Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Euer erster Einsatz
serial2k
02.06.2007, 10:15
An den wirklich ersten Einsatz kann ich mich nicht erinnern. Als erstes hängengeblieben ist ein Einsatz in meiner zweiten Woche als RS-Praktikant, auf dem KTW, zusammen mit einem hauptamtlichen RA und einer FSJlerin (RS):
Genau eine Minute vor Schichtwechsel und noch ca. 3 Minuten Fahrtzeit zur Wache spricht uns die Leitstelle mit der Frage nach unserem Standort an, um uns daraufhin zu einer etwa 3km entfernten Adresse in der nördlichen Innenstadt zu schicken, "bewusstlose Person", RTW & NEF kommen von weiter weg. Ich fand die Anfahrt schon unheimlich aufregen, war immerhin meine erste Blaulichtfahrt als Beifahrer (der Kollege saß bei der Anfahrt immer hinten damit ich das Funken lerne). Nach ca. 2-3 Minuten angekommen, der Kollege springt schon mit Koffer und Accuvac hinten aus dem Auto, ich schnappe mir das Sauerstoffbrett und dann nichts wie hinterher. Ich folge ihm und den Angehörigen ins Schlafzimmer, sehe eine alte Frau friedlich mit geschlossenen Augen im Bett liegen, sehe wie er sie kurz anfasst (Totenstarre schon eingetreten) und sagt "Tut mir Leid, ihre Mutter ist tot". Daraufhin bricht die in der nahen Küche sitzende Tochter in Tränen aus und fängt an zu erzählen, dass ihre Mutter grade die komplette Wohnung renoviert hat und gestern endlich die bestellten Möbel angekommen wären. Dummerweise traf zu dem Zeitpunkt das NEF ein und meine beiden Kollegen waren mit der Übergabe beschäftigt, so durfte ich mich ca. eine Minute lang alleine um die Tochter kümmern. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich glaube so hilflos und deplatziert hab ich mich noch nie vorher gefühlt. Man war ich froh, als endlich meine Kollegin und die Notärztin dazukamen und sich um die Tocher gekümmert haben.
Ist schon krass, an die ganzen "Notfalleinsätze" die Woche vorher auf dem RTW kann ich mich so gut wie gar nicht mehr dran erinnern, aber an diesen schon.
RS-USER-Bärentöter
02.06.2007, 11:49
Original geschrieben von serial2k
sehe eine alte Frau friedlich mit geschlossenen Augen im Bett liegen, sehe wie er sie kurz anfasst (Totenstarre schon eingetreten) und sagt "Tut mir Leid, ihre Mutter ist tot".
ganz blöde Frage: Todesfeststellung ist ja an sich Arztsache. Darf ein RA bei sicheren Todeszeichen eine REA nicht anfangen und wo liegt die Grenze, ab der der RA von sich aus nichts tut?
Nicht falsch verstehen, es geht mir eher ums rechtliche, nicht um Qualifikation.
RS-USER-Elektro-Dengel
02.06.2007, 12:13
Original geschrieben von Bärentöter
ganz blöde Frage: Todesfeststellung ist ja an sich Arztsache. Darf ein RA bei sicheren Todeszeichen eine REA nicht anfangen und wo liegt die Grenze, ab der der RA von sich aus nichts tut?
Nicht falsch verstehen, es geht mir eher ums rechtliche, nicht um Qualifikation.
Is so nen bisschen ne rechtl. Grauzone! Also ich hab gelernt, dass bei sicheren Todeszeichen (wie z.B. Körpertemp.=Raumtemp, od. ausgeprägte Leichenstarre), sowie bei "mit dem Leben nicht zu vereinbarenden Verletzungen" (hierbei errinner ich an das Foto der beiden reanimierenden Feuerpatschen, bei denen Kopf -und Seitenhelfer ca 3m voneinander entfernt sitzen) darf auch nichtärztl. Personal eine Rea abbrechen bzw. gar nicht erst damit anfangen. Die offizielle Todesfeststellung unterliegt im Anschluss natürlich dem Notarzt.
Beachbaer82
02.06.2007, 12:41
Original geschrieben von Bärentöter
ganz blöde Frage: Todesfeststellung ist ja an sich Arztsache. Darf ein RA bei sicheren Todeszeichen eine REA nicht anfangen und wo liegt die Grenze, ab der der RA von sich aus nichts tut?
Nicht falsch verstehen, es geht mir eher ums rechtliche, nicht um Qualifikation.
Ich schliesse mich dem Dengel an. Bei sicheren Todeszeichen ( ich erweitere nun noch auf Totenflecken ) brauchen wir nicht anfangen..
Aber ganz unter uns - man sollte Mensch bleiben. Wenn ich in eine Wohnung komme, da liegt ein Pat. zB im CA Endstadium und ist friedlich eingeschlafen...
Man sollte auch ein bisschen Menschenwürde walten lassen statt Leichenschändung...
serial2k
02.06.2007, 12:45
So habe ich es auch gelernt. Bei sicheren Todeszeichen wird keine Rea angefangen.
RS-USER-blacksheep
02.06.2007, 13:02
Original geschrieben von Beachbaer82
Ich schliesse mich dem Dengel an. Bei sicheren Todeszeichen ( ich erweitere nun noch auf Totenflecken ) brauchen wir nicht anfangen..
Wobei das nun nicht wirklich sicher sind. Außerdem: Wenn du bevor du ne Rea beginnst erst auf Totenfleckensuche gehst, brauchst du auch alle anderen gar nicht mehr anzufangen. Wenn es die Umstände zeigen das da nix mehr zu holen sein kann (liegt mim Kopf nebem dem Abend essen am nächsten Morgen uä.) werde ich auch nicht anfangen.
RS-USER-gnuff
02.06.2007, 13:03
Original geschrieben von Elektro-Dengel
Is so nen bisschen ne rechtl. Grauzone! Also ich hab gelernt, dass bei sicheren Todeszeichen (wie z.B. Körpertemp.=Raumtemp...
das ist aber kein sicheres Todeszeichen... ich denke das mit der Temperatur kann böse nach hinten losgehen...
sicher Todeszeichen sind:
Totenstarre, Leichenflecken, Fäulnis (und alles was danach kommt)
kuckst du hier (http://de.wikipedia.org/wiki/Todeszeichen#Sichere_Todeszeichen)
Beachbaer82
02.06.2007, 13:07
Original geschrieben von blacksheep
... Wenn du bevor du ne Rea beginnst erst auf Totenfleckensuche gehst, brauchst du auch alle anderen gar nicht mehr anzufangen. ...
Bei manchen Situationen lege ich es drauf an - siehe Mensch bleiben!
Ich kann den Pat. ( bei begründetem Verdacht ) ja mal schnell auf die Seite drehen und nach Flecken schauen. Dauert i.d.Regel 5 - 10 Sekunden...
RS-USER-Elektro-Dengel
02.06.2007, 14:19
Eben, man muss da auch als Nicht-Studierter auf die Menschenwürde schauen.
Das mit der Temperatur war ein schlechtes Beispiel, ich gebs ja zu.
Letztendlich sind aber wohl die meisten hauptamtlichen so erfahren, dass sie spätestens nach einem genaueren Blick auf den Patienten, wissen was los ist. Meist is es ja dann doch recht deutlich. Und wenn ich nur den geringsten Zweifel hab, dann reanimier ich halt. Dann muss es der NA entscheiden! Von dem was manche Kollegen tun ("Wir tun jetz´n bisschen so als würden wir reanimieren, bis der Doc da is"), halt ich wenig. Dann lieber gleich ehrlich zu sich selbst und vor allem zu den Angehörigen sein!
RS-USER-blacksheep
02.06.2007, 14:27
Original geschrieben von Beachbaer82
ja mal schnell auf die Seite drehen und nach Flecken schauen. Dauert i.d.Regel 5 - 10 Sekunden...
Du drehst und entkleidest einen 100kg Erwachsenen in 5 bis 10 Sekunden UND kannst dann in der Zeit noch zweifelsfrei nicht wegdrückbare Totenflecken feststellen. Holla bist du gut. Ich würd dafür dann aber mal mindestens ne Minute brauchen. Und das dann auch zu zweit. Tote sind ja immer so unkooperativ beim auf der Seite liegen blieben.
RS-USER-Häuptling weiße Wolke
02.06.2007, 18:13
Original geschrieben von blacksheep
Du drehst und entkleidest einen 100kg Erwachsenen in 5 bis 10 Sekunden UND kannst dann in der Zeit noch zweifelsfrei nicht wegdrückbare Totenflecken feststellen. Holla bist du gut. Ich würd dafür dann aber mal mindestens ne Minute brauchen. Und das dann auch zu zweit. Tote sind ja immer so unkooperativ beim auf der Seite liegen blieben.
Naja, wenn Du den Pat. erst vollständig entkleiden musst, um dann eventuell doch Totenflecken zu finden, dann solltest Du im Zweifelsfall doch reanimieren. Aber oft sind die Totenflecken wirklich auf den ersten Blick zu sehen, wenn man den Pat. nur leicht auf die Seite dreht. Und wenn die L-Flecken wegdrückbar sind, dann sollte auch die Leichenstarre schon gut zu erkennen sein.
RS-USER-Katja
02.06.2007, 19:10
Original geschrieben von gnuff
sicher Todeszeichen sind:
Totenstarre, Leichenflecken, Fäulnis (und alles was danach kommt)
... und nicht mit dem Leben vereinbare Verletzungen.
Wobei man beim Menschbleiben das ganze auch auf Fahrten mit Pat. in Sterbehospitze übertragen sollte ! Wir haben das immer gemacht wenn wir Pat. mit dem KTW dorthin gebracht haben, da wäre also keiner auf die Idee gekommen da noch ne REA anzufangen.
Original geschrieben von Elektro-Dengel
... sowie bei "mit dem Leben nicht zu vereinbarenden Verletzungen" (hierbei errinner ich an das Foto der beiden reanimierenden Feuerpatschen, bei denen Kopf -und Seitenhelfer ca 3m voneinander entfernt sitzen) darf auch nichtärztl. Personal...
Wie schon gesagt wurde ;D
Ich denke mal bei einem 100kg Patient wird das mit den Totenflecken schwer, aber da man für eine Rea den Brustkorb sowieso weitgehen freilegen sollte (un das schreibe ich bewusst kursiv, nicht alles lässt sich mit dem Lehrbuch vereinen ,D) und dann ist es zum kurzen andrehen nicht mehr weit.
Allerdings alles nach ermessen, wenn die Familie sagt der hat vor 15min noch geredet kann man sich die Suche sparen,oder ;D
Rescuerambo
02.06.2007, 20:49
1. Einsatz aufm RTW als Prakti: gesprengte Hand an Sylvester....
1. Einsatz als 2. aufm RTW:Hilfeleistung, Opi ausm bett gefallen, Omi hat ihn nicht mehr reinbekommen....
1. Notfalleinsatz am selben Tag: AP beim Internisten in einer Praxis (Und ich hab den RTW mit Horn und Blaulicht an ner Kreuzung abgewürgt :D )
Original geschrieben von Rescuerambo
(Und ich hab den RTW mit Horn und Blaulicht an ner Kreuzung abgewürgt :D )
D:-)
Ist bei unserem RD auch schon passiert...
Das NEF kränkelt in letzter Zeit (um nicht zu sagen es stirbt..) und ist mittlerweile 2 mal bei SoSi-Fahrt mitten auf einer großen Kreuzung einfach ausgegangen :D :D
Aber da Wegerechte nunmal die StVo außer Kraft setzen - Parken auch im absoluten Halteverbot erlaubt :D
Achja, da ich bei meinen 1.Einsätzen nur San und RTW beschrieben hab, folgt jetzt noch KTW ;D
Hab mich zu nem Tag KTW bringen lassen (Wachenleiter hat was durcheinander gebracht und ausversehn 2 Praktikanten auf einen RTW gesetzt...da der andere Jahresprakrikant war bin ich gewichen und da es 7 Uhr morgens war wollt ich auch nich mehr heim ;D) und dann ging es irgendwann auch gemütlich los, Patient ins KH bringen, ist deletzt gestürzt und wurde vom Hausarzt eingewiesen. Wir da alles gecheckt. Aaaaltes Haus, verwinkelt. Trage geht nich. Sitzen konnte der gute Mann - übrigens 97 Jahre alt - nicht, er hatte Schmerzen. Wir also RTW nachgefordet und NEF zum Cocktail spritzen. Die hams dann auch übertrieben D:-) im Endeffekt haben dann 7 Personen dem Patient ins KH geholfen (3 vom KTW, 2 vom RTW, 2 vom NEF) und im allgemeinen dachte ich mir danach schon "Und das aufm KTW". Der restliche Tag hat mein Denken über KTW auch geändert.. langweilig? quatsch. RELAXED ;)
Edit: 3x vom ;)
RS-USER-blacksheep
02.06.2007, 21:25
Original geschrieben von Sanibär
Aber da Wegerechte nunmal die StVo außer Kraft setzen - Parken auch im absoluten Halteverbot erlaubt :D
Gleich 2 Fehler in einem Satz.
Das Wegerecht (§38 StVO) setz nicht die StVO außer Kraft. Die Sonderrechte sind im §35 StVO definiert. Aber auch nicht mit "gilt nicht" sondern das man dabei von den Vorschriften unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit befreit ist.
Den Begriff des absoluten Halteverbot gibt es seit Jahren/Jahrzenten nicht mehr. Es wird zwischen dem Haltverbot (da hast du unter keinen Umständen zu stehen) und dem eingeschränktes Haltverbot (Umgangssprachlich: Parkverbot - Halten bis zu drei Minuten (oder zum Be- oder Entladen etc.) ist erlaubt) unterschieden.
edit: Na gut. Ich sehe du hast noch keinen Führerschein. Trotzdem sollte man wissen wovon mach spricht. (Und nein, auch wenns mich reizt .. ich brech nun nicht wieder die U18 hat keiner was auf meinem RTW/KTW verloren-Diskussion los)
edit2: Um der Pedanterie noch einen oben drauf zu setzen: Wo nicht gehalten oder geparkt werden darf wird allgemein im § 12 StVO bestimmt und dann noch im §18 Abs 8 StVO, §9a Abs 1 StVO in spezielleren Fällen. Außerdem darf in einer Straße die z. B. mit Zeichen 250 StVO (Verbot für Fahrzeuge aller Art) oder Zeichen 242 StVO (Beginn eines Fußgängerbereiche, für Fahrzeuge gesperrt) auch nicht gehalten oder geparkt werden.
Rescuerambo
02.06.2007, 21:45
Original geschrieben von Sanibär
Bim Endeffekt haben dann 7 Personen dem Patient ins KH geholfen (3 KTW, 2 RTW, 2 NEF)
komm ich aber mindestens auf 14 Mann...
RS-USER-blacksheep
02.06.2007, 21:50
Original geschrieben von Rescuerambo
komm ich aber mindestens auf 14 Mann...
Ich war versucht da auch was zu schreiben. Dann hab ich mir gedacht. Einmal auflaufen lassen reicht. Beim 2ten mal drüber lesen hab ich dann auch verstanden was er meinte. Aber wofür auch 2 Notärzte für einen Patienten ;) Viele Köche verderben den Brei, müsstest du ja wissen :D
So habe ein paar vom eingefügt.
Noch mehr Leute wäre wirklich unpraktisch gewesen, der Raum war klein genug.
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