Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DER Wein-Experten-Thread ;o)



Seiten : 1 2 [3] 4 5 6 7 8 9

Flemingulus
22.11.2013, 15:58
J. J. Prüm, 2011er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett (ca. 20 EUR)
Das Weingut Joh. Jos. Prüm ist eines der renommiertesten Moselweingüter. Legendär ist die nach Jahrzehnten messende Alterungsfähigkeit bereits "einfacher" Kabinett- und Spätlese-Weine (vernünftige Lagerung vorausgesetzt ;-) ). Entsprechende Preise. Der von uns verkostete Kabinett war gleich mal mehr als doppelt so teuer wie ein "normaler" Riesling Kabinett. Mithin waren unsere Erwartungen hoch.
Für einen noch ziemlich jungen Moselriesling der Kabinett-Klasse recht gelbe Farbe und extraktreich (Tränen am Glasrand). Nase nach Diesel, verfaultem Kohl, schimmeligen Kartoffeln und - zugegeben - auch nach allerlei Angenehmerem (gelbe Äpfel, Pfirsisch), trotzdem ugh!!! Evtl. zum Teil der Schwefelung geschuldet , aber eigentlich war das kein typisches (schnell verfliegendes) Schwefelblümchen, was da zu erschnuppern war. Auch kein Kork (Trichloranisol). Sehr seltsam und unbefriedigend. Am Gaumen schöne Cremigkeit, zum Glück insgesamt agreabler, Steinobst, schönes petroliges Rieslingaroma, recht langer Abgang. "Dank" der unschönen Geruchskomponente blieb die Flasche aber gut halbvoll und wanderte offen wie sie war in den Kühlschrank zurück.
Zeitsprung. Drei Wochen später.
Weil nix anderes da war, nochmal an dem alten Stinker genippt und - einer dieser schönen Weinmomente - aus dem hässlichen Entlein war überraschenderweise doch noch ein ganz schöner Schwan geworden: Zurückhaltende, saubere Rieslingnase, am Gaumen total weich und "süß" und ein Aroma wie Fruchtkonfekt, ein bisschen auch an den Obstsalatgeschmack altmodischer Nahe-Rieslinge erinnernd. Auch wenn der geschmackliche Nachhall jetzt etwas kürzer war und eine ganz leichte Bitternote offenbarte, war der Wein in dieser Form absolut genussstiftend, der Flaschenrest wurde unter reichlich Geschmatze weggesüffelt. Nebenbefundlich ist diese bemerkenswerte Wiederstandsfähigkeit der angebrochenen Flasche gegen Oxidation, Kühlschrankgerüche und Flauwerden ein deutliches Indiz dafür, dass dieser Kabinett dem Ruf des Weingutes, was große Lagerfähigkeit betrifft, durchaus gerecht wird.

McDübel
22.11.2013, 17:40
Zeitsprung. Drei Wochen später.
Weil nix anderes da war, nochmal an dem alten Stinker genippt und - einer dieser schönen Weinmomente - aus dem hässlichen Entlein war überraschenderweise doch noch ein ganz schöner Schwan geworden

Genau DAS meinte ich mit meinem Satz hier:
Weinkenner meinen dazu, dass der "Geist des Weines" dadurch verloren ginge. :-) (Also jetzt nicht, dass die Weine zuerst alle nach schimmelige Kartoffeln schmecken, um dann nach einiger Zeit ihre wahre "Schönheit" zu präsentieren. :-)) Aber eben, dass ein "guter" Wein unterschiedliche Aromen zu unterschiedlichen Zeitpunkten freisetzen kann...und Weinkenner diese dann auch wahrnehmen können.)


Den Beaujolais Nouveau habe ich noch nicht entdecken können. Glaube, der ist auch erst seit gestern im Handel. Der Rummel um diesen Wein scheint ja enorm zu sein. Habe ich bisher nicht wirklich mitbekommen bzw. registriert. Der war ja von 1938-1951 verboten. Er verbreitete nach Ansicht der französischen Regierung wohl zu viel "gute Laune". Ja ja...Franzosen halt. Olle Spaßbremsen. :-)) ;-)

Auf jeden Fall danke für diesen Tipp. Ich werde die Augen offen halten. :-)

Flemingulus
23.11.2013, 15:49
Unser erster Beaujolais Primeur (Synonym ist Beaujolais Nouveau) musste dran glauben: Ein B.-Villages von J. Drouhin (ein sehr seriöses Handelshaus): ganz süffiger Tropfen, hat Spaß gemacht :) (Preis ca. 7 EUR)

McDübel
28.11.2013, 20:39
Le Beaujolais Nouveau est arrivé! :-))

Genauer, ein Beaujolais-Villagès Primeur aus'm Supermarkt für sage und schreibe 4€ :-party :-))

Ich habe mich wirklich bemüht, Aromen zu erschnüffeln (dabei kam ich mir irgendwie leicht etepetete vor :-oopss)...und festgestellt, dass es echt nicht einfach ist. Zuerst habe ich DEN typischen Rotwein-Geruch wahrgenommen...Glas wieder abgestellt, nicht getrunken...ein paar Minuten später nochmal die Nase reingehalten und siehe da, ich hatte den Eindruck Kirschen zu riechen. Vielleicht habe ich es mir aber auch nur eingebildet, denn irgendwie wollte ich ja auch was rausriechen...keine Ahnung. Habe dann den ersten Schluck genommen und mal versucht, diesen etwas länger im Mund zu behalten...nicht so wie sonst, direkt runter damit. Nicht einfach für jemanden, der einen ausgeprägten Schluckreflex hat :-D Habe also versucht, den kompletten Mundraum inkl. Gaumen mit Wein zu benetzen. Erwähnte ich schon, dass es nicht so einfach war für mich? :-)) Beim Schlucken schmeckte er dann buttrig (für mich). Wie meine letzte Feuerzangenbowle. Die anderen meinten, dass er cremig schmeckt, nicht buttrig...

Nun habe ich gelesen, dass das Buttrige (verursacht durch Milchsäurebakterien) ein Weinfehler sein soll....? Wenn dem so ist, bin ich wohl ein "Weinfehler-Liebhaber". Denn ich mag diesen Geschmack. :-peng

Habe übrigens vom Mythos gelesen, dass man einen Korkton durch Klarsichtfolie, die man zerknüllt für einige Minuten ins Glas oder den Dekanter legt, deutlich minimieren kann. Was sagt Ihr? Schon mal gemacht?

McDübel
28.11.2013, 21:39
Oho... Gerade entdeckt. Ein Weinaromarad. Na guck... :-))

26724
http://www.kaiserstuhl.eu/Wein/images/aromaradr.jpg


26725
http://www.kaiserstuhl.eu/Wein/images/aromaradw.jpg


Die einzelnen Segmente beschreiben einzig den Geruch. Das eine Geschmacks-Segment da dann den Geschmackseindruck... Naja...gut zu wissen. ;-)

Gesocks
04.12.2013, 16:09
Kleine Weinanekdote am Rande: Ich war übers Wochenende vier Tage in Paris und da hat mir eine Uschi - zufällig auch Medizinstudentin - allen Ernstes erzählt, dass sie zwischen dem Weinverkosten mit einer Ampulle NaCl 0,9 %, danach mit Wasser ausspült... Ich muss ja bei dem Gedanken schon fast kotzen :-))

Flemingulus
23.01.2014, 15:05
Zwecks Belebung dieses Threads werd ich hier in nächster Zeit mal ein paar subjektive Verlautbarungen zu Lieblingsweinen, Wein-&-Essens-Paarungen und "In"-Weinländern und –weinen für 2014 hinterlassen in der Hoffnung, Diskussionen und Neugier auf Wein anzufachen. Anfangen will ich die Serie mal mit speziellen Weintipps für spezielle Anlässe:

Es gibt was zu Feiern
Hier sind Weine mit Blubber gefragt. Champagner ist ein naheliegender Gedanke. So köstlich Schampus ist (für mich der Wein der Weine, noch vor Sherry, deutschem Riesling und klassischem Claret), hat er natürlich den Nachteil, in der gehobenen Preisliga zu spielen (wobei das Preis-Leistungs-Verhältnis m. E. besser ist als bei Crus Classés aus Bordeaux, aber das ist eine andere Geschichte). Hier also noch ein paar günstigere Ideen.
Zum Thema Supermarkt-Sekte und -Perlweine: Die billigen Varianten für unter 4 Euro sind eher riskante Käufe. Eine Rieslingschorle auf der Basis eines einfachen Riesling-Qualitätswein bietet i. d. R. höheren Genuss. Supermarktklassiker der Preisklasse > 4 EUR sind spanischer Cava (Freixenet & Co.), deutscher Sekt (Rotkäpchen, Mumm) oder Prosecco. Nix dagegen zu sagen, wobei bei Prosecco mit einer (noch weiter) zunehmenden Schwemme von Mumpitz zu rechnen ist, man achte da also auf den Erzeuger. Bei gehobenem Supermarktblubber ist vor allem der Edel-Freixenet Elyssia für ca. 15 EUR ist einen Versuch wert (der Elyssia Pinot Noir Rosé-Sekt ist ganz besonders lecker!) Aber ab und zu darf es auch mal innovativer sein :-)
Ein Kandidat wäre Blanquette de Limoux oder Limoux Methode Ancestrale aus dem Languedoc. Diese Appelation rühmt sich, lange vor der Champagne Schaumwein hervorgebracht zu haben. In den genannten Weinen (nicht aber im konventionelleren Crémant de Limoux) spielt die Rebsorte Mauzac die erste Geige. Mauzac-Weine zeigen typischerweise einen Geruch nach angewelkten Apfelschalen, bei unreiferen Trauben auch leicht grasige Noten, die Zugabe reiferen Traubenguts führt zu aromatisch-esterigen, ins Klebstoff-artige spielenden Nuancen. Durchaus probierenswert und mal was anderes. Die Preisspanne für gute Mauzac-basierte Limoux-Schaumweine liegt bei 9 bis 16 EUR.
Eine total andere Richtung wäre Sparkling Shiraz, die deutlich ins Wuchtige spielende Antwort Australiens auf Lambrusco. Ein Party-Wein der gehobenen bis hochklassigen Art (Top-Produzent ist Charlie Melton), dementsprechend große Preisspanne von 8 bis >30 EUR, wobei auch die perlenden Shiraz der unteren Preisskala originell und probierenswert sind. Da diese Weine viel Extrakt, viel Tannin, u. U. relativ viel Süße und viel Aroma bieten, sind sie für sich alleine genossen etwas "laut" und mögen gerne ein paar herzhafte Happen als Beiwerk (Blätterteigstückchen, Mini-Pizzas, eingelegtes Gemüse etc.).
Oder es gibt Bier. Warum nicht mal ein Luxus-Bier wie das Deus Brut des Flandres (ca. 16 EUR)? Kommt in einer "Champagner"-Flasche mit Naturkork daher, steht einem Schaumwein im Alkoholgehalt keineswegs nach und wird aus Sektgläsern geschlürft. Für Industrie-Pils-adaptierte Nasen und Gaumen nicht als Bier erkennbar und wahrscheinlich ein Alptraum. Definitiv mal ein alternatives gustatorisches Erlebnis. ;-)

Flemingulus
23.01.2014, 15:13
Spezielle Weintipps zu speziellen Anlässen (2):

Mädelsabend
Wie wäre es mit Wein statt Cocktails?
Für Süßmäuler ist Moscato d'Asti eine Verführung wert. Schmeckt wie köstlicher, leicht sprudelnder Traubensaft, hat nur um die 5 % Alkohol und ist ein wirklich feiner Genuss. Gut kühlen, damit die Süße nicht ganz so erschlagend wirkt und die schönen Bläschen sich länger halten. Ein toller "high-end" Moscato liegt so bei ca. 13 EUR (z. B. von la Spinetta). Dazu passen Mini-Obsttörtchen, kleine Windbeutelchen mit Vanillecreme, Madeleines, süße Waffeln, Crepes bzw. allgemein alle sahnig-vanillig-mandelig-fruchtigen Kleinigkeiten.
Deutlich weniger seriös, aber in der gleichen Süßeliga spielend ist Fragolino Frizzante. Früher war das mal ein spritziger roter Wein aus der Clinton-Rebe, einer Hybridrebe, die nur zur Hälfte zur Gruppe der echten Weinreben (Vitis vinifera) gehört. Das andere Elternteil ist eine non-vinifera-Rebe. Diese Hybridreben werden als reblausresistente Unterlagen benutzt. Man kann sie aber auch Trauben tragen lassen und aus ihrem etwas schleimigen Saft Wein erzeugen. Der weist einen erhöhten (aber nicht bedenklichen) Methanolgehalt auf, schmeckt fremdartig nach einem künstlichen Erdbeeraroma (daher der Name Fragolino) und ist eigentlich nur als Perl- oder Schaumwein agreabel. Da solche "Amerikanerreben" nicht mehr Regelwerks-konform vermarktet werden dürfen, gibt es sowas kaum noch im Handel. Was heute als Fragolino Frizzante verkauft wird, ist ein aromatisiertes Weinmischgetränk aus roten Grundweinen plus Erdbeeraroma plus zugesetztem CO2. Wie gesagt nicht sehr seriös, aber manchmal will man es ja nicht anders. Ein Spaß-"Wein" für einen richtig lustigen Abend, aber das Aspirin vor dem ins Bett gehen nicht vergessen… Preis: 5 bis 8 EUR.
Nicht so süß (je nach Produzent halbtrocken bis halbsüß) und Ethanol-seitig in einer höheren Klasse spielend wäre Rosé-Portwein. Eine Neueinführung am Markt und für Portweinfans der alten Schule ein etwas halbseidenes Produkt, macht aber, gut gekühlt genossen, durchaus Laune. Croft war mit seinem Pink Port der Pionier und ist ganz empfehlenswert. Mit ca. 20 % Alkohol kommt die Stimmung schnell auf Touren und ein paar Bissen dazu zu reichen, dürfte weise sein. Ein süß-herzhafter Mix aus Nüssen, Trockenfrüchten, Gemüsechips und kleinen Käsewürfelchen wäre wohl adäquat. Preis ca. 12 – 15 EUR.
Für die auf herbe Geschmäcker stehende Fraktion bietet sich schließlich trockener Sherry an. Sherry von einem Qualitätserzeuger (egal ob eine süße oder eine trockene Version) ist das preiswerteste Luxusprodukt, das der Weinmarkt anzubieten hat. Finos und Manzanillas sind die trockensten Versionen und sollten in der Farbe wie ein sehr heller Weißwein rüberkommen. Meines Erachtens nicht unbedingt ein Wintergetränk, hingegen aber wirklich köstlich und belebend im Sommer. Bei den besten Erzeugnissen (z. B. beim Manzanilla la Guita, köstlich!) ist das Abfüllungsdatum im Kleingedruckten angegeben, man achte da auf eine möglichst kurz zurückliegende Abfüllung (max. 1 Jahr). Manzanillas und Finos werden gekühlt serviert, nach dem Anbruch im Kühlschrank aufbewahrt und rasch weggetrunken. Andere Empfehlungen neben dem la Guita: Tio Tepe, der Bestseller und ein sehr ordentlicher Fino Sherry oder Tio Tepe en Rama, ein fragilerer und absolut probierenswerter Tropfen oder Manzanilla Solear, auch ein sehr schönes Getränk von Barbadillo. Aber eigentlich ist das Niveau bei den Produzenten insgesamt sehr hoch. Beim ersten Mal ist der Geschmack dieser Spezialitäten etwas gewöhnungsbedürftig (eine der wenigen Weinsorten, bei der man eine gewisse Salzigkeit feststellen kann), hat aber Suchtpotential, wenn man sich drauf einlässt. Fino und Manzanilla sind die einzigen Weine, die hervorragend mit Oliven harmonieren. Sie werden aber mit praktisch jedem Essen fertig und sind deshalb das ideale Getränk bei einer Tapas-Orgie. Und nie nie nie einen angebrochenen, teureren (und das heißt um die 10 EUR für 0,75 l) Sherry wochen-, monate- oder gar jahrelang bei Raumtemperatur rumgammeln lassen. Mit anderen feinen Weinen macht man sowas ja schließlich auch nicht.
Und jetzt im Winter würde ich etwas nussigere und stärker wärmende Sherry-Stile bevorzugen. Z. B. einen trockenen Amontillado (in vielen Supermärkten aufzutreiben und sehr gut ist der Los Arcos von Lustau, ca. 16 EUR). Das sind gealterte Weine, die stärker oxidiert sind und daher eine bräunliche Farbe besitzen. Passen ebenfalls gut zu fleischigen und gemüsigen Tapas, köstlich zu Leberpasteten, vielleicht nicht ganz so ideal zu fischigen Geschichten wie die Finos oder Manzanillas. Dafür hat der Amontillado literarischen Ruhm erfahren bei E. A. Poe ("The Cask of Amontillado"), wobei der Autor diese Köstlichkeit aber versehentlich nach Italien zu rücken scheint.

Flemingulus
24.01.2014, 15:15
Spezielle Weintipps zu speziellen Anlässen (3):

Fernsehabend mit Pizza (TK oder Lieferservice)
Das ideale Szenario für völlig entspannten Weingenuss. Da man sich sowieso mit dem ersten Pizzabissen die Zunge verbrennt und die Kombi aus Tomatensoße und einer wilden Mischung diverser Beläge die Geschmacksknospen ganz schön in Beschlag nimmt, braucht es jetzt nicht gerade die edelsten Tropfen. Und weil Pizza durstig macht, sollte der Wein nicht zu extraktreich sein und der Alkoholgehalt nicht zu sportlich gewählt werden. Also vielleicht nicht gerade brachiale 15,5%-Rotweine im Stil der "Neuen Welt".
Ich mag einfachen, kirschigen Valpolicella, häufig mit ganz leichter Bitternote (rot) oder den etwas neutraleren Bardolino (ziemlich heller Rotwein oder sehr dunkler Rosé), beide leicht gekühlt, Preis ca. 5-8 EUR. Oder Beaujolais (ich hatte weiter oben die Beaujolais Primeurs erwähnt, gibt derzeit teilweise noch Restposten in Supermärkten zu kaufen). Und da die Pizza stark in der Campania verwurzelt ist, wäre natürlich aus ein Wein aus dieser Gegend naheliegend. Einfache Aglianico-Rotweine für ca. 7 bis 10 EUR mit einem moderaten Alkohol unter 13% wären hier Kandidaten (nicht jedoch der hochklassige und wundervolle, für TK-Pizza aber zu teure Taurasi aus derselben Rebsorte). Terredora machen z. B. einen rel. leichten aber angenehmen Rotwein, gibt aber noch viele andere gute Erzeuger.
Oder was ganz anderes, nämlich schwäbische Muskattrollinger von einem ambitionierten Erzeuger (z. B. Rosés von Schnaitmann, Knauß oder Haidle, leichte Rotweine von Graf Adelmann u.v.a.m.). Diese "Nasen-Weine" haben einen ausgeprägten traubig-beerig-rosenartigen Duft (manche mögen sowas nicht), sind im Geschmack aber meist etwas neutraler. Es werden ganz trockene bis ziemlich süße Varianten erzeugt, einfach mal probieren.
Bei Weißweinen wär ich für einen Versuch mit trocken ausgebauten fruchtbetonten deutschen "Neuzüchtungen" wie Kerner (aus Sachsen kommen viele gute Beispiele), Scheurebe (in allen Anbaugebieten beliebt und erfolgreich) oder Bacchus (fränkische Spezialität). Da ist die Preisspanne relativ groß. Mehr als 6 EUR sollte man i. d. R. schon investieren, > 12 EUR macht nur in Ausnahmefällen Sinn, dann aber nicht zur Pizza…
Ansonsten ist ein gemütlicher Pizzaabend wie geschaffen, um einen Versuchskauf zu testen. Einfach mal in eine Weinhandlung latschen, auf gut Glück eine Weinflasche, deren Etikett hübsch anzuschauen ist, aus dem Regal ziehen und den Inhalt in lockerer Runde probieren.

Heerestorte
24.01.2014, 15:23
Ich hatte mal eine Phase in der mein Lieblingsgetränk Lemberger mit Trollinger war.
Da dann zu gleichen Anteilen Coca Cola rein und noch 2-3 Eiswürfel.
Auch wenn viele mich dafür lynchen würden, es schmeckt einfach nur göttlich :-))

Giftmischer
27.01.2014, 01:30
Ich bin kein Weinkenner, ich mag einfach toskanische weine.
Aha, ein erlesener Geschmack ;-)

Ich mag die Antinori-Weine, Tignanello insbesondere. Der ist zwar recht teuer, der reguläre Villa Antinori ist aber ebenfalls sehr gut, preisgünstig und eigentlich überall zu bekommen.
Der Solaia steht noch auf meiner Liste, aber da brauch ich nen Anlass für. Zum "einfach so" trinken ist der dann wirklich zu teuer.

Muss aber auch nicht immer sowas gspreiztes sein, ich trinke auch sehr gerne den hiesigen Wein. z.B. vom Laible aus Durbach.

Flemingulus
29.01.2014, 12:43
Ich hatte mal eine Phase in der mein Lieblingsgetränk Lemberger mit Trollinger war.
Da dann zu gleichen Anteilen Coca Cola rein und noch 2-3 Eiswürfel.
Auch wenn viele mich dafür lynchen würden, es schmeckt einfach nur göttlich :-))

Wer genießt, hat recht! In diesem Sinne: Prosit! :-)

Ab & an mag ich Mix-Getränke mit Wein-Komponente auch sehr gerne... im Sommer sicherlich den Klassiker Aperol-Spritz.

M. E. ist es dabei wirklich sinnvoll, (guten) Prosecco zu nehmen, da dessen Apfelnote sehr schön mit der Aperol-Bitterkeit harmoniert. Alternativ würde ich einen Rieslingsekt benutzen oder einen sehr fruchtigen Elblingsekt. Nicht so gut kommen in der Kombi mit Aperol nach meinem Geschmack Schaumweine, die auf "burgundische" Traubensorten setzen also Pinot Blanc/Auxerrois/Chardonnay etc. Sprich Crémant d'Alsace, Crémant de Bourgogne und viele deutsche oder österreichische "nicht-Riesling"-Sekte.

Ganzjährig mag ich die Kombi aus weißem Portwein oder Lillet Blanc und Tonic Water (eine schöne und Alkohol-mäßig leichtere Alternative zu Gin & Tonic). Vor allem den Lillet Blanc möchte ich hier rühmen und preisen. Das ist ein sehr seriöser aromatisierter Weißwein aus Bordeaux und 1:1 mit Tonic Water gemischt ungeheuer erfrischend. :-) Die rote Fassung (Lillet rouge) wird übrigens zur Mischung mit Ginger Beer (z. B. Ginger B. von Schweppes) empfohlen, probiert hab ichs noch nicht, kommt aber noch... :-)


Muss aber auch nicht immer sowas gspreiztes sein, ich trinke auch sehr gerne den hiesigen Wein. z.B. vom Laible aus Durbach.

Ein absolut empfehlenswerter Erzeugername, wobei in Durbach zwei Laibles beheimatet sind: Das Weingut Andreas Laible wird von Andreas Laible Senior (sehr sympathischer Winzer! :-) ) & Junior geführt und bringt vor allem aus der Lage Plauelrain Rieslinge hervor, die zu den allerbesten in Deutschland (und damit auch global ;-) ) gehören. Alexander Laible, der jüngere Bruder von Andreas jun., hat sich selbständig gemacht und bringt ein breites Sortiment von Rieslingen und "burgundischen" Weinen (rot & weiß) hervor. Alle sehr probierenswert!

Espressa
31.01.2014, 16:19
Spezielle Weintipps zu speziellen Anlässen (3):

Fernsehabend mit Pizza (TK oder Lieferservice)
Das ideale Szenario für völlig entspannten Weingenuss. Da man sich sowieso mit dem ersten Pizzabissen die Zunge verbrennt und die Kombi aus Tomatensoße und einer wilden Mischung diverser Beläge die Geschmacksknospen ganz schön in Beschlag nimmt, braucht es jetzt nicht gerade die edelsten Tropfen. Und weil Pizza durstig macht, sollte der Wein nicht zu extraktreich sein und der Alkoholgehalt nicht zu sportlich gewählt werden. Also vielleicht nicht gerade brachiale 15,5%-Rotweine im Stil der "Neuen Welt".

Einspruch Euer Ehren!!!
Ein schlechter Wein wird ja nicht besser, nur weil man Pizza dazu isst. Selbst mit verbrannter Zunge will ich dass ein Rotwein gut riecht wenn ich die Nase im Glas versenke, und ich verbitte mir auch dann fieses Zusammenziehen von Gaumen und Rachen und schüttelnde Säure im Hals... Soll heißen; ich finde es gibt keine Gelegenheit die es rechtfertigt, keinen guten Roten zu trinken. Hat zur Folge, dass ich auswärts so gut wie nie Rotwein trinke.
Und erst vorgestern hatten wir TK-Pizza und einen Château Palmer aus 1985, seinerzeit 1988 vom Großvater um stolze 80 (!) DM erstanden. Er war noch überraschend voll und feurig und samtweich im Abgang ohne das leiseste Kratzen.
Ein paar Tage zuvor hatten wir aber auch mal Pech, und der 1976 Château Martinens Margaux war leider schon hinüber. Alles in allem ist die Quote aber sehr gut, wir hatten schon lang keinen der schlecht wurde. Aber die Bestände werden immer kleiner... :-(

Flemingulus
31.01.2014, 16:47
Einspruch Euer Ehren!!!

Na... ich will für mich sagen, dass beim Weintrinken das sozial-verbindende Moment der schönste Aspekt ist, also sich gemeinsam dem hedonistischen Erlebnis hinzugeben und vielleicht (wenn man will) noch ein wenig entspannt darüber parlieren... wenn Du der Ansicht bist, dass trinkbarer (Rot)Wein nur in der Riege hochpreisiger Clarets anzutreffen ist, darf man Dir einen ausgeprägten önologischen Elitarismus attestieren, gegen den gar nichts einzuwenden ist, der es aber mit sich bringt, dass die Anzahl der Mitmenschen, mit denen Du einvernehmlich einer Flasche den Hals brechen kannst, recht begrenzt ist. Ich für mich fände das schade.


Und erst vorgestern hatten wir TK-Pizza und einen Château Palmer aus 1985

Diese Wein-Speisen-Paarung kommt mir persönlich doch etwas bizarr vor... aber es gibt zum Glück (fast) keine Verbotsschilder beim Essen & Trinken. Zum Wohl! :-)

Eilika
31.01.2014, 17:59
Gerade einen schönen 2010er Spätburgunder aus der Plalz entkorkt. Gibt es dann gleich zum Linsen-Speck-Feldsalat mit Feigen :-)

Espressa
31.01.2014, 18:32
Diese Wein-Speisen-Paarung kommt mir persönlich doch etwas bizarr vor... aber es gibt zum Glück (fast) keine Verbotsschilder beim Essen & Trinken. Zum Wohl! :-)

Sieh es so: Mein Mann kommt nach Hause und wir machen eine Flasche auf, die uns durch den Abend begleiten soll. Dass wir irgendwann innerhalb dieser Stunden 15 Minuten dafür aufwenden, die Pizzen zu essen, würde meines Erachtens nicht rechtfertigen, deshalb einen Fusel trinken zu müssen. Und Wein ist ja kein Wasser, mit dem man irgendwas runterspült. Es ist immer ein Getränk, das sehr für sich alleine steht. Vielleicht besonders bei schlichtem, schnell gegessenem Essen wichtig, etwas gutes zu haben, das einen auch pur erfreut.

Und unsere Gäste bekommen auch gute Tropfen, somit ist die gesellschaftliche Komponente kein Problem; im Gegenteil, was glaubst du wie gern Leute zu uns auf Besuch kommen ;-)
Und klar gibt es auch jüngere, bezahlbare Rotweine, die trinkbar bis sehr gut sind, aber verglichen mit den guten Alten sind die schwer zu finden. Da ist es mit weißen und Rosés leichter. Oder Crémant oder Champus trinken. - So kommt man bei geringer Auswahl bzw. eben auswärts auch gut durch.

Ich wohne netterweise inzwischen von Weinbergen, und sehe wie viel Arbeit die Winzer mit den Reben haben. Das und dann noch das weitere Know-How bei der Verarbeitung - da sehe ich einen gewissen Preis für das Produkt irgendwo auch ein, bzw. es leuchtet ein dass bei 3 Euro pro Flasche nicht wirklich was tolles drin sein kann...

Evil
01.02.2014, 06:42
Wobei ich dann aber nicht verstehe, wie man Industriefraß/Tiefkühlpizza futtert, wenn man um die Weinqualität so ein Bohei macht. Dann lieber konsequent sein und eine vernünftige Mahlzeit zubereiten.
Aber jedem Tierchen sein Plaisirchen.

Flemingulus
02.02.2014, 21:39
Weils grad so schön passt ;-) : aktuell haben wir einen 09er Mas de Daumas Gassac zu selbstgemachter (sic!!! :-)) ) Pizza gesüffelt... Pizza war tomatenfrei und eher zurückhaltend gewürzt, allerdings mit reichlich Käse, so dass der dazu gereichte Wein sich schon durch einige Schichten Aromaträger fräsen musste.

Das Weingut ist einer der biblischen Urväter des Qualitätsweinbaus im Languedoc, einer Gegend, die bis in die 80er Jahre weitgehend für ziemlich billigen Fusel stand. Damals war Mas de Daumas Gassac neben wenigen anderen die leuchtende Ausnahme, mittlerweile haben jüngere Weingüter den alten Kämpen qualitätiv etwas überholt, aber das historische Verdienst bleibt und der Ruf der Weine von Aimé Guibert ist nach wie vor untadelig. :-)

Keinerlei Sediment in der Flasche (Filtration?), daher ohne zu Dekantieren serviert. Im Glas mitteltiefes, leuchtendes Rot, ausgeprägte Bläschenbildung am Rand, recht extraktreich (Tränen). Zurückhaltende Cassis-Nase (Cabernet). Am Gaumen leichtes CO2-"Bizzeln", sehr kraftvoll, fruchtig (Cassis, Kirschen), ganz leichter Mandelton, zupackende Bitternote, dabei ungewöhnliche weiche Tannine. Wirkt durch das schwache Prickeln und die etwas holperige Süße-Säure-Balance noch ein wenig unverwoben, das rundet sich mit Flaschenalterung aber sicherlich ab. Ein Wein, der im jetztigen Stadium ein sehr versatiler Essensbegleiter ist und bestens mit der Pizza klarkam. Eignet sich hervorragend als Anschauungsbeispiel, um den Unterschied zwischen Bitterkeit und Adstringenz (ersteres deutlich vorhanden, zweiteres sehr gering ausgeprägt) zu demonstrieren. Ca. 25 EUR. Wie weiter oben ausgeführt, würde ich zu einer Fertigpizza nicht so tief in den Geldbeutel greifen und auch zu einer auf den Wein adaptierten (weil keine Tomaten) selbstgemachten Pizza würd ich dieses Weinlevel als sinnvolle Qualitätsobergrenze ansehen.

Espressa
03.02.2014, 08:44
Wobei ich dann aber nicht verstehe, wie man Industriefraß/Tiefkühlpizza futtert, wenn man um die Weinqualität so ein Bohei macht. Dann lieber konsequent sein und eine vernünftige Mahlzeit zubereiten.
Aber jedem Tierchen sein Plaisirchen.

Ist ein gerechtfertigtes Argument.
Liegt vielleicht daran, dass ich noch nie einen vernünftigen Pizzateig geschafft habe, der nicht zu hart, oder zu brotig wurde. Und mit ein selbermachen der Sauce durch Tomaten schälen und aufkochen etc. einfach zu lange dauert. Und wenn ich fertigen Teig kaufe und fertige Sauce, kann ich gleich schon Fertigpizza essen. Und Pizza ist halt in einem Haushalt mit einem Gemüseverweigerer und einer Vegetarierin eines der wenigen Dinge, die wir beide essen.

Und vielleicht kann man sagen, nur weil wir abends nicht noch die Zeit und Energie zum groß kochen haben, müssen wir noch lange nicht schlechten Wein trinken...

Flemingulus
11.02.2014, 23:15
Kürzlich haben wir mal einen Wein-"Exoten" entkorkt:

2006er Bracchetto d'Acqui von Coppo ca. 12 EUR
Bracchetto ist eine Rebsorte, die praktisch nur in Piemont anzutreffen ist. Die eigenwilligen piemonteser Weinbauern bereiten daraus einen perlenden süßen Rotwein mit ca. 5 % C2, gedacht als lieblicher Aperitif, zum so trinken oder als relativ leichter Dessertwein zu Obst, Trockenfrüchten, Nüssen, Käse etc. Ist eigentlich nicht für längere Flaschenreife sondern für den baldigen Genuss vorgesehen, wenn die Kohlensäure noch nicht entwichen ist und die primären Fruchtaromen zum tragen kommen. Der von uns geöffnete Wein war also schon ein ziemlich alter Knacker...

Wein direkt aus dem Kühlschrank serviert. Deutliches Ploppen beim Korkenziehen. Im Glas lustige pinkfarbige Schaumbildung. Der Geruch mit "eigenwillig" eher euphemistisch beschrieben. Eine wilde Mischung aus alter Marzipankartoffel, einem irgendwie muffeligen Salami-Rinden-"Duft" und Kirschkonfitüre. Im Mund künstlich wirkendes Erdbeeraroma (Yogurette) und sehr limonadig (Libella Orange plus Cherry-Cola), mittlere Süße, kaum Alkohol zu schmecken. Insgesamt ein ziemlich übertriebener, ans Hysterische grenzender Auftritt und nicht sehr attraktiv.

Die 2/3-volle Flasche wurde immerhin nochmal sorgfältig gasdicht verkorkt und wanderte in den Kühlschrank zurück. Eine Woche später vorsichtiger Versuch einer erneuten Annäherung. Immer noch ein leichtes Prickeln vorhanden. Geruch jetzt wie Mon Chéri, am Gaumen nicht mehr ganz so exaltiert, immer noch diverse rote Früchte. Ein halbvolles Glas blieb ca. 1 h stehen, danach war die Kohlensäure ausgegast und der Wein schmeckte wie ein köstlicher Kirschsaft. In dieser Form wars am überzeugendsten.

Ähnlich wie weiter oben beim Prüm-Riesling ein Beispiel, dass manchmal Geduld doch belohnt wird. :-)