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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Analgetika vor OP ?



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supernurse
24.11.2013, 21:42
Hallo


Wir haben grad eine heftige Diskussion in der Klinik. Die einen sagen, man darf Analgetika vor OP geben und die anderen sagen nicht. Es ist ja so, dass vor allem ja ASS nicht umstritten ist, ja aber wie sieht es mit Ibuprofen aus? Wie handhabt ihr das?

Solara
24.11.2013, 21:50
Wer hat denn die Diskussion, wer ist wir?
Welche Operationen?
Welche Indikation für Analgetika?

Coxy-Baby
24.11.2013, 21:56
Oh nein sie ist wieder da.....

supernurse
24.11.2013, 21:58
Ja bei uns in der Klinik haben die Ärzte grad eine Diskussion, da es an Teil Häusern Standards gibt, die sagen, dass man Ibu bis zur Op nehmen kann und an andern wieder nicht und mann muss sie 7! tage vorher absetzen..bei uns kommen oft Patienten, die ein Ibu genommen haben bis einen Tag vor OP ( normale chrirurgisvhe Eingriffe, Viszeral, Ortho, Hand) und dann am Eintrittstag nach Hause geschickt wurden, da der Anästhesist es zu bedenklich fand..aber wieso hibts so unterschiedliche Meinungen darüber? Im internet habe ich gelesen, dass man Ibu bis 12 Stunden davor nehmen kann unbedenklich.l

Miyu
24.11.2013, 21:58
Naja ASS vor OP abzusetzen ist eigentlich nicht umstritten und das Absetzen vorher hat eigentlich auch nichts mit seinem Einsatz als Analgetikum zu tun.

Was genau soll denn an Ibuprofen vor OP bedenklich sein? Der Gerinnungseinfluss ist ja doch eher gering.

supernurse
24.11.2013, 22:04
Ja wegen der Blutgerinnung

Eilika
24.11.2013, 22:21
Wir geben bei den meisten Operationen sogar noch ein NSAR zur Prämedikation...

Miyu
24.11.2013, 22:30
Also wir operieren auch alles unter NSAR, das gehört bei uns zum Post OP-Analgesie-Schema.
Die ganzen hoehergradig Herzkranken werden ja mittlerweile sogar unter ASS operiert.

Der einzige Grund, aus dem bei uns die Anaesthesie mal wegen Ibu meckert ist, wenn wir mal wieder nicht auf die Nerenwerte geschaut haben.

Sebastian1
24.11.2013, 22:35
Hallo supernurse,

wie du vielleicht früher schon regestriert haben könntest - Fragestellungen bedürfen eines gewissen Grades an Mindestinformation. Also: Welche Patientengruppe soll welche Analgetika zu welchem Zeitpunkt und in welcher Indikation erhalten oder nicht erhalten? Solange du dieses absolut basalen Infos nicht bringst, ist jede Antwort Zeitverschwendung.

pieks
25.11.2013, 14:07
ich dachte, es gibt zumindest einige Artikel im www in denen - zumindest das perioperative Absetzen von Ass und anderen Antikoagulantien - diskutiert wird:-nix

Brutus
25.11.2013, 16:39
Man lese sich einfach mal die 4. Seite der Empfehlung der DGAI zum Thema Antikoagulantien und RMA durch. => http://www.dgai.de/eev/EEV_2011_S_165-182.pdf
Und hier das Ganze noch als Leitlinie: http://www.dgai.de/leitlinien/13_Rueckenmarksnahe_Regionalanaesthesie.pdf
Die Tabelle reicht eigentlich schon. Und wenn die Fachgesellschaft schon diese Empfehlung zum Thema RMA rausgibt, wo liegt dann das Problem der Nichtbetäuber? :-nix

Das ist übrigens der erste Link bei einer Googlesuche nach Antikoagulantien und RMA... :-))

Coxy-Baby
25.11.2013, 16:42
Ging es dem TE nicht um Analgetika?

Brutus
25.11.2013, 16:46
Coxy. Guckst Du Tabelle, liest Du unterste Zeile! :-)) ;-)

26717

Wenn die Betäuber schon keine Hemmungen haben, bei bestehender NSAR-Therapie in den Rücken zu stechen, wo sollte dann das Problem anderer Fachrichtungen sein? :-))

Und gerade beim ASS ist es mittlerweile überhaupt nicht mehr strittig! ASS 100 wird nicht mehr abgesetzt präoperativ. Einzig in Kombination mit Heparin müssen gewisse Zeitintervalle eingehalten werden. Steht alles in der Leitlinie...

pieks
25.11.2013, 16:54
Merci Brutus

Eilika
25.11.2013, 17:05
Brutus, wie siehst Du es bei NSAR und dazu prophylaktisch niedermolekularen Heparinen? Weil bei der Kombi wird hier im Haus nicht gestochen... da muss dann das Heparin am Vorabend pausiert werden oder es gibt eben keine Spinale. Übertriebene Vorsicht?

Brutus
25.11.2013, 17:17
Nee, das wurde bei uns m.E. auch so gemacht. (ist halt schon länger her, dass ich eine RMA gestochen hätte... :-)))
Aber NSAR alleine war kein Problem (Cave: Es gibt ja so schäbige Mischpräparate, wo 500mg ASS drin ist, da haben wir auch nicht gestochen). Aber ASS 100 oder NSAR und Heparin, dann musste das Heparin ab dem Abend vorher pausiert werden.


Nichtsteroidale Antiphlogistika hemmen ebenfalls die
Cyclooxygenase und somit die Thrombozyten-
aggregation. Dieser Effekt ist reversibel und hält ent-
sprechend der Halbwertszeit der verwendeten
Substanz an. Damit normalisiert sich die Thrombo-
zytenfunktion mit Ausnahme von Tenoxicam und
Piroxicam innerhalb von 12-24 Stunden nach Ab-
setzen der Substanzen [45]. Soll eine Interaktion zwi-
schen nichtsteroidalen Antiphlogistika und der
Thrombozytenfunktion unter der Punktion sicher
ausgeschlossen werden, so reicht das Pausieren der
Substanzen ab dem Vorabend der geplanten Punk-
tion bzw. Katheterentfernung. Für selektive COX2-
Inhibitoren liegen keine Hinweise für eine relevante
Beeinflussung der Thrombozytenaggregations-
fähigkeit oder eine erhöhte Blutungsneigung vor [46].
Die Nichtopioidanalgetika Paracetamol und Meta-
mizol wurden bisher nicht mit spinalen epiduralen
Hämatomen in Verbindung gebracht.
Anhand der vorliegenden Daten kann davon ausge-
gangen werden, dass nichtsteroidale Antiphlogistika
einschließlich der Acetylsalicylsäure ohne begleiten-
de Thromboembolieprophylaxe mit Antikoagulantien
vermutlich nicht zu einem erhöhten Risiko von spina-
len epiduralen Hämatomen nach rückenmarksnahen
Regionalanästhesien führen.

WackenDoc
25.11.2013, 19:22
Gab da vor ner Weile auch einen ausführlichen Artikel im Ärzteblatt.
@Supernurse: Du musst da was falsch verstanden haben bzw. NSAR mit ASS verwechselt haben. Es gibt keinen Grund wegen der Gerinnung NSAR vor einer OP zu pausieren.
Habt ihr keine Pharmakologie?

supernurse
26.11.2013, 13:13
Hallo zusammen

Danke vielmals für die Antwort! Ja es gibt da wirklich unterschiedliche Richtlinien,aber laut der Guideline von Brutus ist es total ok NSAR zu geben davor. Aber siehe diese Liste bei uns:( 4 Tage vorher absetzen)

http://www.balgrist.ch/Portaldata/1/Resources/_files/weitere_kompetenzen/Liste_verbotene_und_erlaubte_Medikamente_goo.pdf

Oder auch hier(3 Tage vorher absetzen):

http://www.ksa.ch/1443/2627/2628/5087.asp

Brutus
26.11.2013, 13:50
Zumindest die erste Liste ist ja mittlerweile 5 Jahre alt. Gut, die von mir zitierte LL ist von 2007, wird aber ständig weiterentwickelt. Vll. sollte da bei Euch mal jemand drübergucken, gerade auch mit den neueren Erkenntnissen im Hinterkopf.
Wenn mir jemand sagen würde, dass ich mein ASS 100 10 (!) Tage vor der OP absetzen soll, und das trotz meines Stents und dem stattgehabten MI, ich würde ihn freundlich daraufhinweisen, dass er mich mal gepflegt kreuzweise kann und mir ein anderes KH suchen... :-nix
Gut, die meisten der NSAR kann man ja gepflegt weglassen, sollte auch vom Patienten gut tolerierbar sein. Aber wenn es sich um eine wohlüberlegte Vormedikation handelt, z.B. ASS bei Z.n. MI, dann sollte man auch mal das Hirn anwerfen, und die schriftlichen Vorgaben kritisch überdenken!

supernurse
26.11.2013, 13:52
Ja nach deinen neuen Erkenntnissen werde ich die Klinik darauf hinweisen, die. Liste zu überdenken. Na ja NsAR kann man auch nicht immer davor absetzen, denn ein Schmerzpatient, bei dem nur das Voltaren oder Ibuprofen wirkt oder jemand ne Migräne kurz vor Op hat und ein Ibu einwirft, das gibts ja auch oft..aber indemfall ohne Konsequenzen für die Blutgerinnung und die SpA.