Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Leiden der wollenden Studentin
PS: Wir hatten auch schon 13jährige an der Schule, die ihre Matur gemacht haben (im Schnitt sind die Schüler mind. 20 Jahre bei der 1. Teilprüfung). Allerdings sind auch die beiden Geschwister dieses Jungens absolute Genies.
Die werden aber bestimmt keine empathischen Ärzte, wenn die so gut sind! Vor allem nicht, wenn sie nur Medizin studieren wollen, weil sie so eine gute DN haben!
Schimmelschaf
10.08.2011, 11:54
Hier zählt eh der EMS. :-D
Von der Sozialkompetenz waren/sind die Jungs top. Nur das Mächen war etwas komsich, aber die war eh dumm und hat erst mit 15 ihre Matur gemacht.
Man ist standardmäßig über 20 in der Schweiz, wenn man Abi/Matur macht? Wann wird man denn eingeschult und wieviele Schuljahre gibt es?
bis zum studium wusste ich ja nicht mal, dass es bundesländer ohne zentralabi gibt...
Schimmelschaf
10.08.2011, 14:43
Man ist standardmäßig über 20 in der Schweiz, wenn man Abi/Matur macht? Wann wird man denn eingeschult und wieviele Schuljahre gibt es?
Eingeschult wird man idR mit 7 Jahren (wobei die Kinder jetzt auch öfters mit 6 Jahren eingeschult werden), die Schulzeit variiert von Kanton zu Kanton zwischen 12 und 13 Jahren. Ich mache aber die eidgenössische Matur, zählt als de schwierigste der Schweiz, wobei man das auch nicht so pauschalisieren kann. Wir haben halt keine Vornoten, sondern schreiben in einer Woche entweder alle 13 Fächer in 19 Prüfungen oder zuerst 7 Fächer in 7 Prüfungen (1. Teilprüfung, schriftlich) und spätestens ein Jahr darauf die restlichen 6 Fächer in 12 Prüfungen (2. Teilprüfung, mündlich und schriftlich). Dabei ist es den "Experten" egal, ob man das Thema in der Schule hatte, da es externe Leute sind. Viele von denen sind Professoren oder sonstwie Dozenten an der Uni. Alle Schüler, die die eidgenössische Matur ablegen wollen, treffen sich an einem Ort. In 1,5 Wochen schreiben wir z.B. in einem Vorlesungssaal der Uni Basel unsere Prüfungen, manchmal ist es auch in Bern und noch öfter in Zürich.
Bei den Schulen mit Hausmatur sieht das ganz anders aus. Basel und Neuenburg haben einen schlechten Ruf, da einfache Matur, aber auch viele Studienabbrecher. Am einem Privatgymnasium in Basel sagen sogar die eigenen Schüler, dass man sich die Matur da kaufen kann. Kenne mittlerweile genug davon, die über Jahre andere Kinder gezahlt haben, damit diese ihre Hausaufgaben machen und trotzdem die Matur geschafft haben. Allerdings brechen von dem Gymi auch sehr viele das Studium ab. Die Absolventen dieser Schulen sind im Schnitt 18-19 Jahre alt. Wir hatten schon einige Schüler, die bei uns in Physik eine 2 geschrieben haben (CH: 6,5,4 = genügend, 3,2,1 = ungenügend) und an diesem Privatgymnasium eine 5,5.
Bei einem Geschwisterpaar (beides Jungs) wars extrem: das erste Kind war auf dem Privatgymnasium, das zweite bei uns. Das erste Kind musste fast nichts auf die Matur lernen und lachte seinen Bruder förmlich aus, weil der so viel lernen musste. Wie das Kind Nr. 1 Zahnarzt wurde, ist mir heute noch schleierhaft :-))
Egal, ich erkläre weiter:
Die eidgenössische Matur wird oft von Privatschulen und auch als "Berufsmatur mit Passarelle" berufs- und lehrbegleitend angeboten, wobei im beim letzeren Fall kein Französisch geprüft wird. Privatschulen sichern sich meistens durch Zulassungsprüfungen ab. Wir hatten z.B. eine Übertrittsprüfung vor dem Übertritt in die Oberstufe, dabei wird schonmal gesiebt. Ein Jahr oder wahlweise ein Semester später kommt dann ca. 3 Monate vor der Maturprüfung die 1. Zulassungsprüfung, dabei werden z.T. alte Maturfragen zu einem neuen Test gebastelt und alle Prüfungen unter den gleichen Bedingungen wie an den Teilprüfungen gestellt. Von unserer Klasse haben 3 Schüler von 15 bestanden. Die anderen müssen auf eigenes Risiko gehen oder repetieren. Wer die Empfehlung der Schule hat und trotzdem nicht durchkommt, darf auf Kosten der Schule ein Semester repetieren.
Es gilt die Regel (die leider Gottes auch in den allermeisten Fällen stimmt): wer die Zulassungsprüfung nicht schafft, kommt auch nicht durch die TP. Aus meiner ehemaligen Klasse haben von 4 Schülern, die an die Teilprüfungen gegangen sind, 2 die 1.TP geschafft. Der Rest hat das Semester wiederholt.
So, die 1. Teilprüfung ist geschafft, die 2. Zulassungsprüfung steht wenige Monate später an. Dafür müssen die drei Sprachen, Mathe, Schwerpunktfach und das Ergänzungsfach gelernt werden. Die Durchfallquote bei der 2. Zulassungsprüfung betrug bei der letzten Klasse ca. 60%.
Wie die Zahlen bei der 2. Teilprüfung sind, weiss ich nicht. Soll wohl an die 90% gehen, allerdings haben viele das Semester nochmal wiederholt.
So, dadurch bleibt man vielleicht ein paar Mal sitzen und schon ist man bei einem Durchschnittsalter von 20 Jahren, was jedoch noch erstaunlich tief ist, wenn man sich die Schüler anschaut.
Himmel ist das kompliziert. Ich frage mich allerdings: Muss das so sein? Ein Abitur, das 60% der Schüler nicht schafft, mutet doch etwas eigenartig an, oder sehe ich das falsch? Und welche Konsequenzen außer dem "Nicht so gut vorbereitet sein" hätte denn das "einfache" Abitur? Sind gewisse Studiengänge an diese eidgenössische Matur gebunden?
Schimmelschaf
10.08.2011, 23:01
Ne, andere Konsequenzen gibt es in dem Sinne nicht. Es gibt Schulen, deren Hausmatur z.B. an der ETH ohne zusätzliche Aufnahmeprüfung keinen Wert hat, aber das sind eher wenige und mit der Eidgenössischen kommt man eigentlich überall rein.
Was mir auch wichtig ist: sie wird in Deutschland angerechnet, was nicht bei allen kantonalen Hausmaturen der Fall ist.
Der Vorteil, um diese Prüfungen zu machen, ist die Schule. Gebe mal die Stichworte Zusammenhalt, kleinere Klassen und bessere Vermttlung des Stoffs. Zudem kommt, zumindest an "meiner" Schule, noch der starke kulturelle Austausch, da wir eine International School im Gebäude haben, die vom Kindergarten bis zum College alles anbietet. Es ist schon irgendwie lustig, wenn man nach einer anstrengenden Stunde den Unterricht verlässt und plötzlich eine Gruppe freudiger Kindergartenkinder vor einem steht oder sich händehaltend auf den Abmarsch Richtung Klassenzimmer vorbereitet. :-) In meiner Schule ist es vorrangig der Charme und der eindeutig viel bessere Zusammenhalt. Wobei auch das im Wandel steht... Was man immer mehr spürt, ist ganz klar der Prestigegedanke, der bei jedem unterschiedlich ausgeprägt ist. Es gibt so unglaublich viele Schüler, die sich damit brüsten die schwerste Matur der Schweiz zu machen. Klar, ich werde auch heilherrgottsfroh sein, wenn ich sie (hoffentlich) irgendwann geschafft haben sollte. Und ich werde auch nochmal ein Stückchen stolzer auf mich sein, weil es nicht der einfachste Weg war, aber für mich persönlich steht der Hauptgedanke "ich bin durch" erstmal so richtig weit oben.
Es gibt noch einen grossen Unterschied zur staatlichen Schule mit Hausmatur: wir haben weniger Möglichkeiten. An einer staatlichen hat man sehr viele Fächer zur Auswahl, wobei man mit z.B. Pädagogik und Psychologie sehr gute Noten raushauen kann, dazu gibt es noch weitere Ergänzungsleistungen wie z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Musikunterricht, Fitnessraum, verschiedenste Sprachen usw. Das haben wir alles leider nicht. Als Ergänzungsfächer haben wir neben den Grundlagenfächern Geschichte und Geografie, mehr nicht. Man könnte zwar auch in anderen Fächern Prüfungen ablegen, aber dann muss man sich selber um den Unterricht kümmern, was wirklich schwierig ist.
Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache und man sollte für die Eidgenössische ein gutes Gefühl für Zeitmanagement und ein ausreichend grosses Stück Disziplin mitbringen, aber die Möglichkeit z.B. einem Job nachzugehen, ist dennoch weitaus besser gegeben, als an einer staatlichen Schule. Dafür ist es im Schnitt schwerer und es gibt weniger Angebote. Für mich war das Argument Nebenjob grösser, als an den Lernaufwand zu denken.
Klingt krass.
Aber wenn man sich überlegt, dass 20 in Deutschland bisher auch kein so hohes Alter fürs Abitur war... Und die Leute kommen da im Schnitt sicher nicht so gut gedrillt raus wie bei euch.
Finds gut, wenn an Schulen heutzutage noch ein klarer Leistungsanspruch formuliert (verbal wie nonverbal) wird. Das hat mir leider damals absolut gefehlt.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.