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RS-USER-Rettungsente
18.01.2011, 17:11
Aus gegebenem Anlass will ich mal wenn hier eh schon die Abschiedswelle losgeht darauf verweisen, das sich in meinem beruflichen Dasein seit dem 1. Januar auch etwas verändert hat:

Märkische Oderzeitung:http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/277817/
DRK nimmt Abschied vom Rettungsdienst

Beeskow (moz) „Ruf mal das Rote Kreuz“, Rettungsassistent Jörg Wüstenberg ist sich sicher, dass die Leute noch in Jahren nach dem DRK verlangen werden, wenn sich ein Notfall ereignet. Tief verwurzelt sei die Tradition, dass das Rote Kreuz Menschen rettet.

Zur Erinnerung: Der Fürstenwalder Rettungswachenleiter Mirko Venz überreichte am Montag in Beeskow seinem ehemaligen Chef, dem DRK-Geschäftsführer Klaus Bachmayer ein Foto. © MOZ/Jörn Tornow

Im Landkreis Oder-Spree ist jetzt alles anders, auch wenn der Bürger den Wechsel nicht spürt. Zum 1. Januar hat der Landkreis den Rettungsdienst in eigene Regie übernommen, bedient sich nicht mehr der Hilfsorganisationen Johanniter und DRK, ihre Verträge wurden nicht mehr verlängert. Aber fast alle 140 Rettungssanitäter und -assistenten wurden in die kreiseigene GmbH übernommen.

Auch wenn die Hilfsorganisationen nicht begeistert davon waren, dass man ihnen wichtige Auftragssäulen abschnitt, schien der „Betriebsübergang“ relativ friedlich über die Bühne zu gehen. Nur am Jahresende gab es einen Eklat, als der Märkischen Oderzeitung bekannt wurde, dass die Mitarbeiter des DRK um ihre Dezember-Gehälter fürchten mussten.

Hier offenbarte sich der tiefe Zwist zwischen Landkreis und DRK, zwischen Ordnungsdezernent Michael Buhrke und DRK-Geschäftsführer Klaus Bachmayer. Weil der Kreis die letzte Abschlagszahlung in Höhe von 250 000 Euro, die immer Mitte des Monats beim DRK eintraf, verweigerte, sah sich Bachmayer außerstande, die Gehälter zu zahlen. Die Machtprobe misslang, letztlich überwies er kurz vor Ultimo doch noch das Geld an seine 
86 Rettungsdienst-Mitarbeiter. Der Kreis, so kritisiert Bachmayer, habe damit die gesamte Liquiditätsplanung des DRK durcheinander gebracht. „Wir sind sehr enttäuscht vom Kreis, weil wir in der Vergangenheit unsere Zahlungen auf den Tag genau geleistet haben und auch die überzahlte Summe vertragsgemäß zurückgezahlt hätten“, so Bachmayer gestern bei einem Besuch in Beeskow.

Aber genau hier scheiden sich die Geister zwischen DRK und Kreis. Dezernent Buhrke ist sich sicher, richtig gehandelt zu haben. Das DRK sei bei einem Betriebsübergang verpflichtet, „spitz“ abzurechnen, das sei lange bekannt gewesen, deswegen habe der Kreis die 250 000 Euro nicht mehr überwiesen.

Klaus Bachmayer versichert, dass das DRK Märkisch-Spree (derzeit noch 850 Mitarbeiter) dennoch keine Liquiditätsprobleme habe. Er hofft, dass die DRK-Mitglieder unter den Rettungsassistenten und -sanitätern seiner Hilfsorganisation weiter ehrenamtlich die Treue halten. Die kleinen Geschenke, die er gestern überreichte, sollen dabei helfen.

Das DRK nimmt Abschied von seinen Mitgliedern, die als Rettungssanitäter und -assistenten gearbeitet haben. Geschäftsführer Klaus Bachmayer bedankt sich und hofft, dass sie der Hilfsorganisation ehrenamtlich treu bleiben, auch wenn sie den Arbeitgeber wechselten. Der Kreis betreibt jetzt selbst den Rettungsdienst.