Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fragen Allgemeinmedizin



Seiten : 1 [2] 3

Peter_1
06.04.2013, 14:04
Wichtig ist, dass im Zeugnis "vollzeitig" steht. Regelhaft werden wahrscheinlich 40h Stunden als Vollzeitstelle angenommen, ich habe jedoch keine genaue Stundenzahl in den WBO gefunden. Wahrscheinlich bezieht sich die Definition "Vollzeit" auf die jeweils geltenden Wochenarbeitszeiten in den Tarifverträgen. Wichtig ist wie gesagt, dass im Zeugnis eine Vollzeitstelle bescheinigt wird, auch wenn im Einzelfall evtl. die Wochenarbeitszeit unter 40h lag.
Zum Thema Haus/Heimbesuche: diese sind nun mal essentieller Bestandteil der Allgemeinmedizin, insofern sollte man schon auch während der WB mal einige gemacht haben.

Peter_1
06.04.2013, 14:17
Größter nachteil, es fehlen die Peers - keine anderen Assistenzärzte am Nebentisch, die im gleichen Boot sitzen und mit denen man lacht und leidet über den Klinikalltag - andererseits ist das Meckerpotential wie im Krankenhaus deutlich geringer in der Praxis.
Kommt darauf an wo man ist, in vielen Gebieten gibt es regelmäßige regionale Treffen von Ärzten in WB Allgemeinmedizin, genau mit dem von Dir angegebenen Zweck. Also lokal mal umschauen und Kontakte knüpfen, oder selber was auf die Beine stellen! Wer Interesse an regionaler Vernetzung hat: gerne weitere Infos per PM.

MacMoneysac
06.04.2013, 14:41
Vielleicht etwas naiv gefragt, aber warum wollen manche von euch so ungern Hausbesuche machen? Geht es da einfach um zusätzliche Arbeitszeit, oder um den Hausbesuch an sich?
Ich fand in der Allgemeinmedizin gerade die Außeneinsätze interessant, wenn man mal sieht, wie die Patienten in ihrem Umfeld leben und man vieles auf einmal besser einschätzen kann. Meistens ist es doch eine nette Erfahrung und man bekommt beim Bauern noch ein bisschen Obst oder Gemüse zugesteckt ;-) (war eine große Landarztpraxis) Ich hätte aber vorher auch nie gedacht, daß es in Deutschland außerhalb von RTL Reportagen tatsächlich so viele Menschen gibt, die wahnsinnig vergammelt hausen, wo alles nach Katze/Hund und Fäkalien riecht.

Hepar
06.04.2013, 14:53
Kann mir noch jemand sagen, wie man überhaupt an WB-Stellen in der Allgemeinmedizin kommt? Auf der Homepage der Ärztekammer Nds. sind einige Stellen ausgeschrieben, gibt es sonst in Nds. noch eine Möglichkeiten an Angebote zu kommen (abgesehen davon eine Praxis direkt zu kontaktieren - aber in den Ausschreibungen hat man ja in der Regel einfach noch mehr Infos/erfährt was über die Praxis)?
Und weiß jemand, wie es im Bereich NRW/Westfalen Lippe ausschaut? Auf der Homepage der Ärztekammer hab ich leider nur eine Liste der WB-befugten Ärzte gefunden..
Und ist in der Praxis ein Gehalt wie im Krankenhaus (ohne Dienste) realistisch, wenn die Praxis nicht grad in einer beliebten Großstadt liegt? Das wären für die Praxis ja nur rund 1000 Euro pro Monat..

Und kann man als WB-Assistent in Nds. oder Westfalen-Lippe auch KV-Dienste machen?

Harvey
06.04.2013, 15:04
Kommt darauf an wo man ist, in vielen Gebieten gibt es regelmäßige regionale Treffen von Ärzten in WB Allgemeinmedizin, genau mit dem von Dir angegebenen Zweck. Also lokal mal umschauen und Kontakte knüpfen, oder selber was auf die Beine stellen! Wer Interesse an regionaler Vernetzung hat: gerne weitere Infos per PM.

Gute Idee, nur leider ersetzt es nicht den direkten täglichen Kontakt zu anderen Weiterbildungsassistenten wie in der Klinik - wo man dann im Arztzimmer beim Briefediktieren den neuesten Gossip austauscht oder gegenseitig Scherze erzählt, um mal von der Arbeit abzulenken. Die Stammtische ersetzen das leider nicht so gut.

Harvey
06.04.2013, 15:18
Kann mir noch jemand sagen, wie man überhaupt an WB-Stellen in der Allgemeinmedizin kommt? Auf der Homepage der Ärztekammer Nds. sind einige Stellen ausgeschrieben, gibt es sonst in Nds. noch eine Möglichkeiten an Angebote zu kommen (abgesehen davon eine Praxis direkt zu kontaktieren - aber in den Ausschreibungen hat man ja in der Regel einfach noch mehr Infos/erfährt was über die Praxis)?
Und weiß jemand, wie es im Bereich NRW/Westfalen Lippe ausschaut? Auf der Homepage der Ärztekammer hab ich leider nur eine Liste der WB-befugten Ärzte gefunden..
Und ist in der Praxis ein Gehalt wie im Krankenhaus (ohne Dienste) realistisch, wenn die Praxis nicht grad in einer beliebten Großstadt liegt? Das wären für die Praxis ja nur rund 1000 Euro pro Monat..

Und kann man als WB-Assistent in Nds. oder Westfalen-Lippe auch KV-Dienste machen?

Bei der Stellensuche war ich erstmal so vorgegangen, zu sehen in welchen Regionen ich arbeiten möchte und habe nachgesehen, wer überhaupt Weiterbildungsermächtigung besitzt. Nicht wenige haben ja Homepages, auf denen zumindest die diagnostischen Möglichkeiten angegeben werden. Kenne außer die jeweligen Ärztekammermöglichkeiten /Dt. Ärzteblatt Kleinanzeigen am Ende und von jeweiliger Landeskammer) nur noch die von der KV - da gibt es auch Praxisbörsen mit Stellenanzeigen (zumindest in Hessen).

Gleiches Gehalt wie in der Klinik (ohne Dienste) sind möglich, habe auch Stellenanzeigen gesehen, bei der stand direkt "5000 Euro" aber auch nichts anderes, möchte nicht wissen, was einem dann dafür dort blüht, ein anderer Arzt schrieb in seiner Stellenanzeige "Ich möchte weniger arbeiten..."
Allerdings musst du berücksichtigen, dass von deinen "für die Praxis ja nur rund 1000 Euro" im Monat, die ganzen Nebenkosten hinzukommen.

u deiner Frage KV-Dienste kann ich leider keine Antwort geben, nur den Ratschlag, gut darauf vorbereitet sein bzw. Erfahrung sammeln, denn da kommen die Leute mit allen möglichen Problemen und ihren gerade mal vier Wochen alten Babys.

WackenDoc
06.04.2013, 16:34
Mit den KV-Diensten ist völlig unterschiedlich- sogar innerhalb des gleichen Bundeslandes: Ich kenn z.B. einen Landkreis, wo man eigentlich Facharzt sein muss, bisher aber Assistenzärzte toleriert wurden. In einem Nachbarlandkreis, kann man als Assistenzarzt ohne Probleme Dienste machen (hab mich da aber nicht nach den genauen Bedingungen erkundigt).

Ich hab meine Praxis über die Liste der Ärztekammer gefunden und dann einfach angerufen, ob der Eintrag noch aktuell ist.
Ich hab übrigens die Hausbesuche ausschließlich innerhalb der Praxisöffnungszeiten gemacht- also keine Überstunden durch Hausbesuche.

Peter_1
06.04.2013, 16:38
Zur Stellenfrage: mal nach Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin in Deiner Region googlen. Es gibt immer mehr regionale Verbünde, buw. regionale Koordinierungstellen (Niedersachsen: http://www.kvn.de/icc/internet/nav/dfd/dfd70363-b94e-4821-b7d8-f51106fa453d.htm) die weiterhelfen können. Ich selber habe noch einfach die Praxen angeschrieben die in meiner Region in Frage kamen und dann ganz normale Vorstellungsgespräche geführt.

Zum Thema KV Dienste: da kommt es darauf an in welchem Bundesland Du tätig bist, je nach Bundesland unterscheiden sich die Teilnahmebedingungen für den KV Dienst als Nicht-Vertragsarzt (für Hessen exemplarisch: http://www.kvhessen.de/Nachweis_Bewerbung_Dienstaus%C3%BCbung.html). Prinzipiell sollte man schon Erfahrung in der ambulanten Medizin haben, KV-dienste können tückisch sein. Reine Klinikerfahrung ist meiner Ansicht nach als Erfahrung nicht ausreichend.

Harvey
06.04.2013, 17:03
Danke für die Info

Hepar
06.04.2013, 18:47
KV Dienste würd ich auch erst machen wollen, wenn ich ein wenig Erfahrung habe.

Noch zwei Fragen: wie viele Urlaubstage hat man in der Praxis so? Das ist vermutlich auch verhandelbar? Was sind hier so eure Erfahrungen?

Und worauf sollte man unbedingt achten, wenn man auf Praxissuche geht? Eigenes Zimmer ist klar, aber sonst?

Harvey
06.04.2013, 20:57
Worauf ich achten würde:
- Umgang der Leute in der Praxis untereinander
- Umgang mit Patienten
- welche Diagnostikgeräte, besonders wenn du noch etwas für die Weiterbildung brauchst: Lufu, EKG, Langzeitgeräte, ggf. Ergometrie, Sonokiste (!!!)

- Praxis mit Terminen oder freie Sprechstunde

- tatsächliche Arbeitszeiten (freie Nachmittage), Mittagspause

-Urlaubszeiten sind wie bei allen Dingen verhandelbar - wobei, wenn mehrere Ärzte in der Praxis sollte man gucken, ob die Praxis ganz geschlossen wird - also Urlaub schoin festgelegt, oder frei wählbar ist.

-besonders wichtig, ist mir auch erst spät eingefallen: Schwerpunkte der Praxis und Vorlieben des Chefs, ggf. auch weitere Weiterbildungsermächtigungen für Zusatzbezeichnungen

- am wichtigsten ist aber, ob du mit den medizinischen Entscheidungen deines Chefs leben kannst - deshalb unbedingt hospitieren

so far...

Relaxometrie
06.04.2013, 22:33
Zufällig auf der Seite der Ärztekammer Nordrhein entdeckt:
Zur Facharztprüfung müssen auch für Allgemeinmediziner Gutachten vorgelegt werden? Davon habe ich ja bisher noch nie etwas gehört. In anderen Fachbereichen (z.B. Psychiatrie, Unfallchirurgie) war mir das geläufig, aber für Allgemeinmedizin?
Laut dieser Auflistung (http://www.aekno.de/page.asp?pageID=7993) sind es für "Allgemeinmedizin" 2 Gutachten, für "Innere und Allgemeinmedizin (Hausarzt)" hingegen keins. Die haben doch echt einen Knall :-nix

WackenDoc
07.04.2013, 07:34
In Niedersachsen braucht man keins.
Ich frag mich allerdings auch, was für Gutachten das sein sollen- für Allgemeinmedizin macht das in meinen Augen überhaupt keinen Sinn.

Hepar
07.04.2013, 19:36
Und noch zwei Fragen:

1) Kann mir jemand sagen, wie viel man ungefähr netto bekommt, falls die Praxis nur diese 3500 Euro von der KV/KK bezahlt (Steuerklasse I)?
2) Wie viel Monate im voraus sollte man sich bewerben? Wie lange dauert es, bis die Praxis die Zusage von der KV/KK wg. dem Gehalt hat? Beantragt man das selber oder macht das die Praxis?

Danke!!!

Harvey
07.04.2013, 21:14
Für dein Nettogehalt würde ich im Internet Nett-Brutto Rechner aufrufen, je nach Versicherungsstatus, Beziehungsstatus, Kirche bleiben ungefähr 2100 Euro.

Aber gibt wirklich genug Allgemeinarztpraxen, die noch etwas dazupacken.

Zum gesamten KV-Förderungskram kann ich nur aus Hessen berichten - relativ unbürokratisch, wollen nur ein paar einfache schon vorhandene Formulare. Wichtig ist aber besonders (jedenfalls in Hessen), das Vorwegentscheidsformular der Landes-Ärztekammer. Darin werden die schon vorhandenen Weiterbildungszeiten festgehalten und was noch fehlt. Das ist in Hessen so das Nadelöhr, weil die Personalmangel haben, so dass es bei mir ungefähr über einen ganzen Monat gedauert hat und freundlicherweise da wohl zusätzliche Sachbearbeiter sich drum gekümmert haben. Vonseiten der KV ging dann alles recht schnell und meine bisherigen beiden Chefs hatten da auch keine Beschwerden - Geld wurde rasch überwiesen.

gabe
08.04.2013, 13:13
Mich würde mal interessieren mit wieviel Vorerfahrung ihr als WBA in die Praxis gegangen seid? So ganz frisch von der Uni ists doch sicher nicht soo easy, oder?

Peter_1
08.04.2013, 16:04
Gehen tut zwar (mit guter Einarbeitung!) alles, aber frisch von der Uni würde ich nicht empfehlen. Man braucht ja schon ein bisschen Erfahrung um mit den wenigen Hilfsmitteln in der ambulanten Medizin gefährliche Verläufe abwenden zu können. Das notwendige Einschätzungsvermögen dazu lernt man jedoch eher im Krankenhaus, da man dort einfach wesentlich mehr wirklich Schwerkranke sieht.

WackenDoc
08.04.2013, 18:18
Da stimme ich Peter zu:Frisch von der Uni macht es nicht so viel Sinn.
Ich hab zwar schon recht früh als Truppenarzt völlig selbständig gearbeitet(vertretungsweise zum Ende des 1.WBJ, nach 9Monaten Innere)aber da habe wir ein völlig anderes Patientenklientel als in einer normalen Hausarztpraxis.
In der richtigen Praxis war ich im letzten Weiterbildungsjahr.

Hepar
09.04.2013, 21:50
Noch mal eine Frage: was würdet ihr zum Vorstellungsgespräch in einer Praxis anziehen? Als Frau ganz normal einen Hosenanzug? Oder seid ihr legerer hingegangen?

Peter_1
10.04.2013, 07:31
Ich hatte ne Jeans und nen ordentlichen Pulli an...
Letztlich das nehmen mit dem man sich selber dem Anlass bezogen am wohlsten fühlt, wenn das für Dich der Hosenanzug ist, dann ist das richtig.