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Fr.Pelz
29.01.2013, 20:06
Ui, das ist bei uns ein ganz heißes Eisen, unser Oa hat eine "Arztbrief"-Macke. Der behält aus Zeitmangel Briefe lieber wochenlang in seiner Vidierliste anstatt einen unvidierten rauszugeben. Vorläufige Briefe sind verboten- und wenn man Mist schreibt, kriegt man den Brief ausgedruckt zurück, mit Textmarker übermalt. "Versuch" steht dann drauf, oder auch schonmal "bitte sinnvoll ergänzen" :-D
Mir hat er irgendwann mal die Grundzüge erklärt, wie er einen Brief haben will (unter anderem ordentliches Deutsch, klare, schnörkellose Formulierungen) und jetzt mach ich das so, auch wenn o.g Stilmonster "die ausführliche Anamnese..." Standard ist und ich auch sonst selbst nicht so davon überzeugt bin, das jetzt ordentlich geschrieben zu haben.
Die absolute Krise bekommt er, wenn man in der Hoffnung sich schön auszudrücken, Mist schreibt, so wie "es erfolgte die Durchführung einer Computertomografie", wenn man auch einfach "wir führten eine Computertomografie durch" schreiben kann.
Ich glaube aber, dass die Vorstellungen von einem guten Brief meilenweit auseinander gehen.

Haweee
29.01.2013, 22:13
Hey Du!
Wenigstens werden bei Euch die Briefe vorgeschrieben, bei uns nämlich gar nicht mehr (auch bei Kindern von Intensiv, die seit 3 Wochen schon da sind).

Liebe Grüße von Deiner alten Arbeitsstelle!
Landouzy

Hey Landouzy,
das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Was ist denn bei euch los? Und wie schlägt sich der neue OA?
LG zurück!!!


Bye the way: Schön, dass das Thema doch noch ein paar Interessierte gefunden hat. Ich finde "John Silver" (Beitrag 9) hats ziemlich auf den Punkt gebracht. Guten Chef habt ihr in diesem Punkt.

Praia-do-Forte
30.01.2013, 08:12
Am schlimmsten waren noch die Patienten, die nach 70 Tagen ITS gaaaaaanz unerwartet verstorben sind. Da war dann meist GAR KEIN Brief angefangen, und wenn Du Pech hattest, durfte man das dann Nachts oder am Morgen nachholen... Mit der Begründung, der Patient sei ja bei DIR verstorben und deshalb müsste man ja den Brief schreiben, weil nur man selbst ja wüsste, wie und warum...

Oh ja, das hab ich früher auch geliebt. Patient wochenlang bei anderen Kollegen auf Station, mit kompliziertem Verlauf, und stirbt dann zufällig bei mir im Dienst. Dann ist vielleicht auch noch sein letzter Stationsarzt im Urlaub und dann darf ich mich kümmern weil "bei mir gestorben".
Leider kein Brief angefangen und die Kollegen haben (angefangen vom Aufnahmebogen) so gut wie GAR nix dokumentiert sodass man sich aus Pflege-Notizen, Medi- Verschreibungen und Untersuchungsergebnissen was zusammen schustern darf.... :-kotz

Brutus
30.01.2013, 09:51
^^ Ja, und so richtig geil wird es dann, wenn Du nicht mehr regelmäßig auf der ITS eingeteilt bist, aber trotzdem eben 1-3 ITS Dienste machst, um die Assistenten zu entlasten, sonst aber eben die FA-Dienste machst. Dann kommst Du nach 1,5 Monaten zum ersten Mal auf die Station, kennst den Patienten, weil DU vor eben diesen 1,5 Monaten die Narkose gemacht hast und kannst dann morgens um 3 erstmal ein Aktenstudium beginnen... NICHT, weil Du den Brief schreiben willst, sondern weil man ja zumindest ein paar Informationen haben sollte, um nicht direkt die unnatürliche Ursache anzukreuzen...

Sebastian1
30.01.2013, 10:00
Die ITS-Briefe "liebe" ich auch. Die internen Verlegunsgbriefe bei "kam, wurde überwacht und ging wieder" sind pillepalle, aber die HA-Briefe bei langen Aufenthalen mit tausend Nebenschauplätzen.... ich habe es allerdings tatsächlich geschafft, nur ein einziges Mal während meiner ITS-Zeit einen Brief vom Chef wegen Formatierungen, die er gern anders haben wollte, zurück zu bekommen. Wenn man wusste, wie er es wollte (und das ergab durchaus einen Sinn) und sich Mühe gegeben hat, den Verlauf ohne blabla korrekt zu schildern, dann kam der auch nicht zurück ins eigene Fach.
Aber da er zB auch viel Wert auf die Infektionolgie gelegt hat, sollte man schon genau drin stehen haben, wann der Patient warum welche Antibiotika bekommen hat. Das macht Spaß im Nachtdienst, wenn der Patient lange auf Station war :-D

Sebastian1
30.01.2013, 10:00
Die ITS-Briefe "liebe" ich auch. Die internen Verlegunsgbriefe bei "kam, wurde überwacht und ging wieder" sind pillepalle, aber die HA-Briefe bei langen Aufenthalen mit tausend Nebenschauplätzen.... ich habe es allerdings tatsächlich geschafft, nur ein einziges Mal während meiner ITS-Zeit einen Brief vom Chef wegen Formatierungen, die er gern anders haben wollte, zurück zu bekommen. Wenn man wusste, wie er es wollte (und das ergab durchaus einen Sinn) und sich Mühe gegeben hat, den Verlauf ohne blabla korrekt zu schildern, dann kam der auch nicht zurück ins eigene Fach.
Aber da er zB auch viel Wert auf die Infektionolgie gelegt hat, sollte man schon genau drin stehen haben, wann der Patient warum welche Antibiotika bekommen hat. Das macht Spaß im Nachtdienst, wenn der Patient lange auf Station war :-D

Schubbe
30.01.2013, 10:30
Ich zitiere mal frei:

"v.A. Möglichkeit 1", "Außschluss von Möglichkeit 2", "[...] nahcfolgender [...]", "besorgt wirkende Angehörige" usw.

Ich dachte mir ich werde verarscht. Und letzteres hat doch im Arztbrief gar nichts zu suchen, oder?

Aber gut zu wissen, dass das nicht überall so schlimm ist :D

abcd
30.01.2013, 13:09
Ein klein bisschen off topic, aber hier sind grad so viele Schamanen und um nen Brief geht es auch.

Kann es wirklich sein, dass man einen Patienten vom Augenarzt geschickt bekommt mit V.a. Hemianopsie? Ich hätte gedacht, dass ein Augenarzt das feststellen kann, oder täusche ich mich da?

Gruß abcd (vielleicht sollte ich meinen nick nach nun doch jahrelangem Gebrauch mal in einen ordentlichen ändern)

Muriel
30.01.2013, 13:13
Mit einer Gesichtsfelduntersuchung sollte man das eigentlich festlegen könne, ob er die hat oder nicht. Nur muss man die auch machen :-D Es gibt Patienten en masse, die subjektive GF-Einschränkungen haben bei völlig normaler Perimetrie oder eben auch umgekehrt.

Eilika
30.01.2013, 14:42
Oh Mann, ab nächste Woche muss ich auch wieder Briefe schreiben... wobei ich einen guten Arztbrief durchaus schätze und das Verfassen desselbigen durchaus auch als intellektuelle Herausforderung verstehe. Einen (zum Teil) komplexen Patienten und einen evtl. längeren stationären Verlauf in kurzer und strukturierter Form zusammenzufassen, das hat was. Und meine Briefe waren inklusive allem (Briefkopf, Adressat, Diagnoseliste, Epikrise, Prozedere, Medikation bei Austritt, Unterschriften) auch auf der Inneren an sich nie länger als 2 Seiten.

Leelaacoo
30.01.2013, 14:44
Das mit den Antibiosen ist ja z.B. etwas, wo man theoretisch Platz sparen könnte (a la: Interkurrente Infekte wurden bei dem ausgedehnten ITS-Aufenthalt mit wechselnden Antibiosen erregergerecht behandelt...oder so). Aber versuch mal, wenn man so einen Pat. mit so einem Brief aus einer anderen Klinik übernommen hat bei einem (erneuten oder wiederkeherenden) Infekt (v.a. Wundinfekte etc.) dann erneut anzutherapieren...da sind, zumindest kurze, Auflistungen der verwendeten und zuletzt gegebenen Antibiosen schon sinnvoll..auch bitte mit Erreger und ggf. kurzer Aussage zur Resistenz...denn nach 1 Woche auf einer anderen ITS (wo man keinen Zugang zu Befunden/Akten hat) einen "zuständigen" Arzt zu finden, der zum einen in der Lage und zum anderen willlens ist und Zeit hat die "alte" Akte rauszusuchen oder sich gar an den Pat. erinnert....das dauert...

Man muss halt Kompromisse zwischen kurz-lesbar-angenehme Formatierung-sinnvolle Infos-etc. schließen.

LG Lee (muss ja grad nur Sonobefunde schreiben...aber da schaff ich doch tatsächlich auch "Schwafel"-Befunde...die mach ich aber mit Absicht...wer bei einer 1922 geborenen Pat. "Demenz, Synkope" und als Fragestellung "Abdomenstatus" schreibt..der MUSS lesen...(und dann ganz am Ende: eine abdominelle Ursache der Demenz konnte nicht nachgewiesen werden...he he).

Sebastian1
30.01.2013, 15:16
Das mit den Antibiosen ist ja z.B. etwas, wo man theoretisch Platz sparen könnte (a la: Interkurrente Infekte wurden bei dem ausgedehnten ITS-Aufenthalt mit wechselnden Antibiosen erregergerecht behandelt...oder so). Aber versuch mal, wenn man so einen Pat. mit so einem Brief aus einer anderen Klinik übernommen hat bei einem (erneuten oder wiederkeherenden) Infekt (v.a. Wundinfekte etc.) dann erneut anzutherapieren...da sind, zumindest kurze, Auflistungen der verwendeten und zuletzt gegebenen Antibiosen schon sinnvoll..auch bitte mit Erreger und ggf. kurzer Aussage zur Resistenz...denn nach 1 Woche auf einer anderen ITS (wo man keinen Zugang zu Befunden/Akten hat) einen "zuständigen" Arzt zu finden, der zum einen in der Lage und zum anderen willlens ist und Zeit hat die "alte" Akte rauszusuchen oder sich gar an den Pat. erinnert....das dauert...


Eben. Und daher ist der Satz bei komplexen Verläufen für unseren Chef obsolet. Da muss schon drinstehen, welchen Erreger wir in welchem MAterial gefunden haben und wie wir das behandelt haben. (Wobei sich das nur auf Infektionen bezieht, nicht therapierte Kolonisationen tauchen nicht mit auf, das würde wohl jeden Brief und jeden Sinn sprengen).
Nur bei den verstorbenen Patienten kann ich das nicht ganz nachvollziehen, aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich ;-)

Landouzy
30.01.2013, 15:45
Hey Landouzy,
das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Was ist denn bei euch los? Und wie schlägt sich der neue OA?
LG zurück!!!


Bye the way: Schön, dass das Thema doch noch ein paar Interessierte gefunden hat. Ich finde "John Silver" (Beitrag 9) hats ziemlich auf den Punkt gebracht. Guten Chef habt ihr in diesem Punkt.


Hallo Haweee,

tja mit den Briefen ist es bei uns ein leidiges Thema wie immer, jeder schaut nur für sich und das ist natürlich nicht so angenehm bei den schnellen Stations- und Zuständigkeitswechseln.
Mal schauen wie sich der neue Oberarzt schlägt, habe bisher noch nicht viel von ihm mitbekommen. Zumindest mit den Briefen (womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären) nimmt er es sehr genau, vielleicht verbessert das die Qualität der Briefe, denn in letzter Zeit hat doch zu sehr der Schlendrian Einzug gehalten.

Lg,
Landouzy

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30.01.2013, 18:56
Ich halte Briefe-Sprech für überbewertet.

Gescheite, übersichtliche Diagnosen-Liste (gerne mit Subüberschriften "3.1 ..." und ggf. Bindestrichkommentaren " - thyreostat. Thp. angepasst" oder einem Zusatz wie "AKTUELL:"), komplette Befunde, ein vernünftiges "Weiteres Procedere/Empfehlung" und gescheite Medi-Listen reichen meist...

anignu
30.01.2013, 19:48
Ich halte Briefe-Sprech für überbewertet.

Gescheite, übersichtliche Diagnosen-Liste (gerne mit Subüberschriften "3.1 ..." und ggf. Bindestrichkommentaren " - thyreostat. Thp. angepasst" oder einem Zusatz wie "AKTUELL:"), komplette Befunde, ein vernünftiges "Weiteres Procedere/Empfehlung" und gescheite Medi-Listen reichen meist...

Sauber herausgearbeitet und strukturiert helfen einem solche Listen wirklich weiter. Davor muss man aber den Mensch oder Fall (je nachdem wie man es sehen will) erstmal kapiert haben.
Und der Briefe-Sprech beweist dann, dass man auch noch die Zusammenhänge kapiert hat.

Für mich ist die Herausforderung beim Arztbriefschreiben auch nicht das formulieren. Das geht nebenbei wenn man weiß was man sagen will. Aber das muss man halt erstmal. Ich mach das dann ganz gern mal nicht chronologisch sondern gruppiert auch im Text. Also erstmal den Verlauf der eigentlichen Erkrankung, dann einen Abschnitt mit den Infekten von HWI bis Pneumonie, dann die RR-Einstellung und den Zucker und dann das restliche Zeugs oder so.

Blöd ist halt beim ganzen Thema Arztbriefe, dass man sich da erstmal an der eigenen Nase packen muss.
Wenns mal schnell gehen muss kann ich auch einen Brief in ner Viertelstunde runterrotzen, da steht dann das Wichtigste drin aber so richtig hilfts halt nicht. Für nen guten Brief brauchts einfach ein wenig mehr Zeit. Dafür steht dann halt genau drin was man sich vorstellt, wie die komplett veränderte Medikation nach Entlassung wieder weiter angepasst werden soll und wann, saubere Diagnosenlisten mit präzisen Angaben ("Z.n. Myokardinfarkt mit mehrfach-Stenting 2012" ist nicht präzise) und Stadieneinteilungen usw.
Ein guter Arztbrief ist sowas von wertvoll und hilft bei jedem weiteren Arztbesuch des Patienten allen Beteiligten.

Giant0777
30.01.2013, 20:26
Ich habe heute einen Brief gelesen, bei dem der Nachname der Patientin mehrmals wechselte ( am Ende immerhin der "Startnachname" )! Bei der Kürze des Aufenthaltes schliesse ich intermittierende Heirat mit Namensänderung und folgender Scheidung mit Wiederannahme des Geburtsnamen schon mal aus!:-peng

Kackbratze
30.01.2013, 23:29
und dann ganz am Ende: eine abdominelle Ursache der Demenz konnte nicht nachgewiesen werden...he he).

Ich schreibe auch gerne solche Befunde oder Konsile. Wenn sowas in Arztbriefen auftaucht weiss ich dann, dass da jemand nur mit Strg+C und Strg+V unterwegs ist und der ganze restliche Brief demnach auch für die Rundablage ist.

Autolyse
31.01.2013, 15:16
Ich halte Briefe-Sprech für überbewertet.

Gescheite, übersichtliche Diagnosen-Liste (gerne mit Subüberschriften "3.1 ..." und ggf. Bindestrichkommentaren " - thyreostat. Thp. angepasst" oder einem Zusatz wie "AKTUELL:"), komplette Befunde, ein vernünftiges "Weiteres Procedere/Empfehlung" und gescheite Medi-Listen reichen meist...
Ich habe mir dazu noch beibringen lassen, ich solle im Stile eines Papers eine Art Abstract/Zusammenfassung bevorzugt am Anfang alternativ am Ende des Briefes schreiben um dem Niedergelassenen eine schnelle Orientierung mit maximaler Zeiteffizienz zu ermöglichen. Üblich scheint mir das aber nicht zu sein - wie sind denn dazu die Meinungen?

Kackbratze
31.01.2013, 17:32
1. Name
2. Diagnose
3. Therapie
4. Dauermedikation/neue Medikation
5. Histologie
6. Epikrise

Ziel ist es, 1. bis 4. auf ein Blatt zu bekommen.
Ziel

epeline
31.01.2013, 17:36
bei uns wird ncoh die diagnostik aufgezählt, vor therapien.
epikrise wird aufgeschlüsselt in
-anamnese
- aufnahmebefund
- alle erhobenen befunde aufgezählt
- verlauf
- entalssungebefund
- entlassungsmedikation

meistens kriegt mans auf ein blatt, also 2 seiten