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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schottland bald eigenständig?



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Muriel
16.09.2014, 20:25
Tja, ich muss sagen, ich bin echt gespannt auf das Referendum diese Woche. Zum ersten Mal sieht es ja tatsächlich so aus, als könnte bald eine Abspaltung von GB Wirklichkeit werden.
Wie sind Eure Meinungen dazu?

Rhiannon
16.09.2014, 20:27
Es wird auf jeden Fall eine spannende Abstimmung.
Aber einen Gewinner seh ich auf jeden Fall schon: die schottische Nationalregierung. Egal wie es ausgeht, sie werden in Zukunft wesentlich mehr Kompetenzen haben als bisher.

Muriel
16.09.2014, 20:44
Sie werden jedenfalls ernster genommen! Ich weiß halt nicht, welche Motivation wirklich hinter dem Vorhaben steckt bzw. was sich die Bevölkerung davon erhofft. Wenn es nur darum geht, es "den dummen Engländern" zu zeigen, sehe ich das etwas kritisch. Auch wenn ich die langen Gesichter gerne sehen würde ;-)

Relaxometrie
16.09.2014, 20:56
Ich fand diesen Artikel (http://www.faz.net/aktuell/politik/referendum-in-schottland/schottische-unabhaengigkeit-gefaehrdet-atommachtstatus-13155909.html) ganz interessant, in dem es um die Atommacht Großbritanninen geht.

Evil
16.09.2014, 21:45
Ich glaube jedenfalls nicht, daß eine Trennung für Schottland wirtschaftlich von Vorteil wäre, und für die Engländer schon gar nicht. Außer Öl und Fisch haben die Schotten nicht viel, vor allem keine eigene Währung.
Die Engländer werden angepisst sein und sie aus der Währungsunion herauswerfen. Ein Euro-Beitritt ist schwierig, weil sie die Stabilitätskriterien nicht erfüllen. Und für eine eigene Währung müssen sie erstmal ordentlich Reserven aufbauen.

Muriel
16.09.2014, 21:50
Ich glaube auch, dass das wirklich schwierig werden könnte und frage mich halt, inwiefern das alles so durchdacht ist.

davo
16.09.2014, 22:04
Ich denke, dass es durchaus machbar wäre, auch wenn die Währungsfrage noch offen ist. Aber ich bin mir dennoch ziemlich sicher, dass eine Mehrheit gegen die Unabhängigkeit stimmen wird.

Gast26092018
16.09.2014, 23:25
Ich bin auch gespannt, aber ich hoffe dass die Mehrheit für ein Nein stimmt. Auch dann würden die Schotten als Sieger hervortreten, it will not be business as usual. Ich weiß nicht ob sie so viel Erdölreserven haben, wie behauptet wird:-nix es gibt noch den Whiskey, da verdienen sie auch Einiges...
Die Zukunft ist einfach zu unsicher, nach einer Abspaltung gibt es kein Zurück mehr...

Ich mein ich versetehe schon, dass es um Nationalstolz geht und so, das war der große Traum von William Wallace, aber wie gesagt gemeinsam ist glaube ich besser:-nix

Christoph_A
18.09.2014, 11:30
Naja, Schottland wäre alleine durchaus lebensfähig, das geben ja auch alle No Unterstützer unumwunden zu.
Klar, würden einige, bereits oben thematisierte, Probleme auf die Schotten zukommen, aber sie sind, nach der Region um London, aktuell die recuhste und stabiliste Region des UK. Aber es geht ja hier nicht nur um das Wirtschaftliche. Eine Separation Schottlands hätte sicher eine gewisse Sogwirkung, einerseits auf andere Teile des UK, v.a. Wales, andererseits auch auf Regionen in Europa, die nach Unabhängigkeit streben, zuvorderst Katalonien, das Baskenland und Flandern. Ob man sich damit ein Faß aufmacht, das man gar nicht aufmachen will, ist hier die Frage.
Zumal ja die Schotten aktuell keinen großen Grund zu Unzufriedenheit hätten, sie haben seit einiger Zeit wieder ein eigenes Parlament, die Zeiten der Unterdrückung durch den großen Bruder im Süden sind ja nun auch schon ein paar Takte her und die bereits bestehende Autonomie kann man ja durchaus auch erweitern.
Andererseits besteht natürlich hier die einmalige Chance, sich wieder zu dem zu machen, was man bis vor 307 Jahren war. Eine eigenständige Nation. Die damals ja nur vor ein paar korrupten Adeligen nach einem, nennen wir es, desaströsen Kolonialabenteuer in Panama und dem konsekutiven Staatsbankrott, verschachert worden ist.
Alles in allem m.M. nach eine sehr schwierige Entscheidung, kann beide Seiten verstehen.
Persönlich würde ich mir wünschen, daß die Schotten in GB bleiben, akzeptieren und respektieren kann ich beide Entscheidungen.

Gallilei
18.09.2014, 20:51
Ich hoffe sehr, dass es nicht zu einer Spaltung kommt. Vielleicht ist es nur die Angst vor Neuem, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich gut geht.
Dazu eine Frage: Falls es zur Spaltung kommen sollte, gibt es dann automatische Staatsbürgerschaftswechsel? Ich meine, es gibt zum Einen sicherlich genügend Engländer, Waliser oder Nordiren, die dort leben und wie die Schotten (bisher) Briten sind. Denen kann man ja kaum auf einmal eine andere Staatsbürgerschaft überstülpen, genauso wenig sie auf einmal zu Ausländern machen. Müssen die gebürtigen Schotten damit eine schottische Staatsbürgerschaft annehmen oder dürfen sie es sich aussuchen, wenn sie z.B. mit Nein gestimmt haben? Ich habe ne Menge zu Öl, Whisky etc gefunden, dazu aber irgendwie nichts.

Gast26092018
18.09.2014, 23:18
So, in ein paar Stunden wird es verkündet:)
Schottland ist so schön, ich würde so gerne mal hin, wenn das Wetter schön ist. Vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr.

Kandra
19.09.2014, 07:22
So wie es aussieht, hat es wohl nicht geklappt mit der Abspaltung. Ohne mich jetzt groß in die Materie eingearbeitet zu haben, finde ich es schade. Dieses Experiment hätte ich gerne mit angesehen.

Evil
19.09.2014, 07:39
Ich denke, es ist besser so. Bei der derzeitigen weltpolitischen und wirtschaftlichen Lage ist das meiner Ansicht nach nicht der richtige Zeitpunkt für Experimente.

Gast26092018
19.09.2014, 08:40
Finde ich auch: Experimente kann man in einem Labor durchführen, aber nicht auf der heutigen Weltbühne.
Es ist vieleicht besser nicht unnötig mit der Zukunft der Kinder und Enkelkinder der Schotten zu experimentieren.

Christoph_A
19.09.2014, 08:49
Denke, das war schon die richtige Entscheidung. Allerdings muß London, was die Ausweitung der Autonomie angeht, jetzt auch wirklich liefern, damit da dauerhaft Ruhe in den Kessel kommt.

Rico
19.09.2014, 09:26
Finde ich auch: Experimente kann man in einem Labor durchführen, aber nicht auf der heutigen Weltbühne.
Es ist vieleicht besser nicht unnötig mit der Zukunft der Kinder und Enkelkinder der Schotten zu experimentieren.Naja, das darf man jetzt auch nicht überbewerten, es bliebe ja abzuwarten ob das überhaupt einen spürbaren Unterschied gemacht hätte. Immerhin regieren die schottischen Nationalstaatsbefürworter ja bereits seit längerem im Regionalparlament - und hätten vermutlich auch ein unabhängiges Schottland regiert. Von daher hätte sich innenpolitisch eh nicht viel geändert, außen- und sicherheitspolitisch sind die Schotten eher isolationistisch eingestellt ohne Ambtionen auf ein Empire, viel wäre da also von Schottland nicht zu erwarten gewesen.
Zukunftsgefährdend für kommende Generationen wäre das Referendum also eher nicht gewesen. Zwar durchaus zukunftsentscheidend - aber das sind auch ganz normale Parlamentswahlen mal wenn richtungsweisende Entscheidungen anstehen. Ich sag jetzt mal beispielsweise "Annährungspolitik" von Willi Brandt - da hat sich letztlich die Zukunft Europas bei einer ordinären Bundestagswahl entschieden und den Lauf der Geschichte viel mehr beeinflusst hat als ein Referendum, bei dem einen neue Grenze innerhalb eines halbwegs geeinten Europas gezogen wird.
Ein anderer Ausgang des Referendums hätte vielleicht die Landkarten geändert, aber sonst nicht viel - außer dem wohligen Gefühl der Schotten, ihre Geschicke weitgehend selbst zu lenken - was ja auch was wert ist, wenn einem das wichtig ist.

Relaxometrie
19.09.2014, 12:41
Ok....die Vernunft hat gesiegt. Ich muß zugeben, daß ich aber durchaus Verständis für diejenigen hatte, die sich ein unabhängiges Schottland gewünscht haben. Allerdings hätte das einen Verhandlungsmarathon nach sich gezogen. Laut diesem Artikel (http://www.nachdenkseiten.de/?p=23321) hätten rund 14.000 (!!!!!) internationale Verträge neu verhandelt werden müssen.

Rico
19.09.2014, 12:44
Wobei die "Verhandlungen" sich bei 90% der Verträge vermutlich darauf beschränkt hätten, dass man den Ursprungsvertrag kopiert und "Vereinigtes Königreich" durch "Schottland" ersetzt und dann nochmal beide Seiten unterschreiben.

Relaxometrie
19.09.2014, 12:47
Ok, das kann natürlich sein. Aber die Zahl (sofern sie stimmt) zeigt doch, wie kompliziert, komplex und meiner Meinung nach absolut übertrieben geregelt die internationale Zusammenarbeit ist.

Viehdoc
19.09.2014, 15:23
Ok....die Vernunft hat gesiegt. Ich muß zugeben, daß ich aber durchaus Verständis für diejenigen hatte, die sich ein unabhängiges Schottland gewünscht haben. Allerdings hätte das einen Verhandlungsmarathon nach sich gezogen. Laut diesem Artikel (http://www.nachdenkseiten.de/?p=23321) hätten rund 14.000 (!!!!!) internationale Verträge neu verhandelt werden müssen.

wow, ich hatte mich damit auch nur so ein bisschen am Rande beschäftigt, aber die Zahl finde ich grad auch ein bisschen krass :-wow
In was für einer Welt der Bürokratie wir doch leben -.-