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anignu
10.04.2013, 23:45
im Chirurgie-Tertial fand ich einige Besprechungen sehr bewundernswert: da wurde das RöBild gezeigt, der Assi sagte, habe nichts gesehen, habe ich nach Hause geschickt..der OA sagte: das war Scheißde, da ist ne Fraktur, jetzt kümmere dich mal drum. Klar, blöd gelaufen...aber der Assi hats hingenommen, ok, hat ******* gebaut, klärt er jetzt, nächstes Mal wirds besser.
In meiner alten Klinikwar das üblich. Da war man nachts auch wirklich allein und hat den Patienten erklärt dass man zwar selbst nichts sehe, aber morgen die Besprechung mit den Oberärzten sei und man die Telefonnummer bräuchte um nochmal anzurufen wenn die was sehen würden.
In meiner jetzigen Klinik gibt es Fachärzte für Unfallchirurgie und Radiologie rund um die Uhr, und viele sind auch ganz ok. Aber die Radiologen brauchen ewig für Befunde und manchmal hat der Unfallchirurg grad keine Zeit und dann entlässt man selbst den Patienten und hofft dass einem die Sache nicht um die Ohren fliegt. Röngtendemos gibts nur für stationäre Patienten, denn die ambulanten sind soooooooo viele da hätte man keine Chance. Klar hab ich inzwischen auch schon viel über Röntgenbilder gelernt, aber auf Facharztniveau bin ich noch viele Jahre nicht.

Ach, schwieriges Thema...es wird nie ne 100%ige Sicherheit geben in der Medizin, das fand ich im ersten jahr sehr sehr beängstigend und anstrengend...aber irgendwie muss man da durch und auch einen Teil seiner Angst verdrängen...
Angst? Naja, meine Angst ist ein wenig berechtigt... ich "darf" nachts Konsile machen für chirurgische Fachrichtungen die nicht die meinige sind. Für meine eigentliche nicht, denn da man will ja Facharztstandart wahren. Für die anderen schon. sic!
Und nein, ich find das nicht lustig.

LG Lee (ach ja, ich hatte mal aus ähnlichen Überlegungen heraus versucht, Urteile zu finden, wo Ärzte wegen unterlassener reanimation verurteilt worden waren...die zwei einzigen Fälle im Netz, die ich gefunden habe waren 1. der gyn, der ein ertrunkenes und unterkühltes Kind nicht reanimiert hat, obwohl es vor seinen Augen aus dem Wasser gezogen wurde...das wurde dann vom NA wiedrbelebt und lebt jetzt schwerbehindert weiter --> ganz klar ein schwerer Kunstfehler...das wird im KH ja eher nicht passieren, dass da einer so kalt liegt (außer im Winter im Garten, dann würde ich natürlich auch lange drücken). 2. Ein "Schönheitschirurg", der eine Pat. ohne Anästhesie operierte, diese dann einen Stillstand erlitt, er sie tatsächlich reanimiert bekam, aber erst 7 h später (!) in eine Klinik verlegte...das ist ja wirklich (hoffentlich) nichts, was einem einfallen würde im Dienst (keine Ahnung, was der sich dabei gedacht hat...)...ein Urteil, wo ein Arzt wegen nicht begonnener Rea aufgrund eingetretenen Todes (auch bei fehlenden) Todeszeichen eine nicht-unterkühlten Pat. verurteilt wurde habe ich nie gefunden...hat da wer etwas?
Hab nur noch Sachen wie "Rettungsassi verurteilt weil keine Rea begonnen" mit der Begründung das sei ärztliche Entscheidung.

Aber sind wir doch mal ehrlich: es geht bei Gerichtsverfahren doch nicht drum ob man verurteilt wird. Das Verfahren selbst reicht auch schon. Was bringt einem ein zermürbendes Verfahren über 5 Jahre auch wenn man dann Recht bekommt? Nix.

Tja, deswegen sagte ich ja: da muss man eben auf Augenhöhe diskutieren. Deshalb sollte Dein OA eben seinen Ar$ch in den OP bewegen und ein klärendes Gespräch führen.
Oh mann, wie ich solche Situationen hasse. Der OA sagt "der muss auf ITS", der ITS-Koordinator sagt "er sieht da keine Indikation, hat nur noch 1 Bett und muss sonst abmelden", ich sag "das hat der OA ... gesagt", der ITS-K wieder "das muss ich klären". 20 min später: ITS-K "meine OÄ sagt sie sieht da keine Indikation", ich wieder "aber mein OA will das und sieht eine", der ITS-K "dann ruf ich den selber an", 10 min später: ich "wie ist denn der Stand nun", ITS-K "wir klären das noch", 10 min später: ich "wie ist denn der Stand nun", ITS-K "wir nehmen den auch wenn wir keine Indikation sehen, aber dafür werdet ihr euch morgen vor der Geschäftsführung rechtfertigen müssen warum wir nun abmelden müssen"... ja, auch so kanns laufen.

Stimme Brutus hier völlig zu. Diskussionen auf Augenhöhe. Alles andere ist sinnlos, die Oberen haben aber oft keinen Bock, keine Zeit, kein was auch immer.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich viel gelernt hab letzte Nacht. Ich darf nimmer so blauäugig reingehen und muss auch im Vorfeld mehr von meinen Kollegen fordern. Wenn man ernsthafte Medizin machen will muss man das auch ernst nehmen. Ich glaub aber im Nachhinein dass ich nächstes Mal das Rea-Team holen würde. Sich nachher die ganze Zeit zu überlegen ob man nicht doch usw. ist doch einfach anstrengend, zermürbend, traurig, kontraproduktiv (normalerweise sollte ich grad schlafen). Und dafür gibt's das Rea-Team doch auch: dass man mit mehreren Leuten entscheiden kann was man tut und nicht zu völlig nachtschlafener Zeit alleine in völliger Unkenntnis irgendwelche Entscheidungen trifft.

Leelaacoo
11.04.2013, 04:49
Ich kann gut nachvollziehen, dass du dir Gedanken machst...aber ich finde, es war alles vollkommen korrekt so!

Und zu den Gerichtsverfahren: da kann immer einer kommen und wegen Blödsinn klagen...da muss man ja nicht mal was falsch gemacht haben...verhindern ist hier v.a. in operativen Fachrichtungen eher schwer (in der Inneren ist es ja gsd seltener, dass Leute klagen...das letzte Verfahren war glaub ich vor einem Jahr bei uns: Pat. ca. 75 Jahre, ca. 130 kg auf 160 cm, großer Mediainsult mit Hirndruck, man hatte sich gegen Hemikraniektomie entschieden (von Angehörigenseite aus!), massiven Blutdruckschwankungen, Diabetes mit HbA1c von 14% (!)...dieser entwickelte nach 8 Tagen minimal handling, Beatmung auf ARDS-Niveau etc. einen Steißdekubitus Grad II...tja, und nachdem er tatsächlich extubiert (aber schwer eingeschränkt) in die Reha ging (hätten wir nicht geglaubt) kam die Klageschrift deswegen...man hätte doch bitteschön den Dekubitus verhindern mögen..ja, was hätte man denn tun sollen? Den Pat. an die Decke hängen? Drehen konnte man ja nicht adäquat, schon wegen dem minimal handling und dem Gewicht (er war wirklich sehr quadratisch mit mehreren Lagen Fettpolster), Matratze und Bett war schon das allerneueste Modell..so kanns gehen. Und die KLinik hat wirklich verlroren, waren mehrere tausend Euro Schmerzensgeld (ich gönns der family ja, aber medizinisch war das Blödsinn).

LG Lee

Moorhühnchen
11.04.2013, 07:27
Schönen Gruß zurück: IHR habt das Op-Feld und die Möglichkeiten zur Kardiokompression! Ich mache hier oben alles Weitere. Aber drücken müssen die Operateur schon selbst...

Wie habt ihr denn gedrückt, wenn doch alles abgedeckt ist und wegen Stange und Tuch gar kein Zugang zum Thorax vorhanden ist. Daher ja mein o.g. Einwand, dass die Operateure schön drücken dürfen, wir den Rest erledigen... So haben wir es auch im OP gehandhabt.:-))
Tja, das war schon ein Highlight. Der Chirurgieassi hatte seinen ersten oder zweiten Dienst überhaupt und gab sich wirklich Mühe hinter/unter dem Bügel da was auszurichten. Dank liegender Arterie sah man ja, daß das nicht von Erfolg war.... zumal er mit einer zu langsamen Frequenz drückte. Immerhin fand er meine künstlerisch wertvollen Darbietung zu "Ha, ha, ha, ha, staying alive" ganz lustig und wußte nach diesem Dienst wenigstens mit welcher Frequenz er in Zukunft drücken muß..... :-))

Viel mehr hätte ich am Kopfende wahrscheinlich nicht tun können: Arterenol lief wie oben beschrieben schon am Maximum, Dobutamin und Supra (Dosierungen weiß ich nicht mehr, ist knapp 2 Jahre her) waren ebenfalls ausgereizt. Mir fehlte eigentlich nur ein "Rückgrat stärkender Oberarzt" wie Lee das so schön nannte. :-(

Brutus
11.04.2013, 07:38
Oh mann, wie ich solche Situationen hasse. Der OA sagt "der muss auf ITS", der ITS-Koordinator sagt "er sieht da keine Indikation, hat nur noch 1 Bett und muss sonst abmelden", ich sag "das hat der OA ... gesagt", der ITS-K wieder "das muss ich klären". 20 min später: ITS-K "meine OÄ sagt sie sieht da keine Indikation", ich wieder "aber mein OA will das und sieht eine", der ITS-K "dann ruf ich den selber an", 10 min später: ich "wie ist denn der Stand nun", ITS-K "wir klären das noch", 10 min später: ich "wie ist denn der Stand nun", ITS-K "wir nehmen den auch wenn wir keine Indikation sehen, aber dafür werdet ihr euch morgen vor der Geschäftsführung rechtfertigen müssen warum wir nun abmelden müssen"... ja, auch so kanns laufen.
Wobei ich da relativ entspannt bin. Wenn die Chirurgen unbedingt einen Patienten auf der ITS haben wollen, obwohl nicht indiziert, dann wird der halt aufgenommen und es wird NICHT abgemeldet. Und wenn dann ein wirklicher ITS-Patient kommt, dann ist das mein Joker. Und dann darf der Chirurg den Patienten nachts halt zurücknehmen. Wenn nix kommt, darf der Patient ohne den üblichen ITS-Wahn bis Morgens pennen. SO2, EKG und Druck alle 30/60 Minuten sollten doch wohl reichen.


Stimme Brutus hier völlig zu. Diskussionen auf Augenhöhe. Alles andere ist sinnlos, die Oberen haben aber oft keinen Bock, keine Zeit, kein was auch immer.
Oder scheuen die Auseinandersetzung... Hatte ich auch schon. Nee, mit dem diskutiere ich nicht. Der merkt nix mehr. Mach Du mal... Super! Und irgendwann kommt das Totschlagargument: Aber ich bin OA, und Du Assistent. Und wir machen jetzt das! - Jaaaa, aber Du bist nicht MEIN OA! :-)

antonia123
11.04.2013, 08:54
ich bin - vielleicht dadurch dass ich auf der onko angefangen habe - ziemlich zurückhaltend was ITS und REA angeht. ich hab auch schon oft neue kollegen ausgebremst, die immer alles auf ITS schieben wollen. ich finde damit macht man es sich oft zu einfach.. man muss sich ja immer fragen was der patient von der verlegung bzw reanimation hat. und in vielen fällen sind das ja keine guten aussichten und warum soll man das den leuten antun nur um sein eigenes gewissen zu beruhigen? wenn ich mich zt auf der intensinvstation umschaue was da für leute rumliegen... knapp 90, copd IV° schwerste herzinsuffizienz...
und in meiner erfahrung möchten die meisten älteren patienten keine rea und keine intensinvstation. man muss es einfach nur rechtzeitig und in ruhe besprechen.

Healix
11.04.2013, 15:50
Hm, da bleibt aber trotz viel Zeit nehmen und alles besprechen häufig noch ein Vakuum. Beispiel aus einem Notaufnahme-Spätdienst vor ca. 2 Wochen: Fast 90-jährige Patientin wird eingewiesen bei V.a. Cholangitis. Bili 10, CRP ca. 25 mg/dl, etc. Im Sono von rechts quasi nur durchmetastasierte Leber zu sehen. Da wirklich mal wenig los war, hab ich darüber auch lang mit der betreuenden Tochter geredet - aber die konnte sich eben noch nicht zu irgendetwas entscheiden. Da hätte es auch nicht viel gebracht, weiter zu reden, meiner Meinung nach - das muss erst mal verarbeitet werden.

Leelaacoo
11.04.2013, 18:25
Hm, da bleibt aber trotz viel Zeit nehmen und alles besprechen häufig noch ein Vakuum. Beispiel aus einem Notaufnahme-Spätdienst vor ca. 2 Wochen: Fast 90-jährige Patientin wird eingewiesen bei V.a. Cholangitis. Bili 10, CRP ca. 25 mg/dl, etc. Im Sono von rechts quasi nur durchmetastasierte Leber zu sehen. Da wirklich mal wenig los war, hab ich darüber auch lang mit der betreuenden Tochter geredet - aber die konnte sich eben noch nicht zu irgendetwas entscheiden. Da hätte es auch nicht viel gebracht, weiter zu reden, meiner Meinung nach - das muss erst mal verarbeitet werden.

Das mit Rea ja/nein muss in so einem Fall ja nicht die Tochter entscheiden, sondern der Arzt!!! Was OP/ Antibiose und ggf. auch ITS-Behandlung angeht, ok...aber doch nicht die Rea...genau da liegt häufig der Fehler, finde ich. Wie soll die Tochter denn wissen, WAS Reanimation bedeutet und wie das abläuft und was daraus hervorgeht in so einem Fall...(klar muss man das verarbeiten, aber das ändert ja nichts an den medizinschen Tatsachen). Deshalb in so einem Fall auch sagen, dass man bei einem Stillstand nicht mehr reanimiert, weil es nur Schaden brächte und es medizinisch nicht geboten ist...(und man entlastet auch die Angehörigen von ihren ggf. vorhandenen Schuldgefühlen damit, das ist vielleicht noch viel wichtiger, als die Entlastung des Nachtarztes, der dann bescheid weiß...ich finde es nicht fair, ihnen solche eigentlich klaren Dinge aufzubürde...und mal ehrlich, als ob wir das entscheiden könnten, wer "gerettet" wird...wir drücken nur und hoffen aufs Beste...aber meist kommt das nicht bei rum, "entscheiden" ist da gar nicht drin meist)

LG Lee

dreamchaser
11.04.2013, 18:48
Wenn die Prognose infaust ist, dann 'biete ich auch keine Reanimation mehr an'. Ich sage einfach, dass der Patient an der Erkrankung versterben wird aus diesen und jenen Gründen und dass das eben jetzt unaufhaltsam ist.

antonia123
11.04.2013, 19:52
Wenn die Prognose infaust ist, dann 'biete ich auch keine Reanimation mehr an'. Ich sage einfach, dass der Patient an der Erkrankung versterben wird aus diesen und jenen Gründen und dass das eben jetzt unaufhaltsam ist.

ich frage auch nur höchst selten ob angehörige eine reanimation "wollen" sondern ich schildere die tatsachen und sage dass wir aus eben diesen gründen von einer intensivmedizinischen betreuung oder reanimation absehen. weil man damit nichts mehr heilen sondern das unaufhaltsame nur künstlich aufschieben und leiden verlängern würde. das hat bisher noch jeder verstanden

Lava
12.04.2013, 09:46
Wenn die Prognose infaust ist,

Glücklich die, bei deren Patienten das so gewiss ist! In der Unfallchirurgie haben wir selten durchmetastasierte Krebspatienten. Die meisten, die bei uns sterben, sind halt einfach alte Leute. Manchmal durch eine Pneumonie, manchmal auch weil einfach alles plötzlich aus dem Ruder läuft... Elektrolytentgleisungen sehen wir z.B. nicht selten...

Ich persönlich stelle mir halt oft die Frage, ob die Situation denn nun wirklich infaust ist, oder nicht! Ne Pneumonie kann man schließlich behandeln! Ich hab da viel zu wenig Ahnung von Innere oder Intensivmedizin, um mit Sicherheit einschätzen zu können, ob sie ein Therapievesuch noch lohnt oder nicht.

Das war jetzt auch weniger auf den Fall einer Reanimation bezogen, sondern eher auf die Tage vorher, in denen man evtl. schon eine deutliche AZ-Verschlechterung verzeichnet...

Peter_1
12.04.2013, 15:44
Ich persönlich stelle mir halt oft die Frage, ob die Situation denn nun wirklich infaust ist, oder nicht!

Medizin ist halt mehr als gucken auf das Geburtsdatum. Manchmal muss man auch wirklich mal überlegen, oder auch mal jemand anders überlegen lassen, der mehr davon versteht als man selber :-))
Ich wollte es auch anfangs nicht glauben, aber es ist doch tatsächlich ein verantwortungsvoller Job und die Patienten und ihre Krankheiten sind manchmal gemeinerweise so ganz und gar überhaupt nicht so eindeutig, wie man es an der Uni immer gelernt hat. :-D

Evil
12.04.2013, 17:33
Das ist dann nachts um 3 sehr hilfreich!

Lava
12.04.2013, 17:38
Hehe, ja, da freut sich der internistische Hausdienst ;-)

Aber wie gesagt, in meinem Posting ging es ja um die Frage, was man in den Tagen oder Stunden VOR den endgültigen Zwischenfall tun kann/sollte....

Hellequin
12.04.2013, 17:44
Aber wie gesagt, in meinem Posting ging es ja um die Frage, was man in den Tagen oder Stunden VOR den endgültigen Zwischenfall tun kann/sollte....
Mit dem Patienten/den Angehörigen reden? Fragen was im Falle des Falles dem Willen des Patienten entsprechen würde?

WackenDoc
12.04.2013, 17:45
Für die eigene Station: Sprecht mit den Patienten sofern das noch möglich ist. Hört sich banal an, wird aber ganz gerne mal umgangen. Das Ergebnis sollte man dann natürlich auch dokumentieren, der Pflege bekannt geben und bei erwarteter kurzfristiger Verschlechterung dem Diensthabenden Bescheid geben.

Eine wichtige Frage ist auch: Wie war der Patient vor dem Ereignis?
Ein Beispiel aus meinem PJ: Deutlich Ü80er Patientin, vorher komplett selbst versorgt, keine schweren/lebenslimitierenden Grunderkrankungen. Kam wegen respiratorischer Erschöpfung bei Pneumonie. Diensthabender überlegt, was er nu mit ihr machen soll. Intensiv und Beatmung oder nicht. Bis dann aufgefallen ist, dass die Patientin soweit klar im Kopf ist, aber kaum wegen dem respiratorischen Problem sprechen kann (einfach nicht genug Luft dafür). Also Patientin gefragt, was sie will. Patientin wurde wunschgemäß intubiert, beatmet und auf Intensiv verlegt. Ein paar Tage später ohne Probleme wieder extubiert und kurz darauf wieder entlassen.

Gegenbeispiel: Wacki beim Notarzt fahren. Patientin im gleichen Alter wie die zuvor beschriebene, respiratorische Erschöpfung und schon pathologisches Atemmuster. Ae auch bei Pneumonie. Sättigung ca. 70%, Patientin nicht ansprechbar.
Nach Angaben der Angehörigen (und die Einrichtung der Wohnugn passte auch), war die Patientin in den letzten Monaten immer schlechter geworden, Pflegefall, kaum noch kommunikationsfähig.
Entscheidung zusammen mit den Angehörigen: Patientin bekommt Sauerstoff und Mo, kommt in´s Krankenhaus, dort aber nur Basismaßnahmen (Antibiose, Flüssigkeit, Sauerstoff, Mo), aber keine intensivmedizinische Behandlung. Hab ich so übergeben und wurde im Krankenhaus so umgesetzt. Patientin ist ca. 24 Stunden später friedlich gestorben.

Wenn man so gar nicht weiss, wie die Prognose des Patienten ist, dann halt Reanimieren. Intensivmedizinische Maßnahmen kann man später auch noch einschränken oder einstellen. Bei der Entscheidung gegen eine Reanimation gibt´s nun mal kein Zurück.

Peter_1
12.04.2013, 19:41
Das war jetzt auch weniger auf den Fall einer Reanimation bezogen, sondern eher auf die Tage vorher, in denen man evtl. schon eine deutliche AZ-Verschlechterung verzeichnet...
@evil: so viel zu nachts um 3....
Da ist der zug abgefahren, aber genau das war ja nicht die Frage.

blackcat86
12.04.2013, 21:33
Was mindestens ebenso interessant wäre ist wann ihr eine Reanimation abbrecht, ab wann man praktisch sicher sein kann dass man mit weiteren Maßnahmen nur noch Schaden anrichten würde.

WackenDoc
12.04.2013, 22:44
[QUOTE=blackcat86;1621181.... ab wann man praktisch sicher sein kann dass man mit weiteren Maßnahmen nur noch Schaden anrichten würde.[/QUOTE]

Was meinst du denn nu damit wieder?
Was willst du an nem Toten noch für Schäden anrichten? Irgendwann isses halt aussichtslos und damit Leichenfledderei. Was den Zeitpunkt angeht: Kommt drauf an- Ömchen im Altersheim mit Z.n. insuffizienten Rea-Maßnahmen durch Pflege für 15min oder Patient mit Z.n. Lyse der zwischendurch mehrfach nen ROSC hatte.

Kackbratze
12.04.2013, 22:59
ab wann man praktisch sicher sein kann dass man mit weiteren Maßnahmen nur noch Schaden anrichten würde.

=> weite entrundete Pupillen
=> kein Kreislauf nach ca. 60min Rea
=> Blut spritzt im Kompressionstakt aus Nase und Mund seit 15 Minuten
=> die Schwester bringt die Patientenverfügung rein

Brutus
13.04.2013, 08:45
=> kein Kreislauf nach ca. 60min Rea
Ich würde das noch ein wenig verkürzen. Wenn nach 30 Minuten suffizienter REA so rein gar nix EKG-technisch passiert, also weder irgendwelche, wie auch immer geartete Komplexe, Flimmern oder sonstwas, von ROSC mal ganz zu schweigen, würde ich es gut sein lassen (Wenn jetzt eben keine Lyse oder eine knackige Hypothermie vorliegt...).