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Dr. Nasenbär
22.06.2011, 23:03
Mahlzeit zusammen,

ich weiss, daß meine Frage hier (bei medi-learn und/oder dem Unterforum) mehr oder weniger

OT ist. Ich hoffe jedoch trotzdem auf mehr oder weniger hilfreiche Information und

Meinungen!

Mich würde interessieren, wieviel ein Mensch auf einmal lernen sollte, um soviel wie möglich

davon auch zu behalten. Das ganze aber weniger auf die subjektiven Empfindungen beim Studium

bezogen, sondern rein auf die neurologische Seite. Naja gut, persönliche Erfahrungsberichte

sind auch willkommen ;)

Falls es vorab jemand interessiert, ich habe ein sehr ulkiges Gedächtnis. Wichtige Termine

und/oder Daten vergesse ich manchmal innerhalb von Minuten. Aber ich kann mich noch genau

erinnern, was ich anno 1998 beim ersten Besuch in der Wohnung meiner kurz danach gewordenen

Freundin getrunken habe.

Jetzt möchte ich bzw. werde ich mein Leben ziemlich umkrempeln. Ich habe nach über 10 Jahren

meinen Job aufgegeben und werde jetzt zum 1. Juli eine neue Stelle antreten. Ich war bis

dato in der IT-Branche Bereich Netzwerk, werde danach aber in Richtung Datenbanken gehen

(falls jemand sich die Frage stellt, ich hab mich damals hier registriert weil ich

eigentlich in meinem hohen Alter noch in die Medizin wollte. Dafür ist es aber bei

Tageslicht betrachtet einfach zu spät für mich)

Das heisst, ich muss in den nächsten 2 Jahren etwa einiges wirklich von der Pieke auf

lernen. Und das wenn möglich auch sehr gut, denn wer will schon Mittelmaß sein! Dazu lerne

ich seit etwa einem Jahr Russisch; Ich höre ein bis zwei Stunden im Auto vokabeln, schaue Filme, lese viel usw.

Ich überlege mir jetzt ernsthaft, dazu noch Türkisch und Französisch zu lernen. Von den

Sprachen her wäre das auch kein Problem, denn alle drei (RU, TR und FR) gehören

unterschiedlichen Familien an.

Meine Frage ist nur, welche Strategie ist am besten? Sollte ich ein "Thema" intensiv über

längere Zeit lernen? Oder alle nebeneinander? Wie lernt ein Gehirn am besten? Stück für

Stück oder mit komplett umkrempeln von vorne nach hinten, bis der alte Kram rausplumpst?

Anders: Was ist die effizienteste Methode um Daten im Gehirn zu speichern? Bildet das Gehirn

die Verbindungen am besten aus, wenn ich jetzt ein halbes Jahr 12 Stunden pro Tag meine fachspezifischen Bücher lese und nebenbei zwei bis drei Stunden eine Sprache lernen? Oder sollte ich simultan meine Vokabeln in zwei oder drei Sprachen lernen und noch zwei bis drei Stunden täglich für die zweite Sprache dranhängen?

Vielen Dank schon mal im Voraus für den Input!

mainzer
22.06.2011, 23:16
dr. nasenbär....input kannst du gern haben...

lernen...unendliche weiten...JEDE(R) lernt anders, daher wird es hier wohl keine pauschalen aussagen geben...wobei ich - realistisch bestrachtet - 12 stunden fachspezifische bücher lesen pro tag mehr als UNREALISTISCH finde...aber das solltest du wohl am besten selbst wissen...


ansonsten wundere ich mich ernsthaft, dass die medi-learn-foren in letzter zeit hier zu einer art beratungs-forum - sei es medizinischer oder unmedizinischer belange - werden...
der eine möchte was über neurone wissen, der andere ob er unheilbar krank ist, wieder eine andere ob die (mangelnde) blutgerinnung übers we ein problem darstellt......
leute, ihr könntet auch einfach mal googeln, zum arzt gehen oder freunde fragen...

...schreibe demnächst in meine signatur: "beratung auch mittels forum....10,24€!"

dennoch grüße
der mainzer

Coxy-Baby
22.06.2011, 23:33
Naja ich finde es auch frustran weil man bei solchen fragen feststellt, dass der threaderöffner nicht mal die Grundlagen der neurophysio draufhat und einfach mal so ne Frage in den Wald stellt....daher mein Tipp, Physiobuch wälzen, da stehen Grundlagen drin zum Thema lernen....

SarahT.
23.06.2011, 00:01
Ich habe immer wieder was im Bereich von 6-8 Stunden gehört, die man sinnollerweise täglich mit Lernen verbringen kann, es sollten dabei aber unbedingt regelmäßig (d.h. stündlich) 5-10-minütige Pausen gemacht werden. In diesen 6-8 Stunden sind allerdings 2-4 Stunden für das Wiederholen von bereits bekannten Dingen enthalten.

Normalerweise ist es tatsächlich so, dass man durch Abwechslung mehr behält, als wenn man über lange Zeit immer das gleiche lernt. Insofern war das in der Schule doch nicht alles so falsch, wo man an einem durchschnittlichen Schultag mehrere verschiedene Fächer hatte.

Was allerdings das Lernen von Sprachen angeht: Ich würde niemals mehrere vollkommen unterschiedliche Sprachen parallel lernen. Ich halte das für absolut unsinnig, da kommt man einfach total durcheinander.

Grundsätzlich ist das alles aber individuell verschieden, weshalb man hier keine allgemeingültigen Aussagen machen kann. Da hilft nur, sich eine geeignete Lernumgebung zu schaffen und es auszuprobieren.

Dr. Nasenbär
23.06.2011, 00:35
Mainzer,

drei gute Tips, nur wie soll das gehen?

Google, nach was soll ich googlen? Nach effizient lernen? Da bekommst Du geschätzte 39583875 Treffer mit Frau Birkendebil und fünf Nachhilfeschulen. Nach "Wie funktioniert das Gedächtnis?" Ergebnis drei Seiten Beschreibung von Kurzzeitgedächtnis usw.

Zum Arzt gehen? Soll ich jetzt bei einem Neurologen einen Termin machen, damit er mir auf Kosten der Versichertengemeinschaft erklärt, wie ein Gehirn funktioniert und mir dann wie Coxy-Baby einen 500 Seiten Wälzer auf den Tisch knallt und arrogant daherrotzt "Da stehts drin!"? (Soll jetzt kein megamässiger Rant werden, aber ganz ehrlich, eine dreizeilige Antwort hätte genügt, anstatt jemanden drauf hinzuweisen, daß man dafür doch am besten mal selber Medizin studieren sollte)

Freunde fragen: Es soll Leute geben, die haben verhältnismäßig wenig Neurologen im Freundeskreis ;)

Es wäre halt echt schön, wenn es jemanden gäbe, der einem die schlichte Frage beantworten kann, ob ein Hirn am besten mehrere Dinge simultan lernt oder ein Thema intensiv.

Übrigens, Sarah: Das Gegenteil ist der Fall. Wer mehrere Sprachen lernt, tut sich am leichtesten damit, wenn sie verschiedenen Familien angehören. Auch nachvollziehbar, versuche mal Spanisch und Italienisch gleichzeitig zu lernen, wenn sich Grammatik und Vokabular so sehr ähneln...

Coxy-Baby
23.06.2011, 00:42
Genau das was ich meine, Informationsverarbeitung und neuroanatomie und lernen sind eben etwas mehr als mal 3 Sätze dazu zu schreiben und da du es ja aus Neuro Sicht haben wolltest kann ich nur das empfehlen, auch wenn es aus deiner sicht arrogant klingt, aber damit kann ich ganz gut leben.

Schimmelschaf
23.06.2011, 08:19
Es gibt Institutionen, die (richtiges) Lernverhalten analysieren und es schon recht optimal auf die Lernsituation abstimmen können. Wer das in D anbietet, weiss ich nicht. Es wäre einen Besuch wert, zumal man dir dort auch in verständlichen Worten deine Fragen sicher beantworten kann.

ehemalige Userin 24092013
23.06.2011, 08:56
@ schaf: meinst du sowas wie lerntherapeuten?

bin net sicher ob die das wirklich sooo beantworten könnten. hab mal eine getroffen, die ihre arbeit vorstellte und es ging ehr darum eine struktur zum lernen vor prüfungen zu geben: lernpläne etc (je nach lerntyp versteht sich) und zum teil auch entspannungsübungen mit ihren "kunden" besprechen.
ich hatte ehr das gefühl, die gute frau wollte nen staubsauger verticken...:-nix - also in die neurophysiologie gingsbei der nun absolut net rein....

Michael72
23.06.2011, 08:57
Es wäre halt echt schön, wenn es jemanden gäbe, der einem die schlichte Frage beantworten kann, ob ein Hirn am besten mehrere Dinge simultan lernt oder ein Thema intensiv.

Das, worin sich Gehirne am ehesten von Computern unterscheiden, ist, dass sie alle anders funktionieren, softwaremässig gesehen. Selbst wenn Dir jetzt jemand eine Studie raussucht in der es bei 80% der Probanden so war, dass simultanes Lernen besser funktioniert hat, bringt Dir so ein Ergebnis letztlich garnichts, weil Du dadurch immer noch nichts über das einzige Gehirn, mit dem DU arbeiten kannst, weisst. Und mangels gescheiter Analysesoftware findest Du das in der Regel nur nach dem altbekannten "Trial and Error" Prinzip raus.

Menschliches Lernen lebt übrigens hauptsächlich von Wiederholung. Das erklärt auch, warum einer der schnellsten und effektivsten Wege, vokabelartiges Wissen (und darauf lässt sich letztlich alles reduzieren) zu lernen, die "Fünf Fächer Lernkartei" ist, die Du vielleicht noch aus der Schule kennst.

SarahT.
23.06.2011, 10:32
Übrigens, Sarah: Das Gegenteil ist der Fall. Wer mehrere Sprachen lernt, tut sich am leichtesten damit, wenn sie verschiedenen Familien angehören. Auch nachvollziehbar, versuche mal Spanisch und Italienisch gleichzeitig zu lernen, wenn sich Grammatik und Vokabular so sehr ähneln...

Na, wenn du das so gut weißt, dann lern doch deine Sprachen gleichzeitig. :-nix
Ich habe übrigens auch Französisch, Spanisch und Italienisch nicht gleichzeitig gelernt, sondern nacheinander. Und lerne jetzt Arabisch. Andererseits habe ich mittlerweile aber auch nicht 8 Stunden am Tag Zeit fürs Sprachenlernen, sondern vielleicht durchschnittlich 1-1,5h. Ich glaube, da wäre es ziemlich schwachsinnig jeweils 'ne halbe Stunde Türkisch, Russisch und Chinesisch zu lernen. Da bräuchte ich ja Ewigkeiten. Ich halte also von deiner Idee rein GAR NIX, meine Lernmethode beinhaltet aber u.a. auch einen Aufenthalt in dem jeweiligen Land, ich könnte allein schon deswegen nicht mehrere Sprachen parallel lernen.

Aber wenn du damit zurecht kommst, ist doch alles wunderbärchen. Viel Erfolg auf jeden Fall, du kannst ja in 1-2 Jahren noch mal schreiben, wie's gelaufen ist! :-top:-lesen

Dr. Nasenbär
23.06.2011, 14:09
ok ok ok, vielleicht hab ich mich ja wirklich schlecht ausgedrückt!

Aber ein Gehirn unterscheidet sich ja in der primären Funktionsweise auch nicht von einem RAM-Speicher oder einem Rechenschieber. Ich lerne eine Information "Я heisst Ich". Die Zellen/Bits werden aktiviert und "umgeschaltet", beim nächsten Mal ist die Information dann wieder da.

Mich interessiert eben das Umschalten an sich. Auf Silizium-Basis ist das einfach. Strom an den Pol A anschliessen, es macht klick und die Information ist gespeichert. Ein Gehirn hat aber bekanntlich keinen Pol A, sondern die Verbindungen müssen wachsen.

Und genau darum gehts mir! Mein Körper kann pro Tag nur X Verbindungen neu herstellen. Nur wieviele sind das und wie schnell wachsen sie? Wie drücke ich das nur aus.

Wenn ich pro Tag 100 Verbindungen zehnmal anschubse, dann wachsen sie schneller als 1000, die ich einmal anschubse. Logisch. Aber gibts dafür eine biochemische Grenze, nach der sich einfach keine neuen mehr bilden können?

Also bestimmt sich, ganz vereinfacht ausgedrückt, die Anzahl der gelernten Informationen nach der Formel Anzahl der wiederholten Informationen x Anzahl der Wiederholungen? Oder gibt es eine Obergrenze, eine maximale Anzahl von neuen Verbindungen?

Ich lerne 20 Vokabeln dreimal hintereinander. Behalte ich diese 20 Vokabeln besser, werden die Verbindungen besser hergestellt, wenn ich mich danach für den Rest des Tages grunzend und sabbernd in eine Ecke setze und die Wand anschaue? Oder kann ich mich danach nochmal so lang hinsetzen und 20 andere lernen? Und danach dasselbe nochmal?

mainzer
23.06.2011, 16:16
vielleicht könnte man diesen kindergarten-thread mal schließen???

Schimmelschaf
23.06.2011, 16:18
@ schaf: meinst du sowas wie lerntherapeuten?


Nee, nicht ganz. Ich kenne eben nur dieses eine Zentrum und weiss nicht, obs sowas in der Art auch in D gibt (gehe davon aus), wobei sich in den letzten vier Jahren auch da wieder was geändert hat.
Man ist einige Stunden dort und muss Tests lösen, von den normalen Lerngewohnheiten erzählen usw. Wenn ich mich nicht komplett irre, sind es studierte Psychologen, die mit der ETH oder der Uni ZH kooperieren und z.T. forschen.

EKT
23.06.2011, 16:34
studierte Psychologen

:-))



vielleicht könnte man diesen kindergarten-thread mal schließen???

:-dafür

Schimmelschaf
23.06.2011, 17:08
Was ist daran so witzig?
Schau dich mal um, wieviele Leute sich als Psychologen ausgeben. Da finde ich die Zusatzinfo "studiert" angebracht.

Michael72
23.06.2011, 17:34
Aber ein Gehirn unterscheidet sich ja in der primären Funktionsweise auch nicht von einem RAM-Speicher oder einem Rechenschieber.

Dein Denkfehler: Im Gegensatz zum menschlichen Gehirn verfügt RAM weder über Emotionen, noch über Unterbewusstsein. Daher ist die mechanistische Herangehensweise fehl am Platz. Sicherlich wird Dir aufgefallen sein, dass interessante Dinge besser hängen bleiben, als uninteressante. Den Fakt, zum Beispiel, dass das Auge eines Strausses grösser ist als sein Gehirn, braucht man nur einmal zu lesen und vergisst ihn ein Leben lang nicht. Dass das bei anderen Fakten ganz anders aussieht wirst Du sicherlich schon gemerkt haben. Ebensowenig funktioniert neuronale Plastizität (kannst Du mal googeln) mechanistisch.

Und letztlich sind viele Elemente, die das Lernen und Merken und Wiederauffinden von Informationen im Gehirn betreffen noch nicht verstanden und erforscht. Deine Herangehensweise ist, gelinde gesagt, etwas naiv.

Dr. Nasenbär
23.06.2011, 22:17
Und letztlich sind viele Elemente, die das Lernen und Merken und Wiederauffinden von Informationen im Gehirn betreffen noch nicht verstanden und erforscht. Deine Herangehensweise ist, gelinde gesagt, etwas naiv.

Warum denn?

Die Frage ist doch eigentlich eine Grundlage, oder? Wenn du einem Patienten sagst, daß er Eisenmangel hat und er Dich dann fragt "Ja sagen Sie mal Onkel Doktor, ich hab mir jetzt zehn Packungen Eisentabletten aus der Apotheke geholt. Soll ich da jetzt dreimal täglich eine Packung verputzen? Oder nützt mir das nichts?" dann wirst Du ihm doch (hoffentlich) auch nicht sagen "Ja also lieber Herr, das kann man so gar nicht beantworten. Denn man muss natürlich bedenken, ob Ihnen die Tabletten schmecken oder nicht. Und wann Sie sie einnehmen. Sind Sie denn überhaupt glücklich mit der Farbe der Verpackung? Also sie gehen da reichlich naiv ran."

Nein! Du wirst etwas sagen wie "Naja also der Körper kann pro Tag nur so und so viel Eisen effektiv verarbeiten. Wenn Sie also statt zwei Tabletten am Tag auf einmal 20 essen, wird der Effekt der gleiche sein, wie wenn Sie zwei essen" (Das da dann noch ganz andere Effekte auftreten, lasse ich mal unter den Tisch fallen)

Ganz schlichte und einfache Frage meinerseits: Gibt es eine quantitative Grenze, mit der das Gehirn täglich eine bestimmte Menge an Informationen aufnehmen und speichern kann? Biologisch. Reine Leistungsfähigkeit der Zellen.

PS: Aber danke für den Beitrag, er ist wirklich ein Leuchtfeuer in der dunklen Nacht ;)

Coxy-Baby
23.06.2011, 22:28
Wenn du wirklich denkst dass ein Gehirn wie ein RAM Funktioniert dann kann man dir schlicht und ergreifend nicht helfen, da basale Kenntnisse fehlen, ein Neuron ist ja auch kein Transistor..... Niemand kann aktuell Eine Zahl angeben, wieviele Items in die einzelnen Gedächtnissarten überführt werden kann, damit musst du einfach leben.

netfinder
23.06.2011, 22:34
Ganz schlichte und einfache Frage meinerseits: Gibt es eine quantitative Grenze, mit der das Gehirn täglich eine bestimmte Menge an Informationen aufnehmen und speichern kann? Biologisch. Reine Leistungsfähigkeit der Zellen.


"Schlichte Frage" -> Schlichte Antwort (die ist wirklich schlicht): Nein!

Michael72
24.06.2011, 01:43
Ganz schlichte und einfache Frage meinerseits: Gibt es eine quantitative Grenze, mit der das Gehirn täglich eine bestimmte Menge an Informationen aufnehmen und speichern kann? Biologisch. Reine Leistungsfähigkeit der Zellen.

http://www.stephenwiltshire.co.uk/

Wenn Du soweit gekommen bist, diskutieren wir über Grenzen...