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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Heftige Zweifel am Studium



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Kiddo
17.02.2012, 19:19
Du könntest ja später immer noch Philosophie als Zweitstudium dran hängen :).

saipro
17.02.2012, 20:44
Um es kurz zu machen:
Wechsel das Studienfach!
Wenn dir Medizin aus dem "theoretischen" Blickwinkel heraus zu profan ist, dann studiere Biochemie, Chemie, Physik, Molmed etc...

Und mach den Platz frei, für jemanden der den Studienplatz schätzt.


Die Arroganz der Heidelberger!
Zum Abkotzen! :-oopss

Wenn ich dir sagen würde, dass ich schon weiter bin als du im Studium?


Anscheinend hast du obwohl du weiter bist im Studium immer noch keinen Umgangston erlernt. Vlt auch ein Problem im Studium? Ob man seinen Studienplatz schätzt oder nicht ist eine Privatsache. (Es ist schließlich "sein Studienplatz")

Ich kann das ganze sehr gut nachvollziehen. Ich studiere Medizin aber bin auch der Meinung, dass die Philosophie und Ethik im Studium zu kurz kommt. Ein Wenig Einführung in Logik würde den meisten im Studium auch helfen. Ich besuche momentan parallel auch Philosophievorlesungen aber ich bleibe denoch bei Medizin. Warum? Weil Philosophie zwar eine berreicherndes Fach ist aber leider nur mäßig geeignet ist eine Familie zu ernähren.

salvo errore
18.02.2012, 10:43
Ich halte mich auch für einen philosophisch veranlagten Menschen und habe kurz vor dem Studium mal mit mir gehadert, ob ich nicht doch lieber Literaturwissenschaft studieren will - letztendlich habe ich das ad acta gelegt, weil man Literatur/Philosophie/Geisteswissenschaften allgemein sehr gut nebenbei als Hobby betreiben kann, die Medizin dagegen nicht.

Und ich habe es in keinem einzigen Moment bereut. Ich liebe dieses Studium. Manchmal komme ich mir ganz komisch vor, weil alle jammern, dass sie nur auswendig lernen und sich in der Vorlesung langweilen und schon wieder zum doofen Bedside-Kurs müssen, und mir selbst ist so extrem selten nach jammern zumute (sondern eher nach mehrmehrmehr Wissen :-blush). Und zwar hast du da einen sehr passenden Satz gebracht:

Für mich persönlich schwingt die "Antwort" nirgendwo so sehr mit wie in der Medizin. Ich kann tatsächlich nicht gut in Worte fassen, warum das so ist, aber ich habe des Öfteren das Gefühl, etwas sehr Wichtigem sehr nahe gekommen zu sein. Und ich rede mir gerne ein, dass das nach dem Studium (=bei der Arbeit als Arzt) noch ausgeprägter der Fall sein wird. (Und wehe jetzt versucht wieder jemand, meine Seifenblase zum Platzen zu bringen! :-D)
Und in keinem anderen Fach hat man eine solche Vielfalt wie in der Medizin... mir wäre zum Beispiel "nur" Biochemie zu eingeschränkt in der Sichtweise.

Es ist ja auch jeder seines Glückes Schmied; man kann sich das Studium ja so gestalten, dass man zufrieden damit ist. Ich lege jetzt zum Beispiel ein Jahr Pause für eine aufwendige Doktorarbeit ein... um auch mal selbst was zu leisten und nicht nur vom Wissen anderer zu profitieren. ;-)

Ich hoffe übrigens schwer, dass sich die Suche nach dem "Verständnis, was die Welt..." nicht im Lauf des Lebens einfach legt. :-)

Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, mir so ausführlich zu antworten. Ich muss sagen, dass ich wirklich Freude am Lesen und an deiner positiven Einstellung hatte. :) Wohl habe ich meine Chancen und Möglichkeiten unter dem Druck des ersten Semesters auch einfach außer Acht gelassen, aus der Ferne sieht das nun schon weitaus anders aus. Das mit deiner Doktorarbeit finde ich wirklich klasse, vor allem, da der deutsche "Dr. med" international ja sehr in Verruf geraten ist bzw. gar nicht anerkannt wird.
Das, was du über ähnliche Fächer (Beispiel Biochemie) schreibst, dachte ich mir bei der Studienwahl auch. Deshalb bin ich ursprünglich auch von anderen Naturwissenschaften ziemlich abgekommen... Mittlerweile überlege ich, Philosophie als Fernstudium zum Beispiel an der Uni Hagen einfach parallel hinzuzunehmen.

Also nochmal danke! Es ist wahnsinnig toll, wenn jemand für sein Fach lebt. Wirklich mitreißend! :-) Hat mich jedenfalls zum Nachdenken gebracht, ob ich das Ganze nicht zu eng gesehen habe, da ich mich in deinem Text doch auch wiederfinde.

salvo errore
18.02.2012, 11:09
Auch ich kann deine Bedenken gut nachvollziehen - weiß natürlich auch nicht, wie du dich am besten entscheiden solltest. Als Mediziner hat man aber sicherlich einen konkreten und praktischen Bezug zu Mensch und Menschheit und den wesentlichen Ereignissen die seine Körperlichkeit betreffen (Krankheit und Gesundheit, Leben und Sterben, Geburt und Tod) - einen Bezug, den keine andere Berufsgruppe hat. Egal wofür du dich schließlich entscheidest, schadet es wahrscheinlich nicht, diese Bezüge hautnah mitzuerleben (siehe Karl Jaspers zum Beispiel, oder die unzähligen Arzt-Schriftsteller).

Ich hätte auch gern Philosophie studiert und mache das vielleicht auch noch irgendwann, bin aber im Endeffekt sehr froh, meinen Schwerpunkt nicht gleich dort gesetzt zu haben: ich finde, dass es es in der Medizin sehr gut gelingt, "auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben". Gerade ein gedankenvoller Mensch neigt ja doch zum ausgiebigen Abstrahieren und Hinterfragen - auch der eigenen Entscheidungen, Sinnhaftigkeit gewisser Tätigkeiten etc. In der Medizin gelingt ganz gut eine pragmatische Antwort zu finden.. "Da ist ein Mensch, ein Körper, vielleicht kann ihm helfen, wäre schön." - ich finde das ist ein guter komplementärer Pol für die Persönlichkeit.



Es gibt tausende Beispiele - mir gefällt auch der Ansatz Viktor von Weizsäckers (Neurologe), die Medizin als potenziell allumfassende anthropologische Wissenschaft zu begreifen. Und tatsächlich umfasst sie ja doch eigentlich alles, was den Menschen ausmacht - man kann fast jeden erdenklichen geisteswissenschaftlichen Ansatz integrieren (Psychologie, Philosophie und Ethik, Soziologie, Kulturwissenschaften, Kunst).. Natürlich sollte man sich nicht anmaßen, all das gleichzeitig zu sein, aber mit einer gewissen Bescheidenheit kann man seine Gedanken doch umfassend ausbreiten. Das gibt es sonst eigentlich nirgends, soweit ich weiß.



Es ist sicher kein Zufall, dass es doch sehr viele derart angehauchte Persönlichkeiten in die Medizin treibt. Die Frage ist halt, ob du damit klarkommst, dass die Beschäftigung mit Philosophie etc. (vor allem im Berufsleben) wahrscheinlich immer sekundärer Natur sein wird. Obwohl du eigentlich zwei Optionen hast: einerseits Arzt als sinnvoller Brotverdienst und Erfahrungsgewinn, nebenbei deiner Schöngeisterei nachgehen. Andererseits könntest du ja auch als Psychiater, Neurologe oder klinischer Neurowissenschaftler arbeiten und hättest doch irgendwie einen direkten Bezug zu manchen deiner angesprochenen Themen. Aber, wie man in Wien so schön sagt: alles, nur keinen Stress.

Zum Abschluß noch ein Zitat (ich kann's nicht lassen):

Ich hatte von Goethe immer nur die Xenie "Ärzte" im Kopf:

Wissen möchtet ihr gern die geheime Struktur des Gebäudes,
Und ihr wählt den Moment, wenn es in Flammen gerät.
Das spricht wahrscheinlich auch für meine enge Sicht der Dinge. Muss man wohl doch auch annehmen, dass man gerade auch durch Erkenntnis über den kranken Körper auch etwas über denselben im gesunden Zustand lernt. Ich bin jedenfalls sehr froh über deine Antwort und glaube, dass sie mir weiterhilft. Ich muss zugeben: Als wir vor ein paar Jahren mal in der Schule Brechts Lebenslauf durchgenommen haben mit der Angabe 'Studium der Medizin, Literatur und Philosophie' - wenn das auch jäh unterbrochen wurde - dachte ich: So würde ich das auch gerne machen. (Ich meinte damit aber nicht, dass ich mir anmaße, ein zweiter Brecht zu werden, ging nur um die Studiengangskombination.) Dabei kann man von Brechts literarischen resp. dramatischen Ergüssen ja halten, was man will.
Ich sehe die Reihe von männlichen Arzt-Schriftstellern/-Philosophen, die du mir da aufgezählt hast, jedenfalls so, dass es da an der Zeit ist, dass da mal eine Frau antritt. ;) Also werde ich mal sehen, ob das was wird. :)
Ich weiß zwar noch nicht genau, was ich genau will, aber abbrechen werde ich das Studium vorerst nicht.

salvo errore
18.02.2012, 11:18
Du könntest ja später immer noch Philosophie als Zweitstudium dran hängen :).

Ja, ich glaube auch, das wäre die beste Lösung. : )

salvo errore
18.02.2012, 11:28
Mal als Anregung, was man mit einem Medizinstudium auch machen kann:

http://www.cicero.de/kapital/mit-marcel-proust-auf-spurensuche/38109

Und das ist jetzt nur ein kleiner Ausschnitt aus einem interdisziplinären Forschungsgebiet. Ein anderer Ausschnitt wäre das Marsilius-Kolleg (http://www.uni-heidelberg.de/exzellenzinitiative/zukunftskonzept/marsilius_de.html). Und es gibt noch ganz viele weitere Ausschnitte (Max-Planck-Institut?). Das alles wüsstest Du natürlich, wenn Du Dich mit dem Thema mal ernsthaft beschäftigt hättest und wüsstest, wie Google funktioniert.
Danke, aber das ist mir keineswegs unbekannt. Man sucht sich nun mal seine Ängste und Gedanken nicht aus und ich wollte mich hier eben nur einmal austauschen. Im Gespräch mit anderen in eventuell ähnlichen Situationen oder zumindest mit solchen, die auch schon einmal Ähnliches dachten, fällt es mir eben leichter, meine Situation zu beurteilen. Mag sein, dass mancher das albern findet oder mich als schwächlich oder zu faul, mir eigene Gedanken zu machen, ansieht - damit muss ich leben. Du kannst mir das glauben oder nicht, aber ich bin nicht desinformiert über meine Möglichkeiten im informationstechnischen Sinne und habe in Gedanken schon alles vor- und zurückgewendet. Nun herrschte einfach Chaos im Kopf, was zu einer Krise über die Wahl des Studienfachs geführt hat. Kann vorkommen.

WackenDoc
18.02.2012, 11:29
Dir ist aber schon aufgefallen, dass sich die Medizin seit Brechts Zeiten a klein weng geändert hat, oder?
Wenn du deine Interessen in der Medizin ausleben willst, sehe ich für dich nur ne Chance in der Medizinethik.
Vielleicht noch in Gebieten wie der Neonatologie und Intensivmedizin. Aber auch da wirst du so viel mit der "normalen" Arbeit zu tun haben und dich an die Maßgaben deiner Oberärzte und Chefs halten müssen, dass es auch da sehr schwer werden wird.

Ich glaube nicht, dass du die Antworten auf deine Fragen in der Medizin finden wirst.

In welche Fachrichtung willst du eigentlich, wenn du mal mit dem Studium fertig bist?

ehem-user-02-08-2021-1033
18.02.2012, 13:26
Anscheinend hast du obwohl du weiter bist im Studium immer noch keinen Umgangston erlernt. Vlt auch ein Problem im Studium? Ob man seinen Studienplatz schätzt oder nicht ist eine Privatsache. (Es ist schließlich "sein Studienplatz")


Und ob man eine Meinung hat und welche ist nicht nur Privatsache, sondern ein Grundrecht.
Da die Eingangsfrage gestellt wurde, habe ich sie entsprechend meiner Meinung beantwortet.

Es ist doch keine Schande, wenn man Molekularmedizin, Biochemie etc. studiert.
Gerade im Bereich der Evolutionsbiologie gibt es durchaus "philosophische" Ansätze.

Aber offensichtlich habe ich auch dein Ego verletzt:
Deswegen entschuldigung! Mea culpa!

P.S.:
Jemanden pauschal Probleme im Studium (=Inkompetenz) zu unterstellen entspricht auch nicht der feinen Art.

konstantin
18.02.2012, 16:04
Ich sehe die Reihe von männlichen Arzt-Schriftstellern/-Philosophen, die du mir da aufgezählt hast, jedenfalls so, dass es da an der Zeit ist, dass da mal eine Frau antritt. ;) Also werde ich mal sehen, ob das was wird.

Ey Leute, jetzt mal im Ernst...

Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht in einer Zeit, in der es außer Jura, Medizin und Theologie fuer einen aufstrebenden Akademiker und Intellektuellen schlichtweg kaum eine andere Studienmoeglichkeit gab. Außerdem ist die moderne Medizin nur noch vage mit dem vergleichbar, was die Leute studiert haben, die ihr hier angerissen habt. Wer weintrinkend und pfeiferauchend ueber das Elend dieser Welt schwadronieren moechte, der soll das bitte tun. Aber wobei ein Medizinstudium da behilflich sein soll, ist mir ehrlich gesagt ein Raetsel.

Die Medizin ist keine Geisteswissenschaft und wird es auch niemals sein. Und ob sechs Jahre naturwissenschaftliches Studium fuer einen aufstrebenden "Schriftsteller und Ethiker" unbedingt sein muessen...

karnail
18.02.2012, 16:34
Ey Leute, jetzt mal im Ernst...

Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht in einer Zeit, in der es außer Jura, Medizin und Theologie fuer einen aufstrebenden Akademiker und Intellektuellen schlichtweg kaum eine andere Studienmoeglichkeit gab. Außerdem ist die moderne Medizin nur noch vage mit dem vergleichbar, was die Leute studiert haben, die ihr hier angerissen habt. Wer weintrinkend und pfeiferauchend ueber das Elend dieser Welt schwadronieren moechte, der soll das bitte tun. Aber wobei ein Medizinstudium da behilflich sein soll, ist mir ehrlich gesagt ein Raetsel.

Die Medizin ist keine Geisteswissenschaft und wird es auch niemals sein. Und ob sechs Jahre naturwissenschaftliches Studium fuer einen aufstrebenden "Schriftsteller und Ethiker" unbedingt sein muessen...

Ich denke, darum geht es gar nicht. Und dass dir das ein Rätsel ist, sagt eigentlich nur aus, dass du eben keinen Sinn für die angesprochenen Themen zu haben scheinst. Wie philosophisch verwertbar zum Beispiel die medizinischen Inhalte des Studiums sind, hängt eben von der Brille ab, durch die man die Welt sieht.
Diejenigen, welche ihre Berufung nur im Praktischen sehen, werden eben nach dem Studium ihren Fokus dort setzen. Andere sehen ihre Entfaltung eher im Bereich Wissenschaft und/oder der Verknüpfung zwischen Praxis und Theorie. Bei letzterem spielen m. E. sprachliche Kompetenzen und Weitblick (gerade interdisziplinär) eine große Rolle. Zumindest wenn es nicht nur darum geht, Medikamte oder Therapien zu erforschen, sondern auch allgemein etwas zum Diskurs über den Menschen im 21. Jahrhundert beizutragen.
Es gibt heutzutage viele Programme, die Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler an einen Tisch bringen, zum Beispiel das bereits erwähnte Marsilius-Kolleg in Heidelberg, die School of mind and brain in Berlin und viele weitere. Gerade wer eine Affinität zum Thema Gehirn und Geist aufweist, wird sicher fündig (Talent vorausgesetzt). Vielleicht verwehrt dir dein doch etwas einseitiger Horizont des Rätsels Lösung. Das meine ich nicht als Affront, es ist völlig in Ordnung, wenn man sich in den drei Dimensionen seines Faches wohl fühlt und damit bist du als praktizierender Arzt womöglich auch besser geeignet als jemand, der der Theorie auch sehr zugeneigt ist. Aber auch darüber kann man streiten. Jedenfalls kann man mit der Medizin einiges mehr anstellen, also nur in den Mauern von Anamnese, Diagnose und Therapie kleben zu bleiben.

Herzkasperl
18.02.2012, 16:36
Ich denke, es sollte kein Problem sein, in Philosophie ein paar Scheine nebenher zu machen. Ich hab das damals auch neben meinem Erststudium gemacht und bin darüber heilfroh. Ich kenne viele, die im mittleren Alter sich dann sehr dafür interessieren, aber keine Zeit für die Uni haben. Und als 60-jähriger dann die Hörsäle bevölkern, nun ja, wer es mag.

Und dann kommt noch eine andere Erfahrung bei mir hinzu: Ich finde es toll, zwei Sachen nebeneinanderher zu betreiben. Dass dann natürlich nicht beides mit 100% geht ist klar - muss es aber auch nicht. Falls Du es Dir also finanziell leisten kannst, würde ich an Deiner Stelle mal eine ordentlich Portion Abwechslung in den Stundenplan nehmen, ein paar Fächer in Medizin abwählen und auf später verschieben (bei uns geht das unproblematisch) unter Inkaufnahme, dass Du dann eben ein bisschen länger für Medizin brauchst. Aber das macht nichts, wenn Du mit Deiner zeit was sinnvolles (und Philosophie schadet sicher nicht) in der Zeit gemacht hast. Das Medizinstudium gleich ganz hinschmeißen würde ich nicht, wenn man die Chance hat, ein bisschen parallel zu agieren.

magertopfen
18.02.2012, 17:16
Ey Leute, jetzt mal im Ernst...

Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht in einer Zeit, in der es außer Jura, Medizin und Theologie fuer einen aufstrebenden Akademiker und Intellektuellen schlichtweg kaum eine andere Studienmoeglichkeit gab. Außerdem ist die moderne Medizin nur noch vage mit dem vergleichbar, was die Leute studiert haben, die ihr hier angerissen habt. Wer weintrinkend und pfeiferauchend ueber das Elend dieser Welt schwadronieren moechte, der soll das bitte tun. Aber wobei ein Medizinstudium da behilflich sein soll, ist mir ehrlich gesagt ein Raetsel.

Die Medizin ist keine Geisteswissenschaft und wird es auch niemals sein. Und ob sechs Jahre naturwissenschaftliches Studium fuer einen aufstrebenden "Schriftsteller und Ethiker" unbedingt sein muessen...

Die Medizin mag sich seit damals verändert haben, aber die grundlegenden Themen, mit denen man als Mediziner und Arzt konfrontiert wird, sind die selben geblieben - davon abgesehen gibt es auch viele aktuell praktizierende Ärzte und Ärztinnen, die privat schreiben, Philosophie betreiben, Köche oder Musiker sind - wen geht das etwas an? Niemand hier hat behauptet, dass ein Medizinstudium der perfekte erste Schritt für eine Philosophen- oder Schriftstellerkarriere sei, aber für den einen oder anderen ergibt es sich vielleicht - wo liegt das Problem? Alle anderen finden vielleicht in der Arbeit am Menschen oder in der hier auch angesprochenen Wissenschaft ihren Zugang zu den für sie interessanten Themen. Das macht Medizin finde ich spannend: für die einen ist es eine reine Naturwissenschaft und hat mit Geisteswissenschaft nichts zu tun, andere sehen durchaus Schnittstellen und Möglichkeiten zur Integration. Natürlich ist die Praxis der Medizin selbst naturwissenschaftlich und das muss auch so sein: zum Beispiel haben Späße wie Anthroposophie oder andere geistig abgeleitete Therapieformen (Homöopathie) da überhaupt nichts verloren.

Und die Bitterkeit wegen Studienplätzen (von wegen "wer ihn wirklich verdient hat") werde ich nie verstehen - wer einen Studienplatz hat, der hat sich in welchem System auch immer (EMS, Numerus clausus, etc.) bewährt und darf dann bitteschön auch studieren, auch wenn er später vielleicht doch Florist werden möchte.

Peter_1
18.02.2012, 18:41
IVielleicht verwehrt dir dein doch etwas einseitiger Horizont des Rätsels Lösung. Das meine ich nicht als Affront, es ist völlig in Ordnung, wenn man sich in den drei Dimensionen seines Faches wohl fühlt und damit bist du als praktizierender Arzt womöglich auch besser geeignet als jemand, der der Theorie auch sehr zugeneigt ist. Aber auch darüber kann man streiten. Jedenfalls kann man mit der Medizin einiges mehr anstellen, also nur in den Mauern von Anamnese, Diagnose und Therapie kleben zu bleiben.


Ich finde diese beeindruckende Selbstherrlichkeit immer wieder belustigend, auch einem "praktizierendem" Arzt schaden offener Geist, Weitblick und mehrdimensionales Denken nicht, umgekehrt schadet einem "Theoretiker" ein gewisser Pragmatismus auch nicht. Allen Menschen schadet gewiss nicht mal über sich selber lachen zu können und eine gewisse Bodenhaftung. Aber ihr seit ja gefühlte Geistesgrössen (im ersten Semester) und seht eure Zukunft im Diskurs und in der Forschung... sorry ich finde es manchmal echt witzig, die Landung wird irgendwann kommen. Macht doch einfach Medizin und vergesst darüber nicht, dass ihr noch andere wichtige Interessen habt, sucht euch in der Medizin was aus was euch Spass macht, wenn ihr Lust und Muße habt, geht in Philosophievorlesungen, zu Geigenstunden, schreibt Romane, studiert parallel Physik was auch immer. Macht es einfach wie die anderen auch, aber kommt zwischendurch mal wieder auf den Boden, das hilft auch als Theoretiker.

WackenDoc
18.02.2012, 18:50
Es gibt übrigens auch andere Menschen, die sich musisch, philosophisch, geisteswissenschaftlich etc. interessieren. Das ist ganz sicher kein Privileg von Medizinern.

@Peter: Hier fehlt definitiv ein "gefällt mir"- Button.

Edit: Vielleicht werdet ihr ja in Witten-Herdecke glücklich.

Thunderstorm
18.02.2012, 19:10
@ salvo errore
Ich musste, als ich Deinen Eingangspost gelesen habe, ganz spontan an Prof. Harald Lesch denken. Er hat in München den Lehrstuhl für theoretische Astrophysik und unterrichtet zudem noch Naturphilosophie. Vielleicht sagt Dir ja die Sendung "alpha Centauri" was? Oder seine Bücher: Kosmologie für Fußgänger, die großen Denker etc.? Irgendwie passt das auf Deine Wünsche im Eingangspost viel besser als Medizin. Aber gerade Astrophysik ist halt auch nicht jedermanns Sache ;-) war nur so mein erster Gedanke...

magertopfen
18.02.2012, 19:39
Interessant, wie dieser Thread auf einmal so einen leicht gehässigen Unterton bekommen hat.

Wieso sollten das "zwei Fronten" sein - die "vermeintlich Intellektuellen" und die "bodenständigen Pragmatiker"? Peter_1 trifft es doch ganz gut - beide Elemente sollte man bestenfalls in die eigene Persönlichkeit einkehren lassen. Oder auch nicht! Das muss wohl jeder selbst entscheiden, aber dann halt nicht über jene urteilen, die das sehr wohl gerne machen würden. Ich finde, weder der Philosoph kann den Unfallchirurgen wegen dem Grad an Intellektualität seiner Arbeit tadeln, noch umgekehrt (was davon öfter vorkommt, überlasse ich der Fantasie). Ich finde wie erwähnt bei gegebenem Interesse die Medizin für "philosophisch angehauchte, aber halt nicht 100%"-Personen ganz gut, da es den Aspekt des Pragmatischen gut einbringt aber doch an manchen Schnittstellen zum Weiterdenken einlädt.

Auch hat hier niemand davon gesprochen, Musisch-philosophisches wäre Privileg von Medizinern - was für eine absurde Unterstellung. Wärst du so nett zu erklären, wie du darauf kommst und wer das vermeintlich gesagt oder impliziert haben soll, WackenDoc?

WackenDoc
18.02.2012, 19:45
Es wurde hier ja mehrfach gechrieben, dass es einige Mediziner gibt, die gleichzeitig Philosophen, Musiker und/oder Schriftsteller sind/waren. Zusammen mit dem restlichen Text kam es für mich so rüber, als ob das eine Besonderheit von Medizinern wäre.

Für mich stellt sich so langsam die Frage, worum es in dieser Diskussion überhaupt geht: Darum, dass man Antworten auf philosophische Fragen in der Medizin findet, darum,dass man eigene philosophische Interessen im Beruf des Mediziners auslebt oder darum, dass man Philosophie mehr als Hobby neben dem eigentlichen Studium betreibt.
Ursprünglich ging es doch in diesem Thread doch eher um die ersten beiden Punkte.


Zumindest wenn es nicht nur darum geht, Medikamte oder Therapien zu erforschen, sondern auch allgemein etwas zum Diskurs über den Menschen im 21. Jahrhundert beizutragen.
...
Vielleicht verwehrt dir dein doch etwas einseitiger Horizont des Rätsels Lösung. Das meine ich nicht als Affront, es ist völlig in Ordnung, wenn man sich in den drei Dimensionen seines Faches wohl fühlt und damit bist du als praktizierender Arzt womöglich auch besser geeignet als jemand, der der Theorie auch sehr zugeneigt ist. Aber auch darüber kann man streiten. Jedenfalls kann man mit der Medizin einiges mehr anstellen, also nur in den Mauern von Anamnese, Diagnose und Therapie kleben zu bleiben
Solche Passagen kommen schon ziemlich arroganz rüber.

magertopfen
18.02.2012, 19:59
Hinsichtlich einer der genannten "Doppelberufungen" ist es tatsächlich so, dass sich unter Medizinern überdurchschnittlich zahlreiche finden - bei den Schriftstellern. Zumindest laut Literaturwissenschaftler Horst-Jürgen Gerigk: "Hinzuzufügen bleibt, dass weder unter Ingenieuren, Chemikern, Architekten oder Biologen die Zahl berühmter Dichter so groß ist wie unter den Ärzten. Kurzum die Medizinische Fakultät ist auf diesem Feld ungeschlagen [...]" (von Engelhardt und Gerigk 2005 in "Literatur und Medizin" von Bettina von Jagow und Florian Steger, 16f.)

Worum es in einer Diskussion geht, darf sich meiner Ansicht nach im Laufe eines Threads auch verändern und entwickeln. Ob es für den Ersteller hilfreich bleibt, kann nur jener selbst beurteilen, ich fand es so und so interessant. Ich würde aber zur Behauptung tendieren, dass es sich inzwischen diesbezüglich ziemlich ausgeschöpft haben.

@WackenDoc
Einerseits vollste Zustimmung hinsichtlich der markierten Passage. Aber ich persönlich fand den Post von konstatin auch relativ herablassend ("Wer weintrinkend und pfeiferauchend ueber das Elend dieser Welt schwadronieren moechte, der soll das bitte tun."). Aber wie dem auch sei: es ist so und so gegenüber allen anderen Teilnehmern in diesem Thread ungerecht, auf einmal von "ihr da" zu sprechen, als sei eine vermeintliche Arroganz nun repräsentativ für die fiktive "Front der pseudointellektuellen Mediziner"

WackenDoc
18.02.2012, 20:05
Wie ich aber auch schon in einem vorherigen Beitrag geschrieben hatte, muss man berücksichtigen, dass sich die Medizin seit den Zeiten z.B. Brechts enorm gewandelt hat.

magertopfen
18.02.2012, 20:07
Das Argument verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Könntest du das evtl. weiter erläutern? Meinst du technischen Fortschritt, Arbeitsbedingungen? Inwiefern betrifft das die Thematik?