgorithmus "Zu hoch/zu niedrig->Internistisches Konsil Montag" bzw. "Viel zu hoch/viel zu niedrig->Internistisches Konsil heute noch-> Direkt anrufen" anwenden. Die Standardfragen sind "Wer holt sie morgen ab?", "Was machen die Gedanken?" und "Gab es wieder so Situationen, in denen sie sich sehr belastet gefühlt haben?"...

Aber jetzt mal im Ernst. Visite 1&1:

1. Kurvenvisite. Kurve nehmen, von oben bis unten durchschauen, hat sich was im Vergleich zu gestern/letztem Mal was an den Daten (Labor, neue Befunde aus der Funktion) verändert? Wenn ja, ändert das was an den Medis? Wenn unklar, für mittachs notieren wenn der Oberarzt vorbeischaut.

2. Was ist das Entlaßziel? Was muss bis dahin (klinisch) noch passieren (Wasser raus, Wasser rein, besser schnaufen, besser laufen, besser ka**en), was müssen wir noch wissen bis dahin? Wenn unklar, für OA aufschreiben.

3. Zum Patienten gehen. "Morgen, wie geht's ihnen HEUTE im Vergleich zu GESTERN?" besser, schlechter, mehr weh, weniger weh, besser ka**en, schlechter ka**en, neue Schmerzen, dürmelich, wuselich, schlecht drauf, Suizidgedanken??

Abschluss: Herr Meyer, es muss noch XYZ passieren bis wir sie entlassen können, ich möchte sie gern noch zu 123 schicken heut oder morgen, dann wissen wir mehr.
Alternativ: Herr Meyer, es muss noch XYZ passieren bis wir sie entlassen können, ein paar Sachen sind noch unklar, ich komm da heute mittach [nachdem der sch**ss Facharzt mich mit der Gnade seiner Anwesenheit erleuchtet hat] nochmal kurz auf sie zu.

So zumindest mach ich Visitendienste auf Stationen wo ich keinen Patienten kenne (wo ich die Pat. kenne ist ja eh das meiste klar, da gehts dann doch mehr ums psychiatrische), und so rette ich es zumindest jedes Mal bis ein OA da ist mit dem ich Unklarheiten besprechen kann. Immerhin bin ich _Weiterbildungs_assistent, nicht Jesus.

Meridion

Feuerblick
07.04.2012, 20:48
Regel Nr. 2: Frag ältere Menschen (insbesondere ältere Damen) nur nach dem Stuhlgang, wenn er IRGENDEINE Bedeutung für die Therapie hat. Sonst TU DAS NICHT!!!! (Es sei denn, du hast stundenlang Zeit, dir en detail Frequenz, Konsistenz, Geruch etc. der letzten vier Wochen anzuhören... :-)) )