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Flemingulus
25.07.2016, 16:39
2 x "Orange Wine"

Orange wines sind seit ein paar Jahren ein heißer Trend, der seinen aktuellen Ausgangspunkt in der bio(dynamischen) Naturweinbewegung genommen hat. Es handelt sich um Weißweine, die mehr oder weniger lange mitsamt der Schale (Beerenhaut) vergoren wurden. Dadurch werden in stärkerem Maße als bei normalen Weißweinen Farbstoffe (und Aromen) extrahiert und der Wein erinnert farblich eher an Apfelsaft oder schwarzen Tee. Der Name dieser Weine bezieht sich also nicht auf die Zitrusfrucht sondern auf die Farbe. Eine milde Extraktion der Beerenhaut wird manchmal auch bei normalen Weißweinen durchgeführt, z. B. indem die Trauben in der Presse kurz angequetscht werden und dann Saft und Trauben ein paar Stunden in der Presse verbleiben, bevor das Flüssige vom Festen getrennt wird. Dabei entsteht noch kein orange-farbiger Wein, der Wein hat später nur etwas mehr Bitternoten oder Adstringenz, evtl. etwas mehr Körper, vielleicht eine gewisse Cremigkeit oder ist einfach geschmacklich vielschichtiger. Beim orange wine bleibt der gärende Wein-Embryo aber u. U. über Wochen oder Monate in Gesellschaft der Beerenschalen (und manchmal auch der Traubenstiele). Häufig wird dieses Verfahren mit altertümlichen Methoden kombiniert (Vergärung in eingegrabenen Amphoren, keine Reinzuchthefen, keine Filtration und teilweise auch keine Schwefelung usw.). Nun - letztlich ist orange wine auch nichts Neues sondern ein ganz alter Hut: Vor Einführung "moderner" Traubenpressen, Gärbehälter und Kellertechniken im 18./19. Jh. wurde Weißwein grundsätzlich mit der Beerenschale vergoren, war also im Regelfall "orange".

2015er Espenhof Savagnin Traminer trocken "Nico Espenschied", Rheinhessen
Savagnin ist die Bezeichnung der Traminertraube im Jura, wo aus dieser Rebsorte der sogenannte "Vin Jaune" bereitet wird. Der jurassische Vin Jaune ist weder ein normaler Weißwein noch ein orange wine sondern ein Weißwein, der durch Oxidation eine dunklere Farbe angenommen hat (eine mit dem Sherry verwandte Technik). Der namentliche Verweis auf das Jura ist bei dem hier verkosteten Wein allerdings ein bisschen irreführend, denn hier haben wir es mit einem reinrassigen orange wine zu tun. Der zusätzliche Hinweis auf dem Etikett "we love orange" schafft dann Klarheit. Hab ich oben nur weggelassen, damit der Name nicht gar zu lang wird. ;-)
Farbe wie klarer Apfelsaft, der Wein ist also entweder filtriert oder es erfolgte eine sorgfältige Sedimentation der Trubstoffe und vorsichtige Abfüllung. In der Nase leicht krautige (frische Petersilienstängel, 1 Tag altes Blumenvasenwasser) bis kräuterige Noten (getrocknete Heublumen), dazu Apfelschale, eine vage Blumigkeit irgendwo auf halber Strecke zwischen Rose und Gänseblümchen. Keine Oxidation (hatte ich wegen der Referenz an das Jura erwartet). Am Gaumen eigentlich sehr voll und aromatisch, aber ein bisschen Kontur-arm, dabei gute Säurestruktur. Mittellanger Abgang mit einer zarten mandeligen Kernigkeit und leichten Bittertönen. Alles in allem ein spannender Wein und eindeutig probierenswert. Aber mir persönlich fehlt es etwas an aromatischer Klarheit - der Wein schmeckt irgendwie unaufgeräumt. Vielleicht für einen sauberen Weißwein zu viel und für einen kraftvollen orange wine noch etwas zu wenig Schalenkontakt? Ein klassischer elsässischer Gewurztraminer ist mir jedenfalls stilistisch doch lieber... keineswegs geringschätzende 14/20 FP.

2009er Roxanich Malvazija Antica, Istrien
Shooting Star aus Kroatien. Dieser Orangige ist aus der Malvasier-Traube bereitet, einer wahrhaft altehrwürdigen Rebsorte, deren Ursprünge sich in der Antike verlieren. In der Farbe ein helles gold-braun-orange. Und eine ganz schön trübe Angelegenheit. Offensichtlich keinerlei Filtration. Früher hätt ich so einen Wein unverkostet weggeschüttet. Und das wäre sehr schade gewesen. Beim Schnuppern unheimlich facettenreiches Aromenspektrum: gekochter Bramley-Apfel, Rosinen, Butter (mit anderen Worten: apple crumble), aber auch Sellerie, grüne Paprika, Aromahopfen (ohne die metallische Bitterkeit von Hopfen), Wildheidelbeeren, feuchtes Unterholz. Im Mund wieder schöne Apfeligkeit (diesmal eher auf der Apfelbutzen-Seite), die Bitternoten von einer betörend samtigen Cremigkeit abgemildert. Sahne, Vanille. Aber auch gemüsige Noten. Ein feines Säurespiel bringt schließlich alles zusammen. Langer, sehr schmeichelner Abgang. Ein ungeschlachter Zottelriese mit dem sanften Herzen eines großen, freundlichen Kindes. Anrührend. 18/20 FP.

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Ein Nachtrag noch zum Roxanich Antica:
Mittlerweile hat sich gezeigt, dass nach dem Öffnen der Flasche der verbliebene Restinhalt (Flasche wieder sorgfältig verschlossen und im Kühlschrank gelagert) innerhalb von wenigen Tagen deutlich an Aroma und Cremigkeit verloren hat und Bitternoten und Adstringenz sich in den Vordergrund geschoben haben. An Tag 3 nach dem Öffnen liegen wir eher bei 14/20 FP. Ein Indiz, dass wir es hier mit einem wirklich sehr sensiblen Wein zu tun haben und ein gewisses Fragezeichen in Bezug auf die Lagerfähigkeit (einer ungeöffneten Flasche ;-) ). Ändert aber nichts daran, dass der unmittelbare Genuss einfach grandios war.

Flemingulus
05.01.2017, 14:46
Ein Weihnachtswein:

2004er Ch. Duhart-Milon, Pauillac, Bordeaux
Wein wurde vor dem Öffnen einige Wochen stehend gelagert, Entkorkung ca. 2 h vor dem Servieren, undekantiert aus einer Weinwiege serviert.
Klar, mitteltiefes Rubinrot, kaum noch Violetttöne am Rand aber auch keinerlei Braunfärbung. In der Nase initial leichte Tierstallaromen, die bei längerem Luftkontakt im Glas verschwanden. Deutlich medizinal wirkende Jodnoten. Beerig (mehr rote als schwarze Johannisbeere). Am Gaumen wiederum feine Beerenaromen, die höchst elegant in präsente aber zurückhaltend agierende Tannine eingebunden waren. Nach einiger Zeit immer mehr Cassis und dabei "süßer" wirkend. Sehr harmonisch. Mehr Finesse als Power, insofern für Übersee-Wein-geschulte Gaumen nicht gerade beeindruckend (zumal bei Kenntnis des zugegebenermaßen nicht realistisch begründbaren Flaschenpreises). Langes, sehr sauberes Finale. War insgesamt (Weinanfänger werden sich angesichts von Attributen wie Tierstall und Jod wundern) zu lecker, um ein längeres Studium im Glas zu ermöglichen. Sehr sehr schön. :-) 18/20 FP.

Muriel
05.01.2017, 16:22
Jetzt interessiert mich der Flaschenpreis :-))

Flemingulus
06.01.2017, 10:38
Jetzt interessiert mich der Flaschenpreis :-))

:-) Der Weinhandel konzentriert sich größtenteils auf aktuelle Jahrgänge, so dass > 10 Jahre alte Flaschen - selbst von einem Erzeuger signifikanter Größe wie einem typischen Bordeaux-Chateau - nicht ganz so einfach auftreibbar sind. Aufgrund unterschiedlicher Lagerbedingungen, Füllstand- und Etikettenzuständen und evtl. verschlungenen Herkunftswegen (z.B. aus aufgelösten Privatkellern o.ä.) nimmt außerdem die Preisvolatilität bei zunehmendem Flaschenalter zu - insofern muss man für die in Frage stehende Flasche eine rel. ungenaue von-bis-Angabe machen.
Ich würd mal sagen, alles zwischen 75 und etwas über 100 EUR liegt im seriösen Bereich (soweit diese Bezeichnung bei Cru-Classé-Bordeaux überhaupt noch sinnvoll anwendbar ist).
Eingekauft wurde der Wein als junger Jahrgang in einem gut sortierten Supermarkt für unter 40 EUR.
Ich warne allerdings in dem Zusammenhang vor der Idee, Wein als Wertanlage zu kaufen - das ist höchst spekulativ und die Wiederverkaufswerte, die ein Wein aus Privatkellern erzielt sind oft (auch im Vergleich zu den Preisen, die etablierte Weinhändler verlangen können) enttäuschend niedrig. Lieber selber trinken. :-)

Eilika
06.01.2017, 12:00
Hätte da noch ein paar Flaschen 82er Bordeaux :-))

Muriel
06.01.2017, 20:40
;-) ;-)

Hoppla-Daisy
06.01.2017, 21:14
Eingekauft wurde der Wein als junger Jahrgang in einem gut sortierten Supermarkt für unter 40 EUR.
Nicht zufälligerweise in einem kleinen herzallerliebsten Tante-Emma-Supermarkt in der Nähe von Schröck? :-))

Hoppla-Daisy
06.01.2017, 21:14
Eingekauft wurde der Wein als junger Jahrgang in einem gut sortierten Supermarkt für unter 40 EUR.
Nicht zufälligerweise in einem kleinen herzallerliebsten Tante-Emma-Supermarkt in der Nähe von Schröck? :-))

Flemingulus
08.01.2017, 17:29
Nicht zufälligerweise in einem kleinen herzallerliebsten Tante-Emma-Supermarkt in der Nähe von Schröck? :-))

Der Tante-Emma-Markt - Frischmarkt Wilhelm in Wittelsberg - war i.d.T. herzallerliebst und eine Quelle wahrlich denkwürdiger und anderswo schwer auftreibbarer Tropfen - leider ist er nicht mehr. :-? Aber einige dort erstandene Weine reifen noch in meinem Fundus heran und erlauben in den nächsten Jahren noch etliche Stunden dankbaren Gedenkens.

Nebenbefundlich ist der Weihnachtswein allerdings tatsächlich in einem großflächigen SB-Warenhaus (Hypermarkt) erstanden worden.

Flemingulus
11.07.2017, 14:36
1996er R. Lopez de Heredia Vina Gravonia, Rioja Blanco

Sehr traditioneller Wein von einem sehr traditionellen Erzeuger. Durch die lange Lagerung hat dieser Weißwein einen ins leicht rosé-artige spielenden hellen Bernsteinton angenommen. Sieht ein bisschen wie ein neumodischer "Orange-Wine" aus, hat damit jedoch nichts zu tun. Keinerlei Trübung, kein Sediment, aber durch die Reife-bedingte Nachdunklung ein etwas abgestumpfter Glanz. In der Nase sehr komplexes, doch nicht besonders intensives Bouquet von Aprikosen und etwas Zitrone mit einer irgendwie grünen Nussigkeit (gedünstete Quinoa?). Am Gaumen eine "rauhe Sanftheit" wie weiches Frottee. Deutlich vorhandene, aber zugleich etwas gebrochene Säure, keinerlei störende Bitternis. Wieder Aprikose, süße blanchierte Mandeln, nussig-vegetabile Noten mit einer ganz sachten kalten Rauchigkeit wie ein sehr milder Hojicha, angedeutete Honig-Anklänge. Irgendwie erwartet man aufgrund der Farbe und der Textur und des Stichworts Rioja auch Vanille (von der Barrique-Lagerung), aber entsprechende Aromen sind – wenn einmal vorhanden – durch die lange Reifung verflogen. Nicht besonders langer aber sehr sauberer und befriedigender Abgang. Ein überaus altmodischer Wein, der in seinem Aus-der-Zeit-Gefallensein durchaus etwas Poetisches und Kontemplatives an sich hat. So träumt ein alter, in einer Kellerecke vergessener Cognac in seinem Fass davon, wie es einmal war, eine Traube zu sein. 16/20 + 2 Extrapunkte für die unaufdringliche Vielschichtigkeit.

Flemingulus
16.07.2017, 19:09
2003er Duijn Pinot Noir "Jannin", Baden

Einer der Fachleute für deutschen Spätburgunder (Pinot Noir). Der Wein hat etliche Flaschenjahre in einem Privatkeller mit mittelprächtigen Lagerkonditionen hinter sich.

Weil sich im Durchlicht keinerlei Sediment zeigte, nach ca. 1-stündiger Belüftung direkt aus der Flasche serviert. Klar, glanzhell typische helle Spätburgunder-Farbe, leichte Orangetönung zum Rand hin. In der Nase trockene Baumrinde, zarte rote und gelbe Fruchttöne und ein kleines Quäntchen nasses Schaffell. Am Gaumen seeehr weiche (eigentlich fast nicht vorhandene) Tannine, beinahe wie ein Weißwein, dafür aber eine temperamentvolle aber reif wirkende Bitternote, die zusammen mit der geschmeidigen Säure ganz schön für Pep sorgt. Sind da die Beeren nicht entrappt worden? Wenn dann müssen die Stiele sehr gut ausgereift gewesen sein. Vielleicht war aber auch einfach eine längere Maischestandzeit für die Extraktion der Bitterstoffe verantwortlich. Auf der Fruchtseite etwas rotfruchtiger als in der Nase, aber ziemlich unsüß, keinerlei Marmeladigkeit. Der Abgang hätte einen Tick länger sein dürfen, war aber klar definiert und lud zum nächsten Schluck ein. Insgesamt wirklich gar nicht übel, aber für mich hätte der Wein etwas sinnlicher sein dürfen, um die Schwelle vom sehr Angetansein zur Begeisterung zu überschreiten.

Da mag durchaus auch etwas Erotik bei der Kellerlagerung verloren gegangen sein, ich habe aber auch den Eindruck, dass die ambitionierten deutschen Rotweine seit Ende der 90er Jahre oft ein bisschen verkrampft geraten, vor lauter Bemühung um technische Perfektion. Meine schönsten deutschen Rotweinerlebnisse sind jetzt bald 15 Jahre (Trinkzeitpunkt, nicht Erntejahr des Weins) her (ein 89er Spätburgunder von Rebholz und ein Spätburgunder R von Mitte der 90er von Seeger). Ich bin da in den letzten Jahren ein bisschen frustriert worden (wobei ich ein paar klangvolle Namen wie Fürst, Huber und Molitor in neuerer Zeit nicht verkostet habe).

So sehr mich die Bordeauxpreise auf die Palme(r) bringen, im immer noch existenten hinnehmbaren Preisbereich, habe ich die Franzosen da einfach als zuverlässiger erlebt...
Zurück zum gar nicht verkehrten Duin: 15,5/20 FP.

Muriel
17.07.2017, 14:44
Ich liebe Deine Beiträge hier :-love

Feuerblick
17.07.2017, 15:05
...und ich verstehe nur Bahnhof.

Solara
17.07.2017, 15:19
...und ich verstehe nur Bahnhof.

:-winky

Muriel
17.07.2017, 16:03
Ich habe nicht gesagt, dass ich das alles hier verstehe :-))

Feuerblick
17.07.2017, 16:06
Du meinst nur, dass es sich schön liest?

Muriel
17.07.2017, 16:16
Ja :-love

Flemingulus
17.07.2017, 16:54
Bahnhof

:-) Wie in allen Lebensbereichen nimmt auch beim Wein mit steigender Eindringtiefe in die Materie das Maß an Vorwissen zu, das nötig ist, um einem Text 100%ig folgen zu können... der Rookie kämpft mit Begriffen wie "Rosé" oder "trocken", im nächsten Level gilt es zu verstehen, was mit "extra dry", "Tannin" oder "korkig" gemeint sein könnte, dann lauern Verständnisklippen wie "Trichloranisol", "Barrique", "Claret" und "orange wine", weiter geht's mit "Agraffe", "Saignée", "Mäuselton" und "lindkrank" und ein Ende ist nicht in Sicht... ;-)

Und vor allem bedrängt den Blanchet/J.P. Chenet/Cimarosa-Trinker (no offence!) die Frage, wie zum Teufel ein Wein nach nasser Wolle, Bleistiftgeschabsel, roter Bete oder Austernschalen schmecken soll (zumal dem Uneingweihten auch etwas nebulös bleibt, WIE Austernschalen überhaupt schmecken, hat man ja nicht so zum täglichen Frühstück)?

Nun, es ist letzten Endes einfach eine Frage des Interesses & ggf. in einer frühen Orientierungsphase auch der Frustrationstoleranz. Allerdings sollte sich niemand von fehlender "Weinbildung" vom Einkauf in einem Weinladen oder gar dem Genuss eines schönen Gläschens abschrecken lassen.

Und wie weit man nun über den einfachen Hedonismus hinausgehen will, ist nun wirklich eine sehr persönliche Entscheidung, aber ich denke eine eingehendere Vertiefung in die unüberschaubare Welt des Weins ist immer auch eine praktische Übung in Toleranz und Demut und damit der Persönlichkeitsentwicklung sehr förderlich, denn auch die geschulteste Weinnase wird immer noch in einer schwachen Stunde bei einer Blindverkostung ein schreckliches Debakel erleben und einfach mal total danebenliegen... es gibt auf diesem Gebiet unabzählbar viel zu tun... so viele Weine, so wenig Zeit...

Zum Wohl!

(& Dankeschönvielmals an Muriel für die Komplimente - motiviert doch direkt zur nächsten Verkostung ;-) )

Feuerblick
17.07.2017, 17:38
Hehe, einen guten Teil der von dir herumgeworfenen Begriffe hab ich sogar verstanden, tue mir aber zugegebenermaßen spätestens mit "nasser Schafswolle" oder Bleistiftgeschabsel ein wenig schwer. Ich gehöre eindeutig zu den Menschen, die erlesene Weine jenseits der Blanchet-Fraktion zu schätzen wissen, aber dem Gefasel, das Weinkenner (no offence!) bei Weinverkostungen so von sich geben, kann ich in der Regel nicht folgen. Für mich schmeckt Wein halt nach Wein und ist trocken, halbtrocken, lieblich... und so... ;-) Für alles weitere bin ich einfach zu pragmatisch. :-))

Flemingulus
17.07.2017, 19:19
Hehe, einen guten Teil der von dir herumgeworfenen Begriffe hab ich sogar verstanden, tue mir aber zugegebenermaßen spätestens mit "nasser Schafswolle" oder Bleistiftgeschabsel ein wenig schwer. Ich gehöre eindeutig zu den Menschen, die erlesene Weine jenseits der Blanchet-Fraktion zu schätzen wissen, aber dem Gefasel, das Weinkenner (no offence!) bei Weinverkostungen so von sich geben, kann ich in der Regel nicht folgen. Für mich schmeckt Wein halt nach Wein und ist trocken, halbtrocken, lieblich... und so... ;-) Für alles weitere bin ich einfach zu pragmatisch. :-))

Größtenteils ein valider Standpunkt, mit der Einschränkung, dass Du Pragmatismus mit Uninformiertheit verwechselst. ;-) Mit dem Attribut "weinig" plus Angabe des Süßegrads wird es doch etwas schwierig, Weine differenziert zu beschreiben...

Wie man jetzt allerdings einen Wein differenziert beschreibt, ist durchaus - Kalaueralarm - Geschmacksache... es gibt den Analogie-Ansatz (in der Nase überreife Melone und schon etwas matschige Birne, auch Banane und ein Hauch Balsamicoessig), den technischen Ansatz (Bouquet mit Ester-Noten, inklusive einer Amylacetat-Note und deutlich wahrnehmbare flüchtige Säure) und die metaphorische Herangehensweise (eine ganz schön brachiale Wuchtbrumme - passt gut zu einer altmodisch inszenierten Wagneroper).

Nicht jeder Weg führt für jeden Gesprächspartner und jeden Wein zum Ziel - aber es lohnt den Versuch. :-)