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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sammelpunkt für umstrittene Fragen



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22.03.2003, 11:08
Ich greife hiermit die Idee eines anderen Users auf und eröffne das
Forum für umstrittene Fragen und fange an mit :

Tag 4 B 57 (Frage Impfemfehlung für einen 65 Jahre alten Mann)

Ich persönlich halte die Frage für einen Medizinstudenten für nicht beantwortbar und zwar aus folgendem Grund :
Die Impfempfehlung für Polio, Tetanus, Diphterie bzw. Hib ist eindeutig falsch. Es bleiben also nur noch Pneumokokken oder Hepatitis A.
Wenn man vom durchschnittlichen Studenten ausgeht, ist es so, daß dieser vor rund zwei Jahren seinen Kurs Ökologisches Stoffgebiet gemacht hat. Das heißt er hat sich wahrscheinlich auch zu dieser Zeit sein Lehrbuch gekauft (ich habe das von MLP). In diesem Buch wird die Hep. A Impfung nur Riskikogruppen empfohlen. DIE PNEUMOKOKKENIMPFUNG NUR FÜR POSSPLENEKTOMIERTE UND ALTE IMMUNGESCHWÄCHTE MENSCHEN. Selbst im Renz Polster (Innere Medizin), erschienen 2001 wird die Pneumokokken Impfung nur für die oben genannte Personengruppe empfohlen.
Laut Anamnese in der Aufgabe steht ja weder, daß er einer Hep A Riskikogruppe angehört, noch daß er immungeschäwcht oder splenektomiert ist (er ist laut Aufgabe gesund !) Es ist zweifellos richtig, daß gemäß den aktuellen (www.rki.de) Richtlinien die Pneumokokkenimpfung generell für ältere Leute empfohlen wird, nur frage ich mich, woher soll ein Student, daß denn wissen, er hat doch wahrlich anderes zu tun, als während der Examensvorbereitung auch noch auf die Homepage der Stiko zu gehen, um zu überprüfen, ob sich seit Erscheinen seines Lehrbuches etwa getan hat...
Ich werde beim IMPP Einspruch gegen diese Frage stellen.

22.03.2003, 19:52
Hab auch noch 3 Fragen, die meiner Meinung nach nicht gewertet werden dürfen.
Es ist echt wichtig, dass Ihr alle gegen strittige Fragen beim IMPP Einspruch erhebt und Euch nicht auf andere verlasst. Das IMPP richtet sich bei Entscheidungen nämlich auch nach der Anzahl der erhobenen Einsprüche!
Also:

2. Frage A175, Tag1
Aus folgendem Grund muss diese Frage gestrichen werden:
Im NISSEN (Kinderheilkunde), 6. Auflage, Seite 408 steht: Wenn beide Eltern manifest an der gleichen Atopie erkrankt sind (beide Eltern haben Asthma), dann beträgt das Erkrankungsrisiko für Kinder 60- 80 %, ANTWORT D wäre korrekt. Im MLP Buch Pädiatrie (Duale Reihe) steht auch 60-80 %. Im Renz Polster (Innere Medizin) werden allerdings als Erkrankungswahrscheinlichkeit für Kinder, deren beide Eltern Atopiker sind, 40-60 % angegeben. C ist also auch korrekt.

3. Frage A16, Tag 3

Die Letalität bei manifester Erkrankung beträgt zwar meist, aber nicht immer 100%. In folgenden Veröffentlichungen (u.a) werden Fälle beschrieben, die manifeste Tollwuterkrankung überlebten:

Int J Infect Dis 2002 Mar;6(1):85-6
Partial recovery from rabies in a six-year-old girl.
Madhusudana SN, Nagaraj D, Uday M, Ratnavalli E, Kumar MV.

Am J Vet Res 1980 Oct;41(10):1632-4
Recovery from clinical rabies of 2 dogs inoculated with a rabies virus strain from Ethiopia.
Fekadu M, Baer GM
(hier auch erwähnt, dass Menschen Rabies überleben)

4. Frage A28, Tag 3

Typisch für einen Kleinhirnbrückenwinkeltumor, z.B. ein Akustikusneurinom, ist laut „Grundkurs Neurologie“, Mumenthaler, erschienen 2002, sowohl „progrediente Gehörsabnahme“ als auch „eine starke Eiweißerhöhung im Liquor“ (S.98). D und E sind also richtig, die Frage darf nicht gewertet werden.

Flatus Cerebri
22.03.2003, 20:05
Oh Mann...
...wenn die Jungs vom IMPP jeden case report, der jemals irgendwo publiziert worden ist, berücksichtigen würden, dann wäre wohl jede zweite Frage unbeantwortbar...
Es gilt die jeweils gängige Lehrmeinung.
Gruß,
Flatus

22.03.2003, 20:50
Ich werde die 100% Tollwutletalität auch beim IMPP beanstanden. Hätte da gestanden "etwa 100%" oder "fast immer" hätte ich die Lösung auch nicht angekreuzt. Wenn das IMPP schon so kleinkariert ist, können wir´s wohl auch sein!

22.03.2003, 22:18
Zur Pneumokokkenimpfung:

Wenn man zur Examensvorbereitung die letzten Termine
gekreuzt hat ist einem sicher aufgefallen, dass die Mainzer
stets mind. 3 Fragen über die 4 Tage streuen in denen es
um die aktuellen Empfehlungen der STIKO geht. Da lohnt es
sich dann schon mal die aktuellsten vom RKI zu holen!
Soll man die Empfehlungen von vor 2 Jahren abfragen?
Ich denke Nein!
Ahoi

23.03.2003, 00:24
Obwohl ich weder ne schlechte Note habe, noch auf der Kippe zwischen zwei Noten stehe, wird der IMPP von meinem Anwalt eine gepfefferte Klage erhalten.
Ich wehre mich gegen die Willkür, die Kleinkariertheit und diese grenzenlose Dummheit, nicht ein einziges mal ein Examen erstellen zu können, bei dem JEDE Frage EINDEUTIG beantwortbar ist. Das Kotzt mich an, die werden sich noch umschauen...

23.03.2003, 11:16
Man sollte aber nicht nur die Schuld bei anderen suchen. Und man sollte sich auch nichts vormachen, es wird doch auch ein großes Maß an Wissen abgeprüft. Das es bei 580 Fragen immer einige strittige gibt, wird sich nicht verhindern lassen. Und wenn man nur simple Frage stellt bekommt jeder eine 1 und es ist keine Unterscheidung in der Leistung mehr möglich. Die IMPP-Fragen sind immerhin für alle gleich, was man von mündlichen Prüfungen nicht sagen kann!

23.03.2003, 12:29
seh ich ganz genauso. examen sind nun mal so aufgebaut, daß zu gewissen teilen alles vorkommt:
viel leichtes, wenig schweres. bei den ganzen diskussionen um pneumokokken-impfung, chilaiditi-syndrom, etc. hat man vielleicht vergessen, daß auch ein haufen absolut idiotensichere fragen gestellt wurden. ich will da nur u.a. an die zuordnung condylomata lata, condylomata acuminata zu den erregern erinnern. wenn jemand durchfällt (das sind meistens so um die 6-8%, weniger geht ja kaum noch), dann doch nicht nur wegen den superspeziellen fragen!

23.03.2003, 16:22
Ganz meiner Meinung.
Es gab einige Fragen die echt schlecht gestellt waren bzw. nur mit speziellem wissen zu beantwortne waren.
Nur wenn jetzt jemand denkt, durch möglichst viele Klagen beim IMPP seine Note aufzubessern oder gar noch zu bestehen wird er wohl eine enttäuschung erleben.

Wir wissen wohl alle seit dem Physikum was wir von diesem Institut zu halten haben....

23.03.2003, 18:00
Ich finde die Idee sehr gut. Es gibt wirklich einige uneindeutige Fragen. Je mehr Leute dem IMPP schreiben, desto besser. Das hilft auch eingen, die sonst vielleicht nicht bestehen würden!!!
Hier meine "Beanstandungen".
EHEC B47 Tag4: Antwort D ist umstritten. Im Herold wird Antibiose empfohlen! Im TIM wird darauf hingewiesen, daß es umstritten ist und keine eindeutige Regelung gibt.
BRODIE B154 Tag3: Alle Antworten sind falsch! Laut Böcker/Denk (Patho) ist der Brodie-A. exogen bedingt (nicht hämatogen) und auch keine "abgemilderte" sondern eine primär chronische Form!
RISIKOSTRUKTURAUSGLEICH Tag4 b47: geringe Trennschärfe! A undB sind richtig!
NEUROPATH. Schmerz: Auch Läsionen im somatosensiblen Kortex machen Schmerzen und eine traumatische Läsion der Hinterstränge, isoliert?!(mechan.,infektiös ja, aber trauma?) Nie gehört, kein Lehrbuchwissen...
PROPHYLAXE VON NOSO. PNEU.:Ich verweise auf den Artikel von Ewing S et al;Pneu 2000 S.536: Alles nicht erwiesen, Evidenzstufe3!
Prima die IMPP Fragen! Ich bin weiter fürs Sammeln und dankbar für Kommentare!!!

23.03.2003, 18:13
Hier mein Beitrag:

Zitat:

Hallo,

bei den inoffiziellen Ergebnissen ist zur Frage A7,4.Tag die Lösung"E" angegeben.Es muss aber richtigerweise "B" sein, denn in der Gelben Reihe 08/2001 Kommentar zu Frage 9.18 heisst es, dass M.Scheuermann bei Frauen doppelt so häufig ist wie bei Männern.Dieselbe Angabe habe ich auch in einem englischen Ortho-Buch("Concise system of orthopaedics and fractures",A.Graham Apley/Louis Solomon ISBN 0750617675)gefunden.Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass an "E" was Wahres dran ist, bin mir aber nicht sicher.Ich denke, diese Frage sollte ruhig moniert werden bei den Jungs vom IMPP.

Und:

http://www.scheuermann-krankheit.de/

Die Ätiologie (= Krankheitsursache) der Scheuermann Krankheit (Erkrankung) ist unklar. Wahrscheinlich handelt es sich um eine angeborene, androtrope (= gehäuft beim männlichen Geschlecht) Wirbelsäulenerkrankung hauptsächlich der Brustwirbelsäule, aber auch Lendenwirbelsäule, die sich im 11. bis 13. Lebensjahr manifestiert.

Also B und E richtig.....

Viel Spaß noch.

bürstenschädel
23.03.2003, 20:06
BRODIE B154 Tag3: Alle Antworten sind falsch! Laut Böcker/Denk (Patho) ist der Brodie-A. exogen bedingt (nicht hämatogen) und auch keine "abgemilderte" sondern eine primär chronische Form!
RISIKOSTRUKTURAUSGLEICH Tag4 b47: geringe Trennschärfe! A undB sind richtig!
NEUROPATH. Schmerz: Auch Läsionen im somatosensiblen Kortex machen Schmerzen und eine traumatische Läsion der Hinterstränge, isoliert?!(mechan.,infektiös ja, aber trauma?) Nie gehört, kein Lehrbuchwissen...
PROPHYLAXE VON NOSO. PNEU.:Ich verweise auf den Artikel von Ewing S et al;Pneu 2000 S.536: Alles nicht erwiesen, Evidenzstufe3!
Prima die IMPP Fragen! Ich bin weiter fürs Sammeln und dankbar für Kommentare!!!


Könntest Du/Ihr mir bitte die genaue Literaturangabe(n) bezüglich strittiger Fragen schicken, möglichst so, wie sie von Euch nach Mainz gehen. Wir sind hier fünf Leute Gewehr bei Fuß, die sich gerne daran beteiligen, aber nicht über ein komplettes Literaturverzeichnis verfügen.

doktorarbeit2001@yahoo.de

Danke und viel Erfolg!
BS

24.03.2003, 10:33
Hallo Leute!

Hier meine Meinung!

Die Art und Weise wie das Mainzer Institut prüft ist zu Recht umstritten! Das Fragen nicht eindeutig beantwortbar sind ist nicht hinnehmbar, denn1) gibt es auch in der Medizin eindeutige Dinge und "9 hat das Institut genug Zeit und genügend Experten um narrensichere Fragen verschiedenen Schwierigkeitsgrades zu schaffen. Es sei an die amerikanischen Facharztexamina erinnert, die aus einem Pool von 8000 oder mehr narrensicheren Fragen gestellt werden.
Zu der Meinung das Multiple Choice Examen gerechter seien als mündliche Prüfungen: Auch das stimmt nur bedingt. Gibt es verbindliche Richlinien für mündliche Prüfungen können auch diese Gerecht sein.
Fazit: Das IMPP ist wohl nötig aber mit Sicherheit reformbedürftig, zumindesrt was die Frgen angeht.


Hoffe es ist bei allen gut ausgegangen!
Gruß ANDI

Fino
24.03.2003, 21:10
Ich seh das wie Andi,

die IMPPLler darf man bloss nicht aus der Pflicht entlassen, die Examina sorgfältig zu gestalten, dafür haben sie auch genug Zeit.
Es ist zwar richtig, dass fehler trotzdem passieren können, dann aber muss das IMPP fair mit sich reden lassen, was oft genug nicht der Fall war bzw. ist. Schliesslich wissen sie ganz genau,dass immer wieder bei Stellenvergaben auch auf die Note geschaut wird, ausserdem sind sie uns das schuldig, so manch einer hat monatelang kaum was andere getan als gebüffelt.

chaos
26.03.2003, 14:59
hi leute,

mal zu diesem punkt:
RISIKOSTRUKTURAUSGLEICH Tag4 b47: geringe Trennschärfe! A und B sind richtig!

auch wenn viele fragen vom IMPP schwachsinnig sind, ist Lösung B hier definitiv falsch.
Wenn man die Risikostruktur ausgleichen würde, müssten ja Versicherte (das sind ja die "Risiken") zwischen den Versicherungen ausgetauscht werden. :) So aber werden nur die Auswirkungen der Risikostruktur ausgeglichen, also die Kosten.

Ansonsten kann ich nur den Kopf schütteln über den ganzen Schwachsinn des diesjährigen Frühjahrsexamens! Selbst eigentlich benigne Fächer waren tlw. eine echte Zumutung, z.B. Naturheilkunde.
Naja, nie wieder ist ein schwacher Trost, leider kommt erstmal noch das mündliche.

Schöne Grüße aus München,
Sascha

Sportmed
27.03.2003, 16:59
Wie sieht es mit weiter strittigen Fragen des Examenstages aus:
Ist nicht FRage B 86 Tag 4 einfach zu schwammig formuliert?
Ab wann habe ich keine bleibende Dellenbildung bei "fortgeschrittenem" Lymphödem mehr? Auch Herold definiert das nicht eindeutig und logisch ist es am EHESTEN auch nicht :-))

TobiT
27.03.2003, 19:32
Also ich habe bisher keinen Hinweis irgendwo finden können, daß es bei einer Hypoglykämie zu einer Schädigung des 1. Motoneurons kommt. Das müßte aber ja passieren, um einen Babinski auslösen zu können.
Auch wenn das Lhermitte-Zeichen (womit ich in der Prüfung leider nichts anfangen konnte) sicher falsch ist (Kribbelparästhesien in Armen und Rücken bei Kopfbeugung, häufig bei MS), halte ich den Babinski auch für falsch.

Definitiv kein typisches Zeichen und auch in keinem der üblichen Lehrbücher aufgeführt.

TobiT
27.03.2003, 19:35
Ich habe mal bei den Homburger Mikrobiologen nachgefragt und als Antwort folgende Mail erhalten.

"Hallo Herr T...,
zuallererst ist diese Frage blöd, wie viele andere IMPP-Fragen. Schnell
abhaken läßt sich (B), denn obwohl Pseudomonas einer der häufigsten
nosokomialen Pneumonieerreger ist kann eine Antibiotikaprophylaxe nicht zur
Reduktion der beatmungsassoziierten Pneumonie führen. (D) nein, das
Gegenteil ist der Fall = Oberkörperhochlagerung (30-45°), (E) - nur für
Klinken zu empfehlen, die von Rothschild oder anderen Multimilliardären
geleitet werden, wobei die auch meistens ihr Geld nicht zum Fenster hinaus
werfen. (A) oder (C) bleiben übrig, wobei in der undifferenzierten
Fragestellung beides möglich scheint. Es wird in keinem der Lehrbücher auf
ein unterschiedliches Outcome bei oropharyngaler bzw. nasaler endotrachealer
vs. Maskenbeatmung eingegangen (warum auch, denn die angewandte, sicher
kontinuierliche Beatmung ist nun mal die endotracheale). Somit: Gibt es
einen Unterschied???
Zu (C) ist nur bei der gegebenen schlechten Fragestellung unter dem Aspekt
der Mikroaspiration akzeptabel, aber ....

Sie sehen, eine potentielle Frage, die als Streitpunkt dient und womöglich
nicht gewertet werden wird.

Gruß

Die müßten es ja eigentlich wissen. Also wie schon andernorts geschrieben, handelt es sich um einen echten Kandidaten für eine Streichung.

Gruß TobiT

:-dagegen

hope2003
02.04.2003, 00:03
hallo,
mal ne dumme frage:

wenn eine frage gestrichen wird und man diese trotzdem richtig hat, was passiert dann??
sind das die fragen, für die immer mehrere antworten gültig sind.

was ist der nachteilsausgleich??

thanks für die info!

:)

Medicus
27.04.2003, 20:06
Hallo!
Ich hätte noch eine Frage, die man bemängeln kann- falls es noch jemanden interessiert...
Frage 153, Tag3, AuflageB: Da geht's darum, bei welcher Fraktur man eine Zuggurtungsosteosynthese macht.
Im Siewert Chirurgie wird das als ein Standardverfahren bei Patellafrakturen mit Frakturspalt>2mm angesehen. Ich hatte die Patellafraktur als Lösung, aber das wurde mir als falsch gewertet. :-dagegen
Habe das jedenfalls beanstandet in meinem Brief ans LPA.
Grüße
Ina