Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Inkontinenz als Risikofaktor für Dekubitus hält kritischer Überprüfung nicht stand
RS-USER-Schädelspalter
27.08.2007, 20:49
Leider habe ich keinen Zugriff auf den vollständigen Text der Originalarbeit.
Unter diesem Vorbehalt will ich etwas Nettes und etwas Kritisches sagen:
1. Was Kritisches:
Retrospektive Studien an recht kleinen Kollektiven (hier 200 Patienten in der Auswertung) sind immerhin besser als nichts. 100 "Fälle" und 100 "passende" Kontrollen: schon bei dem Wort "passende" sollte man aufpassen.
Möhre hat die Frage angesprochen, ob es weitere (nicht untersuchte) Faktoren gibt, die das Ergebnis beeinflussen und u.U. ohne Berücksichtigung in der Methodik eine hieb- und stichfeste Untersuchung unmöglich machen (sogenannte Bias).
Hat man auch auf die Pflegeeinrichtungen randomisiert? Auf Geschlecht? Medikamente?
Waren Patienten, denen man einen Blasenkatheter gelegt hatte, kränker als die Kontrollen? Welche Scoring-Systeme hat man verwendet, um entsprechende Paare zu bilden?
Werden Patienten mit DK weniger häufig bewegt (=druckentlastet ?!) als "nasse" Patienten?
"Polstern" nasse Vorlagen wirklich?
Ist "nasse Haut" gut gegen Dekubitus? Oder egal? Oder sollte man sogar kontinente Menschen nass machen (nicht ganz ernst gemeint :) )?
2.Was Nettes:
ich finde es schön, dass man sich zu sowas Gedanken macht und den Versuch unternimmt, das zu erforschen.
Ich plane selber eine winzige Studie zu einem völlig anderen Thema, die Studie wird methodisch und inhaltlich sehr dürftig. Aber sie hat eine klinische Beobachtung als Grundlage, klinische Relevanz und ich hoffe, einen Stein ins Rollen zu bringen. Eine Lawine wird es nicht werden, aber damit der Stein (und vielleicht ein paar andere mit ihm) im Tal ankommt, muß ihn erstmal jemand werfen
:D
Wem das zu poetisch ist: Wenn man nicht guckt, kann man nix sehen :D
3. Was zum Schluß:
Glaubt nicht unkritisch jeder Studie (oder jedem Laborwert...)
Es gibt z.B. meines Wissens keine Studie, die belegt, dass das Monitoring von EKG, SO2 und RR auf Intensivstationen das Überleben der Patienten verbessert... (diese Studie wird es hoffentlich auch nie geben :rolleyes: )
Aber die Geburtenrate in Nordrhein-Westfalen ist ja auch parallel (um 2 Jahre zeitversetzt) mit der Anzahl der Störche dort gesunken. Das bedeutet ja auch, dass ein Storch mit 2 Jahren Kinder bringen kann, oder? :D (klassischer Fall von Bias: die Industrialisierung ;) )
RS-USER-Bärentöter
27.08.2007, 21:17
Original geschrieben von Schädelspalter
1. Was Kritisches:
Retrospektive Studien an recht kleinen Kollektiven (hier 200 Patienten in der Auswertung) sind immerhin besser als nichts. 100 "Fälle" und 100 "passende" Kontrollen: schon bei dem Wort "passende" sollte man aufpassen.
Fall-Kontroll-Studien waren noch nie relevant. Eine sehr gewollte Vergleichbarkeit.
RS-USER-Möhre
28.08.2007, 08:52
Original geschrieben von Schädelspalter
3. Was zum Schluß:
Glaubt nicht unkritisch jeder Studie (oder jedem Laborwert...)
Es gibt z.B. meines Wissens keine Studie, die belegt, dass das Monitoring von EKG, SO2 und RR auf Intensivstationen das Überleben der Patienten verbessert... (diese Studie wird es hoffentlich auch nie geben :rolleyes: )
Aber die Geburtenrate in Nordrhein-Westfalen ist ja auch parallel (um 2 Jahre zeitversetzt) mit der Anzahl der Störche dort gesunken. Das bedeutet ja auch, dass ein Storch mit 2 Jahren Kinder bringen kann, oder? :D (klassischer Fall von Bias: die Industrialisierung ;) )
und warum funktioniert das nur in nrw ??? gibt es da eine passende vergleichsstudie (retrospektiv mit kontrollgruppe) aus niedersachsen ???:grins:
RS-USER-Pyro
28.08.2007, 11:33
Also ich möchte hier den eindeutigen, statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Abnahme der Piratenpopulation und der globalen Erwärmung in die Runde werfen.
http://www.venganza.info/bilder/glaube1.jpg
Das Fliegende Spaghetti Monster wird uns aller strafen, wenn wir nicht wieder zu Piraten werden.
FSM-Homepage (http://www.venganza.info/index.htm)
HarHar
RS-USER-Schädelspalter
28.08.2007, 20:18
Original geschrieben von Möhre
und warum funktioniert das nur in nrw ??? gibt es da eine passende vergleichsstudie (retrospektiv mit kontrollgruppe) aus niedersachsen ???:grins:
Weil man nur da nachgesehen hat :grins: über hessische oder bayrische Störche sagt das natürlich nichts aus.
Und: wie kommst Du auf Niedersachsen? Du willst Doch nicht einfach die Studie so unkritisch übertragen, oder ;)
Jetzt spamme sogar ich rum...
Vielleicht gibt es zum Originalthema nichts mehr zu sagen? Ach was, das glaube ich nicht :D
Na dann muss ich den DK eben anders begründen. Mir fallen mannigfaltige Gründe ein, einem Patienten einen DK zu verpassen, und noch viele mehr jede andere Körperöffnung auch mit Schläuchen und Kabeln zu versorgen. Sollten mir die serienmässigen Körperöffnungen ausgehen, schaffe ich eben noch künstliche, bzw. stifte einen Arzt an eben dies zu tun. Soviel zu der eingangs erwähnten "Studie".
Was mir hier viel mehr auf den Sender geht, ist die Tatsache das examinierte Pflegekräfte, die eine dreijährige Ausbildung hinter sich haben, behaupten die Krankenpflege müsse professionell werden. Ein Schreiner mit dreijähriger Ausbildung würde nie von sich behaupten er sei nicht professionell, nur weil er nicht auf der FH oder Uni war, nicht mal Rettungsassistenten mit "nur" zweijähriger Ausbildung tun das. Das geschrei nach akademisierter Pflegeausbildung ist nichts anderes als der Versuch von Minderwertigkeitskomplexen gebeutelten Pappnasen ihr geschundenes Ego aufzubauen. Natürlich muss man sein Handeln überprüfen, keine Frage, aber dazu muss nicht jede Pflegekraft studiert haben.
Des weiteren geht es mir tierisch auf den Geist, das die Pflege sich nahezu einzig und allein auf Dekubiti reduziert. Und eben das tut die Pflege, ich habe etwa 100 Überstunden damit angesammelt, in einem Arbeitskreis zum Thema Dekubitusprophylaxe- und therapie das Rad neu zu erfinden. An keinem anderen Thema geilt man sich so auf. Vielleicht noch am Pflaster kleben. Oder doch lieber Mercurochrom?
RS-USER-Möhre
28.08.2007, 21:59
na ja, wenn das professionellste, was viele pflegekräfte von sich geben, der satz ist "das machen wir schon immer so", dann, meine ich, könnte so ein bißchen professionalität nicht schaden ... sicherlich kann man über die wege streiten, und derer gibt es reichlich, aber ich möchte auch mal zu bedenken geben, daß es hier glaube ich zumindest nicht nur um eine selbstbestätigung geht, sondern um die notwendigkeit, pflege auf eine gesicherte und vor allem selbständige basis zu heben. vieles in der pflege ist leider immer noch tradition, und damit läßt sich grauslig schlecht argumentieren ...
und was deinen vergleich mit dem schreiner betrifft ... na ja, wenn der fertig ist mit seiner ausbildung, dann gibt seine innung ihm die richtlinien vor, die sich da nennt: die schreiner-innung. ist die pflege damit fertig, wer gibt ihr die richtlinien vor ??? richtig, nicht die schreinerinnung ... aber solange pflege keine gesicherte basis hat, werden wir auch weiter fremdbestimmt sein, denn die haben eine basis ... ist leider so ...
und, um jetzt diese lanze mal zu brechen, gute pflegeforschung bzw. pflegeforscher, von denen die gute christel mal ja gefordert hat, jedes kh möge seinen eigenen haben, erfinden das rad nicht neu ... die basteln aus den vorhandenen das ultimative neue ...;)
RS-USER-Bärentöter
28.08.2007, 22:17
Original geschrieben von Möhre
und, um jetzt diese lanze mal zu brechen, gute pflegeforschung bzw. pflegeforscher, von denen die gute christel mal ja gefordert hat, jedes kh möge seinen eigenen haben, erfinden das rad nicht neu ... die basteln aus den vorhandenen das ultimative neue ...;)
ja bitte!
aber nicht so einen Dummfug wie das vorher!
RS-USER-Möhre
28.08.2007, 22:22
Original geschrieben von Bärentöter
ja bitte!
aber nicht so einen Dummfug wie das vorher!
na ja, so lange die akademiker doktorarbeiten schreiben dürfen wie z.b. über das sperma des ziegenbockes läßt sich über das thema dummfug trefflich streiten ...
RS-USER-Schädelspalter
29.08.2007, 05:44
Original geschrieben von Möhre
na ja, so lange die akademiker doktorarbeiten schreiben dürfen wie z.b. über das sperma des ziegenbockes läßt sich über das thema dummfug trefflich streiten ...
Für einen Tierarzt und einen Ziegenzüchter sicher interessant... :D
Irgendwie wird bei sowas immer die Konkurrenz zwischen Ärzten und Pflege ins Spiel gebracht - und zwar häufiger von den Pflegenden.
Man sagt etwas über Pflegeforschung und es heißt sofort: "...aber die "Akademiker"..." oder "...Professionalisierung der Pflege...", "...fremdbestimmt...", obwohl das damit nicht viel zu tun hat. Jede kritische Äußerung wird aber als Angriff und Versuch, eine Berufsgruppe lächerlich zu machen, angesehen.
Ich frage mich oft, wie einige intelligente und ansonsten recht vernünftige Pflegende auf die absurde Idee kommen, sie seien unprofessionell und könnten das ändern und Selbstvertrauen gewinnen, indem sie Ärzten grundsätzlich feindselig gegenübertreten.
Vor der Antwort auf diesen Beitrag rate ich, nochmal Cons letzten Beitrag durchzulesen. D:-)
RS-USER-Möhre
29.08.2007, 16:50
Original geschrieben von Schädelspalter
Für einen Tierarzt und einen Ziegenzüchter sicher interessant... :D
Irgendwie wird bei sowas immer die Konkurrenz zwischen Ärzten und Pflege ins Spiel gebracht - und zwar häufiger von den Pflegenden.
Man sagt etwas über Pflegeforschung und es heißt sofort: "...aber die "Akademiker"..." oder "...Professionalisierung der Pflege...", "...fremdbestimmt...", obwohl das damit nicht viel zu tun hat. Jede kritische Äußerung wird aber als Angriff und Versuch, eine Berufsgruppe lächerlich zu machen, angesehen.
Ich frage mich oft, wie einige intelligente und ansonsten recht vernünftige Pflegende auf die absurde Idee kommen, sie seien unprofessionell und könnten das ändern und Selbstvertrauen gewinnen, indem sie Ärzten grundsätzlich feindselig gegenübertreten.
Vor der Antwort auf diesen Beitrag rate ich, nochmal Cons letzten Beitrag durchzulesen. D:-)
... hab´ ich schon ...:D
grundsätzlich hat das sicher erst mal nichts miteinander zu tun, aber wenn ich die erste vier, fünf worte des töters lese, wundert mich das nicht ... HIER ist das natürlich nicht der fall, aber so ein bißchen halte ich das nach zwanzig jahren pflege für einen freud´schen versprecher, der gar nicht so ungewöhnlich und selten ist, leider ...
und das fremdbestimmt ist auch ein vorwurf, weil man daran gerne festhält, auch auf seiten vieler pflegenden, was man nicht glauben will, zuerst ist es aber mal nichts anderes als eine tatsache ...
und die doktorarbeit hat ein humanmediziner verfasst und damit seinen akademischen grad begründet ... nachzulesen im archiv der uni düsseldorf ... :-p
So, jetzt mal wieder Ernst hier!! :mad:
:D
Altenpflege in Deutschland am Bedarf vorbei gesteuert (http://www.stern.de/politik/panorama/:Altenpflege-Deutschland-Am-Bedarf/596627.html)
Interessant was die Herren Ärzte dazu sagen - auch das hier hat was mit Pflegeforschung zu tun. Zumindest ist der interviewte Herr hier ein Pflegeforscher. Irgendwie hat er Recht - nur ob diesmal jemand auf ihn hört?
RS-USER-Möhre
31.08.2007, 18:57
das war ernster, als du glaubst ....:grins:
aber zu der frage, ob dem jemand zuhört, auch wenn das so nicht hier hin gehört ... sagt dir der Begriff ppr was ??? damit sollte die frage dann auch schon beantwortet sein ....:(
RS-USER-Schädelspalter
31.08.2007, 19:08
Original geschrieben von Hörbird
...Zumindest ist der interviewte Herr hier ein Pflegeforscher...
..., der sich insbesondere auf das Gesundheitssystem und die Bedingungen, unter denen gepflegt wird bezieht - nicht auf die Frage, ob inkontinente Menschen häufiger gelagert werden. ;) SCNR
Original geschrieben von Hörbird
...Zumindest ist der interviewte Herr hier ein Pflegeforscher. Irgendwie hat er Recht - nur ob diesmal jemand auf ihn hört?
Deckt sich im Wesentlichen mit meinen Erfahrungen als indirekt Betroffener.
Wahrscheinlich ändert sich erst was, wenn es einen Pflegenotstand gibt, z.B. durch Nachwuchsmangel (wie neulich fast bei den Ärzten...). Ein Problem, das man durch Gesundheitssystem-Forschung (man könnte Pflegeforschung als einen Teil davon bezeichnen) oder durch "gesunden Menschenverstand" zwar recht früh erkennt - auf das die Politik aber erst dann reagiert, wenn es (fast) zu spät ist. :(
EDIT: Tippfehler
Original geschrieben von Möhre
...sondern um die notwendigkeit, pflege auf eine gesicherte und vor allem selbständige basis zu heben. vieles in der pflege ist leider immer noch tradition, und damit läßt sich grauslig schlecht argumentieren ...
und was deinen vergleich mit dem schreiner betrifft ... na ja, wenn der fertig ist mit seiner ausbildung, dann gibt seine innung ihm die richtlinien vor, die sich da nennt: die schreiner-innung...
Erreicht man proffesionalität dadurch, dass man jede Nachwuchspflegekraft in die FH, statt in in die Krankenpflegeschule schickt? Wäre nicht eine von Grund auf überarbeitete Ausbildung in der Krankenpflegeschule ausreichend? Was nutzt es den Patienten, wenn auf Station ausschließlich studierte Pflegewissenschaftler ( das wird teilweise von Funktionären gefordert ) arbeiten?
Ich habe nicht geschrieben, das man seine Tätigkeit mit Tradition begründen soll. Um mich selbst zu zitieren:
Original geschrieben von Con
... Natürlich muss man sein Handeln überprüfen, keine Frage, aber dazu muss nicht jede Pflegekraft studiert haben.
...
Ich lehne Pflegeforschung nicht ab, aber ich lehne es entschieden ab, das der ein oder andere "Funktionär" in den Berufsverbänden beruflich Pflegender fordert, die Pflegeausbildung müsse prinzipiell als Hochschulstudium absolviert werden.
Zum Schreiner: Die Innungen fordern aber nicht, das ein Schreiner alle x - Jahre seine Schreinerprüfung wiederholen muss oder das er im Jahr x - Fortbildungsstunden nachweisen muss. Wie ein Schreiner zu arbeiten hat, bekommt er durch Normen, Gesetze und Vorschriften vorgegeben, nicht von der Innung.
RS-USER-Möhre
04.09.2007, 14:07
Original geschrieben von Con
Erreicht man proffesionalität dadurch, dass man jede Nachwuchspflegekraft in die FH, statt in in die Krankenpflegeschule schickt? Wäre nicht eine von Grund auf überarbeitete Ausbildung in der Krankenpflegeschule ausreichend? Was nutzt es den Patienten, wenn auf Station ausschließlich studierte Pflegewissenschaftler ( das wird teilweise von Funktionären gefordert ) arbeiten?
Ich habe nicht geschrieben, das man seine Tätigkeit mit Tradition begründen soll. Um mich selbst zu zitieren:
Ich lehne Pflegeforschung nicht ab, aber ich lehne es entschieden ab, das der ein oder andere "Funktionär" in den Berufsverbänden beruflich Pflegender fordert, die Pflegeausbildung müsse prinzipiell als Hochschulstudium absolviert werden.
Zum Schreiner: Die Innungen fordern aber nicht, das ein Schreiner alle x - Jahre seine Schreinerprüfung wiederholen muss oder das er im Jahr x - Fortbildungsstunden nachweisen muss. Wie ein Schreiner zu arbeiten hat, bekommt er durch Normen, Gesetze und Vorschriften vorgegeben, nicht von der Innung.
man kann sicher darüber streiten, ob es notwendig ist, die ausbildung grundsätzlich an eine fh zu legen ... aber die notwendige überarbeitung der ausbildung reicht eindeutig nicht, denn so lange die ausbildung weiter an schulen bleibt, die abhängig von der ausbildungsstätte sind, sprich den krankenhäusern, halte ich den weg weg von der schule hin zur fh gar nicht für verkehrt. was ich aber gerne wissen würde: was fürchtest du eigentlich daran, wenn die nächste generation der krankenpflege von der fh kommt ?? daß sie deine stellung untergraben ??
und die schreiner ... also, wenn ich die qualität in der pflege so betrachte, und daran denke, daß es in anderen ländern in der pflege usus ist, regelmäßig seine qualifikation durch prüfungen zu belegen, da finde ich diesen gedanken eigentlich sehr gut ... es gibt in der pflege genügend hirnlose traditionalisten, die nach dem examen alles, aber auch wirklich alles vergessen, was sie mal gelernt haben, wenn sie mal gelernt haben, und wie sie als examinierte pflegen wollten ... das war schon immer so, und das wird auch immer so bleiben, gell ?? und: in wie weit verändert sich das wissen eines schreiners denn ??? ohne das schreinerhandwerk abwerten zu wollen, ich liebe es selber, mit holz zu arbeiten, und nicht mit holzköpfen, wohlgemerkt, aber: holz bleibt holz, an der bearbeitung ändert sich nicht wirklich was, und es gibt auch nicht wirklich viele neue erkenntnisse zum wachsen eines baumes ... ich weiß nicht, welches bild du von der pflege und der medizin hast, aber ich halte beides für sehr dynamisch in der entwicklung, und es erfordert ein ständiges lernen von neuem ....:cool:
Original geschrieben von Möhre
man kann sicher darüber streiten, ob es notwendig ist, die ausbildung grundsätzlich an eine fh zu legen ... aber die notwendige überarbeitung der ausbildung reicht eindeutig nicht, denn so lange die ausbildung weiter an schulen bleibt, die abhängig von der ausbildungsstätte sind, sprich den krankenhäusern, halte ich den weg weg von der schule hin zur fh gar nicht für verkehrt. was ich aber gerne wissen würde: was fürchtest du eigentlich daran, wenn die nächste generation der krankenpflege von der fh kommt ?...
Na gut, dann setzt man im Rahmen der inhaltlichen Überarbeitung die Azubis von morgen im Rahmen des echten dualen Ausbildungssystems in die Berufsschule. So wie beim Schreiner oder der Arzthelferin auch. ;) So sind die Schulen nicht mehr von mehr von den Krankenhäusern abhängig.
Was ich befürchte, wenn irgendwann einmal Pflegekräfte nur noch von der FH kommen? Ich befürchte, dass sich letztenendes nichts an der Pflegequalität ändert, ausser das sich die aufsichtsführende Pflegekraft dann nicht mehr mit Schwester Hildegard sondern mit Frau Müllermeier, Bachelor of Nursing vorstellt. Und noch viel mehr befürchte ich, das neben der einen studierten, aufsichtsführenden Pflegekraft pro Schicht nur noch angelernte Hilfskräfte auf Station rumrennen. Bringt das mehr Pflegequalität? Aber das ist alles Zukunftsmusik, bis es soweit ist, bin ich in Rente.
RS-USER-Nufragnich
05.09.2007, 17:47
Original geschrieben von Con
.
Was ich befürchte, wenn irgendwann einmal Pflegekräfte nur noch von der FH kommen? Ich befürchte, dass sich letztenendes nichts an der Pflegequalität ändert, ausser das sich die aufsichtsführende Pflegekraft dann nicht mehr mit Schwester Hildegard sondern mit Frau Müllermeier, Bachelor of Nursing vorstellt. Und noch viel mehr befürchte ich, das neben der einen studierten, aufsichtsführenden Pflegekraft pro Schicht nur noch angelernte Hilfskräfte auf Station rumrennen. Bringt das mehr Pflegequalität?
Ganz so sehe ich das nicht. Zum einen steigen die Anforderungen im Pflegeberuf immer mehr. Schon jetzt ist das normale Ausbildungssystem an der Schule nicht mehr geeignet, Personal auszubilden, dass wirklich geeignet ist.
Mit geeignet meine ich vor allem, die Bereitschaft auch Verantwortung zu übernehmen und sich nicht hinter dem Team zu verstecken.
Hier nur ein Beipiel von x anderen (ich hab so'n Hals, wenn ich überlege, was in der Praxis so abgeht und ich habe zum Teil volles Verständnis, wenn sich einige Ärzte beklagen, dass Pflegepersonal sei unqualifiziert ...:-kotz )
Also: Thema Pneumonieprophylaxe. Mein echtes Hass - Thema, mir klapen schon wieder die Fussnägel hoch, wenn ich nur dran denke! :mad: Eigentlich sollte die Pneumonieprophylaxe eine der Basistätigkeiten einer Pflegekraft sein, immer hin gibt es genug Patienten die daran sterben. Was macht die qualifizierte Kraft von heute? Sie schmiert dem Patienten irgend ein kühlendes Gel auf dem Rücken und denkt, sie hätte wunder was getan!
Man, ich hab schon wieder 180 Puls...!
Eigentlich sollten sie von der Ausbildung her in der Lage sein, unter einer Vielzahl prophylaktischer Maßnahme eine für die jeweilige Situation geegnete heraus zu suchen. Was machen sie? Sie warten, bis ihnen der Arzt irgendwetwas anordnet! Ich habe in drei Jahren Ausbildung nicht ein einziges Mal erlebt, das eine Pflegekraft zumindest mit einem Vorschlag an den Arzt herangetreten ist! NEIN, sie warten, bis sie etwas angeordnet bekommen. Dabei gehört es in die Kompetenz der Pflege, dies anzuordnen, nicht der Ärzte! Aber da sich die Pflege da ja elegant zurückhält, muss ja der Arzt die Entscheidung treffen. Neulich, und da stand ich wirklich kurz vor der Explosion, meinte ein Arzt während der Visite zur Schwester: Also hier müsen wir mal Pneumonieprohylaxe machen. Du kannst Dir aussuchen, entweder Triflow oder CPAP. Was macht die Schwester? Ohne zu zögern entscheidet sie sich für Triflow, da sie vom CPAP keine Ahnung hat.
Da könnt ich sowas von :-kotz
Zum einen, ich würde mich sowas von schämen, wenn ich als Plfeger nicht selbst aus die Idee komme, da etwas zu tun. Und dann, entscheidet sie sich für Triflow! Ich habe den Patienten danach übernommen und es war auf Grund von Demenz völlig unmöglich. Trotz intensiven Anleitens, da war nichts zu machen, da war CPAP, die besser Wahl. Hier wurde also wieder ohne SInn und Verstand gearbeitet. Um jetzt wieder zum Thema zu kommen: Ich denke, eine akademische Grundausbildung würde einfach viel dazu beitragen, nicht nur eine größere fachliche Kompetenz zu schaffen, sondern auch das nötige Selbstbewußtsein, DInge selbst zu beurteilen und zu entscheiden, aber dann dafür auch die rechtliche Verantwortung zu übernehmen. Auf welchen geringen Niveau wir als Pflegende hier arbeiten zeigt ein Blick auf die internationalen Pflegediagnosen nach NANDA. HIer wird der (amerikanischen) Krankenschwester bei der Pneumonieprophlaxe empfohlen:
"Auskultation des Thorax und geziehlte Annamnese, um das Risiko
einzuschätzen, Beurteilung des Röntgenbildes, danach Verordnung geeigneter Massnahmen. Regelmäßige Überprüfung durch Auskultation". Welche Krankenschwester kann das hier?
Eben.
Dabei geht es da nicht um irgendwelche Diagnostik, also um ärztliche Aufgaben, sondern um Prophylaxe, die ureigenste Pflegeaufgabe. Das ist nur ein Beipiel, was verbesserte Ausbildung der Pflege bwirken kann.
Zum anderen: Die akademische Grundausbildung ist in vielen Ländern schon lange üblich. Einjährif ausgebildete Kräfte übernehmen die Grundpflege, machen Betten, verteilen das Essen, und die Schwestern machen den Rest. So gibt es endlich Zeit, sich um DInge zu kümmern, die sonst nicht möglich sind: Zum Beispiel fundierte Anleitung und Beratung, Medikamentenschulungen, physiotherapeutische Übungen, Diätberatung, mehr Zeit für Prophylaxen usw.
Damit steigt meiner Ansicht die Pflegequalität. Daher macht es Sinn, die Grundausbildung an die Uni zu verlagern.
Gruß
RS-USER-Möhre
05.09.2007, 22:40
Original geschrieben von Con
Na gut, dann setzt man im Rahmen der inhaltlichen Überarbeitung die Azubis von morgen im Rahmen des echten dualen Ausbildungssystems in die Berufsschule. So wie beim Schreiner oder der Arzthelferin auch. ;) So sind die Schulen nicht mehr von mehr von den Krankenhäusern abhängig.
Was ich befürchte, wenn irgendwann einmal Pflegekräfte nur noch von der FH kommen? Ich befürchte, dass sich letztenendes nichts an der Pflegequalität ändert, ausser das sich die aufsichtsführende Pflegekraft dann nicht mehr mit Schwester Hildegard sondern mit Frau Müllermeier, Bachelor of Nursing vorstellt. Und noch viel mehr befürchte ich, das neben der einen studierten, aufsichtsführenden Pflegekraft pro Schicht nur noch angelernte Hilfskräfte auf Station rumrennen. Bringt das mehr Pflegequalität? Aber das ist alles Zukunftsmusik, bis es soweit ist, bin ich in Rente.
na ja, in der fachkrankenpflege gibt es diese forderung schon heute, und so ganz unberechtigt ist sie nicht ... kennst du das schreiben von meister notz ??
Es ist ja schön und gut wenn man sagt das die Pflegekräfte keine Ahnung mehr von dem haben was sie machen sollen, sprich Prophylaxen u.ä. (wo ich auch offen gestehe: Ich hab auch wenig Ahnung davon)
Aber woran liegt das denn?
Den größten Teil meiner Ausbildung verbrachte ich mit Kaffee- und Essenausteilen und Geschirr einsammeln und Patienten wie am Fließband abschrubben ohne überhaupt Zeit für Prophylaxen zu haben, ausser vielleicht an guten Tagen mal ne (Pseudo) ASE während ner Praxisanleitung.
Und jetzt als Examinierte?
Telefonieren, Essenskarten schreiben, Bestellungen machen und ausräumen, Befunde abheften (manchmal ne Stunde am Stück), hinter den Docs herräumen.
Da geht die ganze Professionalität irgendwann flöten.
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