Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Versorgunsstärkungsgesetz - wieder Unsinn in Paragraphenform
Vom RLV werden bei uns die Fixkosten (Miete, Gehälter, Geräte etc) gerade eben gedeckt, verdient haben meine Chefs damit noch nix. Zugegebenermaßen ist unsere Praxis groß und die Einnahmen durch OPs, Private etc. kommen dann ja hinzu.
Relaxometrie
21.12.2014, 12:28
Bei aller Idiotie des Kassenpatientenabrechnungssystems halte ich es aber für falsch, zu sagen, daß das Geld des RLV gerade eben mal die Fixkosten der Praxis deckt. Denn es sind ja nicht nur die Kassenpatienten, die die Infrastruktur der Praxis nutzen.
Um wirklich beurteilen zu können, wie idiotisch das GKV-System ist, muß man mMn betrachten, wieviel Gewinn pro Investition in den Patienten (also wieviel Zeit und welche Ressourcen wurden für einen Patienten gebraucht) erzielt wurde. Und das muß nach GKV- und PKV-Patient aufgeschlüsselt werden.
Verdünnerscheine sind natürlich nett, sprich der prinzipiell gesunde Patient, der mal gucken lassen will, in zehn Minuten ohne Rezept die Praxis verlässt. Anders sieht es mit solchen aus, die drei und mehrmals kommen, teils durch nötige Kontrollen, teils durch unnötige, wenn mal wieder nicht verstanden wird, dass Siccaprobleme nicht nach drei Tagen ein bisschen Tropfen verschwunden sind. Ich kann dir zu dem Punkt nur sagen, dass wir drei mal mehr GKV-Patientenkontakte pro Quartal als Scheine haben, das ist eigentlich ein beschissener Schnitt finanziell betrachtet. Aber wenn ich einen Patienten mit einer Uveitis, einer Keratitis oder so habe, dann will und muss ich den natürlich kontrollieren auch wenn es mir außer womöglich noch weiteren Rezeptierungen nichts bringt.
Relaxometrie
21.12.2014, 13:09
Ich kann dir zu dem Punkt nur sagen, dass wir drei mal mehr GKV-Patientenkontakte pro Quartal als Scheine haben
Man könnte sich zu der Aussage verleiten lassen, daß man dann durchschnittlich je GKV-Patientenkontakt 5 € bekommt (was nicht dem Bruttoarztgehalt entspricht, sondern dem Einkommen, von dem noch sämtliche Unkosten einer Praxis abgezogen werden müssen), da man pro Quartal und Patient ca. 15 € bekommt. Aber Du hast ja geschrieben: "gewisse Interventionen werden separat vergütet".
Aber auch mit dieser zusätzlichen Vergütung wird der Schnitt von 5 € pro GKV-Patientenkontakt sicherlich nicht sehr stark angehoben.
Dennoch: für eine "fundiertes Aufregen" über die GKV-Leistungen brauche ich als Vergleich noch die Umsatzzahlen, die man mit PKV-Patienten macht.
Da ich selber im Angestelltenverhältnis arbeite, kann ich die dir nicht sagen. Ich bekomme ja nun nicht alle Abrechnungen vorgelegt ;-) Nichtsdestotrotz finde ich auch nicht unbedingt, dass man das in diese betrachtungen mit einbeziehen muss. Natürlich berechnet sich der letztendliche Verdienst dieser Praxis auch bzw. größtenteils durch die Privaten, aber mit dieser Logik könnte man ja jedem Unternehmer sagen, man sei nicht bereit, seine Arbeit angemessen zu vergüten, da er ja schließlich noch andere Einkommensquellen habe.
Dennoch: für eine "fundiertes Aufregen" über die GKV-Leistungen brauche ich als Vergleich noch die Umsatzzahlen, die man mit PKV-Patienten macht.
Nöö braucht man eigentlich nicht. Wenn man überlegt, dass die KV Dir pro Quartal und Patient und Diagnose nur EINMAL 15€ überweist, egal wie oft der Patient kommt, und man dann wiederum sieht, dass der Privatpatient für JEDES Mal den kompletten Satz bezahlt (bekommt), dann reicht das m.M.n. schon aus. Selbst wenn der Privatpatient "nur" diese 15€ jedes Mal bezahlen würde. Und wir alle wissen, dass da mit der Steigerung gearbeitet wird... ;-)
Das wäre ja ungefähr so, als wenn Du zum freundlichen Supermarkt um die Ecke gehst und heute einen Liter Milch für 1 € kaufst. Und dem Kassierer sagst, dass Du ab jetzt jeden 3 Tag im Quartal wiederkommst und einen Liter Milch kaufst, allerdings nur noch 35 Cent bezahlen wirst. Erst im nächsten Quartal bekommt er wieder einmalig 1 €...
Relaxometrie
21.12.2014, 14:38
Die Vergleiche mit Schlüsseldienst, Supermarkt oder Autowerkstatt (letzteres nehme ich immer, wenn ich medizinfernen Personen das GKV-System erklären möchte) hinken aber insofern, als daß man bei den genannten Dienstleistern sein eigenes Geld ausgibt. Man kann also selbst entscheiden, wieviel man im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten in welche Dienstleistung investiert. Somit erscheint einem das erstmal gerecht, da man ja selbst entscheiden kann.
Aber das GKV-System entscheidet für die Patienten und Ärzte und es ist nur eine gewisse Summe vorhanden, die -aus Sicht der Beteiligten, nämlich Patienten und Ärzten- fremdbestimmt verteilt wird. Die Preise regelen sich also nicht nach Angebot und Nachfrage, wie bei anderen Dienstleistungen oder im Supermarkt, sondern die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen ist nahezu unendlich, das Angebot aber begrenzt, da die Krankenkassenbeiträge und Zuschüsse durch Bund und Länder ("Duale Finanzierung der Krankenhäuser") begrenzt sind. Aktuell liegt das Risiko für "mehr Nachfrage als Angebot" bei den Ärzten und Mitarbeitern im Gesundheitstsystem, die einen Teil der Leistungen kostenlos erbringen sollen. Klar....wenn der Anteil der gefühlt/tatsächlich kostenlos erbrachten Leistung zu hoch ist, hat man keine Lust mehr, zu arbeiten.
Um alle Beteiligten, also Mitarbeiter im Gesundheitssystem und Patienten, 100%ig zufrieden zu machen, bräuchte es die eierlegende Wolmilchsau: Krankheitsaufkommen nach Plan und genau darauf abgestimmte, geregelte Arbeitszeiten für die Mitarbeiter im Gesundheitssystem.
Tatsächlich wird es sich bestenfalls irgendwo in der Mitte einpendeln. Aber ich habe schon den Eindruck, daß der Druck auf die Mitarbeiter im Gesundheitssystem, Leisungen kostenlos erbringen zu sollen, schon längst ein unerträgliches Maß überschritten hat.
Das nur so als ein paar Gedankensplitter. Die Lösung habe ich noch nicht gefunden :-))
Das Gesetz ist sicher nicht nur in abseitigen Regionen problematisch, die Hamburger KV rechnet vor, dass 20% der Kassensitze wegfallen, ganz vorn die Hausärzte, außerdem 30% der Psychotherapeuten... Da fragt man sich in der Tat, woher das Geld für den Rückkauf kommen soll und wie dann noch eine 4 Wochen Frist garantiert werden soll.
Die Preise regelen sich also nicht nach Angebot und Nachfrage, wie bei anderen Dienstleistungen oder im Supermarkt, sondern die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen ist nahezu unendlich, das Angebot aber begrenzt, da die Krankenkassenbeiträge und Zuschüsse durch Bund und Länder ("Duale Finanzierung der Krankenhäuser") begrenzt sind.
Ich finde, das ist ein ganz wichtiger Punkt! Medizinische Versorgung kann nicht nur nach marktwirtschaftlichen Gesetzen funktionieren, ich weiß daher nicht, warum "mehr Markt" die Lösung sein sollte.
Es ist doch auch absurd, dass private Klinikkonzerne Gewinne erwirtschaften auf Kosten eines Solidarsystems (betrifft zwar den stationären Sektor, ist ja aber im Prinzip das Gleiche). Ich sehe nicht nur Nachteile eines staatlichen Gesundheitssystems, ein Verwandter ist bspw. nach Norwegen als (Zahn-)Arzt ausgewandert und ist von dem dortigen Gesundheitssystem ganz angetan. Es hat sicher auch seine Nachteile, v.a. kann man als Arzt nicht unendlich verdienen ;-), dafür ist ein Basisgehalt (und das ist nicht schlecht) gesichert.
@Thomas: Deine Darstellung ist richtig, aber ich sehe noch weitere innerärztliche Ursachen, bzw. Systemursachen die bei Behebung zur Entspannung der Terminsituation führen könnten, die aber keiner anpackt!
1. Die Fehlanreize durch unser beklopptes Abrechnungssystem,die dazu führen, dass viele Kollegen IGeLn was das Zeug hält (das kostet ärztliche Zeit, wird aber (und muss) evtl. aus wirtschaftlichen Erwägungen gemacht werden). Den Fehlanreiz eigentlich gesunde Menschen mit ungefährlichen Befunden alle 6 Monate zur Kontrolle einzubestellen (geht schnell, hält nicht so lange auf wie der wirklich kranke Mensch). Die weiter bestehenden Anreize unseres Systems zum "Hamsterrad" (also viele Patienten durchzuschleusen in möglichst gerinegr Zeit).
2. den Anspruch und das Anrecht der Patienten mit dem Schnupfen vom HNO Arzt und mit dem Blutdruck vom Kardiologen
behandelt zu werden, also der fehlende Filter (kaum ein Land der Welt leistet sich so viele Spezialisten wie Deutschland und in Ländern die ein Primärarztsstem haben sind die Patienten eher besser als schlechter versorgt). Wenn der Patient Schnupfen, Blutdruck und Rücken hat, dann rennt er bei uns wenn es schlecht läuft zu 3 verschiedenen Ärzten statt damit zum Hausarzt zu gehen. Kaum ein LAnd der Welt hat folglich so viele Arzt-Patientenkontakte zu bieten wie Deutschland. Wenn der HNO Arzt also 10x Schnupfen(Tag behandelt, dann hat er weniger Zeit für diejenigen Patienten die sein spezielles Können wirklich brauchen.
Dieser wichtige Kommentar ist ein bißchen untergegangen, finde ich.
Dieses "quartalsweise" ist ja den meisten Patienten auch schon völlig in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn ich (chronisch kranken) sage, dass es reicht, wenn sie zwei- oder dreimal im Jahr kommen (ich schreibe ja auch noch einen Brief an den Hausarzt), dann sind die ganz irritiert und fühlen sich unterversorgt :-oopss. Mach ich aber trotzdem, ich bin ja nur angestellt in einem MVZ und bekomme ein Festgehalt ;-).
Ich persönlich glaube schon, dass ein staatliches System besser funktionieren kann, jedenfalls besser als das, was wir im Moment haben, das so tut, als sei es marktwirtschaftlich orientiert, das in Wirklichkeit aber gar nicht ist.
ehem-user-19-08-2021-1408
21.12.2014, 20:40
Was bringt es eigentlich, wenn gesetzliche Krankenkassen mit dem Geld der Versicherten Kassensitze aufkaufen?
Wollen die dort dann ausländische Ärzte beschäftigen?
Thomas24
21.12.2014, 20:59
Die Grundidee besteht darin, in überversorgten Gebieten (also Metropolregionen, dort wo Infrastruktur, Schulen für die Kinder, Kultur, Arbeitsplätze für den Ehepartner und ggf. Privatpatienten leben) die KV Sitze abzubauen, um Sie in den unterversorgten Flächengebieten (z.B. in der Vulkaneiffel oder in McPomm) anzubieten, damit die Gesundheitsversorgung in der Fläche etwas besser klappt.
Die grundlegenden Probleme (z.B. das immer absurder werdende System, die Abwanderung unserer ausgebildeten Assistenz- Fachärzte in andere Länder bzw. klinikfremde Tätigkeiten, die überbordende Bürokratie, die absurde Vergütungsproblematik mit Punkten, deren Wert erst im Nachhinein festgestellt wird etc., und die Tatsache, dass viele Leute -u.a. auch Ärzte einfach nicht in der Pampa leben und arbeiten wollen) werden damit kein bischen tangiert. Aber es ist besser, als das was ein Herr Magnus von Stackelberg (AOK) seinerzeit vorgeschlagen hatte (Zwangsverpflichtung junger Ärzte für einige Jahre Arbeit auf dem Land).
Wer den Job dann macht, wenn die KV den Sitz erstmal gekauft, in der Stadt zugemacht und im 20.000 Einwohner Ort 2 Stunden entfernt von der nächsten Stadt wieder eröffnet? Keine Ahnung. Aber die KV Sachsen hat neulich erst wieder einen schönen Artikel über einen netten ungarischen Kollegen, der sich in die sächsische Provinz verliebt hat, veröffentlicht... ;-) Hony soit, qui mal y pense.
Ausserdem hast du etwas falsch verstanden: nicht die Krankenkassen sollen mit dem Geld der Versicherten die Sitze kaufen- sondern die Kassenärztlichen Vereinigungen (also unsere "Selbstverwaltung"). Und das auch nicht mit den Geldern der Versicherten, oder Staatsgeldern. Nein, mit unseren Zwangsmitgliedsbeiträgen. Zu deutsch: die Ärzteschaft finanziert den Aufkauf und die Schliessung von freiwerdenden KV Sitzen selbst. :-kotz
Relaxometrie
21.12.2014, 21:38
die Ärzteschaft finanziert den Aufkauf und die Schliessung von freiwerdenden KV Sitzen selbst. :-kotz
Ich verstehe gerade nicht, warum die KV einen Sitz, den sie von der Stadt aufs Land verlagern möchte, bezahlt? Macht sie das, weil dem Kollegen, der seine Praxis eigentlich an einen Nachfolger verkaufen würde, mit dem Verlagern des Sitzes die Möglichkeit genommen wird, seine Praxis zu fairen Konditionen zu verkaufen?
Die Frage ist ja, ob es rechtens ist, einem Praxisinhaber zu sagen, ätsch, Du hast zwar für die Praxis 1 Million Euro bezahlt und würdest natürlich gerne als Altersrückstellung auch eine Million dafür bekommen. Wir bieten Dir aber den Verkehrswert des Grundstücks in Höhe von 200000€ an. Nimm es oder lass es. Aber die Praxis wird nicht weiter geführt. :-nix
Denn wer legt denn fest, ob ein Gebiet überversorgt ist? Natürlich die KV. Nur... wer hat denn die ganzen Praxen genehmigt, die erst zur Überversorgung geführt haben? ;-)
Relaxometrie
21.12.2014, 22:21
Wie konkret ist das Vorhaben, daß die KV Praxissitze aufkaufen will, denn? Und dann ist der von Brutus angesprochene Verkaufspreis natürlich sehr interessant. Wie wird der festgelegt?
Die Frage ist ja, ob es rechtens ist, einem Praxisinhaber zu sagen, ätsch, Du hast zwar für die Praxis 1 Million Euro bezahlt und würdest natürlich gerne als Altersrückstellung auch eine Million dafür bekommen. Wir bieten Dir aber den Verkehrswert des Grundstücks in Höhe von 200000€ an. Nimm es oder lass es. Aber die Praxis wird nicht weiter geführt. :-nix
Das gibt garantiert noch rechtliche Auseinandersetzungen... ;-)
Die Frage ist ja, ob es rechtens ist, einem Praxisinhaber zu sagen, ätsch, Du hast zwar für die Praxis 1 Million Euro bezahlt und würdest natürlich gerne als Altersrückstellung auch eine Million dafür bekommen. Wir bieten Dir aber den Verkehrswert des Grundstücks in Höhe von 200000€ an. Nimm es oder lass es.
Da vermischst Du aber was Brutus, nämlich: rein (ideeller) Wert des KV Sitzes und Sachwerte der Praxis/der Immobilie etc.. Wenn eine Praxis verkauft wird und weiter geführt wird, dann zahlt man logischerweise für beides. Im Gesetz geht es jedoch nicht darum, dass die KV einen Preis für den ideellen und den Sachwert zahlt, sondern nur für den rein ideellen Wert des Sitzes, zumindest habe ich es so verstanden. Den Sachwert (Immobile, Geräte etc.) kann der Arzt ja trotzdem privat zu Geld machen. Alles andere wäre ja Enteignung von Sachwerten. Natürlich hat der Arzt der heute seine Praxis loswerden möchte auch mit dem ideellen Wert seiner Praxis evtl. für seine Altersbezüge gerechnet und diesen ja auch bei Kauf der Praxis mit finanziert. Irgendeine Art Ausgleich zu bekommen wenn der Sitz zwangsweise weg fällt ist also sicher fair. Dass die niedergelassenen Ärzte dies nun ausschliesslich selber finanzieren sollen ist allerdings mal wieder typisch. Die Berechnungen zu den Versorgungsgraden erscheinen mir zudem in eigenen Regionen auf erheblich hölzernen Füßen zu stehen.
Mein Vorschlag zu einer Reform, die aber wahrscheinlich auch wieder einen Riesenaufschrei vor allem bei uns Ärzten hervorrufen würde:
1. verpflichtendes Primärarztsystem
2. Pauschalisierung statt "floatender" Punkte für den jetzigen Mix aus Einzelleistungen und Grundpauschale, dafür aber Pauschalen von denen man gut leben kann und mit denen man kalkulieren kann. Zusatzpauschalen für Zusatzqualifikationen, oder besondere Leistungen/Schwergrade der Fälle.
3. Abchaffung der privaten Krankenkassen, ausreichende und verpflichtende Grundversicherung für alle, Spielfeld für private Versicherer ausschliesslich als individuelle Zusatzversicherung.
Ich bin mir sicher wenn man dies durchziehen würde, dann würden wieder mehr ärztliche Ressourcen frei, gleichzeitig hätten wir Ärzte ein kalkulierbares Einkommen und ich bin mir auch sicher das ganze wäre effizienter und gleichzeitig deutlich billiger als jetzt.
-nicht hauen :), mir ist bewusst, ich stehe mit dieser Meinung recht einsam da :)
Ach ja, eines ganz vergessen, die ganzen gesetzlichen Kassen mit ihrem Pseudowettbewerb könnte man auf eine einzige Kasse eindampfen. So, jetzt verziehe ich mich aber schnell :-D
Da vermischst Du aber was Brutus, nämlich: rein (ideeller) Wert des KV Sitzes und Sachwerte der Praxis/der Immobilie etc..
Nun ja, jetzt ist es aber so, dass der ideelle Wert des KV Sitzes aber sehr wohl auch ein Sachwert ist. Denn immerhin hast Du ja für diese Praxis sowohl für den Sachwert der Immobilie bezahlt als auch für den "Sachwert" des Patientenstammes, also den ideellen Wert.
Wenn eine Praxis verkauft wird und weiter geführt wird, dann zahlt man logischerweise für beides. Im Gesetz geht es jedoch nicht darum, dass die KV einen Preis für den ideellen und den Sachwert zahlt, sondern nur für den rein ideellen Wert des Sitzes, zumindest habe ich es so verstanden. Den Sachwert (Immobile, Geräte etc.) kann der Arzt ja trotzdem privat zu Geld machen. Alles andere wäre ja Enteignung von Sachwerten.
Egal wie rum man das dreht. Es ist auf jeden Fall eine Enteignung. Entweder man bezahlt den Verkehrswert der Immobilie, dann ist aber der Wert des Patientenstammes, der ja von Vorgänger mit übernommen und bezahlt wurde, weg, oder man bezahlt für diesen ideellen Wert, dann wird die Immobilie nicht mehr nach Wert veranschlagt...
Ach ja, eines ganz vergessen, die ganzen gesetzlichen Kassen mit ihrem Pseudowettbewerb könnte man auf eine einzige Kasse eindampfen. So, jetzt verziehe ich mich aber schnell :-D
Volle Zustimmung! Vielleicht nicht eine, aber fünf sollten doch völlig ausreichend sein, und ein bißchen Wettbewerb hätte man dann auch noch!
Nun ja, jetzt ist es aber so, dass der ideelle Wert des KV Sitzes aber sehr wohl auch ein Sachwert ist. Denn immerhin hast Du ja für diese Praxis sowohl für den Sachwert der Immobilie bezahlt als auch für den "Sachwert" des Patientenstammes, also den ideellen Wert.
Jein, es ist rein rechtlich (so weit ich weiss) sowie fraglich ob der reine KV Sitz einen Wert hat, da der "reine" Sitz eigentlich nicht verkauft werden kann. Trotzdem ist dies natürlich Usus (sozusagen Goodwill) über die ganze Zeit und damit ist eine Erstattung auch fair. Warum dem Arzt jetzt aber der Sachwert (Immobile Geräte etc.) erstattet werden soll wenn die Praxis nicht weiter geführt wird ist für mich nicht logisch, kann doch der Sachwert vom Arzt unabhängig vom reinen Sitz verkauft werden.
Vielleicht reden wir aber aneinander vorbei (Befürchtung hab)?
Möglich dass ihr aneinander vorbeiredet...
Um was es geht ist dass die Immobilie was wert ist, die Ausstattung ebenfalls. Dann die Tatsache dass man sich nicht um Dinge wie Mitarbeiterrekrutierung kümmern muss und natürlich auch der Patientenstamm.
Es ist nunmal so dass man wenn man eine Praxis übernimmt oder mit einsteigt sehr einfach einen kompletten Stamm mit vollen Auftragsbüchern hat. Das ist auch einiges wert. Und die Patienten bleiben eher bei einem der in der gleichem Immobilie ist und dort auch auf die alten Akten zugreifen kann als sich einen neuen zu suchen. Das ist dann der "Wert" der Patientenstamms.
Gelegentlich ist der Patientenstamm auch mehr wert als der Rest. Wenn die Immobilie nur gemietet ist und die Ausstattung nicht die modernste, dann kommt man leicht auf Rechnungen wie (achtung, bissl aus der Luft gegriffen) 10.000€ für den KV-Sitz + 20.000€ für die Ausstattung + 30.000€ für den Patientenstamm.
Und noch was. Wenn ich das richtig verstanden hab darf man wenn man eine Praxis neu aufmacht immer nur soundsoviel mehr als im Vorjahresquartal reinarbeiten bzw. bekommt das erstattet. Bei einer Praxisfortführung soll der Sockel zu Beginn höher sein.
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