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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Politik und Prognosen



Lava
24.04.2003, 21:11
In Frontal 21 haben sie neulich eine interessante These zum besten gegeben: wurde mit den Prognosen zu den Opfer- und Flüchtlingszahlen Politik betrieben? Es gab weder Millionen von Flüchtlingen noch hunderttausende von Toten, wie es einige Grüne uns SPD Politiker im Bundestag laut herausgeschrien haben. Haben sie es nicht besser gewusst oder war das Panikmache, um Stimmung gegen den Krieg zu machen? Jedenfalls war bis auf einer keiner der betreffenden Politiker bereit, ein Interview zur Frage zu geben... Man könnte sich sagen "Na und? Krieg ist trotzdem falsch", aber der Gedanke, dass sie die Meinung des Volkes mit Schwarzmalerei entscheidend beeinflusst haben, stört mich doch sehr. Im Beitrag wurde sogar behauptet, es seien weniger Menschen gestorben als durch das Regime von Saddam, wenn es jetzt noch existieren würde. Diese Aussage finde ich wiederum viel zu gewagt. Immerhin ist die Lage im Irak jetzt sehr fragwürdig und ungewiss. Ich glaube nicht, dass die Amerikaner damit gerechnet haben, aus dem Land geworfen zu werden...

luckyblue
24.04.2003, 21:50
Ohne jetzt für die Grünen und die SPD samt ihres Lügenkaleidoskop zum Wahlkampf Partei ergreifen zu wollen, halte ich jeden Defätismus anlässlich eines drohenden Kriegs schon für ein probates Mittel der Politik. Darüber hinaus existieren zu den tatsächlichen Verlusten in der Zivilbevölkerung keine verlässlichen Zahlen. Erstens, weil die Militärs die freie Berichterstattung beschnitten haben, und zweitens, weil sich Flüchtlinge und Todesopfer in dieser Region wohl schwerlich erfassen lassen.

cu
luckyblue

airmaria
24.04.2003, 21:55
Original geschrieben von Janine
... Man könnte sich sagen "Na und? Krieg ist trotzdem falsch", aber der Gedanke, dass sie die Meinung des Volkes mit Schwarzmalerei entscheidend beeinflusst haben, stört mich doch sehr. Im Beitrag wurde sogar behauptet, es seien weniger Menschen gestorben als durch das Regime von Saddam, wenn es jetzt noch existieren würde. Diese Aussage finde ich wiederum viel zu gewagt.

Hier trifft es ziemlich genau den Punkt, warum ich immer eher für diesen Krieg - bzw. für eine harte Resolution und nicht so ein Deutsches Beamtengeschwätz - war, als gegen ihn...
Ob nun in dieser zeit mehr Menschen gestorben wären, vermag ich nicht zu beurteilen, nur auf lange Sicht denke ich eben, ist es die bessere Lösung... auch wenn es bestimmt noch einige Rückschläge geben wird.

"Mary" airmaria

MouseMan
24.04.2003, 22:28
Ich frage mich ob man diese Formulierung wie sie bei Frontal21
gefallen ist, überhaupt so stehen lassen kann.

Ich kann mir nicht vorstellen dass jemand, sollten ihm gegen-
teilige Informationen vorliegen, das Leid der Opfer BEWUSST
in einem dramatischeren Licht darstellen würde. Was hätte
er denn davon? Schliesslich ist, jedenfalls bei mir, der Grund
gegen den Krieg zu stimmen der gewesen, dass ich mit vielen
Toten und Flüchtlingen gerechnet habe. (oder andersrum:
wüsste ich, dass bei Krieg niemand stirbt und verletzt wird,
hätte ich nichts dagegen.)

Und dann ist es in meinen Augen ein gerechtfertigter Grund
darauf aufmerksam zu machen.

Eben weil man diese Opfer verhindern will. Warum haben denn
etliche Hilfsorganisationen Ihr Personal, Ihre Zelte, u.s.w. an
die Grenzen transportiert? Ich glaube die haben WIRKLICH
damit gerechnet. So wie ich eben auch.

Eure Maus.

hobbes
24.04.2003, 23:28
Die Frage ist in der Tat interessant. Natürlich muss man vorausschicken, dass jeder seine Meinung mit den dazu passenden Prognosen verbindet. Kriegsgegner sind pessimistisch, Kriegsbefürworter sprechen von "chirurgischer Kriegsführung".

Trotzdem ist ein Armutszeugnis, dass jene die so negative Prognosen gemacht haben jetzt nicht auch dazu stehen können und sagen "damit habe ich nicht gerechnet...". Nun gut, welcher Politik streut sich schon selbst Asche übers Haupt.

Bei der Prognosestellung nach der Menge des Leides ging aber oftmals die Gesamtschau vergessen. Wieviele Toten hat das Embargo gefordert, weshalb hat der Irak eine so hohe Kindersterblichkeit, weshalb sind im Irak soviele Kinder unterernährt, weshalb gibt es im Irak soviele Analphabeten. Die Gründe liegen m.E. massgeblich beim Embargo (welches nicht gewirkt hat: Saddam badete sich in goldnen Wannen). Die Aufrechnung von erspartem Leid durch Beseitigung von Saddam und zugefügtem Leid durch "Iraqi Freedom" ist gerechtfertigt und notwendig. Auch wenn selbstverständlich nicht vergessen werden darf, dass Krieg immer grausam ist und die Hürden für den selbigen weiterhin hoch zu legen sind.

Lava
25.04.2003, 14:34
Ich denke, die nicht eingetroffenen Vorhersagen zeigen ganz gut, dass ein Krieg immer noch einen unvorhersehbaren Verlauf und ein unklares Ende haben. Das ist auch gut so! Sonst würde das Mittel Krieg vielleicht noch öfter angewendet als ohnehin schon. Man darf sich einfach nicht zu sicher sein über seine vermeindliche Übermacht. Und immerhin haben sie ja Saddam genauso wie bin Laden nicht gefasst! Es ist eben doch nicht so einfach, wie manche sich das gewünscht haben...

Ich habe dieses Embargo auch nie so richtig verstanden. Es sollte wohl eine Art diplomatisches Mittel sein, aber gewirkt hat es ja kaum. Ich frage mich, wieso es so wenig andere Bestrebungen gab, eine friedliche Lösung zu suchen! Gab es denn wirklich keine? War der Krieg wirklich nötig, um gewisse Ziele zu erreichen? (Mal davon abgesehen, was das für Ziele sind...) Das kann ich einfach nicht glauben. Das kann einen ganz schön deprimieren zu sehen, wie ohnmächtig man doch mit seinem scheinbar vernünftigen Menschenverstand ist.