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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alarm RTW / NEF - bewußtlose Person



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Brutus
04.11.2013, 10:48
So machen wir das. Rettungsdienst kommt mit Patientin, V.a. Apoplex bei Z.n. Kleinhirninfarkt. Marcumar bei VHF. Spontan atmend für den Schockraum...

Mittlerweile sind wir fast da. 2-3 Minuten noch. Und die Patientin wird zunehmend bradypnoeisch. Sie atmet mittlerweile mit 6-8/min, Sättigung ist "noch" gut ~ 90%. Die restlichen Werte und auch das EKG sehen unverändert gut aus...
Und nu?

*milkakuh*
04.11.2013, 10:54
Das klingt natürlich etwas eleganter :-)) Können wir den Oberkörper erhöht lagern? Ändert sich dann was an der AF? (Vielleicht lieg ich auch komplett daneben mit der Lagerung aber es traut sich ja sonst keiner :-)) ) Achja und bitte nochmal nasal und oral absaugen!

Brutus
04.11.2013, 11:03
Jawoll ja! Oberkörper hoch ist ja prinzipiell meistens gut! :-))
Haben wir also schon bei der Umlagerung gemacht. Sie liegt also mit dem Oberkörper um die 30° hoch.
Absaugen würde ich mir zwar nix von versprechen, aber da der Saugerschlauch da eh noch hing, habe ich das sogar gemacht. Kam aber nix mehr raus...
So, eine Kurve noch, dann ham wa es geschafft...
Beim Ausladen fällt dann die Sättigung doch etwas ab, so grob Richtung 80%. Was ich Euch unterschlagen habe, weil auch niemand so richtig danach gefragt hat: der Druck ist mittlerweile recht hoch. Im Auto auf der Autobahn durch viel Geruckel bei 250/185mmHg gemessen, gut, den haben wir wegkontrolliert. Aber in der Folge kurz vorm KH schon mit 200/100mmHg reproduzierbar.
Also geht es schnell Richtung Schockraum um dort ..... DER IST LEER! :-nix
Also umdisponieren, zum Aufnahmezimmer, und dort sind sie versammelt: der Neurologe und die Schwestern. Nach kurzer Übergabe und einem Blick in die Pupillen und dem Monitor gehen wir dann doch zügig in den Schockraum.
Mittlerweile sind wir bei 75% SO2, RR ~ 200/100mmHg und die HF bleibt bei 75/min.

Und nun?

Eilika
04.11.2013, 11:07
Intubieren, beatmen und ab ins CT! Blutdruck, wenn er nicht noch weiter steigt, so lange tolerieren, bis wir wissen, ob es irgendwo blutet...

*milkakuh*
04.11.2013, 11:10
Ich wusste, dass noch was kommt! :-)) Gut, RR ist jetzt in der Tat etwas hoch. Wenn ich in den Tiefen meines klinischen Wissens grabe sagt mir aber irgendwas, dass man bei V.a. Apoplex/ICB gar nicht so viel senken soll, wenn also nur vorsichtig. Allerdings würde ich jetzt im Schockraum den Neurologen kurz drüber gucken lassen und dann intubieren (vllt. senkt sich der Blutdruck dann ja etwas?) und dann auf jeden Fall schleunigst durchs cCT jagen.

Edit: Mist, jetzt wo es spannend wird muss ich in die Uni *gefaelltmirnicht*

Miss
04.11.2013, 11:36
Hmh, ich hätte auch nicht zwingend intubiert wg Beurteilungsmöglichkeit fürNeurologen, aber so langsam läuft es darauf hinaus.
(Ein Kollege von mir meinte, er wäre da sehr großzügig, weil man mit intubierten Patienten ernster genommen würde...das ist natürlich auch keine Lösung, aber man versteht, was er meint)

Vielleicht ist ein 250er Blutdruck momentan Bedarf,vor weiteren Maßnahmen muss man erstmal gucken, was im CCT rauskommt.

Brutus
04.11.2013, 11:40
Ja, so haben wir das auch gemacht. Da der Neurologe nach der Anästhesie telefonierte, habe ich die Dame erst mal vorsichtig assistiert bebeutelt. Das ging auch erstaunlich gut, so völlig ohne gegenpressen ihrerseits. Und die Sättigung war auch schnell wieder bei 95%. Bei Eintreffen der Anästhesieabteilung war dann auch wieder alles so, wie wir am Einsatzort losgefahren sind, nur dass der Atemantrieb deutlich zum Erliegen kam. Die Kollegin hat sie dann intubiert und sie sind ins CT gefahren... übrigens bei völlig unveränderten Kreislaufwerten. HF weiter ~ 75/min, RR ~ 200/100mmHg. Beatmung ging dann auch völlig unkompliziert ohne Sedierung. Nur bei der Intubation hat sie mal dagegen gepresst und gewürgt.

Wir konnten nicht bis zum Ergebnis da bleiben, da die Leitstelle Sehnsucht nach uns hatte.
Aber es gibt ja Telefone. :-))

Anmerkungen? Kritik? Wer hätte was anders gemacht... (bevor ich es auflöse.) :-nix

Evil
04.11.2013, 12:22
Ich wüßte nicht, was man hätte anders machen sollen.
Tippe mal auf Blutung im oberen Stammhirnbereich, die Patienten waren auch nie ansprechbar. Allerdings haben die sich meist die Seele aus dem Leib gekotzt...

Leelaacoo
04.11.2013, 13:04
Ich wüßte nicht, was man hätte anders machen sollen.
Tippe mal auf Blutung im oberen Stammhirnbereich, die Patienten waren auch nie ansprechbar. Allerdings haben die sich meist die Seele aus dem Leib gekotzt...

Jup, hätte ich auch getippt...meine letzte Pat. im NA-Einsatz genau dasselbe Bild, haben allerdings wegen der Drehleiternotwendigkeit noch in der Wohnung intubiert. Letztlich infaust, hier klingt es ja ähnlich, leider. Es ist immer der RELATIV langsame Puls bei erhöhtem RR bei Vigilanzminderung, der an so ein Geschehen denken lässt...ich hätte vor Ort vielleicht noch die Angehörigen nach einer Pat.verfügung gefragt....aber das hat ja auch nach Diagnostik noch Zeit..wenn es eine Ischämie in diesem Bereich ist...nun, wenn man da nicht gerade in supermotivierte NRAD-Hände fällt...

Ach ja, die, die ich mit Hirnstammblutungen gesehen hatte haben NIE gekotzt...die mit Ischämien schon.

LG Lee

Leelaacoo
04.11.2013, 13:06
Sorry, Doppelpost, Computer spinnt

LG Lee

Brutus
04.11.2013, 14:15
Genau. Was uns halt in der Wohnung schon sehr stutzig gemacht hat, war, dass sie im Grunde genommen weite, lichtstarre Pupillen hatte. Da war so überhaupt keine Reaktion auf Licht.

Nun ja, sie ist dann im CT gewesen und letztendlich hat man eine ausgedehnte ICB gefunden. Am nächsten Morgen war sie noch auf der ITS, allerdings wohl palliativ...

FirebirdUSA
04.11.2013, 15:40
*Sniff* war zu langsam. Hätte ICB DD Basilaristhrombose angemeldet... hatte genauso einen Fall mit ähnlicher Klinik erst vor gut einer Woche bei uns. War am Ende eine ausgeprägte Ponsblutung.

Leelaacoo
04.11.2013, 16:52
Danke Brutus!!! Leider kein schöner Ausgang (wobei, wahrscheinlich besser palliativ in dem Fall als vegetativer Status bei Ischämie o.ä,)...mal etwas OT: wir hatten ja relativ oft solche Patienten (zuverlegt aus dem Schockraum, da palliativ, aber halt schon intubiert durch NA, klar)...extubiert ihr die dann, wenn es klar infaus (aber vielleicht erst in Tagen) ist? Fragt ihr wegen Organspende? Ich frage ja, aber tatsächlich zur Spende kam es nur in 2 Fällen (von vielen vielen), weil einfach die DSO-Kriterien so schwer zu erfüllen sind bei Hirnstamm/Ponsblutungen...und natürlich wegen Angehörigenwünschen....aber es gäbe schon etliche, die als Spender in Frage kämen (z.B. teils mit Ausweis), aber die Spendekriterien (die ja zum Glück sehr streng sind, was die Todesfeststellung angeht) gerade bei den Ischämien/ Blutungen schwer anwendbar sind, versteht einer, wie ich das meine??? Bin heute etwas confused...kein Schlaf...


Lg Lee

Edit: das liest sich jetzt komisch irgendwie...ich will natürlich nicht Nicht-Hirntoten Organe entfernen, um Gottes willen. Aber wenn es klar infaust ist, dann wartet man ja quasi die Einklemmung ab...aber da dereguliert der Kreislauf häufig einfach vorher (hatten alles an RR-Entlgeisungen, komplexen HRST etc., das MOV nicht miteingeschlossen, so dass man quasi ja reanimieren müsste, BEVOR der Hirntod eintritt/ der Apnoetest positiv ist etc....ich weiß, es gibt ja auch die Kriterien bei infratentoriellen Hirnschädigungen...

Skalpella
04.11.2013, 17:51
Danke für den Fall, Brutus :-) Konnte nicht mitlösen, da nur mobil mitgefiebert ;-)
Im ähnlichen Fall hab ich letztens intubiert. Keine Rasselgeräusche, aber komisches Hicksen und Z.n. feudalem Frühstück. Ebenfalls GCS3 und keine Pupillenreaktion bei stabilem Kreislauf, aber antiepileptische Dauermedikation. Nachdem nach Midazolamgabe keine Änderung eintrat, bekam er den Schnorchel. Keine Blutung im CT. Ich ging von einem Status epilepticus aus, muss aber noch nachfragen, was dabei rumkam.

psycho1899
06.11.2013, 21:39
Mist, zu spät... die lichtstarren Pupillen waren ja schon sehr suggestiv für eine fortgeschrittene Herniation oder primär ausgedehnten mescencephalen Prozess. Ich glaube, ich wäre in diesem Fall, selbst als Neurologe, bei GCS 3, lichtstarren Pupillen und initial bereits ja instabiler Respiration nicht böse gewesen, wenn die Patientin primär intubiert gewesen worden wäre.

Ansonsten ja bereits infauste Situation bei Auffinden.