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epeline
25.02.2014, 18:08
Ich wusste bis eben gar nicht, was Strophantin ist ... :-blush

locumo123
25.02.2014, 18:11
Hallo!

Ich wurde deshalb neugierig, weil ich auf dieses Research Paper gestoßen bin und dann mehr erfahren wollte.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2092105/?page=1

Aber danke für eure Meinungen. Bis bald.

Adieu!

smanpodg
25.02.2014, 18:21
Das Paper ist von 1948 und hat nur historischen Wert, genau so könnte man Barbiturate als Beruhigungsmittel verordnen... 1948 up to date... Heute Kunstfehler. Und was das Buch angeht, das rangiert in seiner Evidenz etwa auf dem Level von neuer germanischer Medizin nach Herrn Hammer (Werd nicht kennt, mal googlen ;))

kartoffelbrei
25.02.2014, 18:30
Unabhängig davon, ob Strophantin irgendeinen Nutzen hat oder nicht, finde ich vor allem die Amazon-Kommentare zu dem Buch bedenklich, à la "Nach meinem Herzinfarkt habe ich Ihr Buch gelesen und alle meine Medikamente in die Tonne gekloppt! Ich nehm nuuuur noch Strophantin!". Allein deshalb finde ich das Buch schon grob fahrlässig... :-slap

WackenDoc
25.02.2014, 19:46
Ich hab jetzt ein paar der Rezensionen gelesen.
Hab ich das jetzt richtig verstanden:
In den 50ern und 60ern waren viele Herzpatienten dank Strophantin kern gesund und fit wie die Turnschuhe. Dann kam die böse Pharmalobby und hat das Wissen um Strophantin verschwinden lassen und pumpt die Patienten mit böser Chemie voll.
Seit dem sterben und siechen viel mehr Herzpatienten als in den 60ern dahin und wegen der bösen Pharmalobby sind KHK und Herzinsuffizienz im Gegensatz zu den 50er/60er-Jahren jetzt todbringende Krankheiten.

gnuff
25.02.2014, 19:51
Mensch Wacken... noch nie was von "früher war alles besser" gehört? Ach nee, warte... bei Dir ist ja die Floskel "damals vorm Krieg war alles besser" anzuwenden... ;-) :-top

Rico
25.02.2014, 19:59
Zu Strophantin fällt mir immer eine Begebenheit aus meiner Anästhesiefamulatur (ist jetzt auch immerhin schon 12 Jahre her) ein:
Patient in der Einleitung vor einem viszeralchirurgischen Eingriff, der Anästhesiepfleger tritt heran und fragt nach der üblichen Begrüßung: "Haben Sie Ihre Medikamente heute genommen?" - "Ja, das X, Y, Z, und das Strophantin" - "Strophantin? Wie alt ist denn Ihr Hausarzt?"
Dann kommt der Anästhesie-Assistenzarzt: "Hallo, was nehmen Sie denn so an Medikamenten?" - "X, Y, Z, und Strophantin" - "Strophantin? Wie alt ist denn Ihr Hausarzt?"
Zur Einleitung kommt dann der OA, hat die Maske schon auf dem Patienten "Was nimmt er denn für Medis?" - Assistent: "X, Y, Z, und Strophantin" - "Strophantin? (nimmt nochmal die Maske hoch) Wie alt ist denn Ihr Hausarzt?"
Patient (mittlerweile leicht genervt): "Wieso fragen mich das hier alle dauernd? Schon oben auf Station der Arzt...." :-D

Zu diesem Buch mit der Lösung aller Probleme gibt es doch den schönen Spruch (glaub, den hat sogar irgendwer hier als Signatur): "Für jedes hochkomplexe Problem gibt es eine Lösung, die simpel, einleuchtend ... und falsch ist."
Mit einem monokausalen Ansatz kommt man bei den multifaktoriell bedingten Problemen wie sie in der Medizin oft vorliegen nicht weit.

Muriel
25.02.2014, 20:34
Also, mein Opa hat ja bis zu seinem Tod 2007 auch immer Strophantin bekommen ;-) Fand das auch interessant, als ich irgendwann in Pharma lernte, dass das wohl etwas außer Mode gekommen war. Meine Erfahrung mit n=1 : ist ein super Medikament. Hat ihn 30 KHK Jahre lang bis kurz vor den 90. gebracht. Dann muss es doch eigentlich für alle gut sein und sollte sofort wieder eingeführt werden ;-)

Brutus
26.02.2014, 06:15
War der Hausarzt von Deinem Oppa ungefähr der gleiche Jahrgang? :-))

Muriel
26.02.2014, 07:42
Der alte damals ja, der Nachfolger hat dann nach gescheiterten Umstellungsversuchen nach dem Motto "wer heilt, hat Recht" verfahren ;-)

WackenDoc
26.02.2014, 08:36
Unter solchen Bedingungen spricht ja auch nichts dagegen es weiter zu nehmen.

Evil
26.02.2014, 14:29
Auch die Aussage, dass "Digitalis" nicht mehr verwendet wird, ist vorsichtig zu betrachten, weil darunter in der Normalbevölkerung Digoxin und Digitoxin subsummiert werden.
Was ja auch korrekt ist. Beides wird nur noch als zweite Wahl zur Frequenzkontrolle bei VHF eingesetzt nach Betablockern, Calciumantagonisten vom Verapamiltyp, Amiodaron und neuerdings Ivabradin.

Im übrigen ist diese Diskussion hier sehr hilfreich, weil sie sich ganz klar mit der Heilpraktiker-Situation auseinandersetzt und Nachteile entlarvt. Warum sollte man die dann schließen?

smanpodg
26.02.2014, 15:23
Ich weiß nicht, was hilfreich daran sein soll, Äpfel mit Birnen zu vergleichen^^ Willst du etwa wirklich behaupten, man könne die ärztliche mit der HP-Ausbildung vergleichen?? Vor- und Nachteile nennen etc.????

Ich meinte das mit Digoxin und Digitoxin auch eher auf die Behandlung von chronischer Herzinsuffizienz bezogen, wo beide Präparate noch eine breite Anwendung finden....

Peter_1
26.02.2014, 15:44
Das Grundproblem wurde halt nicht angesprochen, Heilpraktik (zumindest wie sie sich momentan versteht) kann kein Bestandteil eines wissenschaftlich ausgerichteten Studiums sein, oder werden, weil die heilpraktische Methode sich meist ausschliesslich auf Erfahrung, Eminenzen, geistige,oder traditionelle Methoden beruft. Diese kann man zwar natürlich wissenschaftlich erforschen und ihre Wirksamkeit belegen, oder widerlegen, aber leider reisst man im Falle eines Widerlegens häufig ein ganzes ideologisches Gebäude ein, auf das sich je nach Richtung eben alles andere stützt. Die Gedankengebäude sind ja auch wie erwähnt häufig so schön monokausal, fragt man den überzeugten Osteopathen, so ist klar, dass die Mittelohrentzündung und der Harnwegsinfekt natürlich durch eine Blockade irgendwo an den Knochen kommt, fragt man den orthomolekularen Therapeuten, dann liegt alles an den Vitaminen, fragt man den Auratherapeuten, dann liegt alles an der Energie. Das ist nicht mit einem wissenschaftlichen Studium vereinbar und wird es auch nie werden, da dies einfach komplett unterschiedliche Welten sind.

Evil
26.02.2014, 18:27
Ich weiß nicht, was hilfreich daran sein soll, Äpfel mit Birnen zu vergleichen^^ Willst du etwa wirklich behaupten, man könne die ärztliche mit der HP-Ausbildung vergleichen?? Vor- und Nachteile nennen etc.????
Na sicher kann man das, denn im Vergleich schneidet die HP-Ausbildung natürlich schlecht ab. Und damit ist die Sache ja geklärt.
Ist immer hilfeich, wenn ausdrücklich klargestellt wird, daß Äpfel Äpfel sind und Birnen Birnen :-))


Ich meinte das mit Digoxin und Digitoxin auch eher auf die Behandlung von chronischer Herzinsuffizienz bezogen, wo beide Präparate noch eine breite Anwendung finden....
Breite Anwendung? In Deutschland? Ich glaube, Du bist da nicht auf dem Laufenden.
Nichtsdestoweniger ist die Indikation bei beiden identisch, auch wenn Pharmakodynamik und -kinetik unterschiedlich sind.

smanpodg
27.02.2014, 11:11
Ja ok ;) Damit wäre es klargestellt die Sache mit dem Obst..

Aber wir haben sehr oft Patienten die aufgenommen werden und eines von beiden (nebst sehr sehr vielen anderen Medikamenten) noch nehmen ;) Ob es nun up to date ist, ist sicher fraglich, aber eines steht felsenfest: Strophantin ist es noch viel weniger ;)

Immerhin stehen sie noch in der aktuellen Leitlinie bei NYHA III/IV